Überflug, yah!

KurzgeschichteAbenteuer, Romanze / P12
Marasi Colms
13.12.2019
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Die Brunstell schwebt lautlos und elegant über die große, sich drängende, rauchverhangene Stadt einer fremden, grausamen, gefühlt vor einigen Jahrhunderten in ihrer Entwicklung stehen gebliebenen Zivilisation zu.
Allik sieht die hohen Türme, in denen diese Menschen leben, die üppige Vegetation. Allein beim Anblick der Palmen in den Straßen friert ihn. Allik friert nicht, dank seines Wärmemedallions, aber in der Gefangenschft, in der die Barbaren gezeigt haben, zu welchen Grausam- Allik schaudert und drängt die Bilder zur Seite, die ihn für den Rest seines Lebens verfolgen würden. Ihm war kalt gewesen, so kalt, und Palmen waren das erst eund einzige gewesen, wass er von der Fauna der nördlichen Scandrial mitbekommen hatte, bevor sie gefangen genommen wurden. Palmen bedeuten für ihn jetzt Kälte. Wenn auch nichts der Hölle gleichkommt, die sie kennen gelernt haben.
Ich habe die Hölle gesehen, denkt Allik. Und in ihr ist es hell und Wasser wird zu Stein weil es so so kalt ist.
Es würde ihm leichter fallen, die enge, direkte, technisch zurückgebliebene, komische Kleidung tragende Zivilisation zu verabscheuen, wenn nicht Marasi neben ihm stünde und mit weiten Augen auf ihre Heimatstadt blickte.

Oh Marasi.
Allik war ein korrekter Mann, aber zu seiner großen Schande kein guter Tänzer und kein sehr begabter Philosoph.Er fühlte und dachte, was sein musste, und handelte danach.
Brunstell fliegen, zum Beispiel. Da musste man sehen und handeln, und konnte das Denken und Fühlen dem Instinkt und der Erfahrung überlassen.
Neben Marasi zu stehen war genauso einfach. Genauso aufregend.
Die Maschine quietschte, während sie auf dem Gebäude landete. Allik lauschte mit einem Ohr den Befehlen seiner Kapitänin, und beobachtet Marasi, die ihn jetzt direkt ansah. Allik zuckte unter seiner Maske ein wenig zusammen. Er würde nie verstehen können, warum dieses Volk sein Gesicht nicht bedeckte. Marasis konzentrierter Blick war so viel intensiver, wenn er Allik direkt traf, ganz ohne Schutz und Vermittlung ihrer Maske. „Die folgenden Stunden werden anstrengend“, sagte sie, mit einem leichten Lächeln. Ihr Mundwinkel verzog sich seitlich, die ernsten braunen Augen blinzelten. „Und wir werden uns bald verabschieden müssen.“
Allik bedeutete Marasi mit einer geübten Handgeste, dass sie offen reden konnte.
Sie zögerte. „Ich habe einen letzten Wunsch, Allik.“
Allik machte die Handgeste der Neugierde. Als Marasi wartete, dämmerte ihm, dass Handgesten hier vielleicht auch anders waren. Man musste so viele Worte machen! Und andauernd in die ungeschützten Gesichtsausdrüke der anderen blicken! „Was wünscht Ihr Euch?“
„Ich habe gelesen, dass Siedlungsstrukturen und das Verhalten von Menschen zusammenhängen, und habe ein großes Interesse daran, die Stadtkarten aus der Luftperspektive zu ergänzen. Nicht alle Münzwerfer arbeiten sorgfältig, und sind außerdem recht teuer. Da eure Luftboote aber sehr ruhig fliegen, dachte ich, ich könne vielleicht eine Zeichnung anfertigen...“
In ihrer Nähe trat der Erhabene Metallene an die Landeluke heran, und warf sich mit seiner Frau in die Luft, um in einem eleganten Bogen auf die Erde zu schweben. Allik hielt andächtig die Luft an.
Marasi lächelte wieder, und sogar der Splitter der Göttlichkeit, der gerade eben in einem geschmacklosen Mantel an ihm vorbeigesegelt war, konnte Allik nicht davon abhalten, sich wieder ihr zuzuwenden. „Ich bin sicher, dass wir etwas arrangieren können!“
Marasi zeigte auf das Paar, das in Bögen durch die Luft rauschte. „Das können wir auch!“, sagte sie. „Denkst du, wir dürfen das Beiboot nehmen?“
Beiboot. Der Rettungshubschrauber. Richtig.
Allik stellte sich das Gesicht seiner Kapitänin vor, wenn er im Namen der Barbaren eine Bitte vortrug.
Vielleicht konnte er auf den Vertrag verweisen, den sie mitten in der Hölle mit dem Allfliegenden abgeschlossen hatte. Sie würde es erlauben, sicher...
„Ich habe dich aufgrund deiner miesen Tanzschritte nur an den Füßen aus dem Boot gehängt“, sagte seine Kapitänin. „Aber für den Verbrauch unseres Flugmetalls für eine romatische Spazierfahrt werde ich dich aus dem Flugzeug werfen, Allik.“
Allik machte eine Geste der unterwürfigen Entschuldigung. und versuchte es mit einen Hinweis auf die Wissenschaft in einer Zivilisation, die bald ein Handelspartner sein würde.

Marasi kam am Abend wieder und fragte „Darf ich einsteigen?“

Allik träumte auch nach seiner Rückkehr manchmal noch von dem Flug über eine so andere Zivilisation.
Eine Zivilisation, die göttliche Metallene schickte, um sie zu befragen, mit ungeschickt gezielten Geschossen bewarf, oder in Massen auf den Straßen auflief, um sie zu begutachten.

Seine Kapitänin warf ihn nicht aus dem Flugzeug. Allik begriff erst einige Tage später, dass das nicht an ihrer durch den Beinahe-Tod plötzlich entstandenen Gutmütigkeit lag, sondern daran, dass auch Marasi eine Nebelgeborene war.
Allik schauderte und war froh, dass er damals nicht wusste, dass er eine Semi-Gottheit im Arm gehalten hatte. Es hätte die Stimmung des Abends ruiniert.
Allik berührte seine neue, blanke Maske. Es ruinierte die Stimmung nicht einmal jetzt. Er würde zurückkehren.

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Beitrag zu Shirayuki01s Challenge "Das Normale mal umgedreht". https://forum.fanfiktion.de/t/60973/1.
Mein Lied-Prompt war "Shooting stars". Eigentlich ließ mich das an Steris und Wax denken, die durch die Nacht fliegen.
Baby, when they look up at the sky
We'll be shootin' stars just passin' by
You'll be comin' home with me tonight
We'll be burnin' up like neon lights

Dazu fiel mir tatsächlich nichts weiter ein. Also ein wenig Marasi & Allik :)
Be still, my heart 'cause it's freakin' out, it's freakin' out, right now
You're all I see in all these places
You're all I see in all these faces
- Läuft bei Allik!
Allik ist sowieso der beste Mann in diesem Buch! Wer Waxilium Oh Verdauender nennt, hat nichts als Respekt verdient.
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