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Bis zum letzten Ende

Kurzbeschreibung
OneshotFamilie / P12 / FemSlash
Dorcas Meadowes Susan Bones
22.12.2019
22.12.2019
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3.089
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Fun Fact: Ich hab until the very end jetzt als bis zum letzen Ende übersetzt, falls ich falsch liege könnt ihr mir gerne Bescheid sagen.


Bis zum letzten Ende


Es war zwar erst September, aber Amelia fror fürchterlich unter ihrer Decke. Das Wetter dieses Jahr hatte wunderbar zu ihrer politischen Lage gepasst: verregnet, die Sonne ließ sich kaum blicken und es war dauerhaft grau draußen.

Sie setze sich auf, band ihre langen kastanienbraunen Haare zusammen und erhob sich seufzend aus dem Bett.

Wo Edgar wohl die Decken verstaut hatte, fragte sie sich. Amelia war nicht besonders gut darin einen Haushalt zu führen. Wahrscheinlich wohnte sie deshalb auch bereits ihr gesamtes Erwachsenenleben mit ihrem Bruder zusammen. Ursprünglich sollte es nur eine Übergangslösung sein, bis sie etwas eigenes fand, aber dann war sie nie wieder gegangen. Wieso auch? Edgar war ihr von ihren Geschwistern der liebste und sie hatten schon immer gut harmoniert.

Edgar würde wohl bis zum Mittag des nächsten Tages mit der Mission beschäftigt sein, auf die ihn der Orden geschickt hatte, also könnte sie sich theoretisch auch seine Decke schnappen

Sie trippelte vorsichtig den Flur entlang. Amelia ließ das Licht aus und versuchte möglichst leise zu sein. Eine alte Gewohnheit. Sie öffnete die knarzende Tür zu Edgars Zimmer und war wieder einmal verwundert wie es sich von ihrem unterschied. In Edgars Raum waren alle Möbel aus dunklem massiven Holz mit blauen Akzenten während ihr Zimmer strikt weiß und schwarz war, andere Farben kamen für sie nicht in Frage. Sie glichen sich aber darin, dass alles seine Ordnung haben musste und ihre Räume sowie die restliche Wohnung und sie selbst wirkten auf Außenstehende immer etwas distanziert und kühl.

Es interessierte nicht besonders was andere von ihr dachten. Sie wusste, dass sie immer kompetent und selbstsicher erschien und das reichte ihr.

Amelia schnappte sich Edgars Decke und nach kurzem Zögern auch das Kissen, damit es nicht so unvollständig wirkte. Sie schlich sich zurück in ihr Schlafzimmer und freute sich, dass ihr Bett noch ähnlich warm war, wie sie es verlassen hatte.

Sie wusste dass sie nicht einschlafen können würde. Sie schlief immer schlecht, wenn sie sich mit ungelösten Problemen ins Bett legte. Ganz besonders wenn die Probleme privater Natur waren. Sie verdrehte im Dunklen die Augen. Die Versöhnung mit Vivienne war dringend nötig sonst würden die Gedanken, die in ihrem Kopf umherschwirrten, sich nie legen.

Trotzdem, sie wusste auch, dass sie lieber schlafen sollte. Der Tag im Aurorenzentrum morgen würde hart werden. Außerdem wollte sie eigentlich noch das Frühstück vorbereiten. Das erledigte für gewöhnlich Edgar und sie... sie war im Haushalt eigentlich nur fürs Aufessen und Existieren zuständig, aber sie wollte, dass er nach der langen Nacht noch etwas zu essen bekam.

Für gewöhnlich schlief Amelia immer ganz wunderbar. Sie legte sich gegen elf ins Bett und innerhalb einiger Minuten war sie weg gedämmert und schlief wie ein Stein durch bis ihr Wecker klingelte. Das war eine Eigenschaft für die sie sehr dankbar war. Weder Prüfungen zu ihren Schulzeiten noch der Krieg heute konnten etwas daran ändern, dass Amelia ins Traumland verschwand. Sie hatte als Aurorin und Mitglied des Ordens viele schreckliche Dinge gesehen und auch einiges getan worauf sie nicht stolz war, aber sobald sie im Bett lag war das alles ausgeblendet.

Sie hatte eine Weile vor sich hingedöst, als sie vom Klingeln ihrer Tür geweckt wurde. Amelia zog sich schnell einen Pulli über und schnappte sich ihren Zauberstab. Edgar vergaß seinen Schlüssel nie.
Sie lief schnell die Treppe runter und öffnete die Tür.

„Marlene, Gideon?“ Die beiden sahen schrecklich erschöpft aus, durch Marlenes Rock zog sich ein langer Riss, sie hatte Dreck im Gesicht, ihres helles Haar war zerwühlt und die Brille auf ihrer Nase zersplittert. Gideons schulterlangen Haare waren angekohlt worden und eine lange offene Wunde zog sich über seinen Unterarm.

Sie waren lieber zu ihr gekommen, als sie direkt von Dearborn versorgen zu lassen. Amelia wusste, was das zu bedeuten hatte.

Sie schloß die Augen, um noch einen Atemzug, als die zunehmen, die sie in diesem Moment war. Die Amelia, die jeden zweiten Sonntag ihre Eltern und ihren kleinen Bruder besuchte, deren größtes Problem die Beziehung zu Vivi war, die Amelia, die ihre Arbeit immer tadellos erledigte und alles ertrug, was der Krieg den Menschen antat, weil zu Hause ihr Bruder mit einer Tasse Tee auf sie wartete.

Ihr Herz schlug wie wild, sie fühlte sich, als würde sie von innen verbrennen, dennoch öffnet sie die Augen.

„Was ist passiert?“

Schlaf ist der Bruder des Todes. Amelia hatte sich gut gestellt mit einem und gehofft, der andere würde sie deshalb verschonen.

Sie würde nie wieder eine Nacht durchschlafen.

***
Sie trug roten Lippenstift, Lidschatten und hatte ihre Augenschatten sorgfältig  überschminkt. Zu Edgars Beerdigung vor zwei Monaten war sie ungeschminkt erschienen. Ihr Hautton war blass, sie war geduscht, aber nachlässig gekleidet gewesen und ihr Hut hing ihr ins Gesicht. Sie hatte den Leuten nicht ins Gesicht schauen wollen. Amelia hatte alte Schulfreunde von Edgar mitleidig über sie flüstern hören, aber es war ihr egal gewesen.

Sie wusste Edgar wäre es nicht wichtig gewesen, wie sie zu seiner Beerdigung erschien. Sie waren beide  Ravenclaws, er drei Jahrgänge über ihr, dennoch war weder sie noch er gut mit Wörtern, aber oft hatten sie instinktiv gewusst, was der Andere mitteilen wollte und sie hatten sich oft berührt statt es umständlich mit Wörtern zu probieren, ihre ganze Familie hatte es mit körperlichen Zuneigungsbekennungen. Küsse auf die Wange und auf den Kopf, Umarmungen und gerne auch leichte Schläge. Edgar und ihr jüngster Bruder hatten sich zur Begrüßung oft auf den Rücken gehauen oder den Arm geboxt und dann hatte Edgar dem Kleinen immer anerkennend gesagt, dass er stärker geworden war.

Aber dies war nicht Edgars Beerdigung, es war Caradoc Dearborns. Dearborn, der mit Kosenamen um sich geworfen hatte und ihnen dann so schamlos zugezwinkert hatte, dass sie ihm kaum böse sein konnten, Dearborn, der sich bei ihren Kämpfen oft um ihre Schutzschilder gekümmert hatte und nur gelacht und sie zum Tanzen aufgefordert hatte, als sie ihm gesagt hatte, dass sie schon vergeben sei, Dearborn, der immer über Fabians Scherze lachte und immer so liebevoll über seine Mutter sprach.

Sie hatte sich für ihn geschminkt, weil er ihr immer unangebrachte Sprüche und Kommentare aufgetischt hatte, wenn sie nach Ordenstreffen direkt weiter gewollt hat und sich schon fertig gemachte hatte. „Bones, schon wieder verführerisch rot?“, hatte er sie am liebsten gefragt.

Amelia hörte neben sich ein leises Weinen und drehte sich nach der dazu gehörigen Person um. Sie hatte die ältere Dame noch nie persönlich getroffen, aber sie erkannte sie sofort. Letztes Silvester nachdem sie getanzt hatten, hatte er ihr ein Foto gezeigt.

„Entschuldigung?“, sprach sie die Frau an. „Wir kennen uns nicht, aber ich war mit ihrem Sohn bekannt.“ Sie überlegte einen Moment, sie wusste nicht wie viel er seiner Familie erzählt hatte. „Wir haben zusammen gearbeitet.“, führte sie fort. „Er war ein bewundernswerter Mensch. Ich habe immer nur gutes über seine Arbeit als Heiler gehört. Er war so aufopferungsvoll und hat mich mehrmals perfekt zusammen geflickt.“

Dearborns Mutter guckt sie überrascht an, als sie sich ausversehen verplappert.

„Er war einer der fröhlichsten Menschen, die ich kannte und für jeden Scherz zu haben. In dieser Zeit in der wir leben, ist das ein wahre Geschenk.“

Die Frau lächelte sie an, obwohl sie immer noch weinte.

„Und er hat oft von ihnen geredet. Wirklich er hat sie so geliebt, dass er immer mal wieder Bilder von seiner bezaubernden Mutter herum zeigte. Seine Worte nicht meine, obwohl ich im da definitiv zustimmen muss.“

Dearborns Mutter lachte unter Tränen und weinte dann nur noch heftiger. Sie gab der überraschten Amelia eine kurze Umarmung.

„Ich danke ihnen. Caradoc war schon immer Mamas kleiner Junge umso schlimmer ist es ihn so früh zu verlieren.“ Die Frau wandte sich ab um sich die Tränen abzuwischen. Dann sah sie Amelia das erste Mal richtig ins Gesicht.

„Sie haben nicht einmal seine Leiche gefunden.“ Sie sah absolut zerstört aus, gebrochen. Eine Verwandte schien auf sie aufmerksam geworden zu sein und legte einen Arm um sie, um sie sachte fort zu führen.

Sie begruben einen leeren Sarg und hörten einige  Reden bis Dorcas die Bühne betrat.

„Im Krieg ist das Leben kurz.“ begann sie und hatte damit alle Aufmerksamkeit sicher. Sie wussten nahezu alle, dass Dearborn für den Widerstand gestorben, aber sie schienen sich alle konsequent zu weigern, es auszusprechen.

„Caradoc Dearborn wusste das. Er wusste, dass er ein kurzes Leben führen würde, wenn er sich auf den Widerstand einließ und er tat es trotzdem. Dearborn war eine Frohnatur, aber auch ein Kämpfer. Er hat Entscheidungen getroffen und die Konsequenzen dafür getragen, damit ist er stärker als die meisten. Hinter seinem Lachen und seinen Witzen steckte jemand der sich in den Kampf stürzte und der seine Leute nicht nur im Kampf sondern auch danach beschützte.“

Dorcas hob ihren Zauberstab gerade in die Höhe.

„Caradoc mag wie so viele andere fort sein, aber wir kämpfen. Für Dearborn.“ rief sie.  „Wir kämpfen bis zum letzen Ende.“

Dorcas stieß einen leuchtend gelben Strahl in den Himmel und Amelia folgte mit blau. Es waren ihrer beider Hausfarben. Innerhalb von Sekunden war der ganze Himmel bunt erleuchtet, blau, lila, gelb, rot, orange, aber kein grün, kein grün heute. Ihr Blick traf den Dearborns Mutter. Sie weinte nicht sondern hatte mit der einen Hand eine Faust geballt und schoß mit der Hand einem hellblauen Strahl in den Himmel. Sie nickten sich zu.

Edgar, dachte Amelia und fühlte sich das erste seit Marlene und Gideon in dieser verhängnisvollen Nacht vor ihrer Tür standen nicht bedrückend traurig und hoffnungslos.

***

Sie sah Dorcas schon von Weitem. Sie stand vor ihrem Büro und wartete. Amelia wusste nicht wieso, aber Dorcas stach immer heraus, obwohl sie eigentlich eher unscheinbar war. Kinnlanges dunkles Haar, stumpfe, braune Augen und eine mehrfach gebrochene Nase, aber sie hatte eine Aura von der Amelia schon seit Schulzeiten fasziniert war. Dorcas war eine Kämpferin, das wurde auf den ersten Blick deutlich.

Unter anderen Umständen quatschte Amelia immer gerne mit ihr, aber heute war ein grauer Tag, nach einer trostlosen Woche, nach schrecklichen Monaten. Etwas musste sich verändern und Dorcas war genau die richtige Person. Sie sah genervt aus. Dorcas war ebenfalls Aurorin und mochte es nicht, wenn man ihre Zeit verschwendete, aber ihr Gesicht wurde für einen kurzem Moment weich, als sie Amelia tiefe Augenringe sah.

Amelia verdrehte die Augen. „ Ich muss wirklich elend aussehen, wenn selbst Dorcas Meadowes Mitleid mit mir hat.“

Dorcas lachte kurz auf und zog sie dann in eine ihrer kurzen, festen Umarmungen.

„Dann sag mir doch mal, was du von mir willst, Bones.“ Dorcas gab sich tapfer, aber Amelia sah wohl, dass sie Bones nicht so locker über die Lippen brachte, wie sie es noch vor drei Monaten getan hätte. Amelia bekam ein schlechtes Gewissen, sie hatte ihren Bruder verloren, aber Dorcas ihren besten Freund und Amelia wäre nicht verwundert, wenn sie auch nach der Trennung immer noch in Edgar verliebt gewesen wäre.

Sie drückte Dorcas eine Schere in die Hand, zog sie in ihr Büro und schloß die Tür hinter sich.

„Die Haare müssen ab.“, bestimmte sie.

Dorcas musterte sie mit zusammen gekniffenen Augen und wirkte überrascht. „Sicher? Sie sind verdammt lang.“

Amelias Haare waren brünett und glatt und reichten ihr bis tief auf ihrem Rücken. Sie ließ sie wachsen, seit Hogwarts. Vivi liebte ihr Haar und noch vor ein paar Monaten wäre es nicht in Frage gekommen, dass irgendwer außer Vivienne ihrem Haar zu Nahe kam, aber in den letzten Monaten war viel geschehen. Sie wusste, sie hatte nicht nur Edgar verloren sondern auch ihre Unschuld. Sie war im Krieg erwachsen geworden, aber das hatte sie nie davon abgehalten tanzen zu gehen, Muggle Filme zu schauen und außerhalb des Ordens und ihrer Arbeit zu leben. Amelia war im Krieg groß geworden und darum konnte sie ihn immer relativ gut ignorieren, aber das war nun vorbei.

„Sie müssen ab.“, entschied sie. „Sie stören im Kampf nur und sie erinnern mich an ein Kind, das einst war.“

Ein Abschnitt ging für sie vorbei und sie hatte sich lang genug selbstbemitleidet. Sie war nicht die Einzige, die jemanden verloren hatte. Mit Edgar war sowieso ein Teil von ihr beerdigt worden, dann konnte sie auch etwas dazu geben, was sie selbst kontrollieren konnte.

***

Edgar war ein Jahr tot, als das erste Kind ihres ältesten Bruders zur Welt kam. Die Eule trudelte um Mitternacht ein. “Susan Bones, geboren um 23:17“ sagte die Notiz.

Vivienne drückte es so aus. „Zur Welt kommen“, als es wäre es eine Errungenschaft, sie sagte es wie ein kleines Wunder, ihre Augen leuchteten und Amelia wusste, dass sie Vivi nicht geben konnte, was sie möchte, was sie brauchte.

Vivienne war hibbelig und aufgeregt. „Lass uns bis morgen warten. Gönnen wir der kleinen Familie eine Nacht für sich.“ Vivienne sehnte sich so offensichtlich nach einem Kind, dass es Amelia beim zu sehen weh tat, aber Amelia sehnte sich nach keinem Baby, sie sehnte sich bloß nach Edgar.

Es war 1980, Amelia besuchte ihre erste Nichte im St. Mungo Hospital. Das Kind sah gesund aus, rote Wangen und das erste blonde Haar sproß auf seinem Kopf. Amelia hielt das Baby, das nach ihr benannt war, kurz im Arm um es dann an Vivienne weiter zu reichen. Vivi fasste das Kind an, wie eine Kostbarkeit. Sie fuhr ihr über die Wangen, strich ihr über den Kopf, küsste es auf die Nase. Susan hatte Edgars Augen. Amelia musste weg sehen, weil es so schön war und weil es so weh tat, denn sie konnte kein Kind in diese schrecklich Welt setzten und wenn sie ganz ehrlich zu sich war, dann wollte sie auch kein Kind.

„Ich vermisse ihn“, sagte sie Vivi auf dem Weg nach Hause. Sie könnte apparieren, es wäre sicherer, aber dennoch gingen sie zu Fuß.

„Ich vermisse ihn“, wiederholte sie, „Ich vermisse ihn überall und zu jeder Zeit. Ich bin beim Orden und denke etwas witziges, aber es gibt niemanden dem ich es erzählen könnte. Ich vermisse es ihm von meinem Tag zu erzählen und sein Lächeln, seine Ruhe.“

Sie sah Vivienne nicht ins Gesicht. „Ich vermisse ihn, immer und es tut so weh, ich kann kein Kind in eine Welt bringen in der es keinen Edgar gibt und ich kann auch nicht in Kauf nehmen dieses Kind zu verlieren“. Amelia bekam keine Wörter mehr heraus und hoffte einfach Vivienne verstand, was sie ihr sagen wollte.

Vivienne nickte bloß und nahm ihre Hand. Sie gingen zusammen nach Hause.

***

Amelia schloß die Tür ihres kleinen Hauses auf, hing ihren Schlüssel und ihre Jacke auf und schlüpfte aus ihren Schuhen.

„Ist die Kleine schon da?“, fragte sie Vivienne. Sie hatte sich verspätet, obwohl sie gewusst hatte, dass ihre Nichte heute bei ihnen schlief.

„Nein, alles gut“, antwortete Vivienne ihr als Amelia zu ihr in die Küche trat. Sie rührte gerade in einem Eintopf, hatte eine Schürze umgebunden und trug das lange Haar in einem unordentlichen Dutt.

„Wenn du dich beeilst, dann kannst du noch kurz duschen gehen und bist pünktlich zum Abendessen und Susans Ankunft fertig.“

Sie saßen zusammen am Esstisch Susan plapperte vor sich und Vivi stellte hin und wieder Rückfragen und reagierte an den passenden Stellen. Oft wenn sie mit Susan zusammen saßen - Susan mit ihrem fröhlichem Lachen, den fehlenden Vorderzähnen und Edgars Augen- musste sie an den Jungen der Potters denken und hoffte, dass es ihm auch so gut ging wie ihrer Nichte. Sie hatte die Potters nicht gut gekannt, sie waren einige Jahre jünger gewesen als sie, mit die Jüngsten im Orden, aber sie waren ihr immer wie ordentliche Menschen erschienen. Der Verlust, den dieser Junge so früh im Leben erleiden musste, erschien ihr ungeheuerlich.

Sie schauten einen Muggle Film zusammen, Susan in der Mitte zwischen ihnen. Sie spürte die Wärme ihrer Nichte und war wie oft dankbar, dankbar dafür, dass sie die schlimmen Jahre überstanden hatten.

Als Susan die Auge kaum noch aufhalten konnte trug sie sie unter deren Beschwerden ins Bett.

„Ich bin gar nicht müde“, sagte ihre Nichte, obwohl sie die Augen schon geschlossen hatte.

„Das weiß ich doch, mein Schatz, aber ich bin müde und Vivi auch.“ Sie gab ihrer Nichte einen Kuss und schloss dann die Tür sachte.

***

Amelia war auf dem Weg nach Hause, es war ein langer Arbeitstag gewesen und sie war erschöpft. Obwohl sie sehr gut darin war die Maskerade aufrecht zu erhalten, ging Voldemorts Rückkehr selbstverständlich nicht spurlos an ihr vorüber. Sie schlief schon so lange schlecht, dass sie sich kaum daran erinnern konnte wie es war durchzuschlafen. Insomnia begleitete sie seit bald zwanzig Jahren.

Sie wusste sich zu beschäftigen, in den Stunden, die Vivienne tief und fest schlafend verbrachte, aber es war die eine Sache lesend im Bett zu liegen und Vivienne beim Schlafen zuzuhören und eine andere die halbe Nacht im Ministerium zu verbringen, weil sie ihre Abwehr umdenken mussten und um die Sicherheit des Landes fürchteten. Neulich musste sie sogar ihrer Nichte absagen und das geschah so gut wie nie. Sie war sonst ungewöhnlich gut darin ihre Arbeit und ihr Leben in Einklang zu bringen. Vivienne musterte sie in letzter Zeit oft bedrückt und besorgt und sie hatte wirklich kein Interesse daran ihrer Frau Sorgen zu bereiten.

Amelia bemühte sich nicht schneller zu werden und auch nicht besorgt zu wirken, aber sie war sich im Klaren, dass sie schon ein Weile verfolgt wurde. Es war nicht das erste Mal, wenn man in der Strafverfolgung tätig war, dann geschah das schon einmal. Sie strich sich mit der einen Hand das kurze, graue Haar aus dem Gesicht und griff mit der anderen nach ihrem Zauberstab.

Sie war nicht grundlos die Leiterin des Aurorenzentrums, normalerweise würde sie sich kaum Sorgen machen, aber sie spürte instinktiv, dass ihr Verfolger ihr gefährlich werden könnte.

Sie hielt an einer Stelle an, die sie für strategisch wertvoll hielt um sich den möglichen Todesser zu stellen.

Ein Schatten huschte ihr gegenüber und eine Person in einem dunklen, weiten Umhang machte sich sichtbar. Sie erkannte die roten, boshaften Augen sofort, waren es nicht jene gewesen, die sie angeblickt hatten, nachdem sie beide Dorcas Leiche fallen sehen hatten. Sie hatte einen mächtigen Todesser erwartet, aber das Voldemort persönlich vor ihr stand, kam unerwartet.

Sie lächelte ein kaltes Lächeln, das ihre Augen nicht erreichte und ballte die Hand in dem sie ihren Zauberstab nicht hielt. Ach Vivienne, ihre liebste Vivienne. Sie würde ihrem Mörder alles entgegenhalten, was sie zu bieten hatte. Im Krieg ist das Leben kurz, dachte sie.

„Na dann, lass uns das Spiel beginnen.“
 
 
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