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Graues Eis

von Iltshy
Kurzbeschreibung
OneshotFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Andromeda Tonks Nymphadora Tonks Remus "Moony" Lupin Sirius "Tatze" Black
11.12.2019
11.12.2019
1
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11.12.2019 1.161
 
Hier kommt das 12. Türchen für den Adventskalender. Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen und einen besinnlichen Advent.

Pairing: Remus Lupin und Andromeda Tonks

Türchen 11 - Türchen 12 - Tüchen 13 (folgt)


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Wieder einmal dachte Remus sich, dass er es eigentlich hätte besser wissen sollen.

Weihnachten war… nichts für ihn, nicht für einen alten, vom Werwolfdasein geplagten Mann, der eigentlich lieber alleine in seiner Wohnung gesessen hätte, um zu warten, dass dieser elendige Abend endlich ein Ende fände. Und doch…

Hier stand er nun, in der grauen englischen Luft, die unweihnachtlicher nicht hätte sein können. Der Wind zog spielerisch an seinem Mantel und an den Haaren der Frau, die neben ihm stand und Schuld war an der ganzen aus dem Ruder gelaufenen Planung dieses Tages. Schuld war sie sogar ohne Zweifel und doch konnte Remus, wenn er sie ansah, an nichts anderes denken, dass sie so … naja, so gottverdammt perfekt aussah. Die klugen Augen, das freundliche Gesicht, die bunten Haare und nicht zuletzt die kleine Rundung ihres Bauchs, der sich unter ihrem Mantel abzeichnete, all das kam ihm geradezu absurd und klischeehaft schön vor. Dass ihre Haare alle paar Sekunden die Farbe wechselten, gab einen Hinweis darauf, dass Tonks nervös, ein Hinweis, wie ihn Remus in ihrem Gesicht vergebens suchte, den sie strahlte ihn auffordernd an.

„Wollen wir?“

Und ohne eine Antwort abzuwarten, als wisse sie nur zu gut, dass er jede Chance ergriffen hätte, doch noch einen Rückzieher zu machen, stieß sie die Gartenpforte auf und stiefelte auf die Haustür zu.

Tonks, warte!, wollte Remus rufen, doch er ließ es bleiben. Es ist nur ein Weihnachtsessen. Nur ein blödes Weihnachtsessen mit ihren Eltern. Mit Ted und Andromeda.

Er hatte eine nur allzu klare Vorstellung davon, wie der Nachmittag und Abend verlaufen würde. Tonks Eltern begegneten ihm mit ausgesuchter Höflichkeit, vor allem jetzt, da sie ein Kind erwarteten (Himmel!, dachte Remus, Ich werde Vater!), aber das Misstrauen und die Sorge waren ihnen nur zu deutlich anzumerken und wer konnte ihnen das schon verdenken? Sie liebten Tonks und wünschten ihr eine unbeschwerte Zukunft, die er, Remus Lupin, ihr sicherlich nicht bieten konnte.

Während sie darauf warteten, dass Andromeda ihnen öffnen würde und Remus noch hoffte, dass es Ted sein würde, mit dem er deutlich besser zurecht kam, schweiften seinen Gedanken ab.

An Weihnachtsnachmittag, vor… mindestens zwanzig Jahren hatte er eine ganz ähnliche Situation erlebt. Auch damals hatte er vor einer Tür gewartet, dass man ihm öffnete. Und auch damals hatte er sich weit weg gewünscht. Auch wenn das herrschaftliche Haus der Blacks natürlich noch deutlich imposanter gewesen war als das kleine Cottage der Tonks’s, Remus bildete sich ein zu wissen, welche Situation er bevorzugen würde.

James war bei Sirius Familie nicht gerne gesehen und Peter hatte nach einvernehmlicher Meinung nicht genügend Schneid, also war die Wahl, bei Sirius Familie zu klingeln und ihren Freud nach draußen zu holen, auf Remus gefallen. Er fühlte sich schrecklich klein, als er den mit einem Schlangenkopf verzierten Türklopfer betätigte. Lange Zeit tat sich überhaupt nichts und Remus wollte schon erleichtert wieder umdrehen, als die Tür sich einen Spaltbreit öffnete und ein äußerst hässlicher Hauself herauslugte.

„Sie wünschen?“, schnarrte er.

Remus schluckte, um seine trockene Zunge anzufeuchten. „Bitte, ich… ich möchte Sirius zum Lernen abholen. Wir … wir haben eine Lerngruppe zusammen, in Hogwarts und dieses Jahr haben wir besonders viel zu tun.“

Seine Stimme war immer leiser geworden. Lerngruppe? Am Weihnachtstag? Am liebsten hätte er sich auf die Zunge gebissen, aber jetzt musste er es durchziehen.

Als der Elf zweifelnd die Augenbrauen zusammen zog, erklangen hinter ihm Schritte.

„Kreacher? Was ist los?“. Remus erkannte die Stimme vage, konnte sie jedoch nicht zuordnen. In diesem Momente blickte er in das strenge Gesicht von Sirius Cousine Andromeda. Er kannte sie aus Hogwarts, natürlich kannte er sie. „Die Eisprinzessin“ wurde sie genannt, was zweifelsohne an ihrem unterkühlten Auftreten lag. Sirius schwor Stein und Bein, dass sie nicht so schlimm war wie die anderen Mitglieder seiner traditionalistischen Familie, doch Remus hatte davon bisher wenig mitbekommen. Als er ihr jetzt in die Augen schaute (wofür er sich ein wenig recken musste), stellte er jedoch fest, dass sie von demselben stürmischen Grau waren wie die seines Freundes.

„Hallo“, begann er nochmals. „Ich bin Remus Lupin, ein Freund von Sirius aus Hogwarts…“

„Ich weiß, wer du bist“, unterbrach sie ihn knapp. „Und?“

Remus brauchte kurz, um den Faden wieder aufzunehmen. „Ich wollte ihn zum Lernen abholen. Wir haben nach den Ferien die Abgabe eines gemeinsamen Projekts, an dem noch viel zu tun ist und so…“

Ihre eine Augenbraue war in die Stirn gewandert, bis sie fast den Haaransatz berührte, wie Remus fasziniert beobachtete. „Lernen“, wiederholte sie spöttisch. „Denk dir das nächste Mal etwas Adäquateres aus, Kleiner. Und jetzt warte hier.“

Damit hatte sie sich mit wehenden Röcken umgewandt und ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen. Remus war drauf und dran gewesen, sich aus dem Staub zu machen, aus Angst, Sirius‘ verrückter Mutter oder seinem kaltblütigen Vater gegenübertreten zu müssen, doch er blieb. Schließlich ging es hier um seinen Freund. Nervös und frierend von einem Bein auf das andere tippelnd versuchte er sich für die nächste Konfrontation zu wappnen. Als die Tür wieder aufging, erkannte er jedoch Sirius, dessen Gesicht bei seinem Anblick zu leuchten begann. Er trug pikfeine, aber hoffnungslos altmodische Kleidung, die nicht so recht zu seinem spitzbübischen Äußeren passen wollte. Er zwinkerte Andromeda zu, die hinter ihm in den Flur getreten war.

„Zwei Stunden, Sirius“, entschied sie. „Länger kann ich dein Verschwinden unmöglich erklären.“

„Danke, Andy. Du  bist die Beste.“ Er warf ihr eine scherzhafte Kusshand zu, die Andromeda mit erhobenem Zeigefinger erwidert hatte. Sirius hatte gelacht und Remus den Arm um die Schulter gelegt, als sie gemeinsam dem Haus den Rücken zukehrten.

Und jetzt? Jetzt war er zwanzig Jahre älter, hatte in zwei Kriegen gekämpft und fürchtete sich immernoch vor den Konfrontation mit Andromeda Black… Tonks. Remus seufzte. Er wünschte, Sirius wäre bei ihm. Ohne Zweifel hätte er ihn zwar ausgelacht für seine Befürchtungen. Aber möglicherweise hätte er genau das gebraucht.

Als sich die Tür schließlich öffnete, stellte er überrascht fest, dass er nicht mehr nach oben sehen musste, um Andromeda in die Augen zu blicken. Allerdings fand er in ihren grauen Tiefen immer noch den Ausdruck, der ihn vor zwanzig Jahren schon an Sirius erinnert hatte. Vielleicht war sein Freund gar nicht so weit weg. Ihm war als könne er Sirius spöttische Stimme in seinem Hinterkopf hören.

Wehe du verkaufst dich unter Wert, Kumpel.

Remus straffte die Schultern. Nun war er eben hier. Werwolf hin oder her war er auch der Vater von Andromedas Enkel und ihr Schwiegersohn. Und als solcher, nicht mehr, aber sicher auch nicht weniger, würde er über diese verdammte Türschwelle treten.

Die Züge seiner Schwiegermutter waren gewohnt beherrscht, als sie ihn musterte. Einmal Eisprinzessin, immer Eisprinzessin, dachte Remus ein wenig spöttisch. Doch nur kurz. Er wusste schließlich besser als jeder andere, wie schwierig es manchmal aus, aus der eigenen Haut zu können.
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