A Christmas (Death) Carol

GeschichteDrama, Fantasy / P16
Beyond Birthday Light Yagami Matt Ryuk Sayu Yagami Watari
23.12.2019
23.12.2019
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Viele Verbrecher waren tot. Das muss ich vorausschicken. Darüber gab es gar keinen Zweifel. Die Sterbeurkunden lagen zu Massen in den Büros der Polizei, wo sie, wenn vorhanden, den Angehörigen nach einiger Zeit geschickt wurden. Sie waren alle in den Computern abgespeichert wo sie jeder lesen konnte, der Zutritt zu der Polizeidatenbank hatte. All diese Menschen waren tot, mausetot, tot wie ein Türnagel. Wohlgemerkt: Ich will damit nicht behaupten, ich wüsste, warum ein Türnagel so besonders tot sein sollte, denn ich persönlich würde dazu neigen, einen Sargnagel das toteste Stück Inventar beim Eisenkrämer zu halten. Gestattet mir deshalb, mit Nachdruck zu wiederholen, dass hunderte von Verbrechern mausetot waren, tot wie ein Türnagel.
Hatte Light, ein einfacher Schüler und Sohn eines Polizisten gewusst dass sie tot waren? Aber selbstverständlich. Wieso denn nicht? Er war es schließlich gewesen, der ihre Namen in ein kleines, unscheinbares, aber wahrlich tödliches Büchlein eingetragen hat. Und er war es auch, der gerade mal einen Tag später ihre Namen in Sterbeurkunden auf dem Computer seines Vaters lesen konnte. Erschüttert oder von Reue erfüllt war er von solch schrecklichen Ereignissen jedoch nicht. Wenn er es gewesen wäre, so hätte er schon längst damit aufgehört, schon nach dem allerersten Namen.
Aber nunja, er tat es nicht, er machte einfach weiter.

Eines Abends jedoch, als gerade alles so wie immer war und Light gerade wieder seiner Profession als neuer Gott herging, flog ein ihm sehr bekannter Shinigami in sein Zimmer. Jedoch war etwas anders, Ryuk verhielt sich anders. Er sah sogar anders aus. Die Kette, die er trug, war um seine Mitte gewickelt. Sie war lang und umwand ihn wie eine Schleppe; sie bestand aus Geldkassetten, Schlüsseln, Vorhängeschlössern, Verträgen und schwer beschlagenen Geldbörsen.
Light sah dies nicht, das einzige was er anders wahrnahm war ein lautes, nur für ihn hörbares Rumpeln und Rasseln der Ketten.
„Was ist denn nun?“, fragte er, ohne aufzublicken, so kalt und knapp wie immer, „Was willst du bei mir?“
„Viel“, gluckste Ryuk, „Vieles heute, Light.“
Diese Worte ließen den Schüler dann doch aufhorchen und er drehte sich um. Da bemerkte er auch endlich Ryuk’s ungewöhnliches Aussehen. Nicht nur die Ketten fielen auf, so waren auch die Augen des Shinigami’s komplett anders. Sie wirkten fast menschlich, mit einer gewittergrauen Iris, die jedoch eine tiefe Traurigkeit beinhaltete.
„Du bist gefesselt, Ryuk“, stellte Light fest, als ein kleines Unbehagen begann sich in ihm zusammenzubrauen, „Sagst du mir, warum?“
„Ich trage die Ketten, die ich im Leben geschmiedet habe“, erwiderte Ryuk und setzte sich hin, selbst seine Stimme hatte die Dunkelheit verloren, das Unmenschliche war verschwunden, „Glied auf Glied habe ich hergestellt, und Meter auf Meter; ich legte sie freiwillig an, und aus freiem Willen trug ich sie. Kommen dir Gedanken wie?“
Light schüttelte nur den Kopf, unfähig zu antworten. Noch nie hatte er Ryuk so gesehen. Normalerweise war der Todesgott neutral, doch heute, am 23 Dezember, einen Tag vor Weihnachten, war etwas anders. Das spürte er, bis auf die Knochen.
„Nun“, begann Ryuk dann weiter zu erzählen, „Heute darf ich es dir ja sagen, da ist es mir gestattet. Einst war ich ein Mensch, genauso wie du. Ich fand ein Death Note, genauso wie du. Natürlich war das Jahrhunderte vor dieser Zeit, aber dennoch. Und ich tötete, genauso wie du. Jedoch betrog ich meine eigene Idealen die ich mir gesetzt hatte, benutzte es für meinen eigenen Vorteil und brachte Unschuldige um. Aber du bist auf dem besten Weg dahin so eine lange Kette zu schmieden, du solltest sie wirklich sehen. Sie ist schon wirklich…beeindruckend.“
Light blickte neben sich zu Boden, er erwartete, sich selbst von fünfzig oder sechzig Faden Eisenkabel umschlungen zu sehen. Er konnte jedoch nichts entdecken.
„Und wieso erzählst du mir das, Ryuk?“, Light fragte schließlich, wieder den genervten Ton annehmend, „Bist du nicht normalerweise auf keiner Seite?“
Dazu schrie Ryuk laut auf, und erhob sich, seine Ketten rasselten mit einer Lautstärke, sodass Light’s Mutter, wenn sie ihn denn hören könnte, wegen Ruhestörung ermahnt hätte.
„Auf keiner Seite! Ach ihr Menschen, was ist nur aus euch geworden. Aber ich kann es dir nicht wirklich verübeln. Heute ist mein Todestag, Light. Allein heute darf ich dich ermahnen, damit dir nicht das selbe Schicksal ereilt wie mir. Es ist noch nicht zu spät für dich, dich den wichtigen Sachen im Leben zuzuwenden. Vielleicht wird dir ja vergeben.“
Nach den letzten Worten lachte Light leise, bis ihn die Angst wieder überkam. Ryuk stand direkt vor ihm und blickte auf ihn herab, sodass ihm ein Schauer über den Rücken lief. Kira schluckte schwer.
„Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Nachsicht und Wohltätigkeit, all dies wirst du hoffentlich noch lernen, mein lieber Light. Du wirst von drei Geistern heimgesucht werden. Der erste kommt um elf, der zweite um zwölf und der dritte um eins. Mit mir wirst du in der Zeit nicht rechnen können, ich habe andere Geschäfte denen ich nachgehen werde.“
Er wandte sich zum gehen, ohne auf die Antwort des Schülers zu warten, verschwand er in der Nacht.
Light blieb zurück und sah ihm noch lange nach, obwohl Ryuk schon längst außer Sichtweite war.
„Unfug“, sagte er dann zu sich selbst, „Ryuk ist wahrscheinlich nur wieder in Scherzlaune.“
Light legte sich in sein Bett, es war schließlich schon zehn Uhr abends. Doch er konnte Ryuk’s Warnung nicht vergessen. Mit Unbehagen schlief er dann ein.
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