Stressige Weihnachtszeit [Türchen Nummer 22]

GeschichteAllgemein / P12
Alea der Bescheidene
22.12.2019
22.12.2019
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Moin ihr Lieben,

Für die Nachteulen unter euch gibt es jetzt endlich das 22. Türchen.

Ich weiß, es ist schon etwas spät geworden, aber ich konnte leider nicht früher hochladen, weil ich eben erst von der Arbeit nach Hause gekommen bin.

Die Geschichte liest sich vielleicht zu Anfang nicht wie eine fröhliche Weihnachtsgeschichte, aber ich wollte auch ein wenig die Kritik am weihnachtlichen Kommerz aufgreifen, den SaMo in Zirkus Zeitgeist besungen hat.

Das Lied, das ihr in meiner kleinen Geschichte hier findet, wurde übrigens von meiner Halbschwester Swantje und ihrem Freund geschrieben. Leider gibt es das nur auf CD für die Familie, aber sollte ich demnächst dazu kommen, es mal auf Youtube hochzuladen, stelle ich hier einen Link rein, damit ihr es euch anhören könnt.

Bis dahin wünsche ich euch noch einen schönen vierten Advent und dann bald frohe Weihnachten.

PS.: Ein großes Dankeschön an Yessy dafür, dass sie diesen Adventskalender ins Leben gerufen und alles so fleißig gemanagt hat.

PPS.: Hat jemand einen Tipp für mich, wie man eine Tastatur repariert, bei der mehrere Tasten (N und V) klemmen?



Stressige Weihnachtszeit [Türchen Nummer 22]



Weihnachten steht vor der Tür. Sehr nah vor der Tür. Eigentlich wurde es Zeit, dass Weihnachtsstimmung Einzug bei den SaMos hielt. Es war dieselbe Vorstellung wie jedes Jahr und jedes Jahr nahm Alea sich vor, über das Jahr verteilt die Geschenke zu kaufen, in den Wochen vor Weihnachten die Deko aus dem Keller zu holen und die Wohnung zu schmücken. Dann hätte er die letzten Tage Zeit, sich gemütlich mit seinen Freunden auf die Couch zu fläzen, Filme zu schauen oder auf den Weihnachtsmarkt zu gehen.

Soweit die Vorstellung. So kam er nun zwei Tage vor Weihnachten spät abends – ach was, es war mitten in der Nacht – in seine Wohnung gestolpert. Auf seinem Auto hing ein Weihnachtsbaum, den er noch am Straßenrand hatte ergattern können und in den Händen trug er eine Tüte von der Tankstelle. Er hatte am Vortag vergessen einzukaufen und sich nun das Nötigste völlig überteuert gekauft.

In der Wohnung begrüßte ihn ein Durcheinander aus Kisten. Aus ihnen hingen verknotete, dunkelgrün-schwarze Kabel mit dunklen, matten Lämpchen.

Er schmiss seine Einkaufstüten mit in das Durcheinander, obwohl die Milch in den Kühlschrank gehört hätte. Die Kiste mit Geschenkpapier und reichlich Glitzerbändchen ließ er danebenfallen.

Er liebte Weihnachten, obwohl er sich jedes Jahr in den Tagen vor dem Fest fragte, warum eigentlich.

Tage der Hektik, des Kaufrauschs, des Stresses. Alles Dinge, die sie in ihren Liedern anprangerten. Er hatte sich für dieses Jahr fest vorgenommen, das alles nicht mehr mitzumachen. Dann hatte er dieses wunderschöne Notizbuch gefunden, das einfach perfekt zu Lasterbalk passte. Er hatte es einfach kaufen müssen, doch wenn er Lasterbalk etwas schenkte, musste er für die anderen auch etwas besorgen. Und wie er das getan hatte. Wieder einmal hatte er festgestellt, dass er es liebte, für seine Freunde ein möglichst perfektes Geschenk zu suchen. Sobald er diese Quest gemeistert hatte, stürzte er sich darauf, auch seine Familie mit kleinen, aber besonderen Überraschungen zu versorgen. Eine Herkules-Aufgabe, aber er hatte sie mit Bravur gemeistert.

Er war den Tag über bei seiner kleinen Schwester gewesen. Auf der Heimfahrt war ihm mit Schrecken eingefallen, dass er das Wichtigste vergessen hatte – den verdammten Baum!

Es war Sonntag. Wie ein Wahnsinniger war er durch die Stadt gefahren, um einen Baum zu finden. Er hatte nicht wirklich mit Erfolg gerechnet und seine Suche schon aufgeben wollen, doch dann mit einem Mal diesen Typen gesehen. Die Bäume waren alle irgendwie schief gewesen, mit traurig hängenden Ästen und kahlen Stellen. Aber er hatte tatsächlich einen gefunden, der gar nicht mal so schlecht aussah. Der hing jetzt auf dem Dach seines Autos. Und da würde er auch noch die Nacht bleiben, denn heute wollte er erstmal was essen. Und Geschenke einpacken - natürlich.

Er schmiss sich auf die Couch und schaltete Netflix an. Um die Zeit nicht ganz so sinnlos zu vergeuden, kramte er die Geschenke hervor und machte sich ans Einpacken. Es dauere seine Zeit, aber irgendwann sah das erste halbwegs passabel aus. Seine Motivation war jedoch endgültig im Keller.

Er mochte die Vorweihnachtszeit nicht.

Sein Handy klingelte. Er fischte es aus seiner Tasche und nahm an.

„Ja?“

„Hey Alea, was machst du grade?“

Er erkannte Franks Stimme. Im Hintergrund plärrte der Fernseher, eindeutig ein Weihnachtsfilm. Die fröhlichen Stimmen verursachten ihm Kopfschmerzen.

„Naja, was man kurz vor Weihnachten eben so macht. Ich habe meine Wohnung mit Kisten voller Lampen und Glitzer vollgestellt, wollte eigentlich schmücken und irgendwann den ollen Baum hochtragen.“

Im Hintergrund hörte er vielstimmiges, männliches Lachen und Gläserklirren. Offenbar saßen die übrigen SaMos schon in gemütlicher Runde beisammen.

„Au man, du Armer“, seufzte Frank. „Aber hör mal, wir – Lasterbalk und ich – haben beschlossen, Weihnachten zusammen zu feiern. Till und Falk sind schon da, fehlen nur noch Jean, Luzi und du. Mit Jean habe ich eben schon gesprochen, er macht sich gleich auf den Weg - er hat übrigens angeboten, euch zwei abzuholen. Wie schaut´s aus?“ Frank klang gelassen, wie immer, aber ein erwartungsfrohes Lächeln war eindeutig aus seiner Stimme herauszuhören. Er war scheinbar guter Stimmung.

Alea dachte kurz nach. Wog die Alternativen ab und kam schließlich zu dem Schluss, dass es dämlich war, darüber nachzudenken. Eine Einladung zum gemütlichen Zusammensein mit seinen besten Freunden, die sogar zu einem Teil seiner Familie geworden waren. Sie standen ihm inzwischen sogar fast näher als seine richtige Familie. Die Alternative war, alleine in seiner unordentlichen, vollgestellten Wohnung zu hocken und das unvermeidliche Schmücken vor sich herzuschieben. Alleine machte es eben nicht so viel Spaß wie zusammen mit der Familie.

„Ja klar, gerne“, stimmte er glücklich zu.

„Klasse!“, rief Frank und setzte hinzu – eindeutig an die SaMos gerichtet – „Alea kommt auch.“ Er wandte sich wieder Alea zu. „Jean hat zugestimmt, euch zwei abzuholen. Also wenn Luzi ja sagt, den ruf ich gleich auch noch an. Am besten klärt ihr drei das mit dem Abholen alleine und gebt Bescheid, wann ihr ankommt.“

„Alles klar. Dann bis gleich.“

„Bis gleich“, verabschiedete sich Frank und legte auf.

Gleich darauf schrieb Alea Jean an und keine fünf Minuten später hörte er, dass Luzi sich auch bei dem Drummer gemeldet hatte. Jean fuhr gleich darauf los und sammelte seine Kollegen ein.

Vor Franks Haus standen schon zwei Autos, scheinbar hatten die anderen auch Fahrgemeinschaften gebildet. Jean parkte hinter Lasterbalks Auto. Luzi war wieder einmal so aufgeregt, dass er schon aus dem Auto sprang, ehe es richtig zum Stehen gekommen war und rannte zur Tür. Alea und Jean grinsten und folgten etwas langsamer.

Till öffnete ihnen die Tür und brüllte mit einer Tasse Eggnog in der Hand ein fröhliches: „Ho Ho Ho, ihr einsamen Spielmänner, hereinspaziert die edlen Herren!“ Er machte einen etwas wackligen, schwankenden Diener und winkte sie herein.

Der gute Mann hatte anscheinend schon fleißig vorgeglüht und war ordentlich angeheitert.

Die drei umarmten Till nacheinander, wobei Alea etwas Eggnog auf sein Hemd bekam, als Till ihm fröhlich auf den Rücken klopfte. Natürlich mit der Hand, in der er seine Tasse hielt.

Alea nahm es ihm nicht krumm, Frank hatte sowieso noch ein paar T-Shirts von ihm. So bekam er wenigstens ein Kleidungsstück zurück.

Gemeinsam gingen sie hinein. Der verantwortungsvolle Frank hatte natürlich, wie immer, rechtzeitig angefangen zu schmücken und so ähnelte das Haus fast einem Puff. Einem sehr schrägen Weihnachtsfetischisten-Puff.

Und obwohl er bis kaum einer halben Stunde Weihnachten sehr missgestimmt entgegengesehen hatte, zog ihn die Stimmung jetzt doch in ihren Bann. Sogar die Stimmen aus dem Fernseher erschienen ihm nicht mehr so nervig. Moment, die kamen ihm doch irgendwie bekannt vor…

Er schnellte herum und starrte den Fernseher an.

„Das…das ist doch…“

„Die Eiskönigin!“, stimmte Till lachend zu. „Haben wir extra für dich angemacht“

„Oh wirklich? Das ist ja lieb von euch! Aber sagt mal, können wir den noch mal von Anfang an schauen? Der Anfang ist nämlich das Beste!“

Lasterbalk schüttelte den Kopf. „Schatz, der läuft ihm Fernsehen. Wir können den nicht zurückspulen.“

„Oh… Naja macht nichts.“ Alea konnte Till den kleinen Schwindel nicht übel nehmen und wollte es auch gar nicht.

Stattdessen griff er lieber nach der Fernbedienung, machte lauter und schaute bei der Gelegenheit auch gleich nach, welcher Film als nächstes kommen sollte.

„Uh, schöne Bescherung“, freute sich Alea. „Ich liebe diesen Film – obwohl er gegen die Eiskönigin natürlich nicht ankommt.“

Er schmiss sich neben Falk auf die Couch, schnappte sich irgendeinen Teller und tat sich eine Scheibe Weihnachtsstolle auf. In seinem Sichtfeld erschien eine Hand mit einer Tasse Eggnog. Lasterbalk versorgte ihn netterweise mit Alkohol. Aber das war Weihnachtsalk, also gesellschaftlich anerkannt und er konnte so viel trinken wie er wollte, es zählte nicht als betrinken.

Die Werbepause setzte ein.

„Zeit für WPWL!“, rief Elsi begeistert.

„WPWL?“, fragte Luzi ratlos.

„Hat Till erfunden“, erklärte Lasterbalk. „Kurz für: Werbepausenweihnachtslieder. Wir singen alle Jahre wieder. Drei, vier.“

Wir haben einen Weihnachtsbaum, an dem ist nicht zu tadeln.

Natürlich, Äste hat er kaum und auch fast keine Nadeln.

Doch gewachsen ist er gut, er ist so hoch wie breit

Und deshalb kann ich nicht versteh`n, wenn die Familie schreit:



Alle Jahre wieder, die gleiche doofe Tour

Die andern haben nen Weihnachtsbaum und wir ne Witzfigur



Alle Jahre wieder, das sag ich klipp und klar,

der Baum ist ganz genauso schön, wie der vom letzten Jahr.



Ich zählte nie, auch nicht im Traum, zu jenen, die schon lechzten

Vier Wochen vorher nach dem Baum, ich nehme stets den Letzten.

Der Letzte ist zwar nicht sehr schön, jedoch er tut mir leid.

Und deshalb kann ich nicht versteh´n, wenn die Familie schreit:



Ahhhh

Alle Jahre wieder, die gleiche doofe Tour

Die andern haben nen Weihnachtsbaum und wir ne Witzfigur



Alle Jahre wieder, das sag ich klipp und klar,

der Baum ist ganz genauso schön, wie der vom letzten Jahr.

Yeah



Ich liebe meinen Weihnachtsbaum, den guten treuen Guten

Doch wird es meinen kann ich kaum ihn länger noch behalten

Ich werf ihn nachts zum Fenster raus, doch was vernimmt mein Ohr?

Da singt direkt vor meinem Haus ein Politessen-Chor:



Alle Jahre Wieder, die gleiche doofe Tour

Die Andern haben nen Weihnachtsbaum und ihr ne Witzfigur



Alle Jahre wieder, das sag ich klipp und klar,

der Baum ist ganz genauso schön, wie der vom letzten Jahr.

Der Baum ist ganz genauso knorke, wie der vom letzten Jahr.



Weihnachten ist doch eine wirklich schöne Zeit, stellte Alea fest. Sogar die Vorweihnachtszeit war gar nicht mal so schlimm. Man musste sie nur mit den richtigen Leuten genießen und durfte sich nicht alleine dem Stress hingeben. Egal wie viel man zu tun hatte, irgendwann wurde es Zeit, die Arbeit liegen zu lassen und die Feiertage mit Freunden zu genießen.





















Vielen dank fürs Lesen – wie immer freue ich mich riesig über Kommentare

Bis denne

Eure Disa
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