Ein guter Grund

GeschichteFreundschaft / P16
Hannes Maria OC (Own Character) Olli
17.12.2019
17.12.2019
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17.12.2019 1.030
 
,,Und du hast sie wirklich einfach da stehen lassen?" fragt Maria mich zum nun bereits fünften Mal an diesem Nachmittag. Sie redet von meiner Begegnung mit Josi Reuter aus unserer Parallelklasse an unserem letzten Schultag vor den Sommerferien.

Ich zucke nur meine Achseln, weil ich keine Lust mehr auf das Thema habe. Maria ist die erste (und einzige) Person, mit der ich hier in Dortmund so was wie befreundet bin. Wir sind in derselben Klasse und sie hat angeboten mir über die Sommerferien Nachhilfe zu  geben, damit ich im nächsten Schuljahr auf dem aktuellen Stand der Klasse bin.

,,Tommy jetzt erzähl endlich was wirklich passiert" fordert sie mich auf und reißt mir dabei das Chemiebuch aus der Hand. Ich verdrehe meine Augen - ,,Es gibt nichts zu erzählen, Maria. Woher weißt du davon überhaupt?"
In solchen Momenten merkt man, dass sie mit Oliver verwandt ist. Oliver Weissmann ist eine Klasse über uns, vermutlich nicht mehr lange wenn er so weiter macht aber aktuell ist es noch der Fall. Er vereint in einem Menschen alles was ich hasse - taktlos, unsensibel, vorlaut, impulsiv, rücksichtslos, faul.
Der Rest seiner Gruppe ist nicht besser und in meinen Augen sind die Vorstadtkrokodile nichts weiter als ein schlechter Witz. Maria weiß das ich nicht viel von ihrem Bruder oder seinen Freunden halte, sie hat schon mehrfach versucht mich vom Gegenteil zu überzeugen aber ich halte an meiner Meinung fest.

,,Jeder redet darüber" rechtfertigt sie sich, ich verschränke meine Arme und schaue sie auffordernd an ,,Olli hat es vielleicht gestern erwähnt" ergänzt sie ihre Aussage.
,,Wenn Oliver nur halb so sehr mit seinen Schulaufgaben beschäftigt wäre, wie mit den Gerüchten um andere Leute müsste er nicht um seine Versetzung bangen"

Ich nehme Maria das Buch aus der Hand und schlage meine Seite von eben wieder auf. Das brünette Mädchen stemmt ihre Arme in die Hüfte immer noch auf eine Erklärung wartend.
,,Josephine kam zu mir und hat mir-" ich weiß nicht wie ich es am schönsten Ausdrücken sollte ,,also sie wollte mir auf der Toilette einen runter holen.. und dann wusste ich nicht was ich machen soll und als ich ihr sagen wollte, dass es keine gute Idee ist, kamen Dennis und seine Freunde und dann bin ich abgehauen.."

,,Josie ist echt das Letzte. Gut das du abgehauen bist. Ich verstehe gar nicht wieso alle Jungs auf sie stehen .. So schön ist sie gar nicht" denkt Maria laut und lässt dabei neben mich auf die Couch fallen.
Eigentlich ist Josephine sogar sehr schön, korrigierte ich Maria gedanklich. Sie hat diese vollen, dunkelbraunen Haare die immer perfekt glatt auf ihre Schultern fallen und eine viel zu braune Haut für dieses Städtchen. Ihre langen Beinen und ihre schmale Taille. Und natürlich ihre großen ovalen Augen die an das Mittelmeer erinnern und wenn das alles noch nicht attraktiv wirkt dann mit Sicherheit ihr Selbstbewusstsein.



,,Oh shit" meint Maria eine halbe Stunde später und schaut geschockt auf ihr Handy. Ich werfe einen Blick auf die Uhr - es ist erst halb fünf.
,,Was ist passiert?"
,,Olli hat-" sie bricht ihren Satz ab und ich verdrehe zum zweiten Mal heute die Augen. ,,Olli hat ein Problem, ich muss nach Hause ihm helfen. Sehen wir uns die Woche noch?" fragt sie, während sie schon ihr Zeug zusammen packt.
,,Klar soll ich dich anrufen oder willst du-" bevor ich meinen Satz beenden kann, stürmt sie schon zur Tür.
,,Cool mach ich. Bis dann" ruft sie und ist weg.

Den restliche Nachmittag verbringe ich also alleine mit meinem Chemiebuch. Kurz vor sieben beginne ich das Abendessen vorzubereiten. Hannes muss um spätestens halb acht zuhause sein das haben wir ausgemacht, weil Mama um acht von ihrer Schicht an der Tankstelle zurück sein würde. Sie will, dass ich auf Hannes aufpasse aber wir beide sind einfach zu verschieden, also lasse ich ihn am Nachmittag machen, was er will und er muss zusehen das er pünktlich zurück ist.
Gerade als ich fertig bin, stürmt Hannes überglücklich durch die Wohnungstür.
,,Hey" grüßt er knapp und rennt an mir vorbei ins Badezimmer. 5 Minuten später kommt er mit frischen Klamotten wieder raus und deckt den Tisch, als Mama grade hereinkommt.

,,Wie war euer Tag? Habt ihr was Schönes gemacht?" fragt Mama uns verdächtig während des Essens. Ich schaue zu meinem Bruder, der beschämt auf seinen Teller starrt.
,,Ich weiß das du heute von der Feuerwehr nach Hause gebracht wurdest" sagt sie an Hannes gewandt.
,,Was?" frag ich verwirrt.
,,Ich bin jetzt bei den Krokodilen" vercucht er das Thema zu wechseln und greift dabei nach seinem Anhänger, den er um den Hals hat und präsentiert ihn uns voller stolz.
Ich verschlucke mich dabei an meinem Essen. Hat er das gerade wirklich gesagt?

,,Schön das du Freunde gefunden hast aber wieso warst du draußen alleine unterwegs und wirst dann auch noch von der Feuerwehr nach Hause gebracht?" Mama schaut uns missbilligend an.
,,Tut mir leid, das kommt nie wieder vor" entschuldige ich mich, während Hannes zustimmend nickt.



,,Du gibst den Anhänger morgen zurück und dann hältst du dich von diesen Kindern fern" befehle ich Hannes als wir abends in unseren Betten liegen.
,,Was? Nein auf keinen Fall. Ich gehöre endlich zur Bande. Ich habe mein Leben dafür riskiert" widerspricht er.
,,Eben. Das war das erste Mal und du hattest verdammtes Glück, das es so ausgegangen ist. Aber wenn du weiterhin mit diesen Jungs abhängst und auf Oliver hörst, sehe ich schwarz für dich." Hannes sieht mich wütend an. Er will nicht verstehen, dass ich es nur gut meine. Ich will ihn doch nur vor diesen Irren beschützen.

,,Tommy?" fragt Hannes nach ein paar Minuten des schweigens.
,,Ja?"
,,Du kommst morgen mit, du schaust es dir an und verbringst einen Tag mit uns, wenn du es dann immer noch ätzend findest steige ich aus. Deal?" schlägt mein kleiner Bruder mir vor. Ich zögere etwas. Was sollte ich dort schon erleben, was meine Meinung ändern würde? Aber wenn es ihm so wichtig ist, kann ich es doch wohl einmal probieren.
,,Deal" seufze ich ergebend.
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