Lebensläufer

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P18 Slash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
22.12.2019
30.06.2020
8
18.994
21
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30.06.2020 1.985
 
Hello, erstmal sorry, dass jetzt doch länger kein neues Kapitel gekommen ist, aber naja...Jetzt ist es ja hier :) Und es ist wie schon angekündigt das letzte richtige Kapitel dieser FF. Dementsprechend nutze ich das hier jetzt mal, um allen zu danken, die mir immer Reviews und Empfehlungen dagelassen haben! Mit so viel positiver Unterstützung hätte ich echt nicht gerechnet, als ich die Story angefangen habe. Jedenfalls vielen Dank und jetzt viel Spaß mit dem letzten Kapitel vor dem Epilog :)

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Inzwischen war Klaas fast einen Monat hier in München und schien sich wirklich wohl zu fühlen. Er hatte seine Klamotten im Schrank in Jokos Gästezimmer deponiert und seine Jacken hingen neben Jokos im Gang neben der Wohnungstür. Joko hatte selten einen Menschen gesehen, der so viele verschiedenen Jacken besaß, und er verstand auch absolut nicht, was Klaas mit so vielen Jacken wollte. Vor zwei Wochen hatte Joko sich sogar aufgemacht und eine größere Garderobe gekauft, damit die Kleidungsstücke wenigstens ordentlich aufgehängt waren und nicht immer wild verstreut auf Kommoden und Schränken lagen. Außerdem hatte Klaas sämtliche Haarpflegeprodukte im Badezimmer verteilt. Jokos Wohnung hatte selten so lebendig und bewohnt ausgesehen und Joko hatte sich ebenso selten so Zuhause hier gefühlt.

Der Benjamini stand wieder in seiner alten Ecke und wurde von Klaas regelmäßig hingebungsvoll gegossen. Sah so glücklich und zufrieden aus, wie Joko sich gerade fühlte. Er genoss es, Klaas die ganze Zeit um sich herum zu haben. Morgens aufzuwachen und erstmal müden Saphirseen und verschlafenen braunen Locken in der Küche zu begegnen. Mit Klaas Kaffee zu trinken und sich bei der zweiten Tasse dann leise über belanglose Dinge zu unterhalten. Über die Arbeit, Konzeptideen und Musikprojekte. Über den neusten Promiklatsch und Redaktionsgossip.

Klaas arbeitete meistens von zu Hause aus. Hatte sich in Jokos Büro einquartiert, weil der das eh nie benutzte, und widmete sich über Telefonkonferenzen und Mails seiner Late Night Show. Es war erstaunlich einfach gewesen, Thomas zu überzeugen, dass Joko Klaas erstmal für eine Weile mit nach München nehmen würde. Ihr Redaktionsleiter hatte natürlich gewusst, dass es Klaas momentan nicht gut ging, und so sehr er ihn manchmal gerne leiden ließ, wollte Thomas im Endeffekt nur das beste für Klaas. So wie Joko eben auch. Deshalb hatte er Jokos Idee ziemlich schnell zugestimmt. Hatte sogar beschlossen, dass später noch genügend Zeit wäre, sich über die Details Gedanken zu machen und gemeint, sie würden das schon irgendwie schaukeln.

Jetzt flog Klaas zwar jeden Montag noch zur Aufzeichnung von Late-Night-Berlin nach Berlin, weil sie sich nach ewigem hin und her letztendlich darauf geeinigt hatten, dass man Late-Night-Berlin eben doch nicht in München aufzeichnen konnte, weil es dann ja nicht mehr Late-Night-Berlin wäre. Naja, eher hatte Klaas mal wieder seinen Sturkopf durchgesetzt und Joko hatte klein beigegeben. Dafür begleitete er ihn, wenn es sein Terminkalender zuließ. Also eigentlich immer, weil er seinen Terminkalender so angepasst hatte, dass er sich wichtige Tage für Klaas frei hielt. Ansonsten verbrachte der Kleinere seine Zeit in München. Wirbelte gelegentlich durch die Bavaria Filmstudios und plante was auch immer. War Joko relativ egal, was genau er da trieb. Er musste nicht über jede Kleinigkeit bescheid wissen. Ihm reichte es zu wissen, dass Klaas glücklich war.

Und Klaas war glücklich. Die meiste Zeit jedenfalls. Und wenn er dann doch mal nicht glücklich war, dann war Joko da und munterte ihn tatkräftig auf.

Momentan war Klaas allerdings in seinem Schlafzimmer, hatte vor einer halben Stunde die Tür abgesperrt und Joko hatte sich ins Wohnzimmer verzogen, um nicht aus Versehen zu lauschen. Klaas hatte einen Termin mit seiner Therapeutin und da wollte er Joko nach wie vor nicht dabei haben. Zwar kam er oft nach Sitzungen zu Joko geschlichen, versteckte sich in dessen Armen vor aufgewühlten Emotionen und Erinnerungen und erzählte ein bisschen, aber er erwähnte nie alle Details aus den Gesprächen. War für Joko auch vollkommen in Ordnung. Er freute sich einfach, dass Klaas ihm genug vertraute, um ein paar solcher intimen Themen anzusprechen. Da musste er nicht neben Klaas sitzen, während der mit seiner Psychologin über seine privatesten Gefühle sprach. Ihm reichte die Kurzzusammenfassung danach.

Während Klaas also mit seiner Therapeutin telefonierte, wanderte Joko in die Küche. Versuchte aus den Resten aus seinem Kühlschrank noch ein halbwegs genießbares Abendessen zu zaubern. Es würde wohl auf Nudeln mit Ketchup hinauslaufen. Wie früher, als er von Zuhause ausgezogen war und noch nicht wusste, wie man richtig kochte, geschweige denn eine Soße zubereitete.

Etwas verloren stellte er einen Topf auf die noch ausgeschaltete Herdplatte und linste dann hinein, als würde dort ein Kochrezept stehen. Kochen war immer noch kein Talent von ihm geworden. Das war eine der wenigen Situationen, in denen er seinen Promistatus und sein Geld nutzte, indem er sich meistens Essen bei irgendeinem Lieferdienst bestellte. Oder er ließ neuerdings eben Klaas an den Herd, der zwar auch kein Sternekoch war, aber zumindest Nudeln zubereiten konnte, ohne, dass sie überkochten.

Aber Klaas hatte gerade keine Zeit, also musste er das wohl oder übel selbst schaffen. Kurz warf er einen Blick auf sein Smartphone, das neben ihm auf der Anrichte lag, aber jetzt Google zu fragen, wie man Nudeln kochte, war ihm dann doch zu peinlich. Also nachdenken. Einen Topf hatte er schonmal. Er hatte schon die Nudelpackung mit den Schmetterlingsnudeln in der Hand, als er sich glücklicherweise doch noch daran erinnerte, dass man vorher Wasser in den Topf füllen sollte. Gesagt, getan. Dass man das Wasser dann noch ein bisschen salzen sollte, fiel ihm allerdings nicht mehr ein. Und, dass das Wasser vielleicht erst kochen sollte, bevor er die Nudeln reingoss, kam ihm auch nicht in den Sinn. Er schüttete einfach versuchsweise die halbe Nudelpackung in das kalte Wasser.

Jedenfalls war er gerade dabei das klägliche Abendessen vollends zu versauen, als Klaas in die Küche getapst kam. „Kochst du?“, fragte er ungläubig, während er neben Joko in den Schrank griff und nach einer Tasse angelte, „Kannst du das überhaupt?“

Joko warf einen skeptischen Blick auf den noch immer ausgeschalteten Herd: „Nee, scheinbar nicht.“ und drehte sich zu Klaas um, der gerade die Tasse unter die Kaffeemaschine stellte und ein paar Knöpfe drückte. Die Maschine spuckte bereitwillig das dunkle Gesöff aus, weil sie inzwischen auch wusste, dass Klaas nach Therapiesitzungen gerne Kaffee trank. Mit ganz viel Milch und Zucker, obwohl er sonst eher Fan von schwarzem Kaffee war. Klaas kippte kompromisslos einfach die halbe Zuckerpackung in seine Tasse, machte sich nicht einmal die Mühe einzelne Löffel abzuzählen, „Ich helf‘ dir nachher beim Kochen, Winti. Keine Sorge, das kriegen wir schon hin.“

Schlanke Finger umschlossen die schwarze Kaffeetasse, klammerten sich regelrecht am Porzellan fest und Klaas führte das Getränk zaghaft an seine Lippen. Saphirozeane blinzelten ihm liebevoll über den Rand der Kaffeetasse entgegen, bevor sie zufielen, um den Geschmack, der über volle Lippen floss ungestört zu genießen. Ein sinnlicher Anblick vollkommener Zufriedenheit. Zumindest war das wahrscheinlich Klaas‘ Gedanke gewesen. In der Realität allerdings riss Klaas seine Augen sofort wieder auf, als heißes Getränk in Berührung mit seinen Lippen kam, stellte fluchend die Kaffeetasse auf die Anrichte ohne sich darum zu kümmern, dass er dabei ziemlich viel des Inhalts über dem Holz verteilte, und hechtete zum Wasserhahn. „Fuck...“, grummelte Klaas leise, während er sich kaltes Wasser auf die Lippen rieb. Er sah dabei so genervt von sich und der Welt aus, dass Joko gar nicht anders konnte, als ihn schamlos auszulachen.

„Na? Wie ist der Kaffee?“, neckte er den Kleineren weiter. „Joa, war heiß.“, gab Klaas trocken zurück und spülte sich ein letztes Mal den Mund mit kaltem Leitungswasser aus, bevor er sich wieder ganz zu Joko umdrehte und sich auslachen ließ. Er ließ Joko Kichern, während er sich verlegen durch die Haare fuhr und seine Zähne leicht in seine Unterlippe grub. Sah dabei so unschuldig aus, dass Joko das Lachen fasziniert im Hals stecken blieb. Die Wangen aus peinlicher Berührtheit leicht gerötet und die Lippen von heißem Kaffee gut durchblutet, stand er in einem von Jokos Pullis, die ihm natürlich viel zu groß waren, und barfuß in Jokos Küche. Jokos Herz machte einen kleinen Sprung. Verdammt. Viel zu viel Glück auf einem Fleck.

Und deshalb war es plötzlich das natürlichste der Welt, nach schmalen Hüften zu greifen und seine Lippen sanft auf die von Klaas zu drücken. Er hielt den unschuldigen Kontakt für zwei, drei Herzschläge, genoss das leichte Prickeln und das Gefühl von Zuhause, dass zäh durch seinen ganzen Körper floss, dann löste er sich vorsichtig von Klaas. Der ihn zwar sehr überrumpelt anstarrte, aber dennoch keinen Schritt zurück machte und auch Jokos Hände an seiner Taille tolerierte.

„Wofür war das denn?“, flüsterte herber Korn. Joko zuckte nur mit den Schultern, festigte kurz seinen Griff um den warmen Körper, „Hm. Hat sich richtig angefühlt. Fand ich zumindest.“, bestimmte er dann. Klaas‘ Antwort war ein raues Lachen, bevor er sich bedauerlicherweise aus Jokos Umklammerung befreite. Joko ließ ihm seinen Freiraum, schob sich die Hände, die sich jetzt, wo sie Klaas nicht mehr berührten, seltsam leer anfühlten, in die Hosentaschen und schielte vorsichtig zu Klaas nach oben. Eigentlich fiel ihm der Umgang mit Klaas leicht. Er wusste instinktiv, wo er seine Grenzen hatte und was er machen durfte, aber jetzt gerade… Was, wenn er Klaas damit doch zu sehr überfordert hatte?

Klaas stolperte unsicher zwei Schritte zurück, lehnte sich mit dem Rücken gegen die Küchenzeile und fuhr sich verwirrt durch das braune Haar. Klare Saphirseen erwiderten zaghaft Jokos Blickkontakt. Dann zog er seine Unterlippe zwischen die Zähne und richtete seinen Blick wieder unsicher gen Boden.

„Sag was.“, verlangte Joko rau. Er hasste es, wenn Klaas seine Gedanken nicht mit ihm teilte. Das war schon monatelang nicht mehr passiert. Klaas vertraute ihm inzwischen jeden noch so kleinen Gedankengang an.

Der Jüngere seufzte lautlos, suchte dann noch einmal versichernd braune Augen, bevor er beschloss, einfach direkt zu sein. Weil er mit Joko eben nicht um den heißen Brei herumreden musste. „Willst du ne Beziehung?“

Joko stockte. Hatte mit so viel Direktheit irgendwie doch nicht gerechnet. Er räusperte sich leicht, schob sich in seiner typischen Verlegenheitsgeste die Brille auf der Nase weiter nach oben. Und stellte sich dann zum ersten Mal diese Frage selbst. Was wollte er denn eigentlich? Also im Moment ja definitiv Klaas küssen. Hatte er jetzt bekommen. Und was genau hatte er sich daraus erhofft? Naja, wahrscheinlich halt einfach Klaas.

Er wollte Klaas. Den grummeligen Klaas morgens vor seiner ersten Kaffeetasse. Den professionellen Fernseh-Klaas, der keine Gelegenheit ungenutzt ließ, um ein bisschen auf ihm rumzuhacken. Den fokussierten Klaas, dessen Stirn konzentriert in Falten lag, wenn er sich irgendwelchen filigranen Arbeiten widmete. Den müden Klaas, der sich vor dem Fernseher vertrauensvoll auf seiner Brust zusammenrollte wie eine zutrauliche Hauskatze. Den unsicheren Klaas vor Showbeginn oder vor dem Präsentieren einer neuen Idee, der immer erstmal versichernd den Blickkontakt zu ihm suchte. Den prominenten Klaas, der sich, egal wie schlecht es ihm privat gerade ging, immer ein Lächeln auf die Lippen zwang und seinen Fans höflich begegnete. Den entschlossenen Klaas, wenn er von irgendetwas komplett überzeugt war und seine Mitmenschen fast schon dazu zwang, genauso begeistert davon zu sein. Den gammeligen Klaas, der das Wochenende unrasiert und ungeduscht mit Tiefkühlpizza und Netflix auf der Couch verbrachte. Den eitlen Klaas, der sich strickt weigerte seine Brille irgendwohin mitzunehmen und sich deshalb des öfteren schon Jokos Brille hatte leihen müssen. Den begeisterten Klaas, dessen Augen dann immer inspirierte Funken zu sprühen schienen. Den ängstlichen Klaas, der sich in Jokos Armen vor Panikattacken versteckte. Einfach Klaas. In jeder Lebenslage.

Also: „Ja. Eine Beziehung wäre schon ziemlich perfekt.“, murmelte er leise, „Aber einfach nur du um mich herum reicht mir auch.“

Er schien die richtigen Worte gewählt zu haben, denn keine zwei Sekunden später hatte Klaas schon seine Arme um Jokos Hals gelegt und presste seine Nase vertrauensvoll in die warme Halsbeuge.

„Wenn, dann du, okay?“, gab Klaas zu, „Irgendwann bestimmt du, aber halt nicht jetzt.“

Und Joko verstand. Und freute sich riesig auf dieses irgendwann.
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