Mistletoe and Wine

GeschichteRomanze / P18
Dirk Matthies
20.12.2019
31.12.2019
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“A time for living, a time for believing”
(Mistletoe and Wine - Cliff RIchard)

“Herr Krabbe, das ist eine gute Idee”, sagte die Küppers und ein Lächeln umspielte ihre Mundwinkel.

“Wir brauchen alle ein bisschen mehr den guten Geist von Weihnachten in diesen dunklen Tagen”, fuhr sie fort und lächelte.

Krabbe lächelte zurück und spürte wie ihm das Blut in den Kopf schoss. Sie hatte ihn gelobt. Und angelächelt. Er genoß diese kleinen Aufmerksamkeitsbekundungen von ihr.

Er räusperte sich.

“Gerne, Frau Küppers”, stammelte er. “Ich dachte, das wäre mal …”, er suchte nach den richtigen Worten, zuckte dann entschuldigend mit den Schultern. “N´Büschen Weihnachtsdeko ist doch ganz schön”, fuhr er fort.

“Sie haben Recht”, seine Chefin schaute ihn an und er erwiderte den Blick.  

Irrte er oder lächelte sie ihn gerade auf eine ganz andere Art und Weise an als sonst?
Ihm wurde plötzlich sehr heiß.

Sie war mindestens einen Kopf kleiner als er, aber das war nicht schlimm. Sie griff nach seinem Kragen und zog ihn langsam zu sich heran.Wie in Zeitlupe. Hannes schluckte und merkte, dass ihm der Schweiß ausbrach. Sie wollte ihn ernsthaft küssen! Hannes atmete schneller und schloss die Augen für einen kurzen Augenblick. Das konnte doch nicht wahr sein. Sein größter Traum schien wahr zu werden. Hier und jetzt in diesem Moment! Sein Herz schlug schneller. Gleich würde sich ihre Lippen berühren...

“Hannes!” Daniel schaute seinen Kollegen skeptisch von der Seite an, weil er fand, dass dieser gerade irgendwie komisch aussah.

“Hannes!”, wiederholte er etwas lauter, aber der rothaarige Hühne reagierte immer noch nicht. Er stand einfach im Türrahmen und hielt den Mistelzweig in den Händen.

“Hannes!!!”, Daniel schrie jetzt fast und schnippste mit den Fingern vor der Nase seines Kollegen rum.

Hannes zuckte zusammen und schaute ihn dümmlich an.

“Hannes, bist Du wieder da?”, fragte Daniel schließlich.

Krabbe blinzelte und schaute seinen Kollegen an. Daniel hatte seinen Tagtraum gestört und jetzt war alles vorbei. Er seufzte beleidigt.

“Ja, bin ich”, sagte er leise und hing noch einen Augenblick wehmütig seinen Gedanken nach.

Daniel deutete auf den Mistelzweig.

“Bist Du sicher, dass Du den auch noch aufhängen willst?”, fragte er skeptisch und schaute zu dem Platz über der Tür, wo der Zweig befestigt werden sollte

“Ja klar, das gehört doch irgendwie auch zu Weihnachten”, entgegnete Hannes und in seiner Stimme schwang ein bisschen Hoffnung. Er musste ja eigentlich nur zufällig seine Chefin in der Tür treffen…Und heute Abend war ja schließlich Weihnachtsfeier…  

Daniel zuckte mit den Schultern und schaute sich um. Hannes hatte es in diesem Jahr mit der Weihnachtsdeko ein bisschen übertrieben. Eine Lichterkette im Fenster, überall Weihnachtskitsch und auf dem Tisch stand ein tanzender kleiner Tannenbaum, der Jingle Bells spielte, wenn man ihn an einer bestimmten Stelle drückte. Ganz zu schweigen von dem dekorierten Minibäumchen auf der Theke im Wachraum.

Hannes hämmerte kurz und der MIstelzweig hing über der Tür. Daniel schüttelte den Kopf.
Hoffenltich würde das nicht peinlich werden. Er würde jedenfalls in der nächsten Zeit sehr genau darauf achten, mit wem er in die Küche ging.

***

Als Regina Küppers den Wachraum des PK 14 betrat, musste sie tief Luft holen. Anscheinend hatte sich der Geist der Weihnacht auch hier ausgetobt. Sie hatte die Ahnung, dass er den Namen Hannes Krabbe trug. Neben dem normalen Weihnachtsbaum, der im Eingangsbereich stand und dort auch jedes Jahr hingehörte, hatte er die Theke mit einer Weihnachtsbaum-Miniaturausgabe verschönert. An den Fenstern hingen Zuckerstangen und an das Fensterglas hatte er mit einem Kreidestift Schneekristalle gemalt.

Sie seufzte. Weihnachten war ohnehin nicht ihre Welt, aber das hier war einfach zuviel.

“Guten Morgen, meine Herren”, begrüßte sie Krabbe und Schirmer. Diese antworteten fast synchron mit einem “Moin”. “Herr Krabbe, kann ich Sie mal sprechen?” fragte sie und bemühte sich um einen freundlichen Tonfall.

Krabbe sprang von seinem Schreibtisch auf.

“Natürlich Frau Küppers!”, sagte er und sie realisierte, dass er rot wurde.

Er ging zur Theke und warf einen Seitenblick auf Daniel.

“Herr Krabbe”, begann sie und schaute ihn an.

Nur nicht wieder in eine Fantasie abdriften, rief sich Hannes ins Gedächtnis, als sie so nahe vor ihm stand.

“Herr Krabbe”, sie schaute ihn an und schnippste mit den Fingern vor seiner Nase
“Hören Sie mir überhaupt zu?”, fragte sie schließlich weil sie sich nicht sicher war, ob er ihr zuhörte. Sein Blick sah irgendwie seltsam aus.

“Natürlich, Frau Küppers”, er schluckte und schaute sie an.

“Herr Krabbe, ich kann verstehen, dass manche Leute Weihnachten ganz toll finden”; begann sie. “Ich gehöre nicht unbedingt dazu, aber ich nehme es hin. Es kann ja schließlich auch nicht jeder Schokolade mögen”, fuhr sie fort.

“Ich mag Schokolade”, sagte Hannes grinsend, worauf sie die Augen rollte.

“Herr Krabbe, wir sind eine öffentliche Anstalt und Institution und kein Weihnachtsmarkt. Machen sie das weg!”, sie deutete auf die Fenster.

“Im Aufenthaltsraum können Sie machen, was sie wollen, aber hier haben wir Kundschaft, das geht nicht”, fuhr sie fort und hoffte insgeheim, dass sich Krabbe nicht zu sehr im Aufenthaltsraum ausgetobt hatte.

“Na gut, Frau Küppers”, antwortete Hannes enttäuscht. Sie seufzte. Manchmal hatte sie das Gefühl, sie hatte es hier mit einem Kindergarten zu tun.

“Na gut”, sagte sie etwas milder und deutete auf das kleine blinkende Bäumchen auf der Theke.
“Den können Sie meinetwegen stehen lassen”, fuhr sie fort. “Aber machen Sie die Beleuchtung aus, bei dem Geblinke wird man ja wahnsinnig”

“Danke Frau Küppers”, sagte Hannes grinsend.

Als die Chefin in ihrem Büro verschwand, machte er sich daran, die Fenster wieder abzuschmücken.

Daniel beobachtete ihn dabei.

“Ich hab Dir doch gesagt, es ist zuviel”, sagte er, aber Hannes zuckte nur mit den Schultern. Das Bäumchen durfte stehenbleiben. Und was er im Aufenthaltsraum machte, war schließlich seine Sache.

Während er die Zuckerstangen von den Fenstern entfernte, sang er leise Jingle Bells.

[Okay, ich habe lange überlegt, ob ich in diesem Jahr auch wieder eine Weihnachtsgeschichte schreiben soll oder nicht. So eine richtige Weihnachtsstimmung wollte sich bisher bei mir noch gar nicht einstellen, ich habe einen neuen Job und auch ansonsten viel Stress im Moment und hänge ja auch ansonsten mit meinen Geschichten ganz schön hinterher. Und dann hatte ich doch wieder eine Idee und eigentlich sind Weihnachtsgeschichten immer schön :) Sie wird dieses Jahr wahrscheinlich nicht wahnsinnig lang ausfallen, aber vielleicht kommt ja dann doch noch ein bisschen Weihnachtsstimmung auf... Viel Spaß beim Lesen!)
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