Friendship

GeschichteFreundschaft / P16
18.12.2019
18.12.2019
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Allgemeine Info!
Ich wusste und weiß nicht, ob ich diese FF hier in dem Fandom posten darf. Wenn jemand von euch eine andere Kategorie vorschlagt, sagt mir bitte Bescheid, dann werde ich sie in diese verschieben.

LG Animeliker^^




Xiao Zhan war müde. Man konnte es an seinem Gesicht sehen. Sobald er ungeschminkt vor dem Spiegel stand, konnte man die dunklen Augenringe sehen, die sich tief in sein Gesicht gegraben hatten. Um ihn herum schwirrten seine Teamkollegen und Kolleginnen, Maskenbildner und Statisten, Regie und Crew. Es war vier Uhr am Morgen und die vorerst letzten Szenen des neuen Films hatten schier unendlich lange gedauert. Er hatte gewusst, was auf ihn zukam, als er als Sänger und Schauspieler angefangen hatte zu arbeiten. Drehtage liefen bis tief in die Nacht und mussten manchmal sogar wiederholt werden. Was Xiao Zhan schon alles erlebt hatte, das konnte sich wahrlich kein Normalsterblicher vorstellen. Aber jetzt konnte er endlich ausruhen. Sie kamen mit dem Film gut voran, hatten ein wenig Puffer und dieser reichte, um dem Schauspieler ein oder zwei Tage Ruhe zu gönnen. Immerhin hatte Xiao Zhan nicht immer die Chance, volle zwei Tage zu seiner freien Verfügung zu haben. Sein Terminkalender war zu 99 Prozent vollgestopft mit Interviews, Auftritten und Schauspielerei, sowie mit Konzerten seiner Band X Nine. Er hatte jetzt das Gefühl, endlich ausschlafen zu können. Solange, bis sein Manager ihn wieder anrief und ihn frühzeitig aus seinem freien Tag holte. Irgendwas war schließlich immer. Ein verschobenes Interview, ein Ausfall in einer Talkshow, bei der er dann einspringen musste und so weiter und sofort. Aber fürs Erste gab sich Xiao Zhan damit zufrieden, nach Hause zu können.

„Bis in zwei Tagen“, verabschiedeten sich seine Kollegen und er grüßte höflich zurück. Ob er tatsächlich Auto fahren sollte, wenn er kurz davor war, auf der Stelle einzuschlafen? Aber irgendwie musste er zurück. Aus seiner Jackentasche holte Xiao Zhan seine Schlüssel. Eigentlich wurde er tagtäglich von seinem Bodyguard begleitet, doch heute war eine Nacht, in der zumeist alles ruhig war. Keine hysterischen Fans, die ihm auflauerten, nicht einmal die Presse. Auch diese Menschen hatten ein eigenes Privatleben, doch auch bei ihnen hatte der Schauspieler schon Sachen gesehen, die es eigentlich gar nicht geben durfte.

Das Parkhaus war viel zu kalt. Trotz Jacke fror Xiao Zhan, beeilte sich deshalb, zum Auto zu kommen. Der Herbst war kälter, als bisher. Ein Grund mehr, sich auf den Weg nach Hause zu machen. Sobald er das Auto gestartet hatte, drehte er die Heizung auf und fuhr los. Die Straßen Chinas, die normalerweise immer vollgestopft waren und den so verhassten Smog verursachten. Jetzt aber waren die Straßen leer. Niemand war zu sehen und nur ab und zu kreuzte ein Auto seines. Manchmal war es für ihn eine echte Tortur, durch den Verkehr zu kommen. An solchen Tagen wie heute konnte man nur ein Danke an den Gott schicken. Diese Situationen waren hier äußerst selten. Für China, ein Land in dem über eine Milliarde Menschen lebten, wurde selbst die Nacht zum Tag. Beinahe wie in Las Vegas.  

Die Ampel, auf die Xiao Zhan zufuhr, schaltete auf rot um. Stille breitete sich in seinem Wagen aus, denn er fuhr ohne Radio. Er wollte nach dem ganzen Getöse nur ein wenig Ruhe. Wenigstens für einen einzigen Moment. Kurz drifteten seine Gedanken ab und er sehnte sich nach seinem Bett. Eine plötzliche Bewegung im Rückspiegel ließ ihn aufschauen. Hinter ihm kam mit hoher Geschwindigkeit ein Motorrad auf ihn zu, dessen Scheinwerfer hektisch blinkte, als wollte der Fahrer so auf sich aufmerksam machen. Er fuhr viel zu schnell auf ihn zu! Plötzlich wechselte der Motorradfahrer die Spur und Xiao Zhan musste in den rechten Seitenspiegel schauen, um diesen Irren im Blick zu behalten. Die Ampel war noch immer rot, aber die Person schien nicht langsamer zu werden. Sie bewegte hektisch die rechte Hand, als wollte sie bremsen, konnte es aber nicht. Der Fahrer rief etwas, doch Xiao Zhan konnte es nicht verstehen. Und dann fuhr er schon auf seinem Motorrad mit einer höllischen Geschwindigkeit an ihm vorbei. Die Straßen, welche von Häuserblocks umgeben waren, waren zwar leer, aber die Person war gerade über eine rote Ampel gerauscht. Sobald sie auf grün umschaltete, folgte Xiao Zhan dem Fahrer mit seinem Wagen. Der arme Kerl wusste anscheinend nicht, was er tun sollte. Vermutlich war er ein Anfänger, aber der Schauspieler würde sich nicht in Lebensgefahr begeben, um das Motorrad zu stoppen. Er war dem Fahrer dicht aufgefahren, als dieser plötzlich nach rechts abdrehte und in eine Gasse fuhr. Kurz darauf hörte Xiao Zhan selbst in seinem Auto noch ein lautes Krachen, wendete und stellte das Auto vor der Gasse ab. Dann stieg er aus und wagte sich in die Dunkelheit. Er war sich unsicher, ob er wirklich nachsehen sollte, allerdings verstieß es gegen seine Moral, wenn er sich jetzt umdrehte und zurücklief. Sollte am Morgen von einem Toten die Rede sein, würde er sich das nie verzeihen können. Der Fahrer des Motorrads schien sich ziemlich weit in die Gasse hinein manövriert zu haben. Erst nach einigen Dutzend Metern fand Xiao Zhan das Motorrad. Und unter diesem den Fahrer. Das Zweirad hatte an der Ziegelwand einen enormen Schaden angerichtet, jedoch nichts weggerissen. Überall auf Hüfthöhe befanden sich Kratzspuren. Der Lack war definitiv nicht mehr zu gebrauchen. Xiao Zhan überlegte nicht lange und hievte die Maschine auf die andere Seite, um an den jungen Fahrer zu gelangen. Der Ärmel seines rechten Arms und das rechte Hosenbein waren komplett zerrissen, als hätte er so versucht zu bremsen. Mit einem geschickten Handgriff öffnete er das Visier des Helmes. So ruhig es ging fragte Xiao Zhan, ob der junge Mann ihn hören konnte, jedoch vergeblich. Er war bewusstlos. Vorsichtig kniete sich der Schauspieler hinter den Mann, öffnete den Helm und zog ihn mit gezielten Handgriffen langsam vom Kopf des Fahrers.

Vor Entsetzen ließ Xiao Zhan den Helm fallen. Vor ihm lag nicht, wie er erwartet hatte, ein Unbekannter, sondern jemand, mit dem er bereits gedreht hatte. Sie beide waren gute Freunde geworden und hielten regelmäßig Kontakt. Es war Wang Yibo, mit dem er zusammen in der Serie „The Untamed“ geschauspielert hatte.
„Wang Yibo“, sagte Xiao Zhan und tätschelte ihm die Wange. Ein leises Stöhnen war die Antwort. Nicht gut genug. Er holte sein Handy aus der Jackentasche und wählte den Notarzt. Doch sobald jemand abhob, erstarb die Stimme am anderen Ende der Leitung. Ungläubig starrte Xiao Zhan sein Handy an, auf dem Display stand „low battery.“
„Verdammt!“, zischte er, dann suchte er in Wang Yibos Kleidung nach dessen Handy. Als er es gefunden hatte, schwand seine Hoffnung, denn durch den Bremsversuch war das Handy so beschädigt worden, dass es nicht mehr benutzbar war.
„Was mache ich jetzt?“, fragte sich der Schauspieler und überlegte fieberhaft. Es war halb fünf am Morgen, keiner war auf den Straßen unterwegs und niemand hatte hier in dieser verlassenen Gegend ein Haus. Er warf einen Blick auf Wang Yibo. Die Stellen, die er sich aufgerissen hatte, bluteten, er selbst war bewusstlos. Ihn ins nächste Krankenhaus zu bringen verursachte zu viel Aufsehen. Er konnte im Moment auch niemanden erreichen. Weder die Bandkollegen des Sängers, noch seinen Manager. Es gab nur eine einzige Lösung. Das Motorrad würde liegen bleiben müssen. Stumm entschuldigte sich Xiao Zhan bei seinem Freund, bevor er ihn auf die Arme nahm und zu seinem Wagen trug. Dort setzte er ihn sicher auf dem Beifahrersitz ab, ehe er auf die andere Seite lief. Man hatte sie nicht gesehen, auf den Straßen war nichts los und doch kam sich Xiao Zhan vor, als würde er gerade ein Verbrechen begehen. Er startete ungeduldig den Motor, schnallte sich an und fuhr auf dem schnellsten Wege zu sich nach Hause.

Die Tiefgarage hatte keine Kameras, wofür der Schauspieler im Moment sehr dankbar war. Er versuchte noch einmal, Wang Yibo aufzuwecken, jedoch erfolglos. Noch nie hatte Xiao Zhan so etwas durchgemacht und es war auch das erste Mal, dass er sich so bemühte jemandem zu helfen. Er musste unbedingt Wang Yibos Management erreichen. Am besten erst sein eigenes, die hatten schließlich alle Kontakte. Xiao Zhan trug seinen Freund nun auf dem Rücken zu den Fahrstühlen, überlegte fieberhaft, wo er denn nur den Erste-Hilfe-Kasten hatte, da er ihn so selten benutzte.  Die Fahrt mit dem Aufzug gestaltete sich als nervenaufreibend, immerhin wohnte Xiao Zhan relativ weit oben in dem 25-stöckigen Haus. Ein Apartment während der Dreharbeiten, damit er nicht so lange fahren musste, denn der Drehort und sein zu Hause lagen weit mehr als hundert Kilometer auseinander. Der Fahrstuhl stoppte und Xiao Zhan schickte ein Stoßgebet zum Himmel, dass sich gerade niemand auf den Fluren befand. Den Schlüssel hielt er bereits in der Hand, sah sich noch ein letztes Mal um, ob Wang Yibo Blut verloren hatte, doch es schien nicht der Fall zu sein.
„Wenigstens etwas“, murmelte Xiao Zhan und trat aus dem Aufzug. Für seine Größe war Yibo ziemlich leicht, was die Sache unkompliziert machte. Damals beim Dreh für The Untamed hatte Wang Yibo nur einen einzigen Versuch gehabt, ihn selbst zu tragen, wobei dies auch nicht ohne Lachen funktioniert hatte. Dennoch hatten die beiden es gemeistert und hinterher hatte Yibo aus dem letzten Loch gepfiffen.

Den Flur hatte Xiao Zhan schnell überquert. Jetzt galt es nur noch, den Schlüssel ins Schloss zu stecken. Doch wie es das Pech so wollte, rutschte dem jungen Schauspieler umgehend der Schlüssel aus der Hand. Mit einem leisen klimpern lag er vor ihm und Xiao Zhan hätte sich die Haare raufen können, hätte er nicht Wang Yibo auf seinem Rücken. Mit ihm zusammen musste er sich bücken, hob den Schlüssel mühevoll auf. Dann aber klappte es und Xiao Zhan brachte seinen Freund hinein, bevor er die Tür hinter sich schloss.