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Unexpected

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Boris Saalfeld OC (Own Character) Tobias Ehrlinger / Saalfeld Viktor Saalfeld
18.12.2019
27.03.2020
24
56.979
28
Alle Kapitel
282 Reviews
Dieses Kapitel
11 Reviews
 
15.02.2020 3.349
 
Ihr Lieben! Wiedermal ist ein riesengroßes DANKE fällig, viele viele Blumen und ne Kiste Grappa! Euer Feedback hat mich unglaublich sehr gefreut, nicht wenig geflasht und auch gerührt <3<3<3  Von Herzen danke dafür. Ich bin wirklich froh, dass das letzte Kap so „positiv“ aufgenommen wurde. Meine Sorge war ja weniger, dass es grundsätzlich nicht gefällt, sondern mehr die, dass es (auch wenn das vielleicht übertrieben kling) in irgendeiner Form „verletzt“ und... ach, bevor das hier wieder „ausartet“, widmen wir uns lieber den Jungs.

Anmerkung (und weil ich das Plaudern ja doch nicht ganz lassen kann *grins*): Es gibt Kapitel, die sind nur dazu da, EINE Message, oft sogar nur einen einzigen Satz zu transportieren, aber wenn man dann anfängt, diesen Satz „zu verpacken“, dann ufert es aus – so hier geschehen *schulter zuck*. Aber ich hatte es so verstanden, dass Ihr nichts gegen etwas längere Kaps habt ;-)

***************

Why love, if losing hurts so much?
from Shadowlands

Boris hatte lange mit seinem Bruder gesprochen. Ihm alles erzählt. Und der hatte ihm zuerst gut zugehört und dann gut zugeredet, denn Boris Schilderungen klangen für Viktor nicht gerade als wäre das nur eine Affäre. „…und wer weiß, vielleicht geht’s ihm ja wie dir? Ich meine, so wie du erzählt hast, hast du deine Gefühle ja auch schon länger gespürt, aber nicht wirklich zugelassen. Vielleicht macht er das ganz genauso? Und vielleicht streift ihn auch demnächst die Erkenntnis oder hat es sogar schon getan, aber wie du, hat er Angst etwas zu sagen?“ Boris Blick war skeptisch geblieben. „Brüderchen, glaub mir, wenn ich denken würde, dass das aussichtslos ist, dann würde ich dir das sagen! Aber ich glaub einfach, bei der Geschichte ist das letzte Kapitel noch nicht geschrieben“, hatte Viktor seine Meinung bekräftigt. „Vielleicht“, hatte Boris mit einem Seufzen gesagt. Er wollte seine Hoffnungen – die ohnehin da waren! – nicht zu groß werden lassen.

Viktor hatte seinen Bruder noch nie so erlebt, fühlte sehr mit ihm. Ungewissheit war in Herzensangelegenheiten manchmal schlimmer als ein eindeutiges „Nein“. Andererseits hielt er ein happy end nach wie vor für möglich, hatte seine Worte Boris gegenüber wirklich ernst gemeint. Aber klar, er kannte diesen Tobias nicht. Konnte natürlich sehr gut sein, dass dieser Typ seinem Bruder das Herz brechen würde. Und wenn, dann gab das einen wirklich lauten Knacks! Den würde Viktor bis Montana hören, so viel war klar. Jetzt, wo Boris sich nicht mehr verstellt hatte, war nur allzu deutlich spürbar gewesen, wie sehr verliebt dieser war. Wie er selbst gesagt hatte: so wie noch nie. ALLES sei mit Tobias wie noch nie und doch Boris Ansicht nach zum Scheitern verurteilt. Für diesen Fall war Viktor geistig schon am Flug buchen; einerseits um diesem Mister vielleicht doch eine reinzuhauen – zumindest eine kleine? – und zweitens um seinen Bruder zu trösten. Wobei, würde der Liebeskummer-Fall wirklich eintreten, dann wäre es eigentlich viel besser, Boris würde zu ihm nach Montana kommen! Ein kleines Wild-West-Abenteuer war doch eindeutig die bessere Ablenkung als Büro-Kram mit ihrem Vater! Außerdem, vielleicht fand sich ja doch ein Cowboy für Boris? Hatte Viktor überlegt während er sich wieder auf den Weg in die Stallungen gemacht hatte.

Boris fühlte sich besser. Nicht nur, weil Viktor ihm Mut zugesprochen hatte, auch weil es einfach ein schönes Gefühl war, jemandem gegenüber so offen sein zu können. Kurz nach dem Auflegen, ging noch eine Nachricht ein:
Du weißt, ein Wort von dir und ich komm und verhau den Kerl! Mein Ernst!
Auch wenn Boris überhaupt nicht danach zumute war, so musste er doch lachen. So ein großer Bruder, das war schon ein Geschenk.

(nächster Tag, Dienstag)

Boris hatte überraschend gut geschlafen, hätte fast VER-schlafen. Für Frühstück blieb keine Zeit, nur für einen schnellen Kaffee. Diesen im Stehen trinkend griff er nach seinem Handy und sah, dass eine Nachricht von Tobias dort wartete – gesendet um 1 Uhr 55. Mit ein bisschen Herzklopfen öffnete er den Chat. „Danke“ stand da, mehr nicht. Aber auch nicht weniger. Boris antwortete „Gern“ und verließ mit einem Lächeln das Haus.

Er ging davon aus, dass er Tobias heute nicht sehen würde. Es war Dienstag und da trafen sie sich eigentlich nie. Aber gegen 17 Uhr kam eine weitere Nachricht:
Wish I could copy and paste you into my bed.

Boris lächelte – ein sehr bitter-süßes Lächeln. Er haderte. Einerseits weil Tobias wieder einmal so unmissverständlich  klar machte, was er von ihm wollte, und andererseits,… wäre es nicht besser, etwas auf Abstand zu gehen?
Wozu?!?  Schrie sein Herz Damit du noch weniger von ihm hast?! Ja, vielleicht ist es früher oder später aus – aber jetzt ist es das nicht! Warum das noch nicht mal fixe Ende unnötig vorziehen?
Er seufzte und tippte:
My bed awaits you at 7.  
Wenn schon, dann sollte Tobias zu ihm kommen. Kein wirklicher Triumpf, dennoch fühlte es sich ein klein bisschen gut an, als Tobias sofort zurückschrieb:
I’ll be there. …But it’s not the bed I want… It’s you. In it. Naked. See you there. Can hardly (literaly) wait...
Und ja, Boris grinste, und ja, er freute sich und das Flattern in seinem Bauch war auch nicht zu überspüren, gab er sich augenrollend zu, auch wenn ein Hauch Frustration und auch Traurigkeit mitschwang. In der nächsten Stunde gingen noch einige ziemlich eindeutige Nachrichten von Tobias ein – jede kickte unwillkürlich Boris Puls ein paar Takte nach oben, jede hinterließ ein klein bisschen Bitterkeit.

(Boris Wohnung, 10 Min. vor 19 Uhr)

„Solltest du nicht im Bett auf mich warten? Und da ist auch noch n bisschen viel Stoff an dir dran“, beschwerte sich Tobias nach einem überlangen Begrüßungskuss und zupfte mit theatralischem Blick an Boris T-Shirt. Es war einfach zum Durchdrehen, wie wenig es bedurfte, dass Boris alles ausblendete und nur noch eines wollte: Diesem Kerl so nah wie möglich sein! Und als dessen Hand sich jetzt auch noch unters T-Shirt schlich, ihn mit forschem Griff noch näher herandrückte und diese unglaublich schönen Mocca-Augen ihm diesen bereits wohlbekannten, verführerischen Blick schenkten, sparte sich Boris eine verbale Antwort und tauchte statt dessen voll und ganz ein in dieses herrlich wunderbare Gefühl von Wollen und gewollt werden.  Ja, mochte sein, dass Tobias nicht in ihn verliebt war und nur Spaß wollte. Aber eines war sowas von klar, er begehrte Boris. Und das nicht wenig. Und wenn das alles war, das Boris bekommen konnte, dann war das, zumindest für diesen Moment gerade, genug. Er vertiefte den Kuss, war einmal mehr verwundert WIE schnell ihre Küsse schier explodierten und was das mit ihren Körpern machte. Die T-Shirts flogen zu Boden, Hände gierig über nackte Haut und keiner der beiden dachte mehr daran, dass sie eigentlich ins Bett wollten. Hier und jetzt erschien genau der richtige Ort, genau der richtige Zeitpunkt. Wobei, darüber dachten sie nicht nach, denn schon seit vielen Sekunden spielte Denken keine Rolle mehr…

Unmittelbar nach dem ihr heute wieder mal besonders unbändiges Begehren in einem fast parallelen Höhepunkt gegipfelt hatte, schauten sie sich immer noch nach Atem ringend an und lachten amüsiert los über diesen ungestümen Quickie an der Eingangstür. Kurz lehnten sie an dieser und verschnauften bevor Tobias Boris Hand nahm und ihn mit einem leisen „Komm“ doch noch ins Bett zog, und dort dann in seinen Arm. Boris hatte längst verstanden, dass diese Minuten danach Tobias heilig waren und mittlerweile genoss auch er dieses stille Nachspüren sehr. Allerdings heute nicht so, auch wenn sich Tobias sanftes Streicheln auf seinem Arm wie immer wunderbar anfühlte - viel, viel zu gut anfühlte, seufzte er in sich hinein. Dort herrschte ein wirres Gemisch an Gefühlen. Nur zu gerne hätte er gesagt „Ich liebe dich“ – seine Seele schrie es förmlich! Aber es laut sagen? Und dann von Tobias irgendwas in Richtung ‚Ich bin nicht so der Kuschel-Typ‘  hören, wie damals in ihrer ersten Nacht? Und damit wär’s das dann wahrscheinlich gewesen…aus und vorbei. Nein! Dazu war Boris nicht bereit. Nicht jetzt. Nicht heute. Auch nicht morgen. Aber ihm war klar, er sollte sich dafür bereit machen… Bevor der Kloß in seinem Hals noch größer wurde und die kreisenden Gedanken schlimmer, fragte er in die Stille „Du warst damals, als ich dich in der Stadt vorm Alten Peter getroffen hab, nicht auf der Plattform, nicht wahr?“  
Tobias hielt mit dem Streicheln inne, Boris spürte wie sich dessen Brust durch tiefes Durchatmen stark hob und senkte. „Stimmt. Ich war nicht auf der Plattform“, gab er dann leise zu, sprach jedoch nicht weiter. Aber während er das Streicheln wieder aufnahm, wanderten Tobias Gedanken zurück an jenen Tag…

***Rückblick***

Er saß in der dritten Reihe, ließ seinen Blick schweifen. Viel Gold, viele Schnörkel – Barock, erinnerte er sich aus Schulzeiten. Tobias war nicht das erste Mal in einer Kirche. Als Kind hatte sein Vater ihn ständig hingeschleppt. Bis er  mit 12 gesagt hatte, wenn er wieder mit in die Kirche müsse, dann würde er ein spontanes Dorret-Syndrom entwickeln, sodass sein Vater sicher nichts mehr von der ach so interessanten Predigt hören würde. Rubi Ehrlinger hatte das ganz und gar nicht gefallen, aber er kannte seinen Sohn gut genug um zu wissen, es gab Situationen, da ließ man es lieber nicht darauf ankommen oder man würde es bitter bereuen. Er hatte Tobias seither nie wieder darauf angesprochen, aber bei jedem Kirchenbesuch betete er darum, dass dieser den Weg zum Glauben finden würde.  

Heute war Tobias freiwillig hier. Aber nicht um seinetwillen. Nachdem ihm sein Vater heute Morgen von den niederschmetternden Untersuchungsergebnissen erzählt hatte, wollte er zuerst direkt nach Hause fahren. Hatte das dann gelassen. Seine Eltern hatten es schon schwer genug, da brauchten sie nicht noch sehen, wie sehr neben der Spur er war. Genügte, dass seine Schwester wahrscheinlich wieder nicht viel tat außer Weinen. Er würde sich sammeln und dann hin fahren. Aber in der Wohnung war er schier durchgedreht, wusste nicht wohin mit sich. Laurenz war nicht in der Stadt, beim Laufen ausgepowert hatte er sich schon, Grappa am Vormittag hatte er damals, als dieser ganze Shit anfing, ausprobiert; hatte außer Kater nix gebracht. Und da war ihm plötzlich die Kirche in den Sinn gekommen.

Nun saß er hier. Einige Touristen wuselten herum, aber ein paar Leute hockten wie er still in den Bänken, wahrscheinlich auch mit einem Anliegen. Er blickte Richtung Kreuz, seufzte innerlich. Also wenn es dich gibt, dann schmunzelst du jetzt bestimmt, dass ausgerechnet ICH hier sitze. Wobei, so wer heiliger wie du ist zu so niederen Empfindungen wie Genugtuung wahrscheinlich gar nicht fähig. Das eins klar ist, ich glaub nicht an dich! Ehrlich gesagt immer weniger. Aber mein alter Herr glaubt an den Herrn – unverständlicher Weise immer mehr! Na, jedenfalls, falls es dich doch gibt, dann hab ich eine Bitte. Keine Sorge, es geht nicht um ein Wunder. Wunder! Ts! Die gab es anscheinend, hörte man immer wieder mal davon. Für seinen Dad war wohl keines vorgesehen...  Aber kannst du,… wenn es irgendwie geht,… kannst du dafür sorgen, dass... dass sein ...letzter Weg nicht unerträglich schwer wird? Nicht für mich. Für ihn. Und für meine Mum! Ich hab Angst, dass sie... das sonst nicht packt… Tobias versuchte den dicken Kloß im Hals runterzuschlucken, spürte wie Tränen hochstiegen. Er atmete tief ein, zählte in Gedanken langsam 1, 2, 3; atmete wieder aus 1, 2, 3... Beinah hörte er dabei die Stimme seiner Mutter. Damals bei seinem ersten wirklichen Liebeskummer hatte sie ihn auf diese Weise getröstet. Langsam immer wieder von 1 bis 3 gezählt und ihm den Rücken auf und ab gestreichelt. Dazwischen hatte sie leise gesprochen. „Du bist unglücklich verliebt. Ein beschissenes, sehr schmerzhaftes Gefühl. Aber ein Gefühl. Und Gefühle, die kommen und die gehen auch wieder. So wie dein Atem. Einatmen, eins, zwei, drei – ausatmen, eins, zwei, drei – einatmen eins,…“ Tobias hatte eine Weile ihrem beruhigenden Zählen gelauscht und sich auf seinen Atem konzentriert bevor er gefragt hatte „Und bei dir und Papa? Warum gehen die Gefühle da nicht weg?“ Seine Mutter hatte kurz aufgelacht und dann lächelnd geantwortet „Bei mir und Papa, das sind keine Gefühle, das ist Liebe.“  

Seit Tobias sich erinnern konnte war die Liebe seiner Eltern allgegenwärtig gewesen. Schon früh hatte er, wenn er bei seinen Freunden zu Hause war, gemerkt, dass deren Eltern anders miteinander waren als seine – oder besser gesagt umgekehrt. Sein Vater und seiner Mutter waren kein Ehepaar, die waren ein Liebespaar - und das war zu sehen, zu hören und zu spüren. Das war nicht nur ein zusammen sein, das war ein wirkliches miteinander, das war… ja, dieses kitschige Wort ‚Liebe‘ eben! Und nun zu sehen, wie sein Vater mit dieser Krankheit kämpfte und zu wissen, dass er diesen Kampf verlieren würde, das war hart, beinhart. Aber zu sehen, wie sehr es ihm leid tat, dass er das seiner Familie und vor allem seiner Burgel „antun musste“ und wie sehr seine Mutter darunter litt, das mitansehen zu müssen, nichts tun zu können, und zu wissen, dass sie ihn verlieren würde, das war das Allerschlimmste an dieser verfickten Situation. Manch einer meint, es sei ein Vorteil, wenn man sich vorbereiten kann. Dass ist kein Vorteil, wenn du weißt, dass das unausweichliche vor dir liegt, nur weißt du nicht genau wann und vor allem weißt du nicht, WIE es werden wird – nur beschissen? Oder unerträglich beschissen? Oder schlimmer als man es sich je vorstellen könnte? Nein, das war kein Vorteil. Das war grausam. Fast nicht aushaltbar...Wieder einmal stellte er für sich fest: Man sollte niemanden so nah an sich heran lassen, dass dessen Verlust einen schier umbrachte.
Die letzten Minuten hatte Tobias den Kopf gesenkt gehabt, jetzt hob er ihn wieder Richtung Kreuz. Wenn wir heute schon so schön miteinander plaudern. Warum machst du das? Lässt zwei Menschen eine so große Liebe finden, die in all den Jahren nicht weniger, sondern eher mehr wird und dann… dann reißt du sie so grausam auseinander und das lange vor ihrer Zeit! Kommt mir fast so vor, als müssten sie jetzt die vielen glücklichen Jahre büßen. Also, wenn das dein Sinn für Gerechtigkeit ist, dann brauchst dich nicht wundern, dass dir so viele den Rücken zu kehren! So, und nun gehe ich, bevor ich dir noch richtige Gemeinheiten auf deinen goldenen Altar knalle. Und glaub mir, da würden mir einige einfallen! Aber mein Dad würde mir das übel nehmen, daher verkneif ich‘s mir.
Tobias trat aus der Bank, blickte nochmal Richtung Kreuz und sendete gedanklich ein ‚Nicht für mich. Für die beiden. Bitte.‘  Nach einem leichten Kopfnicken war er gegangen.

***Rückblick Ende***

Einerseits kam es Tobias vor als sei dieser Kirchenbesuch gestern gewesen, andererseits fühlte es sich an, als sei dieser Tag ewig her. Ob diese spontan-heilige Aktion etwas gebracht hatte? Er glaubte es nicht, aber er hoffte es mehr denn je.

Boris hatte nach Tobias kurzer Antwort dessen Hand genommen, ihre Finger ineinander verschränkt und gewartet, ob, wie gestern, mehr kam. Er hatte immer wieder tiefes Durchatmen gespürt, hätte zu gern die Gedanken dazu gelesen. Gerade als er überlegte, ob er doch nochmal nachhaken sollte, richtete sich Tobias auf und blickte ihn an „Sollen wir uns Pizza bestellen?“ Boris war so perplex ob des spontanen Themenwechsels, dass er wie automatisch darauf einging „Wir können uns auch was kochen, ich war einkaufen.“ „Kochen? Ts!“, machte Tobias und fing an zu grinsen „Lass uns lieber was Spielen bis die Pizza kommt!“ „Spielen?“, schaute Boris erstaunt. „Find ich auf deinem Schreibtisch leeres Papier und Stifte?“, war Tobias schon aus dem Bett aufgestanden. „In der rechten Schublade“, betätigte Boris und wunderte sich immer mehr.

Als Tobias wenig später zurückkam, hielt er einige Zettel in der Hand, auch Stifte und zwei Bier. Die stellte er auf das Nachtkästchen, kniete sich dann aufs Bett und grinste den an der Bettkannte lehnenden Boris an. Der zog fragend die Augenbrauen hoch. „Ich… ich hab da was gefunden…“, wurde Tobias Grinsen noch breiter und er fischte den untersten Zettel hervor und hob ihn mit einem unschuldigen „Was‘n das?“ Boris unter die Nase. Shit! Hatte er den nicht längst weggeschmissen?! „Das.. äh… das ist eine mathematische Übung für… für Statistik“, sagte er dann und versuchte möglichst neutral zu klingen und zu schauen. „So, so, Statistik…“, war Tobias immer noch am Grinsen und näherte sich nun Boris Gesicht. „Du hättest mich angerufen, stimmt’s?“ „Nein“, schüttelte Boris den Kopf „ich… ich hab nur rumgespielt, mir war langweilig“, fiel es ihm immer schwerer seinerseits nicht zu grinsen. Tobias schüttelte ganz langsam den Kopf und gab damit zu verstehen, dass er ihm kein Wort glaubte „WANN hättest du mich angerufen?“, fragte er und seine Stimme nahm diesen wunderbar leisen, kribbeln-verursachenden Ton an. Boris verdrehte die Augen und ergab sich mit einem leichten Seufzen „Wahrscheinlich einen Tag nachdem du nicht anders konntest, als mich doch zuerst zu küssen“, grinste er Tobias dann leicht triumphierend an. „Touché!“, lachte der „Aber das hab ich nur gemacht, weil ich dachte, du ziehst das noch eine Woche oder länger so durch! Wenn ich gewusst hätte, dass du am nächsten Tag schon schwach wirst, dann hätte ich mich im Griff gehabt.“ „Hättest du nicht“, sagte Boris leise und kam ihm einige Zentimeter entgegen. „Hätte ich wohl!“, beharrte Tobias, aber sein Blick wanderte zu Boris Lippen. Der lächelte, biss sich ganz bewusst leicht auf die Unterlippe und fuhr sich dann mit der Zunge provozierend darüber. „Das ist nicht fair“, hauchte Tobias bevor er ihn küsste – mit intensiver Erinnerung an ihre ersten Küsse und wie ihn die umgehauen hatten und mit großer Verwunderung, dass sie das immer noch taten. Mit einiger Überwindung tauchte er wieder auf aus diesen unvergleichbaren Empfindungen, endete den Kuss mit einem frech gehauchten „Hätte ich wohl“, zwinkerte Boris zu und reichte ihm eines der anderen Blätter sowie einen Stift. Boris schüttelte augenverdrehend aber lächelnd den Kopf „Hättest du nicht! Aber der Klügere gibt nach“, zwinkerte nun er Tobias zu bevor er nach Blatt und Stift griff. „Das hab ich überhört!“, boxte ihn dieser an die Schulter. Boris grinste, blickte dann auf den Zettel auf dem eine Tabelle aufgezeichnet war. Das sah verdächtig nach Stadt-Land-Fluss aus! Er blickte Tobias mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Ich muss üben!“, zuckte der mit den Schultern „Meine kleine Schwester hätte mich am Wochenende fast in die Pfanne gehauen und das geht gaaaar nicht! Pizza hab ich übrigens bestellt, die gleichen wie letztes mal. Kommt in ca. 40, na, ja, mittlerweile wahrscheinlich nur mehr 30 Minuten. Hoffe das ist okay?“ „Ja, ist okay“, nickte Boris „Du willst ernsthaft Stadt-Land-Fluss spielen?“, fragte er dann ungläubig und stellte einmal mehr fest, was Tobias doch für eine Wundertüte war – immer wieder was Neues! „Ja, ernsthaft. Aaaber…“, beugte der sich an Boris Ohr „…die P18 Variante. Nennen wir es…  Strip-Stadt-Land-Fluss mit… happy end“, flüsterte er, lachte leise und küsste sich zu Boris Lippen und wollte eigentlich nur kurz mit der Zunge Hallo sagen, aber wie auch vorhin gerade, war ‚kurz‘ viel zu kurz und er vertiefte den Kuss, nicht wenig befeuert durch das gerade eben von seinen Lippen aufgefangene unterdrückte  Stöhnen von Boris – kein Laut törnte ihn mehr an. Tobias Hände wanderten längst rastlos über den so begehrten Körper und die Versuchung war enorm groß, das mit dem Spiel auf später zu verschieben. Dennoch beendete er den Kuss. Aber nur weil er wusste, dass, so angeheizt wie sie gerade waren, würde das das spannendste Stadt-Land-Fluss ihres Lebens werden! Er grinste Boris an „Let’s play!“

Entfalte meine Hand, die Anker los
Denn auch jedes Tief dreht sich ins Hoch
Fall auf meinen Fuß
Die Feuer sind gesetzt und die Nebel leuchten
Brauch meinen Tag kein Schicksalsschlag
Das Salz in mir die Vorfahrt
Radikalkur, klare Natur
Überholspur, kein Radar
Den Abendstern
Endlich freie Sicht
Die Segel sind gefüllt
Und keine Liebe bricht mich*


************
:-) ich könnte mir vorstellen, dass einige Leser über das Stadt-Land-Fluss Spiel besonders grinsen mussten – wurde diese Szene doch tatsächlich durch einen Kommi-Austausch auf Instagram „angestoßen“.  Irgendwie schön, wenn die Welten miteinander in die Kiste hüpfen *lach*

*Aus dem Song „Schiffsverkehr“, Album Schiffsverkehr, H. Grönemeyer
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