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Hogwarts und die Magie der Veränderung

GeschichteFantasy, Freundschaft / P12 / Mix
Combeferre Courfeyrac Enjolras Eponine Grantaire Jean "Jehan" Prouvaire
13.12.2019
07.03.2020
18
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13.12.2019 3.047
 
Erstes Schuljahr: Teil 1

„Komm schon, Enj! Zum Gleis 9¾ geht es hier entlang.“
Begeistert schiebt Courfeyrac seinen Kofferwagen vor sich her. Enjolras folgt ihm in gediegenerem Tempo. Er hatte Courf seit dem letzten Weihnachtsfest nicht so aufgeregt gesehen und obwohl er es nicht zeigt, verspürt er die gleiche Euphorie. Die Vorstellung, endlich außerhalb der Reichweite seiner Eltern zu leben, erfüllt ihn mit großer Freude. Er liebt seine Eltern, doch sie stehen für all das, was er hasst. Konservatives Denken. Vorurteile gegenüber Muggeln und magischen Wesen. Häuserspezifische Eigenschaften. In Hogwarts kann er endlich seine eigenen Pläne in Angriff nehmen.
„Enjolras! Hör auf den Protest gegen die Welt zu planen und beweg dich. Der Zug fährt sonst ohne uns ab.“
Die unbändige Begeisterung seines Freundes ist ansteckend und ein Lächeln schleicht sich auf Enjolras’ Gesicht, während er auf die Backsteinsäule zugeht. Als er seinen Kofferwagen hindurchschiebt, hat er das Gefühl, endlich seinen Platz zu finden.

Im Zug ist es laut. Alte Schüler unterhalten sich mit ihren Freunden, welche sie den Sommer über nicht gesehen haben und die neuen versuchen erste Bekanntschaften zu schließen. Enjolras ist froh, dass Courf bei ihm ist. Dank ihm fühlt er sich nicht einsam und er verspürt nicht wirklich das Bedürfnis, sich mit einer fremden Person zu unterhalten. Sein Plan wird jäh durchkreuzt, als sie eines der Abteile betreten. Jenes ist noch leer, doch kaum, dass sie ihre Koffer verstaut haben, tritt ein Junge durch die Tür.
„Hallo. Ich bin Combeferre“, stellt er sich vor. Enjolras kann das Zittern seiner Hände sehen, obwohl jene den Griff seines Koffers fest umklammern. „Ist hier noch Platz?“
„Komm ruhig rein. Mein Name ist Courfeyrac und das ist Enjolras.“
„Freut mich.“
Combeferre hält Enjolras die Hand hin, welcher sie zögerlich ergreift. Courf lässt weniger Vorsicht walten. Ausladend schüttelt er die Hand von Combeferre.
„Die Freude ist ganz meinerseits.“
Die Anspannung scheint langsam aus Combeferre zu weichen. Mit einem ehrlichen Grinsen hebt er seinen Koffer in die Ablage und lässt sich nach getaner Arbeit neben Courfeyrac fallen. Ermutigt von der Freundlichkeit des Jungen, startet er ein Gespräch.
„Wo kommt ihr her?“
„Aus London. Und du?“
„Southampton. Kennt ihr euch schon lange?“
„Seit unseren Kindertagen. Unsere Eltern sind befreundet.“
„Sind sie auch Zauberer?“
Bestätigend nickt Courf. „Und wie ist es bei dir?“
„Meine Eltern sind ganz normal. Bis ich den Brief bekommen habe, wusste ich von all dem hier nichts. Das alles ist so aufregend.“
Ein Teil von Enjolras beneidet Combeferre um diese Erfahrung. Seitdem er denken kann, war sein Leben von Magie erfüllt. Sie ist für ihn ein allgegenwärtiger Gegenstand. Doch für Combeferre ist das alles neu und er hat die Möglichkeit, all diese wunderbaren Dinge erst noch zu entdecken.
„Was denkt ihr, welches Haus der sprechende Hut für euch aussucht?“
Augenblicklich versteift sich Courfeyracs Körper. „Oh nein“, murmelt er leise.
Bevor Combeferre nachfragen kann, erhebt Enjolras die Stimme.
„Dieses System ist absolut antiquiert und veraltet. Es dienst nur dazu Vorurteile zu schaffen und Rivalitäten zu schüren. Selbst im späteren Leben bestimmt dich dein Haus. Wir sollten es abschaffen und uns lieber den wichtigen Fragen stellen. Zum Beispiel wie wir gegen die Unterdrückung der Hauselfen oder den Gräueltaten gegenüber Werwölfen kämpfen können.“
„Warte kurz“, unterbricht Combeferre ihn. „Es gibt Werwölfe?“
Courfeyrac schnaubt laut. Das Bild ist einfach zu komisch. Enj hat mitten in seinem Vortrag innegehalten, die Arme in der Luft erhoben, der Mund geöffnet. Sein Gesicht ist erhitzt und seine Haare stehen in jegliche Himmelsrichtungen ab. Combeferre hat ebenso den Mund geöffnet, doch bei ihm ist es aufgrund des Staunens. Erst über Enjolras’ Leidenschaft und danach aufgrund der Offenbarung eines mystischen Wesens. Langsam lässt Enjolras seine Arme sinken.
„Glaube mir“, beeilt sich Courfeyrac zu sagen. „Werwölfe sind nur die Spitze des Eisberges. Und Enjolras. Ich weiß, wie sehr du den Gedanken an die Häuser hasst, doch mache eine Ausnahme und verschone Combeferre. Er muss nicht sofort von uns abgeschreckt werden.“
Enjolras schließt seinen Mund und verschränkt die Arme vor der Brust. Er murmelt etwas von überholten Vorstellungen und nötigen Veränderungen, doch er behält alle weiteren Gedanken für sich. Stattdessen blickt er aus dem Fenster des Zuges und betrachtet die grüne Hügellandschaft, welche rasant an ihm vorbeigleitet.

Nachdem er den Zug verlassen hat, kommt Combeferre nicht aus dem Staunen heraus. Mit geöffneten Mund betrachtet er die Kutschen ohne Pferde, die anderen Schüler, den Sternenhimmel. Sprichwörtlich alles und jeden.
Ein plötzlicher Zug an seinem Ärmel und der daraus resultierende Richtungswechsel bringt ihn ins Stolpern. Ungelenk stolpert er über seine Füße und wäre wohl gefallen, wenn ihn nicht zwei Hände an den Schultern gepackt hätten. Diese lassen ihn erst wieder los, als er sein Gleichgewicht wiedergefunden hat.
„Danke.“
„Keine Ursache. Normalerweise bin ich derjenige, der anderen vor die Füße fällt.“
Der Junge grinst breit, gibt ihm einen Klaps auf die Schulter und geht zu den anderen Schülern in ihrem Alter, welche einen Halbkreis gebildet haben. In dessen Mitte steht ein dürrer, großgewachsener Mann, welcher auf die Kinder herabschaut. Combeferre gesellt sich wieder zu den beiden Jungen, welche er im Zug kennengelernt hatte. Er ist froh, nicht allein zu sein. So zauberhaft diese Welt auch ist, sie hat ihren ganz eigenen Schrecken. Und er hatte es schon immer gehasst, neue Menschen kennenzulernen.
„Entschuldigung“, murmelt Courfeyrac. „Du bist in die falsche Richtung gelaufen. Ich wollte nicht, dass du fällst.“
„Alles gut. Zum Glück wurde ich errettet.“
Ein lautes Räuspern erklingt und Combeferre richtet seine Aufmerksamkeit auf den Mann vor sich.
„Seid ihr alle da? Sehr schön, sehr schön. Ich bin Fauchelevent. Hüter der Schlüssel und der Ländereien und ich geleite euch nun nach Hogwarts. Folgt mir bitte.“
Fauchelevent führt die aufgeregte Gruppe an neuen Schülern hinunter zum See und hilft ihnen in die Boote. Nachdem alle eingestiegen sind, legen die Boote gleichzeitig ab und gleiten durch das Wasser. Lichter spiegeln sich auf der dunklen Oberfläche und die Schüler blicken hinauf zur Schule. Der Anblick des Schlosses ist zauberhaft und Combeferre ist nicht der Einzige, der kurz vorm Hyperventilieren steht.

Obwohl Courfeyrac sein gesamtes Leben Geschichten über Hogwarts gehört hatte, ist nichts vergleichbar mit dem Gefühl, welches er beim ersten Anblick von Hogwarts verspürt. Selbst, als er das Boot verlässt, endet der Zauber nicht. Das gesamte Schloss scheint unter der gesammelten Magie zu beben. Erst eine Frauenstimme reißt ihn aus seiner Träumerei.
„Willkommen neue Schüler!“ Auf dem obersten Absatz der Treppe, welche er und die anderen Schüler soeben erklimmen, steht eine schlanke und überraschend junge Hexe, welche sie mit einem breiten Lächeln empfängt. „Danke, Fauchelevent.“
„Immer gerne, Frau Professor.“
Der Hüter verneigt sich leicht vor der Professorin, welche ihm ein warmes Lächeln schenkt. Fauchelevent zieht sich zurück und die Professorin wendet sich den Schülern zu.
„Mein Name ist Fantine und ich heiße euch herzlich in Hogwarts willkommen. Ich werde euch in Verwandlung unterrichten und für einige werde ich die Hauslehrerin werden. Aber natürlich ist jeder von ihnen herzlich dazu eingeladen bei Problemen und Wünschen zu mir zu kommen. Später dazu mehr. Folgt mir nun in die Große Halle, damit euch der sprechende Hut eurem Haus zuordnen kann.“
Professor Fantine wendet sich mit wehendem Umhang um. Nervös blicken sich Courfeyrac und Combeferre an, bevor sie ihr folgen. Gleich werden sie dem Haus zugeteilt, welches ihr Leben für die nächsten sieben Jahre bestimmen wird. Nur Enjolras sieht aus, als würde er in eine Schlacht ziehen.
„Ich bitte dich“, flüstert Courf ihm zu, „mach keine Szene.“
„Was? Das hatte ich gar nicht vor.“
„Der Blick Enj. Das letzte Mal hattest du kurz darauf eine zweistündige Rede über die ungerechte Behandlung von Zentauren gehalten.“
„Gar nicht war“, nuschelt Enjolras, obwohl sich Courf sicher ist, dass er sich ganz genau an den Vorfall erinnern kann.
Bevor er die Sache ausdiskutieren kann, schwingen die hohen Flügeltüren der Großen Halle auf und offenbaren den Blick auf ein Meer an schwarzen Mänteln und Gesichtern, welche ihnen erwartungsvoll entgegenblicken. Am anderen Ende der Halle steht ein langer Tisch, der beinahe die gesamte Breite des Raumes einnimmt. Dahinter sitzen mehrere Männer und Frauen unterschiedlichen Alters. Offensichtlich seine zukünftigen Lehrer.
Der Weg durch die Halle kommt Courf unendlich lang vor. Jeder im Raum scheint ihn kritisch zu mustern. Die Lehrer, die Schüler, die Geister, ja selbst die steinernen Skulpturen an der Wand sehen aus, als würde sie versuchen, seinen Wert zu bestimmen. Leicht schüttelt Courfeyrac den Kopf. Das ist Unsinn. Er hat keine Zeit, sich weitere Gedanken zu machen, denn sie sind am vorderen Ende der Halle angekommen. Professor Fantine stellt einen Stuhl vor den Tisch der Lehrer. Auf die Sitzfläche legt sie behutsam einen alten, mehrfach geflickten Spitzhut. Aufregung durchströmt Courf. Gleich ist es soweit.
Die Professorin tritt zurück und gespannt blicken alle auf den Hut. Das Schweigen lastet schwer auf Courfs Schultern, er hatte Stille schon immer gehasst, doch zu seinem Glück, beginnt der Hut kurz darauf seine Stimme zu erheben.

Neue Schüler seid willkommen
in diesen heiligen Hallen.
Von weit her seid ihr gekommen.
Euch wird es hier gefallen.

Auf eurem Kopf entfaltet sich meine Kunst.
Tief sehe ich in euer Innerstes hinein.
Ich verkünde voller Stolz und Inbrunst
in welchem Haus ihr werdet sein.

Löwe aus Gold auf flammenden Grund
du bist ein Gryffindor.
Mit Mut im Herzen bringt dieser ritterliche Bund
eine Vielzahl an Helden hervor.

Ein Dachs umringt von gelben Ranken:
Hufflepuff heißt dich willkommen.
Dir liegt es nicht im Blut zu zanken,
du bist freundlich, loyal und besonnen.

Bronzener Adler fliegt auf blauen Himmelszelt.
In Ravenclaw findest du immer einen Freund.
Mit Intelligenz und Verstand bestreitest du die Welt,
mit Büchern ist dein Weg gesäumt.

Eine silberne Schlange, die im Grünen hisst.
Du gehörst zum Hause Slytherin.
Du vereinst Ehrgeiz, Ambition und List
mit einem starken Überlebenssinn.

Vier Häuser sind es an der Zahl.
Ich habe die Qual der Wahl.
Ich will kein weiteres Wort verschwenden
und meine Ansprache nun beenden.

Die letzten Worte des sprechenden Hutes verklingen und für einen kurzen Moment herrscht Stille. Dann ruft Professor Fantine den ersten Name auf.
„Auclair, Heather.“
Augenblicklich tritt ein Mädchen mit dunkler Haut und tiefschwarzen Haaren hervor. Sie setzt sich auf den Stuhl, während Professor Fantine den Hut auf ihren Kopf setzt. Kaum, dass der Saum ihre Haare berührt, ertönt die laute Stimme des Hutes.
„Ravenclaw!“
Breit grinsend springt das Mädchen auf und läuft zu eben jenem Tisch. Nervosität macht sich in Courfeyrac breit. Seit der unschuldigen Frage, welche Combeferre gestellt hatte, macht er sich Gedanken. Er hatte zuvor nie darüber nachgedacht, in welchem Haus er landen wird. Seine Familie, allesamt Zauberer, waren zumeist in Slytherin und nur einige wenige in Ravenclaw. Doch wenn er ehrlich ist, glaubt er, dass keines der beiden Häuser zu ihm passen würde. Ein ihm bekannter Name wird aufgerufen und Courfeyrac verfolgt, wie Combeferre nach vorne geht. Offensichtlich eingeschüchtert, von den vielen Augen, welche auf ihn gerichtet sind, nimmt er Platz. Courf kann die Hände in seinem Schoß zittern sehen. Zum Glück wird Combeferre kurz darauf erlöst, als der Hut sein Haus verkündet. Zielstrebig läuft Combeferre auf den Tisch der Ravenclaws zu und setzt sich neben Heather. Ein Lächeln erleuchtet sein Gesicht.
Der Jubel ist kaum verstummt, da erklingt sein Name in der Halle. Courfeyrac tritt vor. Er erklimmt die Stufen, welche die Schülertische vom Podium trennen und lässt sich auf den Stuhl gleiten. Kaum, dass sich der Hut auf seinen Kopf senkt, ertönt eine Stimme in seinem Ohr. Sie klingt rau und kratzig, als wäre sie sehr alt und lange nicht genutzt worden. Dennoch hat sie etwas vertrautes.
„Das ist interessant. Ich sehe viel Mut. Und du bist gescheit, oh ja. Du hättest das Zeug zu einem großartigen Ravenclaw. Aber da ist noch mehr. Ich spüre Treue und Güte. Hmm.“ Der Hut verfällt in Schweigen. Courfeyrac verbirgt seine Hände in seinem Umhang. Seine baldigen Mitschüler müssen nicht sehen, wie nervös er ist. Die Nervosität steigt, als der Hut wieder mit sprechen beginnt. „Ich habe mich entschieden. Hufflepuff!“
Das letzte Wort ruft er laut in die Halle. Verwundert nimmt Courfeyrac den Hut ab, doch als er den Jubel seines Hauses hört, breitet sich ein Grinsen in seinem Gesicht aus. Er winkt Enjolras kurz zu, welcher, im Gegensatz zu ihm, nicht sonderlich überrascht von der Wahl des Hutes scheint. An seinem Tisch angekommen, lässt er sich neben den Jungen fallen, welcher unten am Bahnhof Combeferre vor dem Sturz bewahrt hatte.
„Du heißt Bossuet, nicht wahr? Ich bin Courfeyrac. Aber das wusstest du wahrscheinlich schon.“
Er hält dem Jungen die Hand hin. Jener dreht sich halb zu ihm um und hebt seinen Arm, um die Begrüßung zu erwidern, verliert dabei allerdings das Gleichgewicht und landet rücklings auf dem Boden. Die Halle bricht in lautes Gelächter aus. Eilig reicht Courfeyrac ihm die Hand und zieht ihn wieder auf die Bank.
„Danke“, murmelt Bossuet, was Courf über den Lärm in der Halle kaum verstehen kann.
Professor Valjean hebt die Hand und augenblicklich verebbt das Lachen.
„Wenn wir bitte fortfahren würden“, sagt der Schulleiter und blickt auf Fantine.
Jene sieht auf ihre Schriftrolle und ruft Enjolras auf. Zielstrebig schreitet er zu dem Stuhl und setzt sich. Der Hut senkt sich auf Enjolras’ blonden Schopf. Erneut breitet sich Stille in der Großen Halle aus, als die Schüler und Lehrer gespannt auf die Entscheidung des Hutes warten. Courf sieht, wie sich Enjolras’ Kiefer anspannt und sich seine Lippen zu einem dünnen Strich formen.
„Ich wette mit dir, dass er soeben mit dem Hut über die Häuser diskutiert“, sagt er zu Bossuet. „Der Arme wird gar keine Zeit haben, ein Haus für ihn festzulegen.“
„Pst.“
Der missbilligende Blick von einem der älteren Schüler lässt ihn verstummen. Er richtet seine Aufmerksamkeit wieder nach vorne. Enjolras ist inzwischen rot angelaufen und Courf macht sich ernstlich Sorgen um seinen Freund. Was passiert, wenn sich Enjolras nicht zuteilen lässt? Wird er wieder nach Hause geschickt? Ist so etwas überhaupt möglich? Zu seiner Erleichterung, und wahrscheinlich der aller anderen, verkündet der Hut nach fast fünf Minuten der Stille das zukünftige Haus seines rebellischen Freundes.
„Gryffindor!“
Enjolras scheint alles andere, als zufrieden mit dieser Entscheidung zu sein. Nichtsdestotrotz hebt er den Hut von seinem Kopf und geht auf die klatschenden Gryffindors zu. An ihrem Tisch angekommen wird er freudig empfangen und erst jetzt erlaubt er sich ein kleines Lächeln. Er setzt sich und bemerkt somit den Blick seines Freundes. Unwillkürlich muss Courf grinsen und er sieht, wie Enj es ihm gleichtut. Obwohl sie von nun an getrennten Häusern angehören, wird nichts ihre Freundschaft brechen können. Wahrscheinlich werden eher die Regeln unter ihnen brechen. Courfeyrac ist sich sicher, dass Enj dafür sorgen wird.

Es ist schon spät und Courf muss gestehen, dass er, trotz der ganzen Aufregung, ziemlich müde geworden ist. Er folgt mit den restlichen Erstklässlern dem Vertrauensschüler, welcher sich ihnen als Gabriel vorgestellt hatte, und lässt sich von jenem durch die vielen Gänge des Schlosses führen. Courf bezweifelt, dass er sich jeden Gang merken kann. In den nächsten Wochen wird er wohl außerhalb seines Bettes schlafen müssen. Im Keller angekommen klopft Gabriel mehrfach auf eines der Fässer und geleitet sie daraufhin in den Gemeinschaftsraum.
„Wie ihr soeben gesehen habt, müsst ihr, um eintreten zu können, auf das zweite Fass von unten in der Mitte der zweiten Reihe klopfen. Immer im Rhythmus zu Helga Hufflepuffs Namen.“
Der Vertrauensschüler sagt noch mehr, doch Courf hört ihm nicht zu. Stattdessen ist er damit beschäftigt jeden Winkel des Gemeinschaftsraumes mit den Augen aufzusaugen.
Das erste Wort, welches ihm einfällt, ist Heimat. Der Raum vermittelt ein Gefühl der Geborgenheit und die gepolsterten Sofas sehen super bequem aus. Am liebsten würde er sich augenblicklich auf einem von ihnen zusammenrollen und eine halbe Ewigkeit schlafen. Ein sanfter Zug an seinem Ärmel lässt Courfeyrac sich umwenden.
„Hast du überhaupt zugehört?“, murmelt Bossuet leise, während er ihn hinter sich herzieht.
Courf folgt ihm zu einer der runden Türen und Bossuet lässt ihn erst wieder los, als sie in ihrem Schlafraum ankommen. Er entdeckt seinen Koffer und lässt sich mit dem Gesicht voran auf das danebenstehende Bett fallen.
„Ich könnte ewig schlafen“, nuschelt er in das Kissen.
„Geht mir genauso.“
Die Stimme ist unbekannt. Neugierig hebt Courf den Kopf. Auf dem Bett ihm gegenüber sitzt ein Junge mit geflochtenen rotblonden Haaren. Seine Haut ist blass, wie die von Enjolras, doch im Gegensatz zu jener, ist sie nicht gänzlich unberührt von der Laune der Natur, was aus Courfs Perspektive kein Nachteil ist. Unzählige Sommersprossen ergießen sich über seine Haut und lassen den Jungen ein Gefühl von Lebendigkeit versprühen.
„Ich bin Jehan. Na ja, eigentlich Jean, aber nur meine Eltern nennen mich so.“
Während er spricht, tanzen die Sommersprossen auf seiner Nase und Courf ist dermaßen fasziniert, dass er nicht bemerkt wie der Junge aufhört zu sprechen. Erst, als er von Jehan besorgt gefragt wird, ob es ihm gut geht, entdeckt er die Fähigkeit seiner Stimme wieder.
„Ähm ja. Ich bin Courfeyrac. Aber du kannst mich gerne Courf nennen.“
Das Lächeln des anderen Jungen überstrahlt selbst das leuchtende Gelb der Bettvorhänge. Courf reißt seinen Blick von Jehan los, um sich in dem Schlafraum umzusehen. Neben Bossuet und Jehan entdeckt er noch zwei andere Jungen. Einer, mit noch röteren Haaren als Jehan, ist soeben dabei seinen Koffer auszupacken. Der andere hat sich in das äußerste Bett zurückgezogen. Mit hinter dem Kopf verschränkten Armen sitzt er gegen sein Kopfteil gelehnt und betrachtet den Raum mit ebenso aufmerksamen Augen, wie Courf selbst.
„Wie heißt du?“, fragt er den schwarz gelockten Jungen, als sich ihr Blicke treffen.
„R.“
„R? Was ist das für ein komischer Name?“
„Mein Name ist nicht komisch. Und mein voller Name ist Grantaire.“
Laut lacht Courfeyrac auf, was R veranlasst zu lächeln. Er mag den anderen Jungen jetzt schon. Nachdem er sich beruhigt hat, fragt er den fünften Jungen im Raum nach seinem Namen.
„Marius Pontmercy“, antwortet dieser.
„Von den Pontmercys?“ Peinlich berührt nickt Marius. „Besetzt deine Familie nicht alle hohen Ämter im Ministerium und ist reicher als Gringotts?“ Ein erneutes Nicken von Marius. Courf pfeift leise.
„Ich habe allerdings nichts mit dem Geld meiner Familie zu tun“, verteidigt sich Marius. „Ich werde meinen eigenen Weg gehen.“
Marius’ Blick erinnert ihn ein wenig an Enj. Es gibt wohl einen Grund, aus welchem Marius in Hufflepuff ist und nicht, wie der Rest seiner Familie, in Slytherin. Es ist genau wie bei ihm. Mit der Zeit wird sich wohl klären, was sich der sprechende Hut bei ihnen gedacht hatte.
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