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Unexpected

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Boris Saalfeld OC (Own Character) Tobias Ehrlinger / Saalfeld Viktor Saalfeld
18.12.2019
27.03.2020
24
56.979
28
Alle Kapitel
282 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
17.03.2020 3.492
 
Ihr Lieben! Mann, was sind das für bewegte, ungute Zeiten! Umso schöner, wenn man hier "abtauchen" kann...

Also Ihr habt mich ja wieder mal soooowas von umgehauen mit Eurem Feedback! DANKE! DANKE! DANKE! Schreib-Herz lächelt immer noch verzückt vor sich hin… <3 … und kriegt  fast ein bisschen ein schlechtes Gewissen, wird Euch dieses Kapitel hier doch wahrscheinlich nicht so gut gefallen…
Und das nicht nur, weil es ein bisschen ein komischer Fleckerlteppich geworden ist. Oder findet Ihr vielleicht doch auch, dass es so „muss“? ...hm… ich bin gespannt! Wirklich seeehr gespannt!
Und Ihr wisst ja, wie unglaublich gerne ich Eure Meinung höre ;-) *küsschen*


********

"Do you ever put your arms out and just spin and spin and spin?
Well, that’s what love is like.
Everything inside of you tells you to stop before you fall,
but you just keep going"

from Practical Magic


Sofort nach dem Aufwachen flutete Boris wieder dieses neue Wohlgefühl der besonderen Art. Liebe zu empfinden war an und für sich schon ein bemerkenswertes Gefühl gewesen. Aber das Wissen, dass er nicht ins Leere liebte, hatte ihm erst die gesamte Bandbreite dieser so zauberhaften Emotion eröffnet. Und das war wahrscheinlich sogar noch steigerungsfähig! Nämlich dann, wenn die gegenseitig empfundene Liebe gemeinsam gelebt wurde. Aber… aber soweit waren sie natürlich nicht. NOCH nicht. Mit diesen Gedanken blickte Boris verträumt auf den neben sich schlafenden Wuschelkopf, konnte es nicht lassen ihm lächelnd durch die bettzerwühlten Haare zu streichen, gab ihm einen Kuss an die Schläfe. Und als Tobi Anzeichen des Erwachens machte, küsste er ihn – mit all der für diesen nicht gerade einfachen Kerl empfundenen Liebe.
„Wow… jetzt bin ich wach“, lächelte Tobias als sie sich wieder trennten und zog Boris auf seine Brust. Er dachte an gestern Nacht, an das was er gefühlt, gesagt hatte. Es war nicht so, dass das heute nicht mehr da war, nicht mehr stimmte, aber … aber er war dennoch erleichtert, dass Boris es nicht gehört hatte, denn… denn das würde wohl vieles zwischen ihnen verändern. Wahrscheinlich alles! Zumindest wäre es nicht mehr so leicht und locker. Es wäre dann verbindlich und käme irgendwie einem Versprechen gleich. Ein Versprechen, das er vielleicht nicht halten würde können… Und dann? Dann war das Ende umso schwerer. Nicht nur für ihn. Und es war nie seine Absicht gewesen jemanden zu verletzen. Und Boris schon gar nicht! Außerdem, wer sagte denn, dass der mit seiner so plötzlich entdeckten Liebe etwas anzufangen wusste?! ‚Er sieht dich nämlich genau so an‘  huschten Phils Worte aus dem Nichts. Aber was, wenn der sich getäuscht hatte? Der war ja nun wirklich kein Experte auf dem Gebiet! Apropos Experte… War er ja wohl auch nicht! Überhaupt nicht! LIEBE?! Was wusste, verstand denn ER schon davon? Nichts! Weniger als nichts! Neuland war das für ihn. Völlig unbekanntes Gebiet. Und er wollte ja da auch gar nicht hin! Shit. Wahrscheinlich lauerten dort überall Tretmienen! Außerdem: War das überhaupt Liebe? Ja, er fühlte für Boris etwas, das er noch nie für jemanden gefühlt hatte, das war eindeutig und spätestens seit gestern auch nicht mehr zu leugnen (leider). Aber war das das, was seine Eltern meinten?... Andererseits… Liebe konnte doch nicht NOCH „mächtiger“, NOCH intensiver, NOCH mehr sein, als das, was ihn da gestern übermannt und vereinnahmt hatte?! Und das war ja auch noch immer da, nur… nur hatten sich mit dem grellen Tageslicht Verwirrung, Unsicherheit und Zweifel die Vorherrschaft erkämpft. Denn,… wenn sie diesen easy Lover-Modus verlassen würden, dann würde doch alles kompliziert werden. Dann würde doch alles…  Ach, es war einfach viel besser, wenn es so blieb wie es war! So war es doch bis jetzt gut gewesen! Sehr gut sogar! Warum ändern? Never change a running system! Oder?!? Nikotin! Er brauchte dringend Nikotin! Am besten kombiniert mit Koffein; damit konnte er am besten denken. „Ich geh Kaffee machen“, sagte er und gab Boris einen Kuss in die Haare. Gestern ‚ich liebe dich‘, heute ‚ich geh Kaffee machen‘?!?  War Boris perplex und ja, auch enttäuscht. Andererseits, erstens war Tobias eben Tobias, da lief wohl wirklich nichts 0815 und zweitens wusste der ja nicht, dass Boris das Liebesgeständnis gehört hatte. Und da es eben doch auch typisch Tobi war, verflüchtigte sich die Enttäuschung auch schon wieder und Boris richtete sich leicht lachend auf. „Lach nicht! Ich KANN Kaffee kochen! Selbst mit deiner komischen Mokka-Kanne oder wie das unpraktische Ding heißt“, rügte Tobias ihn. Boris lachte wieder „Ich weiß. Kannst du. Kannst du gut“, lächelte er Tobi an und schaute ihm tief in die Augen und war so unglaublich nahe dran ‚ich liebe dich‘  zu sagen. Vielleicht würde es dann auch Tobias wiederholen? Nein, Boris würde es nicht zuerst sagen und Tobi womöglich zu etwas drängen, was der gar nicht oder zumindest NOCH nicht wollte. WAS Tobias wirklich wollte, blieb Boris immer noch ein Rätsel. Aber seit gestern Nacht hatte er die begründete Hoffnung, dass es tatsächlich weit mehr war als eine länger andauernde Bettgeschichte. Boris schloss kurz die Augen, dachte an diesen Moment gestern, wo er diese wunderbaren drei Worte gehört hatte. Er blickte Tobias wieder an, lächelte und dann küsste er ihn und tat noch vieles mehr – geradezu berauscht von dieser neuen Hoffnung.

Tobias ließ sich nur zu gern von Boris verführen, nicht nur weil wenige Berührungen von diesem Kerl ihn schon über Gebühr antörnten, sondern auch weil diese Körperlichkeit ein so gewohntes, so unproblematisches Terrain war. Da fühlte er sich safe und dieser sinnliche Rausch war ja auch eindeutig angenehmer als rauchend und grübelnd am wahrscheinlich noch schattigen Balkon zu stehen, waren Tobias letzte klaren Gedanken, bevor er bereitwillig abtauchte in diese betörende Welt aus Lippen, Händen, nackter Haut und diesem wollen, so sehr wollen… diesen Mann wollen, Boris wollen – denn ja, verdammt, Boris wollte er von Anfang an mehr als alle anderen! Dass ihm das irgendwie entglitten und in eine so andere Richtung gewandert war, das war nicht geplant gewesen! Wirklich nicht! Ließ sich aber jetzt gerade, angesichts der rasant ansteigenden Erregung – und scheiße, wenn Boris eines konnte, dann ihn mit seiner Zurückhaltung schier in den Wahnsinn treiben! – wunderbar wegschieben und ausblenden. Mit einem Laut zwischen Fluchen und Stöhnen ergriff er dessen Hand und legte sie forsch dorthin wo er sie gerade am allermeisten brauchte. Boris stoppte ihren heißen Kuss, sah Tobias eindringlich an, ließ ihn sehen, wie sehr er ihn begehrte, bevor er endlich seine Hand fest um Tobias Erektion schloss und seine Lippen gierig wieder auf dessen Mund senkte um das erlöste Stöhnen aufzufangen und  gleichzeitig mit seiner Zunge neu zu befeuern. Vielleicht hätte Boris happy  gegrinst, dass er Tobias so wortwörtlich in der Hand hatte, wäre er nicht selbst schon längst in andere Sphären entschwebt gewesen.
Dass sie sich eigentlich hätten für die Uni fertig machen müssen, daran dachten beide erst viel später. Nach einer Blitz-Dusche und Sprint zur Bushaltestelle kamen sie nur ein klein wenig zu spät. Beide grinsten noch einmal in sich hinein, bevor sie ihre jeweiligen Hörsäle mit möglichst ernster und entschuldigender Miene betraten.  

(immer noch Mittwoch, nachmittags)

„Hey Boris, warte!“, rief Laurenz und dankte diesem schönen Zufall während er auf Boris zuging, welcher sich gerade zu ihm umgedreht hatte. „Hallo Laurenz! Na, schon Pläne für das Grappa-Frühstück?“
„Was? Ach so… nein“, erwiderte Laurenz „Aber sowas ist im Notfall schnell geplant“, grinste er und überlegte, wie er denn jetzt am besten schnell das Thema wechselte und auf seinen Punkt kam. Andererseits… wenn er sich Boris so ansah… „Sag mal, was schaust du denn so unverschämt glücklich aus der Wäsche?“, fragte er und Boris Grinsen wurde – wenn überhaupt möglich – noch breiter und er wich Laurenz Blick verlegen aus und zuckte die Schultern „Sind nicht alle Studenten happy wenn die Sommerferien nicht mehr weit sind?“
„Doch. Happy schon, aber nicht SO! Los, raus damit!“
Boris schaffte es weder Laurenz in die Augen zu schauen, noch sein unbändiges Grinsen in den Griff zu kriegen. „Nein! Nicht sagen das Tobilein hat dir seine Gefühle gestanden??!!“, packte Laurenz ihn plötzlich bei den Schultern, schaute total verblüfft und in der gleichen Sekunde traf ihn das schlechte Gewissen, weil er das so vielleicht hätte nicht sagen sollen… shit. Zu spät. Boris Kopf schoss hoch, seine Augen weiteten sich, dann lächelte er „Na, ja,… nicht direkt… so ähnlich“, antwortete er schließlich, war immer noch verlegen und notierte geistig das ‚seine Gefühle‘  – hatte Tobias etwa Laurenz davon erzählt?? „So ähnlich?!“, rollte Laurenz mit den Augen und ließ seine Arme wieder sinken „Mann, der Typ kann auch echt nichts normal machen!“, lachte er dann und Boris lachte mit. „Aber egal. Du strahlst wie Mr. Sunshine, also scheint dieser liebenswerte Idiot ja was richtig gemacht zu haben. Freut mich für euch! Wirklich!“, klopfte er Boris auf die Schulter und war regelrecht erleichtert, dass wenigstens diese Baustelle keine mehr war. „Danke“, entgegnete Boris. „Und bei dir so? Deine Arbeit endlich abgegeben?“ „Erinnere mich bloß nicht daran! Abgegeben ja, aber ob das was wird…“, zuckte er seufzend mit den Schultern. „Ach, manchmal wird was besser als man denkt!“, versuchte Boris ihm Mut zu machen. „Mh… und manchmal weit schlimmer…“, seufzte Laurenz wieder und sein Blick gefiel Boris gar nicht. „Wir reden jetzt nicht mehr über dieses Paper, oder?“, fragte er vorsichtig. „Nein“, lächelte Laurenz müde. „Sondern?“, fragte Boris und war sich nicht sicher, ob er überhaupt nachbohren sollte. „Ach, lassen wir das“, legte Laurenz ihm einen Arm um die Schultern „das ist noch kein ausgewachsenes Problem. Ich weiß nicht mal, ob‘s in den Kindergarten kommt“, zwinkerte er ihm zu und weil‘s jetzt eh irgendwie schon wurscht war, sagte er „Erzähl mir lieber, ob das Tobilein tatsächlich seinen Sinn für Romantik entdeckt hat.“ Boris lachte „Tobi und romantisch? Der war gut!“ Zum nochmal nachhaken kam Laurenz nicht, da der vermeintliche Romantiker gerade auf sie zu geschlendert kam. „Schatz! Wir haben gerade von dir gesprochen“, begrüßte Laurenz Tobias laut. Boris schluckte kurz. Dieses Ge-Schatze zwischen den beiden missfiel ihm, auch wenn er natürlich wusste, dass das rein freundschaftlich war. Und er war ja auch gar nicht eifersüchtig, also nicht im herkömmlichen Sinn… ach, egal! Tobias nahm ohne ein Wort Laurenz Arm von Boris Schultern und schaute ihn süffisant an „Boris findet dich zwar süß, aber deshalb musst du ihn ja nicht gleich antatschen. Und küssen tut er sowieso nur mich!“, zwinkerte er seinem besten Kumpel zu und gab dann Boris einen ziemlich langen Begrüßungskuss. Die Situation schrie förmlich nach einem abgedroschenen ‚Ach, muss Liebe schön sein!‘,   aber Tobias Worte hatten schon wieder Laurenz Sorgenkind geweckt… Verdammt, er sollte das klären. Mensch, bei anderen klugscheißen war ja so viel einfacher als seinen eigenen Shit auf die Reihe zu kriegen. Er seufzte. Boris und Tobias beendeten gerade ihren Kuss. „Na hör mal! So schlecht küssen wir wirklich nicht, dass du so seufzen musst! Ich finde sogar wir küssen phänomenal!“ grinste Tobias erst Laurenz, dann Boris an. „Ts! Phänomenal, klar!“, verdrehte Laurenz kopfschüttelnd die Augen. „Oder geht’s um was andres? Ärgert dich die Uni auf den letzten Metern noch?“, fragte Tobias betont mitleidig und griff ihm theatralisch an die Schulter. „Du weißt, die Uni ärgert mich immer! Aber ich hab mir nur grad überlegt, ob das mit dem Grappa-Frühstück mit euch zwei wirklich so ne gute Idee ist. Würde wahrscheinlich damit enden, dass ich entweder frühzeitig nach Hause müsste oder euch beim Sex zuhören. Uaahh! (verzog er das Gesicht)  Beides nicht wirklich so wie ich mir ein Männer-Grappa-Frühstück vorstelle!“, konterte er. „Alsooo…“, fing Tobias grinsend an seine Hände Boris Arme hinauf wandern zu lassen. Laurenz verdrehte wieder die Augen und schlug ihm fest an die Schulter „Genug jetzt! Lasst uns nen Kaffee holen und dann vielleicht ne Runde Tischtennis?“, schaute er die beiden fragend an. Sie stimmten zu und machten sich auf den Weg in die Cafeteria. Boris als auch Tobias schenkten Laurenz unabhängig voneinander einen nachdenklichen Seitenblick.

Laurenz wiederum nutzte beim Tischtennis Boris Toilettengang sofort um bei seinem Kumpel bemüht beiläufig aber dennoch grinsend nachzufragen, wie es denn so liefe bei Boris und ihm. Tobias wich seinem Blick aus und wollte nicht recht rausrücken mit der Sprache, konzentrierte sich auf einen vernichtenden Schmetterball. Laurenz lächelte amüsiert. Klar, dass das Tobilein das nicht zugeben würde. Verliebt sein ist ja nicht gerade etwas cooles. Und überhaupt: der Campus-Hengst und verliebt? Das war echt zum Schießen! Aber auch wunderbar, fand Laurenz und löcherte Tobias nicht weiter. Und auch nicht in nächster Zeit. Erstens sahen sie sich eh kaum – Tobias verbrachte noch mehr Zeit mit Boris und Laurenz musste unerträglich viel für die Uni tun und hatte ja auch immer noch seine eigene fucking Baustelle. Nach der Tobias natürlich auch schon gefragt hatte. So oberflächlich das Tobilein für viele scheinen mochte, einen besseren Freund hätte sich Laurenz nicht wünschen können. Einen, der auch wenn man nichts sagte, merkte, dass etwas nicht stimmte. Aber wie damals auf dem Dach Tobias, hatte diesmal er das Thema mit ‚heute nicht‘  beendet.

***
In jener Nacht, in der Nacht der drei Worte, war es Boris genug gewesen, es still zu wissen, dass er für Tobias mehr war als ein Lover. Denn er ging davon aus, dass Tobias sein Liebesgeständnis bald wiederholen würde, also laut ihm gegenüber aussprechen. Und so wartete Boris. Wartete viele Tage. Und mit jedem Tag der verging, fiel ihm das Vertrauen darauf ein klein bisschen schwerer. Oder anders gesagt, es gab immer wieder mal Momente in denen er doch wieder sehr daran zweifelte, dass Tobias mehr empfand. Oder vielleicht empfand der ja sogar mehr, wollte aber trotzdem keine wirkliche Beziehung? Konnte sein... Vielleicht war es für Tobias eine ewig lockere Sache bis was Besseres daherkam? Auch sowas wie Treue hatten sie noch nie thematisiert. Vielleicht ging Tobias - wie Boris selbst auch -  ganz automatisch davon aus, vielleicht aber auch nicht. Diese und ähnliche Gedanken drehten so manche Runde und in diesen Momenten fühlte sich Boris ziemlich… einsam. Natürlich hatte er darüber nachgedacht, bei Laurenz nachzufragen. Aber der und Tobias waren so gute Kumpel, der würde ihm das doch garantiert erzählen. Da könnte er gleich direkt Tobi fragen, so wie es ihm sein Bruder bei ihrem letzten BBD geraten hatte. Warum er genau das nicht tat, also Tobias auf den Kopf zusagte, dass er die drei Worte gehört hatte, diese innere Frage ignorierte Boris immer wieder gekonnt, wenn auch oder wahrscheinlich WEIL wissend um die Antwort. Außerdem waren da ja auch diese anderen Situationen, die Boris darin bekräftigten, dass er für Tobias eben doch mehr war als ein just for fun Bett-Kumpane. Dass dieser sonst so wunderbare Wuschelkopf einfach nur ein Problem hatte, das zuzugeben – aus welchen Gründen auch immer. Und Boris war gut darin sich damit zu beruhigen, dass es ja auch nicht nur um Worte ging, sondern um das, was jemand tat – anrufen zum Beispiel, grinsige WhatsApp schreiben, zum Rauchen (auch in der eigenen Wohnung) raus gehen oder überhaupt darauf verzichten, Radler einkaufen (auch wenn man den selbst verabscheute), beim Einschlafen den Arm um einen legen und absolut NIE auf den Gutenachtkuss vergessen. Die Liste war lang und in den Momenten des Zweifelns und der Frustration stets überzeugend. Und Boris erweiterte sie gedanklich ständig, zum Beispiel um folgende Szene:

Boris war Laufen gewesen, Tobias wollte lieber ausschlafen. Als Boris zurückkam hörte er ihn sprechen, offensichtlich telefonierte er. Boris betrat die Küche um sich etwas zu trinken zu holen. Er begrüßte den in Boxershort am Küchenschrank lehnenden Tobi wortlos mit einem Luftkuss, den dieser doch tatsächlich auffing! Also so tat, als würde er ihn fangen. Boris grinste. Der coole Mr. A.H. – Mann, hatte er ihn lange nicht mehr so bezeichnet! – konnte manchmal wirklich ein Sweetheart sein! Boris füllte, immer noch grinsend, sein Glas mit Wasser. Er wollte gerade Richtung Tür aber da Tobi offensichtlich am Ende seines Gesprächs war, lehnte er sich ihm gegenüber an die Spüle und wartete.
„Okay, gut, wenn das so ist, dann kann man da wohl nichts machen. Schade. Danke. Ja, ja, das mach ich. Ja. Danke. Tschüss!“ „Schlechte Nachrichten?“, fragte Boris. „Ja. Nein. Nicht wirklich“, erwiderte Tobias, trank von seinem Kaffee und fuhr fort, obwohl Boris gar nicht nachgehakt hatte „In der Nähe meiner Eltern, da gibt es eine Hütte*, die gehört zu einem Hotelkomplex. Und die wollte ich mieten. Dachte wir könnten die Sommerferien dort starten lassen. Da gibt’s auch einen See.“ „Hütte? See?“, fragte Boris amüsiert und ein ziemliches Lächeln spielte um seinen Mund. Er näherte sich langsam Tobias „Nicht sagen, du hast deine romantische Ader entdeckt?“, nahm er ihm die Kaffeetasse aus der Hand und ungefragt einen Schluck daraus. „Ts, romantisch!“, verdrehte Tobias die Augen, holte sich die Tasse zurück und stellte sie ab. Dann grinste er und seine Moccaaugen wurden wieder mal unignorierbar durchdringend „Ich dachte eher in Richtung HEISS… Wir zwei… offener Kamin… Bärenfell und so…“, arbeiteten sich seine Hände Boris Arme nach oben. „Hmm... klingt immer noch romantisch. Wild romantisch sogar!“, grinste der mittlerweile breit. „Ich geb‘s auf!“, ließ Tobias kurz theatralisch den Kopf auf Boris Schulter fallen bevor er ihn wieder ansah und fortfuhr „Außerdem wird eh nix aus zügellosem Sex vor züngelnden Flammen – ui, das ist ja fast ein Zungenbrecher!“, lachte er, fand die dazu in seinem Kopf entstehenden Bilder aber ziemlich gut und seine Hände wanderten Richtung Boris Hintern. „Zu teuer?“, fragte der. „Nein, da wäre ich mir schon einig geworden. Der Hotelbesitzer ist ein Jagd-Kollege von meinem Vater. Und manchmal ist die Krebs-Tränendrüse ja tatsächlich zu was gut.“ „Du bist unmöglich!“, schlug ihm Boris an die Schulter. „Ja was? Irgend nen Vorteil darf der Scheiß auch haben! Aber wie gesagt, ist eh hinfällig.“  „Weil?“ „Ehrlich gesagt hab ich‘s nicht ganz kapiert. Jedenfalls hat der alte Kauz irgendwas von Toris gefaselt und heilig und dass die Hütte wohl exklusiv für die gemietet wäre und da sonst niemand mehr rein dürfe.“ „Ganzjährig gemietet?“, fragte Boris ungläubig. „Verrückt nicht?“ „Mh, verrückt“, murmelte Boris und dachte sich ‚nicht halb so verrückt wie ich nach dir‘.  Und dass Tobias offensichtlich ganz selbstverständlich davon ausging, dass sie auch in den Ferien Zeit miteinander verbringen würden, das freute Boris sehr, hatte er sich doch schon gefragt wie das wohl werden würde und wie über vieles, hatten sie noch nicht darüber gesprochen. „Apropos ‚heiß‘, ich brauch jetzt ne heiße Dusche“, riss er seinen Blick von Tobias Lippen los und versuchte sich in einem coolen Lächeln. „Ich helf‘ dir“, sagte Tobias leise während seine Augen an Boris Mund festgefroren schienen. „Mit dem Duschen?“, fragte der unschuldig. „Nein, mit dem ‚heiß‘“, zog Tobias ihn an der Hüfte noch näher und hob seinen funkelnden Blick zu dessen Augen „und jetzt tu endlich, was du schon lange tun willst, und küss mich!“, senkte er seine Lippen auf Boris, weil ihn dessen Zurückhaltung wieder mal wahnsinnig machte, wahnsinnig an-machte!

Es lärmt unten auf der Straße
ich glaub, da küssen sie sich schon
Du klärst ungeklärte Fragen
ohne mich am Telefon
und ich sitz hier
halt mein Herz in der Hand

Eigentlich sind wir bereits im Himmel
im sechsten, siebten, wo du willst
Du redest uns um Kopf und Kragen
ich sitz da und lausche still
Es ist ganz einfach
aber einfach nicht für dich

Oh oh oh, ich lieb mich durch zu dir
oh ganz leicht
oh oh oh ich nehm die Furcht von dir
durch jede Zeit
Du wirst sehen in jeder Zeit**


*****************************************

**aus dem Song „Ich lieb mich durch“, Album Dauernd Jetzt, H. Grönemeyer
https://www.youtube.com/watch?v=TExBKRN48c0 – ich lieb das Video dazu <3 transportiert das Herbert-Live-Feeling so schön :-)))

** Anmerkung zu diesem Hütten-Exkurs der nicht wirklich zur Storyline passt. Aaaaaber, ICH hab das bzw. die Hütte gebraucht *grins* - sozusagen als Therapie. Die Insta-Leute unter Euch werdens vielleicht wissen. Jedenfalls als aufkam, dass es Timzi Szenen in der Hütte geben wird – und womöglich auch noch in der Karwendelhütte (gewisse Insta-Seiten haben da gewisse Gerüchte gestreut… grummel, grummel, aber ist vergeben *küsschen*), nun, da war ich leicht neben der Spur… – um es zu verharmlosen *grins* Ich konnte einfach nicht glauben, dass SDL den Frowein mit WEM ANDEREN nochmal romantisch in die Hütte setzen (oder gar LEGEN!!! Womöglich noch oben ohne!!! *lach*) würde! Ja, I know, das ist reinsteigern! Aber sorry, da krieg ich jetzt noch Wallungen (und nicht die guten!) beim Gedanken daran…  Und weil ich die Vorstellung von jemand anders in DER Toris-Hütte so schrecklich fand, musste ich mir meine Welt einfach wieder zu Recht schreiben und so entstand damals dieser Hütten-Absatz *schulter zuck* - UND irgendwann werde ich diese Text-Passage mit einem riesen fetten Grinsen im Gesicht lesen und mir denken, mei, was hab ich mich da damals reingetigert! *lach* #heiligehütte #torisonly

Ups… ist wieder mal ausgeartete meine Plauderei… na, diese „Schwäche“ von mir kennt Ihr ja schon zur Genüge *grins* und bald hat es sich eh augeplaudert, weil das Ende steht vor der Tür… uaaaaah! Wo ist der Wein? Grappa nehm ich auch ;-)

#staysafe
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