Sugar Daddy

GeschichteRomanze / P18 Slash
25.12.2019
26.03.2020
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Am nächsten Morgen setzte ich mich zu Katharina und Maya in die Kantine und schlürfte immer noch übermüdet von der gestrigen Schicht meinen Kaffee.
„Sag mal, wo warst du gestern Abend eigentlich?“, richtete ich mich mit vollem Mund an Katharina. „Ich habe bei dir geklopft.“
„Ich hatte mit Professor Turner noch etwas zu besprechen.“
Verwirrt hielt ich mit dem Kauen meiner Streuselschnecke inne.
„Um die Uhrzeit?“
„Ja, er gibt mir Nachhilfe in Geschichte. Und zu einer anderen Uhrzeit kann er eben nicht. Ist ja nicht verboten, oder?“, sagte sie selbstsicher und nippte an ihrem Tee.
„Nein, aber… okay.“ An der Art und Weise wie Charlotte ihre Augen verdrehte, merkte ich, dass es nicht ganz die Wahrheit sein konnte.
Aber das sollte mich nicht weiter interessieren. Ich war noch immer sauer wegen Charlottes Wutausbruch. Ich wollte ihr nur helfen und sie hatte nicht das Recht, mich so anzuschreien.
„So, ich muss jetzt los. Ich habe noch ein paar Bücher in meinem Zimmer vergessen. Wir sehen uns später.“, verabschiedete sich Katharina und ich blieb mit Charlotte zurück, unsicher wie ich mit ihr umgehen sollte.
„Hör zu.“, begann sie in einem entschuldigenden Ton. „Es tut mir wirklich leid, dass ich so ausgerastet bin. Aber bitte erzähl es niemandem und vergiss es bitte am besten schnell wieder.“
„Vergessen? Du tust dir das selber an, wie soll ich das vergessen?“
„Bitte.“, mit ihren großen braunen Augen und einem flehenden Blick schaute sie mich an.
„Kannst du mir wenigstens verraten, warum du das tust?“
Bedrückt schaute sie auf die Tischplatte und spielte nervös an ihrem Schlüsselanhänger herum.
„Ich weiß es nicht.“, sagte sie leise. „Ich habe einfach das Gefühl, ich muss es tun.“
„Aber es muss doch jemanden geben, der dir helfen kann. Gibt es hier nicht irgendwelche Vertrauenspersonen, die von der Uni genau dafür angestellt werden?“
Abschätzig schnaubte sie und gab mir ein verzweifeltes Lächeln. Tränen sammelten sich in ihren Augen und sie wischte sich  verlegen mit dem Handrücken über das Gesicht.
„Weißt du, nur weil die Leute vorgeben, Ahnung davon zu haben, heißt es nicht, dass es sie wirklich interessiert. Sie tun eine Stunde lang so, als würden sie dir zuhören, kassieren freudig das Geld und gehen nach Hause ohne auch nur einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden.“
„Aber…“, wollte ich gerade einwenden, doch ihr flehender Blick ließ mich inne halten.
„Bitte. Erzähl es niemandem.“
Ich atmete schwer durch und stimmte dann schweren Herzens zu.
„Okay. Ich verspreche es. Aber du musst mir im Gegenzug auch etwas versprechen: Du musst damit aufhören.“
Stumm nickte sie und starrte auf die Tischplatte.
„Versprich es mir!“, sagte ich erneut mit Nachdruck.
„Ja… ich verspreche es.“
Zwar kam die  Antwort etwas zu zögerlich, aber ich beschloss, ihr zu glauben und beließ es dabei.
„Mal ein anderes Thema.“, ich biss an meiner Streuselschnecke ab und spülte sie mit dem restlichen Kaffee runter.
„Immer her damit!“, gab Charlotte – froh über den Themenwechsel – zurück.
„Gestern Abend hatte ich meine Schicht in der Bar. Und Dr. Parker war dort.“
„Ups.“
„Ja ups. Ich bin volle Kanne mit einem Tablett gegen ihn gerannt und habe ihn mit Bier überflutet.“
„Doppel-ups.“
„Aber das war gar nicht das eigenartige…“, ich machte eine Pause und überlegte wie ich es erzählen sollte.
„Er saß am Tresen und hat mir haufenweise Fragen gestellt. Warum ich dort arbeite und ob es denn nicht zu stressig ist.“
„Naja, es ist doch aber stressig, oder?“
„Das ist nicht der Punkt… im Endeffekt hat er mich heute Nachmittag in sein Büro gebeten. Scheinbar will er mir einen Vorschlag machen, wie ich einfacher an das Geld komme.“
Plötzlich horchte Charlotte auf, hielt inne und schaute mich mit großen Augen an.
„Weißt du etwas darüber?“
Doch sie antwortete nicht, sondern trank mit schnellen Schlucken ihren Tee aus.
„Charlotte?“, hakte ich erneut nach.
„Nein, was soll ich denn wissen?“, beeilte sie sich zu sagen.
„Was soll ich denn tun?“
Hecktisch zog sie sich ihre Jacke über und nahm ihre Tasche.
„Na ganz einfach. Du gehst hin und hörst dir an, was er zu sagen hat. Vielleicht kennt er ja einen coolen Job.“, dann schnappte sie ihr Tablett und war auch schon verschwunden.
Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass in zehn Minuten die erste Vorlesung beginnen sollte, sodass auch ich mich beeilte, rauszukommen.


Der Nachmittag versprach magisch schön zu werden. Nach fünf Vorlesungen hintereinander war ich froh den Sonnenschein zu sehen und die frische Luft einzuatmen. Bald waren auch die letzten Sommertage endgültig vorbei, sodass ich am liebsten jeden einzelnen Sonnenstrahl in mich aufsaugen würde, um die dunkle Jahreszeit zu überstehen.
Mit klopfendem Herzen stand ich vor seinem Büro. Dr. Lukas Parker stand in geschwungenen Buchstaben an der Tür.
Zögerlich klopfte ich drei Mal und musste mich daran erinnern, weiter zu atmen.
Von der anderen Seite der Tür hörte ich ein deutliches „Herein!“ und öffnete langsam die Tür.
An einem großen Tisch aus dunkelbraunem Holz saß Lukas in weißem Hemd und schenkte mir sein schiefes Lächeln als er mein Gesicht sah.
„Ah, Harper. Komm doch herein und nimm Platz.“ Er zeigte auf einen ledernen Sessel auf der anderen Seite des Tisches. Ich betrat sein Büro und gleich als allererstes sprangen mir die vielen Auszeichnungen, die penibel ordentlich in einer Reihe an der Wand hangen in die Augen.
In einer Glasvitrine standen mehrere Pokale, die allesamt auf Hochglanz gebracht wurden.
„Ich bin Marathonläufer.“, kommentierte er als ihm mein Blick auffiel.
Anerkennend nickte ich und nahm auf dem Sofa Platz. Zufrieden lehnte er sich in seinem Bürostuhl zurück und legte die Arme auf den Lehnen ab.
„Ich war mir nicht sicher, ob du kommen würdest. Umso mehr freut es mich, dass du da bist.“
„Um was genau geht es denn?“, fragte ich und merkte wie meine Wangen erneut anfingen zu glühen.
„Bevor ich dir das sage, möchte ich eine kleine aber wichtige Anmerkung machen.“, er machte eine Pause und legte sich die Worte in seinem Kopf zurecht.
„Ich benötige ein Versprechen von dir, dass das Besprochene diesen Raum nicht verlassen wird.“
Ich verstand nicht und sagte nichts.
„Wenn du dieses Versprechen nicht geben kannst, dann möchte ich dich bitten zu gehen und zu vergessen, dass ich dir je ein Angebot gemacht habe.“
Ich verstand nur Bahnhof.
„Sollte der Fall eintreten, dass du trotz dessen das Besprochene in die Außenwelt trägst, kennen wir Mittel und Wege dir das Weiterstudieren an dieser Universität zu verbieten.“, sein Gesichtsausdruck wurde ernst und ich hatte keinen Zweifel daran, dass dies sein voller Ernst war.
„Also. Kannst du mir versprechen, dass das du das Folgende für dich behältst?“
Eindringlich schaute er mir in die Augen und ich spürte wie mein Hals trocken wurde und es mir in meiner Uniform ungewöhnlich warm wurde.
Was konnte es denn sein, dass ich es nicht erzählen durfte? Und wie sollte ich einen Job haben, den ich jedem verheimlichen musste? Und wenn es illegal war, wie konnte es sein, dass ein Professor dies tat?
Eine gefühlte Ewigkeit verging, bis ich meine Entscheidung getroffen hatte und im Nachhinein Angst hatte, es zu bereuen und in etwas verstrickt zu werden, wovon ich eventuell nichts wissen wollte.
„Ich verspreche, dass ich das Besprochene für mich behalten werde.“, gab ich gepresst von mir.
„Gut.“, sagte er nun deutlich entspannter und sein Lächeln und die glitzernden Augen ließen auch mich lockerer werden.
Dann begann er zu erzählen und einerseits erschrocken und gleichzeitig fasziniert lauschte ich.
„An dieser Universität existiert eine Art Gemeinschaft von Professoren, die Freude daran haben, einigen Studentinnen das Studium zu finanzieren. Und auch gewisse andere Dinge. Dir wird sicher bekannt sein, dass man als Professor an dieser Universität mehr oder weniger in Geld schwimmt.“
Ohne wirklich zu verstehen, worauf er hinaus wollte, nickte ich und dachte an die wunderschönen Häuser, in denen die Professoren mit ihren Familien wohnten.
„Dafür erwarten sie eine Art Gegenleistung…“, er machte eine Pause und fixierte mit seinen Augen meinen Blick.
„Und als ich dich gesehen habe, zum einen auf der Treppe, auf der ich fast verunglückt wäre und zum anderen arbeitend in der Bar, dachte ich, es wäre passend für dich.“
Noch immer hatte ich keine Ahnung, wovon hier überhaupt die Rede war.
„Was für eine Gegenleistung ist es denn?“, fragte ich ungeduldig.
Er atmete tief durch und richtete sein Blick auf den blauen Himmel hinter dem Fenster.
„Eine sexuelle.“
Es dauerte eine Weile, bis das Gesagte in meinem Kopf ankam. Und als es soweit war, spürte ich wie mein Puls raste und mein Gesicht erneut diese tomatenrote Farbe angenommen hatte.
Ich öffnete zwar meinen Mund, um etwas zu sagen aber meine Kehle war inzwischen so ausgetrocknet, sodass ich kein einziges Wort herausbrachte.
„Keine Angst, das hat mit Prostitution nichts zu tun. Es ist alles viel persönlicher und vertrauter und wir geben dir auch kein bares Geld auf die Hand. Wir bezahlen deine Unterkunft, deine Studienbeiträge und wenn du möchtest kannst du hier ein wundervolles Leben führen und es soll dir kein Wunsch verwehrt werden.“, erwartungsvoll schaute er in mein fassungsloses Gesicht.
Nach einer gefühlten Ewigkeit fand ich endlich meine Stimme wieder.
„Ich soll also mit Professoren schlafen und dafür werden mir Geschenke gemacht?“, gab ich krächzend von mir.
Er schmunzelte auf diese verführerische Art und Weise, bei der ich mir nach wie vor nicht eingestehen wollte, wie sehr ich es mochte.
„Es ist viel persönlicher und vertrauter als du es dir im Moment vorstellst. Du kannst dich dort wunderbar aufgehoben fühlen.“
„Aber ich kenne diese Professoren doch gar nicht…“
„Du wirst sie kennenlernen. Und mit niemandem schlafen, den du nicht magst.“
Verwirrt schüttelte ich den Kopf.
„Und Sie gehören auch dazu?“
„Du. Ich heiße Lukas, das hatten wir doch schon.“
„Du…“, korrigierte ich.
„Ja.“
„Und… wie viele Studentinnen machen das mit?“
„Das darf ich dir noch nicht verraten. Erst, wenn du zusagst. Was natürlich nur auf deinen Wunsch hin geschehen soll.“
„Und die Professoren?“
„Auch deren Namen darf ich erst Preis geben, wenn du dich entschlossen hast anzunehmen.“
Völlig verwirrt blieb ich stumm sitzen.
„Ich… Ich muss gehen.“, sagte ich hektisch und schulterte meine Tasche.
„Ich kann das nicht. Aber ich verspreche nichts zu sagen. Nur lassen Sie mich damit bitte in Ruhe.“
Mit einem Augenzwinkern schmunzelte er mich an.
„Wie du wünschst. Aber falls du es dir doch anders überlegst, komm einfach in mein Büro, dann besprechen wir die Einzelheiten.“
Völlig zerstört rannte ich aus dem Büro nach draußen.
Die frische Luft fühlte sich befreiend an in meinen Lungen aber noch nie in meinem Leben spürte ich mein Herz so rasen. Meine Lungen drohten zu explodieren. Erschöpft setzte ich mich auf eine Bank und versuchte tief durchzuatmen.
Noch nie fühlte ich mich so eingeengt. So überfordert.
Und fasziniert zugleich.