Unexpected

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
Boris Saalfeld OC (Own Character) Tobias Ehrlinger / Saalfeld
18.12.2019
22.01.2020
10
22433
20
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Ach, Ihr Lieben, Ihr seid und bleibt einfach der Hammer! Sooooo danke fürs liebe Feedback, die funkelnden Sternchen und schlagenden Herzen!!! <3<3<3 Hab Laurenz mit Blumen losgeschickt! Wer mag, er hat auch Grappa dabei ;-)

So, nun haben die zwei Mr. lange genug da an der Treppe rumgestanden, Zeit, eine Entscheidung zu treffen! Hach, bin sooooo gespannt, was Ihr dazu sagt!


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“Our lives are defined by opportunities, even the ones we miss”
from Benjamin Button

‚Willst du das wirklich?‘  hörte Boris nochmal seine innere Frage, sah, dass Mr. A.H. eine Augenbraue hochzog und sich an die Wand lehnte. Möglich, dass ich das hier bereuen werde, aber bei Gott, ich weiß ich würde bereuen, wenn ich es NICHT tue!  Stand seine Antwort plötzlich glasklar fest, denn noch nie in seinem Leben hatte etwas oder jemand einen derartigen Reiz auf ihn ausgelöst, wie dieser dunkelhaarige Wuschelkopf, der gerade die Beine überkreuzte und die Hände in die Hosentaschen schob, während er ihn leicht fragend anblickte. Entschlossen straffte Boris die Schultern und ging los. Er ignorierte das leichte Schmunzeln von Mr. A.H. und stieg rasch die Stufen hinauf.
Tobias löste sich von der Wand, folgte ihm und genoss grinsend den Ausblick auf seinen Hintern. Puh, bei jedem anderen wäre er sich sicher gewesen, dass nach so einem Kuss kein NEIN mehr kommen konnte. Aber gerade eben, da an der Garderobe, da hatte Mr. H.A. ernsthaft gezögert! Natürlich hatte Tobias so getan als würde ihn das wenig tangieren, aber innerlich hatte er kurz die Luft angehalten, weil… weil… heute, jetzt, ohne Mr. H.A. nach Hause gehen müssen?! DAS hätte ihm nicht gefallen. Kein bisschen gefallen!

Schweigend gingen sie nebeneinander her. Kein Händchenhalten, kein Arm in Arm. Schließlich wussten sie beide, was das hier war: Freitagabend-Spaß – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Also zumindest Tobias wusste das ganz genau und Boris… nun, der wusste in dem Moment nicht wirklich viel, zu sehr pochte sein Herz in seiner Brust. Er wünschte er hätte mehr von dem Bier getrunken, vielleicht wäre er dann cooler? Tobias schielte zu seinem Nebenmann, der etwas angespannt wirkte. Hm… vielleicht konnte ein kleiner Kuss die Stimmung auflockern? Er ging zwei Schritte schneller, blockierte Boris Weg und grinste ihn an. Dessen Augen wanderten unwillkürlich zu seinem Mund. Sehr schön, wir denken in die gleiche Richtung, dachte sich Tobias und schloss die kleine Distanz zwischen ihnen. Er hatte nur einen kurzen Kuss, einen kleinen Appetizer im Sinn gehabt, aber kurz war viel ZU kurz. Seit ihrem Intermezzo im Gang hatte Tobias an wenig anderes gedacht, als an dieses grandiose Kuss-Gefühl. Und heute – endlich! – konnte er sich mehr davon holen. Und das tat er. Und dann noch ein bisschen mehr. Mmmh, das war wie eine Droge, die mit jedem Trip besser wurde! Und das Beste kam ja erst! Diese Vorfreude ließ ihn den Kuss beenden und seine Schritte beschleunigen, auf dass sie bald in seiner Wohnung, besser gesagt Bett ankommen würden! Ein Glück hatte er sich damals gegen eine WG entschieden. Hätte er jetzt echt nicht gebraucht, dass da vielleicht ne spontane Party abginge und sie nicht ihre Ruhe hätten. Wobei… na, ja, so ruhig würden sie vielleicht selber nicht sein, grinste Tobias in sich hinein und freute sich, als er das Wohnhaus erblickte. Jetzt schnappte er doch nach Mr. H.A.s Hand und zog ihn nach einem kurzen, harten Kuss mit einem Lachen ungeduldig Richtung Eingangstür.  

Der Weg von der Haustür zur Wohnung und schließlich Bett war ein kurzer gewesen, die Kleidung lag auf dem Schlafzimmerboden verstreut, soweit so gut. Dennoch… irgendwas stimmte nicht… irgendwas lag in der Luft… das spürte Tobias deutlich. Er stoppte seine Hand, löste ihre Lippen und schaute sein Gegenüber forschend an „Du hast noch nie, oder?“, fragte er schließlich leise. Boris bejahte die Frage mit einem leichten Kopfschütteln. Puh… damit hatte Tobias nicht gerechnet, nicht mehr. Auch nicht damit, dass ihm das so gefallen würde! Ein ganz eigentümliches Gefühl durchströmte ihn. Er streifte Boris mit dem Handrücken über die Wange. „Okay,… dann wird das hier sicher nicht das Beste werden, was du je erlebt hast, da will ich dir keine Illusionen machen“, sagte er immer noch mit leiser Stimme – zu gut erinnerte er sich an sein erstes Mal. „Aber ich verspreche dir, es wird besser und dann tatsächlich das Beste, was du erleben kannst“, strich er ihm wieder über die Wange und näherte sich Boris Ohr. „Da wär ich dann gern wieder dabei“, raunte er und fing an ihn zu küssen und zu streicheln um die spürbare Anspannung, die in den letzten Sekunden entstanden war, wieder vergessen zu machen. Funktionierte nur bedingt. Seine ehrliche Ansage hatte wohl zu viele Spuren hinterlassen. Auch wenn Boris Erregung offensichtlich nicht völlig dahin war, trotzdem, es stimmte nicht. So würde das nichts werden. Bzw. wohl nur für ihn selbst. Und auch wenn Tobias nicht viel anbrennen ließ, er war im Bett kein Egoist. Das sollte schon für beide stimmen. Und da waren er und Mr. H.A. grad nicht so auf dem Weg dorthin. Und das störte ihn. Mehr als sonst. Oder umgekehrt, er wollte, dass es gut würde. Mehr als sonst. Okay, mit diesem Gedanken würde er sich später auseinander setzen, vielleicht. Jetzt widmete er seine Aufmerksamkeit diesem unglaublich heißen Typen, der tatsächlich nackt in seinem Bett lag… Etwas, das er sich schon lange ausgemalt hatte und dessen er sich auch sicher gewesen war, dass es dazu kommen würde. Jetzt allerdings war da kein Gefühl des Triumpfes… es war einfach nur… schön… Auch das etwas worüber er sich (vielleicht) später seinen schönen Kopf zerbrechen würde.
Er legte sich auf den Ellenbogen gestützt neben Boris, schaute ihn sanft an und strich ihm über Stirn und Wange. „Ich kenn dich nicht, aber du scheinst mir ein ziemlicher Kopf-Mensch zu sein. Könntest du den hier (tippte er ihm mit dem Zeigefinger an die Schläfe)  heute mal ausnahmsweise ausschalten und mit DEM hier (er umfasste Boris halbsteifes Glied und fing an, es sanft zu massieren)  denken? Nur für ne kurze Weile, dann darf dein hübscher Kopf wieder übernehmen“, beugte er sich immer näher an Boris Gesicht heran. Als er nur noch wenige Zentimeter von seinen Lippen entfernt war, hauchte er „Okay?“ „Okay“, nickte Boris leicht und seine Augen wanderten zu Tobis Lippen. Der gab ihm einen behutsamen Kuss „Schön“, flüsterte er als er sich nur wenige Millimeter von seinem Mund getrennt hatte, um eine Kuss-Spur über Boris Hals hinunter, rund herum und über eine Brustwarze und wieder hinauf zu dessen Ohr zu legen „denn, ich mag das hier... Und ich hätte es gern öfter“, biss er ihn leicht ins Ohrläppchen. Oh ja, das entsprach mehr als der Wahrheit. Himmel, machte ihn dieser Typ an! Erst dachte er ja, es wäre nur der Reiz der diesmal doch etwas längeren Eroberung, aber nein, das kannte er, der war bislang immer großteils verflogen, sobald die Hüllen gefallen waren. War immer irgendwie enttäuschend gewesen. Enttäuschend war hier und jetzt gerade so rein gar nichts... Er stöhnte leise in den gerade begonnenen Kuss als er Boris Hand fest auf seinem Hintern spürte. Hatte wohl geklappt, das mit dem Hirn-ausschalten, dachte Tobias bevor auch ihm seine Hirn-Kopf-Funktionen langsam aber sicher flöten gingen und andere Regionen die (äußerst süße) Vorherrschaft übernahmen.

„Puh… also,… wenn ich… noch rauchen würde,… dann bräuchte ich jetzt… ne Zigarette“, sagte Boris leicht atemlos und strich sich übers Gesicht. „Schhh“, machte Tobias und zog ihn auf seine Brust, die sich schnell hob und senkte. „Lass uns erstmal wieder runter kommen…“, flüsterte er und konzentrierte sich auf diesen Moment. Diesen Moment, den er immer wieder großartig fand. Diesen Moment, wenn man gerade intim miteinander gewesen war, etwas geteilt hatte, das man nicht mit jedem teilt und das mit jedem so anders war. Und dann diese Sekunden danach, wo das gerade Geschehene durch den Körper strömt, das Herz noch schnell schlägt, das Blut rauscht, man die nackte Haut des anderen spürt… – aber jetzt nicht mehr im Bann der Leidenschaft, sondern ruhig, entspannt, gelöst. Ein rund um Wohlgefühl, ein nicht mehr 100 % in der körperlichen Empfindung sein, aber definitiv auch noch nicht zurück in der Welt – es war wie eine Art Zwischenwelt, keine Gedanken an irgendetwas, einfach nur herrlich „sein“, sich nah sein. Diese Nähe mochte Tobias besonders. Nähe, die er sonst selten suchte, eher sogar vermied, aber in diesen Momenten unendlich genoss. Doch diese fast magische Welt war nur von kurzer Dauer, daher umso kostbarer und durfte nicht durch Worte oder irgendwelche überstürzten Handlungen zerstört werden. Und schon gar nicht beim ersten Zusammensein, denn da waren diese Empfindungen meist noch intensiver – so wie jetzt gerade… das war wertvoll… das war besonders… und heute irgendwie anders als sonst, stellte Tobias fest, als er seinen Gedanken wieder Beachtung schenkte. Musste daran liegen, dass es für Boris das erste Mal gewesen war, sinnierte er während er noch die Ausläufer dieser wunderbaren Gefühle mit geschlossenen Augen genoss und sanft Boris Rücken streichelte. Als sich dieser kostbare Zustand schließlich verflüchtigt hatte, richtete er sich auf und  zwang damit auch Boris sich aufzurichten.

„Bist du okay?“, strich er ihm über die Wange. Boris war überrascht über die Sanftheit der Worte und auch in Tobias Blick lag nicht die übliche Scherzhaftigkeit und Arroganz. Das war die ganze Zeit ihres Zusammenseins schon so gewesen, fiel Boris nun auf. „Ja. Sehr okay“, nickte er. Tobias lächelte und freute sich darüber. Wirklich. „‘Sehr okay‘  ist gut. Wird aber noch besser. Viel besser. Versprochen. Und… und beim nächsten Mal…“, strich er mit dem Zeigefinger über Boris Brustkorb Richtung Nabel und schaute sich selbst dabei zu, bevor er wieder dessen Blick suchte „Machen wir‘s anders rum.“ Es störte Boris, das Tobias so selbstverständlich davon ausging, dass es ein nächstes Mal geben würde, andererseits... andererseits machte diese Aussicht die herrlichsten Dinge mit ihm… Um einer Antwort zu entgehen küsste Boris Tobias, denn auch das machte die herrlichsten Dinge mit ihm. Tobias ließ sich gerne von dem Kuss ablenken, denn er hatte gerade angefangen zu grübeln, warum er das vorgeschlagen hatte. War eigentlich nicht seine Art, dass er nen Rollentausch anbot, wenn nicht explizit danach verlangt wurde.

Kurz bevor der Kuss drohte außer Kontrolle zu geraten, unterbrach ihn Tobias und fischte nach seinen Zigaretten „Du auch eine?“, hielt er sie Boris hin. „Muss das sein?“ „He, du hast doch vorhin selbst davon gesprochen!“, lachte Tobias. Boris verdrehte die Augen „Das war doch nicht ernst, das war mehr… eine Metapher oder so“. Tobias zuckte nur mit den Schultern und zündete seine an. Er lehnte sich ans Kopfende des Bettes. Boris tat es ihm gleich. „Warum hast du noch nie?“ Boris lachte leicht. War klar gewesen, dass die Frage kommen würde. Er seufzte und wünschte sich nochmal er wäre noch Raucher „Ich… bin noch nicht so lang geoutet. Nach außen erst seit ein paar Wochen und für mich selbst…. auch noch nicht so lang. Und irgendwie hat es sich einfach noch nicht ergeben. Also ja, ein paarmal bin ich schon losgezogen mit dem Vorsatz dass…und es hätte auch… aber… aber irgendwie hat’s dann nie so richtig gepasst. „Und heute hat’s gepasst?“ Boris zuckte nur mit den Schultern. Tobias grinste. Nicht wenig selbstgefällig wie Boris feststellte. Dann lachte er plötzlich. „Was ist daran so witzig?“, fragte Boris irritiert. „Daran nichts. Das seh ich als Kompliment. Und nicht gerade als kleines“, grinste Tobias in gewohnter Manier „Aber, das erste Mal mit nem Typen ins Bett und dann weißt du nicht mal seinen Namen? Das find ich schon recht witzig“, grinste er Boris an. Der schaute kurz erstaunt. Tatsächlich! Sie hatten sich nicht vorgestellt! Nun lachte auch er.
„Bist wohl voll der Draufgänger, was?“, nickte ihm Tobias schelmisch zu.
„Sieht so aus“, grinste Boris.
„Und, wie heißt er jetzt, der Draufgänger?“
„Boris. Boris Saalfeld.“
„Boris… Boris Saalfeld“, wiederholte Tobias langsam und ließ seinen Blick über ihn wandern, so als würde er überlegen, ob der Name zur Person, die da nackt neben ihm lag, passte.
„Und mit wem hatte ich das Vergnügen?“, fragte nun Boris, was Tobias wieder zum Grinsen brachte.
„Tobias. Tobias Ehrlinger“, streckte er ihm die Hand hin – nur um ihn, sobald er sie ergriffen hatte zu sich rüber zu ziehen und zu küssen. Als er seine Lippen wieder freigab flüsterte er „Und ‚JA‘, es war ein Vergnügen.“ Dann lehnte er sich wieder an die Bettkannte und zündete sich eine weitere Zigarette an.

Eine Zeitlang schwiegen sie. Boris wusste nicht was sagen und überhaupt fühlte sich alles plötzlich anders an, kühler… – und das lag nicht am seit kurzem gekippten Fenster… Tobias entsorgte die Zigarette in der verschließbaren Aschenbecherbox auf dem Nachttisch und drehte sich zu Boris. „Also ich… ich bin jetzt nicht so der Kuschel-Typ. Ich…“, warum fiel ihm das heute so schwer? Er hatte doch sonst auch keine Hemmungen, seine Lover nach Hause zu schicken… „Versteh schon, du willst dein Bett für dich allein. Bin schon weg“, richtete sich Boris rasch auf und setzte sich auf die Bettkante. Er hörte, wie der Wuschelkopf sich hinter ihm bewegte, registrierte das Öffnen einer Schublade und spürte Tobias dann hinter seinem Rücken. Erst ein unvermutet sanfter Kuss auf seinem Schulterblatt und dann… „Was wird das denn bitte?“, drehte sich Boris ruckartig um, was dazu führte, dass der Kugelschreiber in Tobias Hand einen ziemlichen Strich auf seinem Oberarm hinterließ. „Na, du brauchst doch meine Nummer!“, grinste Tobias. „Und die wolltest du mir auf den Arm schreiben?!? Bist du so n armer Student, dass du dir keinen Zettel leisten kannst? Oder findest du das romantisch?“, rollte Boris mit den Augen und stand auf. „Also ich finde, das hätte was gehabt“, zuckte Tobias schelmisch mit den Schultern „Aber okay, dann gib mir dein Handy“. Boris schaute fragend. „Na, damit ich meine Nummer einspeichern kann.“ Boris hatte inzwischen seine Jeans wieder an und aus dieser fischte er jetzt sein Handy, gab es aber nicht an Tobias, sondern tippte dran herum und schaute Tobias dann auffordernd an. „Also Romantiker bist du keiner“, stellte Tobias lachend fest und nannte dann ein paar Ziffern. „Das sagt der Richtige“, murmelte Boris und tippte die Nummer in den neuen Kontakt. Als Tobias nicht weitersprach, schaute er auf „Da fehlen zwei Ziffern“. „Ich weiß. Kannst entweder so lange probieren, bist sie hast, oder…“ er stand aus dem Bett auf, natürlich ohne Scheu, dass er noch nackt war, trat an Boris heran und küsste ihn, ziemlich fordernd, ziemlich heiß. „…oder, du gibst mir den demnächst zurück und ich verrat sie dir“, grinste er Boris an, nachdem er sich wieder von ihm löste, was nicht wirklich leicht viel – diese Küsse hatten eindeutig Sucht-Potenzial!  Boris wollte nicht, dass der Kuss aufhörte und das war auch der Grund, warum er den eben erstellten Kontakt nicht gleich wieder löschte, was sein Impuls nach dieser Telefonnummern-Nummer eigentlich gewesen war.
Er steckte das Handy in seine Hosentasche „Na, dann lass ich dir mal deine Ruhe“, wandte er sich zum Gehen. „Hey“, fasste ihn Tobias am Arm und drehte ihn wieder zu sich „Ich hab das ernst gemeint,… dass ich das öfter will“. Boris Blick wanderte von der Stelle wo ihn Tobias hielt zu dessen Gesicht und er sah ihn forschend an. Der Typ war irgendwie nicht zu durchschauen… Andererseits war die Ansage klar: Er wollte mit ihm ins Bett. Und ja, er wollte auch wieder mit Tobias ins Bett, (dass er sich da so sicher war, überraschte ihn) und dass dieser das offensichtlich auch wollte, war schmeichelhaft, ABER dass der Kerl sich so 100% sicher schien, dass er das auch kriegen würde, das wurmte Boris gewaltig! Und deshalb rührte er sich auch keinen Millimeter und machte keine Anstalten Tobias zu küssen, auch wenn ihn diese Lippen anzogen wie niemals etwas zuvor. Tobias Mundwinkel schoben sich nach oben und er näherte sich ihm und küsste ihn – diesmal ganz langsam, zärtlich, fast behutsam. Als er seine Lippen löste hatte er immer noch seine Hand an Boris Wange. Sanft streifte er mit dem Daumen über Boris Lippen und schaute sich dabei zu. Dann hob er den Blick und sagte leise „Beim nächsten Mal küsst DU MICH“. Gott, die Arroganz von dem Kerl war echt nicht auszuhalten! Aber zugegeben, irgendwie auch scheiß sexy, rollte Boris innerlich mit den Augen. Und weil dieser letzte Kuss seine Knie wieder ziemlich weich hatte werden lassen und er sich angesichts dessen selber nicht vertraute, ob er es würde halten können, verkniff er sich zu sagen, dass es dazu SICHER NICHT kommen würde. „Vielleicht spiel ich ja lieber mit den Ziffern rum“, zwinkerte er stattdessen, schnappte seine Jacke und ging mit einem „Ich find selber raus“ Richtung Ausgang. „Küssen macht aber viel mehr Spaß als Zahlen suchen!“, rief ihm Tobias lachend hinterher, schmiss sich wieder auf sein Bett und verschränkte grinsend die Arme hinter dem Kopf „Not bad. Not bad at all“ murmelte er. Ahhh, er würde heute wunderbar gut schlafen!  
***
Boris stand vor dem Badezimmerspiegel, schaute sich an – rot geküsste Lippen, zerwühlte Haare und ein gewisses Funkeln in den Augen. Wow, er hatte das wirklich getan! Ja, irgendwie war das sein Plan gewesen oder zumindest hatte er die letzten Tage mehr als einmal daran gedacht… aber schließlich war das schon öfter sein „Plan“ gewesen und dann hatte er doch wieder einen Rückzieher gemacht. Daran hatte er heute nie gedacht. Okay, kurz, da an der Treppe. Aber dann… dann war irgendwie alles klar gewesen und… ziemlich gut. Wenn das noch besser würde… Sein Blick fiel auf den blauen Kugelschreiberstrich auf seiner Schulter und seine Mundwinkel schoben sich nach oben. Er sah sein breites Grinsen im Spiegel. „Boris Saalfeld, dass eines klar ist, verlieben darfst du dich nicht in diesen arroganten möchte-gern Casanova! Gönn dir einfach ein bisschen Spaß und gut ist!“, sagte er laut zu sich selber und griff vehement nach einem Waschlappen.
Nur Spaß haben, ob das gehen würde?... Er sollte das lieber lassen…. Also ganz lassen… Am besten er würde Tobias künftig aus dem Weg gehen. Ja, das war wohl das vernünftigste. Irgendwie hatte er das Gefühl, das das ziemlich schwer werden würde, das mit dem vernünftig sein… Aber es war definitiv besser und er würde es versuchen.
Seufzend betrachtete er nochmal den Strich im Spiegel bevor er ihn wegwusch. Wenn das mit den Gedanken an diesen attraktiven Wuschelkopf nur auch so leicht gehen würde, denn die schienen aus allen Ecken seines Seins zu kriechen – durchmischt mit herrlich anregenden Bildern der letzten Stunden. Hinzu kam was Tobias über das nächste Mal gesagt hatte… er seufzte…  Jep, vernünftig sein würde schwer werden… sehr schwer… Und vielleicht ja auch gar nicht notwendig? Na, toll, er knickte jetzt schon ein! Lachte Boris laut auf und holte sich ein Bier aus dem Kühlschrank, schlafen würde er sowieso noch eine Weile nicht können.

Hilf mir, dass mein Sturm sich legt
Dass meine Flucht endet und weicht
Leih mir einen Mantel, einen Weg
Dass mir eine Richtung bleibt
Und halt mich warm
Mit deinem Feuerlicht
Und halt mich warm
Und vergiss mich nicht
Nur eine Minute Ruhe
Nur eine stille Nacht
Die sich kümmert, mich bewacht
Die um mich weiß
Und nicht schweigt*


*aus dem Song „Feuerlicht“, Album Dauernd Jetzt, H. Grönemeyer
https://www.youtube.com/watch?v=Zj-ONu0iVrU
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