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All I want for Christmas is ... a Paladin

von Jari
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P12 / Gen
24.12.2019
24.12.2019
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Für Mila, die kein großer Weihnachtsfan ist, aber meine Geschichten mag, und alle, die sich noch hierher verirren.

Habt Spaß beim Lesen und ein schönes Weihnachtsfest :-)

Eure Jari




All I want for Christmas is … a Paladin ;-)


Ich erwache von Tannenduft.

Vielmehr Gestank, beschließe ich nach einem vorsichtigen Schnuppern. Es riecht wie in einem verdammten Nadelwald.

Gleich darauf entdecke ich den Grund. Über der Tür hängt eine Tannengirlande. In dem dunklen Grün schimmern vereinzelt dicke rote Kugeln, und Strohsterne schauen zwischen den Zweigen hervor.

Kastor! Aus mir nicht nachvollziehbaren Umständen muss mein Ehemann vor mir aufgestanden sein und gedacht haben, dass eine Tannengirlande in unserem Schlafzimmer hübsch wäre.

Ist es auch. Aber der Geruch nervt. Ich krabbele aus unserem warmen Bett, ziehe die Vorhänge zurück und das Fenster auf. Kühle, klare Winterluft dringt ins Innere des Zimmers. Tief einatmend lehne ich mich hinaus.

Still und weiß liegt mein Garten da. Eisblumen ranken sich den hölzernen Zaun hoch. Ein Eichhörnchen springt über den gefrorenen Rasen, um schließlich in der Kastanie zu verschwinden. Ich bleibe stehen, bis Kältefinger unter mein Nachthemd kriechen und mich frösteln lassen. Rasch schließe ich das Fenster wieder. Der Tannengestank ist fast vollständig verflogen.

Barfuß tapse ich in den Treppenflur. Von unten dringen ein warmer Lichtschein und Teegeruch zu mir. Ich eile los … und meine nackten Zehen prallen schmerzhaft gegen ein massives Holzstück. Was bei den Höllenfürsten macht ein Holzklotz auf der Treppe? Bei näherem Hinschauen entpuppt sich das Objekt als eine geschnitzte Kerze. Weitere Kerzen stehen auf jeder zweiten Stufe bis hinab in das Wohnzimmer.

Missgelaunt und mit pochenden Zehen stapfe ich die Treppe herunter. Der sich bietende Anblick entschädigt mich für den unerfreulichen Tagesbeginn, und ich reagiere mit einem leisen Oh. Mein Gatte steht inmitten des Raumes. Flammenschein tanzt über seinen entblößten Oberkörper und betont alle Muskeln. In seinen starken Händen hält er eine weitere Tannengirlande.

Werde ich mich jemals daran gewöhnen, dass dieser Prachtkerl wirklich zu mir gehört?

Wohl nicht.

Hoffentlich nicht!

Von hinten schmiege ich mich an ihn.

„Brianna, mein Herz. Guten Morgen.“

„Dir auch einen guten Morgen.“ Ich recke mich und hauche einen Kuss auf den unteren Teil seines Nackens. Höher gelange ich leider nicht.

Sanft löst er sich aus meiner Umarmung, drapiert die Girlande auf dem Sims über meinem Kamin und geht zum Sofa, auf dem sich unzählige Kartons, Schachteln und Tüten stapeln.

„Was soll das?“ frage ich und mache eine Geste, die das Zimmer, das gesamte Haus und vor allem das Durcheinander auf dem Sofa umfasst. Mein Plan war es, mit Kastor ein wenig zu kuscheln, bevor wir uns beide unserem Tagwerk zuwenden. Doch wie es aussieht, hat er dafür keine Zeit.

„Traditionelle Winterhauchdekoration.“

„Aha“, sage ich und schiele zu dem Rentier, das Kastor gerade aus einer der Schachteln holt. Will er das Ungetüm etwa auch in meinem Haus aufstellen? Er will. Das Ding findet seinen Platz über meinem Kamin.

Fasziniert beobachte ich, was noch aus den Kartons zum Vorschein kommt. Mit dicken roten Schleifen verzierte Päckchen. Weitere Tannenzweige oder ganze -girlanden. Glasgefäße, gefüllt mit bunten Kugeln oder Nüssen und Tannenzapfen. Von Winterhauchdeko -traditionell oder nicht- weiß ich wenig. Im Waisenhaus wurde am Morgen des Winterhauchabends ein Tannenbaum in der Großen Halle aufgestellt. Wir Kinder durften ihn dann mit selbstgebastelten Strohsternen und -in spendenreichen Jahren- mit Keksen schmücken.

Ab meinem Einzug bei Meister Cornelius war es für mich ganz vorbei mit diesem Fest.

„Magst du mir helfen?“ bietet Kastor an und versucht, mir einige aus buntem Papier ausgeschnittene Sterne zu reichen.

Ich entziehe ihm meinen Arm. „Besser nicht. Wir sehen uns später.“

Er nickt und zieht ein weiteres Rentier aus einer Tüte. Beim Anblick der roten Nase und des dümmlichen Grinsens des Tiers steigt in mir der Wunsch auf, alles in Flammen aufgehen zu lassen. Daher entferne ich mich schnell – für Grundsatzdiskussionen über Sinn und Unsinn solcher Feierlichkeiten mit meinem Paladin-Mann ist es noch viel zu früh.

~*~

In diesem Jahr lief mein Geschäft mit Kräutern ausgesprochen gut. Auch den ein oder anderen Fluch konnte ich gewinnbringend an den Mann oder die Frau veräußern. Nur durch meine Heirat mit Kastor lasse ich mich davon nicht abbringen. Jedenfalls war es mir möglich, vor Beginn der kalten Jahreszeit einige Silbermünzen in neue Garderobe zu investieren.

Gekleidet in ein Kleid aus weinrotem Wollstoff will ich mich solange in meinem Arbeitszimmer verkrümeln, bis Kastor mit seinen Dekorationen fertig ist. Allzu lange wird das schon nicht dauern. Zumindest hoffe ich das.

Bevor ich dieses Vorhaben in die Tat umsetze, hole ich einen fertig aufgebrühten Tee aus der Küche (auf dem Tisch steht ein Gesteck aus Tannenzweigen und Kerzen, aber ich rege mich nicht! auf), dann reiße die Tür zu meinem Refugium auf und erstarre. Rupnar, mein Wichtel, sitzt auf dem Tisch, über dem meine Kräuterbündel an niedrigen Balken hängen, und lutscht an etwas, das verdächtig nach den Resten einer rot-weiß gestreiften Zuckerstange aussieht. Auf seinem Kopf, zwischen den kleinen grünen Hörnern, trägt er eine Zipfelmütze. An ihrem Ende hängt eine Glocke, die mit jeder seiner Bewegungen ein leises Klingeln von sich gibt.

Ich stürze in das Zimmer. „Woher hast du die?“, keife ich und reiße ihm die Mütze herunter. Kein dämonischer Diener sollte aussehen wie ein bescheuerter Helfer von Altvater Winter.

Rupnar keckert bloß schrill und rennt davon. „Kastor hat noch mehr.“

Schon lange ahne ich, dass mein Wichtel meinen Mann viel lieber mag als mich. Schließlich kommandiert der ihn nicht herum. Jetzt verwöhnt Kastor ihn also auch noch mit Süßigkeiten.

„Dann geh doch zu Kastor“, rufe ich ihm hinterher und sperre die beiden und sämtliche Winterhauchanspielungen aus.

Hin und wieder erklingen seltsame Geräusche. Sägen, Hämmern und Glöckchenklingeln. In einem Schrank finde ich getrocknete Früchte und eine paar Kekse. Froh darüber, meine Zuflucht vorerst nicht verlassen zu müssen, verschließe ich die Ohren, vertiefe mich in ein Buch und knabbere an Obst und Gebäck. Wenn Kastor mein Haus in einen Ort der Winterhauchfreude verwandeln möchte, ist das in Ordnung. Viel schlimmer als das, was ich schon gesehen habe, kann es wohl nicht werden.

~*~

Stunden später muss ich erkennen, dass ich mich getäuscht habe. Aber gewaltig. In der Mitte des Wohnzimmers steht eine Tanne. Ihre mit einem voluminösen Rauschgoldengel versehene Spitze stößt beinahe bis an die Decke, und die Zweige sind über und über verunstaltet durch Anhänger, Lametta und Wattebäusche, die wohl Schnee darstellen sollen.

Ich muss mich an dem Teil vorbeiquetschen, um überhaupt zu meinem Sofa und Kastor zu gelangen.

„Hallo“, sage ich mit schwach klingender Stimme und rümpfe die Nase. Schwaden an Glühweingeruch ziehen durch den Raum; ich kann aber keinen Hinweis auf ein solches Getränk entdecken. „Was riecht hier so?“

„Duftkerzen“, erklärt Kastor und deutet auf eine solche, die in einem Glas auf der Fensterbank steht. „Eine ganz neue gnomische Erfindung. Sagt dir Glühwein nicht zu? Ich kann auch Bratapfel- oder Vanillekipferlduft anbieten.“

Seine, sonst von mir überaus geschätzte Höflichkeit, raubt mir die Luft zum Atmen. Es könnte aber auch an dem sich gerade auf penetrant-eklige Weise mit dem Tannengrüngestank vermischenden Glühweinaroma liegen, dass dass sich ein Engegefühl meines Brustkorbs bemächtigt. Hitze steigt in meine Wangen und von dort weiter bis in meinen Kopf bis sich dieser anfühlt, als würde er einen Schmelzofen beherbergen.

Nein, ich mag keine ominösen Winterhauchdüfte in meinem Haus.

Ich mag auch den ganzen anderen Winterhauchkram nicht. Dem auf über dem Kamin stehenden Rentier werfe ich einen bitterbösen Blick zu, der meine dämonischen Diener in Angst und Schrecken versetzt hätte. Das Rentier glotzt nur doof zurück und tut mir nicht den Gefallen, sich in das unter ihm prasselnde Feuer zu stürzen.

„Ist alles in Ordnung, Liebste?“ Kastors Stimme ist leise und scheint von weit her zu kommen. Dabei steht er direkt neben mir.

Ich blinzele zu ihm hoch und schnappe weiter nach Luft. „Das muss weg“, keuche ich.

In Kastors grünen Augen flackert Unsicherheit auf. „Was genau?“

„Alles! Das ist zu viel. Viel zu viel. Ich bin eine Hexenmeisterin, keine Anhängerin von Altvater Winter.“ Die ersten Silben zur Beschwörung meines Leerwandlers drängen über meine Lippen. Dann fällt mir ein, dass es nicht an meinem starken Dämon ist, diesen ganzen Unsinn beiseite zu schaffen. Derjenige, der dafür verantwortlich ist, soll dafür sorgen, dass ich mich in meinem Heim wieder wohlfühle. „Bis ich wieder zurück bin, ist alles verschwunden.“

„Brianna, lass uns darüber reden, bitte.“

Ich lasse Kastor links liegen und gehe zur Eingangstür, an der ich mir einen wollenen Mantel überwerfe.

„Wo willst du überhaupt hin?“

„Kann ich noch nicht sagen“, rufe ich ihm zu, ramme meine Füße in dick mit Lammfell gefütterte Stiefel und stürme hinaus. Neben dem Gehweg steht eine Gruppe dreier dümmlich grinsender Schneemänner. Wie die Kerzen auf der Treppe sind sie ebenfalls aus Holz. Mit gezielten Fußtritten kicke ich sie weg. Dank meiner gepolsterten Stiefel spüre ich ihren Widerstand kaum. Zwei stürzen lediglich in den Schnee, der kleinste und leichteste unter ihnen fliegt in die Hecke, so dass nur noch sein Hinterteil zu sehen ist. Geschieht ihm recht. Ich hasse das Winterhauchfest.

~*~

Trost und eine absolut winterhauchfreie Zone finde ich bei Meister Cornelius. Wir sitzen auf seinem alten fleckigen Sofa, vor uns stehen zwei Becher mit dampfendem Kakao, und auch ganz ohne Winterhauchglitzer ist es so gemütlich, dass ich meine Beine anwinkele und auf das Sofa ziehe.

„Ich will ja nicht sagen, dass ich es von Anfang an für eine schlechte Idee hielt, einen Paladin zu heiraten, aber es war eine schlechte Idee“, sagt mein Meister, nachdem ich ihm mein Leid geklagt habe. Fragend hält er eine Flasche mit einer goldgelben Flüssigkeit über die für mich bestimmte Tasse, und nach einem auffordernden Nicken meinerseits kippt er einen guten Schluck seines selbst gebrannten Weizenschnapses in mein Getränk.

Grundsätzlich bin ich nicht der Ansicht, dass Alkohol bei Problemen hilft - schaden kann er in meinem Fall aber auch nicht.

„Ja, ja.“ Ich puste in die aus meiner Tasse aufsteigenden Dampfschwaden und versuche, das Getränk auf eine annehmbare Temperatur herunterzukühlen. „Ich glaube nicht, dass das Problem in Kastors Berufung besteht. Mich stört bloß, dass er mein Haus verkitscht.“ Vorsichtig nehme ich einen Schluck von dem Kakao. Die Süße der Schokolade fährt mir direkt ins Gehirn und hebt meine Stimmung, bevor sich das Brennen des Alkohols dazu gesellt und ein Feuer in meinem Magen entzündet. „Du hättest das sehen müssen. Mein Wohnzimmer sah aus wie ein Fachgeschäft für Winterhauchschmuck, und dabei war Kastor noch nicht einmal am Ende seiner Dekorierwut angelangt.“ Mit Schaudern erinnere ich mich an den grässlichen Glühweingeruch.

„Hmmm.“ Sinnierend legt Cornelius die Finger beider Hände an sein markantes Kinn. Ich kann förmlich sehen, wie die Gedanken in seinem Kopf hin und her huschen. „Du hast recht“, meint er schließlich und trinkt von dem Schnaps ganz ohne Kakao.

„Wirklich?“ Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, einen weiteren Vortrag von ihm darüber gehalten zu bekommen, dass ein Paladin und eine Hexenmeisterin eben nicht zusammenpassen. Seine Zustimmung zu meiner Einschätzung überrascht mich sehr. „Lass hören.“

Cornelius hebt die Flasche an die Lippen und trinkt sie komplett aus. „In deiner gesamten Aufzählung habe ich nur gehört, was alles dir gehört. Dein Haus. Deine Küche. Dein Vorgarten. Und so weiter und so fort. Welcher Teil gehört denn ihm?“

„Nun ja“, sage ich ausweichend, „aber es ist nun einmal mein Haus.“

„Trotzdem heißt in eurem Fall Diplomatie das Zauberwort.“

„Hmmm“, brumme ich missmutig. „Erzähl du mir nichts von Diplomatie. Wer hat beinahe einen Krieg mit der Stadtwache begonnen, weil er nicht wollte, dass seine Kutsche durchsucht wurde, obwohl sich überhaupt nichts Verdächtiges darin befand?“

„Da ging es ums Prinzip“, gibt Cornelius ebenso brummig zurück. „Stell' Kastor halt einen Raum zur Verfügung oder lass' ihn den hinteren Garten nach Belieben dekorieren und du hast deine Ruhe.“

Mein rebellisches Ich schreit automatisch Nein!, während der kleinere vernünftigere Teil mir zuflüstert, dass in Cornelius' Worten viel Wahres steckt. Also nicke ich. „In Ordnung.“

Nachdem das geklärt ist, vertiefen wir uns in ein Gespräch über Hexenwerk im Allgemeinen, unsere Dämonen im Speziellen und über Cornelius' Versuche, zwei Dämonen auf einmal zu beschwören.

Später lassen wir uns Essen bringen, trinken viel mehr Alkohol und weniger Kakao und lachen über alte Geschichten bis Cornelius' aufsteht, um eine ganze Armee an Kerzen zu entzünden. Unbemerkt von mir hatte Dunkelheit Einzug gehalten. Langsam, aber sicher sollte ich nach Hause zurückkehren. Bestimmt hat Kastor inzwischen alles weggeräumt.

~*~


Finsternis umgibt mein Zuhause wie eine undurchdringliche Mauer.

Unser Zuhause, erinnere ich mich, und stoße das niedrige Tor zum Vorgarten auf. Von Schneemännern auf, neben oder auch nur in der Nähe des Weges ist nichts mehr zu sehen. Ich beschleunige meine Schritte, um ja schnell ins Innere und somit ins Warme zu gelangen. Bitterkalt ist es mittlerweile und mein Mantel von oben bis unten von Schnee durchnässt.

Nichts als Dunkelheit, Stille und ein letzter Rest an Tannenduft begrüßt mich, als ich in den Flur trete.

„Ich bin wieder da“, rufe ich, obwohl ich bereits ahne, dass Kastor gemeinsam mit seinen Dekorationen das Haus verlassen hat. Er wird doch wohl nicht für länger weg sein?

Leichte Panik schwappt in mir hoch wie überkochende Milch. Kastor wird doch wohl nicht für längere Zeit verschwunden sein. Oder? Gestritten haben er und ich uns schon öfter. Das bleibt wohl nicht aus, wenn der eine den Lehren des Lichts folgt und die andere dem Pfad der Schatten. Doch um solche Nichtigkeiten ging es noch nie.

Vor Wut über meine eigene Überreaktion am Vormittag ziehe ich die Stiefel aus und pfeffere sie in eine Ecke. Der Mantel folgt dich darauf.

Bei allen höllischen Dienern - es ging Kastor nur um Winterhauchdekorationen. Nicht darum, unser Heim in einen Ort seines Glaubens zu verwandeln. Der Gedanke beruhigt mich. Kastor und ich haben schon Schlimmeres durchgestanden. Bestimmt wird er bald wieder auftauchen.

Auf Socken stapfe das Wohnzimmer. Alles sieht aus wie immer. Nirgendwo glitzert, funkelt oder leuchtet es, und plötzlich finde ich, dass ein paar Lämpchen in den Fenstern durchaus nett wären. Auch die Tannenzweige waren gar nicht übel, überlege ich weiter. Auf das Rentier hingegen kann ich weiterhin verzichten, aber mit ein paar Schneeflocken oder Sternen könnte ich durchaus leben.

In diesem Moment fälle ich eine Entscheidung – ich werde nicht Kastor erlauben, ein wenig Platz für seine Dekorationen zu nutzen, sondern selbst schmücken und dadurch zeigen, wie viel mir wirklich an ihm liegt.

Zuerstentfache ich ein gemütliches Feuer, dann begebe ich mich in die Küche. Wirkliche Winterhauchdekoration besitze ich nicht, und da mir nicht bekannt ist, ob Kastor sein Sammelsurium weggeschafft oder bloß versteckt hat, muss ich mir mit dem behelfen, was Schränke und Umgebung bereithalten.

Einige Orangen spicke ich mit Nelken und verteile sie im gesamten Haus. Die letzte lege ich in einer Schale über den Kamin. Ihr süß-würziger Duft ist festlich, nicht aufdringlich.

Aus dem Garten besorge ich Tannenzweige. Richtige Girlanden bekomme ich nicht hin, aber in hohen Vasen sehen sie auch hübsch aus. Für das richtige Winterhauchgefühl behänge ich sie mit kleinen roten Beeren, die ebenfalls aus dem Garten stammen, Zimtstangen und Keksen.

In den Tiefen eines Schrankes finde ich einen Tannenbaum aus Keramik. Ich erinnere mich daran, wie Shelli mir die Figur im ersten Jahr unseres Kennenlernens schenkte, bis die verrückte Priesterin lernte, dass ich mir nichts aus derlei Objekten mache. Machte muss ich nun wohl sagen. Sanft wische ich den Staub von der dunkelgrünen Glasur und platziere das Bäumchen neben der Orange auf dem Kamin.

Kerzen müssen sein. Davon habe ich mehr als genug. In allen Größen, Farben und Formen. Da ich mit den schwarzen Beschwörungskerzen Kastor wohl keinen Gefallen tue, entscheide ich mich für solche von roter und weißer Farbe. Während ich sie in den Räumen und auf Fensterbänken verteile, ertappe ich mich dabei, wie ich ein winterliches Lied summe.

Nach einem Rundgang durch das Haus und den Garten, von wo aus ich den freundlichen Schein der Kerzen bewundere, lasse ich mich auf dem Sofa nieder. Sofort sackt mein Kopf gegen die Polster. Ich will mich nur einen Moment ausruhen, dann mache ich weiter mit Backen und ...

~*~

Als ich wieder zu mir komme, liegt über meinem Körper eine warme Strickdecke, und auf dem Tisch stehen ein Teller mit bunten Keksen und daneben zwei Tassen Tee. Zwei!

Hastig rappele ich mich auf.

Kastor steht in dem Durchgang zum Flur und wendet mir den Rücken zu. Alles an ihm strahlt Unnachgiebigkeit aus. Die breiten Schultern. Der starke Nacken. Mein Herz verkrampft sich kurz und galoppiert danach, als wolle es aus meiner Brust ausbrechen. Er hätte dich nicht zugedeckt, wenn er sich von dir trennen will! Oder? Dann dreht Kastor sich um, und in seinen Augen sehe ich nicht als Liebe. In normaler Geschwindigkeit schlägt mein Herz weiter.

„Kastor, ich wollte …“

„Shttt.“ Mit zwei langen Schritten ist er bei mir, beugt sich zu mir herab und verschließt mir minutenlang den Mund auf die zärtlichste Art. „Ich hätte vorher mit dir darüber sprechen müssen, wie du dir unser erstes gemeinsames Winterhauchfest vorstellst.“

Ich greife nach dem Saum seines Hemdes, schiebe meine Hände darunter und ziehe ihn am Hosenbund zu mir auf das Sofa. „So“, sage ich, als ich mich liegend dicht an ihn schmiege. „Genau so.“



E n d e
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