Nenn mich, wie du willst (Akt I: Das Spiel)

von KyaStern
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Chris Miller Gavin Reed RK800-51-59 Connor RK900 Tina Chen
16.12.2019
21.01.2020
12
62943
3
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Titel: Nenn mich, wie du willst Arbeitstitel: Nenn es, wie du willst/Nenn mich Neun
Akt: (1/4) + Epilog
Autor: KyaStern
Genre: Charakterstudie, Freundschaft, Romanze und Drama, #Miscommunication, #Worldbuilding
Pairings: Gavin/Neun
Warnung: findet ihr spezifisch für jedes einzelne Kapitel
Generell:
Autor schreibt zu lange Kommentar --> bitte scrollen zu "Viel Spaß beim Lesen!" falls es stört.
Stilwarnung:  Übernutzung von Kommas und Gedankenstrichen/Semikolon und andere Satzzeichen kommen vor, sehr viel Show-Don't-Tell aber Dialog lastig, Diskussionen, Pop Culture Anspielungen, Experimente mit Klangsprache und seltenen stilistischen Mitteln, gelegentlich Songtexte mit Übersetzung...

Altersbeschränkung 18Slash wegen:
-Sex ziemlich explizit angedeutet, aber nicht beschrieben
-extreme Verwendung von Schimpfwörtern
-Diskussion über Sexualität und Sexuelle Handlungen und andere Themen, die für Minderjährige nicht geeignet scheinen/unsachgemäße Repräsentation von (Cyber-)Stalking
-recht provokantes Missachten von Recht, Gesetz und teils Menschenrechten (s. Briefgeheimnis & Privatsphäre)/Gesellschaftskritik/Diskussionen über kritische Themen
-Gewalt (teils recht explizit) und Rassismus gegen Androiden (Darstellung von Radikalen Handlungen und Charakteren), gegen Ende wird es ziemlich düster auch im politischen Klima von DBH

Das Stück ist in mehreren Akten geschrieben/Teil einer Serie...
Akt II beginnt hier

Kapitel: 1/10 + 2 (für Akt I) (geplant ca. 40 + Epilog)
Kapitelname: Der Hundert-Dollar-Typ
Wortanzahl: 2.685
Warnung: Schimpfwörter, angedeuteter Sex, Glücksspiel
(Übernutzung von Kommas und Gedankenstrichen)

Kommentar: Ich schreibe immer zu viel, deshalb hier kurz:
(Wer mich kennt, der scrollt bis zu "Viel Spaß beim Lesen!")

Diese Geschichte entstammt einer Plot-Idee, die mir nicht mehr aus dem Kopf wollte.
Neun entspricht hierbei stellvertretend dem Charakterkonzept von RK900, jedoch spielt die Handlung vom Februar 2038 bis zum Start von DBH. Es ist daher Pre-Canon und gleichzeitig durch diese Änderung Acanon.

Da wir alle nicht viele Anhaltspunkte für den Charakter von RK900 haben, orientieren sich viele an Machine!Connor, was ich durchaus nachvollziehen kann. Ehrlich gesagt haben wir jedoch keine Ahnung, ob RK900 eine unaufhaltsamer Killer wäre oder ein totaler Softie, der noch schneller zum Devianten wird als Connor. Wir wissen es nicht.

Die einzige Charakterisierung, die er jemals erhält, sind Amandas Worte "Schneller,  Stärker, Widerstandsfähiger und mit der neusten Technik ausgestattet".  Ich interpretiere dann mal frei...!

Ich versuche mich mit OCs zurückzuhalten, sie sind nur Statisten und verschwinden wie Statisten auch wieder. Ansonsten erhaltet ihr eine OC-Warnung (meist unten vor "Viel Spaß beim Lesen"). Nebenrollen aus DBH wie Tina und Chris hole ich mir jedoch gern in die Hauptrollen einiger Szenen.

Die ganze Geschichte ist in Gavins Perspektive, deshalb #Miscommunication auch wenn ich nicht mehr verraten.


Viel Spaß beim Lesen!

- - -

Nachtschichten, Überstunden und Tatortfotos sind der Grund, warum Gavin den festen Beziehungen abgeschworen hat. Sein Beruf ist nicht wirklich beziehungstauglich – was mehr als ein verpasstes Date beweist – und diejenigen potenziellen Partner, die sein Job – oder seine reizende Persönlichkeit - nicht abschreckt, teilt Gavin drei Kategorien ein: Frauen, Psychos und Arschlöcher.

Frauen fliegen wegen Präferenzgründen aus der näheren Auswahl. Man soll ihn nicht falsch verstehen, er hat nichts gegen Frauen. Seine beste Freundin ist eine Frau und seine Mum, Gott hab sie selig, war eine Frau. Die zwei male in seiner Jugend, bei denen er eine Freundin hatte und sie versucht haben, sich intimer kennen zu lernen, haben ihn gelehrt, dass die weibliche Anatomie überhaupt nichts für seine Libido tut. Egal wie unheimlich cool und taff die entsprechende Freundin auch gewesen sein mag, er stand einfach nicht auf sie.

Unter 'Psychos' fasst er all die Spinner zusammen, welche einen Cop-Fetisch haben oder auf Mord und Totschlag stehen. Tatverdächtige, welche versuchen sich in die Ermittlung einzumischen, und Psychopathen – und es ist ihm reichlich egal, ob er damit verallgemeinert -, die nur mehr über das Polizeiwesen erfahren wollten, um ihre zukünftigen Verbrechen zu planen. Auch Zeugen, Geisel und Opfer, die ihn für seine Arbeit wie einen Helden anbeten, fallen randständig unter diese Kategorie.

(Und ja, der IT-Techniker, dem er einmal das Leben gerettet hat, schickt ihm noch immer Weihnachtskarten mit XXX unterzeichnet.)

Sein bevorzugter Typ beschreibt man daher als 'Arschloch'. Die Männer, welche das Selbstbewusstsein, um sich von Gavin nicht einschüchtern zu lassen, und einen ähnlich anspruchsvollen Job besitzen, halten ihre Bedürfnisse und Karriere meist für wichtiger als Gavins eigene oder suchen sich – aus Erfahrung – irgendwann jemanden, der einfacher im Umgang ist. Manchmal sogar – wie sein Ex-Verlobter beweist... - noch während sie zusammen sind...

Leider kann es in einer dauerhaften Beziehung nur ein Arschloch geben und diesen Posten füllt Gavin zur Genüge selbst aus. Deshalb ist Gavin in den letzten drei Jahren dazu übergegangen, sämtliche Kontakte dieser Art, zwangloser zu gestalten. Wenn die Fronten geklärt sind, dann gibt es keine Enttäuschungen.

(Und falls Gavins jüngeres Selbst sich mit Mitte Dreißig als verheiratet oder sogar mit Kindern gesehen hat, dann kann er diese junge, naive Version nur verfluchen. Sergeant ist er ja auch nicht geworden... Er hat eine Katze – irgendwie... -, also ist alles bestens.)

Nur Tina hat die Memo – trotz seines Protestes! - noch nicht erhalten. Auch nach Jahren versucht sie noch, ihn zu verkuppeln. (Seine beste Freundin ist gruselig. Und sie kann einen Schmollmund und auf Kommando heulen. Gavin kann es nicht mitansehen, wenn Frauen heulen...)

Der heutige Versuch findet in im Casino Royal, welches einen LGBTQ-Abend veranstaltet, statt. Die Kleiderordnung ist ihm zu strikt, doch Tina hat ihn irgendwie in Hemd und Krawatte bekommen. Sie sind eine größere Gruppe –

Er, Tina, Chris und Ehefrau (keine Ahnung, wie Tina die beiden dazu gezwungen hat...), eine Freundin von Tina (In Tinas Worten: „Nein! Ich versuche nicht dich, sondern meine beste, lesbische Freundin zu verkuppeln!) und irgendein Bekannter von Tina. Gavin geht davon aus, dass er schwul ist und sich neulich getrennt hat, weil er nur von seinem Ex erzählt. Obwohl Gavin grundlegend kein Problem damit hätte, als Rebound herzuhalten, ist ihm der andere eine Spur zu schüchtern und stottert.

- und haben sich einen Stehtisch in einer ruhigen Ecke gesucht. Gavins „Blind Date“ - „Gavin, sei nicht so fies! Ich versuche nur, dass er aus dem Haus kommt! Nicht alles dreht sich um dich!“ - fühlt sich sichtbar fehlplatziert und unwohl und Tinas Freundin, welche - wie er gerade erfahren hat –  bei der Spurensicherung arbeitet, kann doch eine interessantere Unterhaltung führen, als er erwartet hatte. Bis Chris' Frau ihn und Chris auffordert, nicht nur über die Arbeit zu reden. Danach herrscht peinliches Schweigen.

Sie ist seit zwei Monaten schwanger und ungemein frustriert, dass sich nichts alkoholisches trinken darf.

Der weibliche Anteil des Tisches ändert das Thema und sie kommen auf – wie sollte es anderes sein... - Schwangerschaft und Babys zu sprechen. Auch Gavins Blind Date scheint kurz übermäßig investiert, doch Chris beginnt SOS zu blinzeln und, da Gavin genießt, ihn etwas leiden zu sehen, tritt er ihn gegen sein Schienbein.

„Bevor die Damen beginnen, sich über die Nachgeburt zu unterhalten...“, wirft Gavin in ungenierter Manier ein, die mit einem entsetzten Blick, einmal „Arsch!“ und einem perfekten Grinsen gekoppelt mit einem Mittelfinger (Tina) beantwortet wird. „Lasst uns ein wenig spielen!“

Er schleift Chris – welcher beschämt mit den Schultern zuckt, solange seine Frau zusieht, und ihm zwei Sekunden später ewigen Dank schwört – und Blind Date an den Roulettetisch. Blind Date sieht den Sinn darin nicht, schwer verdientes Geld zu verschwenden, während Gavin und Chris es einfach tun. Fünf Runden später hat Gavin bestimmt zwanzig Dollar verzockt – sein Limit, was er sich gesetzt hat – und Chris hat eine Glückssträhne.

Seinen Kollegen am Spieltisch zurück lassend, zieht es Gavin zur Bar für eine weitere Whiskey-Mische. Blind Date, der an ihm hängt wie eine Klette, folgt ihm.

Sie sitzen einen Augenblick und er kommt nicht darum herum, sich den Berufsalltag seiner Begleitung anzuhören, obwohl er dem Gedudel der Spielautomaten neben ihnen mehr Aufmerksamkeit zollt. Er fragt sich nicht zum ersten mal, ob das Stottern, mit dem der andere spricht, besser werden würde, wenn er ihn schüttelt... Gerade ist ihm ein Spruch eingefallen, der gleichzeitig fies und skandalös genug ist, damit sich Blind Date hoffentlich an seine Sekt verschluckt, als dieser ohne sein Zutun erbleicht.

Um die einzige Freude dieses Abends geprellt, sucht Gavin automatisch die Ursache dafür.

„Das ist m-mein Ex...“, flüstert Blind Date und sieht so elend aus, dass Gavin fast – aber nur FAST – Mitleid bekommt, bevor der andere sich in eine Panik steigert. „Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gott!“

Gavins Spürsinn sagt ihm, dass es sich dabei um den Mann handelt, der gerade mit Begleitung das Casino betreten hat. Entsprechender Ex scheint sie noch nicht gesehen zu haben, doch bei dem hyperventilierenden Frack neben ihm wird es nicht mehr lange dauern...

„Er schaut her...!“, wispert Blind Date und Gavin ahnt schon, worauf das hinausläuft. „K-Kannst du so tun, als wenn... w-wir zusammen wären?“

„Ganz sicher nicht.“, antwortet Gavin.

„B-Bitte!“

„Nein, was geht mich dein Scheiß an?“, zischt Gavin und bringt genügend Abstand zwischen sie, damit er gar nicht für irgendwelche Verzweiflungstaten – wie Ablenkungsküsse – zu Verfügung steht.

„Er kommt!“

Gavin lehnt sich zurück, um die Show zu genießen.

Plötzlich steht jedoch jemand von einem Spielautomaten auf, packt Blind Date im Nacken und Gavin wird unfreiwilliger Beobachter, wie er und der Fremde sich küssen. Der Neue geht ganz schön zu Sache.

(Ex sucht sich genau diesen Zeitpunkt, um sich von seiner eigenen Begleitung abzuwenden und in ihre Richtung zu schauen. Er wirkt ziemlich eifersüchtig.)

Erst als der Neuankömmling sich von Blind Date löst, der ihn geschockt ansieht, kann Gavin den ersten richtigen Blick auf ihn werfen. Der Fremde muss ungefähr in ihrem Alter sein, macht eine gute Figur in seinem hellblauen Hemd, welches die breiten Schultern betont, und besitzt dunkelbraune Haare mit einem Ansatz von Locken, welche Gel in eine – mehr oder weniger – respektable Frisur gebändigt hat.

„Ich denke, du schuldest mir einen Drink.“, sagt er und Blind Date kann bei dieser tiefen Stimme gar nicht anders als überschwänglich zu nicken. „Wodka Martini, geschüttelt nicht gerührt.“

Während Tinas Bekanntschaft geht – fast über die eigenen Füße stolpernd -, um das geforderte Getränk zu besorgen, nimmt der Fremde auf dessen Barhocker Platz, dreht sich zu Gavin und verkündet: „Das müsste ihn für eine Weile beschäftigen... Sein Gestotter war wirklich unerträglich.“

'Das ist mein Spruch...!', denkt er und will trotzdem fragen, ob der andere Gedanken lesen kann.

Gavin fühlt sich von zwei unnatürlich stahlblauen Augen – Das müssen Kontaktlinsen sein! Niemand hat solch eine Augenfarbe! - ins Visier genommen. Er muss kurz schlucken, als ihm zugezwinkert wird und sich die Lippen zu einem schelmischen Grinsen verziehen.

„Ich hätte dich gewiss früher gerettet, aber ich war dabei den Automaten beim Poker zu schlagen.“

Lange Finger rollen einen violetten Jeton über die Knöchel, bevor sie ihn in einer schnellen Bewegung in die andere Hand flitzen und verschwinden lassen, ohne den Blickkontakt zu brechen.

„Ich bedurfte keiner Rettung. Du hast mir die Pointe versaut.“, kann Gavin sich sprechen hören, ohne wirklich über das Gesagte nachzudenken.

Das Grinsen wird breiter. Eine Reihe weißer Zähne wird sichtbar und der Fremde wirkt wie ein Tiger oder ein Hai. Gavin fühlt sich entfernt an seine Katze – Ausgeburt der Hölle – erinnert, wenn sie ihrer Beute auflauert.

„Dann entschuldige ich mich...“, antwortet der Fremde und legt Gavin eine Hand auf den Oberschenkel. „Wie kann ich das wieder gut machen?“

'Mir würden da ein paar Dinge einfallen...', denkt Gavin und weiß, dass sein eigenes Grinsen seine anrüchigen Gedanken widerspiegelt.

Der Kontakt ist nicht unangenehm. Gavin mag das Selbstvertrauen, auch wenn ihm klar ist, dass sein Gegenüber in einer anderen Liga spielt. Er sieht zu gut aus, um wirklich an Gavin interessiert zu sein, doch das Angebot ist trotzdem schmeichelhaft.

Leider ist die Entscheidung zwischen 'Psycho' oder 'Arschloch' noch nicht gefallen. Die Ansätze für beides sind offenkundig vorhanden.

„Du könntest mir deinen Namen verraten.“, bietet Gavin – statt unzähligen anderen, schamloserer Aktivitäten – an.

Durchdringende Augen werden gerollt.

„Wie langweilig...“, wispert der Fremde. „Lass uns das ganze etwas interessanter gestalten.“

Gavin ist noch nie vor einer Herausforderung zurückgeschreckt. Der Ton, mit dem der andere flirtet, gefällt ihm.

„Inwiefern?“

Der Fremde lässt den Jeton zwischen Mittel- und Zeigefinger wieder auftauchen und wirft ihn Gavin zu, welcher ihn aus reinen Reflex fängt. Er betrachtet die Casino-Münze und hebt fragend einen Augenbrauen.

„Lass uns darum spielen.“, wird ihm ins Ohr gehaucht, als sich der andere zu ihm vorbeugt. „Du gehst und setzt...“ Er lässt die blauen Augen durch den Raum wandern. Über die Pokertische, zum Roulette und schließlich zum Black Jack. „...und wenn du gewinnst, dann sage ich dir, wie du mich nennen darfst.“

„Das ist bloß Zufall.“, kontert Gavin. „Was wenn ich verliere?“

„Dann darf ich mir etwas einfallen lassen, wie du das wieder gut machst...“, lautet die Antwort und Gavin zwingt sich dazu, sich das Szenario nicht zu detailliert auszumalen. „Die wirkliche Frage lautet also: Traust du dich, auf dein Glück zu setzen?“

Gavin steht auf und geht auf den Black Jack Tisch zu, an dem sofort – es ist als ob das Schicksal ihm etwas mitteilen will – ein Platz frei wird. Er setzt auf den Block genau vor ihm – die anderen Mitspieler schauen in fasziniert an -, wartet bis der Geber seine Karten ausgibt und starrt ungläubig, da ihm As und Bube zugeteilt werden.

Black Jack

Der Geber zahlt ihn aus und legt ihm einen weitere violette Münze, zwei schwarze und zwei grüne dazu. Gavin schnappt sich alle Jetons und tritt – in halber Erwartung den Platz leer vorzufinden - zurück an die Bar.

Er erreicht seinen Hocker nicht. Bevor er auch nur in die Nähe kommen kann, umschließen lange Finger sein Handgelenk und er wird in Richtung Herrentoilette gezogen.

- - -

Gavin war froh, dass er immer Kondome dabei hat. Er richtet sich das Hemd, damit nicht gleich für jeden ersichtlich ist, wie sie sich die Zeit vertrieben haben.

Seine neue – zwanglose – Bekanntschaft lehnt an der Kabinentür und lässt das Metallica-T-Shirt, welche er unter dem eigenen Hemd versteckte, wieder Knopf für Knopf verschwinden. Er grinst – wieder mit zu viel Zähnen – und Gavin kann sich nicht erinnern, wann er das letzte mal so guten Sex hatte. Der andere ist ein anziehender Anblick – wie ein Traum, extra für Gavin nach seinen Vorlieben und seiner Porno-Präferenz zugeschnitten – und Gavin ist unterschwellig stolz auf sich, dem anderen die Frisur ordentlich durcheinander gebracht zu haben.

Fast automatisch gleiten seine Hände in seine Hosentaschen, nur um die Anwesenheit der fremden Chips wieder zu bemerken.

„Du schuldest mir noch deinen Namen.“, fordert er den anderen auf, seine Spielschulden zu begleichen, während er ihm einen der schwarzen Jetons präsentiert.

„'Gott' gefiel mir ziemlich gut.“, bekommt er zur Antwort – Gavin spürt wie seine Ohren rot anlaufen -, dann legt er den Kopf schief. „Meine Freunde nennen mich Neun.“

Damit gibt sich Gavin nicht zufrieden. „Neun ist doch kein Name. Wie nennen dich die anderen?“

„Arschloch.“, bietet der andere – Neun - an. „Mistkerl, Hurensohn... Such dir was aus.“

Was die Frage beantwortet, zu welcher Kategorie sein Gegenüber gehört...

„Nein, ehrlich.“, will Gavin wirklich wissen. Er mag seine Kontakte zwar zwanglos halten, doch er wäre einem zweiten Treffen nicht abgeneigt.

Neun zögert, dann sagt er: „Würdest du mir glauben, dass ich ihn vergessen habe?“

„Nein.“

„Mach keine Szene.“, meint Neun, tritt an ihn heran und küsst ihn. Gavin erwidert und lässt sich ablenken. Der Kuss ist schnell und tief und grenzt mehr an Rivalität als Intimität. Neun – so kann Gavin ziemlich genau sagen – scheint aus allem eine Herausforderung oder ein Spiel zu machen. Er sieht es als Sieg, dass Gavin als erster nach Atem ringt. „Wir hatten doch Spaß, oder nicht?“

Gavin nickt.

Vielleicht ist er ein wenig enttäuscht, diesen Arsch nie wieder zu sehen, doch er wird es verkraften. Er reicht Neun seine Jetons, doch der andere zögert kurz, bevor er sie einsteckt. Er scheint auf etwas zu warten, doch Gavin fällt nichts ein, dass ihn zum Bleiben überreden könnte.

„Pfuck...“, flucht Gavin, nachdem der andere aus der Tür verschwunden ist.

Als er sich schließlich genug gesammelt hat, um sich wieder nach draußen zu wagen, sucht er doch das Casino nach braunen Locken und überirdisch blauen Augen ab. Wie erwartet findet er sie nicht, aber Tina findet ihn.

Ihre gesamte Körperhaltung demontiert ihre Unzufriedenheit.

„Wo warst du!“, verlangt sie empört zu hören. „Ich suche dich schon seit zwanzig Minuten! Chris und Megan wollen nach Hause.“

„Ich war...“ Er will nicht lügen, aber die Wahrheit will er ihr nicht auf die Nase binden. „...beschäftigt.“

Sie winkt ihn ab.

„Ja ja...“, mault sie und das 'Leck mich am Arsch' schwingt überdeutlich mit. „Lass uns deine Chips einlösen und dann los.“

„Ich habe keine Chips.“, meint Gavin nur, folgt ihr aber trotzdem zur Auszahlung, weil sie wütend verkündet, dass sie aber welche habe.

Chris hat guten Gewinn gemacht, den er unter den missbilligenden Blicken seiner Frau einlöst, bis ihm raus rutscht, dass sie es für das Sparbuches des Babys verwenden könnten. Seine Frau starrt ihn überaus perplex an, bevor sie ihm um den Hals fällt.

Gavin wird von der Sentimentalität fast schlecht.

Die Frauen der Gruppe hatten nicht so viel Glück, doch ein paar Dollar kommen zusammen. Tinas lesbische Freundin erkundet sich nach Blind Date, doch Tina antwortet nur, er würde wohl mit seinem Ex nach Hause fahren. Sie klingt etwas bitter.

„Sieh es als Happy End!“, kann sich Gavin nicht verkneifen. „Du hast ihn aus dem Haus bekommen und zurück in die Arme des Mannes geführt, von dem er mir den ganzen Abend die Ohren voll geheult hat.“

'Vielleicht war das auch mehr Neuns als Tinas Verdienst...'

Der Griff in die Hosentasche ist wieder automatisch. Sie sollten leer sein, doch seine Finger erfassen einen Jeton.

Es ist der schwarze, den er vorhin in der Hand hatte...

Eine handgeschriebene 9 prangt auf der einen Seite.

„Ich dachte, du hast alles verzockt...“, kommentiert Tina bloß.

„Das sind hundert Dollar.“, meint Chris nur beim Anblick der schwarzen Münze. „Alter, wann hast du hundert Dollar gewonnen?“

Tina nimmt ihm den Jeton weg.

„Ist das eine Handynummer?“, fragt sie und präsentiert ihm die andere Seite. Er kann genau sehen, wann sie begreift, wie er seine Zeit verbracht hat, während sie ihn suchte. „Gavin...“

Er lässt sich die Münze reichen und zuckt mit den Schultern, bevor er sie einsteckt.

„Willst du sie nicht einlösen?“, harkt Chris nach, doch Gavin schüttelt den Kopf. „Welche Handynummer ist bitte hundert Dollar wert?“

Darauf antwortet Gavin gar nicht.

„War er wirklich so gut?“, kann sich Tina nicht verkneifen, doch er ignoriert sie.

Er weiß weder, wie Neun den Jeton in seine Hosentasche bekommen hat, noch wie viel Geld ein violetter Chip wert gewesen sein musste. Nur eines ist ihm klar:

'Das ist ein weiteres Spiel, oder Neun?'

- - -
(KdA.: Viel mehr dürft ihr von der Beschreibung, was Sex betrifft, nicht erwarten.

Ich habe viele Darstellungen von Gavin als fast Suizid gefährdet oder selbst gefährdend, depressiv oder gar psychopathisch gelesen. Kann ich alle verstehen und haben auch alle ihre Berechtigung, aber ich versuche mal frustriertes Arschloch mit Hang zum Risikoverhalten, jedoch mit vorhandenem sozialen Netzwerk. Klingt gesünder, bedeutet nicht, dass er keine Scheiße baut...

Ich weiß, warum man normalerweise die Charakteranzahl reduziert und Funktionen in guter Belletristik zusammenfasst,  aber ich probiere es experimentell mal anders. Hier gibt es solche nervigen Dinge wie Kollegen, Angehörige, Familie, Freunde, Bekannte, Nachbaren und die ganzen Leute, die man eigentlich nicht kennen will. Vielleicht wird das gut oder auch nicht so gut. Mal sehen.

Insgesamt bin ich mit DBH in der Repräsentation betreffend ethnischen Herkunft und Geschlecht ziemlich zufrieden. Mit Kara, Alice, Amanda und North bekommen wir mehr weibliche Sprechrollen als ich für ein Videospiel erwartet habe. Ich hätte mir vielleicht ein wenig mehr Charakterlichen Tiefgang bei einigen gewünscht, doch das ist dem Spielealgorithmus zum Teil geschuldet. Aber wenn Dragon Age es seit Jahren hin bekommt, homosexuelle Paare zuzulassen, dann hätte es auch möglich sein können Simon/Markus statt North/Markus (nichts gegen North) zu verkuppeln. Weil ja alle in 2038 von David Cage Androiden hassen, haben sie sich in anderen Bereichen abgeregt und klassischer Rassismus sowie Sexismus oder Hass gegen die LGBTQ-Gemeinde spielt keine riesige Rolle mehr, auch wenn es ein paar Idioten gibt, die es wie immer nicht geschnallt haben. Das habe ich jetzt so entschieden.)
Review schreiben