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Harry sucht sich ein Zuhause - Eine Weihnachtsgeschichte

von MissBecca
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie / P12 / Gen
Albus Dumbledore Harry Potter Severus Snape
25.12.2019
29.12.2019
3
7.028
110
Alle Kapitel
31 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
 
25.12.2019 2.240
 
Hallo ihr Lieben,
wieder eine Harry und Snape treffen aufeinander Geschichte - aber eine weihnachtliche;) Ich hoffe, sie werden euch nicht langweilig:D Diese Geschichte besteht aus drei Teilen, die alle in den nächsten Tagen kommen.
Viel Spaß und ich bin gespannt auf eure Reviews!
Becca


Severus Snape war unzufrieden. Zugegeben, das war er häufig, doch heute standen die Dinge anderes: Heute war er so unzufrieden, dass er seine Stiefel tief in den frischen Schnee rammte und das Törchen, das es wagte, ihm den Weg zu verstellen, beim Öffnen fast aus den Angeln schlug.

Severus Gemütszustand hatte dreierlei Gründe: Es war beinahe dunkel, es war bitterkalt und heute war der erste Tag seiner Weihnachtsferien. Warum also stampfte er durch ein abgelegenes, tristes Muggelviertel, statt mit seiner krummen Nase tief über den wohligen Dämpfen eines Zaubertrankes zu hängen?

Der Zaubertrankmeister wusste es selbst nicht.

Keiner der Gründe, die der alte Narr ihm mit auf den Weg gegeben hatte, schien auch nur halbwegs passabel, um diesen Schlamassel zu rechtfertigen. Sicher war nur: Albus Dumbledore war ein Füllhorn an Kreativität, wenn es darum ging seinem Zaubertrankmeister abstruse Gefallen abzuschwatzen und Severus Snape leider zu schwach für ein gutes, klares Nein danke, Albus, aber du musst lernen, deine Probleme selber zu lösen.

Also war er wieder einmal in Albus Diensten losgezogen, und Himmel, was hätte er dafür gegeben, wenn es ein hübsches kleines Todessermeeting gewesen wäre, zu dem der Schulleiter ihn gerade schickte. Aber nein, es musste ja schlimmer kommen...

Severus war auf einem Hof angelangt, an dessen Frontseite ein altehrwürdiges Gebäude in den Himmel ragte. Angestrengt kniff er die Augen zusammen. Er spähte im Dämmerlicht umher und – Aha! – da war er auch schon, der Grund all seines Grolls. Ganz am Ende des Hofes hockte eine schmale Gestalt auf einer Schaukel und schwang müde hin und her. Wieder stürmte Severus los. „Potter“, schnappte er, als er nur noch wenige Schritte von dem Knirps auf der Schaukel entfernt war und baute sich vor ihm auf.

Ein kleines Gesicht schnappte in die Höhe und große grüne Augen starrten Severus überrascht entgegen. „Ja?“, entgegnete der Junge zögerlich und nahm Severus damit jeden Zweifel, dass er den richtigen kleinen Störenfried ausfindig gemacht hatte.

„Steig von der Schaukel und komm her. Ich bin hier, um dich zurück zu deinen Verwandten zu bringen.“ Severus beißender Ton ließ keinen Zweifel daran, wie sehr er diese Aufgabe schätze.

Der Knirps gab weder eine Antwort, noch stieg er von seinem Schaukelbrett. Stattdessen schaute er Severus lange lange an, was in Severus ein Gefühl höchster Beklommenheit auslöste.

„Was?“, schnappte er wütend.

„Woher kennst du meinen Namen?“, erkundigte sich der kleine Potter mit mildem Interesse, als wäre Severus nicht mehr als ein Straßenkater, der zufällig seinen Weg gekreuzt und bei ihm Pause gemacht hatte.

Severus musste sich sehr zusammenreißen, um nicht aus der Haut zu fahren. „Das tut nichts zur Sache“, entgegnete er und schnippte ungeduldig mit seinen behandschuhten Fingern. „Hier her mit dir. Deine Verwandten warten und ich kann dir sagen, sie sind gar nicht erfreut, dass du einen ganzen Tag verschwunden warst.“

Der Junge kaute nachdenklich auf seiner Unterlippe. „Aber ich will nicht, dass du mich zurückbringst“, entschied er dann. „Ich gehe nie wieder zu den Dursleys.“

Mit einer Hand fuhr er sich über die laufende Nase. Severus verzog angeekelt das Gesicht und machte eine mentale Notiz, den kleinen Wicht auf keinen Fall anzufassen.

Potter hatte beide Hände wieder um die Ketten der Schaukel geschlungen und begann sachte Anschwung zu nehmen. Er steckte in einer lächerlich großen Jacke, deren Ärmel er so weit zurückgeschoben hatte, dass sie bis hoch zu seinen Schultern Falten warfen und schien trotzdem leicht zu zittern, was in Anbetracht des Wetters wirklich kein Wunder war. Nicht mal an Mütze und Schal hatte der kleine Schwachkopf  gedacht, als er sich heute morgen aus dem Haus seiner Verwandten gestohlen hatte und wahrscheinlich würde er an Weihnachten mit einer Grippe im Bett liegen.

„Geschieht ihm ganz recht“, grollte Severus.

„Wie bitte?“, fragte Potter neugierig.

„Ich sagte, komm sofort von der Schaukel.“

Der Junge schüttelte den Kopf. „Ich bleibe lieber hier. Wie heißt du?“

„Auch das tut nichts zur Sache“, knurrte Severus und fragte sich, ob alle Kinder so furchtbar anstrengend waren. „Hör mir zu, Potter. Entweder du kommst jetzt runter und gehst freiwillig mit mir mit oder ich zwinge dich. Egal was du wählst, du wirst noch heute Abend zu deinen Verwandten zurückkehren.“

Der Knirps schüttelte erneut den Kopf, dass seine wirren Haare hin und herflogen.
„Ist schon gut, du musst mich nicht zurückbringen“, erklärte er versöhnlich und schenkte Severus ein kleines Lächeln. „Meine Tante und mein Onkel sind froh, wenn ich nicht wiederkomme und ich will nicht wieder zurück zu ihnen. Ich suche mir bis Weihnachten was Besseres.“

„Etwas Besseres?“, wiederholte Severus gefährlich leise.

Der Junge nickte freundlich. „Eine bessere Familie.“

Und Severus Geduldsfaden riss mit einem lauten Knall. „Du undankbare, kleine Kröte“, zischte er, während er seinen Zauberstab zückte und durch die Luft sausen ließ. Mit einem wortlosen Zauber hob er den Knirps aus der Schaukel und ließ ihn zur Erde segeln.

„Hilfe! Nein! Lass mich runter“, rief der Junge in plötzlicher Panik als ihn nichts als bloße Magie in der Luft hielt und ihm erst die eine, dann die andere Schaukelkette aus den Fingern rutschte. Er schien seine Meinung zu ändern, als er bemerkte, dass er geradewegs auf Severus und seine kalte Wut zurauschte. „Bitte, ich hab's mir anders überlegt! Ich will doch wieder hoch! Lass mich zurück auf meine Schaukel!“, krakelte er, doch da hatte Severus ihn schon aus der Luft gepflückt und vor sich auf die Füße gestellt.

„Es ist mir egal, was du willst. Du gehst zurück zu deinen Verwandten und zwar schnell. Und wenn wir dort sind, wirst du dich für deine Undankbarkeit entschuldigen und ihnen das restliche Weihnachtsfest keine Scherereien mehr machen.“

Er packte den kleinen Potter am Arm und zog ihn grob hinter sich her, runter von dem Hof und auf die menschenleere Straße, die mittlerweile in vollkommene Dunkelheit getüncht war. Der Junge an seiner Seite kämpfte mit all seiner Kraft, doch er hatte keine Chance. Severus schleifte ihn ohne Mühe hinter sich her durch das verschneite Viertel.

Als sie schon ein ganzes Stück hinter sich gebracht hatten, spürte er plötzlich scharfe Zähne durch das Leder seiner Handschuhe dringen. Mit einem unterdrückten Aufschrei befreite Severus seine Hand und packte den Jungen im Nacken.

„Potter, es wird nicht gebissen“, fauchte er, seine Stimme heiser vor Wut. Der kleine Wicht schrumpfte einige Zentimeter in seine überdimensionierte Jacke. Seine Unterlippe zitterte. Ein trauriges Schniefen entkam ihm, dann noch eins.

Severus schloss leidend die Augen. Wenn der Junge jetzt auch noch zu Weinen begann, würde er wirklich auf der Stelle Apparieren und Albus konnte alleine sehen, was er mit seinem verlorenen Schäfchen anstellte. Doch als er zu Potter hinunterblickte, schien dieser wieder Herr seiner Gefühlte und starrte Severus erneut auf diese unschöne Art und Weise an.

„Was jetzt?“

„Wie...wie hast du mich gerade von der Schaukel geholt?“, fragte der Junge zaghaft.

Severus verengte die Augen. Das war mal ein Stimmungswechsel, der selbst dem Zaubertrankmeister – der von grantig zu unbeherrscht zu fuchsteufelswild in weniger als einer Sekunde schalten konnte – alle Ehre machte. Misstrauisch erklärte er: „Mit einem simplen Schwebezauber. Falls du denkst, dass das in einer Muggelgegend illegal ist, Potter, kann ich dich beruhigen. Bei dieser Dunkelheit hat uns sicher niemand gesehen.

Ein verständnisloses Blinzeln. Dann: „Ein Schwebezauber? So wie echte Zauberei?“

Severus seufzte schwer. „So wie echte Zauberei. Und wenn du jetzt nicht still bist, benutze ich diese echte Zauberei und hexe dir den Mund zu.“ Er schenkte dem Jungen einen schauerlichen Blick.

„Ich wusste es!“ stieß dieser begeistert aus und tat einen kleinen Hüpfer. „Ich wusste es die ganze Zeit! Bitte, kannst du mir den Mund zuhexen. Oder etwas anderes zaubern? Ich will noch einen Beweis.“

Severus runzelte die Stirn. Diesmal war er es, der Potter lange musterte. „Sicher weißt du, dass es Zauberei gibt“, begann er, doch der Ausdruck in Potters Gesicht erzählte eine ganz andere Geschichte. „Haben deine Verwandten dir denn nie erzählt- Nein, vergiss alles, was ich gesagt habe. Ich bin nicht deshalb hier“, überlegte er es sich anders und setzte sich wieder in Bewegung, Potters kleine Hand fest in seiner. Jetzt hüpfte der Junge förmlich neben ihm her, seine Augen ehrfürchtig auf den Zaubertrankmeister gerichtet.

„Ich habe mir schon lange gedacht, dass es Zauberei gibt“, erklärte er vertrauensvoll. „Ich hatte nur noch keinen richtigen Beweis. Manchmal, wenn um mich rum komische Sachen passieren, denke ich sogar, dass ich selbst zaubern kann...“

Severus schnaubte laut auf.

„Was ist daran komisch?“, fragte der Knirps mit verletzter Stimme.

„Natürlich kannst du zaubern, Potter. Bei deinen Eltern und deiner Historie würde niemand daran zweifeln. Dein Name ist in den Büchern von Hogwarts vorgemerkt, seit du geboren wurdest.“

Severus sah, wie Potter ihn voll Neugierde anstarrte und zog ihn noch ein bisschen schneller voran. Falls der kleine Wicht wirklich nicht wusste, dass auch in ihm Magie steckte, wollte Severus sicher nicht der sein, der ihn aufklärte. Jemand Gefühlvolles wie Albus sollte diesen Job übernehmen, jemand, dem der Junge nicht völlig egal war.

Zu Severus Erleichterung hatten sie endlich den verschneiten Ligusterweg erreicht und ehe Potter ihn mit den eintausend Fragen bombardieren konnte, die ihm ins Gesicht geschrieben standen, hielten sie vor der Hausnummer vier.

Severus hatte sich einige Mal gefragt, was für ein Leben Petunia Dursley wohl gewählt hatte, nachdem es ihre Schwester in die Welt der Zauberei gezogen hatte und sie alleine in ihrem tristen Leben als Muggel zurückgeblieben war, doch der Zaubertrankmeister war nie neugierig genug gewesen, um sich ihrem Haus und ihrer Familie zu nähern, dabei wohnte er kaum einen Steinwurf entfernt. Zu groß war außerdem die Gefahr, dass er bei seinen Erkundungen auf den Spross von James Potter stieß, den er vor seinem elften Geburtstag in gut fünf Jahren sicher nicht zu Gesicht bekommen wollte.

Wie sehr sich die Sterne doch gegen einen richten konnten, dachte Severus launisch und gab dem Jungen an seiner Hand einen unsanften Stoß nach vorne. Der kleine Potter stolperte ungelenk den Gartenweg zum Haus seiner Verwandten hoch.

„Bitte nicht“, bettelte er leise, all seine Aufregung beim Anblick des schneebedeckten Hauses verflogen.

„Nicht was?“, fragte Severus barsch.

„Bring mich nicht zurück zu ihnen. Lass mich einfach laufen und du wirst mich sicher nie wieder sehen.“

Severus lachte auf, ein kurzer, bitterer Laut. „Was für ein verlockendes Angebot, Potter“, knurrte er und drückte ohne zu zögern die Klingel, „aber leider leider haben wichtige Menschen andere Pläne für uns beide. Wir werden uns schon in ein paar Jahren wieder begegnen, auch wenn ich wahrlich darauf verzichten könnte. Jetzt hör gut zu.“ Severus musste sich beeilen. Im Hausflur der Dursleys war bereits ein Licht entflammt. „Egal was passiert, du wirst nie wieder weglaufen. Es ist zu gefährlich, wenn ein Knirps wie du alleine durch die Gegend wandert, es macht deiner Familie große Sorgen und Leuten wie mir unnötig Arbeit. Und glaube mir“, er beugte sich tief zu Potter hinunter, „solltest du es noch mal versuchen, werde ich dich finden und dann kommst du nicht so glimpflich davon. Verstanden?“

Er versah Potter mit einem durchdringenden Blick, ihre Nasenspitzen keine Handbreit von einander entfernt. Potter starrte tapfer zurück.

„Du würdest mich finden?“, wiederholte er leise.

Severus nickte finster. „Das verspreche ich dir – und das möchtest du nicht erleben.“

Der kleine Potter hatte kaum Zeit diese Drohung zu verdauen, da wurde die schwere Haustür aufgerissen. Ein fetter Mann mit buschigem Schnurrbart und ungesunder Hautfarbe erschien – ohne Zweifel Petunias unsäglicher Ehemann. Severus setzte im Geiste einen Haken. Genau so hatte er ihn sich vorgestellt.

„Bursche“, blökte der Mann und fixierte Potter mit stechenden, kleinen Schweinsäuglein. Potter zuckte unwillkürlich zusammen und tat einen Schritt nach hinten, als könnte er hinter Severus Beinen verschwinden. Severus rümpfte die Nase und schob ihn wieder nach vorne. Es kam nicht in Frage, dass er sich – wenn auch unabsichtlich – als Potters Beschützer gebärdete.

„Du weißt, wo du hingehörst. Heute kein Essen“, bestimmte Mr. Dursley und zeigte mit einem wurstigen Zeigefinger unmissverständlich ins Innere des Hauses.

„Ja, Onkel Vernon“, entgegnete der kleine Potter niedergeschlagen und schlich hinein, seinen Blick ängstlich auf seinen Onkel gerichtet. Severus stutzte. Er hatte mit einem anderen Empfang des verlorenen Sohns gerechnet.

„Wo hat er gesteckt?“, bellte der Mann dann, während er seinem Neffen giftig hinterherschaute. Severus zog eine Augenbraue in die Höhe. Redete Dursley gerade mit ihm?

„Auf dem Hof seiner Schule. Nach meinen Informationen hat er sich dort den ganzen Tag rumgetrieben“, entgegnete Severus kühl. „Bitte benachrichtigen Sie den Schulleiter das nächste Mal früher, wenn Mr. Potter nicht auffindbar ist.“

Dursley schnappt nach Luft. „Hören Sie!“, begann er entrüstet, doch Severus winkte ab.

„Kein Kind sollte einen Tag unbeaufsichtigt sein, vor allem keines, mit so vielen Feinden. Sie haben die Verantwortung für ihn, also kommen Sie ihr auch nach. Guten Abend.“ Damit drehte er sich auf dem Absatz um und verschwand im Dunkel der Nacht.

An der Straßenecke warf Severus einen schnellen Blick auf seine Taschenuhr. 43 Minuten, mehr hatte ihn dieses unschöne, kleine Intermezzo in Little Whinging nicht gekostet und doch fühlte er sich ungewöhnlich ausgelaugt und müde. Er hoffte inbrünstig, dass er den Rest seiner Ferien ungestört genießen konnte, mit seinen Tränken und Büchern und sehr viel starkem Tee – fernab vom kleinen Potter, den er hoffentlich erst am Tage seiner Einschulung in Hogwarts wiedersehen würde.

Nun, ärgerlich, dass Harry, der ängstlich in seinem Schrank hockte, einen ganz anderen Plan gefasst hatte.
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