Welten im Schatten

GedichtAllgemein / P12
21.12.2019
27.09.2020
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Ich mag deinen Hut, lindgrün und flieder,
find' die adrette Fliege wieder,
dein Gang, dein Gefuchtel ist schnell imitiert,
Akzent und Stimmlage, selbst Geruch wird kopiert.

Wenn ich zwischen trunkenen, tanzenden Turtelchen wandle,
und wider Natur dir mehr Leben einhandle,
dann schaut deine Dame, die Einzige, die's wissen kann,
und schaut mich an und denkt: Mein Mann.

Da ist mir die Farce vortrefflich gelungen,
in Spiel und Trank und Tuch geschlungen,
verplaudere deiner Abend Freude,
man hört den zwölften Schlag vom hohen Gebäude,
und man hört des Gelächters gurgelnden Chor,
denn ich leihe den Damen gern ein Ohr.

Oh, sie ließen Fremde in ihre schönsten Zimmer,
mit Mahagoni, Seide, Glimmer,
und servieren der Welten edelste Kost,
Wein gekühlt in eisigem Frost,
ließ Kissen und Decken zur Bequemlichkeit schaffen,
solang' ich noch spiel', darf ich nicht drüber lachen,
kopiere und leihe dein einzigartig' Welt,
ich nehm' mir die Rolle, die am besten gefällt,
ich nehme die Villa mit Garten, Frau und Hunden,
während du bist an andere Orte entschwunden.

Und ich lache aus Freude und ich lache, weil du's tätest,
und ich küsse mit Feuer im Mondschein, wenn's spät ist,
und ich lieg' in deinen Federn und lese deine Briefe,
und mit jedem weit'ren Tag geht es mehr in die Tiefe,
wenn ich wirklich du geworden, unverwechselbar und besser,
wenn das Schauspiel so gekonnt, dass der Erinnerung sinkt blässer...

Deine kleine Eigenarten, die ich wage, zu beschränken.
gelten bald als ausgelebt, keiner wird was Böses denken,
niemand wird ahnen an deinem Hochzeitstag,
wenn dein lieblich gut Prinzessin nach zwei Kinderlein mich fragt,
wenn dein hochrumänisch Vetter dich bestellt auf Land und Gut,
ja, mit Stolz werd' ich ihn tragen, deinen lindgrün-flieder Hut.

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