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Die Liebe eines Adlers und eines Falken

von Farnherz
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16
Jacobs Schwester / Bruder Talbott Winger
14.12.2019
29.05.2020
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Shelly Draven seufzte. Gedankenverloren sah sie ihr Butterbier an, welches nun schon seit einer halben Stunde unberührt auf dem Tresen vor ihr stand. Dabei wusste sie nicht einmal, was mit ihr los war. Hatte es vielleicht etwas damit zu tun, dass sie zurück in Hogsmeade war? So nah an ihrer alten Schule. So nah an ihrer Vergangenheit. Wieder seufzte Shelly.
„Na hör mal, wenn du so weiter machst vertreibst du mir noch meine ganze Kundschaft!“, meinte Madam Rosmerta scherzhaft, welche hinter dem Tresen Butterbiergläser abtrocknete. „Tut mir leid... ich weiß selbst nicht was mit mir los ist.“, entschuldigte sich die jüngere Hexe niedergeschlagen.
Shelly war vor wenigen Tagen erst aus Ägypten zurückgekehrt. Dort hatte sie zusammen mit Bill als Fluchbrecherin für die Bank Gringotts gearbeitet und gleichzeitig hatte sie Charlie dabei geholfen, nach einer neuen Drachenart zu forschen. Leider ohne Erfolg, denn in Ägypten gab es keine Drachen. Auch wenn ihr die Zusammenarbeit mit den Weasley-Brüdern Spaß machte, so wurde ihr die eigentliche Arbeit als Fluchbrecherin sehr schnell langweilig.
„Weißt du was, dein Butterbier geht auf mich. Jetzt trink in aller Ruhe aus und geh dann nach Hause.“, sagte die Wirtin, zwinkerte der Schwarzhaarigen kurz zu und wandte sich dann einem älteren Zauberer zu, um ihn zu bedienen.
Nach einer weiteren halben Stunde hatte Shelly endlich ihr Butterbier geleert. Sie bedankte sich noch einmal bei Madam Rosmerta, dann machte sie sich daran das Wirtshaus zu verlassen. Doch kurz vor der Tür blieb die junge Frau stehen.
Etwas weiter hinten, abseits von den anderen Gästen, saß ein dunkelhäutiger junger Mann, welcher Shelly irgendwie bekannt vorkam. Sein braunes Haar, welches zu den Spitzen hin immer heller wurde, war etwas zu lang und ziemlich durcheinander und seine Kleidung wirkte abgenutzt und zerschlissen.
Vorsichtig trat sie näher an den Tisch des jungen Mannes heran, dann fragte sie: „Talbott? Talbott Winger? Bist das wirklich du?“ Langsam wandte der Angesprochene ihr den Kopf zu und sah sie aus braunen zusammengekniffenen Augen an.
Schließlich wurde das Misstrauen in seinen Augen zu Erkennen und er erwiderte: „Shelly? Shelly Draven?“ „Ja, ich bin's!“, rief die Schwarzhaarige erfreut und setzte sich ihrem ehemaligen Mitschüler gegenüber. „Was machst du hier in Hogsmeade Shelly? Ich hab dich schon seit Jahren nicht mehr gesehen!“, fragte Talbott neugierig. Die junge Frau musste schmunzeln. Offenbar war ihr Gegenüber über die Jahre etwas gesprächiger geworden.
„Ich habe die letzten fünf Jahre für Gringotts als Fluchbrecherin in Ägypten gearbeitet und nebenbei Charlie bei seinen Forschungen geholfen. Und du? Was hast du in den letzten fünf Jahren gemacht?“, wollte Shelly nun wissen.
„Ich habe zusammen mit Tonks als Auror für das Ministerium gearbeitet. Doch vor einigen Wochen haben sie mich entlassen. Weil ich gewisse... Probleme habe. Aber ich komme klar.“, antwortete Talbott und die junge Frau merkte, wie schwer es ihm fiel dies zu erzählen.
„Oh das... das tut mir leid Talbott.“, sagte die Schwarzhaarige und legte ihre Hand tröstend auf seine. Doch kaum einen Herzschlag später zog der Zauberer seine Hand weg. Und auch Shelly ließ ihre Hand ganz schnell unter dem Tisch verschwinden.
„Entschuldige...“, stammelte sie und lief knallrot an. Sie war so froh gewesen Talbott nach den ganzen Jahren endlich wiederzusehen und sich mit ihm unterhalten zu können, dass sie ganz ihre... etwas komplizierte Vergangenheit vergessen hatte.
„Schon gut. Ich... ich sollte jetzt gehen.“, murmelte der junge Mann und stand schnell auf. Shelly tat es ihm gleich. „Ich... ich muss auch nach Hause.“, stotterte sie. Schweigend verließen die beiden ehemaligen Ravenclaws das Wirtshaus.
Als sie endlich draußen waren, wusste Shelly nicht was sie sagen sollte. Betreten sah die schwarzhaarige Hexe zu Boden. Doch auch Talbott schien seine Zunge verschluckt zu haben. „Dann heißt es jetzt wohl auf Wiedersehen, hm?“, meinte die junge Frau endlich.
„Ja... bis bald Shelly.“, murmelte der Braunhaarige, sah seiner ehemaligen Mitschülerin aber nicht in die Augen. Unschlüssig standen die beiden sich gegenüber und wussten nicht, was sie nun tun sollten. Schließlich umarmten sich die beiden etwas unbeholfen und gingen dann in die jeweils entgegengesetzte Richtung davon.

***


Es war schon sehr spät, doch Shelly konnte einfach nicht schlafen. Zu sehr hatte sie die Begegnung mit Talbott aufgewühlt. Seufzend drehte sie sich auf den Rücken und starrte die Decke ihres Zimmers an.
Am Anfang ihrer Schulzeit hatte sie den Dunkelhäutigen nicht wahrgenommen. Er war unsichtbar für sie gewesen, denn sie hatte damals nur Augen für Bill. Sie hatte den Älteren stets bewundert und sich schließlich in ihn verliebt. Doch er hatte sie nur als Freundin gesehen und schließlich hatte sich die schwarzhaarige Ravenclaw damit abgefunden.
In ihrem dritten Schuljahr war ihr Talbott schließlich aufgefallen. Erst hatte sie ihn nur aus der Ferne beobachten können. Er war immer allein gewesen, nie in Gesellschaft. Dies hatte auf die Schwarzhaarige mysteriös, anziehend gewirkt.
Mit der Hilfe ihrer Freunde konnte sie ihn dazu bringen, ihr dabei zu helfen ein Animagus zu werden. Denn Talbott selbst war einer. Genauer gesagt ein Adler. Shelly genoss die Zeit die sie mit ihm verbringen konnte. Ihr Schwarm eher weniger.
Schlussendlich wurde sie ein Animagus, ein Falke, und die beiden gingen wieder getrennte Wege. Doch Shelly konnte und wollte ihn nicht vergessen. Und so kam es das sie ihn im fünften Schuljahr, nachdem sie zwei Jahre nicht miteinander gesprochen hatten, nach einem Date fragte. Und überraschenderweise sagte der Ravenclaw tatsächlich ja.
Doch das Date war ein Desaster. Die beiden wussten nicht worüber sie miteinander sprechen sollten und schwiegen sich die ganze Zeit an. Und auch Charlie und Tonks, die gekommen waren um die beiden zu beobachten, machten das Ganze nicht besser.
Nachdem die tollpatschige Hufflepuff einen Stapel Teetassen umgeworfen hatte, machten sich die vier schweigend zurück auf den Weg nach Hogwarts. Es war einfach nur furchtbar gewesen und Shelly wollte so weit wie möglich von Talbott weg, da sie Angst davor hatte was er nun über sie denken würde.
Den restlichen Abend hatte sie im Innenhof gesessen und über dieses schreckliche Date nachgedacht. Irgendwann kam der dunkelhäutige Ravenclaw dann zu ihr. Sie hatten miteinander geredet und dabei bemerkt, dass das Ganze ein riesiges Missverständnis war.
Sie waren beide unglaublich nervös gewesen und hatten geglaubt, dass der jeweils andere nicht interessiert wäre. Doch dem war natürlich nicht so. Ganz im Gegenteil, Talbott erwiderte sogar ihre Gefühle. Für den Rest des Abends saßen die beiden händchenhaltend da und sahen zusammen den Sternenhimmel an. Alles schien perfekt.
Doch dann holte sie der Alltag ein. Die beiden mussten viel für ihre ZAG-Prüfungen und später auch für ihre UTZ-Prüfungen lernen. Außerdem war Shelly seit dem fünften Schuljahr Sucherin ihrer Quidditch-Mannschaft und war deswegen viel mit trainieren beschäftigt. Und dann war da natürlich noch ihre Suche nach den Verwunschenen Verliesen.
Für mehr als ein Lächeln, einen verliebten Blick oder eine flüchtige Umarmung war einfach keine Zeit. Und auch nach ihrem Abschluss blieb den beiden keine Zeit eine Beziehung miteinander einzugehen, denn Shelly wurde sofort nach Ägypten geschickt, um für Gringotts als Fluchbrecherin zu arbeiten.
Seufzend drehte sich die junge Frau auf die Seite. Sie fragte sich, ob Talbott noch immer Gefühle für sie hatte. Und wenn dem so war, hatte ihre Liebe dann dieses Mal eine Chance?

***


Am nächsten Morgen fühlte Shelly sich furchtbar. Sie hatte vielleicht zwei Stunden geschlafen, doch ihre Träume waren von Talbott beherrscht gewesen. Mal waren sie ein Liebespaar gewesen, mal wollte der dunkelhäutige junge Mann nichts von ihr wissen und einmal wurden sie durch eine schreckliche Tragödie voneinander getrennt.
Sie musste unbedingt mit jemanden über diese Situation reden. Doch mit wem? Bill und Charlie waren noch immer in Ägypten und ihre anderen Freunde hatte sie seit fünf Jahren nicht mehr gesehen. Blieb also nur noch eine Person.
Die Schwarzhaarige schnappte sich ihre Teetasse und lief dann in ihr Arbeitszimmer. Sie setzte sich an ihren Schreibtisch, suchte nach Pergament und Feder und fing an zu schreiben. Kurze Zeit später rollte Shelly den Brief zusammen, ging zurück in ihr Wohnzimmer und band die Pergamentrolle an den Fuß ihrer Schleiereule Dawn.
„Du weißt zu wem du musst.“, flüsterte die schwarzhaarige Hexe und strich Dawn noch einmal sanft durch das Gefieder, woraufhin die Eule genießerisch die Augen schloss. Dann schüttelte sie ihre Flügel und flog aus dem geöffneten Fenster davon. Shelly sah ihrer Schleiereule noch lange nach, dann ging sie in ihre Küche und begann zu frühstücken.

***


Zur gleichen Zeit saß eine, in einen schwarzen Umhang gehüllte, Gestalt an einem Tisch in einem dunklen Zimmer, irgendwo in London. Eine einzelne flackernde Kerze war die einzige Lichtquelle im Raum. Die Gestalt war gerade dabei die neuste Ausgabe des Tagespropheten zu lesen, als es plötzlich klopfte.
Erschrocken sprang die Gestalt auf. Hatten sie ihn nun doch gefunden? Doch nach einem kurzen Moment beruhigte er sich. Das Klopfen kam nicht von der Tür, sondern von seinem Fenster. Langsam ging er zum Fenster, vor welchem eine Schleiereule saß. Natürlich erkannte er das Tier sofort.
„Dawn! Na sieh mal einer an!“, rief die Gestalt überrascht. Die Stimme klang rau, so als hätte er schon lange nicht mehr gesprochen. Schnell band er die Pergamentrolle ab und gab der Eule etwas zu fressen, während er den Brief las.
Als er fertig mit lesen war lächelte er. Er nahm sich eine Feder und kritzelte eine schnelle Antwort unter den Brief der jungen Frau. Dann rollte er das Pergament wieder zusammen und band die Rolle wieder an Dawns Fuß.
„Flieg schnell zurück zu ihr.“, beauftragte er die Schleiereule, welche sofort losflog. Lächelnd blickte er ihr nach. Wie sehr er sich auf das kommende Treffen mit Shelly freute, schließlich hatte er die Jüngere schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen.
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