Spezialanfertigung

OneshotThriller, Angst / P18 Slash
Elijah Kamski Gavin Reed RK900 Tina Chen
19.12.2019
19.12.2019
1
8924
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Spezialanfertigung DBH

Oktober 2, 2028

"Viel Spaß mit deinem Geschenk", das waren die einzigen Worte in Elijahs Brief.

Elijahs Firma wuchs und wuchs. Sein Wohlstand und Ego ebenfalls. Aber in erster Linie machte sich Gavin um seinen Halbbruder sorgen. Und das beruhte wohl auf Gegenseitigkeit. Er legte den Brief weg und schnitt den großen Karton auf, den ihm an seinem freien Tag der Lieferdienst gebracht hatte. Hinter einer weiteren Verpackung tauchte ein Gesicht auf und er schreckte zurück, als hätte er sich verbrannt. Phuck.

Das durfte nicht wahr sein. Auch wenn er seinem nerdigen Halbbruder seinen Erfolg gönnte – er hatte ihn bei all seinen Spinnereien unterstützt und ihn immer verteidigt und beschützt - , gab es eine Sache, an die er sich nicht gewöhnen konnte und wollte. Die Worte des Briefes im Hinterkopf, öffnete er vorsichtig das letzte Stück, um sein Geschenk genauer zu betrachten.

Wieso mussten die Roboter so Lebensecht aussehen? CyberLife war nicht ohne Grund eine der erfolgreichsten Firmen aller Zeiten und das, was er nun vor sich sah, war sicher ein Vermögen wert. Er hätte es sich auf keinen Fall leisten können. Geschweige den leisten wollen. Ihm fielen Zehntausend bessere Möglichkeiten ein sein hart verdientes Geld auszugeben. Miete und Essen stellten dabei seine größten Kostenpunkte da und für letzteres hatte er wegen der vielen Überstunden kaum Zeit. Ein Blick durch die Wohnung bestätigte auch Elis andere Sorgen. Er hatte das letzte Mal vor zwei Wochen aufgeräumt, schlief meist auf der Couch vor dem Fernseher ein und nachdem sein letzter Freund wegen Gavins Beruf sowie Überstunden mit ihm Schluss gemacht hatte und ihre gemeinsame Katze mitgenommen hatte, fehlte es neben einer helfenden Hand auch an Gesellschaft.

Er drohte nicht zu vereinsamen, wie Elijah behauptete, aber seine sozialen Kontakte beschränkten sich auf seine Kollegen. Er war schwierig, dass wusste er. Selbst Tina, seine beste Freundin seit der Akademie, traf er im Moment nur selten außerhalb der Arbeit. Im Moment tat er alles um Detective zu werden. Das war auch der Grund, warum seine Beziehung zu seinem Ex in die Brüche gegangen war. Der Arsch hätte ihm wenigstens den Tammy lassen können. Mieser Bastard. Die Beziehung war eine bloße Zeitverschwendung gewesen – zumindest redete Gavin sich das ein, um nicht verrückt zu werden. Seine Kollegen an der Arbeit ertrugen seine miese Laune nun schon seit Wochen- aber es fiel ihm schwer los zulassen.

Der Android vor ihm war hochgewachsen, mit breiten Schultern, die mehr für ein Bodyguardmodell als einen Haushaltsandroiden sprachen. Und Scheiße. Der Plastik-Fucker war verdammt gut – und attraktiv – gemacht. Sein Gesicht kantig, versehen mit hohen Wangenknochen und tief sitzenden Brauen, die ihm einen ernsten Ausdruck verliehen. Sein Haar war schwarz wie  frischvergossene Tinte; kurz geschoren an den Seiten und das Oberhaar nach hinten gekämmt und gab so den Blick auf das noch bleiche LED frei. Auf einem eng sitzenden Shirt saß das leuchtend türkise Dreieck und seine Modell-Nummer.

RK500.

Von so einer Androiden-Linie hatte er noch nie gehört – gut, dass war bei ihm nicht schwer. Die Ähnlichkeit dieser Plastik-Puppen mit realen Menschen gruselte ihn instinktiv, aber Elijah hatte sein Bestes getan, damit das Ding so menschlich wie möglich erscheinen zu lassen. Mehr noch. Es sah verdammt gefährlich nach Gavins Typ aus und da es seinen Augen schmeichelte, beruhigte es sein unruhiges Gefühl ein klein wenig. Mal sehen, wie nützlich Elis Geschenk sein würde.

Der Android vor ihm schien sich endlich hochgefahren zu haben, denn das LED begann blau zu leuchten, ehe es die Augen öffnete und Gavin die Nachahmung eines Lächeln zeigte.

»Guten Tag, Mister Reed. Ich bin RK500, ein Prototype. Eine Spezialanfertigung von Mister Kamski, um Ihnen im Haushalt zu assistieren. Möchten Sie einen Namen registrieren?« Die Stimme war tief und angenehm. Sie klang in keiner Weise künstlich.

Gavin zögerte. Die Anfrage kam zu plötzlich. Genau wie das Geschenk. Er legte den Kopf in den Nacken und starrte zur Decke, als könnte er dort die Antwort finden. Aber ihm fiel nichts ein. »Nicht jetzt. Später vielleicht.«

Die Maschine nickte, bereit jedem Wunsch und jeden Auftrag von ihrem neuen Besitzer zu erfüllen.

Die ersten Tage waren seltsam. Manchmal kam ihm das RK-Modell wie ein Stück seiner Möbel vor. Es stand in einer Ecke des Raumes, wie eine Lampe, wenn es nicht gebraucht wurde. Es machte Gavin wahnsinnig, jedes Mal wenn er in die grünen Augen blickte, die ohne einen Funken zurück starrten. Das war der Punkt, wo Gavin ihm befahl, dass RK500 die Augen schloss, wenn es in die Standby Phase ging.

Nach einer Woche ließ er es neben ihm sitzen auf dem Sofa. Zwei Tagen danach schlief er an dessen Schulter gelehnt, völlig erschöpft von seinem aktuellen Fall. Er gewöhnte sich überraschend schnell an RK500s Gegenwart. Die Maschine kümmerte sich ganz ihrem Programm entsprechend um den Haushalt, erledigte die Besorgungen und empfing Gavin als würde er schon seit Jahren bei ihm leben. Immer ein freundliches Lächeln auf den schmalen Lippen und voller warmer Worte, kaum dass er über die Wohnungsschwelle trat.

Und auch wenn Gavin es niemals zugeben würde- es war schön. Wirklich schön. Wenn er heim kam, wartete gutes und gesundes Essen auf ihn, manchmal hatte RK500 ihm auch Fastfood von seinen Lieblingsketten besorgt, wenn er einen besonders schlimmen Tag gehabt hatte. Seine Wohnung war sauber und ordentlich. Er musste sich nicht mehr um lästige Dinge wie Wäsche oder Putzen kümmern und dachte sogar wieder darüber nach sich eine neue Katze zu holen.

Er kuschelte sich an den warmen Körper, der nicht mehr wie ein Neuwagen roch. Und seit kurzem überlagerte ein neuer Duft den Geruch von Plastik. Es war kaum merklich vorhanden, aber erregte Gavins Aufmerksamkeit. »Ist das Parfüm?« Der Android neben ihm blieb steif, aber nickte dann. »Ich habe es beim Einkaufen im Sale erworben. Ich dachte, es würde Ihnen gefallen.« Nun erinnerte sich Gavin wage eine neue Flasche neben seinem Aftershave gesehen zu haben. Neben allen anderen möglichen neuen Dingen. Neue Zahnpaste, die besser für seine Zähne war, ein neues Shampoo mit dem Duft nach Zitrone und sein Lieblings-Duschgel. Er fühlte sich frischer, ausgeruhter und hatte sogar aufgehört zu Rauchen. RK500 war um sein Wohlergehen besorgt und tat alles, damit er fitter und gesünder wurde. Nein, korrigierte Gavin sich, dafür hatte Elijah ihn programmiert.

»Es ist nichts für mich. Aber du kannst es wegen mir weiter tragen. Besser als der Gestank nach Plastik.« Gavin stockte und öffnete wieder die müden Augen. Der Duft erinnerte ihn an etwas. Oder eher jemand. Es ließ ihn kaum merklich lächeln. »Wieso hast du es aufgelegt? Ich habe dir keinen Befehl dazugegeben.«

»Meine Aufgabe ist Ihnen zu gefallen und in mein Umfeld  einzutauchen. Sie haben erwähnt, dass sie den Geruch von Plastik nicht mögen.«

Gavin schloss die Augen entspannt. Gut, das klang logisch und er war zu müde um darüber nachzudenken.

»Wie wäre Morgen als Name?« Das LED über ihm wurde gelb.

»Name wurde registriert.« Beinahe glaubte Gavin ein Lächeln zu hören. »Mein Name ist Morgen.«

Juli 4, 2027

Der Duft von Pfannkuchen weckte ihn. Warm und sanft. Er warf einen Blick auf sein Smart Phone und seufzte erleichtert, als ihn die Anzeige seines Kalenders darüber informierte, dass er den Tag frei hatte. Hatte er Morgen den Befehl gegeben, ihm für seinen freien Tag Pfannkuchen zu machen? Er erinnerte sich nicht mehr, aber er würde sicher nicht klagen. Vor ein paar Monaten hatte er sich von Ma ein paar seiner alten Lieblingsrezepte schicken lassen und der Android war verdammt gut darin, sie zu kochen.

Mit mehr Elan schlüpfte er aus dem Bett und tapste mit wildem Haar und nur in seinen Boxershorts aus dem Schlafzimmer. Am Anfang hatte er sich noch geschämt so vor Morgen herum zu laufen – fremd, Maschine und doch so verdammt Lebensecht -, aber dann hatte er sich daran gewöhnt. Selbst die alten, peinlichen Shorts mit den Katzen-Smilys konnte nichts daran ändern. Ein Geschenk von Tina zu einem seiner Geburtstage.

In der Küche begrüßte ihn Morgen mit einem sanften Lächeln, dass selbst nicht jeder von Gavins Ex-Freunden drauf gehabt hatte und Gavin zuckte nicht einmal mehr, als die grünen Augen über seinen entblößten Körper zuckten. Der Android machte nur seinen üblichen Scan, um nach seinen Vitalwerten zu sehen und entsprechend zu reagieren. »Gerade rechtzeitig, Mister Reed. Der Kaffee ist auch gleich fertig.«

Gavin setzte sich auf den alten Barhocker und legte die Unterarme auf die Theke. Aus seiner Kehle kam nur ein müdes Brummen. Morgen störte sich nie an seiner Laune oder fehlendem Redebedarf. Er bitchte nie rum, wie es Carlos getan hatte. Gavin fuhr sich über sein Gesicht und ignorierte den Gedanken an seinen Ex, genauso wie die Tatsache, dass er Morgen immer mehr als ein er statt als es bezeichnete. Was ein wenig zusammen leben mit einer Maschine und ein Name bewirken konnten … phuck Eli würde sich riesig darüber freuen.

Aber gut. Sein Bruder hatte ihm ein großartiges Geschenk gemacht. Seine Karriere lief super. Er konnte sich ganz und mit voller Energie auf seine Fälle konzentrieren. Nur eine neue Katze hatte er noch nicht gefunden. Das stand noch auf seiner To-Do-Liste. Vielleicht, wenn er seine Detective-Prüfung bestanden hatte … vielleicht hatte er dann endlich die Zeit, sich einen neuen Stubentiger zu besorgen.

Sein Blick kehrte zu Morgen zurück, als dieser ihm den ersten Pfannkuchen brachte und den Syrup daneben stellte. Das LED blinkte in einem ruhigen blau, doch das Armband um seinen rechten Arm stach in Gavins Augen. Nach ein paar Schlucke Lebenselixier – auch Kaffee genannt – und ein paar köstlichen Bissen Pfannkuchen, fühlte Gavins sich bereit, ganze Sätze zu sprechen.

»Wir sollten dir neue Kleidung besorgen.«

»Das ist meine Arbeitsuniform. Einem Androiden ist es nicht erlaubt, etwas anderes zu tragen.«

»Ich weiß.« Gavin rollte die Augen. »Aber das gilt für die Öffentlichkeit. Was hinter meinen Wänden passiert, ist was anderes.« Tatsächlich hatte Morgen mehrere dieser klinisch wirkenden Uniformen. Alle inklusive.

Kurz zirkulierte das LED golden, ehe sich Morgen wieder der Pfanne zu wandte. Gavin hielt das Thema bereits für erledigt und war erstaunt, als er die tiefe Stimme erneut hörte. »Wenn es Ihr Wunsch ist und ihrer Ästhetik dient, Mister Reed, wäre es möglich in der Wohnung andere Kleidung zu tragen. Außerhalb, wenn ich Besorgungen mache, werde ich meine Uniform weiter hin tragen.«

Phucking Yes. Gavin begann zu grinsen und klaute sich den nächsten Pfannkuchen. »Gut. Ich bring dir was mit. Meine Sachen werden dir nicht passen.« Und Carlos Zeug hatte er als Teil seines „Bewältigungsprozesses“ wie Tina es genannt hatte, in ihrem Hinterhof verbrannt. Möglicherweise hatten sie vorher auch ein paar zu viele Biere gekippt.

August 10, 2027

Das weiße Hemd stand Morgen gut. Ebenso die Jeans. Es ließ ihn wie ein ganz normaler Kerl aussehen und beinahe könnte Gavin darauf hinein fallen. Aber nur beinahe. Morgen war immer noch ein Haufen Plastik und Kabel. Da halfen auch nicht die hochgekrempelten Ärmel, welche um den Bizeps spannten und ein paar gut gebauter Unterarme und große Hände freigaben.

Shit. Es war zu lange her. Er würde noch verrückt werden, wenn das so weiter ging. Umso willkommener war die Ablenkung als sein Smart Phone klingelte. Gavin hob es vom Couch Tisch auf und grinste, als er Elis Namen auf dem Display aufleuchten sah. Er schwang die Beine über die Sofalehne und machte es sich bequem, um mit seinem Bruder zu sprechen. Weiter hinten in der Küche klapperte das Geschirr.

Nach etwas Small Talk, erkundigte sich Elijah schließlich wie es mit dem RK Modell lief und aus einem Impuls guter Laune heraus, was schrecklich oft in letzter Zeit geschah, antwortete Gavin ihm ehrlich: »Phuck. Gut, ich geb es ja zu. Er … es ist eine große Hilfe. Wenn das so weiter geht, werde ich der jüngste Detective des Reviers! Kannst du das glauben?«

»Natürlich. Du arbeitest hart, bist klug und mein kleiner Bruder. Alles andere wäre eine Überraschung.« Gavin verdrehte die Augen, aber lachte leise. »Na gut. Ich schulde dir ein Danke. Das war das beste Geburtstagsgeschenk seit langem. Zufrieden?«

»Ich denke, ich kann jetzt glücklich sterben, Gav. Du machst mich zum glücklichsten, großen Bruder aller Zeiten.« »Überdramatischer Bastard«, erwiderte der Jüngere ohne eine Spur schärfe und hörte kurz darauf Elijah leise lachen. Dann stoppte er plötzlich und Gavin wusste sofort, dass es ernster wurde. »Triffst du eigentlich jemand neues? Ma macht sich Sorgen, dass du am Ende mit deinen Katzen vereinsamst und stirbst.« »Sicher. Ma macht sich die Sorgen.« Er seufzte, eine Spur genervt und rieb sich über die Stoppeln am Kinn. Typisch. Eli konnte nie zugeben, wenn er sich Sorgen machte. Gut, Gavin genauso wenig. Eine ihrer wenigen Gemeinsamkeiten.

»Ich hab auch noch keine neuen Katzen. Ich denke aber darüber nach.« »Und? Denkst du auch wieder über Dates nach?« Gavin biss sich auf die Lippe. Morgen geisterte vor seinen Augen herum. Nein. Er fühlte sich sicher nicht zu Plastik hingezogen. Er war nicht krank. Eli war einfach nur zu gut, in dem was er tat. Und sein letztes Mal war viel zu lange her. Eindeutig zu lange.

»Ja«, gab er dann zu. Das Klappern aus der Küche stoppte. »Ich hab überlegt mit Tina mal wieder in eine Bar oder Club zu gehen. Vielleicht eine der Dating-Apps zu nutzen. Nur um zu sehen, ob ich noch nicht das Flirten verlernt habe.« »Gut. Wird Zeit über den Arsch hinweg zu kommen. Und Spaß zu haben.« »Oh bitte nicht, Eli. Wir wollen beide sicher nicht über mein Liebesleben reden. Dafür ist Tina da.«

»Wenn du aus der Übung bist. RK500 ist voll ausgestattet und als Haushaltsmodell mit jeder Software vertraut, welche -« »Phuck! Nein! Arg, Eli. Scheiße, vergiss es. Das ist krank. Er ist eine Maschine. Ohne Willen. Ohne Herz oder Seele.« »Was ist schon dabei? Du hast doch sicher auch irgendwo Dil-« Gavin zischte so laut ins Telefon, dass er auf der anderen Seite Eli fluchen hören könnt. Er wollte auf keinen Fall das Wort Dildo aus dem Mund seines Bruders hören.

»Verdammte Scheiße, Eli. Vergiss es!« »Als wäre das so viel anders! Er ist nur größer und hat ein paar Gliedmaßen mehr. Stell dich nicht so an. Die Hausmodelle sind dafür ausgerüstet.« »Und ich bin keine einsame Hausfrau, du Sack.« Plötzlich stockte Gavin, ehe sich sein bereits glühendes Gesicht noch weiter erhitzte.

»Du. Mieser. Arsch. Du hattest das die ganze Zeit im Hinterkopf, ist es nicht so? Deswegen sieht er aus, als wäre er direkt aus einem Porno-Magazin gehüpft! Du hast ihn so designt, dass er mein Typ ist und ich mich mit ihm von Carlos ablenke.« Bestätigendes Schweigen folgte. »Oh mein Gott. Ich habe Recht. Schieb dir dein Mitleid in den Arsch.« Zornig legte Gavin auf und donnerte sein Handy auf den Tisch.

Nur um im nächsten Moment zusammen zu zucken. Morgen stand im Durchgang zur Tür. Das LED gelb. »Alles in Ordnung, Mister Reed? Ihre Werte sind alarmierend hoch.« »Nein, alles gut. Nur mein Trottel von Bruder«, gab er zurück und tastete dann doch wieder nach seinem Smart Phone. Eines hatte das Gespräch mit Eli gebracht. Es war eindeutig wieder Zeit auf die Jagd zu gehen. Und mit niemand ging das besser als mit Tina.

August 20, 2027

Der Fernseher spielte im Hintergrund. Vielleicht hatten die Geräusche ihn geweckt. Vielleicht waren es auch seine Instinkte gewesen – das Gefühl, dass sich etwas oder jemand ihm genähert hatte.

Gavins Augen flogen auf und nach dem Moment der Orientierungslosigkeit, sank er beruhigt zurück aufs Sofa. Auf ihn fiel ein Schatten- Morgen. Das Licht zirkulierte gelb an seiner Schläfe.  »Mister Reed?«

Benommen fuhr sich der junge Detective über das Gesicht.  Einen seltsamen, fahlen Geschmack im Mund. »Sie sind eingeschlafen. Es ist 1:07 Uhr. Sie sollten ins Bett gehen,  um Rückenprobleme zu vermeiden.« Gavin setzte sich auf. Verdammt, der Android hatte Recht.  Seine Schulter und Nacken fühlten sich hart an und spannten schmerzhaft. Aber das war nicht das einzig Harte an ihm.

Sein Blick zuckte zum Fernseher, wo pornografische Werbung lief.  Das erklärte seinen verrückten und heißen Traum und die enge Hose.

Phuck.

Statt Morgen zu antworten,  versuchte er sich hoch zu stemmen, um sich ins Bett zu schleppen. Weit kam er nicht. Eine kräftige Hand griff ihm mitten zwischen die Beine. Ein hohes,  erschrockenes wie peinlich hohes Quietschen kam über Gavins Lippen. Sein ganzer Körper erstarrte in der Bewegung- bis Morgen begann seine erwachte Erektion zu massieren.

»Phuck!« Eilig hielt er den Androiden am Handgelenk fest und versuchte die Plastik Finger von seinem Schritt zu zehren. »Was soll der Scheiß?«

Der Android erstarrte und sein LED verwandelte sich in ein tiefes rot. Die Miene hart und kalt wie Metall. Die Lippen zu einer dünnen Linie zusammen gepresst.

»Meine Aufgabe erfüllen. Mister Kamski hat mich gebaut, um jedes ihrer Bedürfnisse zu erfüllen und für ihr Wohl zu sorgen, Mister Reed.«

Gavins Gesicht begann zu brennen.  »Scheiße,  erwähne niemals seinen Namen,  wenn du - nein,  das ist nicht der Punkt.  Das ist nicht nötig.  Ich komme auch so klar«, knurrte der Officer und schob Morgen von sich.

»Ich ficke kein Plastik! Mach das nie wieder. Das ist ein Befehl, klar? Du bist keine Traci, Hausmodell hin oder her.«

Damit stürmte er mit rasendem Puls ins Schlafzimmer.  Morgen blieb zurück,  steif wie die Maschine, welcher er war.

Damit schien sich das Problem erledigt zu haben.  

August 23, 2027

Die Tür flog auf und im nächsten Moment taumelten zwei Körper hinein. Eng umschlungen, die Luft um sie herum mit Alkohol getränkt. Eine harte Hand riss an Gavins Jacke, um sie im nächsten Augenblick auf den Boden zu befördern. Der Mann – Michael? Mike? Nick? – drückte ihn gegen die nächstbeste Wand, um ihre erhitzten Körper aneinander zu reiben. Gavin konnte die Muskeln der bulligen Schultern zucken spüren und gab bereitwillig nach, als sich ein Knie zwischen seine Schenkel schob und half ihn zu fixieren.

Zähne bohrten sich in seine Unterlippe und ließen Gavin kurz knurren. »Ich wusste, du magst es rau, Bitch«, grollte sein zukünftiger One-Night-Stand ihm zu. Sein heißer Atem wanderte über Gavins Ohr und ließ ihn sehnsüchtig zucken. Eine harte Nacht war genau das Richtige, um Carlos aus seinem Körper zu prügeln.

»Dann zeig mir, was du drauf hast und nimmt das Maul nicht zu voll«, entgegnete Gavin herausfordernd und genoss, wie der bullige Kerl darauf einging und zu beben begann. »Gerade aus. Schlafzimmer«, presste Gavin ungeduldig hervor. Der andere zögerte keine Sekunde. Er zog Gavin weiter zum Wohnzimmer, die Tür zum Schlafzimmer bereits in Sicht- bis ihnen eine hohe Gestalt in den Weg trat. Sein „Date“ zuckte kurz vor Überraschung zurück. »Scheiße. Was zur Hölle?« Gavin lugte an dem breiten Rücken vorbei, um besser zu sehen, was das Problem war. »Ist das dein beschissener Mitbewohner oder dein Freund?«

Bevor er etwas sagen konnte, tönte ihnen die Stimme des Androiden entgegen. Beinahe hätte Gavin geglaubt, dass die Maschine besorgt klang. Aber das lag sicher nur am Alkohol.

»Mister Reed?« Morgens LED leuchtete alarmierend rot. Der Mann ließ Gavin los, fluchend. »Scheiße. Ein Android? Ich wusste, nicht, dass du so einer bist.« »Komm runter. Es ist nur ein Haushaltsmodell. Er wird uns nicht nerven.« Gavin räusperte sich und legte dem Typen eine Hand auf die Brust, während er sich anzüglich die Lippen leckte. »Du wirst dir doch jetzt nicht die Laune verderben lassen.«

Der Mann starrte auf seine Lippen. Feucht schimmernd und lockend. Der Gedanke an Sex schien auszureichen, um seine Sorgen zu zerstreuen. »Gut, aber wehe der Scheißer geht mir auf den Sack.«  Gavin unterdrückte den Impuls, die Augen zu verdrehen. Das war seine erste Chance auf Sex seit Monaten. Er hatte Tage gebraucht und einige Kerle zum flirten … und viel Alkohol, um endlich los lassen zu können.

»Morgen. Geh in die Ecke. Störe uns nicht. Ich brauche dich erst Morgen wieder.«

Das RK-Modell versteifte sich. Aus Rot wurde gelb, dann blau und schließlich marschierte er mechanisch zurück ins Wohnzimmer. Außer Sichtweite.

Und Gavin überließ sich ganz dem fremden Kerl.

Es war eine enttäuschende Nacht.

September 15, 2027

Gavin saß über seinen Lehrbücher für die Detective-Prüfung. In ein zwei Monaten würde es so weit sein. Er konnte es kaum erwarten. Tina war vorhin gegangen und er war dankbar dafür, dass sie ihm beim Lernen half. Erschöpft fuhr er sich über die Augen und wollte gerade die nächste Seite umschlagen, als ein Entspannungs-Tee samt Plätzchen neben seine Notizen gestellt wurden. Überrascht sah er auf und dankte automatisch Morgen, der zu ihm hinab starrte. Die Mundwinkel hart und verkniffen. Keine Spur von dem üblichen Lächeln.

»Mister Reed. Sie haben sich eine Pause verdient. Es ist schon beinahe zwölf. Sie müssen schlafen.« Gavin winkte ab und nahm sich einen Keks. Selbstgebacken. Scheiße. Der Android verwöhnte ihn zu sehr. Dann griff er nach dem Handy. Zehn neue Anfragen von der App. Fast jede Woche brachte er mittlerweile einen Kerl mit heim oder vergnügte sich direkt in einem Club. Das Loch, welches sein Ex hinterlassen hatte, konnte es nicht füllen, aber es half. Auch wenn es nicht immer befriedigend war.

»Sie sollten sich nicht so oft mit diesen Männern treffen. Es ist gefährlich.« Morgen begann gefühllos Zahlen hinab zu rasseln, die mit sexuellen Übergriffen zu tun hatten. Abwehrend hob Gavin die Hand. »Komm mir nicht mit Zahlen aus dem Internet. Ich bin ein Officer. Ich weiß, was abgeht. Und ich kann auf mich aufpassen. Die Meisten können vielleicht zu schlagen, aber ich trainiere regelmäßig und hab ne verfickte Waffe. Ich weiß, dass ich aufpassen muss und ich hab immer was für den Schutz dabei.« »Ich weiß, Mister Reed. Ich habe ihren Kondomvorrat aufgefüllt.«

Gavin zischte und presste die Hand vor das Gesicht. Wie konnte Morgen das nur so trocken raus hauen? Ach ja. Maschine. »Ich komme klar.«

»Sie tendieren zu gefährlichen Sexualpartner. Die Männer, welche sie mit nach Hause gebracht haben, sind alle größer und kräftiger gebaut. Die Meisten zeigen gewalttätige Tendenzen und ihre Wortwahl ist Besorgniserregend.« Gott, er würde seine Vorlieben keinem Stück Plastik erzählen. Egal, wie sehr er sich an Morgen gewöhnt hatte.

»Es geht dich einen Scheiß an, was ich im Bett treibe. Oder mit wem.« Das LED pulsierte sofort gelb und Gavin wandte den Blick ab, weil es in seinen trockenen Augen brannte. »Ich wurde für ihr Wohl und ihre Bedürfnisse konstruiert. Das beinhaltet ihren Schutz und Verteidigung. Sie zeigen nach dem Vollzug des Aktes deutliche Anzeichen von psychischer und physischer Erschöpfung. Außerdem weisen sie deutliche Verletzungen auf.« Automatisch griff sich Gavin an den Hals. Ein Händeabdruck verfärbte die Haut dort dunkler. Es war ein Andenken von seinem letzten Date.

»Außerdem ist es gefährlich, wenn Sie mit den Männern mitgehen. Noch dazu alkoholisiert. Man könnte Sie unter Drogen setzen und schlimmeres. Hier könnte ich Sie im Notfall beschützen. Wenn sie mit jemanden mit gehen, kann ich nur warten.« Die Fingerspitzen des Androiden zuckten. Als Gavin erneut hinsah, hatte es aufgehört. Ein Fehler in der Software?

»Warte- du wartest einfach? Hast du nichts zu tun?« »Abends bin ich mit meinen Haushaltsaufgaben fertig. Ich habe zu warten bis Sie nach Hause kommen, um meine Schutzfunktion zu erfüllen.« Scheiße. Darüber hatte er noch nie nach gedacht.

»Langweilst du dich nicht?«, die Frage entkam ihm ohne nachzudenken und Morgen blinzelte irritiert. Er hatte seit seinem Erwachen einige menschliche Verhaltensweisen von anderen übernommen. Der berühmte Lernprozess. »Ich bin nicht ausgelastet. Ich könnte mehr tun«, wich Morgen aus und Gavin sackte zurück.

»Dann beschäftige dich. Mach was dir Spaß macht, nein, ich weiß, so funktioniert das nicht. Gut, dann mach was sinnvolles. Bilde dich fort. Lies was. Guck Fernsehen. Mach was aus deinem Robo-Hirn. Ich will nicht, dass du kaputt gehst.«

Da war es wieder. Das kleine Lächeln. Der Android griff nach einem von Gavins Büchern. Es war ein dicker Psychologie-Wälzer. Daneben lag einer über Forensik.

»Jawohl, Mister Reed.«

Dezember 18, 2027

Seine Prüfungsergebnisse waren da! Er hatte mit Bestnote bestanden und einen verfickten, neuen Rekord aufgestellt! Das feierte er mit Tina gemütlich im Wohnzimmer. Eli hatte ihm versprochen morgen vorbei zu kommen, um mit ihm anzustoßen. Er meinte, auch er hätte gute Nachrichten. Vermutlich etwas wegen seiner Firma.

Tina kicherte neben ihm angetrunken und weigerte sich nach Hause zu gehen. Sie war schon halb am Schlafen und als ihr endgültig die Augen zufielen, befreite Gavin sich vorsichtig. Dann legte er eine Decke über sie und stolperte im nächsten Moment selbst über Tinas Schuhe. Der Fluch blieb ihm in der Kehle stecken, als eine starke Hand ihn am Oberarm packte und wieder auf die Füße stellte. Gavin gluckste und ließ sich von Morgen ins Schlafzimmer helfen.

Der Android zog ihm schweigend die Hose aus. Seine Finger zitterten wieder, als er den Stoff abstreifte und dann Gavin das Hemd über den Kopf zog. Gavin ließ sich lachend in seine Arme fallen, die Wangen rot und die Augen glänzend. »Ich werde Detective. Kannst du das glauben, Morgen? Ich? Ein Detective!« »Natürlich, Mister Reed. Sie haben es verdient. Sie werden großartig sein.« »Und mein neuer Partner ist Jackson! Endlich zahlt sich der ganze Scheiß aus.« »Sie können sicher viel von Detective Jackson lernen, Mister Reed. Er wird eine Bereicherung für Sie sein.«

»Gavin.« Das LED an Morgens Schläfe wechselte zwischen blau und gelb. »Nenn mich Gavin.«

»… Gavin«, perlte der Name schwer über die Lippen des Androiden. Aus dem Zucken seiner Finger wurde ein Schulterbeben.

Februar 29, 2028

Auf dem Tisch lag eine Zeitschrift. ‚Man oft the Century‘. Das Titelbild zierte ein Bild von Eli. Die Haare geschnitten, der Bart rasiert und in einem feinen Anzug. Er hatte sich heraus geputzt, trainiert und sah nicht mehr aus wie Gavins großer Nerd-Bruder. Der neue Look stand ihm, auch wenn Gavin befürchtete, der Ruhm würde Elis Ego noch irgendwann in die Luft jagen. Zusammen mit dem halben Planeten.

Er gluckste und leerte seinen Kaffee. Morgen war still, während er ihm sein Essen für die Arbeit vorbereitete. Der Kerl der letzten Nacht griff Gavin in den Nacken, um ihm mit dunkler Stimme für die Nacht zu danken und ihn daran zu erinnern, dass er dessen Nummer hatte und sie es jederzeit wiederholen konnten. Und Scheiße. Gavin war verlockt. Das war der beste Sex seit langem. Und der Kerl war echt heiß.

Gavin sah ihm noch nach und wandte sich wieder seinem Frühstück zu, als er die Tür hörte. Sein Smart Phone vibrierte und erinnerte ihn daran, dass er für Jackson einen USB mitbringen sollte. Er hatte dem älteren Cop eine Musikliste als Geschenk zusammen gestellt, nachdem dieser sich beschwert hatte, dass nur noch Mist im Radio lief und er die 90er vermisste. Gavin war vielleicht kein Mann großer Worte, aber Jackson war der beste Partner den er je hatte und es war seine Art Danke zu sagen.

So stand er schnell auf, um den Stick zu holen und hielt sofort inne. Kurz begannen die Ränder seines Sichtfeldes zu verschwimmen. Erst glaubte er, es würde besser werden, doch das wurde es nicht. Er begann zu taumeln, versuchte sich an irgendetwas  fest zu halten, aber es war vergebens.

Gavin brach bewusstlos zusammen.

Und erwachte in der Hölle.

April 18, 2028

Die ersten Male als er erwachte, konnte er nicht die Augen öffnen. Seine Lider waren zu schwer. Ebenso die Dunkelheit um ihn herum und der Nebel in seinen Kopf. Er schlief jedes Mal direkt wieder ein.

Irgendwann schaffte er es die Augen einen Spalt breit zu öffnen. Ihm war schlecht und alles schien Kopf zu stehen. Er hatte keine Ahnung wo er war, noch was passiert war.

Ein kompletter Filmriss. Nach Minuten, die ihm vorkamen wie Stunden, kam ihm der Gedanke, dass er die vorige Nacht wohl übertrieben haben musste. Zu tief ins Glas geschaut. Bei einem fremden Typen mit einem Kater aufgewacht. Nur noch ein bisschen … er wollte nur ein klein wenig noch ausruhen. Seine Augen fielen ihm wieder zu.

Als er das nächste Mal zu sich kam, wurde ihm klar, dass er zu Hause war. Das waren seine Wände. Das gegenüber sein Kleiderschrank. Wie spät war es? Wo war sein Smart Phone? Oh Scheiße. Fowler würde ihn umbringen. Er musste verdammt spät sein.

Reflexartig versuchte er sich aufzusetzen und mit der Hand zum Schlafzimmertisch zu greifen, wo sein Telefon normalerweise auf ihn wartete. Es dauerte mehrere Sekunden bis er begriff, dass weder er noch sein Arm sich bewegt hatten. Gavin versuchte es erneut, aber kein Muskel seines Körpers rührte sich.

Was zur Hölle- die Augen nun weit aufgerissen drehte er den Kopf und versuchte in seinem benebelten Hirn zu verstehen, was vor sich ging.

Er war ans Bett gefesselt. Mit seinen eigenen Handschellen. Die Beine gespreizt und genauso unbeweglich dank zwei dicker Seile, die sich um seine nackten Fußgelenke schlangen. Sein Blick glitt panisch weiter an sich hinauf – und für einen winzigen Moment war er seltsam erleichtert zu sehen, dass er noch seine Boxer trug. Ebenso sein Tank top.

»Phuck. Phuck. Phuck.«, die Worte kamen nur krächzend über seine Lippen. Seine Zunge fühlte sich schwer und fremd an. Wie der Rest seines Körpers.

»Gavin.«

Die Stimme ließ ihn zusammen zucken- so gut er es mit seinen fixierten Gliedmaßen konnte. Aus dem Schatten schob sich Morgens Gestalt. Verschwommen und unwillkürlich wie die ganze scheiß Situation. Er lächelte, aber in seinen Augen lag etwas, dass Gavin bis auf die Knochen erschauern ließ. »Morgen, binde mich los. Etwas … etwas stimmt nicht mit mir.«

Der Android kam näher. In aller Seelenruhe, ehe er sich auf den Rand des Bettes setzte. Die Matratze gab unter dem Gewicht der Maschine nach. Eine kalte Hand legte sich an Gavins glühende Wange. Das Lächeln wuchs.

»Ich bin so viel besser als diese Männer.«

»Was?« Gavins Stimme war nur ein Krächzen. Sein Puls begann erneut zu hämmern. Lauter und schneller als zuvor. Das Blut rauschte ihm durch die Ohren. Ein nervöses Lächeln entkam Gavin. »Wovon redest du? Komm schon, Morgen. Ich befehle dir, mach mich endlich los!«

Das Lächeln auf Morgens Zügen gefror. Der Android beugte sich über ihn. Lippen brannten auf seinen eigenen und reflexartig drehte Gavin den Kopf zur Seite. Eiserne Finger gruben sich in seinen Kiefer und drehten ihn zurück. Zwangen ihn in das harte Gesicht der Maschine zu sehen. Das neue Lächeln war bemitleidend, durchtränkt mit einem harten Zug um die Mundwinkel und Eis in seinen Augen.

»Ich werde auf dich aufpassen. Dich beschützen. Du gehörst zu mir, Gavin«, flüsterte Morgen ihm zu, während Morgens freie Hand über seine Brust fuhr … und tiefer hinab. »Niemand wird sich mehr zwischen uns drängen.«

Durch den Nebel drang die Angst wie ein tiefer, klarer Schnitt. Morgen ignorierte seine Befehle und sein Flehen. Die Maschine widersetzte sich ihrem Herrn.

Und nahm sich, was sie wollte.    

Mai 26, 2028

Tina stieg aus dem Wagen aus, ein komisches Gefühl im Magen. Es ging ihr seit Tagen so auch wenn sie wusste, dass es Schwachsinn war. Alles sah normal aus. Friedlich. Ein paar Kinder kamen an ihnen vorbei, auf dem Weg nach Hause und betrachteten den Polizei Wagen mit großen Augen. Jackson wank den Kindern zu, ehe er die Tür zuschlug und das Auto absperrte.

»Sind wir hier richtig?«, fragte der Detective und Tina nickte eilig. Stimmt. Gavin nahm kaum jemanden mit nach Hause, der verdammte Einsiedler. Sie war vermutlich die Einzige vom Revier, welche ihren Freund in seiner Wohnung besucht hatte. Dabei hatte sie gedacht, dass Reed seinem Partner genug vertraut hatte, um ihn mit nach Hause zu bringen. »Jep. Das nächste Haus. Dritte Etage.«

Schweigend gingen sie zur Wohnungstür. Sie war es nicht gewohnt alleine mit Jackson abzuhängen. Und sie spürten beide die Spannung in der Luft. Das war der einzige Grund, warum der alte Detective sich bereit erklärt hatte, sie zu begleiten in seiner Pause. Niemand sonst glaubte ihr.

Aber irgendetwas war nicht in Ordnung.

Gavin verhielt sich schräg. Sicher, er war krank gemeldet, sie hatten telefoniert und geschrieben, aber da war etwas in seiner Stimme … die Art, wie er sprach … die Art wie er textete und auf ihre Nachrichten reagierte. Er ignorierte sogar ihre Katzen Memes!

Scheiße. Sie wusste, wie lächerlich das klang. Wie hilflos sie sich vorgekommen war, als sie versucht hatte, die anderen zu überzeugen, dass etwas nicht in Ordnung war. Nur Jackson glaubte ihr, weil es ihm ähnlich ging. Vielleicht war es Intuition, vielleicht kleine Hinweise, aber irgendetwas war nicht in Ordnung.

Einen ganzen, verdammten Monat hatte sie Gav nicht mehr zu Gesicht bekommen. Krankmeldung hin oder her. Er war auf keinen Fall mehr ansteckend. Sie hatte den Kram gegooglet. Und normalerweise hätte sie ihn schon seit der zweiten Krankheitswoche immer wieder besucht, um mit ihm abzuhängen, Eiscreme zu futtern und Filme zu schauen. Aber jedes Mal, wenn sie vorschlug, vorbei zu kommen, flüchtete Gav sich in falsche Ausreden und meinte, er bräuchte nichts. Morgen würde ihm alles besorgen und sich gut um ihn kümmern.

Sie klingelten und warteten. Erneut drückte Tina den Kopf, aber es passierte nichts. »Er könnte schlafen«, versuchte sie sich selbst zu beruhigen. »Was ist mit seinem Androiden? Würde er dann nicht an die Tür gehen?« Jackson hatte Recht. Wo war Morgen? War das Ding einkaufen? Medikamente holen? Oder war Gavin vielleicht bei Arzt?

Sie kaute sich nervös auf der Lippe herum- eine Angewohnheit, die sie von Gavin übernommen hatte. Statt Jackson zu antworten, kramte sie den Ersatzschlüssel hervor und verschaffte ihnen zu Gang. Der alte Mann kommentierte das nicht und folgte ihr zum Aufzug. Das gute an Jackson war, dass er nicht nur die Klappe hielt, sondern auch kein strenger Regel Cop war. Sicher, er hielt sich ans Gesetz, aber er konnte auch mal ein Auge zukneifen, wenn jemand einmalig Mist gebaut hatte- er war ein guter Mann. Und noch ein besserer Detective.

Vorsichtig und leise öffnete Tina schließlich Gavins Wohnungstür. Sie rechnete mit Chaos. Reed ohnmächtig vor Fieber am Boden … und sogar mit einer verdammten Blutleiche- aber alles war makellos rein und ordentlich. Klar. Stimmt ja. Seit Gavin diesen Androiden hatte, sah seine Wohnung nicht mehr aus wie ein Massaker. Es gab keine Spuren eines Einbruches. Noch von Gavin.

Vermutlich war er mit Morgen zum Arzt gegangen. Tina fühlte sich mit einem Mal schlecht. Gott, sie war wegen nichts ei ihrem besten Kumpel quasi eingebrochen! Sie wollte sich schon umdrehen, als sie sah, wie Jackson ein paar Magazine auf der Kommode umblätterte. »Hat Gavin vor, sich eine neue Wohnung zu suchen?« Der Detective sprach leise, fast angespannt. Tina trat näher an die Kommode und bemerkte, dass es sich um Häuser und Wohnungsangebote handelte. Manche waren eingekreist und markiert worden. Aber das war nicht Gavins Schrift. Sie war zu gerade, zu kantig … zu mechanisch.

Als sie den Kopf schüttelte, bewegte sich Jackson weiter in die Wohnung und bedeutete ihr die Tür zu schließen. Sie folgte ihm sofort, um ihn abzusichern und auch aus wiederkehrender Sorge um Gavin. Instinktiv wollte sie nach ihrem besten Freund rufen, aber Jackson bedeutete ihr zu schweigen und warf einen Blick auf den Esstisch. Nun fielen auch ihr die Menge an Medikamenten auf. Erst wollte sie es abtun, aber Jackson nahm eine Dose in die Hand, um den Inhalt zu überfliegen. Tiefe Falten entstanden auf seiner Stirn und was auch immer er gefunden hatte, ließ ihn seine Waffe ziehen. »Was ist«, flüsterte sie so leise, wie sie konnte und griff nach ihrer eigenen Pistole.

»Das sind Narkotika. Hier ist sogar eine Flasche Ketamin dabei.« Das war etwas, was ihr etwas sagte. Sie hatte den Wirkstoff oft genug in Zusammenhang mit der Arbeit gehört, wenn sie im Krankenhaus oder in Clubs sich mit den Opfern der k.o. Tropfen zu tun gehabt hatte. Das Mittel war seit ein paar Jahren verboten. Es hatte unter Gavs Medikamenten absolut nichts zu suchen! Und bei all der Kaffesucht, Drogen war keines von Gavins Lastern.

Sie zog ihre Waffe und sie arbeiteten sich weiter vor- bis zum Schlafzimmer. Was dahinter lag, ließ Tina das Blut in den Adern gefrieren. Sie hielt in der Tür inne. Unfähig sich zu bewegen oder etwas zu sagen. Zu geschockt bis Jacksons »Fuck«, die Luft zerriss und er eilig einen Krankenwagen zu Reeds Adresse bestellte. Tina dagegen stürmte zum Bett und nahm Gavins Gesicht in beide Hände. Ihre Finger tasteten tiefer bis sie seinen langsamen Puls spüren konnen und sie schluchzte vor Erleichterung auf.

»Hey, hey, Gav. Komm schon, du darfst mich nicht verlassen. Komm schon, mach die Augen auf.« Kurz flackerten seine Lider, als hätte er sie gehört, aber seinen geschwollenen Lippen entkam nur ein unfähiges Murmeln. An seiner Oberlippe zeichnete sich eine kleine, feine Narbe ab. Sie war neu. Auch die Unterlippe war noch nicht lange aufgerissen. Etwas Blut klebte noch an seinem Kinn, als hätte man ihm erst vor Kurzem geschlagen.

Sein Körper zeugte von längeren Spuren der Gewalt. Blaue Flecken übersäten seine Brust. Bissspuren am Hals und in den Schultern. Etwas, das aussah, wie Knutschflecken. Sie wollte nicht weiter blicken, aber der trainierte Officer in ihr tat es, um den Schaden besser einschätzen zu können. Blutergüsse, welche sie an die Form von Händen erinnerten, saßen an seiner Hüfte. Als hätte ihn ein Monster dort gepackt und seine Klauen tief in sein Fleisch gegraben. Es folgten weitere Bissspuren und Hämatome an seinen Oberschenkeln, welche unkontrolliert zitterten. Ob vor Schwäche, Drogen oder Kälte, konnte Tina nicht sagen. Reflexartig griff sie nach der Decke, um Gavin etwas zu verdecken. Das Laken war fleckig. Von Blut und anderen Flüssigkeiten, über die sie nicht weiter nachdenken konnte.

»Hilfe ist unterwegs«, brummte Jackson von der Tür aus. Hass und Zorn sprachen aus seiner Stimme. Es war hart genug im Job, aber einen Freund und Kollegen, den Partner, so verletzt zu sehen, ging tiefer unter die Haut. »Schneid ihn los, Chen.« Tina kramte nach ihrem Messer, um das Seil zwischen Gavins Handgelenken hindurch zu schneiden. Die Haut dort war rau und gerötet. Oh Gott, wie lange ging das schon so? Doch nicht etwa schon die ganze Zeit seit er krank war?

»Gav. Hey, komm schon. Bitte.« Dieses Mal öffneten sich seine Augen. Nur einen Spalt breit, aber es war genug um seinen glasigen Blick zu sehen. Und die Tränen, die kurz darauf seine Wange hinab liefen. Seine Stimme klang nahezu gebrochen.

»T-tina?« Er hustete und es schüttelte seinen ganzen Körper. »Nein … nein… du kannst nicht echt sein. Ich träume w-wieder.« Dann schluchzte Gavin und es brach ihr endgültig ihr Herz. »E-er wird mich n-nie gehen lassen.«

»Wer? Wer, Gav? Wer hat dir das angetan?«

Seine Lippen zitterten unkontrolliert. Zischend, aber bedeutungslos, entwich ihm die Luft. Er versuchte Worte zu formen, aber tat sich sichtbar schwer.

Die Antwort kam auf andere Art. Plötzlich hörte sie von der Tür einen Schrei und sah Jackson zusammen brechen. Ein Messer in den Rippen. Über ihm eine große, bekannte Gestalt. Der Android. Bevor Tina auch nur blinzeln konnte, hatte dieser dem Detective das Handgelenk gebrochen und die Waffe aus seiner Hand geschlagen.

Das rote Brennen des LED tunkte alles in einen gefährlichen Schein, als der Plastik Bastard sich aufrichtete. Die Augen kalt und tödlich, die Miene hart wie Stein. Er preschte vor wie eine gespannte Bogensehne. Der Android fixierte Tina und sie war sich sicher, dass er vor hatte, sie umzubringen. Sie sah schon seine Hände um ihre Kehle, als ein Schuss durch die Stille brach und der Körper aus Plastik zusammen brach. Blaues Blut spritzte ihr ins Gesicht, während der Android auf dem Boden aufschlug und das rote Leuchten erlosch.

Jackson fluchte. Die Pistole in der anderen Hand. Irgendwo in ihrem Hinterkopf hörte sie Gavin damit angeben, dass sein Partner beidhändig hervorragend schießen konnte. Entschuldigungen murmelnd, legte sie Gavin zurück und eilte dann – nach einem kurzen Kontrollblick auf den zerstörten Androiden – zum alten Detective, um erste Hilfe zu leisten.

November, 2038

»Our friend the plastic dtective is back in town!«, der Gruß perlte sarkastisch von Gavins Lippen, als er den neuen Plastik prick den Pausenraum betreten sah. Was hatte das Ding hier zu suchen? Musste es nicht bei Anderson sein statt hier herum zu streunen? Es gefiel Gavin nicht, wenn der Android frei herum lief. Er traute den Teilen nicht mehr und jedes Mal wenn er eines sah, konnte er fühlen, wie sein Puls in die Höhe jagte.

Das Geschehen im Verhöhrraum hatte dabei nicht geholfen. Er hatte gepanickt, als das Ding näher gekommen war. Nur um dem Mörder zu helfen. Sicher mussten diese Plastikfucker zusammen halten. Ihn würden sie nicht herein legen können.

Der Android starrte ihn einfach nur regungslos an, ehe seine Sozialprogramme einsprangen und es tatsächlich die Nerven hatte, sie zu begrüßen. Nervös tippten Gavins Finger auf dem Stehtisch herum. Tina warf ihm einen besorgten Blick zu und senkte den Kaffee-Becher. Seit Jackson wegen seiner Verletzung in Rente gegangen war 2030, gab es niemanden, der Gavin unter Kontrolle hatte.

Gavin stieß sich vom Tisch ab und konnte spüren, wie Hass und Zorn durch seine Adern kroch. Keine zwei Sekunden und das Ding machte ihn aggressiv. Sie hatten noch eine Rechnung offen und er würde sich nicht vor einem Androiden verstecken. »Was für ein Modell bist du?«

Gavins Blick glitt suchend über „Connors“ Jacke und noch während der Plastik Arsch ihm antwortete, machte er die Buchstaben und Zahlen aus.

RK800.

RK. Sein Herz setzte einen Schlag aus, ehe es gegen seine Brust hämmerte. Seine Hände begannen feucht zu werden und sein Sichtfeld zu verschwimmen. Nein. Nein, er hatte seit drei Jahren keine Panik-Attacke mehr bekommen. Er fing nicht jetzt damit wieder an.

Aber da stand dasselbe Model vor ihm. Er bemerkte nicht wirklich, wie er den Androiden fragte, ob er hier war, um sie alle zu ersetzen. Es war eine der üblichen Parolen der Androider-Hasser. Ein Reflex, um von seinen eigenen Problemen abzulenken. Besser als das, was in ihm vorging. Besser als die Angst und die Scham, die ihm in jedem Knochen steckte.

Und das Ding ignorierte ihn. Es hatte die verfickten Nerven ihn zu ignorieren, als stände er über Gavin. Sein Puls jagte weiter in die Höhe und er knirschte mit den Zähnen. »Hey Arschloch, ich rede mit dir!«, knurrte Gavin, aber die braunen, leeren Augen starrten ihn ausdruckslos an. Genau wie-

Nein. Er war in Kontrolle. Er war frei. Das konnte ihm niemand mehr nehmen.

Er musste sie behalten. Das war nur eine Maschine. Sie hatten ihnen zu dienen und zu gehorchen. »Bring mir einen Kaffee, dipshit!«

Und das Ding erklärte ihm, dass es nur die Befehle von Anderson zu befolgen hatte. Gavin wandte sich mit einem humorlosen, bösartigen Lachen zu Tina um, die ihn wachsam beobachte. Ihre Augen schienen ihn zu bitten, es sein zu lassen, aber das konnte er nicht.

Er würde nie wieder vor einem der Scheißkerle zurück schrecken oder sich manipulieren lassen. Er war stärker. Klüger. Er war lebendig. Er schoss herum und traf den Androiden dort, wo die Thirium Pumpe saß.

Mit Erleichterung und brennenden Zufriedenheit, sah er wie das Ding die Augen aufrisse, sich krümmte und ächzend in die Knie sank.  Phuck yeah, das fühlte sich gut an!

Gavin schnaubte, ein grausames Grinsen auf den Lippen, dass seine innere Furcht kaschierte und stapfte dann aus dem Pausenraum ohne einen Blick zurück. Er brauchte einen sicheren Ort, um seine brodelnde Panik in den Griff zu kriegen.

Kurz danach ertappte er den Blechhaufen vor der Tür zum Beweisarchiv. Und Scheiße. Das Ding gab ihm Widerworte. Sarkastisch und ironisch. Er spürte, wie sich innerlich bei dem Worten unsere Bromance alles zusammen zog.

Gavin sah die Anzeichen. Er hatte sie unbewusst bei dem Vorgängermodel von Connor beobachtet und wusste, was sie bedeuten. Das Ding ging kaputt. Deviant, wie es mittlerweile hieß. Und Hank hatte sich von dem Fucker manipulieren lassen, um Perkins aufzuhalten.

Der Android verschwand hinter der Tür, nachdem Gavin ihn gehen ließ. Aber nur um ihn auf frischer Tat zu ertappen und aufzuhalten.

Doch das ging gründlich schief. Der Bastard ging auf ihn los. Trotz der gezogenen Waffe. Gavin versuchte sich zu verteidigen, die Panik und den Schmerz zu unterdrücken, jedes Mal wenn ihn ein harter Schlag traf.

Nein. Nein. Er konnte nicht wieder einer Maschine unterlegen. Keinem Haufen Schrott.

Keinem RK-Modell.

Die pure Angst um sein Leben ließ ihn einen Treffer landen. Ein scharfer Schmerz explodierte in seinem Handrücken, aber der Android taumelte vor ihm zurück. Seine anmaßende Euphorie währte nur kurz.

Der nächste Tritt und Schlag schickten ihn zu Boden. Er hatte das Gefühl, dass etwas in ihm brach. Ob es sein letztes bisschen Stolz oder eine Rippe war, konnte er nicht sagen. Es war auch egal, denn in der nächsten Sekunde wurde seine Welt dunkel.  

Januar 7, 2039

Gavin drückte Elis Anruf weg. Er wollte nicht reden. Nicht, wenn seine Laune so mies war. Und wenn er ehrlich war, hatte seine Beziehung zu seinem Bruder sich über die Jahre extremst verschlechtert. Sie redeten kaum noch miteinander und etwas Unaussprechliches schien zwischen ihnen zu stehen. Eli hatte kurz nach dem verfickten Monat beschlossen bei CyberLife zu kündigen, um für ihn da zu sein. Ihn bei seiner Therapie und dem Drogenentzug zu unterstützen. Die Kosten der Kliniken hatte er übernommen, aber schlussendlich hatten sie sich beide von einander zurück gezogen. Nur manchmal, wenn Elijah wieder zu viel Wein getrunken hatte, rief er Gavin an und im Endeffekt wollte keiner von ihnen beiden diese Telefonate führen.

Gavin schloss die Augen, als er ein zweites Mal den Anruf weg drückte.  

Sein Leben hasste ihn.

Gerade wo er geglaubt hatte, seine Therapie würde ihn endlich ruhiger schlafen lassen und nicht bei jedem Androiden, der ihm begegnete eine wildgewordene Mördermaschine sehen, aber da wurde die Fehlfunktion als Beweis von Leben durch ersetzt.

Und von wem? Natürlich von noch einem RK-Modell. Die Gesetze waren durch nach einer friedlichen Demonstration. Connor selbst hatte sich von Hank adoptieren lassen, kaum dass es möglich war und durfte als Detective im Revier bleiben. Gavin hätte Kotzen können. Nach wie vor traute er dem Deviant-Kram nicht. Egal, wie menschlich der Blechhaufen sich benahm. Aber nun waren alle Gesetze endgültig durch und die Androiden verhielten sich vorrangig friedlich, um sich in die Gesellschaft einzugliedern. Kaum noch einer trug die alten Uniformen und viele entfernten ihre LEDs, was Gavins Angstzuständ nur erhöhte.

Er konnte kaum noch Freund Feind unterscheiden. Nichts mehr, dass ihn warnte. Es machte ihn fast verrückt.

Seit die Zahlen der Deviants gestiegen waren und sie als Bürger galten, als lebendig, wurde aus Sachbeschädigung Gewalt und Mord. Und viele Menschen kamen wohl nicht damit klar. Sie wurden immer wieder zu Übergriffen gerufen, aber noch schlimmer wurde es, wenn ein Android sich an Menschen vergriff. Egal ob aus Rache oder Notwehr. Abgesehen davon, dass es jedes Mal Gavin unter die Haut ging und er es kaum an einem Tatort aushielt, waren die Androiden um einiges schwieriger zu erwischen. Keine Fingerabdrücke und es dauerte bis die Spurensicherung das Thirium analysiert hatte.

Hank und Connor, Captain Fowlers neues Star-Team hatte bei ihren Android-Fällen klare Vorteile durch das Design des RK-Modells.

Und Gavin sah sein Ziel Lt. zu werden, am Horizont verblassen. Nach all der Arbeit und Mühen, die er auf sich genommen hatte. Das frustrierte ihn noch mehr und kaum jemand, hielt es noch in seiner aggressiven Gesellschaft aus. Selbst Tina, die sich sonst nie zu schade war, ihm Kontra zu geben, fasste ihn mit Samthandschuhen an. Seit Jackson hatte er jeden Partner vergrault und Fowler hatte irgendwann aufgegeben, ihm jemanden zuzuteilen.

Zumindest hatte Gavin das gehofft.

Fowler präsentierte ihm einen verfickten Androiden. Erst glaubte er, es wäre ein weiterer Connor-Clon, aber er war zu groß, die Schultern zu breit und die Brauen zu tief liegend. Es war gemacht, um seinen Gegenüber einzuschüchtern und wirkte steif und unnachgiebig mit seinem hohen Kragen. Es trug noch immer die CyberLife-Jacke, wie ein verdammtes Warnsignal und an seiner Schläfe leuchtete ein kühles Blau. Das Gesicht eine perfekte Maske ohne Emotionen, aber Versehen mit kleinen Muttermalen, die es so detailliert und lebensecht machten, dass es Gavin kalt den Rücken herunter lief.

Stahlblaue Augen fixierten ihn. Und der Detective wandte den Blick ab. Seinem Captain zu, versuchend den Mut aufzubringen, um sein Schicksal aufzuhalten. Das war zu viel. Einfach zu viel verlangt. Wieso konnten sie ihn nicht einfach in Ruhe lassen? War das so viel verlangt?

Gavin wagte es nicht einmal nach der Nummer zu sehen. Er wusste es. Er fühlte es mit jeder Pore seines Körpers, aber er wollte es nicht sehen.

»Ich bin RK900. Ihr neuer Partner.«

Die Augen des Detectives schlossen sich.

____________________________
Der erste Teil einer Oneshot-Serie :) Der nächste Teil würde sich mehr auf Reed900 konzentrieren.

Wollt ihr wissen, wie es weiter geht? Lasst es mich wissen. (Eigentlich wollte ich dbh nur auf englisch hoch laden, also wenn ihr am restlichen deutschen Orginal interessiert seid, lasst es mich wissen :) Deswegen auch der etwas andere Schreibstil bei den dbh ffs.)

Phuck.
Review schreiben