Völlig eingefroren 2

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
Alea der Bescheidene Jean Méchant der Tambour
24.12.2019
24.12.2019
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Nach einem langen Jahr Wartezeit, hier nun die Fortsetzung zu dem ersten Teil, der von Nandra Grimm geschrieben wurde. Ich empfehle euch also den Teil als erstes zu lesen, sonst macht das hier keinen Sinn.
Hier geht es zum ersten Teil!!
Wichtig ist auch noch zu erwähnen, dass diese FF von Nandra Grimm und mir gemeinsam verfasst wurde!

So, dann wünsche ich euch mit diesem kleinen Weihnachtsspecial auch schon mal ein frohes Fest. Lasst euch reich beschenken und ich wünsche euch viel Liebe  und Harmonie.

Genug gequasselt. Viel Spaß euch noch beim Lesen!^^
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Nur langsam erwachte Alea aus seinem wohlverdienten Schlaf. Und das Erste was er überhaupt wahrnahm, war das stetige und regelmäßige Ticken einer Uhr. Das alleine schon verwunderte ihn zutiefst, denn in seinem Schlafzimmer gab es keine Uhr. Nur einen Wecker, doch der tickte nicht.
Als nächstes stach ihm ein befremdlicher Geruch in die Nase. Ein Geruch, den er sehr gut kannte, aber gerade nicht zuordnen konnte. Was war hier los? Und wonach roch es?
Er gähnte einmal ausgiebig und wollte sich aufsetzen, um der rätselhaften Situation auf den Grund zu gehen. Denn mittlerweile war sich sein verschlafener Geist sehr sicher, dass er sich nicht in seinem eigenen Schlafzimmer, geschweige denn in seinem eigenen Bett befand. Doch zu seiner großen Verwunderung, konnte er nicht aufstehen. Etwas hielt ihn zurück.
Eine Welle der Panik überkam den verschlafenen Sänger, bis ein unzufriedener Laut von hinter ihm, ihn darauf aufmerksam machte, dass es nicht einfach nur irgendwas war das ihn zurückhielt, sondern irgendjemand. Sofort hörte er auf zu zappeln und begann zu überlegen. Die andere Person, wer auch immer es war, nutzte die Chance und zog ihn sogleich noch ein Stückchen näher. Und es war in diesem Moment, dass dem Sänger noch so einiges mehr klar wurde.

Zuallererst war das definitiv keine weiche Frauenbrust, an die er gerade gezogen worden war. Nein, es handelte sich um die harte und leicht flaumige Brust eines Mannes, was auch die kräftigen und trainierten Arme, die um ihn geschlungen waren, erklärte. Was ihm außerdem noch klar wurde, war seine Nacktheit und die Nacktheit seines Bettpartners.
Alea riss die Augen auf, nur um es wegen der veränderten Lichtverhältnisse direkt zu bereuen. Sofort kniff er sie wieder zusammen und gab einen leidenden Laut von sich. Auch das sorgte für eine Reaktion seines Bettpartners, der etwas Unverständliches grummelte und sich so bewegte, dass Alea seinen heißen Atem an seinem entblößten Hals spüren konnte, wie auch eine gewisse Härte gen Süden.

Er schluckte und machte von neuem die Augen auf, dieses Mal jedoch weitaus vorsichtiger und auch nur einen Spalt breit. Der Arm um seinen Bauch verstärkte nochmal seinen Griff und ein Schauer durchfuhr Alea, als er seinen Kopf gerade genug gedreht hatte, damit er in das wohlvertraute und liebgewonnene Gesicht Jeans sehen konnte.
Augenblicklich fiel dem Sänger ein Stein vom Herzen. Für einen kurzen Moment hatte er schon befürchtet, dass er alles nur geträumt hatte. Jeans leise Liebesbekundung, als dieser ihn in sein Schlafzimmer entführt hatte und die Nacht voller Liebe und Passion, die sie miteinander erlebt hatten. Doch hier war Jean, sein Jean und nicht irgendein dahergelaufener, schwarzhaariger Typ, den er abgeschleppt hatte, in der Hoffnung, dass dieser in einem One-Night-Stand seine Sehnsucht befriedigen konnte. Nein, hier lag Jean.
Und er war auch nicht in seiner Wohnung, sondern in der des Halbfranzosen. Was zum einen die Uhr erklärte, die in dessen Zimmer hing, zum anderen aber auch den zunächst fremden Geruch. Es war nämlich der Tambour, den der Sänger gerochen hatte, in dem Kissen, auf das er seinen Kopf gebettet hatte, in der Decke, die um ihn lag und natürlich den Mann selber, der hinter ihm lag.

Ein Lächeln stahl sich auf das Gesicht des Ziegenbärtigen und langsam und vorsichtig drehte er sich in der Umarmung um, sodass er mit der Brust an der des Schwarzhaarigen lag. So konnte er auch einen Arm anheben, um vorsichtig seine Hand auf die bärtige Wange des Halbfranzosen zu legen.
Sein Herz machte dabei einen Hüpfer; hier lag er nun. In den Armen des Mannes, den er schon so lange angeschmachtet hatte, aber bei dem er sich nie getraut hatte, es ihm zu sagen. Bis gestern. Mehr oder weniger zumindest. Denn eigentlich war der Tambour es doch gewesen, der den ersten Schritt gewagt hatte.
„Guten Morgen, mein Hübscher“, nuschelte der Halbfranzose verschlafen.
Alea zuckte ein wenig zusammen, hatte er doch nicht gemerkt, wie sein Partner seine Augen geöffnet hatte und wach geworden war.
„Guten Morgen!“, strahlte er.
Jean schenkte ihm ein verschlafenes Lächeln und zog ihn einfach wieder ein Stück näher und legte seine Lippen sanft auf Aleas.


Der Sänger schmeckte nach Nacht, nach Sex und Jean hätte sich gerne vom Geschmack seines Geliebten inspirieren lassen, wurde jedoch durch das penetrante Piepsen seines Handys in seinen eindeutigen Gedankengängen gestört.
Unzufrieden grummelnd, tastete er blind nach dem nervenden Gerät und ging ran. „Mhm?“
„Wo zur Hölle bist du?!“
Alea, der die Frage aufgrund Lasterbalks Lautstärkepegel deutlich vernommen hatte, zog reflexartig den Kopf ein, was dem Tambour trotz der aufgebrachten Bandmutti am anderen Ende der Leitung ein amüsiertes Schnauben entlockte. Er schaltete den Lautsprecher an. „Zuhause.“
„Ach, und wann hast du geplant uns das mitzuteilen? Wo ist Pamela, hast du die auch verschleppt?“
Das Pärchen tauschte einen Blick, dann meldete sich Alea. „Kann man so sagen. Und nenn‘ mich nicht Pamela!“
„Wieso denn nicht, wenn du dich doch angesprochen fühlst?“
Kurzes Schweigen, dann zählte Lasterbalk zwei und zwei zusammen. „Warte, ihr...“
„Ja, wir machen uns auf den Weg!“, unterbrach ihn Jean, der genau wusste, was der andere Trommler sagen wollte und legte schnell auf. Dann ließ er sich stöhnend zurück ins Kissen fallen. „Oh man, jetzt müssen wir wirklich aufstehen...“
Alea grinste. „Beruhig dich. Ich spring schnell unter die Dusche.“
Er kletterte auf dem Doppelbett, griff sich seine Hose und im Vorbeigehen auch noch eine frische Unterhose aus Jeans Kommode, der das mit einer hochgezogenen Augenbraue quittierte. An der Tür drehte der Blonde sich noch einmal um. „Du hast nicht rein zufällig ein Glätteisen?“
Der Tambour kicherte. „Nein Prinzessin, aber ich hab Bock mit dir duschen zu gehen!“ Er nahm seinen Freund an der Hand und zog ihn hinter sich her ins Badezimmer, während der noch über den Spitznamen moserte.

„Jetzt mach doch nicht so ein Drama draus!“ Jean musste sich das Lachen verkneifen, während er aus dem Augenwinkel Alea beobachtete, der versuchte, im Rückspiegel seine wellige Haarsträhne zu flechten. „Es sind nur Wellen.“
„Es ist hässlich!“, knurrte Alea und fluchte laut, als der Tambour eine scharfe Kurve fuhr und er mit dem Flechten wieder von vorne anfangen musste. Der Fahrer lächelte und beugte sich ganz kurz zu ihm rüber, um ihm einen Kuss auf die Wange zu geben. „Ich finde dich genau so wunderschön!“
„Dann hast du keinen Geschmack“, grummelte der Sänger und stockte kurz darauf in jeglicher Bewegung, als er realisiert, was er da gerade gesagt hatte.
„Jep“, grinste Jean. „Ich stimme dir in allen Punkten zu.“
Alea schnaubte und widmete sich wieder seinen Haaren, wohl wissend, dass er im Moment nicht in der Lage war, dieses Duell zu gewinnen. Dazu war er noch zu müde von der gemeinsamen Dusche.

„Meine Fresse, ihr könnt doch nicht einfach verschwinden!“ Alea schmiegte sich unwillkürlich an seinen Freund und bemühte sich, Lasterbalks wütendem Blick nicht auszuweichen, was nicht wirklich funktionierte. Aber auch Jean war lediglich damit beschäftigt, sich an dem Sänger festzuklammern.
„Wir wollten zusammen Weihnachten feiern und ihr haut einfach ab!“ Die Bandmutti war noch lange nicht fertig, das sah man sofort, doch der Rest der Band wurde mittlerweile ungeduldig, lagen die Geschenke doch äußerst aufdringlich unter der Tanne, an die irgendjemand eine leere Bierdose gehangen hatte.
Falk zupfte seinen langjährigen Freund vorsichtig am Ärmel. „Pssst, ruhig bleiben.“
Lasterbalk atmete tief durch, dann nickte er. „Okay.“ Er klatschte in die Hände.
„Geschenke Kinder!“


Als hätte man ein Rudel ausgehungerter Löwen auf eine arme, unschuldige Herde junger Lämmer losgelassen, stürzten sich besagte ‚Kinder‘ auf den Haufen Geschenke unter dem bunt geschmückten Tannenbaum.
Bei dem Anblick verdrehte der Lästerliche gut gelaunt die Augen. So war es doch schließlich jedes Jahr aufs Neue und auch wenn man es doch eigentlich gewohnt sein sollte, es erstaunte die Bandmutti jedes Mal wieder, dass seine Schützlinge immer noch Kinder im Körper von Erwachsenen waren. Nur eines hatten sie Kindern voraus, so saßen sie doch tatsächlich friedlich um den Baum und tauschten friedlich, wenn auch mit viel Eifer und Freude, die bunten Päckchen unter einander, sodass kein Streit entstand.

„Die Sache ist noch nicht vom Tisch, hört ihr?“, Lasterbalk warf einen letzten Blick auf seine zwei Ausreißer. Demnächst würde er wohl Leinen besorgen müssen, damit er wirklich alle beisammen halten konnte. Manchmal kam er sich nicht nur vor wie eine Tagesmutter von einem Haufen ADHS Kinder, sondern wie ein Dompteur von schlecht trainierten Zirkusaffen.
„Ja, Mama…“, gaben die zwei Ausreißer kleinlaut von sich. „Tut uns leid.“
Lasterbalk schmunzelte. „Das will ich aber auch schwer hoffen…“, er seufzte, „Na los jetzt, Geschenke!“
Ein breites Grinsen machte sich sogleich auf dem Gesicht des Ziegenbärtigen breit und auch für ihn gab es kein Halten mehr. Er packte seinen Freund am Arm und zog diesen mit sich, nur um sich dann neben Luzi fallen zu lassen, der nahe der am Baum hängenden Bierdose Platz genommen hatte.
„Na, ihr?“, grinste das L breit. Er zog erst den Sänger, dann mehr oder weniger auch Jean in eine Umarmung. „Frohe Weihnachten… ihr habt es hier bei dem Wettschnarchen wohl nicht ausgehalten, was? Nächstes Mal müsst ihr mich dann aber auch mitnehmen und retten“, er lachte.
„Eh… ja… mal sehen“, nuschelte Alea. Nein, Luzi hätte er wirklich nicht gerne dabei haben wollen. Nicht bei ihrer gemeinsamen Nacht, sonst konnte das L eigentlich immer gerne mitkommen. Es sei denn es lag Schnee, dann lieber nicht.
„Bist du immer noch sauer wegen der Schnee-Aktion?“, fast schon ungläubig blickte Luzi zu seinen Bandkollegen.
„Das war arschkalt!“, motzte der Sänger.
Jean beschloss einzugreifen, bevor das hier wieder ausarten konnte. Er kannte seine Bandkollegen ja inzwischen auch sehr gut. „Deswegen sind wir auch eigentlich abgehauen. Weil Alea kalt war und keine Wechselsachen dabei hatte. Und meine Wohnung war nun mal am nächsten.“
„Klingt logisch“, nickte Luzi. „Ist ja auch egal jetzt!“ Und damit drückte er dem Sänger erst einmal ein kleines Geschenk in die Hand, welches dann wohl von ihm war und vermutlich eine Art Friedensangebot darstellen sollte.
„Danke, Luzi“, und schon grinste der Blonde wieder und auch er drückte dem Kleineren ein Päckchen in die Hand.
„Wie die kleinen Kinder“, hörte man Lasterbalk, der sich mit Falk nun auch dazu gesellt hatte, grummeln. Nur hätte er diese Worte nicht so laut aussprechen sollen, denn prompt hingen Till und Elsi auf seinem Schoß, nannten ihn ‚Mama‘ und küssten je eine Wange von ihm. Der große Trommler konnte es nur über sich ertragen lassen. Jeder Protest hätte es nämlich nur noch schlimmer gemacht; wie alle Anwesenden zur Genüge wussten.


Alles in allem konnte man das Ganze wohl als ergiebig bezeichnen; alle waren zufrieden. Falk hatte sich mit der Anleitung des neuen Rollenspiels direkt in einen der Sessel verkrümelt und war wohl bis zum Essen nicht mehr ansprechbar, Alea begutachtete fachmännisch das neue Glätteisen, Till fand das ziemlich lustig und Lasterbalk durchkämmte das Studio nach einem geeigneten Ort, um den teuren Whiskey zu verstecken. Möglichst etwas hoch Gelegenes mit Schloss.
Während Elsi sich zum Essen machen in die Küche begab, Luzi zum Helfen und Jean zum Sachen-aus-dem-hohen-Schrank-holen verdonnerte, sonderte Frank sich ab und folgte einmal mehr der Bandmutti.

„Balken?“
Angesprochener fuhr erschrocken herum und atmete erleichtert aus, als der den Nichttrinker der Truppe erkannte. „Oh, gut, du bist es nur! Was gibt’s?“
„Was ist denn aus dem Plan von gestern geworden?“
Der Riese zuckte mit den Schultern. „Die romantische Stimmung des Mistelzweigs erübrigt sich irgendwie. Die haben das doch hundert pro schon selbst geklärt! Hast du die Kuschelei während meiner Standpauke gesehen? Und die können mir doch nicht erzählen, dass die ohne handfesten Hintergedanken in einem Bett geschlafen haben, so wie die rum schäkern!“
Frank grinste sein hinterhältiges Grinsen und legte dem sich langsam aber sicher aufregenden Trommler beschwichtigend eine Hand auf die Schulter. „Ganz ruhig. Dein Mistelzweig ist vielleicht doch noch nicht verloren. Immerhin scheinen die beiden ein wenig mit dem Outing zu hapern...“
Lasterbalk verstand sofort und bleckte grinsend die Zähne. „Du hast Recht.“
Es folgte eine schnelle Aktualisierung des bereits geschmiedeten Plans.

Noch nichts davon ahnen taten natürlich die beiden Zielobjekte des Vorhabens: Jean und Alea, Letzerer war mittlerweile auch in die Küche verschleppt worden und hatte sich bereits zum dritten Mal in den Finger geschnitten hatte. Jean nutzte die Gelegenheit natürlich, um unauffällig ein wenig Körperkontakt zu suchen, indem er den Sänger erst tröstend in den Arm nahm, ihn dann halb spielerisch auf die Wunde küsste (was Pfiffe und albernes Kichern zur Folge hatte) und schließlich das Messer übernahm, wofür es von Alea noch eine Umarmung gab.
Jetzt tat sich allerdings das Problem auf, dass der durchschnittlich Größte im Raum nun nicht mehr für die hohen Regale zur Verfügung stand, weswegen Luzi kurzerhand Aleas Schultern erklomm.
So wurden sie schließlich von Till gefunden: Elsi, der dem Käsewürfel-stibitzenden Jean mit dem Kochlöffel auf die Finger schlug und Alea, der versucht schien, den sich absichtlich schwer machenden Luzi in der heißen Pfanne abzuladen. Aufgrund von Bruder Franks Abwesenheit lag es nun an dem Gitarristen, ein Erinnerungsfoto zu schießen. Dieser Pflicht kam er gewissenhaft nach, dann wurde auch er von Küchenchef Elsi eingespannt: zum Tellerwaschen.
Dass sich das Ergebnis dieser im Endeffekt ziemlich lustigen Zubereitung sehen lassen konnte, da war sich die komplette Band einig, als sie eine halbe Stunde später am Tisch saß. Lasterbalks Argusaugen war natürlich nicht entgangen, dass Jean und Alea nebeneinandersaßen und sich ab und zu unauffällig berührten.
Auf Jeans anderer Seite saß Frank, der immer mal wieder verstohlene Blicke mit der Bandmutti tauschte. Und am Kopf des Tisches saß Luzi, der versuchte, sich auf die ganzen Blicke einen Reim zu machen.

Frank hatte den Mistelzweig, den Lasterbalk sich gestern besorgt hatte, an eine Schnur und die wiederum an einen Geigenbogen festgebunden, den er im Instrumentenfundus entdeckt hatte. Diese Apparatur hielt er unter dem Tisch versteckt und wartete auf Lasterbalks Zeichen.
Tatsächlich ließ der perfekte Moment nicht sehr lange auf sich warten; es war genug Wein und Bier für ein bisschen Leichtsinn geflossen und Alea ließ in einem Anflug von ebendiesem Leichtsinn und Müdigkeit den Kopf auf Jeans Schulter fallen. Als dieser den Sänger auch nach zwei Minuten noch nicht weggeschoben hatte, bekam Frank das vereinbarte Nicken.

„Ach, wie süß! Darf ich Trauzeuge sein?“
Und an dieser Stelle waren die beiden Drahtzieher ganz und gar auf die kindische Seite ihrer Kollegen angewiesen und wurden in der Tat nicht enttäuscht.
„Ei ei ei, was seh ich da, ein verliebtes Ehepaar...“
„Küssen, küssen, küssen, küssen!“
Elsis Anfeuerungsrufe wurden rasch von den anderen aufgegriffen und Jean und Alea tauschten einen kurzen Blick, dann erklärte der Tambour unbarmherzig: „Wir werden uns jetzt nicht küssen!“
Damit hatte er dem Plan vollkommen die Bühne überlassen. Frank holte seinen Geigenbogen hervor und ließ den Mistelzweig über die beiden baumeln. „Doch.“
Man sah den bevorstehenden Protest förmlich in der Luft flimmern – Auftritt Lasterbalk. „Keine Widerrede! Die Regeln des Mistelzweigs sind unumstößlich! Zungenkuss, aber ein bisschen plötzlich, wenn ich bitten darf!“
„Wieso denn Zungenkuss?!“, empörte sich Alea.
„Weil ihr keine Kinder mehr seid! Na los!“


„Aber… aber…“, versuchte der Sänger weiter zu protestieren und seinen und Jeans Kopf aus der sich zu ziehenden Schlinge zu befreien. Doch es hatte keinen Sinn. Zum einen fielen ihm keine guten Argumente ein, die gegen ihr Schicksal sprachen, zum Anderen hätte es so oder so nicht das Geringste gebracht. Dafür waren seine Kollegen einfach zu stur. Wenn sie sich erst einmal etwas in den Kopf gesetzt hatten, dann zogen sie das auch durch, ohne wenn und aber.
„Kein ‚aber‘! Ihr zieht das jetzt durch!“, ließ ein angetrunkener Till verlauten. „Gibt es ja wohl nicht, dass ihr die Traditionen nicht ehren wollt.“
„Und nachdem ihr bis gerade eben auch noch freiwillig so süß und eng geknuddelt habt, sollte das ja wohl kein Problem darstellen“, stimmte ein eifriger Elsi hinzu.
„Es sei denn… ihr denkt der jeweils andere ist eine Niete im Knutschen, in dem Fall… biete ich mich gerne an!“, grinste das kleine L. Er hatte inzwischen so eine Art Vermutung, was hier für ein Spiel gespielt wurde. So hatte er nicht nur den engen Kontakt zwischen den Beiden, das Kuscheln und die unauffälligen Berührungen bemerkt, sondern auch die vielseitigen Blicke von Frank und Lasterbalk, die das mit dem Mistelzweig ganz offensichtlich genauso geplant hatten. Da war was im Busch und nachdem die Prinzessin und ihr Franzose gestern Abend einfach abgehauen und nicht wieder zurückgehkehrt waren… konnte das doch eigentlich nur eines bedeuten. Es sei denn, er interpretierte in die ganze Sache einfach viel zu viel hinein.
„Was? Nein! Auf keinen Fall! Ich will keinen von euch küssen“, das stimmte so nicht ganz, aber das ging nun mal keinen außer ihn und seinem Freund etwas an.
„Schon gut, Alea. Ist nur halb so wild… oder?“, unterbrach der Halbfranzose seinen geheimen festen Freund.
„Nein, aber… wieso?“
„Weil ihr unter dem Mistelzweig seid, ganz einfach“, erklärte die Bandmutti.
Auch Till, dem das alles viel zu lange dauerte, gab wieder einmal seinen Senf dazu: „Was stellst du dich denn so an, Prinzessin? Es sei denn… läuft da vielleicht was mit dem guten Jean und du willst und das nur verheimlichen?“, er lachte laut los und die meisten am Tisch stimmten mit ein.

Nur wenige Augenpaare bemerkten also den leichten Rotton, der sich auf Aleas Wangen schlich. Wieder einmal tauschten Lasterbalk und Frank heimliche und vielsagende Blicke. Sie waren schon dabei sich mental ein High-Five zu geben, während der Kleinste am Tisch und in der Runde immer noch versuchte, die Wahrheit aufzudecken und sich einen Reim auf das alles zu machen. Es gelang ihm nur minder.
„Das stimmt nicht…da läuft gar nichts“, nuschelte der Sänger schließlich und er klang wenig überzeugend.
„Na siehst du. Dann ist das ja gar kein Problem! Also küsst euch endlich!“, der Lockenkopf und Gitarrist wurde immer ungeduldiger.
„Ja! Küssen, küssen!“, klang es einstimmig im Chor und so sahen Jean und Alea wirklich keinen anderen Ausweg mehr.

Der Sänger schluckte schwer und drehte sich dann steif zu dem Halbfranzosen der neben ihm saß. Jean wirkte doch tatsächlich ein gutes Stück entspannter, doch Alea spannte sich sogar nur noch mehr an, als die schönen schokobraunen Augen die seinen trafen. Wie sollte er sich denn beherrschen können, gerade mit der gestrigen Nacht UND der Zweisamkeit in der Dusche noch frisch in seinem Geiste?
„Einfach Augen zu und durch“, grinste der Halbfranzose und umrahmte vorsichtig und zärtlich das Gesicht des Ziegenbärtigen, der sich nur noch mehr anspannte.
„Ja…“, nuschelte er. Ihm war das alles sehr unangenehm.
„Hey, so ein schlechte Küsser bin ich nun auch nicht, wie du hier gerade tust“, kicherte und zwinkerte der Schwarzhaarige und der kleine Scherz half seinem Gegenüber leider überhaupt nicht. Der wusste nämlich nur allzu gut, was Jean für ein guter Küsser war. Aus erster Hand nämlich.
„Mal sehen“, er bemühte sich ein Grinsen auf seine Züge zu zaubern, doch Alea scheiterte kläglich bei dem Versuch.
„Entspann dich einfach“, murmelte der Halbfranzose noch so leise, dass ihn nur der Sänger hören konnte und nachdem dieser dann schwach genickt hatte, legte er vorsichtig seine Lippen auf Aleas und schloss die Augen, während er sich den Einlass erfragte.
Dabei bekam er jedoch absolut nichts von der Kamera mit, die eifrig auf sie gehalten wurde und auch die Jubelrufe und das Pfeifen blendete er aus.


Alea gelang das Ausblenden leider gar nicht so gut, wie Jean. Auch wollte er bereits wegziehen, als die Zunge des Halbfranzosen gerade seine berührte. Das sollte doch wohl ausreichen, wie er fand. Doch Jean ließ das nicht zu. Stattdessen hatte er seine Hand in den Nacken des Sängers gelegt und zwang diesen so, im Kuss zu verweilen und Alea blieb nichts Anderes übrig, als sich seinem Schicksal, das so unwiderstehlich nach Jean schmeckte, zu beugen.
Als krallte er sich einfach seufzend in die schwarzen Haare seines Gegenübers und erwiderte den  Kuss. Er versuchte sich an die gestrige Nacht zu erinnern, an die Dusche von heute Morgen… und er versuchte sich einfach auf die Lippen seines geheimen Freundes zu konzentrieren. Und als dieser dann erst richtig seine Zunge tanzen ließ, dann war es schließlich doch um den Sänger geschehen. Er seufzte und ließ seinem Freund die Oberhand. Jean war wirklich ein guter Küsser. Der Beste.

„Das… sieht aber nicht sehr gezwungen aus“, murmelte Luzi. Die Jubelrufe waren schon längst verstummt. Einzig aus dem Grund, dass sich die beiden Küsser nicht mehr ein bekamen und scheinbar gar nicht mehr aufhören wollten, einander zu küssen. Vor allem machten sie schmatzende und seufzende Geräusche dabei.
„Weil es das auch nicht ist, lieber Luzi…“, zufrieden mit sich und Franks Arbeit, ließ Lasterbalk sich entspannt in seinen Stuhl sinken.
„Na hoffentlich fressen die sich nicht auf“, schnaubte Elsi amüsiert.
Wie aufs Stichwort, lösten die Verliebten sich schmatzend von einander. Sie rangen beide nach Atem und öffneten leicht blinzelnd die Augen. Sofort verhakten sich ihre Blicke und wären sie nun alleine in einem Raum gewesen, am besten mit einer flachen Oberfläche… beide wären einer dritten Runde nicht abgeneigt gewesen. Die sexuelle Spannung lag in der Luft und sie war förmlich zum Greifen nahe.

„Ja mein Gott, nehmt euch doch endlich ein Zimmer!“, es war der angetrunkene Till, der die entstandene Stille und somit auch den Bann brach.
Jean und Alea zuckten beinahe zusammen und starrten ihren Bandkollegen mit großen Augen an. Waren sie zu weit gegangen? War es zu offensichtlich gewesen?
Jean setzte an, um etwas zu sagen, obwohl er sich nicht sicher war, ob er wirklich etwas außer Stammeln zustande gebracht bekommen hätte. Doch Lasterbalk räusperte sich und sofort lag alle Aufmerksamkeit auf ihn. „Wir sind doch eine Familie, oder?“, fragte er in die Runde.
Zustimmendes Gemurmel und Nicken war seine Antwort. Auch von Jean und Alea. Wobei die beiden nicht die einzigen waren, die sich fragten, was der plötzliche Themenwechsel denn sollte.
„Ja… sind wir. Eine Spielmannsfamilie“, meinte Luzi schließlich.
„Genau. In einer Familie… da ist man doch offen und ehrlich zueinander, richtig? Man verschweigt sich nicht, hat keine Geheimnisse die auch Andere betreffen könnten“, fuhr die Bandmutti fort. Langsam verstand Frank auch, was das sollte. Der große Trommler versuchte das Gespräch so zu lenken, dass einer der beiden Turteltauben sich outen würde.
„Auch das ist richtig“, dieses Mal war es Falk, der das Wort ergriff. Aber leider machten Alea und Jean immer noch keine Anstalten, etwas verbal dazu beizutragen.
„Und Weihnachten ist das Fest der Liebe…“, er betonte das letzte Wort und sah dabei zu seinen zwei Ausreißern. Bei ihnen sollte doch so langsam mal der Groschen gefallen sein.
Das war er tatsächlich auch. Zumindest bei dem Halbfranzosen. Alea war derweil zu erleichtert davon, dass nicht weiter über den Kuss geredet wurde, um zwischen den Zeilen zu lesen. Doch er schreckte beinahe schon auf, als Jean seine Hand unterm Tisch ergriff und diese feste drückte. Verwirrt und fragend fand er sich in rehbraune Augen schauend.
Auf Jeans Zügen lag ein leichtes Lächeln. Er wirkte ruhig und gesammelt und deutete mit einer kaum wahrnehmbaren Kopfbewegung zu ihren verschränkten Händen und dann zu den anderen Anwesenden. Es war klar, was er wollte. Doch Alea fühlte sich dabei ganz und gar nicht wohl. Kein bisschen.
Doch Jean drückte einfach beruhigend seine Hand und auch sein Gesichtsausdruck wurde noch ein wenig sanfter. „Vertrau mir“, formte er mit den Worten. Jedoch so, dass auch wirklich nur der Sänger es verstehen beziehungsweise sehen konnte.
Er schluckte, aber nickte dann kaum merklich. Zumindest das Lächeln, was er dafür von seinem schwarzhaarigen Freund erhielt, war es wert.
„Also, Leute… es gäbe da wirklich etwas, dass ich euch erzählen möchte“, unterbrach er auch sogleich den vom Lästerlichen angefangenen Monolog.
„Oh? Was denn?“, Frank sprang sofort drauf ein. Er zwinkerte dem Größten in der Runde vielsagend zu.
„Und zwar… also… wie ihr mitbekommen habt, sind Alea und ich gestern ja weggefahren…“
Die Saltaten hörten inzwischen gespannt zu und jedes Augenpaar lag auf dem noch geheimen Pärchen, die sichtlich nervös waren.
„Ja… wir haben ja auch das Gemecker unserer Bandmutti heute schon mitbekommen“, kommentierte Elsi trocken.
„Ja genau… wie auch immer“, er räusperte sich. Ganz so sicher war er sich seiner Sache eigentlich auch nicht. Aber der blonde Mann neben ihm, der gab ihm Mut und Halt genug, um das hier weiter durch zu ziehen. Darüber hinaus hatte er so eine Ahnung. Denn so wie die Bandmutti dreinblickte und auch Frank immer wieder so seltsame Blicke zuwarf… ganz zu schweigen von der Aktion mit dem Mistelzweig. Das war doch mit Sicherheit geplant gewesen… dieser miese Verräter hatte sie doch schon längst durchschaut. Folglich sah er keinen Grund mehr dazu, die Wahrheit zu verschweigen. „Also… was ich euch eigentlich sagen wollte… was Alea und ich euch sagen wollten…“
„Jaaaa?“, hakte Frank nach, nachdem ihm die dramatische Pause zu lange dauerte.
Jean atmete tief durch und verschränkte ungesehen von den Anderen, seine Finger mit Alea. Dieser erwiderte, indem er seinen Daumen sanft über Jeans Hands streichen ließ. Der Sänger hatte eben auch eine sanfte Seite. „Also… Alea und ich… wir sind seit gestern… ein Paar!“ Jetzt war es raus. Jetzt gab es kein Zurück mehr.
Totenstille herrschte in der Runde. Keiner der Anwesenden machte auch nur einen Mucks. Doch dann… brach der Jubel auf.
„Man! Läuft bei euch!“, lachte Till.
„Herzlichen Glückwunsch. Passend zum Fest der Liebe“, nickte Falk, der seine beiden Bandkollegen mit einem Lächeln versah.
„Hab doch gesagt, dass das klappt“, nuschelte Lasterbalk zu dem Asiaten, der zustimmend grinste.
„Das muss gefeiert werden!“, ließ Luzi verlauten, der seine zwei Freunde einfach fest in den Arm genommen hatte. Er freute sich wirklich für die Beiden und nun, war er auch froh, dass sie ihn nicht mitgenommen und vor dem Schnarchen bewahrt hatten. Die Geräusche der Beiden, waren vermutlich sogar noch schlimmer gewesen…
„ABER fresst euch nicht die ganze Zeit über gegenseitig auf, bitte“, Elsi klang leidend.
„Keine Sorge… wir benehmen uns“, nuschelte Alea verlegen. Er hatte nicht mit so viel positivem Zuspruch gerechnet. Andererseits… sie waren eine durchgeknallte und kunterbunte Familie und sie hatten alle so ihre Eigenarten. Aber am Ende des Tages hielten sie stets zusammen und akzeptierten einander.
„Na dann… lasst uns endlich anstoßen!“, ließ das einsame L verlauten. Er hatte in der Zwischenzeit noch ein paar Getränke aus der Küche geholt. Und wenn es eines gab, was Spielmänner konnten… dann war das feiern… Und was bot sich denn da mehr an, als an Weihnachten auf die Liebe zweier Menschen anzustoßen?
„Auf euch!“, Gläser wurden erhoben. „Auf das eure Beziehung ewig hält.“

Glücklich lächelnd sah sich das Pärchen an. Und hier hatten sie sich derart unnötige Sorgen gemacht… Jean legte seine Hand auf die Wange des Ziegenbärtigen.
„Auf uns“, flüsterte er, bevor er seine Lippen sanft auf Aleas legte und sich einen Kuss stahl. Alea war mit Abstand das beste Geschenk, das man ihm hätte machen können. Und dieses Weihnachten war das schönste, dass er je erlebt hatte…
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