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Versprechen am Raureifmorgen

von Lost Time
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Übernatürlich / P16 / Gen
Anthony Lockwood George Cubbins Holly Munro Lucy Carlyle Qill Kipps
14.12.2019
14.12.2019
3
16.089
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14.12.2019 5.149
 
Vorwort: Diese FF entstand für den FF Adventskalender von einer Animexx Userin. Er war für Türchen 10 und hatte den Prompt/Schlagwort Raureifmorgen, welches im Titel und/oder in der Geschichte verarbeitet werden musste.
Und ja ich shippe gerne Crack-Paare. ;)
Nun aber viel Spaß beim Lesen. ^^
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Wo ist sie?
„Wo ist wer? Wen meinst du? Sag es mir. Nur so kann ich dir helfen.“
Wo ist sie?
Verdammt, so kam ich nicht weiter. Meine sonst so gute Methode schien an diesem Geist abzuprallen. Vielleicht war sie auch einfach zu sehr in ihrer Schleife gefangen. Mein Blick glitt zur Seite, wo meine Kollegen standen. Einer mit der Hand an seinem Degen und einem im leichten Wind, wehenden Mantel. Hinter ihm jemand mit bereits gezücktem Degen und einer festsitzenden Brille über den Augen. Sie warteten nur auf mich. Auf mein Zeichen. Ich presste die Lippen aufeinander, als der Geist noch etwas näher kam. Im selben Moment sah ich, wie meine Begleiter reflexartig die Degenhand bewegten, doch ich gab ihnen zu verstehen, dass alles in Ordnung war. Soweit man halt von alles in Ordnung reden konnte, angesichts des drohenden Todes. Ich konzentrierte mich wieder auf den Geist vor mir. Sein kühler Geisternebel stieß gegen meine schweren Arbeitsschuhe und ließ Frost an diesen hoch wachsen, wie Raureif. So wie die Kälte sich bereits in meinem Körper ausgebreitet hatte, waren meine Lippen sicherlich leicht bläulich verfärbt.
„Ich will dir helfen. Sag mir, was du suchst.“
Ich schloss meine Augen und öffnete meine inneren Sinne weit, um jedes noch so wichtige Geräusch zu vernehmen. Ein Rauschen war zu hören und dann wieder die Stimme der Geisterdame. Etwas Neues sagte sie jedoch nicht.
„Achtung!“, hörte ich nur einen Schrei aus meiner Welt.
Als ich die Augen aufriss durchbohrte eine feine Degenklinge die Geistererscheinung. Ektoplasma spritzte auf meine Kleidung und Rauch stieg an der Stelle des Degens auf, welche die Gestalt getroffen hatte.
„Was sollte das?“, fauchte ich Quill Kipps an, der über seine Schulter zu mir blickte.
„Danke, dass du mir das Leben gerettet hast, war heute nicht mehr zu haben in deinem Sprachschatz, was?“, fragte er gereizt zurück.
„Ich hatte alles unter Kontrolle!“
„Hattest du gar nicht! Du wärst fast tot gewesen!“
„Überhaupt nicht wahr! Ich hätte es beinahe geschafft, dass der Geist sich mir anvertraut.“
Nein, das hätte er vielleicht nicht. Es hätte sicherlich noch einige Zeit gebraucht, dennoch war ich sauer darüber, dass Quill mir meinen Versuch versaut hatte.
„Hört auf, alle beide. Alles in Ordnung bei dir, Luce? Nimm es Kipps nicht übel. Hätte er nicht eingegriffen, hätte ich es getan. Der Geist hätte dir beinahe einen Kuss auf die Lippen gehaucht und das ist nun wirklich meine alleinige Aufgabe“, mischte sich nun der Junge im langen Mantel ein.
Anthony John Lockwood. Chef der Agentur Lockwood & Co. und mein Freund. Ihr wisst schon, wie ich es meine, wenn ich sage Freund. Es hatte ziemlich lange gedauert, aber zwischen uns herrschte schon vom ersten Tag unserer Begegnung diese Magie. Okay, lass ich das mal, sonst löst sich bei mir doch ein Würgereflex. So eine Art der Erzählung ist eher Hollys Ding. Ich blickte zu Kipps, welcher gerade wieder den Mund öffnete, es sich dann aber anders überlegte. Auch ich biss mir auf die Lippen und vermied eine weitere schnippische Bemerkung. Wenn wir alle eins in unserem bisherigen Leben gelernt hatten, dann, dass Gefühle an einem Einsatzort nichts zu suchen hatten.
„So, nun sag Luce, was hat der Geist dir gesagt?“, fragte Lockwood, während er mir wieder aufhalf.
Erst jetzt bemerkte ich, wie kalt mir war und wie steif sich meine Glieder anfühlten. Doch die Berührung von Lockwoods warmer Hand schien den ganzen Raum um mich zu erwärmen.
„Nun, die Wiedergängerin sagte die ganze Zeit „Wo ist sie?““, erzählte ich.
Auf den Gesichtern meiner Kollegen zeichneten sich fragende Blicke ab.
„Mehr nicht?“, fragte Kipps schließlich.
„Nein.“
„Hm. Das ist nicht viel, aber gut, lasst uns darüber nachdenken bis morgen. Vielleicht hat George noch etwas herausgefunden“, schlug Lockwood vor.
Wir kehrten zurück zu unserem doppelt gesicherten Bannkreis aus Eisenketten, in dessen Mitte ein kleiner Teekessel auf einem Campingkocher thronte. Die Dämpfe des heißen Wassers tänzelten durch die Luft, hinaus aus dem Bannkreis und formten dort einige, teils floral wirkende Muster.
„Es war eine gute Idee, Kipps, das Wasser schon aufzusetzen.“
„Ich weiß Tony. Ich hab genug Einsätze gehabt, um das perfekte Timing hinzubekommen.“
Wir ließen uns auf dem Boden des Kreises nieder. Während Kipps uns allen heißes Wasser auf unsere mit Teebeuteln ausgestatteten Tassen kippte, hielt mir Lockwood eine Tafel Schokolade hin. Ich nahm ein Stück und ließ es genüsslich auf meiner Zunge zergehen. Mein Blick schweifte indes durch den Raum. Ich stellte mir vor, wie dies alles vor einigen Jahrzehnten ausgesehen haben mochte und stellte mir die Frage, wie lange wir noch unser Leben aufs Spiel setzen müssen würden, bis wir die Taten der Vergangenheit ungeschehen gemacht hatten.
Ach so, ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt. Entschuldigt, das passiert schon mal, wenn man mitten im Einsatz ist. Mein Name ist Lucy Joan Carlyle. Ich besitze die Gabe des Hörens in einer unvergleichlichen Art. Ich bin Geisterjägerin von Beruf. Was, Geister gibt es nicht, sagt ihr? Na, in eurer Welt will ich gerne leben.
Seit mehr als 50 Jahren wird unser geliebtes Großbritannien von einer Geisterplage heimgesucht. Die Behörden nennen es „das Problem“. Die Behörde zur Erforschung und Bekämpfung Übersinnlicher Phänomene – kurz BEBÜP, das andere merkt sich eh keiner – welche ihren Sitz bei Scotland Yard hat, versuchte seit Jahren mit Hilfe der verschiedenen Agenturen, das Ganze in den Griff zu bekommen. Doch nur durch uns, Lockwood & Co., waren sie in der Lage, den wahren Grund für das Problem herauszufinden. Nun ist wieder ein Jahr ins Land gegangen und wir kämpfen immer noch. In erster Linie junge Menschen. Kinder und Teenager. Denn nur wir sind in der Lage, die Geister zu sehen. Erwachsene sind ihnen schutzlos ausgeliefert. Ab dem 20. Lebensjahr wird jeder Agent blind, taub und gefühlskalt gegenüber Geistern. Etwas, was mir mittlerweile doch etwas Sorge macht, schließlich nähere ich mich auch dieser „magischen“ Grenze. Quill Kipps ist hierbei eine Ausnahme. Er kann immer noch Geister sehen, obwohl er mit 23 wirklich zum alten Eisen gehört. Dies schafft er jedoch nur dank einer speziellen Brille, die wir mal geklaut… ich meine gefunden haben. Ja, genau, gefunden. Aber das ist eine andere, ziemlich lange Geschichte.

Vorsichtig nippte ich an meinem noch heißen Tee. Eigentlich hatte Lockwood unseren Einsatz für heute beendet, doch wir wären schön blöd, jetzt alles abzubauen, wenn der Geist noch aktiv war. Nein, wir würden bis zum Morgengrauen warten, bis der Geist seine Kraft verlor und uns dann für morgen einen hoffentlich finalen Schlachtplan ausdenken. Solange würden wir in unserem Bannkreis ausharren und eventuell noch einige Eindrücke von diesem Haus erhaschen.
„Ist euch auch aufgefallen, dass der Geist sehr zentral erscheint“, brach dann Quill die Stille.
„Ich habe ihn in mehreren Räumen gesehen“, erklärte Lockwood.
„Ja, schon klar Tony. Aber der Geist ist nur hier im Erdgeschoss anzutreffen. Er hat sich hier als erstes gezeigt. In den anderen Etagen hat er sich nicht manifestiert.“
„Das stimmt. Ich spüre seine Präsenz auch mehr hier unten. Besonders Maladigkeit ist vorherrschend. Was ziemlich ungewöhnlich ist. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass etwas nicht stimmt“, mischte ich mich ein.
Die anderen Beiden nickten zustimmend. Schweigen kehrte wieder ein und Lockwood ließ noch einmal die Schokoladentafel wandern.
„Was meint ihr, was meint sie mit „Wo ist sie?“?“
„Das ist schwer zu sagen, Luce. Ich persönlich denke, sie wird sicher einen ihr wichtigen Gegenstand meinen.“
„Oder vielleicht ihren Körper.“
Lockwood und ich sahen zu Quill herüber. Er hatte ja schon immer eine etwas negativere Einstellung und zugegeben: Unrecht hatte er gewiss auch nicht. Viele Geister waren an ihren Körper gebunden. Doch irgendwie hoffte ich inständig, dass uns ein Leichnam erspart blieb. Ich erinnerte mich an den Fall der blutigen Braut, deren Geist an ihren weißen Schleier gebunden war, das einzige Kleidungsstück, dass bei ihrem Tod rein geblieben war.
Ich nahm einen weiteren Schluck Tee und beobachtete die Schatten auf den Boden, welche mit voranschreitender Zeit zu wandern begannen.


Die Sonne am nächsten Tag kitzelte meine Nase. Ich ließ meine Hand hinter mich gleiten und ertastete eine ordentlich gelegte Bettdecke. Als ich mich umdrehte, stellte ich fest, dass die andere Betthälfte leer war. Verschlafen warf ich einen Blick auf die Uhr. Es bereits zwölf Uhr mittags. Wie ich mir denken konnte, war Lockwood bereits auf den Beinen. Vermutlich war ich wieder die Letzte. Die vergangene Nacht war ohne weitere Vorkommnisse vonstattengegangen. Ab und zu hatte ich ein schwaches Wispern wahrgenommen. Ich war allerdings zu erschöpft, um noch einmal aus dem Bannkreis zugehen. Als Hörende hatte ich es nicht so leicht. Ich hörte nicht nur Stimmen der Geister, sondern auch die Geräusche, die ihre Kleider machten und Echos der Vergangenheit. Setze ich zu lange diese Gabe ein, erschöpft es mich. Ein Grund, weswegen man stets in einem Team arbeitete. Geister waren tückisch, die vom Typ Zwei besonders. Sie erkannten unsere Schwächen und schlugen zu, wenn man am wehrlosesten war. Allein gegen einen Geist war also stets eine schlechte Idee, ganz gleich, wie gut die eigenen Gaben waren.
Langsam schälte ich mich aus dem Bett und öffnete das Fenster, um frische, kühle Herbstluft hinein zulassen. Der gemütliche Teil des Jahres war dabei, zu gehen und der unbequeme Teil würde bald vor der Tür stehen. Im Winter, wenn die Nächte immer länger wurden, hatten die Geister die Oberhand, wenngleich sie dank dem Ende von Marissa Fittes üblen Machenschaften schon deutlich weniger wurden. Wie immer war Lockwoods Zimmer in einem tadellosen Zustand und das, obwohl ich seit einem halben Jahr hier mit eingezogen war. Meine Dachkammer wurde gelegentlich von Kipps bewohnt, wenn wir uns in einem mehrtägigen Einsatz befanden. Das gleiche galt auch für Holly, welche dann in Jessicas, Lockwoods verstorbener Schwester, ehemaligen Zimmer übernachtete. Dennoch hielt es beide nicht dauerhaft bei unserer Agentur-WG. Nach einem kurzen Blick in unseren gemeinsamen Kleiderschrank, entschied ich mich für mein Lieblingsoutfit, was gleichzeitig auch mein Standardoutfit war im Herbst. Einen knielangen schwarzen Rock, eine schwarze Leggins und, da es draußen wirklich frisch war, wieder einen dunkelgrauen Pulli. Holly hatte zwar mal zu mir gesagt, ich sollte mal etwas Farbe in mein Leben bringen und hatte mich auch zu einer ihrer Shoppingtouren mitgeschleift, doch keine Farbe konnte mich wirklich begeistern. Schweigsam waren wir beide von der Tour wiedergekommen und hatten unseren Frust ausgiebig in einigen Tassen Tee ertränkt.

Ein Duft von Speck und gebratenen Eiern stieg mir sogleich in die Nase, als ich die Tür öffnete. Ein leichtes Geklapper war ebenfalls zu vernehmen. Auch wenn der Duft wirklich verführerisch war, konnte ich mich dennoch dazu durchringen, erst ins Badezimmer zu verschwinden. Ich muss euch, denke ich, nicht erzählen, dass ich ziemlich Gas gab. Mein Magen hing mir bereits in den Kniekehlen, wie er mir unmissverständlich klar machte. In der Küche angekommen, entdeckte ich zu meiner Überraschung nur eine Person und es war nicht Lockwood.
„Morgen, Lucy.“
„Morgen, Kipps. Wo sind die anderen und Lockwood?“
„Nun, nachdem wir lange auf dich gewartet haben, beschloss Tony, schon mal die gestrige Nacht auszuwerten. Speck, Eier und Toast?“
„Ja, gerne.“
Ich ließ mich auf einem Stuhl nieder und bekam wenige Augenblicke später bereits einen Teller zugeschoben. Ich sah zu, wie Kipps ein paar Speckstreifen und Eier in die Pfanne warf, sowie Toastbrot in den Toaster stopfte. Insgeheim ärgerte ich mich, dass ich nicht mitbekommen hatte, dass Anthony aufgestanden war.
„Auf jeden Fall“, fuhr Kipps ungefragt fort, „hat sich Cubbins zurück in die Bibliothek begeben, weil es ihm etwas spanisch vorkommt. Tony will noch ein paar Vorräte auffüllen und Holly hatte gestern Nacht noch einen spontanen Auftrag gehabt, nachdem sie vom Einfangen des Mauerklopfers zurückkam und kommt heute später.“
„Was Großes?“, fragte ich und stand auf, um mir das Toast, welches gerade freudig in die Luft hüpfte, zu holen.
„Nein. Nur ein Schemen.“
Ich nickte verstehend. Schemen und Mauerklopfer gehörten zu den Geistern des Typ Eins. Ich habe euch ja eben schon gesagt, dass man Geistern nie allein gegenüber treten sollte. Bei Geistern von Typ Eins konnte man eine Ausnahme machen. Besonders bei diesen beiden.
„Ich habe mich bereit erklärt, auf deine Wiederbelebung zu warten und dafür zu sorgen, dass du vor Hunger nicht vor die Hunde gehst.“
Seine grünen Augen blickten zu mir herüber und irgendwie konnte ich aus diesen nicht schlau werden. Normalerweise war Kipps leicht zu durchschauen. Er hatte den Hang zu Sarkasmus, welcher aber seit den gemeinsamen Abenteuern abgeschwächt war. Außerdem hatte er immer noch das Bedürfnis, mich zu ärgern oder sich mit Lockwood zu duellieren. Auch wenn das beides etwas abgenommen hatte. Die Diskussionen und Wortgefechte mit George hingegen standen weiter an der Tagesordnung und Holly war sehr froh, wenn die beiden nicht zusammen in einen Raum waren.
Ich belächelte diese Sache größtenteils, wenngleich sie ziemlich nerven konnten. Auf Einsätzen waren beide immer professionell. Im Gegensatz zu mir gestern, erinnerte ich mich. Zwar hatte ich es nicht zum Äußersten kommen lassen, aber das war in erster Linie Kipps zu verdanken. Ich biss mir auf die Lippen und starrte auf das Weise Tuch, auf dem bereits einige Notizen zu finden waren und eine Karikatur von Kipps, die wieder mal ein Zeugnis davon war, was sich zwischen ihm und George heute früh abgespielt hatte. Denn gestern war die Skizze noch nicht da gewesen, das wusste ich. Ich hörte es neben mir klappern und kurz darauf stellte Quill eine heiße Pfanne mit Speck und Rühreiern auf den Tisch.
„Guten Hunger.“
„Danke“, erwiderte ich und starrte die Pfanne an.
„Irgendwas nicht in Ordnung? Hab die Eier falsch-herum geschlagen? Ich drehe die halt immer im Uhrzeigersinn.“
„Was?“
Ich blinzelte und sah zu Kipps, auf dessen Gesicht sich ein kurzes Grinsen abzeichnete.
„Ob was mit den Eiern nicht stimmt oder dem Speck. Du rührst gar nichts an vom Essen.“
„Oh, ach so. Nein, nein. Alles in Ordnung. Ich… es ist nur...“
Erneut verlor sich mein Blick auf das Tuch, dann aber zwang ich mich, wieder zu Kipps zu sehen. Etwas unruhig rutschte ich auf meinem Stuhl hin und her. Ich muss euch sagen, Fehler einzugestehen ist nicht unbedingt meine größte Stärke. Aber ich bin mir sicher, damit nicht allein zu sein.
„Hör zu Kipps, wegen gestern Nacht. Ich... es tut mir Leid, dass ich dich angepflaumt und diesen Streit begonnen habe. Das… das war unprofessionell und hätte uns alle in Gefahr bringen können. Und… danke, dass du mich vor der Geistersieche bewahrt hast.“
Der letzte Teil des Satzes kam wirklich etwas kleinlaut rüber. Ich war immer noch etwas sauer auf ihn, dass er sich eingemischt hatte. Doch nach dem Schlaf und einer Unterhaltung mit Lockwood vorweg im Bett, wusste ich, dass er keine andere Wahl gehabt hatte. Er war einfach nur schneller als Lockwood gewesen – was zugegeben auch nicht oft vorkam. Kipps war immer etwas vorsichtiger, auch wenn er nun die Möglichkeit hatte, wieder zu sehen wie noch vor ein paar Jahren. In den Jahren, in denen er nur Berater sein konnte, weil seine Fähigkeiten vergangen waren und er die Brille noch nicht hatte, war er übervorsichtig geworden. Übervorsichtigkeit sicherte ihm, wie jedem Erwachsenen, das Leben. Diese wieder abzulegen, war schwer bis schier unmöglich, wie er mir bei einem Einsatz verraten hatte.
„Kein Problem. Passiert halt mal, dass man einen schlechten Tag hat“, hörte ich Kipps sagen.
Er widmete sich wieder dem Herd und schien die gröbsten Verschmutzungen zu reinigen.
„Danke.“
Eine gewisse Erleichterung machte sich in mir breit und endlich schaffte ich es auch, mir etwas von dem Essen zu nehmen. Ein schlechtes Gewissen konnte einem echt den Appetit verderben.
„Du hast was gut bei mir, Kipps.“
„Wirklich? Ich hab einen Wunsch frei bei Miss Carlyle?“, fragte er süffisant und ich rollte leicht die Augen.
„Ja. Aber hänge das jetzt ja nicht an die große Glocke. Wenn du mir damit den ganzen Tag in den Ohren liegst, hetze ich dir den Geist auf den Hals.“
„Welchen genau? Der aus dem Haus, der dir nicht zuhört oder der Geist hier in dem Glas, der nicht mehr mit dir reden will?“
Er deutete mit dem Finger in die Richtung wo Lockwoods, und nun auch mein, Schlafzimmer war. Auch ohne, dass er noch etwas genaueres sagte, wusste ich, wen er meinte. Den Schädel. Wer der Schädel war, nun auch das war eine lange eigene Geschichte. Aber kurz gesagt: Der Schädel ist ein menschlicher Totenkopf in einem Silberglas, einem Behälter, der zur Sicherung und Versiegelung von Quellen dient. Der Schädel war eine Quelle von einem Geist. Dieser Geist war etwas besonderes, denn er war ein seltener Typ Drei Geist. Mit ihm konnte ich mich unterhalten wie mit meinen lebenden Mitmenschen. Wobei ich sagen musste, dass er schon ein garstiger Zeitgenosse war. Aber in unserem letzten großen, gemeinsamen Abenteuer war er ein wahrer Freund gewesen. Leider hatte er sich seitdem nie wieder in dem Glas manifestiert. Ich frage mich immer noch, ob er zerstört worden ist, also seine Seele, oder ob er doch den Weg auf die andere Seite gegangen ist. Die endgültige andere Seite. Oder ob er noch da ist und mich einfach nur ärgern will. So ganz sicher ist sich da wirklich niemand von uns. Fakt ist, mit ihm gesprochen habe ich seit einem Jahr nicht mehr und einem Geist seiner Art habe ich seit dem auch nie wieder gesehen bzw. gehört.
„Die Geisterdame aus dem Haus in der Reynolds Road.“
„So, so. Dann überlege ich es mir besser.“

Eine halbe Stunde später gesellte sich Holly zu uns. Sie sah wie immer tadellos und wie aus dem Ei gepellt aus. Ihre braunen lockigen Haare wippten hin und her, als sie begann, die Küche wieder mal von unserem Unrat zu befreien. Nebenbei erzählte sie uns kurz und knapp von ihren Erlebnissen mit den Typ Eins Geistern.
„Ich werde es nachher noch in unser Auftragsbuch schreiben“, endete sie schließlich, „Und bei euch?“
„Na, ja. Wir haben den Geist gesehen und können ihn lokalisieren. Wir wissen auch, dass sie etwas zu suchen scheint. Nur leider nicht, was.“
„Und wo“, ergänzte Kipps meine kurze Erzählung.
„Also ist es nicht ganz so optimal verlaufen, aber auch kein kompletter Reinfall“, fasste Holly optimistisch gestimmt, wie sie war, zusammen.
Kipps und ich nickten. Die Tür knarrte leicht und Lockwood trat kurz darauf in die Küche.
„Morgen, Holly, na hast du dich schon auf den aktuellen Stand bringen lassen?“, fragte Anthony und kam zu mir herüber.
Mein Herz schlug, wie immer wenn er in meiner Nähe war, einen kleinen Takt schneller. Kurz darauf legten sich zwei Lippen auf die meinen. Ein kurzer Kuss, wie immer, und dennoch löste es bei mir diese Glücksgefühle aus. Dieses Gefühl der unbesiegbaren Stärke und dass sich uns nichts in den Weg stellen konnte, wir alles besiegen würden.
„Ja, habe ich.“
„Sehr gut. Ich habe eben noch einen Abstecher zu George in die Bibliothek gemacht. Unser Gefühl, dass dort gestern etwas merkwürdig war, hat uns nicht getäuscht. Wir werden heute als komplettes Team zur Reynolds Road gehen.“
„Was hat Cubbins denn raus gefunden?“, fragte Kipps.
Eine Frage, die auch in mir sehr brannte, doch Lockwood winkte ab und meinte, dass George uns das noch früh genug sagen würde.
„Erstmal brauche ich Hilfe beim Hineintragen von unserem Equipment. Nachdem ich bei George war, habe ich dieses nämlich etwas aufstocken lassen.“
„Schon verstanden, Tony“, murrte Kipps.
Holly und ich sahen den beiden nach und hörten kurz darauf Kipps‘ Ausruf, ob Lockwood verrückt geworden sei. Ich sprang vom Stuhl auf und eilte in die Diele zur Haustür, wo sich vor der Veranda ein Berg voller Kisten und Säcken auftat.
„Ist das nicht ein bisschen übertrieben?“
„Wenn du wüsstest, was ich wüsste, Quill, wärst du da anderer Meinung.“
„Dann lass mich doch endlich teilhaben an deinem Wissen“, knurrte Kipps, doch Lockwood winkte erneut ab.
„Warte, ich helfe euch“, meinte ich und auch Holly schloss sich dem Angebot an, bevor sich die beiden an die Gurgel gehen konnten.

Es hatte fast eine Stunde gebraucht, bis wir all die Säcke mit Salz und Eisenspänen, sowie die Kisten voll mit griechischem Feuer, Leuchtbomben und Eisenketten hineingetragen hatten. Noch schwieriger und länger hatte es nur gedauert, alles so zu verstauen, dass wir auch noch eintreten konnten. Erschöpft hatten wir uns ins Wohnzimmer verzogen, wo wir für einiger Zeit unseren Gedanken nachhingen, wobei es Kipps und Lockwood nicht lange dort hielt und sie sich mit einem erneuten Wortgefecht in den Keller verzogen. Ich hatte irgendwann angefangen, meine Ausrüstung vom Abend zuvor aufzufüllen, zu polieren und zu überprüfen. Lockwoods Andeutungen gefielen mir ganz und gar nicht. Sie lösten bei mir das Bedürfnis aus, meine Ausrüstung noch gründlicher zu prüfen als sonst. Holly hatte sich in die Küche zurückgezogen. Ich hörte das Geschirr klappern und irgendwann zog der Duft von Tee durch das Haus.
Nachdem ich mich dabei erwischte, wie ich zum fünften Mal meine Eisenkette ab- und wieder aufrollte, seufzte ich tief und packte sie beiseite. Wann wohl George endlich kommen würde? Ich hielt es nicht mehr aus zu erfahren, was er in Erfahrung gebracht hatte. Lockwoods Geheimniskrämerei störte mich. Eine der wenigen Sachen an ihm, auch wenn ich gestehe, dass ich ihm blind überall hin folgen würde. Ich trottete zurück in die Küche, doch außer der Tatsache, dass sie blitzblank war, war hier niemand. Von der Kellertür her, die sich auf der einen Seite der Küche befand, vernahm ich klirrende Geräusche und leichte Kampflaute. Ich ging die metallene Treppe hinunter, wo sich unser Büro und unser Übungsfechtraum befanden. Unsere Strohpuppen Esmeralda und Joe hatten wir wieder aufgebaut, nachdem sie sich für uns opfern mussten. Wie ich schnell feststellen durfte, waren aber nicht sie das Ziel der tanzenden Klingen. Holly sah ich an ihren Schreibtisch lehnen und fasziniert auf die beiden kämpfenden jungen Männer starren. Ich kam etwas näher und stellte mich neben sie. Gerade zeigte Lockwood wieder sein ganzes Können, als er Kipps‘ Angriff mit einer Parade auswich und zum Gegenschlag ausholte. Dieser wiederum wurde aber erstaunlich geschickt von Kipps aus-getänzelt. Beide atmeten schwer und ihre Gesichter glänzten vor lauter Schweiß. Ihre Haare klebten an ihren Köpfen und man sah ihnen die Anstrengungen deutlich an.
„Wie lange kämpfen sie schon?“, fragte ich Holly leise.
„Lange, ziemlich lange. Als ich in die Küche ging, hörte ich schon die Klingen aneinander schlagen. Wenn du mich fragst, scheint Kipps wieder Lockwood herausgefordert zu haben, nachdem sie sich wörtlich nicht mehr die Meinung geigen konnten.“
„Also wie immer.“
Ich seufzte leise.
„Hast du versucht, sie zum Aufhören zu bewegen?“, fragte ich weiter.
„Nein, Lucy, ich habe sie die ganze Zeit lautstark angefeuert. Natürlich habe ich es versucht. Aber du kennst unsere beiden Sturköpfe doch. Aber du kannst es gerne versuchen. Zumindest Lockwood hört dir vielleicht zu.“
„Hm… so wie du es beschreibst, wird es wohl auch für mich schwierig. Vielleicht sollten wir es gemeinsam versuchen. Du Kipps, ich Lockwood?“
Holly lächelte mich diebisch an und nickte zustimmend. Sowohl sie als auch ich griffen zu unseren Ersatzdegen, welche hier im Büro gelagert wurden. Als Lockwoods erneuter Angriff von Kipps durch eine Drehung ins Leere lief und er sich zu einem erneuten entschloss, war unser Einsatz gekommen. Erneut klirrte es und meine Klinge traf auf die von Lockwood. Seine Augen, welche einen gewissen Zorn in sich trugen, blickten mich irritiert an.
„Luce?“
„Hey Lockwood.“
Der Druck auf meinen Degen ließ nach und Anthony senkte seinen Degen herab.
„Ich hätte dich gleich holen sollen, Lucy“, hörte ich Holly hinter mir.
„Was soll das? Was mischt ihr euch ein?“
Kipps schien immer noch sauer zu sein und auch Anthony war wenig begeistert darüber, dass wir uns eingemischt hatten.
„Ihr solltet beide endlich aufhören. Wir haben heute Nacht anscheinend einen schweren Auftrag vor uns. Ist ja schön, dass ihr ausreichend üben wollt, aber es bringt uns allen nur Nachteile, wenn ihr euch komplett auspowert und nachher nicht mehr die Arme hochbekommt, wenn der Geist auf euch zu schwebt.“
Meine Stimme war doch etwas lauter und tadelnder ausgefallen, als ich es gewollt hatte, doch die gewollte Wirkung erzielte es zumindest. Zwar hatte ich immer noch das Gefühl, als würde die Luft knistern und die beiden würden jeden Moment Holly und mich zur Seite stoßen und weiter machen, dann aber sah ich, wie Anthony seine Schultern straffte und den Degen zurück in die Scheide steckte. Widerwillig folgte Kipps seinem Beispiel.
„Du hast vollkommen recht, Luce. Da ist die Trainingswut wohl etwas mit uns durchgegangen, was, Kipps?“
„Hm. Ja, scheint so.“
„Ist George schon wieder zurück?“
Gerade als ich auf die Frage antworten wollte, hörten wir einen Ruf von oben herunter hallen.
„Wir sind im Büro, George“, rief Lockwood zuerst zurück.
Ich konnte George, wie so oft, nicht wirklich ansehen, ob ihn die Situation überraschte oder nicht. Dennoch schien er sie interessant zu finden. Kaum, dass er unten angekommen war und seine Unterlagen auf einen Tisch hatte fallen lassen, nahm er seine Brille ab und putzte diese an seinem, ziemlich unordentlich unter dem Pullover hervor guckenden, T-Shirt.
„Was hast du raus gefunden George?“, fragte Holly sogleich und warf einen Blick auf die mitgebrachten Unterlagen.
Ich spürte, dass sie dem Drang widerstehen musste, die heraus guckenden Blätter nicht sofort zuordnen. Kipps hingegen machte seiner Ungeduld indes wieder einmal Luft, indem er George ziemlich barsch darauf hinwies, dass Lockwood uns noch nichts zu seinen Erkenntnissen gesagt hatte und er nun nicht noch länger warten wollte. Ich sagte zwar nichts dazu, teilte jedoch ausnahmsweise Kipps Meinung. Wenigstens mir hätte Lockwood doch schon mal etwas sagen können. Aber in diesen Punkt war er leider sehr stur.
Georges Brille wanderte wieder auf seine Nase. Er schob sie besonders weit hoch, doch es dauerte nur wenige Sekunden, bis sie wieder den halben Weg herunter-gerutscht war. Wie ein kleiner Bär tappte er mit seinem fülligen Körper hinüber zu seinem Stuhl, ließ sich darauf nieder, sodass dieser ein leichtes Quietschen unter ihm hervor-brachte und griff nach einem der Zettel.
Er rückte wieder einmal seine Brille zurecht, was eine ziemlich überflüssige Handlung war, da sie eh wieder in ihre Ausgangsposition zurück rutschte.
„Also. Ich bin verdammt froh, dass Lucy und Lockwood heil zurückgekommen sind. Bei Kipps, egal. Ihr müsst mir wirklich mehr Zeit für Recherche geben. Wir verfallen sonst in alte Anfängermuster von vor ein paar Jahren.“
„Ja, George. Ich hab den Wink verstanden.“
„In dem Haus gibt es wahrscheinlich mehr als nur die Geisterdame, von der uns der Besitzer berichtet hat.“
„Kann aber gar nicht sein. Wir haben nur diesen einen Geist gesehen. Selbst Lucy hat nichts anderes gehört, oder?“
Ich nickte Kipps‘ Aussage zustimmend zu.
„Ach wirklich? Nur der eine Geist? Keine anderen Stimmen oder so?“, fragte George überrascht.
Dann murmelte er etwas Unverständliches vor sich hin und wühlte in seinen Berg aus Papier und Büchern herum, bis er uns ein Bild aus einem Buch präsentierte.
„Wir reden aber schon vom gleichen Haus. Reynolds Road Nr. 7.“
Ich blickte auf eine etwas schönere Darstellung des Hauses, in welchem wir gestern zugegen gewesen waren. Der gelbliche Putz bröckelte an diesem noch nicht ab und der Garten sah auch noch nicht so aus, als wäre er ein Urwald. Stattdessen blickten mich schön kurz geschnittene Rasenflächen, üppige Blumenbeete und ein zarter Steinplattenweg an.
„Ja, genau“, sagte ich, „Das ist das Haus, nur in schön.“
„Hm, komisch. Sehr komisch.“
„Wenn es dir was nützt, kann ich dir aber sagen, dass wir drei dort gestern ein ungutes Gefühl hatten, auch wenn uns der Geist verhältnismäßig harmlos erschien“, meinte Lockwood.
„Was ist denn nun so komisch daran, George?“, fragte Holly besorgt.
„Nun, das Haus hier auf dem Bild ist, wie die Häuser in der Straße, auf einer jahrelang brachliegenden Fläche gebaut worden. Generell war die Reynolds Road wohl mal eine riesige Weidefläche, bevor sich London und seine Vororte noch weiter ausbreiteten. Auf jeden Fall ereignete sich vor Jahrhunderten dort eine Schlacht in der ehemaligen Herzogenstadt Leather, welche dem Erdboden gleichgemacht wurde. Außerdem stürzte dort ein Flugzeug vor gut 75 Jahren ab. Ein kleines Flugzeug mit ca. 20 Menschen an Bord. Zwei Jahre bevor Marissa Fittes und Tom Rotwell die ersten Geisteraktivitäten aufzeigten, wurden dort die Reynolds Road und auch die Häuser gebaut. Das Haus selbst brannte vor 25 Jahren aus. Bis auf wenige Mauern musste alles komplett neu aufgebaut werden. In dem Feuer starb die Familie des Hauses qualvoll. Bis auf die Leiche der mittleren Tochter glaubte man alle sieben Familienmitglieder gefunden zu haben.“
„Du großer Gott, wie furchtbar“, hauchte Holly ehrfürchtig.
„Wenn da so viel passiert ist, wieso zum Teufel wurden dann nicht die vorgeschriebenen Maßnahmen ergriffen? Es gab doch damals schon welche.“
„Wurden ja, Kipps, aber ratet mal, wem das Haus vor dem jetzigen Besitzer gehörte. Marissa Fittes.“
Schweigen legte sich über unser Büro und in meiner Magenkuhle lag plötzlich ein Stein. Diese Information war irgendwie unbehaglicher, als gedacht. Ich sah meine Kollegen der Reihe nach an, jeder sah betreten zu Boden. Lockwood war, wie immer, der erste, der die Fassung wiedererlangte.
„Tja, dann wollen wir mal schauen, was unsere liebe Marissa uns dort hinterlassen hat. Bisher ist es ja nichts Großes, auch wenn wir zumindest schon mal vorgewarnt sind. Gut. Also wir werden uns gleich auf den Weg machen. Wir werden in Teams wieder das Haus durchgehen. Lucy und Holly, sowie George und ich. Kipps bereitet den Rückzugbannkreis vor. Nach einer Stunde treffen wir uns alle dort wieder und tauschen uns nochmal aus. Danach bilden wir wieder Gruppen und versuchen, die Quelle des Geistes ausfindig zu machen. Hoffen wir einfach, dass das ihre Sommerresidenz war und nichts Schlimmeres mehr dort ist.“
„Willst du nicht vorsichtshalber gleich Barnes Bescheid geben?“, fragte Kipps.
„Bist du verrückt? Der wird uns den Hals umdrehen, wenn wir ihn und sein Team zu etwas bestellen, was völlig harmlos ist.“
„Aber wenn Cubbins doch Recht hat und da mehr sein sollte?“
„Dann können wir ihn immer noch anrufen“, winkte Lockwood ab.
Mir persönlich behagte es zwar nicht, aber so hatten wir bisher alle unsere Abenteuer bestritten und Unrecht hatte mein Lockwood halt auch nicht. Montagu Barnes, der Chef der BEBÜP, war ein brummeliger Zeitgenosse, der wegen uns schon so manches erlebt hatte. Natürlich war er froh über das, was wir aufdeckten. Dennoch war unsere Agentur, welche ohne erwachsenen Berater auskam – Kipps an dieser Stelle wieder ausgeklammert – , ihm nach wie vor ein Dorn im Auge.
„Tja, dann erzähl uns oben in der Küche doch noch alle Details zu dem, was du gefunden hast. Wir studieren die Grundrisse noch mal, schließlich gab es ja noch einen alten, wie wir jetzt wissen. Während wir das machen, werde ich uns neuen Tee aufbrühen und den letzten Proviant einpacken. Unsere Thermosflaschen habe ich schon alle mit Tee gefüllt. Ich habe vom Wetterbericht gehört, dass es heute die erste Nacht mit Minusgraden werden soll“, schlug Holly vor.
Ein guter Vorschlag, wie ich fand, da wir Lockwood und Kipps damit endgültig aus dem Fechtraum rausbekamen, wenngleich ich vermutete, dass sie kein Interesse an einem erneuten Trainingskampf hatten. Aber sicher war sicher.
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