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Unexpected

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Boris Saalfeld OC (Own Character) Tobias Ehrlinger / Saalfeld Viktor Saalfeld
18.12.2019
27.03.2020
24
56.979
28
Alle Kapitel
282 Reviews
Dieses Kapitel
11 Reviews
 
25.02.2020 2.078
 
Ihr Lieben! #danke #unglaublichsehr #
*************

True love cannot be found where it does not truly exist,
nor can it be hidden where it truly does"

from Kissing A Fool


Nächster Morgen (Freitag)

Tobias drehte sich zur Seite, schlug die Augen auf und erschrak ein bisschen als er den dicht neben ihm schlafenden Boris erblickte. Ah, ja, richtig! Er hatte ihn gestern gebeten zu bleiben. In Sekundenbruchteilen war alles wieder da. Boris erstaunter Gesichtsausdruck, das Knutschen auf der Couch, das auch im Bad nicht wirklich aufgehört und im Bett seine Fortsetzung gefunden hatte. Und dann später das  Einschlafen, eng an Boris Rücken gekuschelt das war… total fein gewesen. Das hier gerade, das neben ihm Aufwachen…das war… ungewohnt,… aber gut, formte sich Tobias eben noch eher grübelndes Gesicht zu einem Lächeln. Sehr gut sogar! Und sie waren ja auch immer noch nackt, da könnte man doch… ließ er seine Hand unter die Decke gleiten. Die Türklingel ließ ihn hochschrecken und Boris gleich mit. „W..w..was ist los?“, schaute der Tobias verwirrt an und musste erstmal wach werden.

Tobias antwortete nicht gleich, in seinem Hirn ratterte es. Shit, das hatte er ganz vergessen! Laurenz wollte zum Frühstücken vorbeikommen und sie dann gemeinsam in die Uni. Sollte er einfach nicht aufmachen? Quatsch, dann würde Laurenz sich Sorgen machen und sicher 10-mal anrufen, schließlich waren sie verabredet. Einfach sagen, dass er es vergessen hatte, nicht allein war und Laurenz wieder weg schicken? Könnte er. Sein Kumpel würde das verstehen. Andererseits… Laurenz würde sowieso ahnen, dass es Boris war, der hier war, und er hatte ihn ja auch schon mal getroffen und was war dabei, wenn sich die beiden besser kennenlernten? Wenn er ganz ehrlich war, dann wollte er das sogar, weil er wollte, dass Laurenz Boris mochte. Dieses 'Der scheint ganz okay zu sein',  damals nach dem gemeinsamen Fußballabend, das hatte Tobias ziemlich mickrig gefunden. Und außerdem hatte Laurenz sicher wie immer ganz viele Köstlichkeiten vom Bäcker dabei!

Nachdem Tobias seine kurz verfallenen Gesichtszüge wieder eingesammelt hatte, grinste er Boris an „Unsere Croissants sind da!“ Als Boris noch verwirrter schaute, zuckte Tobias mit den Schultern und seufzte leicht „Sorry, ich hab total vergessen, dass ich mit Laurenz zum Frühstück verabredet war, also bin. Aber er hat garantiert genug für drei mit. Wir sehen uns in der Küche?“, zwinkerte er, stand auf, fischte mit einem Schulterblick auf den immer noch leicht perplexen Boris frische Shorts aus der Schublade und zog sie an. Er griff gerade nach einem T-Shirt im Schrank als nochmal 3 x kurzes, 1 x langes Klingeln ertönte. Mit einem Augenrollen ging er rasch los. An der Schlafzimmertür drehte er nochmal um, eilte die paar Schritte zum Bett zurück, beugte sich zu Boris runter und gab ihm einen kurzen Kuss. „Guten Morgen!“, lächelte er ihn an und strich ihm mit der Hand über die Wange bevor er, gedrängt durch das dritte Klingel, rasch mit einem „Ich komm ja schon!!“ und ins T-Shirt schlüpfend den Raum verließ.

Uff!  Fuhr sich Boris mit der Hand übers Gesicht. Mit Tobias war einfach nichts so, wie man es erwarten würde! Dennoch musste er lächeln beim Gedanken an das „Guten Morgen“. Und erst das Einschlafen gestern,… das war … wunderschön gewesen, wurde sein Lächeln immer glücklicher. Er könnte noch eine Weile einfach hier so liegen und in diesen wohligen Gefühlen baden, aber es war wohl besser, wenn er ins Bad ging. Dem besten Freund von Tobias wollte er halbwegs kultiviert unter die Augen treten. Moment…. Gestern hatte es so geklungen, als hätte Tobias geplant gehabt, dass Boris hier übernachtete. Aber wenn er schon mit Laurenz verabredet gewesen war, dann konnte das doch nicht sein, oder? Oder war das nur ein blöder Zufall? Boris seufzte. Wieder ein Ehrlinger-Rätsel mehr. Wieder eines, nach dem er wahrscheinlich nicht fragen würde. Das wurde langsam zur Gewohnheit. Keine, die ihm besonders gut gefiel. Verdammt! Wann war er zu so einem Schisser geworden?! Seit es um etwas ging, beantwortete er sich seine eigene Frage. Und gefühlt ging es nicht nur um etwas, sondern um… alles. Einige Momente starrte er noch an die Decke bevor er mit einem weiteren Seufzen aufstand und seine Anziehsachen schnappte. Ein Glück hatte er sie gestern vom Wohnzimmer mit rüber genommen.

„Sag mal, hast du noch gepennt?“, begrüßte Laurenz Tobias mit einem Schlag an die Schulter und nach einem Blick auf die zerzausten Haare schüttelte er den Kopf „Ts, du HAST noch gepennt! Typisch.“ Tobias Antwort war ein lauter Luft-Kuss während er ihm die Papiertüte abnahm und hinein schaute „Das sollte reichen...“, murmelte er. „Klar, reicht das! Da können wir uns noch was mit in die Uni nehmen. Mann bin ich froh, wenn dieses Semester rum ist!“, stöhnte Laurenz während er sich die Schuhe auszog. Tobias ignorierte das übliche Uni-Gejammere und wartete bis er Laurenz Aufmerksamkeit hatte. Dann erklärte er ihm kurz die Lage.
„Boris hat hier übernachtet?“, fragte Laurenz überrascht nach. „Ja, hat er“, entgegnete Tobias als wäre das völlig normal und ging Richtung Küche um Kaffee aufzusetzen. Laurenz folgte ihm. Er sagte nichts, aber sein Grinsen war breit.
     
Wenig später war der Kaffee fast fertig, die Brötchen und Croissants (und es waren wirklich viele!) warteten in einem Korb, Butter und Marmelade standen bereit und Tobias hatte sich fertig angezogen und die Haare notdürftig in Form gebracht. „Nächstes Mal bring ich auch noch Käse und Wurst mit. Du hast ja wieder mal nix da!“, beschwerte sich Laurenz während er sich auf einen Stuhl fallen ließ und dann Richtung Tür blickte, in der gerade Boris aufgetaucht war und sich leicht nachdenklich an den Hinterkopf griff während er ein „Guten Morgen“ an Laurenz richtete und gedanklich notierte, dass wenigstens ein Rätsel gelöst war, also zumindest ansatzweise. „Oh ja, das IST ein guter Morgen! Eigentlich schreit der nach Grappa!“, grinste Laurenz ihn an „aber wir haben ja alle noch Vorlesung“, schob er seufzend nach und machte dann eine einladende Handbewegung „Komm, setz dich! Tobias hat doch tatsächlich einen dritten Stuhl hier rein quetschen können.“ Tobias verdrehte die Augen wegen Laurenz so übertrieben überschwänglicher Art, aber irgendwie musste er auch Grinsen, denn ja, das hier fühlte sich richtig gut an – er, Laurenz, Boris. Als der an ihm vorbeiging fischte er ihn an der Hüfte heran und schaute ihn entschuldigend an „Sorry, dass ich dir DEN da (deutete er mit dem Kopf Richtung Laurenz)  zum Frühstück serviere.“ „Wieso?“, fand Boris die Situation plötzlich recht amüsant und relativ nebensächlich ob nun geplant oder eben nicht. Er grinste „Du warst ja offensichtlich doch nicht einkaufen und DER da ist doch ganz süß. Und ich steh auf Süßes zum Frühstück.“ „Da schau her! Früh morgens schon so frech?“, lachte Tobias über die wieder mal Boris-typische Schlagfertigkeit, bevor er ihm einen ordentlichen Kuss gab an dessen Ende er seine Lippen Richtung Boris Ohr streifen ließ und flüsterte „SÜSS kannst du finden wen du willst, HEISS gefälligst nur mich!“, fasste er ihm bestimmt an den Hintern und gab ihm noch einen kurzen, festen Kuss bevor er sich nonchalant der Kaffeemaschine zuwandte, ganz so als hätte er nicht gerade eindeutig und vehement sein Revier markiert. Boris konnte ein zufriedenes Grinsen nicht unterdrücken und bevor er sich hinsetzte streifte er wie zufällig Tobias Hintern – was diesen ebenfalls grinsen ließ.  

Normalerweise hätte Laurenz so einen Süß-Spruch nicht auf sich sitzen lassen, aber er freute sich viel zu sehr über den Anblick der beiden Lovebirds, als dass er an einen direkten Konter dachte. Allerdings ganz ohne Kommentar konnte er diese überraschende Konstellation ja nun auch nicht lassen… „Ist mir schon klar, dass ihr zwei Hübschen jetzt lieber allein wärt und n Frühstück der anderen Art genießen würdet (Boris und Tobias tauschten einen Blick, der das bestätigte),  aber sorry, ICH bin der beste Kumpel, ICH darf stören, und ICH hab das Frühstück gebracht, also BLEIBE ich und NEIN, wir machen keinen Dreier! Also setzt euch und esst! Was auch immer da aus euren Augen blitzt, könnt ihr ein andermal nachholen“, grinste er die beiden an und alle lachten los. Während sich auch Tobias an den Tisch setzte, grummelte Laurenz leise und augenverdrehend vor sich hin „Wurde doch gestern sicher genug vorgearbeitet. Stellen sich an, als wär das hier ihr 1. Date!“ Dann schnappte er sich ein Schoko-Croissant und biss genüsslich hinein. Tobias hatte das wohl gehört, beließ es aber dabei, füllte statt dessen ihre Tassen mit schwarzem Lebenselixier und sie frühstückten sehr gemütlich, waren alle drei bester Stimmung und unterhielten sich ausgesprochen gut.

Boris nahm sich gerade das zweite Brötchen als er Tobias Hand auf seinem Oberschenkel spürte. Wenn auch langsam, aber sie bewegte sich in eine eindeutige Richtung. Boris legte das Brötchen auf seinen Teller und stoppte dann möglichst unauffällig die wandernde Hand. „Bist du denn mit deinem Paper endlich weiter gekommen?“, fragte Tobias Laurenz, ganz so als würde ihn das Vorgehen unterm Tisch – er hatte sich gerade aus Boris Griff befreit - rein gar nichts angehen. Boris schenkte ihm einen Seitenblick, den Tobias ignorierte. Schnell schmierte sich Boris das Brötchen und legte dann eine Hand vorsichtshalber wieder unter den Tisch. Nur um Sekunden später Tobias‘ seine darauf zu spüren. Erst ohne jegliche Bewegung, dann eine kaum merkbare; eine, die man für Zufall oder einen Reflex hätte halten können. Einige Sekunden passierte nichts…Da! Wieder ein kaum merkbares Streicheln eines Fingers. Okay, nach dem dritten Mal war sich Boris sicher, dass Tobias das ganz gezielt machte und es war unglaublich wie viel Wirkung diese Fast-nicht-Berührungen erzielten. Ebenso hauchzart erwiderte Boris nun dieses Spielchen und fand es zunehmend schwieriger sich auf das Gespräch, das gerade in Richtung Fußball gewechselt hatte, zu konzentrieren. In der Öffentlichkeit hatten sie schon x-mal weit mehr Zärtlichkeiten ausgetauscht – auch neben Laurenz damals beim Fußballabend später in der Bar. Und dennoch, hier in Tobias Mini-Küche, mit Laurenz am Tisch sitzend, da hatte dieses eigentlich Nichts eine immense sexy Wirkung! Als Tobias  nach vielen hauchzarten Berührungen, die allesamt kleine Schauer und ein Will-Mehr-Gefühl ausgelöst hatten, plötzlich unvermittelt und im Vergleich fest seine Hand um Boris Mittelfinger schloss, zog dieser sie erschrocken weg und war heil froh, dass das gefühlte Stöhnen nicht seinen Mund verließ! Himmel! Jetzt ist aber genug!  Sagte der Blick, den er Tobias zu warf. Der nahm seine Kaffeetasse, grinste Boris über den Rand hinweg triumphierend frech an und freute sich, dass dieser nicht wusste, dass die ganze Aktion auch ihn ziemlich im Griff hatte – genauer gesagt war er kurz davor Laurenz rauszuschmeißen! Dem wiederum blieb das kleine Tête-à-Tête nicht verborgen und er räusperte sich absichtlich sehr laut – und genoss Boris ertappten Gesichtsausdruck und amüsierte sich sehr über Tobias Augen rollen und warnenden Blick. Dann hielt er ihnen den Brotkorb hin „Appetit auf mehr?“, zwinkerte er und lachte über seinen eigenen Wortwitz so sehr, dass auch Boris und Tobias mitlachen mussten.  

„Wisst ihr was? Wir machen wirklich mal ein Grappa-Frühstück!“, verkündete Laurenz als sie den Tisch abräumten, weil es Zeit war sich auf den Weg in die Uni zu machen. Tobias lachte, Boris grinste. „Ja, was? Die Mädels machen Sekt-Frühstück und wir, wir machen Grappa-Frühstück! Fanfaren-Smiley!“, war Laurenz immer mehr begeistert von seiner eigenen Idee. „Dass ich da nicht schon früher drauf gekommen bin“, schüttelte er den Kopf, während er die Tassen in die Spüle stellte. Boris und Tobias tauschten einen amüsierten Blick aus. Laurenz hatte Recht, das war ein guter Morgen. Einer der besten seit langem! Boris und Tobias wären überrascht gewesen, wie sehr sich ihre Gedanken ähnelten.

Die Steuer fahndet heute nicht
Die Straßen leer gefegt
Dass ich der schwarze Retter bin
Wird heute nicht belegt
Heute wird nichts gesichert
Keine Bergung in Aussicht
Heute nicht
Heute nicht

Es ist der Spaß an der Planlosigkeit
Die Lust am Risiko
Ich will gar nicht wissen, was mich morgen so einholt
Wenn der harte Regen auf mich fällt
Wasch ich mit ihm mein Gesicht
Und entscheide mich
Und entscheide mich

Ich dauer jetzt, leb momentan
Heute mache ich mir keine Sorgen
Ich fass sie morgen wieder an
Leb momentan und falle frei
Es herrscht wunderbare Leere, schwerelos
Und die Welt sperrangelweit*

*********************

Ps: Also, für das Laurilein krieg ich ja langsam *Herzchenaugen* :-))))) Und ja, ich weiß, war etwas kürzer. Aber dafür sei schon mal gesagt, dass auch 20 Kaps nicht ganz reichen werden *hi, hi*

*aus dem Song „Wunderbare Leere“, Album Dauernd Jetzt, H. Grönemeyer
https://www.youtube.com/watch?v=GMHJEd-KBlU
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