Das Geheimnis des alten Freundes

GeschichteDrama / P16
15.12.2019
17.02.2020
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Katharina atmete vor der Höhle erleichtert auf. Michael lächelte ihr beruhigend zu, während sie sich auf den Boden sacken ließ. Michael ging in die Hocke und sah die Ärztin an.
„Ich weiß das ist schwer aber du musst ihm ein bisschen Freiraum geben.“ Was sollte dieser Spruch denn? Michael bekam wohl nicht mit, welche riskanten Aktionen Markus sonst unternahm.
„Katharina, der Markus liebt dich aber der liebt auch was er tut. Der wird nicht immer zurückstecken und unten ganz brav in der Zentrale warten. Das ist dir doch hoffentlich bewusst?“ Bislang dachte sie wirklich, dass Michael die gleiche Meinung vertrat wie sie auch. Da hatte sie sich scheinbar getäuscht.
„Du fandest das also gut, was er am Heli gemacht hat?“, fuhr sie ihn an, ohne ihm dabei in die Augen blicken zu müssen. Michael sah sich dennoch in der Pflicht, nicht nur Markus, sondern auch Katharina den Kopf zu waschen.
„Natürlich nicht. Das habe ich ihm auch bereits deutlich zu verstehen gegeben und ich denke, dass er es langsam begriffen hat. Aber ich kenne auch Markus, der braucht seinen Freiraum. Er liebt die Berge und das klettern. Du kannst dich nicht immer an ihn klammern. Ich verstehe, dass du Angst hast, wenn er wieder irgendwelche Dummheiten macht. Du musst ihm aber auch vertrauen können.“ Michael hatte versucht mit sanfter Stimme und beruhigendem Ton zu ihr durchzudringen. Langsam nickte Katharina mit ihrem Kopf. Sie wollte Markus nicht erdrücken.
„Ich kann das einfach nicht abschalten, diese verdammte Angst.“ Michael nahm sie fest in den Arm.
„Simon für Michi, bitte kommen“, sprach er in den Funk.
„Simon hört“, drang es, ein wenig überfordert, zu den beiden Wartenden vor dem Felsen, zurück.
„Ist wirklich alles in Ordnung bei euch?“, fragte Katharina. Sie fühlte sich noch unsicher, klang aber nach Michaels Worten nicht mehr so besorgt. Sie wollte sich nur einen Überblick über die Situation verschaffen.
„Ich bin etwas vom Weg abgekommen“, schmunzelte Markus mit schmerzverzerrter Stimme.
„Wir gehen gleich in den anderen Gang und sehen, ob wir dort jemanden finden“, fügte Simon etwas ernster hinzu.
Von Katharina fiel eine kleine Last ab, immerhin hatte sie jetzt Markus‘ Stimme hören können. Ihm schien es gut zu gehen und sie konnte fürs Erste aufatmen.

„Etwas vom Weg abgekommen?“, warf Simon Markus sauer vor.
„Wie soll ich das denn den anderen erklären, dass dir schon wieder etwas passiert ist?“ Markus antwortete ihm nicht und zuckte nur mit seinen Schultern. Dieses Mal war es wirklich nur ein Unfall gewesen, er hatte nicht leichtsinnig gehandelt. Würde Katharina ihm das glauben? Simon tastete seinen Fuß ab und schmiss Markus damit vor lauter Schmerzen aus seinen Gedanken. Er biss die Zähne zusammen, denn sein Knöchel schmerzte höllisch.
„Also offen ist nichts. Aber das sieht nach einer ganz schönen Prellung aus. Jedenfalls ist dein Knöchel ziemlich angeschwollen und rot.“ Markus verzog das Gesicht. Eine Prellung konnte er jetzt überhaupt nicht gebrauchen und dann kamen auch noch die Kopfschmerzen hinzu, die er Simon verschwieg.
„Ich schaff das schon“, murmelte Markus nur und versuchte sich aufzurappeln. Er taumelte, verlor das Gleichgewicht und landete erneut auf dem harten Boden.
„Bist du dir sicher, dass wir Michael nicht brauchen?“ Simon war wieder besorgt. Er konnte das Donnerwetter von Katharina schon hören. Erneut schüttelte Markus den Kopf, er wollte den Aufstieg ohne fremde Hilfe schaffen.
„Okay ich geh jetzt hoch und dann sehen wir mal, wie wir dich hier raus bekommen.“ Simon klinkte sich wieder ein und machte ein paar kleine Schritte an der Felswand, bis er auch schon wieder in dem langen dunklen Gang stand. Er setzte seinen Rucksack ab und legte die Handlampe auf den Boden, um mehr Licht zu erhalten. Wieder musste er an Katharina und Michael denken. Was würden sie sagen, wenn sie erfahren, dass Markus verletzt war? Zum Glück hatte Markus seinen Funk in der Felsspalte verloren. Also traf Simon die folgende Entscheidung für beide.
„Michi für Simon, bitte kommen.“
„Michi hört“, ertönte es sofort zurück.
„Ich brauch dich hier in der Höhle. Markus hat sich den Fuß geprellt und ich bekomme ihn allein hier nicht mehr hoch.“
„Was soll das denn? Ich habe doch gesagt, dass ich das ohne weitere Hilfe schaffe!“, rief Markus entsetzt nach oben und wetterte vor sich hin.
Aber Simon ließ sich nicht beirren und antwortete ihm nicht. Stattdessen wartete er auf weitere Unterstützung durch sein Team. Er war der festen Überzeugung, dass es keine bessere Entscheidung momentan gäbe.

Ohne, dass Michael ihm antwortete, sprang er sofort auf. Auch Katharina hielt nichts mehr am Boden.
„Ich komme mit!“, sagte sie selbstsicher.
„Einer muss hier draußen bleiben. Wir haben da drinnen echt keinen Platz für eure Streitigkeiten.“
„Aber, wenn Markus verletzt ist. Ich bin Ärztin und muss ihm helfen.“ Wieder wurde sie verzweifelter.
„Wir helfen ihm erstmal, indem er aus dieser Höhle rauskommt. Und du bleibst hier. Wenigstens einer muss erreichbar bleiben.“
Dann kroch auch Michael durch das kleine Loch ins Innerste der Höhle und bahnte sich seinen Weg durch die dunklen Gänge, bis er einen Lichtschein vernahm.

Als Michael das Ende des Ganges und somit auch Simon erreichte, musste er sich erstmal einen Überblick verschaffen.
„Wo ist er denn?“, wollte Michael etwas verwundert wissen. Simon deutete auf die Kante.
„Sei aber vorsichtig, das bröckelt ganz schön ab. Ich war eben bei ihm unten aber ich schaff es nicht ihn allein hochzuziehen.“ Michael trat einen Schritt nach vorn und ging in die Knie. Dann beugte er sich über die Kante und sah Markus ein Stück weiter unten, mit verschränkten Armen, sitzen.
„Das ist wieder typisch. Du machst Mist und wir müssen es wieder ausbaden“, lachte der Pilot seinem Freund entgegen, als er sah, dass Markus einigermaßen in Ordnung war. Markus schien nicht wirklich begeistert zu sein.
„Ich hab Simon gesagt, dass ich das schaffe aber er musste ja gleich dich holen.“ Markus wirkte tatsächlich sauer.
„Okay Freunde, dann mal los. Wir haben nicht viel Zeit und lange kann ich nicht mehr fliegen.“ Michael warf Markus ein Seil zu, an welchem er sich einklinkte. Dann zogen die beiden Männer oberhalb der Kante ihren Chef mit aller Kraft nach oben. Markus versuchte sich derzeit mit dem unversehrten Fuß voran zu arbeiten. Mit einem schmerzverzerrten Gesicht kam er bei den Männern an.
„Na mein Freund, das war ja wieder ein toller Rettungsversuch“, neckte ihn Michael. Markus stützte sich gequält mit den Händen am Piloten ab und stand auf einem Bein.
„Wie schlimm ist es? Und sag mir jetzt nicht wieder, dass es geht. Ich will eine ehrliche Antwort von dir.“ Wiederwillig erzählte also Markus, dass sein Fuß höllisch schmerzte. Gleichzeitig wollte er auf keinen Fall die Suche abbrechen. Sie waren schon so weit gekommen, dass konnten sie Toni nicht antun.
„Wir bringen dich jetzt hier raus und dann gehen Simon und ich in den anderen Gang.“
„Ich komme mit“, entgegnete Markus entsetzt. Schon wieder sollte er nur zusehen und abwarten müssen? Das konnte er einfach nicht, dafür war er nicht der Typ. Michael und Simon ließen aber nicht mit sich reden. Zusammen räumten sie ihr Equipment ein und hakten Markus unter. Sie hatten Mühe in dem engen Gang nebeneinander her zu laufen. Alle Proteste seitens von Markus hatten unterwegs nichts genützt, sie brachten ihn bis zum Ausgang. Dann nahm ihn Katharina in Empfang.

Markus kletterte vorsichtig aus dem Loch ans Tageslicht. Katharina sprang auf und half ihm auf die Beine.
„Was machst du denn schon wieder für Sachen?“, fragte sie ihn völlig besorgt. Markus stand auf einem Bein und drückte sie fest an seine Brust. Er atmete ihren einzigartigen Duft ein und für einen Moment schien es so, als gäbe es keine Probleme. Katharina hob ihren Kopf und sah tief in seine Augen.
„Dort gibt es zwei Gänge. Ich bin wohl den falschen gelaufen und habe eine Kante übersehen. Dann lag ich auch schon am Boden“, berichtete er knapp. Es war ihm unangenehm vor Katharina zugeben zu müssen, dass er die falsche Route genommen hatte und nun auch noch verletzt war. Katharina platzierte ihren Freund behutsam vor die Höhlenöffnung.
„Ich habe mir den Fuß geprellt und die anderen haben mich wieder hoch geholt. Ich war wirklich vorsichtig, aber diese Kante war tückisch.“ Katharina merkte, dass Markus versuchte sein Handeln zu rechtfertigen. Er hatte Angst, dass es erneut zwischen beiden krachen könnte. Katharina erinnerte sich an Michaels Worte, er hatte nun beiden endlich den Kopf gewaschen. Sie lächelte Markus entgegen, der eigentlich mit Vorwürfen gerechnet hatte. Dann zog sie ihm vorsichtig den Schuh mit der dazugehörigen Socke aus, um die Verletzung besser begutachten zu können. Langsam tastete sie den Knöchel ab, dabei konnte sie deutlich erkennen, wie Markus krampfhaft versuchte die Schmerzen zu unterdrücken.
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Heute ein etwas ruhigeres Kapitel, bevor es turbulent weitergehen könnte. Vielen Dank für die letzten Reviews, habe mich sehr gefreut!! :-)

Danke fürs Lesen!
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