Alles für dich - 2019

von Alice83
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
Dirk "Bela B." Felsenheimer Jan "Farin Urlaub" Vetter OC (Own Character)
23.12.2019
23.12.2019
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A/N: ich versuche mal, mich kurz zu fassen.

Zuerst einmal, hier, bitteschön, mal ein bisschen Handlung für euch.

Ob das hier der Trailer zu Bums drei ist? - Na kommt, so schlau seid ihr selbst ;)

Aber jetzt das Wichtigste:

Euch allen frohe, besinnliche und friedliche Weihnachten, leckeres Essen, tolle Geschenke und alles, was ihr euch noch so wünscht!

Vergesst die wahre Bedeutung nicht ;)

Allerliebste Grüße an dieser Stelle an meine Freakshow, ihr wisst, warum ;) ♡♡♡

Liebe! ♡♡♡♡

P.S.: ich sag' mal einfach bis Freitag ;)
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Ich würde alles für dich tun
Wenn es sich nicht vermeiden lässt
Ich weiß, dass du mich gut verstehst
Komm jetzt her und halt mich fest - Alles für dich (Die Ärzte)


24.12.2019, Berlin, Frohnau, 14:21 Uhr


„Lotti?“

Charlotte drehte sich um und sah Jan im Durchgang zwischen Küche und Esszimmer stehen.

„Jule und ich machen einen Spaziergang zur Senheimer Straße.“

Sie warf das Trockentuch, mit dem sie gerade den Herd trocken geputzt hatte, achtlos auf die Kochinsel, trat auf ihn zu und schlang die Arme um seinen Hals.

„Ist gut, mein Schatz. Nehmt ihr die Hunde mit?“

Er beugte sich zu ihr hinunter und küsste sie.

„Klar doch. Bis gleich dann.“

Sie lächelte ihn an.

„Lasst euch Zeit.“

Er verließ die Küche, während Charlotte sich eine Tasse aus dem Schrank nahm, diese unter den Kaffeeautomaten stellte und den entsprechenden Knopf drückte.

Einen Moment später stellte sie sich mit ihrem Kaffee ans Fenster und beobachtete lächelnd, wie ihr Mann und ihre Schwägerin einträchtig die Einfahrt hinunter liefen.

Sie sah ihnen nach, bis sie nicht mehr zu sehen waren, dann wandte sie sich wieder ihrem Weihnachtsessen zu, während Jans Schwager Kaminholz aus der Garage holte.

Sie hatte, genau wie Jan, viele Jahre ein zwiespältiges Verhältnis zu Weihnachten gehabt, aber jetzt, wo sie wieder eine Familie waren, liebte sie dieses Fest wieder heiß und innig.

In diesem Moment hörte sie das Telefon klingeln.

Nach ebenso kurzer wie verzweifelter Suche fand sie dieses auf der Couch.

„Vetter?“

„Felsenheimer. Wir wollten euch frohe Weihnachten wünschen.“

Charlotte lächelte.

„Wünschen wir euch auch. Jan ist gerade mit Julia los, meine Schwiegermutter abholen.“

„Der obligatorische Spaziergang durch Frohnau?“

„Ja, genau der. Traditionen müssen gepflegt werden, wie man im Rheinland so schön sagt.“

Bela lachte.

„Soweit ich weiß, benutzt ihr das Sprichwort in einem anderen Zusammenhang, aber das wisst ihr beide besser als ich, schätze ich. Ist Jan am Sonntag noch gut nach Hause gekommen?“

„Sehr spät für seine Verhältnisse zwar, aber so gegen Morgengrauen lag er dann neben mir. Und du, schon wieder nüchtern?“

„Seit gefühlt drei Stunden ungefähr, ja. Habe mich auch erst Nachmittags wieder ins Auto getraut.“

„Aber wie ich hörte, hattet ihr zwei doch einen schönen Abend.“

„Den hatten wir tatsächlich, fast wie früher. Mit dem Unterschied, dass ich langsam echt zu alt für sowas werde.“

„Ich kann nur für Jan sprechen, aber ihm hat der Abend gut getan.“

„Mir auch, glaub‘ mir.“

„Das freut mich, Bela. Dann wunderschöne Weihnachten dir und deiner Familie.“

„Danke. Für euch auch. Ach, und Küsschen auch noch mal für mein olle Ihmchen, besonders fürs Schuhe ausziehen und zudecken. Du hast Recht, Traditionen müssen gepflegt werden.“

Charlotte lachte.

„Scheinbar bin ich doch nicht die einzige, die zu viele schlechte Fanfictions gelesen hat. Gebe ich aber natürlich weiter.“

Bela lachte.

„Danke, Lotte, für alles. Bis bald.“

„Nicht dafür, Bela. Bis bald.“

Lächelnd beendete sie das Telefonat.

Es gab Dinge zwischen Himmel und Erde, sie sie wohl nie verstehen würde, und diese außergewöhnliche, tiefgründige Männerfreundschaft gehörte definitiv dazu.

Aber wahrscheinlich musste diese, außer Jan und Bela selbst, auch überhaupt niemand verstehen.



Jan und Julia liefen schweigend die Einfahrt und den Privatweg hinunter, über den Feldweg am Wald entlang, bis sie schließlich in den beschaulichen Straßen von Frohnau angekommen waren.

Er war in den letzten Jahren, die Jan an Weihnachten daheim war, zu einer liebgewonnen Tradition geworden, dieser Spaziergang an Heiligabend, der sie durch halb Frohnau bis zu ihrem Elternhaus führte.

Während Charlotte daheim das Essen vorbereitete und ihre Kinder gemeinsam in Marcos Zimmer Weihnachtsfilme schauten, machten sie sich auf den Weg, ihre Mutter abzuholen.

Nach dem Tod von Julias Vater zwei Jahre zuvor hatte sich das Verhältnis zwischen Jan und Uta wieder deutlich entspannt, was für alle Beteiligten einiges erleichterte.

Julia wickelte sich die Hundeleine um ihr Handgelenk und hakte sich bei ihrem Bruder unter.

„Jani?“

„Julchen?“

„Habe ich mich jemals bei dir bedankt?“

„Wofür genau?“

Sie seufzte und legte den Kopf an seine Schulter.

„Dafür, dass du meine Kindheit gerettet hast.“

Er blieb stehen und schaute sie kopfschüttelnd an.

„Das habe ich so sehr versucht, Jule, aber gelungen ist es mir nicht, fürchte ich.“

Sie lachte und zog ihn mit sich.

„Natürlich hast du das. Ohne dich wäre ich freiwillig ins Kinderheim gegangen.“

„Du übertreibst maßlos. Dir hat der Alte doch nie was getan, oder?“

Sie schüttelte den Kopf.

„,Nein, hat er nicht. Schön war es trotzdem nicht, wie du weißt. Aber du warst immer für mich da, zum Glück. Weißt du noch, wie oft ich nachts zu dir ins Bett gekrochen bin?“

„Klar weiß ich das noch. Aber ich habe dir irgendwann mal was versprochen, und ich hoffe, ich konnte dieses Versprechen auch nur ansatzweise einlösen.“

Sie zog ihn ein Stück näher zu sich.

„Darüber musst du dir nun wirklich keine Sorgen machen, das hast du mehr als erfüllt.“

Ohne es zu bemerken, hatten sie die Senheimer Straße erreicht, die sie jetzt schweigend hinunter liefen.

Auf der Höhe ihres Elternhauses blieben sie schließlich auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen und betrachteten dieses.

Scheinbar hatte sich nichts verändert, die Einfahrt, das Gartentor, das halb verwilderte Grundstück.

Jan nahm sich vor, seinen Gärtner im Frühjahr hier vorbeizuschicken.

Julia seufzte.

„So viel Freude, so viel Leid und so viele Erinnerungen sind an dieses Haus geknüpft, oder?“

Jan schüttelte den Kopf.

„Ich habe fast nur negative Erinnerungen, leider. Ich weiß noch, wie froh ich war, als ich dieses Irrenhaus endlich verlassen konnte.“

Julia stieß ihn sanft mit dem Ellenbogen an.

„Jani, weißt du noch, unser geheimes Baumhaus im Wald? Wer hat das eigentlich gebaut?“

„Das war ich, Jule.“

Sie sah ihn irritiert an.

„Du? Mit deinen zwei linken Händen? Hast du jetzt schon Alzheimer? Du lässt doch für alles einen Handwerker kommen.“

Er schüttelte den Kopf.

„Den konnte ich mir damals nicht leisten, Julia. Ich weiß noch, dass ich wochenlang fast nichts anderes gemacht habe, und war so stolz, als ich es endlich fertig hatte und dich mit deinen sieben Jahren damit so richtig glücklich gemacht habe.“

Sie sah ihn mit Tränen in den Augen an.

„Du hättest mir sagen sollen, dass du es gebaut hast, dann hätte ich mich noch mehr gefreut.“

Er schüttelte den Kopf und legte seinen Arm um ihre Schulter.

„Darum ging es mir in dem Moment gar nicht. Ich wollte, dass du einen Ort hast, der nur dir gehört, wenn es daheim mal wieder nicht auszuhalten war. Zu der Zeit war ich vierzehn Jahre alt und wusste, dass ich keinen Tag länger in diesem Irrenhaus bleiben würde als unbedingt nötig. Wie lange hast du das Haus genutzt?“

Julia wischte sich mit dem Handrücken ein paar Tränen ab.

„Bis zu meinem zwanzigsten Lebensjahr, also bis zu meinem Umzug nach Hamburg. Es war immer mein Lieblingsort. Habe so viel Zeit dort verbracht, gelesen, Hausaufgaben gemacht, mich dort mit Freundinnen getroffen – es war wirklich wie ein zweites Zuhause für mich.“

Er drückte sie an sich.

„Dann war es die Arbeit mehr als wert. Hat Ma je davon erfahren?“

Sie schüttelte den Kopf.

„Wenn, dann hat sie sich nichts anmerken lassen.“

Sie standen noch einen Moment da und betrachteten weiter stillschweigend ihr gemeinsames Elternhaus, den Garten und das angrenzende Waldstück.

Schweren Herzens nahm er dann den Arm von ihrer Schulter.

„Na komm', Muttern wartet sicher schon.“

„Jani?“

Er drehte sich zu ihr um.

„Ja?“

„Du warst und bist der beste große Bruder, den man sich wünschen kann.“

Er lächelte sie an.

„Immer nur einen Herzschlag von dir entfernt, Kleine, weißt du doch. So ist es, so war es, und so wird es immer bleiben.“

Sie lächelte ihm noch einmal zu, dann überquerten sie die Straße.

Noch bevor sie klingeln konnten, wurde die Haustür geöffnet.

Uta stand dort, bereits im Wintermantel, bewaffnet mit zwei Körben voller Geschenke und dem obligatorischen, wenn auch beim Konditor gekauften, Frankfurter Kranz.

„Kinder, da seid ihr ja endlich. Ich hoffe, ich habe jetzt auch nichts vergessen. Sohn, kannst du bitte meinen Autoschlüssel vom Sideboard holen? Müsste neben dem Telefon liegen.“

Jan schaute seine Schwester an und verdrehte lachend die Augen.

„Hallo, Ma, klar doch, gerne. Übrigens, mir geht es auch gut.“

Er gab ihr einen Kuss auf die Wange und machte sich dann auf den Weg, den Autoschlüssel seiner Mutter zu suchen.

„Jule.“

Sie drückte ihre Tochter kurz an sich, die sich daraufhin im Flur umschaute.

„Ma, hatten wir nicht gesagt, wir geben dieses Jahr nicht so viel für Geschenke aus?“

„Ja, und wie jedes Jahr, hält sich ja doch niemand daran, also, wie sieht das aus, wenn ich nachher mit so wenig Geschenken dastehe?“

Jan kehrte in den Flur zurück und hielt demonstrativ den Autoschlüssel hoch.

„Du bist und bleibst eine Chaotin, Mama. Wollen wir?“

Damit griff er sich die Torte und einen der Körbe, und war froh, als die Haustür seines Elternhauses wieder einmal hinter ihm ins Schloss fiel.

Auch nach den ganzen Jahren verursachte dieses Haus noch ein unangenehmes Gefühl in seiner Magengegend.



Später am Abend, als Charlottes Lachsfilet und Lauras Zitronensorbet vernichtet und alle Waschmaschinen, Satteldecken, Volleyballschuhe, Bücher, Tablets, Smartwatches, Ohrringe, Armbänder und Teekannen ihre Besitzer gewechselt hatten, saßen sie noch zusammen im Wohnzimmer vor dem Kamin, redeten, tranken Wein und Tee, lachten und erzählten.

Jan bemerkte, dass Charlotte aus dem Badezimmer nicht direkt zurückgekehrt war, sondern auf der Terrasse stand und gedankenverloren den Sternenhimmel betrachtete.

„Ich schaue mal kurz nach eurer Mutter.“

Alexandra, die neben ihm saß, lächelte ihm mit wissenden Gesichtsausdruck zu.

Er trat auf die Terrasse, zog die Tür hinter sich zu und legte einen Arm um Charlottes Schulter.

„Zufrieden mit deiner neuen Waschmaschine?“

Sie sah ihn an und verdrehte die Augen.

„Sehr, ja. Demnächst passe ich trotzdem auf, was ich mir so wünsche.“

Jan lachte und zog sie an sich.

„So ähnlich hatte ich mir deine Reaktion vorgestellt, ehrlich gesagt. Deswegen habe ich sicherheitshalber noch was anderes für dich.“

Sie vergrößerte den Abstand zwischen ihn und lachte.

„So ein Blödsinn, Jan, das wäre doch echt nicht nötig gewesen.“

„Wäre ja auch schlimm, wenn es nötig wäre, oder?“

Er küsste sie auf den Kopf, dann drückte er ihr einen länglichen Umschlag in die Hand.

Sie sah ihn noch einmal stirnrunzelnd an, dann betrachtete sie den Inhalt des Umschlags.

„Kapstadt? Acht Wochen? Aber, ich dachte, du wolltest alleine…“

Er legte ihr einen Zeigefinger auf die Lippen.

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich noch mal irgendwann alleine weg möchte, ja. Aber nächstes Jahr nehme ich mein Mädchen lieber mit, bevor ich dann erst auf Promo, dann wohlmöglich noch auf Festivals und dann auf Tour bin.“

Sie zog ihn zu sich herunter und küsste ihn.

„Danke, Jan. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.“

Er schob ihr lächelnd eine Strähne hinters Ohr .

„Ich habe dich immer so vermisst, wenn ich unterwegs war. Verreisen ist eben doch nur halb so schön, wenn ein Teil des eigenen Herzens daheim bleibt.“

Sie sah ihn an und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel.

„Ich liebe dich, mein Schatz. Frohe Weihnachten.“

Er beugte sich zu ihr hinunter und küsste sie.

„Frohe Weihnachten, Lotti.“