Das schöne Mädchen - 2019

von Alice83
GeschichteRomanze / P18
Jan "Farin Urlaub" Vetter OC (Own Character)
21.12.2019
21.12.2019
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A/N: ähm, ja. Hallo erstmal.

Ja, heute ist Samstag, und somit auch noch nicht der vierte Advent, ich weiß.

Aber, let's face it: morgen habe ich gar keine Zeit.

Übrigens, Heiligabend habe ich auch überhaupt keine Zeit, also wirklich gar keine, deswegen kriegt ihr euer Weihnachtsgeschenk von mir schon am Montag irgendwann.

Was noch? Ach ja, Bums drei treibt mich an den Rand des Nervenzusammenbruchs und wird so ganz, ganz anders, und ich bin so gespannt...egal. Bisschen dauert es noch, rechnet mal gegen Ende des Jahres damit.

Ansonsten einen schönen, möglichst besinnlichen vorweihnachtlichen Endspurt.

Liebe, Liebe, Liebe und das ganz große Vermissen! ♡♡♡

P.S.: eigentlich hatte ich das hier gar nicht geplant, aber ich mag ihn halt so. ;) ♡♡♡
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Manchmal kommt sie hier vorbei
Aber stehen bleibt sie nie
Manchmal nehme ich mir frei
Und dann wart ich hier auf sie auf sie - das schöne Mädchen (Farin Urlaub)


21.12.2019, Berlin, Stadtteil Frohnau, 13:37 Uhr

„Konzentration, du verwöhnte Rockstargöre, dein Pferd schläft ja fast ein.“

Charlotte stand an der Bande und beobachtete mit einer Mischung aus Bewunderung und Ratlosigkeit, wie ihre Tochter sich von ihrem Reitlehrer quer durch die Halle rumkommandieren ließ.

Ausgerechnet ihre Tochter, jung, hübsch, intelligent, aufbrausend und schlagfertig, ließ sich in ihrer Freizeit freiwillig von einem knapp dreißig Jahre älteren Mann anschreien, und fand das offensichtlich auch noch ganz normal.

Charlotte hatte lange Zeit gehofft, die Reiterei würde irgendwann in den Hintergrund treten, aber trotz stetig näher kommenden Physikums verbrachte Alexandra nach wie vor jede freie Minute im Stall, auf einem ihrer mittlerweile drei Pferde oder auf irgendeinem Turnier.

Lotte hatte sich zwischenzeitlich mit dem Hobby ihrer Tochter abgefunden. Dank ihrer Reitbeteiligungen litt das Studium nicht darunter, und außerdem ging sie in dieser ganz eigenen Pferdewelt ja offensichtlich voll und ganz auf.

Charlotte selbst war jedoch nur selten zu Gast im Reitstall. Sie hatte Angst vor Pferden, war darüber hinaus allergisch gegen Heu und konnte noch dazu nur schlecht hinsehen, wenn ihre Tochter, so wie jetzt, durch den Parcours ritt – sie hatte ständig Angst um ihr Baby, denn genau dieses würde Alexandra nun mal ihr ganzes Leben lang bleiben.

Heute hatte sie jedoch die Wintersonne an die frische Luft gelockt, und so hatte sie sich entschlossen, zusammen mit Nala einen ausgedehnten Spaziergang durch Frohnau zu unternehmen, der sie, aus welchen Gründen auch immer, sie - bewusst oder unbewusst - zum Stall geführt hatte.

Sie zog den Reißverschluss ihrer Jacke höher und die Mütze weiter über ihre Ohren. Warum musste es in diesen Hallen eigentlich immer so verdammt kalt sein?

Sie bemerkte, dass Nala, die bis gerade friedlich zu ihren Füßen gelegen hatte, den Kopf hob und folgte ihrem Blick.

Auf den Hof fuhr in diesem Moment ein schwarzer Golf GTI mit einem Kölner Kennzeichen, und parkte direkt neben Alexandras Mini Cooper ein.

Als sich die Autotür öffnete, sprang Charlottes Hund auf und rannte über den Hof.

Charlotte sah ihr stirnrunzelnd nach.

Simba und Nala waren rassetypische Hütehunde und daher nur auf ihre Rudelmitglieder fixiert. Fremde wurden von den beiden komplett ignoriert, dafür hörten sie bei allen Mitgliedern der Familie Vetter aufs Wort, liefen problemlos am Pferd mit und brachten die Hausschuhe.

Für die Begrüßungsszene, die sich gerade zwischen ihrer Hündin und dem jungen Mann, der inzwischen auf dem Boden kniete und beide Hände in ihrem Fell vergraben hatte, abspielte, konnte es daher nur eine einzige Begründung geben: offensichtlich handelte es sich hierbei um ein Rudelmitglied, welches Charlotte noch nicht kannte, zumindest nicht persönlich.

Lotte pfiff auf den Fingern nach ihrem Hund, woraufhin Nala mit fast schon schuldbewusstem Blick zu ihr zurückkehrte.

Charlotte deutete mit dem Finger auf den Boden, woraufhin die Hündin ihren Platz wieder einnahm.

Lotte sah dem jungen Mann, der im Hofcafé verschwand, stirnrunzelnd nach und verstand plötzlich, was es mit Alexandras recht ausgedehnten Wochenendausflügen zu ihren Düsseldorfer Großeltern in den letzten Wochen und Monaten auf sich gehabt haben musste.

Sie seufzte resigniert und wandte sich wieder dem Geschehen in der Reithalle zu.

Offensichtlich hatte Alexandra weder Charlotte noch den anderen Gast bisher bemerkt, oder ließ sich zumindest nichts anmerken.

„Wie trinken Sie Ihren Kaffee, Frau Vetter?“

„Viel Milch, einen Löffel Zucker. Vielen Dank, Herr Gemke.“

Einen Moment später nahm sie Henning, der inzwischen neben sie getreten war, lächelnd die Kaffeetasse ab.

„Du warst also der Grund für ihre zahlreichen Besuche in Düsseldorf in der letzten Zeit.“

„Auch, ja. Zumindest hoffe ich das.“

Einen Moment beobachteten sie schweigend, wie Alexandra ihre Stute über die Hindernisse scheuchte.

„Sie ist gut, oder?“

„Sie ist, merkwürdigerweise, in allen Dingen gut, die sie anfasst, warum auch immer. Aber ja, hier ist sie mit ganzem Herzen dabei. Jedenfalls verdient sie mittlerweile sogar ein wenig Geld mit der Reiterei.“

Charlotte wärmte ihre Hände an ihrer Kaffeetasse und schaute weiter stur auf den Parcours.

„Frau Vetter, ich will mich gar nicht aufdrängen, ich weiß, dass Sie wahrscheinlich aufgrund Ihrer eigenen Erfahrungen nicht allzu glücklich sind, ausgerechnet mich als potenziellen Schwiegersohn zu bekommen, und das verstehe ich sogar. Aber Sie sollen trotzdem wissen, dass ich es durchaus ernst mit Ihrer Tochter meine.“

Charlottes verbarg ihr Lächeln hinter ihrer Kaffeetasse.

„So ernst, wie es Rockstars halt so meinen, oder?“

„Sie sind mit einem verheiratet, also hat zumindest der es ja wohl ernst gemeint, oder?“

Charlotte lachte.

„Du bist schlagfertig, du passt zu uns. Übrigens, ich heiße Charlotte.“

Sie sah Henning an, auf dessen Gesicht sich Erleichterung breit machte.

„Freut mich. Ich heiße Henning.“

Sie umarmte ihn kurz.

„Und, Henning, bleibst du über Weihnachten bei uns?“

„Nein, nur bis übermorgen, dann muss ich zurück, mein Papa ist sonst todunglücklich.“

„Das verstehe ich. Bleiben uns immerhin fast drei Tage, uns kennenzulernen. Ich nehme an, du wohnst bei uns?“

Sie sah ihn fragend an.

„Also, ich kann auch ins Hotel, wenn das ein Problem ist.“

Sie lächelte ihn an.

„Ist natürlich kein Problem, auch wenn ich mich gerade frage, wann unsere Tochter uns das wohl erzählen wollte.“

„Hat sie meinen Besuch nicht angekündigt?“

Charlotte hob die Schultern.

„Nein. Nehmen wir das mal einfach so zur Kenntnis.“

Einen Moment herrschte wieder Schweigen.

„Ist Jan auch daheim oder noch in Hamburg?“

Charlotte sah ihn von der Seite an.

„Meinen Mann kennst du schon?“

Sie versuchte, nicht zu verärgert zu klingen.

„Ja, schon aus beruflichen Gründen. Arnim ist ein guter, gemeinsamer Freund von uns.“

Lotte nickte zustimmend und entschied, keine weiteren Fragen zu stellen.

Jan und Alexandra hatten eben nach wie vor dieses spezielle Verhältnis zueinander, was sie wohl nie ganz verstehen würde.

„Ja, er ist seit gestern wieder hier und bleibt auch bis ins neue Jahr. Jetzt gerade ist er mit dem anderen Hund unterwegs.“

Henning nickte zustimmend.

Alexandra hatte derweil ihr Pferd angehalten und sprach noch ein paar Worte mit ihrem Trainer, bevor sie schließlich abstieg.

Charlotte öffnete die Tür, seufzte und lief dann mit ihren guten Winterschuhen durch die Reithalle.

„Alex?“

„Mama? Was treibt dich hier her?“

Alex drückte ihrem Reitlehrer die Zügel in die Hand und umarmte ihre Mutter.

„Der Zufall, ehrlich gesagt. Hatte aber ein nettes Kaffeekränzchen."

Sie deutete mit dem Kopf an die Bande.

Alex schlug sich demonstrativ mit der Hand gegen die Stirn.

„Mama, ich…“

Charlotte griff nach dem Arm ihrer Tochter.

„Alles gut, Babymaus. Sag' mir nur nächstes Mal bitte vorher Bescheid, ja?“

Alex lächelte sie dankbar an.

„Mache ich, versprochen.“

„Gut. Und jetzt gib' mir mal bitte deinen Autoschlüssel. Ich bin komplett durchgefroren und möchte schnell nach Hause. Dein persönlicher Taxifahrer ist ja schon hier.“

Alex öffnete die Tasche ihrer Weste und überreichte Charlotte ihre Autoschlüssel.

„Danke, Schatz. Wir sehen uns dann zu Hause. Kommt ihr bald?“

„Nur noch absatteln, ja.“

„Alles klar, dann bis gleich.“

„Bis gleich. Mama?“

Charlotte drehte sich noch einmal zu ihrer Tochter um.

„Ja?“

„Danke. Für alles.“

Charlotte lächelte, warf ihrer Tochter eine Kusshand zu, nickte Henning im Vorbeigehen zu, ließ Nala auf der Beifahrerseite einsteigen und sich dann auf den Fahrersitz von Alexandras Auto fallen.

Dort zog sie ihr Handy aus der Tasche und drückte eine Kurzwahltaste.

„Lotti?“

„Meister, wir gehen heute Abend aus.“

„Ach?“

„Ja. Unser Schwiegersohn ist da.“

„Wir haben einen Schwiegersohn?“

„Tu nicht so. Du kennst ihn doch.“

„Vielleicht hat sie mal was erwähnt, ja.“

„Spinner. Bin gleich daheim, du auch?“

„Gerade rein.“

„Alles klar. Bis gleich.“

„Bis gleich, Schatz.“

Sie warf ihr Handy auf den Beifahrersitz und startete den Motor.

Lächelnd beobachtete sie, wie ihre Tochter mit Pferd und Freund gemeinsam den Hof in Richtung Stall überquerte.

„Na dann, schönen vierten Advent.“, sagte sie zu sich selbst.

Dann legte sie den Rückwärtsgang ein und fuhr vom Hof.