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Unexpected

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Boris Saalfeld OC (Own Character) Tobias Ehrlinger / Saalfeld Viktor Saalfeld
18.12.2019
27.03.2020
24
56.979
29
Alle Kapitel
282 Reviews
Dieses Kapitel
11 Reviews
 
21.03.2020 1.584
 
Ihr Lieben! <3
Ui, dieses Kapitel ist fast wie eine Weggabelung oder wie im Zitat unten tatsächlich „a defining moment“: links das sichere und genau so von Anfang an geplante und schon lange geschriebene happy end, rechts…drei Fragezeichen. Und fast wäre ich doch noch rechts abgebogen, denn eine Idee und mein Schreib-Herz schrien ganz laut „Komm, wir machen ne Detour! So ne richtig lange über mind. 10, wenn nicht 20 Kaps!!!“ Aber mein RL und meine Vernunft haben ein Veto eingelegt – man könne im Sommer oder Herbst nochmal darüber sprechen, haben sie gesagt *augen rollen* - und NEIN, daran würde auch die Corona-Stay-At-Home-Sache nichts ändern *nochmal Augen rollen*. Und dann kam auch noch die Romantik und hat sich mit bösem Blick vor mir aufgebaut…  
Also ist das hier das Ende bzw. vorletzte Kapitel, denn nachdem ich tapfer die Detour in die Kiste und die dann neben Boris Vernunft in den Keller gepackt hatte, hat mir die Romantik ins Ohr geflüstert „Einen Epilog darfst du noch“ (wie großzügig *augen rollen*)

Und jetzt genug gequatscht und endlich los!


*****

“When a defining moment comes along, you can do one of two things.
Define the moment, or let the moment define you”

From Tin Cup


(kurz vor Ferienbeginn)

Boris hatte gewartet. Wartete immer noch. Wartete, dass Tobias es nochmal sagen würde. Laut sagen würde, dass er ihn liebte. Aber er tat es nicht. Auch nichts in die Richtung. Es lief mehr oder weniger alles wie vorher. Das einzige, das sich geändert hatte, war, dass sie sich noch häufiger trafen und Boris oder eben Tobias auch immer über Nacht blieb. Auch das ein stilles Übereinkommen über das und dessen Bedeutung sie nie geredet hatten. Beim ersten Mal war ja dann morgens Laurenz da gewesen und seither … seither war es einfach so. Irgendwie waren sie verdammt gut darin, über gewisse Dinge nicht zu sprechen. Vielleicht zu gut. Und so gab es von Tobias kein wie auch immer geartetes verbales Kommitment. Ja, es gab vieles in das man etwas hineininterpretieren konnte, wenn man wollte; und natürlich wollte Boris. Wie gesagt, seine gedankliche He-loves-me-list war lang. Aber nüchtern betrachtet konnten diese Kleinigkeit alles, aber auch nichts sein. Zum x-ten mal zermarterte sich Boris das Hirn. Vielleicht hatte er sich in jener Nacht doch verhört? Oder vielleicht war dieses „Ich liebe dich“ von Tobias nur aus dem Moment heraus gesagt? Denn diese Nacht damals, die war irgendwie besonders gewesen. Ach, es war frustrierend, dieses ständige hin und her gerissen sein zwischen der Überzeugung DASS und dem wiederkehrenden Zweifel inklusive Angst, dass eben doch NICHT. Und so sehr Boris die Zeit mit Tobias genoss, sich noch nie bei jemandem wohler gefühlt hatte und sich nicht vorstellen konnte, dass je irgendwer mehr Raum in seinem Herzen einnehmen würde, so sehr bedrückte ihn diese anhaltende Unsicherheit. Ja, es fiel Boris immer noch leicht Argumente zu finden, dass das was sie beide da am Laufen hatten, längst nichts mehr mit einer unbedeutenden Bettgeschichte zu tun hatte, sondern mehr war. Aber WIE VIEL mehr? Und war es GENUG? Würde es IHM auf Dauer genug sein?

Und es kam der Punkt, wo Boris es nicht mehr aushielt, diese Frage mit sich selbst zu klären. Sie saßen wieder einmal auf den Stufen, hatten gerade ein Sandwich gegessen und unterhielten sich über die anstehende letzte Uni-Woche. In 7 Tagen begannen die Sommerferien. Tobias hatte seit dem nicht möglichen Hütten-Urlaub mit keinem Wort erwähnt, dass er Boris auch in den Ferien treffen wollte. Wahrscheinlich ging er einfach ganz selbstverständlich davon aus. Boris ja irgendwie auch. Aber, verdammt, konnte Tobias auch mal SAGEN was er wollte?! Funktionierte im Bett ja auch 1A, rollte Boris innerlich die Augen. Er atmete tief durch und bevor er es sich wieder anders überlegen konnte, begann er zu sprechen „Was… was wird das eigentlich mit uns? Wird das überhaupt was?“, zwang er sich Tobias direkt anzusehen. „Wieso? Warum? Ich versteh nicht… Läuft doch gut mit uns! Wenn ich da an gestern Nacht denke…“, zwinkerte der. Boris senkte den Blick, zerknüllte das leere Sandwichpapier fest in seiner Hand „Im Bett läuft‘s, also alles gut?“, schaute er Tobias schließlich wieder an, sein Mund verdächtig schmal. „Also ich würde das schon besser als ‚gut‘ nennen!“, grinste Tobias und stieß ihn kumpelhaft in die Seite, als wolle er sagen ‚Hey, keiner macht‘s so gut wie wir!‘  Wenn es nicht so scheiß weh täte, hätte Boris lachen müssen. Er schaute wieder auf den Betonboden. Konnte es wirklich sein, dass das von ihm gefühlte und so sehr gewünschte „wir“ für Tobias nicht vorhanden war? Nur Spaß? Eine sau gute, aber harmlose Bettgeschichte? Immer noch?! Er spürte die Enttäuschung darüber schlagartig und so deutlich, als hätte jemand Eiswasser über ihn gegossen. Noch nie hatte sich je etwas so beschissen angefühlt. Ihm blieb schier die Luft weg. Und weil er nicht noch mehr von diesem Shit herausfordern wollte und des Wartens so überdrüssig war, fasste er in diesem Augenblick einen für sich selbst überraschenden, aber plötzlich glasklaren Entschluss. Der tat zwar genauso weh, aber das würde vorbeigehen.
Er hob den Kopf und blickte Tobias entschlossen an „Dafür darfst du dir jetzt wieder einen anderen suchen. Du magst doch eh die Jagd. Also, Weidmanns heil“, sagte er ernst und bemühte sich unendlich, dass Tobias nicht sah, wie schwer ihm das fiel und wie verdammt verletzt er war. „W..w..wie bitte?“, war der total verwirrt von dieser Ansage, die für ihn völlig out oft the blue* kam. Boris seufzte, stand auf, schaute auf Tobias hinunter „Mach‘s gut.“ Und die Endgültigkeit in seiner Stimme und in seinem Blick fuhr Tobias durch und durch. Er hatte, mit was auch immer, Boris Grenze nicht nur erreicht, sondern offensichtlich deutlich überschritten! Er war wie gelähmt, zu keiner Reaktion fähig, schaute Boris mit geweiteten Augen an, versuchte zu begreifen, was hier gerade passierte. Boris wartete einige Sekunden, drehte sich dann mit einem kaum merklichen Kopfschütteln um und ging. Nein. Neeeeeein!!! Fuhr es durch Tobias Hirn, durch seinen ganzen Körper! Boris Gehen fühlte sich so nach GANZ gehen, nach AUS SEINEM LEBEN GEHEN und NIE WIEDER kommen an. Und er wollte nicht ohne ihn sein. Nie mehr! Verdammte Scheiße, ich liebe ihn doch!  Das wusste er ja schon lange und das musste Boris doch auch wissen, also gespürt haben?!? Oder nicht? Wahrscheinlich nicht! Shit! Großer Shit! Größter Shit ever! Tobias verstand gar nichts mehr – nicht sich selbst, auch nicht Boris. Zum Teufel, warum hatte der denn vorher nie etwas gesagt?! Und jetzt ging Boris einfach. War schon einige Meter weg. „Boris!“, sagte Tobias laut. Der reagierte nicht, setzte stur einen Fuß vor den anderen. Tobias stand ruckartig auf „Boris, jetzt warte doch!“ Wieder keine Reaktion. Tobias eilte ihm ein paar Schritte hinterher. „Verdammt Boris, bitte bleib! Weil… weil ich dich liebe!“, konnte er jetzt nicht mehr anders als es laut zu sagen und es fühlte sich richtiger an, als je etwas zuvor. Boris blieb ruckartig stehen. Tobias ging noch ein paar Schritte auf ihn zu. Endlich drehte er sich langsam um, das Gehörte hallte in seinen Ohren. Ihre Blicke trafen sich, die Zeit schien kurz still zu stehen. „Ist das… ein Spiel?“, fragte Boris schließlich leise. „Ein Spiel?!“, hauchte Tobias ungläubig, machte wieder zwei Schritte auf ihn zu. „Nein, das ist kein Spiel. Mit dir war es das nie. Ich… ich weiß das schon lang, ich hab‘s nur nie gesagt weil… weil ich ein Idiot bin. Ein riesengroßer. Sorry.“ Boris fing langsam an zu lächeln „Ja, das bist du“, ging nun er die letzten Schritte die sie noch von einander trennten. Er fasste Tobias an den Nacken, zog ihn näher an sich heran. Immer noch voller Wunder über das eben Geschehene wanderte sein Blick über dessen Gesicht, stoppte bei Tobias Augen in denen eine noch nie gesehene Unsicherheit stand. Boris schaute ihn eindringlich, fast beschwörend an „Du bist wirklich ein Idiot... Und ich auch“, flüsterte er bevor er ihn küsste und langsam aber sicher in ihn sickerte, was soeben passiert war, was es bedeutete, für ihn, für sie beide. Die Gefühle dabei waren unbeschreiblich, ihr Kuss schier unendlich - zu viel musste gefühlt, gespürt, gezeigt werden. Als sie sich langsam lösten, blickten sie sich liebevoll an. „Bleibst du…“, fragte Tobias leise „…bei mir?“ Von Boris kam ein langsames Nicken und ebenso leises, aber sicheres „Ja.“

Almost the end of this story, but the beginning of the happy life of Mr. H.A. and Mr. A.H. *grins*
One more chapter to go….


Man sagt oft nichts und redet viel
Im Fieberwahn, im Hochgefühl
Und wär doch Liebe nur ein Wort

Du bist verwirrend direkt
Wo wohl der Haken in Dir steckt
Wer lange zögert, fliegt vorbei
Ich habe keinen Wunsch mehr frei

Man sagt oft nichts und redet viel
Im Fieberwahn, im Hochgefühl
Die Erde dreht sich rechtsherum
Du bist mein unfassbarster Grund

Und selbst Sirenen hielten mich
Keinen Millimeter fern*


**************************************

*hach, wieder so ein kleines Geschenk, dass sich das Schreib-Herz selber macht *grins*. Das gibt es ja öfters, also ich hab mir in meinen Storys einige „Geschenke“ gemacht, aber die „sieht“ man nicht so offensichtlich wie dieses hier ;-)
Vom Lesefluss her wäre eine andere Formulierung schöner gewesen, aber ich bin ganz sicher, Ihr verzeiht mir dieses kleine „Abschieds-Geschenk“ an mich selbst ;-)

<3-lich und schon mit Wehmut im Herzen, Eure
OutOfTheBlue

PS: #staysafe

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*aus dem Songtext „Unfassbarer Grund“, H. Grönemeyer, Album Schiffsverkehr 2011
https://www.youtube.com/watch?v=4MkGKWyXhAY

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