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Kleine Reviewecke

von Mujika
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
19.12.2019
03.07.2020
12
25.937
3
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
19.12.2019 1.502
 
„Beurteile ein Buch nicht nach seinem Einband“ ist wohl einer der bekanntesten Sprüche, die es überhaupt gibt. Ähnlich kann man bei Serien sagen, dass man sie nicht nach den ersten zwei, drei Folgen beurteilen solle. Puella Magi Madoka Magica baut auf genau diese Sprüche auf. Da der Manga auf den Anime basiert und nicht anders herum, wie es sonst meistens der Fall ist, werde ich ab und zu auch auf diesen eingehen. Aber wer weiß, vielleicht bekommt der Anime auch mal sein eigenes Review.
Die Cover dieser Reihe lassen nichts schlimmes vermuten. Insgesamt sieht man lediglich fünf Mädchen, welche hübsche Kostüme an haben und passende Waffen bei sich tragen. Zuerst kann man also annehmen, dass es sich hierbei um eine weitere Magical Girl Reihe handelt und ähnlich ablaufen wird wie Sailor Moon. Ein paar Mädchen sind dazu bestimmt, die Welt zu retten, weswegen sie magische Kräfte bekommen. Sie bestreiten einige Kämpfe zusammen, die sie mit der Kraft der Liebe und der Freundschaft gewinnen und alles endet gut.
Am Anfang scheint es auch darauf hinauszulaufen. Die ersten zwei Kapitel, beziehungsweise die ersten zwei Folgen, hüllen einen in dieses Vorurteil ein, weswegen man eine heitere Unterhaltung für Zwischendurch erwartet.

Ganz so heiter ist die Geschichte aber schon von Anfang an nicht. Die Reihe dreht sich um die Achtklässlerin Madoka Kaname, welche ein unbeschwertes, sorgloses Leben führt. Gemeinsam mit ihrer Freundin Sayaka Miki findet sie ein Wesen namens Kyubey, welches ihnen jeden Wunsch erfüllen kann. Im Gegenzug dazu müssten sie nur zu Magical Girls werden, um Hexen zu bekämpfen. Dabei ist es egal, was für ein Wunsch es ist. Man könnte sich unendlichen Reichtum oder die Genesung einer Person wünschen und dies würde geschehen. Eigentlich klingt es dann doch nach einem fairen Deal, oder?
Mami Tomoe, welche eines dieser Magical Girls ist, nimmt die beiden von da an mit auf ihre Streifzüge und Kämpfe, damit Madoka und Sayaka einen ersten Eindruck darüber gewinnen können. Da sich beide ohnehin noch nicht für einen Wunsch entscheiden konnten, kam ihnen dies auch nur sehr recht. Immerhin ist dies eine wichtige Entscheidung, die nicht überstürzt werden darf. Sobald der Wunsch ausgesprochen und erfüllt wurde, kann dieser nicht mehr rückgängig gemacht werden.
Währenddessen setzt Homura Akemi, die neue Mitschülerin von Madoka und Sayaka, alles daran, dass Madoka auf gar keinen Fall ein Magical Girl wird. Ihre Beweggründe dazu sind am Anfang noch unklar, doch scheint sie trotzdem fest entschlossen zu sein, dies zu verhindern. Hinter diesem Ziel muss also mehr stecken, als nur die Entstehung eines neuen Magical Girls zu verhindern.


Spätestens ab dem dritten Kapitel, beziehungsweise der dritten Folge, wird jedoch klar, dass Liebe und Freundschaft nicht ausreichen, um Hexen zu besiegen. Diese deformierten Gestalten können durchaus kämpfen und lassen sich nicht mit ein oder zwei Schlägen vernichten. Von da an fließt Blut, um genau zu sein sogar sehr viel Blut.
Wer den ersten Band also nur gelesen hat, um eine heitere Geschichte über Schüler mit magischen Kräften zu erleben, merkt spätestens jetzt, dass das hier nicht passieren wird. Überspringen sollte man diesen dennoch nicht, denn diese wenigen, heiteren Kapitel sind notwendig, damit man die Charaktere kennen und lieben lernt. Dadurch haben die späteren Geschehnisse einen noch größeren Einfluss auf einen.
Von nun an nehmen Schuldgefühle, falsche Entscheidungen und brutale Kämpfe ihren Lauf. Im Zuge dessen wird immer deutlicher, was genau ein Magical Girl ist, wie sie entstehen und warum sie überhaupt erschaffen werden. Nichts davon hat mit Reihen wie Sailor Moon zu tun, denn in diesem Falle ist es kein Segen, ein Magical Girl zu sein. Das beginnt schon damit, dass jedes Mädchen einen Seelenstein, auch Soul Gem genannt, erhält. Dieser verfärbt sich, wenn sie ihre Kräfte benutzen. Um ihn zu reinigen, benötigen sie die Grief Seeds, die die Hexen hinterlassen. Werden die Soul Gems nicht gereinigt, so wird das Mädchen nicht mehr als Magical Girl tätig sein können. Es ist jedoch schlimmer, als eine einfache Kündigung und Entnahme ihrer Magie.
Auch Kyubey hat seine Gründe, warum er überhaupt jungen Mädchen einen beliebigen Wunsch erfüllt und diese sind schockierender, als man denken mag. Auf eine gewisse Art und Weise kann man Kyubeys Argumente und Denkweisen aber auch verstehen, auch wenn man dafür nicht gefühlsmäßig denken darf. Man wird beim Lesen vielleicht erst einmal schlucken müssen, doch ist es nicht so, als wären seine Beweggründe unlogisch.
Dass nicht jedes Magical Girl diese Wahrheiten verträgt, führt nur noch zu größerem Leid. Natürlich wird dies nicht nur am Rande erwähnt, sondern eines der Mädchen muss dies selber erleiden. Dadurch kommen auch Fragen auf, ob sie in dieser Form überhaupt noch menschlich seien und lieben dürfen. Damit zeigt sich wieder einmal, das Freundschaft und Liebe nicht jedes Problem lösen können, schon gar nicht, wenn Magie involviert ist.

Als Leser oder Zuschauer kann man sich nun in diese Lage selber hineinversetzen und sich die Frage stellen: Welchen Wunsch würde ich mir erfüllen lassen, wenn ich danach mein ganzes Leben lang gegen Hexen kämpfen müsste?
Puella Magi Madoka Magica zeigt sehr gut auf, wie sehr sich diese Wünsche auf die weiteren Schicksale der einzelnen Charaktere auswirken können. Sie sollten gut überlegt sein, denn eine zu frühe Entscheidung kann später zu großem Kummer führen. Man sollte auch gut abschätzen, ob man sich wirklich etwas für eine andere Person wünschen will oder ob man lieber egoistisch bleiben sollte. Zwei Magical Girls, ihre Namen wären an dieser Stelle ein zu großer Spoiler, hatten beide auf ihre Weise diesen Fehler begangen und mussten beide in einer Form darunter leiden. Der Wunsch, der ihnen Glück bringen sollte, kann dies gleichzeitig auch wieder zerstören. Was Freude bringt, kann am Ende zu Verzweiflung führen.
Ob es wenigstens ein Happy End gibt, muss an der Stelle auch jeder für sich entscheiden. Kann es nach so viel Leid überhaupt noch ein glückliches Ende geben? Madoka und Homura haben beide zwar ihre jeweils eigene Wünsche erfüllen können, doch stellt sich trotzdem die Frage, ob es das alles wert gewesen sein kann. Das Ende ist schließlich nicht das Ende, denn die Welt dreht sich weiter und es werden neue Probleme aufkommen.


Puella Magi Madoka Magica ist mit drei Bänden abgeschlossen. Auf diese drei Bände verteilen sich die zwölf Folgen des Anime, sodass es zwischen diesen Umsetzungen keine großen Unterschiede gibt. Jedes Kapitel fasst also eine Folge zusammen. Im Deutschen erschienen die Bände beim Verlag Carlsen Manga, werden allerdings nicht mehr gedruckt. Wer die Reihe also lesen möchte, muss sie sich gebraucht kaufen. Zum Glück sind die Bände noch relativ gut zu finden und nicht überteuert, wie es durchaus bei anderen Reihen der Fall sein kann.
Zusätzlich gibt es noch weitere Manga, welche diverse Nebengeschichten erzählen. Dazu gehört unter anderem Puella Magi Oriko Magica, welcher jedoch in einer anderen Zeitlinie spielt. Nicht alle davon wurden ins Deutsche übersetzt, weswegen man in diesen Fällen auf die englische Übersetzung ausweichen müsste.
Neben dem Anime gibt es auch noch drei Kinofilme. Die ersten zwei fassen dabei nur die Handlung der zwölf Folgen zusammen, während der dritte Film, Puella Magi Madoka Magica The Movie: Rebellion, das Ende des Manga/Anime fortsetzt. Da ich den Film selber noch nicht gesehen habe, kann ich nicht sagen, in wie weit dessen Ende im Zusammenhang mit dem Manga zufriedenstellend ist. Das Ende des Manga, beziehungsweise des Anime, ist an sich jedoch akzeptabel, sodass man durchaus damit leben kann.

Der Anime hat jedoch weitere Pluspunkte, die ein Manga nicht erfüllen kann. Der Soundtrack ist wunderbar gefühlvoll, wodurch die einzelnen Szenen noch einmal stärker unterstrichen werden. Yuki Kajiura hat an dieser Stelle wieder wunderschöne Lieder erschaffen, die unverkennbar von ihr kreiert wurden.
Besonders die Kämpfe fühlen sich in animierter Form lebendiger an. Es ist eben doch etwas anderes, die Kämpfe von Magical Girls gegen Hexen oder gar gegeneinander in bewegter Variante zu sehen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass die Momente im Manga nicht genau so intensiv sind. Der Tod eines geliebten Charakters wird in jeder Darstellung tragisch und schmerzhaft bleiben.

Da Puella Magi Madoka Magica momentan auf Netflix ist, sollte es ein leichtes sein, auf jeden Fall den Anime anzuschauen. Sobald man diesen gesehen hat, ist es nicht unbedingt zwingend notwendig, den Manga zu lesen. Wer sich nur die drei Bände besorgt, sollte sich im Gegenzug jedoch den Anime ansehen, um die Geschichte noch einmal in anderer Form zu erleben.
Dennoch kann ich beide Varianten wärmstens empfehlen. Es ist schön zu sehen, wie einst verfeindete Charaktere nach und nach zueinander finden und eine Art Freundschaft entsteht, wenn auch aufgrund eines tragischen Todes einer anderen Person. Jeder einzelne Charakter hat seine Wünsche, Ziele und Vergangenheit, wodurch jeder einzigartig und nicht unerlässlich für die Geschichte wird.
Je weiter man in der Reihe voranschreitet, umso mehr düstere Dinge werden offenbart. Dunkle Vergangenheiten und scheinbar böse Absichten kommen zu Tage, die einen schocken und den Atem rauben können.
Wer sich hier von dem Cover täuschen lässt, verpasst eine tiefgründige Geschichte mit bewegenden Charakteren. Wer es also schafft, die drei Bände für wenig Geld gebraucht zu finden, sollte ruhig zuschlagen. Andernfalls bleibt der Anime ebenfalls eine Option.
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