Weihnachtsspezial zu "Kleine Prinzessin, große Sorgen"

von Lady0409
KurzgeschichteFamilie / P12
Dr. Niklas Ahrend OC (Own Character)
26.12.2019
23.03.2020
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Kleine Prinzessin, große Sorgen
Weihnachtsspezial




Ein dreiviertel Jahr später:
Den großen, grünen Tannenbaum, der schon seit zwei Tagen im Wohnzimmer stand, schmückend lief Niklas aufgeregt durch die ganze Wohnung und er sah ab und zu auf seine kleine Tochter, die auf einer warnen Decke in der Babyschale neben dem Baum lag und fröhlich quietschte.
Inzwischen war das kleine Mädchen schon seit ihrer Geburt um ein paar Zentimeter gewachsen und krabbelte manchmal sogar schon fröhlich über den Teppich in ihrem schicken Kinderzimmer.

Voller Stolz hatte Niklas die letzten Entwicklungsschritte seiner kleinen Tochter haargenau mit den Datumsangaben in einem kleinen Buch notiert und an den Wänden in der geräumigen Wohnung des Oberarztes hingen Fotos von Leonie Malina.
Die ersten Ausflüge, das erste Mal nach Hause fahren, die ersten Zähnchen, das erste Mal Brei, von dem das meiste nicht im Kind, sondern auf Niklas´ Hose und T-Shirt gelandet war – alles hatte der stolze Vater der kleinen Leonie Malina mit Foto und Datum festgehalten.

„Mama wird alles von ihrem Stern da oben im Himmel sehen. Wie wir beide hier zusammen das erste Weihnachten feiern. Und Tante Leyla kommt mit ihrer kleinen Raya Elisa auch vorbei. … Da hast du wieder jemanden zum Spielen, mein kleines Mädchen."
Ja, im letzten gut dreiviertel Jahr seit der zu frühen Geburt der kleinen Leonie Malina war einiges passiert. Anästhesistin Leyla Sherbaz hatte, mit der tatkräftigen Hilfe ihres Freundes Niklas, ein Baby bekommen; die Schwangerschaft hatte der Gynäkologe kurz nach Leonie Malinas Geburt bei einer routinemäßigen Untersuchung seiner Freundin festgestellt.
Vater des Babys war der Assistenzarzt Ben Ahlbeck – Leylas große Liebe. Die beiden verband seit Jahren eine große Liebe und jeder, der Leyla und Ben genauer kannte, wusste, dass die beiden füreinander bestimmt waren.

Gemeinsam kümmerten sich die beiden Ärzte aufopferungsvoll um ihre kleine Tochter, die vor zwei Wochen auf die Welt gekommen war und das Leben ihrer Eltern komplett auf den Kopf stellte.

„Ich bin so glücklich, dass du endlich bei mir sein kannst. … Wenn ich mir vorstelle, dass ich noch vor einem halben Jahr an deinem Bettchen im Krankenhaus gesessen habe. Und gehofft habe, dass… Dass mein kleines Mädchen auch wirklich überlebt. Und jetzt bist du schon so groß…“, seufzte der Vater und schaute sich das Foto seiner verstorbenen Lebensgefährtin  an, das neben dem vergrößerten, ersten Foto der kleinen Leonie Malina an der Wand hing.
„Deine Mama war so eine wunderschöne Frau. Wenn du nur halb so schön wirst, dann… Dann müssen sich die Jungs warm anziehen. Dann wirst du das schönste Mädchen auf der ganzen Schule. … Meine arme, kleine Prinzessin. Ich bin so froh, dich zu haben.“

Leonie Malina blickte ihren Vater mit ihren großen, interessierten Augen an und mit einem fröhlichen Seufzen antwortete das kleine Mädchen, bevor Niklas erwiderte: „Ich weiß, meine kleine Prinzessin. Aber… Aber wir können ja am ersten Weihnachtstag wieder zu deiner Mama auf den Friedhof fahren. Wenn du das möchtest. … Vielleicht kommen ja auch Oma und Opa mit. Und Tante Kathrin und ihre Tochter Hanna. … Die kommen morgen auch zu Besuch, meine kleine Prinzessin.“

Zu Kathrin hatte Niklas seit dem Tod von Julia mehr und mehr den Kontakt verengt und inzwischen kam die Anästhesistin aus der Sachsenklinik in Leipzig regelmäßig zu ihrem Halbbruder und kümmerte sich mit dem erfahrenen Oberarzt um die kleine Leonie Malina.
Das Mädchen schien sich auch schon an Kathrin gewöhnt zu haben; die fröhlichen Quietscher, die die Kleine von sich gab, wenn ihre Tante zu Besuch kam, erhellten jedes Mal den Bahnhof. Und auch Hanna freute sich immer wieder auf das Wiedersehen mit der kleinen Leonie.

„Bald kommt Tante Kathrin wieder, meine kleine Prinzessin. Und dann könnt ihr wieder miteinander spielen, wenn du das möchtest. … Ja, das magst du doch, wenn dich die Tante Kathrin auf den Arm nimmt und… und mit dir durch die Wohnung spaziert. Aber sie kommt leider erst morgen zu Besuch. Dann kommt allerdings auch die Hanna mit. Mit ihr können wir dann wieder spazieren gehen.“, erklärte Niklas seiner kleinen Tochter und streichelte dem Mädchen liebevoll über den Kopf, bevor er sich wieder ans Schmücken des Weihnachtsbaumes machte und Kugel für Kugel an der wunderschönen Nordmanntanne landete.
„Ich weiß noch, wie ich vor einem Jahr mit deiner Mama zusammen unter dem Weihnachtsbaum gesessen habe. Da hatte sie unsere kleine Leonie… ja, meine Kleine. Dich… Da hatte deine Mama dich schon unter ihrem Herzen. Und du warst auch schon ganz aktiv. … Wenn ich nur damals gewusst hätte, dass das unser letztes Weihnachtsfest, das wir zusammen feiern werden, wird. … Dann hätte ich Mama schon an heilig Abend geheiratet.“

Regungslos saß Niklas unter dem Baum und seine Erinnerungen kreisten, als er seiner kleinen Prinzessin Leonie Malina davon erzählt hatte, unentwegt um das letzte Weihnachtsfest, das er und seine geliebte Julia miteinander verlebt hatten.
Es war das Weihnachtsfest im letzten Jahr gewesen und der Vater der kleinen Maus, die inzwischen tief und fest eingeschlafen war und sich in ihrem Babysitz rundum wohl zu fühlen schien, lächelte kurz, als er seine Julia vor sich sah.

Schon zum Weihnachtsfest im letzten Jahr wussten die beiden Mediziner, dass sie in wenigen Wochen Eltern werden würden; allerdings war ihnen noch nicht klar, ob das erwartete und bereits vor der Geburt geliebte Baby ein kleiner Junge oder ob es ein kleines Mädchen werden würde.

Behutsam legte Niklas seine Hand auf den Bauch seiner Tochter und fühlte das ruhige Atmen des Babys, das in den letzten Tagen und Wochen nach ihrer Geburt einiges hatte mitmachen müssen.

Angefangen davon, dass ihr Vater erfahren hatte, dass sein Baby vielleicht in einigen Jahren operiert werden müsste;
ein Besuch beim Kinderkardiologen hatte die Diagnose ans Tageslicht gefördert, dass die arme, kleine Leonie Malina Herzkrank war. Beunruhigt hatte Niklas anschließend mit seiner Freundin gesprochen und Anästhesistin Leyla, damals noch im achten Monat mit der kleinen Raya Elisa, die in der vorletzten Woche das Licht der Welt erblickt hatte, schwanger, hatte ihrem guten Freund behutsam die Hand auf die Wange gelegt und ihm erklärt, dass alles in Ordnung käme.

‚Wenn es zu Komplikationen bei deiner kleinen Prinzessin kommen sollte und sich der Zustand von Leonie Malina merklich verschlechtert, dann operieren wir deine Kleine natürlich sofort. Mit Professor Patzelt haben wir eine wunderbare Ärztin, sie würde sicherlich die Operation übernehmen, damit es dir besser geht und du keine Angst zu haben brauchst‘, hatte Leyla, die Niklas ihre Hand auf die Schulter gelegte hatte, ihren guten Freund beruhigt und der Oberarzt hatte das erste Mal den Wunsch, diese Nachricht mit seiner geliebten Julia zu besprechen.

Nun, einige Wochen nach der Untersuchung im Herzzentrum hatte sich der anfänglich kritische Zustand der kleinen Leonie Malina zum Glück wieder halbwegs gebessert und es ging dem kleinen Mädchen um einiges besser, als noch vor ein paar Tagen. Und auch Niklas hatte sich inzwischen daran gewöhnt, dass seine kleine Tochter wohl nicht ganz gesund war; was bei einem Frühchen auch kein Wunder war.

„Na… Na, meine kleine Süße. Wie sollen wir denn die Lichterkette auf den Weihnachtsbaum bekommen? Soll die der Papa irgendwie drauf fädeln? Oder willst du das machen?", erkundigte sich der Oberarzt bei seiner schlafenden, kleinen Tochter und sah noch einmal auf das Baby, wobei er bemerkte, dass das Mädchen wohl wirklich tief und fest im Traumland zu sein schien.

Leonie Malina hatte wohl nämlich von der Frage ihres geliebten Vaters absolut nichts mitbekommen zu haben, sie schlief ruhig atmend in ihrem Babysitz tief und fest und der Oberarzt und Vater der kleinen Maus wünschte sich just in diesem Moment, seine ein halbes Jahr alte Tochter würde wenigstens eine einzige Nacht in ihrem Babybett so gut schlafen, wie sie es jetzt in ihrer Babyschale tat.

Man sagte ja eigentlich, dass ein Säugling, besonders in den ersten Monaten des Lebens, wohl immer und überall schlafen konnte. Nur schien man das der kleinen Leonie Malina leider bei der Geburt nicht gesagt zu haben.
Sobald das kleine Mädchen auch nur bei ihren Großeltern Wolfgang und Hanna in der großen Babywiege im Wohnzimmer schlafen sollte, fing das Baby sofort lautstark und panisch zu schreien an und Niklas wurde auch von der Babysitterin, die zweimal die Woche auf die kleine Leonie Malina aufpasste, regelmäßig angerufen.
Meistens passierte dies, wenn das Baby wieder einmal nicht in seinem Laufstall im Wohnzimmer oder im Kinderwagen, den Saskia immer in den Garten schob und das Mädchen dort in der Sonne schlafen ließ, sobald sie im Sommer die Wäsche aufhing, schlafen wollte.

Die kleine Leonie hatte einfach schon im Alter von einem halben Jahr immer viele Ausreden parat, wenn sie schlafen sollte und so hatte Niklas von Wolfgang und Professor Patzelt höchstpersönlich die Erlaubnis bekommen, zu seiner kleinen Tochter nach Hause zu fahren, wenn sie wieder einmal nicht richtig schlafen wollte.
Es sei denn, die Klinik brauchte Niklas; doch auch dafür war gesorgt, denn im Notfall konnte meistens Leyla für den Freund einspringen und den Patienten übernehmen, wenn Leonie Malina ihren Vater brauchte.
Seit die kleine Raya Elisa auf der Welt war, hatte die Anästhesistin nun auch einen ganz besonderen Draht zu Leonie Malina bekommen und das kleine Mädchen, das eigentlich nur im Beisein ihres Vaters in ihrem eigenen Bettchen schlief, konnte auch regelmäßig auf Leylas Arm in den Schlaf finden.

„Ach, mein kleiner Schatz… Ich bin so froh, dass sich dein Zustand so gut verbessert hat. … Aber trotzdem haben wir morgen noch einen ganz wichtigen Termin. … Ja, mein kleiner Schatz. Morgen gehen wir beide noch einmal zusammen in die Klinik, dann muss es leider noch eine kleine Spritze für mein kleines Mädchen geben. Aber das wird gar nicht schlimm; das verspreche ich dir, mein Mädchen. … Und dann nach der Spritze können wir Weihnachten ohne Probleme feiern, meine kleine Motte. Das verspreche ich dir", erklärte Niklas und sah auf den Kalender, in dem der Impftermin seiner kleinen Tochter eingetragen war.

Diese Impfung war die erste Dosis, die sie nicht von ihrem Vater bekommen würde; es war die zweite Spritze in Leonies noch jungem Leben und Niklas hatte Sorge, dass seine kleine Tochter die Impfung vielleicht doch nicht vertrug.
„Eigentlich… Eigentlich würde ich jeden Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen wollen, sagen, dass eine Impfung das Beste ist, was sie für ihre Kinder tun können. Aber… Aber wenn ich mir dein kleines Ärmchen anschaue, dann… Ich möchte dich eigentlich nur sehr ungern impfen lassen. Du bist doch so ein kleines Mädchen; du verträgst doch die Spritze gar nicht.“, meinte Niklas und betrachtete seine sechs Monate alte Tochter, die just in dem Moment, als der erfahrene Oberarzt das Wort Impfung in den Mund nahm, aufwachte und erschrocken zu ihrem Vater schaute.
Als würde das Mädchen wissen, was „Impfung“ oder „Spritze“ bedeutete, fing sie erschüttert an, zu schreien und der Vater der kleinen Maus ging zu seiner kleinen Tochter, um sie zu beruhigen und ihr zu erklären, dass eine Impfung mit Sicherheit nicht schlimm war.

„Meine kleine Prinzessin… Weißt du, so eine Impfung tut gar nicht weh. … Du bekommst doch nur einmal einen kleinen Pieks ins Beinchen und schon ist alles wieder vorbei. Und wenn du Fieber bekommst, dann hilft dir Papa sofort wieder. … Du weißt doch, dass Papa immer für dich da ist, wenn es dir schlecht geht. … Ja, Leonie Malina. Ich bin doch da. Du weißt doch, dass wir dich wieder auf die Beinchen bekommen. … Mein Schatz… Papa ist da…“, beruhigte Niklas seine kleine Tochter und gab ihr einen Kuss.

Der erfahrene Oberarzt erinnerte sich bei dem Geschrei seiner kleinen Tochter noch ganz genau daran, wie Leonie Malina ihre allererste Impfdosis erhalten hatte; er selbst hatte seiner kleinen Leonie die Spritze gesetzt und damit gerechnet, dass seine Tochter alles mit gewohnter Gelassenheit über sich ergehen lassen würde.
Doch da hatte Niklas falsch gedacht – das Baby hatte sich trotz der Erschöpfung gegen die Impfung gewehrt und erst jetzt war Niklas dazu bereit, bei den folgenden Impfterminen seine Kollegen an seine kleine Tochter zu lassen.

‚Du lässt unsere kleine Prinzessin ausgerechnet an Heilig Abend impfen? Ist das nicht eigentlich… eigentlich keine gute Idee von dir? … Was machst du denn, wenn Leonie Fieber bekommt und kein Kinderarzt seine Praxis offen hat… Dann hast du ein hoch fieberndes Frühchen in deiner Wohnung und Leonie… Leonie Malina könnte sterben', hatte Wolfgang seinen Schwiegersohn gefragt, als er vorige Woche von Niklas selbst den Termin für Leonies Impfung übermittelt bekommen hatte und der erfahrene Oberarzt war froh, dass ihm von Seiten der Großeltern nicht in seine Entscheidung reingeredet wurde.
Auch, wenn Wolfgang Bedenken geäußert wurden waren und er damit nicht einverstanden zu sein schien. Aber Niklas hatte seinen Schwiegereltern sofort klar gemacht, dass er, auch, weil es für ihn selbst auch schon schwer genug war, der Impfung seiner kleinen Prinzessin zuzustimmen, auf jeden Fall noch in diesem Jahr die Impfung der Kleinen durchführen lassen wollte.
Besonders aus dem Grund, dass er sich nun einmal dazu durchringen konnte, seine Tochter einfach so von einem Kollegen verletzen zu lassen und dabei ruhig zu bleiben.

„Ach, meine kleine Prinzessin. Es tut mir so leid. Aber du wirst dich bestimmt… du wirst dich ganz sicher nicht freuen, wenn der Onkel Doktor morgen noch ein kleines bisschen weh tun muss. Aber dein lieber Papa nimmt dich auf den Arm und dann tut dir gar nichts weh. Versprochen…"
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