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[Good Omens] Last Christmas Easter

Kurzbeschreibung
OneshotHumor, Freundschaft / P12 / Gen
Anthony J. Crowley Erziraphael
26.12.2019
26.12.2019
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Ja, eigentlich wollte ich eine Zeit lang nichts schreiben. Richtig, aber dieser One-shot ist ja fast ein Nichts mit dem Titel Last Christmas Easter.


Aus persönlichen Gründen werde ich auf den üblichen Song-Titel-Link LAST CHRISTMAS hier verzichten, man hört dieses Lied in dieser Zeit sowieso viel zu oft und mein Favorit ist dieses Liedchen auch nicht. Trotzdem viel Spaß bei meiner kleinen Weihnachtsgeschichte von Aziraphale und Crowley.


BTW…


Happy Xmas… War is over, if you want it!


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Ein dichter Regenschleier hing im un-vorweihnachtlichem Grau über der Stadt. Mehr Menschen als üblich quälen sich durch die schmutzigen Straßen und in den U-Bahn Waggons roch es muffig und feucht und leider nicht nur ausschließlich.

Für die schrillen Weihnachtsdekorationen hatte kaum einer wirklich ein Auge, jeder versuchte so kurz vor dem stillen Fest das nötigste einzukaufen, um Weihnachten auch so besinnlich wie möglich zu gestalten, um so mehr, um so besinnlicher war, wie immer das eigentliche Motto. Auch die Herzlichkeit und Freude war irgendwo zwischen den Geldscheinen, den vielen Pflicht-Weihnachtsgeschenken und der schier unendlichen Masse an Essen zum Fest verloren gegangen, bis auf wenige Ausnahmen, die sich die Botschaft von Weihnachten und Nächstenliebe sehr zu Herzen nahmen.

Eines dieser seltenen Wesen war Mr. A. Z. Fell, seines Zeichens erfolgloser Buchhändler und, was aber niemand wissen konnte, ein Engel, der schon seit Anbeginn auf der Erde wandelte und sich im ätherischen Sinne Aziraphale nannte.

Ein anderes, dieser seltenen Wesen hockte in unüblicher Manier auf der Rückenlehne des Sofas im Privaten Bereich des Engels und beobachtete ihn mit einem äußerst skeptischen Blick bei dessen Aktivitäten, die in den Augen des Dämons, das war Crowley nun einmal, ziemlich sinnlos erschien. Wäre da ausschließlich nur die Dekorationsbemühungen seines Freundes gewesen, so hätte der rothaarige Dämon vermutlich sich nicht weiter darüber beschwert, ABER Aziraphale musste auch noch dazu singen. Selbstverständlich hatte der Engel von Natur aus eine sehr angenehme und harmonische Stimme, aber da gab es einige Songs, bei denen es sogar einem Vertreter aus der Hölle gruselte, obwohl ihm das gerade befremdlich vorkommen müsste.

„Last Christmas, echt jetzt ? Muss DAS denn wirklich auch noch sein, Engel? Wenn Du jetzt ein Radio wärst, dann würde ich Dich ohne zu zögern in die Luft jagen!“, stöhnte der Dämon genervt auf.

Doch der Angesprochene ließ sich kaum in seiner vorweihnachtlichen Euphorie beirren und sang vielleicht noch eine Spur lauter, dabei änderte er den Text soweit um, dass er Crowley zu verstehen gab, dass, wenn es ihm nicht passen würde, er ja auch in einen nahegelegenen Pub gehen und seine eigenen Sangeskünste zum Besten geben könnte, die auch nicht ganz so übel waren.

„Was soll eigentlich der ganze Nonsens mit all den Glimmer, den toten Tannenzweigen und dem Mistelzweiggeküsse, das ist so heidnisch, wie sonst was.“, gekonnt elegant sprang er vom Sofa und schnippte eine der roten Glaskugeln mit dem Finger weg, rein mechanisch, versteht sich. „Außerdem erinnern mich diese Lichter überall eher an eine aufdringliche Leuchtreklame aus den Siebzigern!“, Crowley war noch nie sonderlich gut auf Weihnachten im Allgemeinen und dem ganzen Gewese im Besonderen zu sprechen und genau dieser Umstand nahm von Jahr zu Jahr zu. Im Grunde beides, Crowleys Missgunst und die stetige Unruhe der Menschen, konnte das denn immer so weitergehen?

Last Christmas, I gave you my heart“, krähte er recht unsensibel vor sich hin. „Also für die Herz aus dem Leib reißen Geschichten sind immer noch wir zuständig, und zwar wörtlich gemeint.“

Aziraphale waren diese und ähnliche Bemerkungen seitens des Dämons längst schon zur Gewohnheit geworden und reagierte entsprechend auf seine unchristlichen Provokationen. Mit der, für ihm selbstverständlichen Engelsgeduld band der Himmelsbote eine golden-rote Schleife um den Mistelzweig und ließ den direkt vor Crowleys Nase baumeln, natürlich mit dem unvermeidlichen Kussmund. „Na, wie wäre es, mein Liebster, möchtest du nicht?“, mit dieser Bemerkung erntete der Engel nur ein ziemlich deutlich missfallendes Zischen, was den Betreffenden noch mehr zum Schmunzeln anhielt.

„Christmas… Jesu Geburt mitten im Winter zu feiern, zur Sonnenwende, DAS allein ist schon gotteslästerlich, wir wissen es doch beide besser, wann es wirklich war! Last Easter wäre da schon besser angebracht… gewesen!“, und wie jedes Jahr, versuchte er einen dieser Eierpunsche zu trinken und, auch wie jedes Jahr, stellte er das ekelhafte Gesöff, wie er es nannte, wieder hin. Den Inhalt Ei brachte er einfach nicht runter.

Freilich wusste der Engel, wann Sein Geburtstag war, diese Interpretation der Menschen war falsch, aber nachvollziehbar und, wie jedes Jahr, rechtfertigte er auch diese Maßnahme der Menschheit. Ja, natürlich, der christlichen Menschheit, wie ihn Crowley immer wieder maßregelte.

„Jesus ist das Licht der Welt und dann ist es ja auch nur logisch, dass wir sein Geburtstag an dem Tag feiern, an dem das Licht der Sonne wieder… auf dem ansteigenden Weg ist. Also zur Sonnenwende!“, stellte er, wie jedes Jahr, zufrieden fest und befestigte den Mistelzweig unter dem ‚E‘ der Himmelsrichtungen, seiner Pfote zu Eden, ‚E‘, wie East. „Die Queen feiert ja auch nicht an ihrem Geburtstag im April!“

Und Crowleys Reaktion war bisher auch immer die gleiche, er nahm die dunklen Gläser ad, rieb sich die Augen und stöhnte genervt auf.

„Sol Invictus, natürlich. Ihr nehmt es den Heiden und gebt den Heiden… das Lichterfest. Die Lichterkönigin Lucia tanzt aber immer noch zum Julfest!“, mit gerümpfter Nase schnüffelte er dann am nächsten alkoholischem Heißgetränk, das Aziraphale auf seinem kleinen Beistelltischchen zur Verfügung gestellt hatte, einem roten Gewürzpunsch vom Kontinent. „Sehr erfolgreich war da Kaiser Aurelian nicht gerade. Ein Hoch auf die Wikinger! Und außerdem Ist Die Queen Nicht Jesus!“, zeitlich vermischte er zwar die Ären, die zu verschiedenen Zeiten in Europa herrschten, aber wirklich nachprüfen konnte Das sowieso keiner mehr. Er schlürfte vorsichtig an der Tasse mit dem roten Punsch und spuckte dies auch gleich wieder aus. Wie konnte man denn Seinen Alkohol mit Anis, Zimt und sonstigen ekligen Gewürzen nur so dermaßen vermiesen.

„Ngh… was ist denn das für ein hinterhältiges Zeug!“, vorwurfsvoll starrte Crowley, in bester Schlangenmanier, den Engel an, der wie immer gelassen reagierte, schließlich kannte er seinen Dämon schon seit 6000 Jahren.

„Das hinterhältige Zeug, wie du es nennst mein Liebster, ist Glühwein, hergestellt aus bestem Rotwein, Zimt und Sternanis, Zitronenschalen und so süßem Zucker. Also dir schon fast ähnlich!“, feixte Aziraphale zurück, was der Dämon nur mit einem abfälligen Zischen beantworte.

„Von mir aus… aber die Geburt Jesu war immer noch im Frühling, im März, du warst doch zusammen mit den Hirten auf dem Feld, als fuckingErz’Engel Gabriel seinen großen Auftritt hatte. Ein Angeber war er ja schon immer!“, er selbst war mit draußen auf dem Feld und brachte den Hirten Wasser. Das taten Frauen nun mal in dieser Zeit und als er Gabriel so in seiner strahlenden Herrlichkeit sah mit ausgebreiteten Flügeln im glänzenden Licht… da hätte er, damals noch der Dämon Crawley, ihn am liebsten vom Felsen schubsen wollen. Der Drang dazu war sehr groß und er hatte große Mühe damit, sich zurück zu halten.

„Also ehrlich gesagt und das mache ich ja immer, ehrlich gesagt, ist es doch so egal Wann Jesus auf die Welt gekommen ist, er IST auf die Welt gekommen und allein Das zählt doch, findest du nicht?“

Eigentlich hatte Aziraphale ja schon recht, doch zugegeben, dass es stimmte, konnte er nicht. Etwas oder etwas anderes Zugeben lag nicht in der Natur eines Dämons. So grummelte der Rothaarige nur vor sich hin und der Blonde schmunzelte… schon wieder. Und sogleich erinnerte sich der Dämon Crowley mit Vergnügen daran, dass der werte Erz-Engel beim vorüber ‚schweben‘ mit seinen himmlischen Chören direkt vor seinen Augen ins Stolpern geriet und dann gezwungen war, den Sand von Bethlehem etwas näher zu begutachten. Aber das war wirklich nur Zufall! Böse ist, wer hier Böses denkt, aber genau genommen liegt genau DAS in der Natur eines Dämons. Und dann war auch Crowley wieder guter Laune, denn in diesem Moment musste es auch einem Erz-Engel bewusst werden, dass der auch nur ein Engel war.

„Dumm gelaufen, dass ihr euren Heilsbringer nach guten dreißig Jahren ans Kreuz genagelt habt und genau dafür, dass DER seinen Job erledigt hatte. Komisch nicht, Adam hängt für seine Verweigerung nicht am Kreuz oder sonst wo.“, jetzt grollte Aziraphale etwas und auch Er konnte doch einem der Anderen Seite nicht recht geben, auch wenn er Recht hatte.

Stumm legte der Engel seine Dekorationsutensilien bei Seite und reichte dem Dämon einen seiner besten Single Malte Whiskey in die Hand, und das nur auf dessen suchenden Blicken hin.

„Bitte erzähl mir jetzt nicht auch noch, dass es ein Unding ist, einen Todestag auf den Freitag nach dem ersten Frühlingsvollmond zu legen! Das haben wir schon so oft ausdiskutiert. Das war unser Zugeständnis ans heidnische Beltaine.“

So, nun wäre das auch mal wieder geklärt, wie so oft. Und wie so oft war es der Dämon, der so manch göttliches Vorgehen in Frage stellte, um es am Ende ins rechte Licht rücken.

Licht… Sol Invictus, das unbesiegbare Licht, doch nur darum ging es doch. Doch auch wo es Licht gab, war stets ein Schatten, der unbesiegbaren Schatten, die Invicta Umbra.

Er blinzelte zu seinem Dämon hinüber, der genüsslich seinen Whiskey schlürfte. Waren sie beide nicht wie Licht und Schatten und das schon seit sechstausend Jahren? Wie… Weihnachten und Ostern, fest gebunden und stetig in Bewegung?

Sie sollten Weihnachten für sich neu definieren, dachte der Engel noch für sich und genehmigte auch ein kleines Schlückchen des edlen Tropfens. Er beobachtete Crowley, der in sich ganz versunkenen schien und das war mit Sicherheit nicht dem Whiskey zu verdanken.

Crowley nachdenklich und versunken? Das wäre ja etwas ganz Neues oder vielleicht auch nicht, der Dämon machte sich über so Vieles Gedanken, auch das wusste der Engel.

Und unvermittelt begann der Vertreter der Dunkelheit zu sprechen und das was er sagte hatte so gar nichts mit Dunkelheit zu tun. „Beltaine, Samhain… Imbolc und wie diese Feste denn alle heißen, ist mir egal! Ist doch irgendwie das gleiche! Es geht doch immer nur um Hell oder Dunkel.“, was redete er denn nur für einen umständlichen Quatsch, hatte er ja noch nicht mal so viel Alkohol intus, um nur etwas angeheitert zu sein, nein, das meinte er vollkommen nüchtern.

„Ich meine, ahm… WAS ich meine ist… Weihnachten! Das feiern wir vollkommen falsch!“, Crowley blinzelte in seinem Fall Aziraphale nicht an, das wäre Schlangenuntypisch, also unblinzelnd schlenderte er, in diesem Fall schlangentypisch, auf den Engel zu, der zufällig unter dem Mistelzweig stand.

„Das Fest der Liebe… ha! Scheinheiliges Beschenken von Leuten die man eigentlich gar nicht leiden kann. Um so mehr, um so besser und einen Tannenbaum beim Sterben zusehen! Oder vielleicht auch nur ein Kuss unter dem Mistelzweig und dann ab in die Kiste. Ein besinnlicher Fick zum Fest! Warum immer noch so viele den warmen Schuss in den warmen Ofen mit ehrlicher Zuneigung, Freundschaft oder sogar Liebe verwechseln, werde ich wohl niemals verstehen! Nein, das ist alles Unfug. Wir sollten das Feiern, was wir sind… Freunde!“

Aziraphale wusste im ersten Moment so gar nicht, auf was der Dämon hinaus wollte… sprachen sie gerade nicht von hell und dunkel? „Freunde?“, wiederholte er dann auch etwas skeptisch.

„Genau… es ist egal von welcher Seite wir kommen, Licht oder Schatten, immer diese fauligen Unterschiede! Jeder schaut doch nur noch auf die Unterschiede… das ist sinkender, verkrusteter, Bockmist! Wir alle sollten auf das Gemeinsame schauen… uns! Und unsere Freundschaft, und die ist so wertvoll!“, und ohne irgendwelche vorherige Anzeichen drückte der Dämon dem Engel einen dicken und höllisch heißen Kuss… dorthin, wo er hingehört, mitten auf den Mund.

„CROW-LEY!“, mit allen Möglichen hatte Aziraphale gerechnet, aber nicht mit einem… Kuss und als sein Entsetzen wieder etwas abgeklungen war, erkannte er, dass der Dämon immer noch fröhlich grinste.

„Besiegelt mit einem Kuss, Engel, du stehst immer noch unter dem Mistelzweig und jetzt gehörst du zu mir, so wie jeder dunkle Schatten auch ein helles Licht haben muss!“

Aziraphale konnte und wollte dem Dämonen Crowley in diesem Fall gar nicht mehr widersprechen, warum auch, er hatte doch… Recht!

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Oh, sorry, wenn hier diese Geschichte auf einmal zu Ende ist, aber es wurde eigentlich doch alles gesagt. (Wie diese Story hier weiter geht, überlasse ich dem Leser und seiner geschätzten Fantasie!) Es muss Licht und Schatten geben. Wie würden wir dann die Unterschiede erkennen. Und wenn wir nicht die Unterschiede erkennen, dann würden wir niemals sehen, was uns alle verbindet. Freundschaft, wenn wir möchten oder einfach nur den nötigen Respekt, vor demjenigen der anders denkt, fühlt oder auch nur ungewöhnlich aussieht.


Es ist möglich… wenn es jeder nur will.


The Power of Love   by Frankie goes to Hollywood


(P.S. Freundschaft schließt Liebe nicht aus, Liebe ist die besondere Art der Freundschaft.


P.P.S. Liebe, nicht zu verwechseln mit einer ständigen Kopulationsbereitschaft!)


;-)


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Hiermit wünsche ich allen meinen Lesern und auch den Nicht-Lesern meiner Stories einen schönen und geruhsamen Zweiten Weihnachtsfeiertag.


Und in diesem Sinne auch ein kreatives und wunderschönes Jahr 2020, am besten zusammen mit den Leuten, die man am meisten mag…


Lucy (John-Winston-L)
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