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For Hogwarts: A Regency Gamble – Für Hogwarts: Ein Regency-Spiel

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Draco Malfoy Harry Potter Hermine Granger Lucius Malfoy Severus Snape
26.12.2019
13.07.2020
33
121.612
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For Hogwarts: A Regency Gamble – Für Hogwarts: Ein Regency-Spiel

Originaltitel: For Hogwarts: A Regency Gamble
Autor: Subversa
Übersetzt von Wine Witch

Disclaimer: Harry Potter gehört JK Rowling. Autor und Übersetzer spielen lediglich in deren Sandkasten. Kein Geld, nur Spaß.

Anmerkungen der Übersetzerin:
Herzlichen Dank an Subversa für die freundliche Erlaubnis zur Übersetzung.


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Kapitel 1

September 2001 bis Juni 2002


„Daher ist es offensichtlich, dass die Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei bankrott ist. Die außerordentlichen Ausgaben für die Renovierungsarbeiten nach der Schlacht von Hogwarts haben das Betriebskapital vollständig aufgebraucht, sodass die Schule am Ende des Sommerhalbjahres ihre Tore schließen muss.“ Beanie Counter-McPhail beendete seinen Bericht über den trostlosen Zustand der Schulfinanzen und nahm wieder seinen Platz ein, während er betulich seine Vielzahl von Pergamenten zu einem ordentlichen Stapel anordnete.

Als wolle sie die verhängnisvolle Natur der Worte unterstreichen, die noch immer im Konferenzraum im Parterre in der Luft hingen, schlug die Uhr auf dem Kaminsims die volle Stunde, und der Schulleiter schaute auf seine Taschenuhr, um deren Korrektheit zu überprüfen. Es war sechs Uhr, und das Meeting des Schulbeirats zog sich in die Länge.

Lucius Malfoy, prächtig wie eh und je in silbernen Roben, die genau zu seinen Augen passten, übernahm ruhig wieder die Leitung der Sitzung.

„Danke an unseren Schatzmeister“, sagte er und erlaubte den versammmelten Schulräten, ihre Wertschätzung gegenüber dem Ministeriumsbuchhalter zu äußern, der ihnen als Finanzbeamter diente. „Wie wir in unserem letzten Meeting besprochen haben, steht genügend Betriebskapital zur Verfügung, um den Rest dieses Schuljahrs zu finanzieren.“ Lucius stand auf, hob den Gehstock mit dem Schlangengriff hoch und wies damit auf die Tafel. Dort waren ausführliche Schaubilder mit verrückt verschnörkelten, bunten Linien finanziellen Verhängnisses angebracht. „Die Korrekturen an der Schuldenstruktur und die Verteilung des Anteileportfolios werden das vorübergehende Defizit mehr als ausgleichen – in drei Jahren.“

Die Stimmen blieben in derselben Tonart, und der Schulleiter, der alles zuvor schon gehört hatte, setzte sich in seinem Stuhl zurecht und erlaubte seinem ruhelosen Blick, die längerwerdenden Schatten zu beobachten, die im September auf dem Gelände zu sehen waren. Wie hatte Dumbledore es so lange ausgehalten, diese langweiligen Sitzungen durchzustehen? Der alte Mann war jahrzehntelang Schulleiter gewesen.

Eine Bewegung unten erregte seine Aufmerksamkeit, und er wurde einer kleinen Gruppe gewahr, die den Pfad zu den Schlosstoren entlangging, zwei Frauen und ein Mann. Seine Lippen verzogen sich beim Anblick des unverkennbar unordentichen, schwarzen Haars des Mannes. Guter Gott, eine Schulbeiratssitzung und ein Besuch von Potter, alles an einem Tag? Wen hatte er so sehr beleidigt, dass er dieses Schicksal verdiente?

Die Frauen konnte er jedoch nicht identifizieren. Eine davon war ein schlankes Geschöpf mit langem, goldenem, lockigem Haar und schmeichelnden, femininen Roben; die andere war eine köstlich kurvenreiches Weib, das maßgeschneiderte Muggel-Businesskleidung trug … und viel mehr seinem Geschmack entsprach. Der engsitzende Rock endete an ihren Knien und ließ einen zufriedenstellenden Blick auf bestrumpfte Beine und Pumps mit genügend hohem Absatz zu, dass sie ihre wohlgeformten Waden betonten. Die elegante weiße Bluse war in den Rock gesteckt und diente dazu, die Schmalheit ihrer Taille über der Kurve der Hüften zu betonen, die bei jedem zielstrebigen Schritt, den sie machte, leicht schwangen. Es war eine Schande, dass er sie nicht bemerkt hatte, ehe sie an ihm vorbeigegangen war – es wäre nett gewesen, ihre Vorderseite zu sehen – immer sein bevorzugter Teil –, und der Glockenhut, den sie anstelle eines Hexenhuts trug, verbarg ihr Haar vollständig vor ihm.

Einen solchen Anblick zu sehen glich dem eines ertrinkenden Mannes, der eine Schwimmweste sichtete – auch wenn sein Ozean aus endlosen Zahlen und Berechnungen bestand –, und die Figur der Frau war allem weit überlegen, was die Buchhalter zu bieten hatten. Daher war es ein unangebrachtes Grinsen, mit dem er Lucius erlaubte, wieder seine Aufmerksamkeit zu fordern.

„Dies setzt uns der Notwendigkeit aus, die Schuljahre beginnend in 2003 und 2004 zu finanzieren. Wir würden gerne das Hauptproblem angehen, – dass es keine Mittel gibt, die Ausbildung sozial schwacher Schüler zu fördern –, und das Kollegium hat im vierten Jahr in Folge keine Gehaltserhöhung erhalten.“

Die Schulräte ließen ihre Augen unbehaglich auf den Schulleiter schweifen, der mit seiner Stellvertreterin und einer Anzahl seiner Lehrer an einem Ende des massiven Konferenztisches saß. Die Lehrer von Hogwarts erwiderten diese Blicke mit strengem, autoritärem Starren, wie es nur professionelle Lehrkräfte zu tun in der Lage sind. Der tödlichste dieser Blicke kam von Professor Mortelle, der neuen Meisterin der Verteidigung. Die Frau hätte den Dunklen Lord verunsichern können – kein Wunder, dass Lucius hingerissen war.

Die Schulräte sahen schnell wieder weg.

Griselda Marchbanks ergriff mit ihrer zitternden Stimme das Wort. „Lucius, hat das Zaubereiministerium nicht ein Kommittee eingesetzt, um dem Problem auf den Grund zu gehen?“

Die Tür öffnete sich; Harry Potter trat ein und blieb stehen, um sie für die beiden Frauen aufzuhalten, die ihm in den Raum folgten.

„Bitte entschuldigen Sie unsere Verspätung, Mr Malfoy“, sagte Hermione Granger selbstbewusst, nahm den dunklen Filzhut vom Kopf und ließ ihr  schreckliches Haar auf ihre Schultern fallen.

Der Schulleiter konnte nur mit zusammengepressten Lippen verärgert starren. Hermione Granger?

„Miss Granger ist die Chefassistentin der Ministerin für Spezielle Projekte, Madam Marchbanks. Sie steht dem Ministeriumskommitee vor, von dem Sie gesprochen haben“, sagte Lucius sanft und lud das Grangermädchen mit einer manikürten Hand ein näherzutreten. „Würden Sie uns Ihre Begleiter vorstellen?“, fragte er sie.

„Penelope Clearwater“, sagte Granger und wies auf die hübsche Blondine, die nickte und lächelte. „Und jeder kennt diesen jungen Mann, nehme ich an.“

Potter grinste auf das Begrüßungsgemurmel und zog in einer Art den Kopf ein, die beim Schulleiter den Wunsch weckte, ihm einen Klapps auf den Hinterkopf zu geben.

Dann übernahm Granger die Leitung der Sitzung, als sei sie zum Herrschen geboren, was – das gab der Schulleiter zu – nichts als die Wahrheit war. Aber wer hätte gedacht, dass die Besserwisserin mit dem Überbiss und den buschigen Haaren sich zu solch einem köstlichen Happen entwickeln würde?

„Unsere Empfehlung lautet, offen gesagt, nichts anderes als Geldbeschaffung“, sagte sie, und die Schulräte konzentrierten sich auf sie, als sei sie eine Autorität – eine Erwachsene! Einige der tattrigen alten Dummköpfe machten sich sogar Notizen.

Mit einem innerlichen Grinsen nahm der Schulleiter seine Feder in die Hand und entschied, dass Männchen zu malen ein zufriedenstellender Zeitvertreib sei, während das Mädchen annahm, er lausche aufmerksam ihrem ermüdenden Geschwafel. Es würde natürlich nicht angehen, dass seine Lehrer – und erst recht nicht seine Stellvertreterin – ihn dabei erwischten, aber dem konnte er mit Leichtigkeit vorbeugen. Der Halbblutprinz hatte eine Anzahl von überaus nützlichen Zaubern für Schüler entwickelt, die selten an den Stoff dachten, selbst wenn sie im Unterricht saßen. Er warf einen von diesen, während er eine Karikatur mit vorstehenden Schneidezähnen und sorgfältig wiedergegebenem, sich wild lockendem Haar zeichnete.

„… während des Schuljahrs, mit einem großen Geldbeschaffungsprojekt, das während der Sommerferien stattfinden soll … Harry, halte das so, dass die Schulräte es sehen können.“

Sie drückte Potter ein Diagramm in die Hand, und der Schwachkopf stand gehorsam neben ihr und hielt die Grafik, als sei er nichts als eine Staffelei, auf der Granger ihre Ausstellungsstücke abstellte. Tatsächlich war es der perfekte Gebrauch des Jungen, der überlebte, um die Vergangenheit des Schulleiters der Öffentlichkeit offenzulegen.

Sehr schön, Granger, lobte er sie schweigend.

Seine Augen wanderten wieder zu ihr, und er bemerkte, dass – wenn man ihr zähneknirschend ernstes Gesicht außer Acht ließ – ihre Vorderseite durchaus so zufriedenstellend war wie ihre Rückansicht. Die weibliche Kurve ihres Hinterteils wurde durch den Busen ausgeglichen, der ihre einfache, weiße Bürobluse so ansprechend ausfüllte wie ihr Hintern den Rock darunter. Es erstaunte ihn immer wieder, wenn eine seiner Schülerinnen – besonders eine höchst lästige – zu einer hübschen Frau heranwuchs, denn niemals dachte er an sie als sexuelle Wesen, solange sie unter seiner Obhut standen. Nein, nicht einmal, wenn er nach der Sperrstunde mit Gewalt einen ihrer hirnlos gewählten Mittäter von einer abpflücken musste.

Natürlich war er niemals gezwungen gewesen, diesen speziellen Akt bei Granger auszuführen. Während des schrecklichen Jahres des Trimagischen Turniers hatte er speziell ein Auge auf sie gehabt, da der Durmstrang-Champion die kleine Gryffindor zum Objekt seiner Aufmerksamkeit – und seiner Zuneigung – gemacht hatte, aber diese Zurschaustellungen, die den halbwüchsigen Zauberer mit vorhersehbaren Ergebnissen überreizt hatten, hatten das Mädchen kaum berührt. Sie war ein wenig aufgewühlt aus den Umarmungen des Bulgaren herausgekommen und ohne einen Blick zurück in ihren Turm-Schlafsaal gestolpert und hatte Krum ziemlich frustriert zurückgelassen.

„Mithilfe der Arithmantikgleichung, die ich speziell für diese Analyse erstellt habe, haben die Kosten-Nutzen-Prognosen gezeigt, dass eine Regency-Woche in Hogwarts, veranstaltet in der ersten Augustwoche, Geldmittel von …“

„Was?“ Der Schulleiter wäre normalerweise ob des jaulenden Klangs bei diesem speziellen Protest wegen erschaudert, aber er hatte keine Zeit, sich darüber Sorgen zu machen. „Haben Sie den Verstand verloren, Granger?“

Natürlich hatte er nicht so verächtlich klingen wollen, aber der schmallippige Ausdruck, den ihm Lucius zuwarf, kombiniert mit dem Schmerz eines scharfen Tritts gegen seine Wade mit dem spitzen Schuh am Fuß der Stellvertretenden Schulleiterin McGonagall, informierte ihn, dass er eine Grenze überschritten hatte.

Die Brauen des Mädchens hoben sich, und sie wandte sich ihm zu, um ihm ins Gesicht zu sehen, furchtlos in ihrer Selbstsicherheit. „Vielleicht könnten Sie mir Ihre Einwände nennen, Schulleiter, und ich würde gerne Näheres erläutern.“

„Welchen Nutzen könnte solch ein lächerliches Vorhaben liefern?“, forderte er. „Sicher wären die Kosten der Veranstaltung weit höher als …“

Granger nickte, als stimme sie ihm zu, aber als sie weitersprach, wandte sie sich an die Schulräte. „Das Schloss ist während der Sommerferien  quasi ungenutzt“, sagte sie. „Es entstehen keine Kosten für die Räume, die für die Nutzung durch zahlende Gäste vorbereitet werden, und es gibt keine Kosten, die Räumlichkeiten für den Gebrauch der zahlenden Gäste vorzubereiten. Die Hauselfen sind bereits vor Ort verfügbar, um Essen und angemessenen Service zu liefern. Vieles von dem Essen, das verbraucht wird, liefern die Gärten des Schlosses, die Hühnerställe und die Viehherden. Madam Malkin hat sich als Sponsor der Veranstaltung angemeldet, und die Werbung, die sie dafür bekommt, bringt uns einen erheblichen Rabatt bei ihren Preisen für Regency-Kostüme.“

„Kostüme?“, schnappte der Schulleiter. „Sie erwarten, dass die Leute für die Misere zahlen, Kostüme aus der Zeit zu tragen?“

Das Mädchen marschierte hinüber und legte ihm eine Akte vor. Er bemerkte einen leicht angeschlagenen, keltischen Knotenring an ihrer linken Hand. War sie nicht mit dem jüngsten Weasleyjungen liiert?

„Sie finden meine Recherchen hier drin“, sagte sie mit übertriebener Geduld. „Da sind Broschüren aus Muggel-Resorts, die Ähnliches anbieten, inklusive ihrer Kostenübersichten und Informationen über Zaubererläden, die willens sind, unser Event zu sponsern und Preisnachlässe einzuräumen.“ Sie schlug den Ordner auf und zeigte auf ein Pergamentblatt, das mit ihrer sauberen Handschrift bedeckt war. „Ich habe hier eine Zusammenfassung und eine Umrechnung aller Muggelpreise in Zaubererwährung.“

Der Schulleiter versteifte sich; sie stand zu nahe bei ihm, und der Duft ihrer Kosmetika und anderer Schönheitsmittel überschwemmte seine feine Nase. Offensiv erhob er sich und türmte sich vor ihr auf, aber sie ließ sich nicht unterkriegen.

Während sie ihm mit warmen, braunen Augen direkt ins Gesicht sah, wiederholte sie, „Lassen Sie mich wissen, wenn Sie irgendwelche Fragen haben. Ich gebe Ihnen gerne weitere Informationen.“

Er sprach nicht, denn dazu war er zu ärgerlich, jedoch hatte er keine Ahnung, weshalb dies so war. Es war ganz sicher eine dumme Idee, aber warum erweckte sie eine solche Kampfeslust in ihm?

Die blonde Frau – Penelope Clearwater, eine ehemalige Schülerin – schlüpfte zwischen sie und legte eine zierliche Hand auf seinen Ärmel. „Ich werde es Ihnen erläutern, Sir“, sagte sie atemlos und sah ihm mit einem Hundeblick aus blauen Augen ins Gesicht. „Würden Sie das gerne beim Abendessen besprechen? Ich lade Sie natürlich ein.“

Severus Snape schnappte den Ordner vom Tisch und verließ den Raum ohne einen Blick zurück.

~oo0oo~


Drei Monate später, im Dezember, traf sich der Schulbeirat wieder, aber der Schulleiter schickte seine Stellvertreterin an seiner statt zu der Sitzung und blieb in seinem Büro. Keine impertinenten ehemaligen Schüler konnten ohne Kenntnis des Passworts in sein Büro gelangen, aber alte Freunde wurden von solchen Erwägungen nicht abgeschreckt.

Lucius Malfoy spazierte mit der Sorglosigkeit in sein Büro, die er ihm immer geneidet hatte.

„Drückst du dich vor deinen Pflichten, Schulleiter?“, fragte Lucius, blieb vor einem Tischchen stehen und stupste ein zierliches, silbernes Gerät nachdenklich mit einem Finger an.

„Fass das nicht an“, schnappte Severus giftig. Lucius antwortete nicht, daher sprach Severus zu dessen Kehrseite. „Ich habe weitaus wichtigere Dinge zu tun als zuzuhören, wie ihr Leute über nichts und wieder nichts schwafelt.“

Malfoy schaute über seine Schulter; in seinen grauen Augen lag viel zu viel Scharfsinn für das Wohlbehagen des Schulleiters. „Aber die entzückende Miss Clearwater war anwesend und hat nach dir gefragt. Da könnte ein wenig Heldenverehrung im Gange sein.“

Der Schulleiter würdigte diese Spitze keiner Antwort.

„Komm, alter Junge, du hast mir Abendessen am Lehrertisch für heute Abend versprochen“, erinnerte ihn Malfoy. „Hör auf, so zu tun, als seist du beschäftigt und halte dein Wort – die faszinierende Professorin Mortelle wartet.“

„Also gut“, sagte der Schulleiter säuerlich und verließ seinen komplett leeren Schreibtisch, um in die Große Halle voranzugehen.

Sie gingen die Wendeltreppe hinunter und schritten den Gang entlang, die langen Beine der beiden Männer miteinander im Gleichschritt. Während sie die Treppen hinabstiegen, unterhielten sie sich nicht, denn Severus dachte an die bevorstehenden Weihnachtsferien, und sein Begleiter war in seinen eigenen Gedanken versunken. Sie waren in der Eingangshalle, als der Lärm von Stimmen und Gehämmer aus einem Seitengang ihre Aufmerksamkeit erregte.

Bereit, die Täter zum Schweigen zu bringen und sie ihrer Wege zu schicken, betrat der Schulleiter den Raum und war überrascht zu sehen, dass er im vorherrschenden Stil eines Herrenclubs im neunzehnten Jahrhundert …

Er verlor seinen Gedankenfaden beim Anblick der Szene. Zwei dressierte Trolle, die meist für schwere Arbeit eingesetzt wurden, standen auf einer Seite und hielten Deckenleisten in die Höhe, als seien sie gerade dabei, sie dort zu platzieren, wohin sie sie hielten. Drei Leitern standen an den Wänden, und ganz oben auf zweien davon standen Hauselfen mit Zimmermannsgürteln, die wie mexikanische Bandoleros um sie geschlungen waren. Die Elfen hörten dem Menschen auf der mittleren Leiter intensv zu, der einen altmodischen Zimmermannshut trug. Es war eine Frau, wie die haugenge Jeans bestätigte, die sie trug, und über der sie ein Hemd anhatte, das darüberhing, da die Frau die Arme anhob und gestikulierte, während sie erklärte, was sie wollte. Ihr unterer Rücken war nackt und glatt und der kühlen Luft ausgesetzt. Der Schulleiter erlaubte sich selbst einen winzigen Augenblick lang, das unbedeckte Fleisch zu bewundern, ehe er den hochgewachsenen, rothaarigen Mann bemerkte, der etwas abseits stand. Es war Ronald Weasley, der die Arme abweisend vor der Brust verschränkt hatte, während die Frau ihren Standpunkt erörterte.

Der Schulleiter trat nach vorn. „Miss –“, begann er, und als die Frau sich drehte, um ihn anzusehen, bewegte sie sich so schnell, dass ihr der Hut vom Kopf flog und die Masse braunen Haargewirrs freigab.

„Angesichts der Hinweise hätte ich wissen können, dass Sie es sind“, schoss der Schulleiter sie an, von einem Impuls angespornt, den zu kontrollieren er nicht in der Lage war.

Granger kletterte die Leiter hinunter und marschierte zu ihm hinüber. „Hinweise worauf?“, fragte sie.

Seine Lippen verzogen sich zu einem Grinsen. „Andere herumkommandieren – und natürlich Besserwisserei.“

Sie setzte zu einer Antwort an, aber Lucius sprang in die Bresche. „Ich muss sagen, Miss Granger, dies gleicht dem alten Zaubererclub in London auf’s Haar.“

Granger lächelte, und das Lächeln veränderte ihre Gesichtszüge, brachte ihre Augen zum Leuchten und ließ ihren Mund weich werden. Severus wandte den Blick von ihr ab.

„Danke!“, sagte sie. „Ich konnte die Originalpläne im Bauarchiv des Ministeriums finden, aber wir werden nur den einen Raum herrichten.“

„Die Götter seien gepriesen“, murmelte der Schulleiter.

Das Mädchen zeigte keine Anzeichen, dass sie ihn auch nur gehört hatte. Sie wandte sich zur Seite, um eine beschwichtigende Hand auf den Arm des Weasleyjungen zu legen, und obwohl sie leise mit ihm sprach, zuckte der Kretin vor ihr zurück und kletterte auf die Leiter, auf der sie gestanden hatte.

„Abendessen“, drängte Lucius, nahm Severus’ Ellenbogen und steuerte ihn wieder in den Flur.

~oo0oo~


Als sich die Schulräte drei Monate später trafen, bewerkstelligte der Schulleiter es, nicht im Schloss zu sein. Zurück von seinem jährlichen Besuch bei den Heilern im St Mungo, dachte er zufrieden, dass sie nun alle verschwunden seien. Er trat durch die enormen Vordertore ins Schloss, wickelte den Schal von seinem narbigen Hals und war fassungslos, als er eine Frau in einem Ballkleid aus dem neunzehnten Jahrhundert die Treppe aus dem ersten Stock hinuntereilen sah.

Dieses Mal war ihr Haar nicht unter einem Hut verborgen, aber er brauchte es nicht zu sehen, um sie zu erkennen. Es war Hermione Granger, und das Kleid mit der hohen Taille stand ihr irgendwie gut. Dennoch war das Kleidungsstück nicht dafür geschaffen, darin Treppen hinunterzurennen, und Severus war keineswegs überrascht, als sie stolperte und stürzte. Mit großer Geistesgegenwart eilte er zu ihr, sodass ihr Körper auf seinen traf. Er hatte keine Chance, einen von ihnen zu stabilisieren, und er stürzte auf den Marmorboden und Granger auf ihn.

„Es tut mir leid!“, rief sie, kroch von ihm herunter und spähte in sein Gesicht hinab. „Sind Sie verletzt?“

Der Mode der Zeit entsprechend war ihr Kleid tief ausgeschnitten und enthüllte viel von ihrem Dekolletés. Sein Kopf würde bald wie der Teufel schmerzen, aber der kommende Schmerz war fast … die Aussicht wert.

„Hermione!“ Weasley erschien mit unglücklichem Gesichtsausdruck am oberen Ende der Treppe.

Severus rappelte sich auf und unterdrückte ein Stöhnen. „Ich bin unverletzt“, log er das Mädchen an.

Sie sah ihn scharf an. „Ich glaube Ihnen nicht“, sagte sie und ignorierte ihren Verehrer, der sie zum zweiten Mal rief.

„Bereiten Sie sich auf Ihre Rolle vor?“, fragte Severus und wünschte, sie würde sich nicht weiter auf seine möglichen Verletzungen konzentrieren. „Sind Sie nicht ein wenig früh dran?“

Sie lachte, und ihr Ausdruck erhellte sich bemerkbar. Weasley begann, die Treppen hinunterzustampfen. Während sie den Jungen noch immer ignorierte, sagte sie zu Severus, „Ich wollte nur den Schulräten ein Muster der Kostüme zeigen, die Madam Malkin uns liefern wird“, erklärte sie. Weasley tauchte hinter ihr auf, und sie wies auf den lächerlichen Gehrock und die Kniehosen, die er trug. „Dies ist die formelle Männerbekleidung“, erklärte sie.

Weasley legte eine Hand um ihren Oberarm. „Ich habe nur Witze mit dir gemacht“, sagte er mit gedämpfter Stimme.

Granger entzog sich ihm. „Ich fand das nicht lustig“, sagte sie zornig.

Weasley sah verletzt drein. „Du hast mich immer für lustig gehalten“, sagte er, und es klang wie ein Vorwurf.

Granger wandte sich um und rauschte davon, ohne zu antworten. Nicht willens zu bleiben und möglicherweise unerwünschte Vertraulichkeiten zu erfahren, sagte Severus, „Guten Abend, Weasley“, und begann den langen Aufstieg in seine Wohnräume, um seine Verletzungen zu versorgen.

~oo0oo~


Als sich der Schulbeirat im Juni traf, war es an Severus, die Mitglieder herumzuführen und ihnen die Vorbereitungen zu zeigen, die für die Hogwarts Regency-Woche getroffen worden waren. Sie machten einen Rundgang durch den Herrenclub, das Spielzimmer und die verschiedenen Salons und Empfangsräume, die alle im authentischen Regencystil ausgestattet waren – offensichtlich ein Sammelsurium von Chinoiserie, klassisch-griechischen Formen, gräßlichen Sofas und Serviertischen mit Tierbeinen und verdammt unbequemen Stühlen, die alle in übelkeitserregenden Farben und mit protzigem Material gepolstert waren.

„Wo werden Sie die Jagd abhalten, Schulleiter?“, fragte Madam Marchbanks und lehnte sich schwer auf ihren Krückstock.

Lucius trat dicht zu der alten Frau. „Die Jagd wird in Malfoy Manor stattfinden“, sagte er und hörte sich dabei ziemlich lässig an. „Wir haben jetzt eine Anzahl von Vollblütern im Stall, und wir können bei Bedarf mehr ausleihen. Werden Sie mit uns ausreiten, Griselda?“

Severus musste den unermüdlichen Charme seines Freundes bewundern. Madam Marchbanks, furchterregende Busenfreundin von Augusta Longbottom, war eine von denjenigen gewesen, die Malfoy die Erlaubnis verweigert hatten, wieder seinen Platz im Schulbeirat einzunehmen. Sie hatte ein langes Gedächtnis und wenig Verwendung für ‘sogenannte reformierte Totesser’, wie sie sie nannte. Dennoch hatte Lucius der alten Furie beharrlich nichts als eine Mischung aus Respekt und sanfter Spöttelei entgegengebracht, bis er ihre Verteidigung durchbrochen hatte

Jetzt lachte sie, ein raues Bellen, dem ein Hustenanfall folgte. „Würden Sie nicht dumm gucken, wenn ich das täte, Sie schamloser Schäker?“, fragte sie. „Der Prophet hätte damit einen großen Tag. „Ehemalige Leiterin der Untersuchungsbehörte stirbt unter mysteriösen Umständen auf Malfoy Manor.“’

Lucius bot ihr seinen Arm, und die alte Hexe legte ihre klauenartige Hand auf seinen Ärmel. Er antwortete, „Eher: ‘Hervorragende Reiterin Marchbanks führt das Feld bei der Regency-Jagd auf Malfoy Manor an’“, antwortete er und führte sie nach nebenan.

Der riesige Bereich, der für Madam Malkins Waren und ihrer Truppe von Schneidern zur Verfügung stand, wurde sehr bewundert, und Severus war nicht überrascht, echte Begeisterung für das Projekt bei den Schulräten aufkommen zu sehen. Schließlich war das Grangermädchen so klug gewesen, ihnen allen einen Rabatt für die Veranstaltung einzuräumen, und viele von ihnen würden als Teilnehmer dabei sein. Granger hatte in vielerlei Hinsicht sehr clever gehandelt; das war nicht abzustreiten. Sie hatte Eigentümer von Zauberergeschäften angestachelt und belästigt, damit sie die Idee unterstützten, hatte ihnen Preisnachlässe abgenötigt und ihr Projekt in allen wichtigen Zaubererzeitungen und -zeitschriften in der englischsprachigen Welt und auf dem Kontinent beworben, und sie hatte jeden verfügbaren freien Platz mit Teilnehmern besetzt. Die erwarteten Einnahmen aus der Hogwarts Regency-Woche übertrafen bei weitem ihre anfänglichen Prognosen, und es schien, als würde das Defizit für zwei Jahre zu der Zeit, wenn sich die Schulräte im September wieder trafen, nur noch eine Erinnerung sein.

Das extreme Hirn des Goldenen Trio hatte im Alleingang die Rettung der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei vor dem Bankrott arrangiert – sofern nicht eine äußerste Katastrophe passierte.
 
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