Tonks & die Rumtreiber

von Sandy369
GeschichteRomanze, Freundschaft / P6
James "Krone" Potter Nymphadora Tonks OC (Own Character) Peter "Wurmschwanz" Pettigrew Remus "Moony" Lupin Sirius "Tatze" Black
21.12.2019
19.01.2020
10
25502
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Hallo zusammen,
hier bin ich wieder mit einem etwas kürzeren Kapitel. Das nächste wird dann umso länger.
Ich würde mich wirklich sehr über ein wenig Feedback freuen!
Liebe Grüße
Sandy


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Als Tonks am nächsten Morgen von der Wintersonne geweckt wurde, waren Hailey und Mary zu ihrer Überraschung schon wach. Mary stand vor dem Spiegel und brachte ihre schwarzen Locken in Form und Hailey kam offensichtlich gerade aus der Dusche; sie trug einen Bademantel und hatte ihre nassen Haare in einen Handtuchturban gewickelt.
„Oh, du bist wach!“, sagte sie erfreut, als ihr Blick auf Tonks fiel, die sich verschlafen aufrichtete. „Sehr gut, denn ich habe Neuigkeiten für dich.“
Sie ließ sich neben Tonks auf die Matratze fallen und zog die Beine an. Tonks schaute sie an und gähnte. „Hat das nicht Zeit bis nach dem Frühstück?“
Hailey schüttelte energisch den Kopf. „Glaub mir, das willst du sofort wissen“, sagte sie eindringlich.
„Sie hat Recht“, kam es von Mary.
Jetzt war Tonks’ Interesse geweckt. Neugierig sah sie Hailey an.
„Ich habe etwas herausgefunden“, sagte Hailey in dramatischem Tonfall und machte eine Pause. Tonks wusste, wie sehr ihre Freundin solche Momente genoss. Ihre Augen funkelten und ein Lächeln lag auf ihren Lippen.
„Es geht um Remus’ Geheimnis.“ Es folgte eine weitere Pause und Tonks verdrehte genervt die Augen.
„Jetzt sag schon, was passiert ist“, drängte sie gespannt.
Hailey warf einen vielsagenden Blick zu Mary, die nur grinste und sich dann weiter ihren Locken widmete. „Ich habe ein Gespräch belauscht, zwischen Sirius und James“, erzählte Hailey. „Die, wie du weißt, zu Remus’ engsten Freunden gehören.“
Tonks seufzte entnervt und Mary ließ ein ersticktes Lachen hören.
„Ich weiß, Hailey“, sagte Tonks. „Jetzt spuck schon aus, was du herausgefunden hast.“
„Besagte beste Freunde unterhielten sich über einen gewissen Remus Lupin“, erklärte Hailey. „Und sie sagten ein paar ziemlich eigenartige Dinge…“
„Hailey, ich schwöre bei Merlins Unterhosen, wenn du jetzt nicht endlich sagst, was du weißt…“, begann Tonks, und Hailey hob beschwichtigend die Hände.
„Ist ja schon gut, schon gut“, sagte sie, sichtlich enttäuscht. „Ich sag’s dir ja schon. Also: James sagte, es wäre ein Jammer, dass Remus nicht zum Ball kommen konnte. Und Sirius sagte, dass es ihm vor allem für dich leid täte, weil du ihn gefragt hast und weil er sich sicher war, dass Remus’ Antwort vermutlich so geklungen hatte, als würde er nicht mit dir hingehen wollen, und nicht so als ob er nicht könnte. Und James fragte Sirius, ob er glaubt, dass Remus dir zugesagt hätte, wenn er zum Ball hätte gehen können, und daraufhin sagte Sirius, dass er weiß dass Remus dich sehr mag, aber dass er wegen seinem pelzigen Problem vielleicht trotzdem Nein gesagt hätte.“
Tonks starrte sie an. „Sein pelziges Problem?“, wiederholte sie ungläubig. „Das hat er gesagt?“
„Genau das“, bestätigte Hailey. „Aber hast du gehört, was ich gesagt habe? Remus konnte tatsächlich nicht auf den Ball kommen, dass er dir abgesagt hat, hatte also nichts mit dir zu tun.“
„Das heißt aber immer noch nicht, dass er Ja gesagt hätte, wenn er zum Ball hätte gehen können“, wandte Tonks ein. „Und außerdem bin ich dir dankbar dafür, dass du das rausgefunden hast, aber eigentlich bin ich jetzt kein Stück schlauer. Remus hat also ein pelziges Problem? Was soll das sein? Und warum sollte ihn das daran hindern, mit mir auf den Ball zu gehen?“
„Das pelzige Problem war nicht zwingend der Grund dafür, dass Remus nicht auf den Ball gehen konnte“, korrigierte Hailey. „Sirius glaubt, dass Remus wegen dem pelzigen Problem Nein gesagt hätte, selbst wenn er zum Ball gegangen wäre, aber der Grund, warum er nicht zum Ball gehen konnte, könnte ein anderer sein.“
Tonks schwirrte der Kopf. Sie vergrub das Gesicht in den Händen und stöhnte auf.
„Also bin ich tatsächlich kein Stück schlauer als vorher.“
„Natürlich bist du das“, widersprach Hailey heiter.
Tonks sah sie verwirrt an.
Hailey tauschte einen vielsagenden Blick mit Mary und schaute dann wieder Tonks mit blitzenden Augen an. „Sirius hat gesagt, dass Remus dich sehr mag.“

Als sie zum Frühstück in die Große Halle gingen, waren die Rumtreiber noch nicht da. Während sie lustlos an einer Scheibe Toast rumkaute, schaute Tonks immer wieder zur Eingangshalle.
Als sie schließlich Sirius’ schwarzen Haarschopf entdeckte, machte ihr Herz einen Satz. Angestrengt reckte sie den Hals, aber zu ihrer großen Enttäuschung musste sie feststellen, dass Sirius nur in Begleitung von James und Peter zum Frühstück kam. Remus war nirgendwo zu sehen.
Hailey entdeckte die drei Rumtreiber ebenfalls und winkte Sirius zu, der daraufhin mit den anderen beiden im Schlepptau den Tisch entlang zu ihr kam.
„Remus ist wieder nicht da“, flüsterte Hailey Tonks über den Tisch hinweg zu, „sehr verdächtig.“
Tonks zuckte nur die Achseln.
Sirius setzte sich auf den freien Platz neben Hailey, Peter neben ihn und James neben Tonks.
„Hey“, begrüßte er sie fröhlich, „ich hab dich gestern gar nicht auf dem Ball gesehen.“
„Ich war auch nicht da“, entgegnete Tonks kurz angebunden und ohne ihn anzusehen.
„Sehr schade“, kommentierte James. Tonks erwiderte nichts.
„Apropos Abwesenheit“, begann Hailey und Tonks warf ihr einen kurzen Blick zu, „wo ist denn Remus heute? Und wo war er gestern?“
Obwohl Tonks wieder auf ihren Teller schaute, entging ihr nicht, dass Sirius und James einen Blick tauschten.
„Es gab einen Familiennotfall“, sagte Sirius. Seine Stimme klang merkwürdig angespannt.
„Familiennotfall, aha“, sagte Hailey in einem Tonfall, als würde sie kein Wort glauben. „Was denn für ein Notfall?“
„Das… ist wirklich nichts, worüber wir sprechen sollten“, sagte Sirius nervös. „Das geht niemanden was an, uns eingeschlossen. Wenn du wissen willst, was los ist, musst du ihn selbst fragen.“
Tonks spürte, wie Wut in ihr hoch stieg, und sah Sirius an. Er erwiderte ihren Blick mit demselben schuldbewussten Gesichtsausdruck wie damals als Remus sie im Gemeinschaftsraum hatte sitzen lassen.
Tonks erinnerte sich noch zu gut an diesen Abend. Wie fertig Remus ausgesehen hatte, an seine Müdigkeit, die Narben an seinen Händen und die Wunde an seinem Hals…
Sie wusste nicht, warum Remus seit dem Vortag abwesend war. Aber sie war sich sicher, dass es nichts mit einem Familiennotfall zu tun hatte.

Als die drei Mädchen wieder in ihren Schlafsaal zurückkehrten, warf Tonks sich aufs Bett und vergrub das Gesicht in ihrem Kissen.
„Tonks, ist alles okay?“, fragte Hailey besorgt.
Tonks setzte sich auf und starrte ihre Freundin wütend an. „Okay? Sehe ich aus, als ob alles okay wäre?“ Sie schleuderte ihr Kissen durch den Raum. „Remus wollte nicht mit mir zum Ball gehen und ich weiß nicht warum, Remus hat irgendein verrücktes Geheimnis, das alle seine Freunde kennen aber ich nicht, Remus hat ein pelziges Problem und ich habe keine Ahnung was das bedeutet und Remus ist immer noch nicht da und mein Großcousin lügt mich höchstwahrscheinlich an.“ Frustriert vergrub sie das Gesicht in ihren Händen. „Nichts ist okay.“
Hailey setzte sich neben sie aufs Bett und legte einen Arm um sie. „Ich weiß, dass das blöd für dich ist“, sagte sie mitfühlend, „aber es wird sich alles aufklären. Da bin ich mir ganz sicher.“
„Was ist, wenn ich gar nicht will, dass es sich aufklärt?“ Tonks sprang auf und begann, im Schlafsaal auf und ab zu gehen. „Ich meine, ich will wissen, was los ist, natürlich will ich das, aber was ist, wenn ich es gar nicht mehr wissen will, wenn ich es weiß?“
„Wie bitte?“, fragte Mary verwirrt. „Wovon redest du?“
Tonks fuhr sich durch die Haare. „Die Sache ist so furchtbar kompliziert“, erklärte sie. „Mit Remus stimmt etwas nicht. Was ist, wenn sein Geheimnis etwas wirklich Furchtbares ist? Was ist, wenn es etwas mit dem Krieg zu tun hat?“
Der Krieg war ein eigenartiges Thema für die drei Freundinnen. Sie waren sich alle drei bewusst, dass er stattfand, aber in der sicheren Blase, die Hogwarts für sie darstellte, war es schwer, den Ereignissen der echten Welt zu folgen. Tonks wusste von ihren Eltern, dass man dem Tagespropheten nicht mehr trauen konnte, und obwohl sie ihn aus Neugierde trotzdem manchmal las, konnte sie kein Wort für bare Münze nehmen. Ab und an hörten sie von Mitschülern, deren Familienmitglieder verschwanden oder getötet wurden, aber sie erfuhren nie Einzelheiten. Marys Mutter und Haileys Vater arbeiteten im Ministerium, weigerten sich jedoch, ihre Töchter über jegliche besorgniserregenden Ereignisse zu informieren, und Sirius, der einst durch seine Familie eine zuverlässige Informationsquelle gewesen war, wusste nicht viel mehr als Tonks, seit er von zuhause ausgezogen war. Es frustrierte Tonks zutiefst, nicht zu wissen, was in der Welt vorging, und die Vorstellung, dass Remus irgendwie darin verstrickt sein könnte, beunruhigte sie.
„Mit dem Krieg?“, wiederholte Mary. „Was um alles in der Welt soll Lupin mit dem Krieg zu tun haben?“
„Keine Ahnung.“ Tonks biss sich auf die Lippe. „Vielleicht steckt er in irgendwelchen dunklen Machenschaften. Was ist, wenn er jemanden umgebracht hat oder sich den Todessern anschließen will?“
„Das ist doch albern!“, sagte Hailey entschieden und stand ebenfalls auf. „Seine Freunde wissen doch offensichtlich von seinem Geheimnis. Glaubst du wirklich, Sirius wäre noch mit ihm befreundet, wenn er wüsste, dass Remus jemanden umgebracht hätte? Oder ein Anhänger von Du-weißt-schon-wem wäre?“
„Nein, nein, du hast ja recht.“ Tonks wusste, dass es ein absurder Gedanke war. Remus war der gutherzigste Mensch, der ihr je begegnet war, und sie weigerte sich, zu glauben, dass sie sich in ihm täuschte. „Aber was soll es sonst sein?“
Hailey seufzte. „Okay, lasst uns die Fakten zusammentragen“, entschied sie. „Was wissen wir?“
„Einiges und doch irgendwie nichts“, stöhnte Tonks.
„Wir wissen, dass Remus zwar drei gute Freunde hat, aber auch sehr still und manchmal allein ist“, begann Hailey, ohne auf Tonks’ Antwort einzugehen.
„Wir wissen, dass er Tonks gern hat“, fuhr Mary fort, „weil er viel Zeit mit ihr verbracht hat und weil Sirius so etwas in die Richtung gesagt hat.“
„Toll“, murmelte Tonks.
„Es wäre vielleicht hilfreich, wenn du auch etwas dazu beitragen könntest“, sagte Hailey leicht gereizt und Tonks seufzte.
„Er… redet wenig und hört mehr zu“, wiederholte sie das, was Sirius ihr einst über Remus erzählt hatte. „Er ist einfühlsam und verständnisvoll, wahnsinnig gut in der Schule, geduldig…“ Plötzlich fielen ihr wieder Sirius’ rätselhafte Worte ein. „Er ist geduldig, aber er hat seine wunden Punkte.“
„Wie bitte?“, fragte Mary verwundert.
„Das hat Sirius mir erzählt“, erwiderte Tonks. „Ich hab nicht verstanden, was es bedeuten soll.“
„Okay, gut so, Tonks“, sagte Hailey eifrig, „was noch?“
„Als er seine Grippe hatte, sah er danach nicht so aus, als wäre es nur eine Grippe gewesen“, erzählte Tonks, plötzlich aufgeregt. „Er hatte eine relativ frische Wunde am Hals… und damals sind mir auch die Narben an seinen Händen zum ersten Mal aufgefallen.“
Mary verzog das Gesicht. Hailey sagte: „War das mit der Grippe nicht kurz bevor er dich im Gemeinschaftsraum hat sitzen lassen?“
Tonks nickte. Hailey schien fieberhaft nachzudenken.
„Du glaubst also, dass das mit der Grippe nur eine Ausrede war?“, fragte sie.
Tonks zuckte die Achseln. „Es kam mir jedenfalls komisch vor“, sagte sie und runzelte die Stirn. „Genau wie das Wochenende, an dem er seine Eltern besucht hat, weil seine Mutter krank war, und er danach so aussah, als sei er selber krank.“
„Und dieser Familiennotfall war eindeutig auch eine Ausrede“, warf Mary ein.
Hailey nickte nachdenklich.
„Okay, also hat Remus Tonks inzwischen drei Mal belogen“, stellte sie fest. „Beziehungsweise andere Leute für sich lügen lassen.“
„Das wissen wir doch überhaupt nicht“, protestierte Tonks. „Das mit seiner Mutter könnte wahr sein. Vielleicht hat ihn das einfach alles so sehr belastet, dass er deshalb so müde aussah. Und das mit der Grippe könnte auch stimmen. Und der Familiennotfall auch. Vielleicht wurden seine Eltern angegriffen?“
„Aber das hätte er dann doch nicht vor Tagen schon gewusst“, wandte Hailey ein. „Er wusste ja anscheinend schon, dass er gestern und heute fehlen würde, als er dir für den Ball abgesagt hat.“
Tonks zuckte die Achseln. „Vielleicht hat das wirklich nichts miteinander zu tun. Vielleicht wollte er einfach nicht mit mir zum Ball gehen und dann hat ein Familiennotfall dafür gesorgt, dass er tatsächlich nicht hingehen konnte.“
Hailey verdrehte die Augen. „Er hat gesagt, dass er nicht zum Ball gehen würde, nicht, dass er nicht mit dir hingehen wollte“, sagte sie zum tausendsten Mal. „Und selbst wenn das so einfach wäre, bräuchten wir immer noch eine Erklärung für die Wunde an seinem Hals.“
„Vielleicht hat er sich duelliert“, schlug Mary vor.
„Und sein pelziges Problem?“, schoss Hailey zurück. „Wie passt das dann darein?“
Tonks stöhnte auf und ließ sich wieder aufs Bett fallen.
„Vielleicht hält Lupin ein gefährliches Tier im Schlafsaal?“, sagte Mary. „Oder sonst irgendwo im Schloss.“
Tonks fiel der Raum der Wünsche ein, den Remus ihr gezeigt hatte. Das wäre der perfekte Ort für ein illegales Haustier.
Aber irgendwie passte es nicht zu Remus, verbotenerweise ein Tier im Schloss zu verstecken.
„Das wäre eher eine Sache für James oder Sirius“, meinte auch Hailey.
„Woher wollen wir das wissen?“, fragte Mary herausfordernd. „Woher wissen wir, ob Lupin der Typ dafür ist? Ich meine, immerhin stimmt irgendetwas mit ihm nicht, er verheimlicht irgendetwas. Kennen wir ihn überhaupt richtig?“
„Was willst du damit sagen?“, fragte Tonks mit einem Anflug von Entrüstung. „Glaubst du, ich kann ihn überhaupt nicht einschätzen und er ist gar nicht so nett wie ich denke?“
„Du hast gerade selbst noch gesagt, dass er ein Todesser sein könnte“, erinnerte Mary sie. „Was natürlich absurd ist. Ich meine nur, von dunkler Magie mal abgesehen sollten wir alle Möglichkeiten in Betracht ziehen und nicht Dinge ausschließen, weil sie nicht zu ihm passen. Alles könnte passen.“
Tonks seufzte erneut. „Wie sollen wir nur jemals herausfinden, was es ist?“, fragte sie mit einem Anflug von Resignation. „Wir haben gerade alle bekannten Fakten zusammengetragen und sind genauso schlau wie vorher.“
Ein diebisches Lächeln breitete sich auf Haileys Gesicht aus. „Wir werden einen Weg finden.“
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