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Sugar, Honey, Ice & Tea

von Usagichan
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Eren Jäger Irvin / Erwin Smith Jean Kirschtein Levi Ackermann / Rivaille Moses / Brown
11.12.2019
01.03.2021
82
341.938
178
Alle Kapitel
975 Reviews
Dieses Kapitel
13 Reviews
 
23.02.2021 5.007
 
Hallööööchen!

Da bin ich wieder!
Ich hoffe, dass euch das neue Kap gefällt und ihr dran bleibt. Denkt dran, es wird besser. Es wird wieder Ereri geben aber wenn es zu schnell passieren würde, dann wäre es zu  unlogisch, daher gebt unseren Levi etwas Zeit sich klar zu werden was er will xD

Den Eren Part hat übrigens wieder unsere Elli geschrieben :)

Falls jemand Lust hat auf was komplett anderes: Ich hab am Sonntag einen OS hochgeladen der im AoT Universum spielt: Das Geschenk
Wenn ihr wollt, schaut mal da rein ^^


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„Schau mal! Die Einladung für die Hochzeit! Ich dachte schon, sie wollen uns nicht dabei haben. Immerhin ist die Hochzeit in sechs Wochen!“, Farlan wedelte mit der Post und übergab Levi die Karte. Er sah auf das Datum und die Uhrzeit. Ein kleines Chateau am Rande Londons. Sehr ländlich und ruhig. Hotelzimmer waren für die Gäste bereits gebucht.
Levi schluckte. Ein Wochenende auf dem Land. Eigentlich eine sehr schöne Sache, wenn er nicht wüsste, dass Eren ebenfalls anwesend sein würde.

Eren würde ebenfalls dort sein – ein Fakt, der ihn nicht kümmern sollte. Der ihn kalt lassen musste. Leider war das der Punkt, der ihm am meisten Sorgen bereitete. Die Gedanken an Eren nahmen von Tag zu Tag zu. Er konnte nicht aufhören an de Jungen zu denken und selbst Tiktok hatte seinen Weg auf sein Display zurückgefunden. Erbärmlich. Er war so erbärmlich und widerlich.

Dabei redete er sich gut zu, dass es absolut nichts Sexuelles war. Es war eher ... es waren die Erinnerungen, die ihn zu Eren zogen. Die ihn daran erinnerten, wie es war von ihm angesehen zu werden. Es war nicht mehr, als ein Wispern doch es brannte sich in sein Herz ein. Ein Hauch der Versuchung, die ihm zuflüsterte, wie gut sich Erens Lippen angefühlt hatten und wie schön sein Lächeln war wenn es nur ihm, Levi, galt. Er wollte das nicht. Er wollte nicht mehr an Eren und seine einzigartige Schönheit denken, die alles und jeden in den Bann zog. Dabei war Eren so viel mehr als bloße Schönheit. Er war ein gütiger, charmanter und witziger Junge, mit einem viel zu großen Hitzkopf. Wieder schlich sich der Junge mit den grünsten Augen in Levis Gedanken. Es war zum Haare raufen!

Wie er es aufhalten konnte, wusste er nicht. Er versuchte alles. Er hatte Sex, viel Sex. Er verbrachte jede freie Minute mit Farlan und wenn das nicht möglich war, dann fand er sich in dem kleinen Café in Camden vor Erens Haus wieder. Jedes Mal wenn er Eren sah, versteckt hinter einer Zeitung oder anderen Menschen, hüpfte sein dunkles Herz vor Aufregung umher und das kleine anfängliche Säuseln in seinem Bauch wurde kräftiger. Drängender und verlangte danach, dass Levi dem endlich Beachtung schenkte. Dass Levi endlich einsah, dass es nicht nur pure Neugier und Sorge war - nicht mehr. Doch Levi verschloss sein Herz vor all den Warnungen. Er wollte und konnte es nicht zulassen. Eren und er ... das würde niemals gut gehen. Levi wusste, wohin er gehörte oder besser gesagt : zu wem.

„Willst du wirklich hin?“, fragte er seinen Freund. Farlan sah ihn entsetzt an.
„Natürlich! Hallo? Jean heiratet und für gewöhnlich tut man das nur einmal im Leben“, grinste er und setzte sich rittlings auf Levis Schoss. Die Oberschenkel, rechts und links neben Levis Schoß gebettet.
„Mhm“, brummte er und starrte die Karte unheilvoll an. Sie war stilvoll und hübsch anzusehen. In hellen Farben und irgendwie weniger kitschig als gedacht.  

„Ich weiß, dass Eren auch dort sein wird. Alles cool. Oder-“, Farlan sah ihn nachdenklich an und strich ihm das Haar nach hinten. Er spürte die zarten Finger seines Freundes und bekam eine wohltuende Gänsehaut die sich über seinen verräterischen Körper ausbreitete. Er reagierte auf die Berührungen seines Freundes äußerst sensibel. Was gut war, oder? So sollte es doch sein!

„Oder was?“, fragte Levi in einem neutralen Ton.
„Stört es dich?“
„Was?“
Farlan rollte mit den Augen. Levi wusste was er meinte, er wollte es aus seinem Mund hören.
„Was wohl? Dass Eren dort sein wird“, sagte er und tippte ihm gegen die Nase.
Da war sie, die alles entscheidende Frage die er sich selbst immer stellte. Von Tag zu Tag. Er musste jetzt ehrlich sein.

„Nein. Es liegt einfach daran, dass ich ... Hochzeiten nichts abgewinnen kann“, meinte er. Farlan lachte laut und legte seinen Kopf in den Nacken.

„Du bist ein alter Mann. Du verhältst dich wie ein 70 Jähriger Rentner, der sein Leben bereits gelebt hat“, gluckste er vergnügt.
„Glaub mir, so fühle ich mich auch“, schmunzelte Levi und küsste den wippenden Kehlkopf.
Farlan seufzte und verschränkte seine Hände in Levis Nacken und schlang seine Beine um die Taille des Schwarzhaarigen.
„Das wird bestimmt ein wunderschöner Abend“, grinste der Blonde und Levi konnte nichts anderes tun als seine Stirn in Falten zu legen und ihn ungläubig anzusehen. Warum musste er auch immer alles optimistisch betrachten. Levi hatte eher das Gefühl, dass dieser Abend in einer einzigen Katastrophe enden würde. Eren, Farlan und er. In einem Raum. Über mehrere Stunden ...








... und so stand er, wenige Tage später,  wieder im Café und starrte aus dem großen, breiten Fenster nach draußen. Es regnete und die Sicht war erschwert. Trotzdem blickte er starr in eine Richtung und wartete darauf, dass Eren aus der Tür raus trat. Er konnte es nicht lassen. Es war nicht möglich. Nur noch einmal. Er wollte ihn nur einmal im Schutze der Verborgenheit sehen und sich vergewissern, dass es ihm gut ging. Dass er nicht tot in seiner Wohnung lag oder kurz davor war jämmerlich zu krepieren. Das war alles. Mehr nicht.

Levi tippte unruhig mit dem Zeigefinger einen stetigen Rhythmus auf den Tresen, ohne den Blick abzuwenden. Ohne ein einziges Mal wegzusehen. Regentropfen liefen wie kleine Rinnsale die glatte, kühle Fensterscheibe entlang und erschwerten ihm die Sicht. Doch einerseits verliehen sie dem Ganzen eine ganz andere Atmosphäre. Die Sicht war durch den Regen und das Wasser auf der Scheibe etwas verschwommen und als sich die Tür öffnete, Levi musste etwas näher an die Scheibe ran, sah er Eren hinaustreten. Der Junge sah nach oben und rümpfte die Nase. Er trug eine Jeans, Boots und einen Hoodie, dazu eine passende Jacke. Levi konnte sehen, dass Eren mit sich kämpfte vor die Tür zu gehen. Er erinnerte sich noch daran, als Eren ihm erzählt hatte, dass er mit Regen absolut nichts anfangen konnte. Warum er sich bei dem Wetter also nach draußen wagte – ohne Schirm ...

Levi ging etwas näher heran. Er wollte mehr von dem Jungen sehen. Er musste. Er war wie ein Magnet und Levi hatte keine Macht sich ihm zu entziehen. Eren war das Licht und Levi selbst war die Motte die sich nach ihrem Ende sehnte.

Eren zog sich die Kapuze über seinen Kopf und hechtete über die Straße. Er winkte dem Obdachlosen von der Ecke zu, zu dem Eren eine Art Freundschaft entwickelt hatte, und grinste breit, als er um die Ecke bog. Levi wollte nachsehen, wohin er gegangen war, aber ihn zu verfolgen schien ihm dann doch etwas übertrieben.
Doch dann ...

Klingelte es und kündigte einen weiteren Gast an. Levi erschrak und ging zurück zur Ausgabe um auf seine beiden Getränke zu warten. Es war Eren. Er stand tatsächlich im Café und zog sich die Kapuze wieder ab. Jetzt erst konnte er sehen, dass der Junge einen etwas lockeren Knoten gebunden hatte. Wildes Haar umrahmte das schöne Gesicht und als er die Bedienung, die noch vor wenigen Minuten Levi bedient hatte, angrinste, hatte Levi das Gefühl, dass man ihm die Beine wegschlug. Als ob ihm jemand beim Fußball gegrätscht hatte. So hart, dass er sich an der Platte des Tresens mit einer Hand abstützen musste. Er sah stur nach vorne und hoffte, dass seine warmen Getränke bald fertig sein würden. Doch Claire, so hieß die Bedienung, war allein und daher besonders langsam. Levi wollte schreiend davon laufen. Eren hatte ihn noch nicht entdeckt, da die große Kaffeemaschine die die Bohnen zu feinem Pulver mahlte, direkt zwischen Bestellaufnahme und Ausgabe stand. Er betete, dass sie sich beeilen würde damit er ... oh Fuck ..

Eren sah auf sein Handy, als er auf Levi zu ging und der Ältere hielt die Luft an. Sein Herz hämmerte wie verrückt und er wich einen Schritt nach hinten aus, um einen Ort zu finden, an dem er sich verstecken konnte.  Als Eren seinen Blick hob und sein Handy wegstecken wollte, verfehlte er die Jackentasche und das Handy fiel auf den Boden. Ein lauter Knall ertönte.



„Oh Scheiße“, entfuhr es Eren und Levi war sich nicht sicher, was er damit meinte. Den Aufprall seines Handy oder Levi selbst.

„Der grüne Tee und ein Caramel Macchiato!“, ertönte Claires Stimme und die beiden Getränke wurden geräuschvoll auf den Tresen gestellt.
Doch Levi starrte in die grünen Augen seines ... Ex Freundes der mindestens genauso erschrocken war wie er selbst. Stille.
Nichts als Stille zwischen ihnen. Noch nie hatte Levi sich so unwohl in seiner Haut gefühlt und wünschte sich, der Boden möge sich unter seinen Füßen auftun und ihn verschlingen. Am besten für immer.

Das Klirren von Geschirr, die Klingel der Tür, die einen weiteren Gast ankündigte, das Brummen der Kaffeemaschine und das laute Zischen des Milchaufschäumers. Das war alles, was Levi wahrnahm, denn er versank in den grünen leuchtenden Seen, die ihn magisch anzogen. Die ihn in eine andere Welt mitnahmen, in der es nur sie beide gab.
Levi musste Ruhe bewahren. Er deutete auf das auf dem Boden liegende Handy. Eren folgte seinem Finger und erwachte aus seiner Starre und bückte sich schnell, um es aufzuheben.

„Glück gehabt“, meinte Levi, als er erkennen konnte, dass das Handy nicht einen Kratzer davon getragen hatte. Eren lächelte ganz leicht.
„Sieht so aus“, erwiderte der Junge und räusperte sich, als er merkte, wie kratzig sich seine Stimme anhörte. Levi konnte seine Augen nicht von ihm nehmen. Er sah so verdammt gut aus. Besser als beim letzten Mal. Gesund und kräftig. Seine Haut strahlte und so wie er sich die wirren Strähnen der fuchsbraunen Mähne aus dem Gesicht strich ... Levi wollte es tun! Er hatte das Bedürfnis seine Finger im langen braunen Haar zu vergraben und es zwischen seinen Finger zu zwirbeln. Fuck ...

„Was also ... Wie geht es dir?“, fragte der Jüngere plötzlich. Levi blickte zu seinen Getränken und dann wieder zu Eren. Er sollte was sagen. Jetzt! Bevor er sich vollkommen zum Affen machte.
„Gut und dir? Siehst ...g-“, er wollte gut sagen.
„Gesund?“, gluckste Eren.
Levi nickte.
„Ja, das meinte ich“, meinte er. Nein, das meinte er nicht. Er wollte gut oder noch besser, geil,  sagen.
„Läuft alles gut im Moment. Ich wollte auch nur ...“
„Einmal der vegane Apfelkuchen und Chai Latte mit Sojamilch“, mischte sich Claire wieder ein. Levi schenkte ihr einen missbilligenden Blick. Sie lächelte und zog sich zurück. Wieso musste sie sich einmischen? Levi genoss viel zu sehr Erens Nähe, gleichzeitig wollte er sich einen Strick nehmen, um aus dieser merkwürdigen Situation entfliehen zu können.

„Du bist hier um Kuchen zu kaufen?“, fragte Levi und sah wieder zu Eren der errötete. Er rieb sich den Nacken und sah plötzlich so unschuldig, beinahe niedlich aus, dass Levi heftig schlucken musste.

„Ja. Ich hab eine Schwäche für Apfelkuchen entwickelt. Sieht man oder?“ Er deutete zwinkernd auf seine Körpermitte und fasste sich an den Bauch. Levi musste schmunzeln. So ungezwungen hatte er Eren noch nie erlebt. Nicht im Bezug auf seine Figur die unter der Kleidung schon zum niederknien war. Levi erinnerte sich gut daran, dass Eren immer auf seine Ernährung geachtet hatte - beinahe krankhaft - bis er kaum was zu sich genommen hatte.

„Ein bisschen vielleicht“, scherzte Levi und erntete ein strahlendes Lächeln. Eren atmete tief ein und bedachte Levi mit einem intensiven Blick, der die Knie des Schwarzhaarigen schlackern ließ. Die Zeit schien still zu stehen und die Luft um sie herum knisterte bereits heftig.  Nicht mal die Alltagsgeräusche drangen zu ihm vor - so fasziniert und gefesselt war er von Eren und dem Augenblick in dem sie sich befanden. Eren hatte eine wahnsinnig anziehende Wirkung auf ihn - vom ersten Moment an. Das hatte sich also nicht geändert. Diese Erkenntnis traf Levi schwer. Denn es durfte und sollte nicht so sein. Eren durfte keine Wirkung mehr auf ihn haben. Das musste aufhören!

„Ich muss dann auch mal wieder“, er nahm die beiden Getränke und hielt sie in der Luft, wackelte damit und nahm sich fest vor,  den nächst besten Strick zu nehmen und sich zu erhängen – es war ihm alles so furchtbar peinlich und er hatte absolut keine Ahnung wie er sich verhalten sollte. Er fühlte sich ertappt. Ertappt wie er Eren aus einem Café heraus beobachtete. Seinen Ex. Wie tief konnte er denn noch sinken? Die Antwort bekam er prompt.

„Farlan mag den Kaffee“, sagte er noch schnell und Eren ... steckte seine Hände in die Hosentasche. Er wirkte plötzlich irgendwie ... entmutigt und ruhiger.

„Ja, der ist wirklich gut ... also ... es gibt bestimmt besseren aber der ist gut“, stammelte der jüngere.
„Also schickt Farlan dich hier hin um Café zu kaufen?“, fragte er. Irrte er sich oder hörte er ein klein wenig Hoffnung in der Tonlage Erens Stimme?  Levi schluckte und nickte.

„Er ist ... ganz verrückt nach dem Kaffee hier“, log er und betete, dass sich der Boden unter ihm auftun sollte, um ihn zu verschlucken.
„Oh, das ist ... toll“, Eren lächelte. Er lächelte die ganze Zeit und strich sich wieder eine Strähne seines widerspenstigen Haars aus der Stirn. Er war so perfekt, so schön. Der Drang seine Hand auszustrecken und ihn zu berühren war fast schon übermächtig.
Levi nickte nur. Er sollte die Klappe halten. Eindeutig. Sonst redete er sich noch mehr in die Scheiße.

„Ich muss los. Bis ... irgendwann“, meinte er beim Vorbeigehen und blieb stehen, als Erens Stimme hinter ihm ertönte.
„Allerspätestens beim Junggesellenabschied“, verkündete der Junge und Levi schloss die Augen. Ein leises lautloses Fuck verließ seine Lippen und er sah zu, dass er so schnell wie möglich von hier verschwand.








„Ich kann nicht. Ich bin in Berlin“, sagte Farlan und sah ihn entschuldigend an. Levi starrte ihn an.
„Du bist nicht da?“, fragte e nach. Oh wow, das war schlecht.
„Sorry, ich muss arbeiten. Aber zur Hochzeit am Wochenende danach bin ich wieder da. Versprochen“, er beugte sich vor und küsste Levi.
Na toll.
Ein Junggesellenabschied.
Mit den Jungs.
Mit Eren.

„Du kannst aber ruhig gehen.  So weit ich weiß, hat Eren  alles organisiert und allen versichert, dass es keine Stripperinnen oder Ähnliches geben wird“, grinste ihn sein Freund an. Als ob Levi das jucken würde wenn sich eine Frau halbnackt vor ihm rekeln würde. Er hatte ganz andere Probleme! Das größte Problem war Eren. Jeans Trauzeuge. Er würde einen ganzen Abend mit dem Bengel verbringen. Seit dem Fiasko im Café hatte er sich nicht noch mal dorthin gewagt. Die Angst davor, ein drittes Mal dort erwischt zu werden, war zu groß. Ein weiteres Mal hätte er sich nicht rausreden können.

Farlan setzte sich auf die Couch und breitete seine Arme aus.
„Komm her. Ich hab dich lange nicht mehr umarmt“, säuselte sein Freund, während Levi noch seinen eigenen Gedanken nachhing.
„Levi?“
Er blinzelte.
„Ich muss noch mal ... ins Studio“, sagte er und ging in den Flur, um sich anzuziehen.
„Levi alles okay?“, fragte sein Freund der plötzlich wieder hinter ihm stand. Als Levi seine Jacke überwarf und in die Augen seines Liebsten schaute überkam ihn das schlechte Gewissen. Er hatte nichts getan und dennoch hatte Levi das Gefühl, dass er einen Fehler nach dem anderen begann. Farlan hatte das nicht verdient. Er musste dem ein Ende setzen und aufhören an Eren zu denken. Seine Gedanken waren zwar von der keuschen Natur trotzdem war da dieser bittere Nachgeschmack. Das Gefühl einen Fehler zu machen und Farlan zu hintergehen.

„Alles okay, ich muss mich nur noch um ein paar Sachen kümmern und dann bin ich schneller wieder bei dir, als du gucken kannst“, versicherte er ihm. In den blauen Augen stand eindeutig Unsicherheit geschrieben – wie so oft in der letzten Zeit. Levi fühlte sich immer schäbiger und schuldiger.

„Hast du mir vielleicht was zu sagen, Levi?“, ertönte die zittrige Stimme Farlans und Levis Augen weiteten sich. Natürlich spürte er, dass etwas nicht stimmte. Dass Levi in einem Dilemma steckte. Niemand kannte ihn so gut wie Farlan. Jetzt war die Gelegenheit seine Seele von diesem Ballast zu befreien. Er hatte die Möglichkeit mit seinem Freund über seine wirren Gedanken zu sprechen. Vielleicht konnte er ihn sogar ein kleines Bisschen verstehen. Oder es ging alles in die Brüche. Diese Möglichkeiten gab es und Levi entschied sich dazu die Wahrheit weiterhin zu verbergen. Irgendwann würde das vorbei sein und er wollte nicht seine gesunde gute Beziehung wegen nostalgischer Gefühle auf's Spiel setzen.

Bei Farlan war er sicher. Er war sein Zuhause – sein sicherer Hafen. Eren hingegen ... war der Sturm, der ihn immer tiefer in den Abgrund zog.  Der ihn drohte zu vernichten. Sie waren schon ein mal miteinander gescheitert. Ein weiteres Mal würde es Levi nicht aushalten. Wenn er sich noch mal auf Eren einlassen würde und ihm erneut das Herz gebrochen wurde, dann ... ja was dann? Er hatte absolut keine Ahnung. Er sah seinen Freund an. Diesen wunderschönen jungen Mann mit so viel Liebe für Levi. Levi durfte kein Risiko eingehen.

Er hob eine Hand und legte sie auf Farlans Wange und strich sanft über die Haut. Mit den Fingerkuppen berührte er die zarte Stoppeln am Kinn und blieb mit seinen Augen an Farlans wunderschöne Lippen hängen.
„Es ist nichts. Ich hab nur viel zu tun und muss ... noch ein paar Dinge regeln. Ich beeil mich“, sagte er und gab seinem Freund einen Kuss. Zart und voller Hingabe.
„Okay“, hauchte Farlan und nickte.





EREN


„Weißt du, um ehrlich zu sein, war es einfach nur - wie soll ich sagen…es war einfach nur komisch!“ Eren lehnte sich an die Küchenzeile und sah dem Kaffee dabei zu, wie er in die Tassen lief. Dann sah er wieder zu Sascha die einen quietschpinken Donut aß und ihn mitfühlend ansah.
"Es klingt auch komisch, wie du es erzählst“, schmatze sie und trank dann einen Schluck Wasser.

Er musste etwas grinsen. Eren kannte nicht viele Leute die einfach so waren wie sie und damit kein Problem hatten, was andere von ihnen denken würden. Allgemein war Sascha unglaublich erfrischend, sie war nicht so verklemmt und legte sich nicht irgendwelche gesellschaftlichen Regeln auf, denen Frauen zu folgen hatten und genau das machte sie noch sympathischer! Eren konnte sich ein Beispiel an ihr nehmen.

„Hast du schon mal drüber nachgedacht ob er dich vielleicht besuchen wollte und deswegen in diesem Café war? Ich meine klar, der Kaffee ist gut und so weiter aber es gibt bessere Läden viel bessere, du bist einfach nur faul anstatt um den Block zu gehen. Stattdessen gehst du aus der Haustür und kaufst dir da deinen Kuchen", lachte sie und sah auf den Apfelkuchen, der neben Eren darauf wartete gegessen zu werden.
„Aber ich verstehe es nicht, nein so ist er nicht. Weißt du Levi ist …", Eren  leckte sich über die Lippen und hielt inne. Es fiel ihm manchmal noch schwer darüber zu sprechen, aber in der jetzigen Situation, gemeinsam mit Sascha, konnte er es aussprechen.
„Levi quatscht nicht. Er tut auf was er Lust hat und wenn er sich etwas vornimmt, dann macht er es. Wenn er mich also sehen wollen würde, dann würde er nicht in diesem Café herum lungern. Dann würde er über die Straße gehen, klingeln und vor meiner Tür stehen. Er würde sich meine Wohnung ansehen, fragen ob es mir gut geht, wenn das der Sinn seines Besuchs war, dann würde er abhauen“ sagte Eren völlig überzeugt und verschränkte die Arme vor seiner Brust.



Eren kannte Levi. Er kannte ihn gut und Levi war ein Mann, der sich nicht so verhielt, es war sicherlich nur ein komischer Zufall. Eren knabberte unruhig auf seiner Unterlippe hin und her, dass er förmlich spüren konnte wie er die weiche Oberfläche mit seinen Zähnen immer mehr malträtierte.  So sehr, dass es fast schmerzte. Dieses Treffen hat ihn einfach nur verwirrt. Ja, er war einfach nur von vorne bis hinten völlig verwirrt, wusste nicht was er davon halten sollte. Was er sagen oder tun sollte, wenn er ihn noch mal wieder sehen würde.

Eren strich sich über sein flachen Bauch und stellte Sascha den Kaffee hin.  Er atmete tief ein, strich sich die Haare nach hinten und machte sie zu einem Knoten. Dann setzte er sich zu der wunderschönen Brünetten und stocherte in seinem Kuchen herum.

„Hast du denn schon mal drüber nachgedacht, dass es vielleicht für ihn auch nicht einfach ist oder dass er einfach nur da war, um dich zu sehen? Um dir irgendwie nah zu sein?", sagte sie und Eren hätte sich fast an seinem Kuchen verschluckt, weil er nicht darauf vorbereitet war, was das schöne Mädchen ihm das sagte.

Eren lächelte verbissen und griff nach dem Wasserglas von Sascha . Trank es mit drei großen Stücken leer und stellte es dann wieder schwer atmend ab.
„Was redest du da ? Natürlich will er mich nicht angucken oder besuchen, was für ein Blödsinn. Er ist einer Beziehung! Er ist glücklich! Er hat sich dafür entschieden und der einzige Grund warum er in dieses beschissene Café geht ist…“

Eren starrte in die schöne Augen von Sascha, er schluckte bevor er weiter sprach.
„Der einzige Grund ist, dass er sehen möchte ob ich mir nicht irgendwie die Kante gebe und wieder abstürze. Weil er kein Vertrauen in mich hat und das kann ich auch verstehen“, sagte Eren aufgebracht und schob den Kuchen von sich. Jetzt hatte er auf gar keinen Fall mehr Hunger. Allgemein war ihm schlecht und er hatte das Gefühl sich am liebsten übergeben zu müssen.

Gespräche über seinen wunderschönen Exfreund machten ihn normalerweise nicht so nervös wie heute.  Er merkte, dass heute kein guter Tag war um darüber zu reden und dennoch ... seine Gedanken gingen immer wieder zurück.  Zurück zu ihrer Begegnung, zu den Blicken, die sie ausgetauscht hatten und dem peinlichen Moment, als er sein Handy hatte fallen lassen.

Eren hatte ihn schon gesehen als er in das Café gegangen war. Wie könnte er ihn nicht sehen? Von all den Leuten, die in diesem Raum standen und von ihm abgewendet waren, konnte er ihn schon von weitem erkennen.
Die Schulterpartie, den Hals den er so oft geküsst hatte, die Haare, welche sich so seidenglatt und weich in seinen Händen angefüllt hatten. Die Strähnen, welche Levi immer im Gesicht klebten, wenn sie lange Sex hatten.  Wie könnte er diese Erinnerung, diese Bilder, die sich in seinen Geist gebrannt haben vergessen?  Er konnte es nicht, sie waren da und ein Teil von Eren  - wie das Tattoo, welches seinen Hals zierte.



Gedankenverloren ging er sich über den Hals und legte dann seine Hände wieder auf der Küchenzeile ab.

„Und was willst du jetzt machen“ fragte Sascha liebevoll und griff nach Erens Hand die sogar etwas zitterte. Sie strich vorsichtig mit ihrem Daumen über Erens Handrücken und versuchte ihm somit etwas Trost, Liebe oder das Gefühl nicht alleine zu sein zu geben. Eren sah zu ihr auf, blinzelte und schob seine wilden Strähnen, die ihm ins Gesicht fielen, hinter sein Ohr

„Was soll ich tun? Es wird sich nichts ändern. Ich werde einfach so weitermachen wie ich es bis jetzt getan habe. Ich werde einfach nicht mehr in diesen Laden gehen. Ich meine, ich bin nicht feige, es geht mir nicht darum ihn nicht zu treffen -  aber wenn er so ist…“

Eren sah ihr in die Augen und suchte nach den richtigen Worten.
„Wenn er mit mir nicht wirklich redet ,sich abwendet und geht…ich kann das nicht“, sagte Eren und seine Stimme zitterte sogar etwas.
„Ich meine, ich kann es an guten Tagen, an Tagen an denen ich weiß, dass ich mich wohl fühle und an denen ich einfach eine gewisse Leichtigkeit spüre. Aber an Tagen wo es mir nicht so gut geht ...  ich habe einfach Angst etwas falsch zu machen!“
Eren sah auf seine Hände und suchte in seinen wirren Gedanken nach einem Ausweg.

„Eren, du kannst nichts falsch machen. Ich glaube, du hast bereits schon viel getan auf das du nicht stolz bist und dass dir leid tut. Und glaub mir, du hast dich bei allen entschuldigt. Die Menschen die dir wichtig sind und denen du wichtig bist, ihr findet wieder zusammen und auch bei Levi und Farlan wird es da keinen Unterschied geben. Was sollst du falsch machen, hm?“, fragte sie und sah in die grünen Augen, die jetzt dunkler aussahen und eher an Moos erinnerten.

Eren hob langsam seinen Kopf und sah wieder auf, richtete sich etwas mehr auf, streckte sich und versuchte mit erhobenen Haupt der Brünetten gegenüber zu sitzen.
„Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe und ich denke auch, dass es gut und wichtig war mich zu entschuldigen. Dennoch kann ich es einfach nicht ertragen, wenn Levi so ist", wiederholte sich Eren und ging sich etwas gestresst durch die Haare.

„Auf der anderen Seite weiß ich auch nicht, wie ich reagieren würde wenn er mich anlächelt, normal mit mir umgehen würde. Ich glaube, beides fällt mir gerade noch schwer. Ich weiß nicht, was ich jetzt tun soll  und überlege ob ich gar nicht zu diesem Junggesellenabschied gehe, beziehungsweise weiß ich auch nicht wie das mit der Hochzeit sein soll", gab er grübelnd zu und Sascha sprang sofort von ihrem Stuhl auf.

„Moment, natürlich gehst du dorthin und du wirst auch zu der Hochzeit kommen! Bevor du nicht kommst, werde ich den heiligen Gott Levi Ackerman persönlich ausladen.“

Sie umrundete die Kochinsel, packte Erens Gesicht, drückte es gegen ihren Bauch und strich liebevoll über die  weichen Haare, so dass sich der obligatorische Knoten löste und die fuchsbraune Mähne wild auf Erens Schultern fiel. Eren atmete tief ein und aus. Dann schloss er seine Augen und versuchte das Gesicht des schwarzhaarigen zu vergessen.

Natürlich war  ihm klar,  dass die beiden sich irgendwann mal sehen würden und er wusste auch, dass diese Begegnungen an manchen Tagen schwieriger waren als an anderen -  je nachdem wie es ihm selber ging. Aber das letzte Treffen ließ ihn einfach nicht mehr los.  Die Distanz die zwischen ihnen gewesen ist,  war greifbar -  wie eine Art Schleier, Nebel oder noch schlimmer eine Wand! Eine Mauer aus Stein gemeißelt.

„Ich glaube, er war verunsichert“, sagte Eren schließlich und Sascha sah ihn mit großen Augen an, als sie sein Gesicht von ihrem Bauch schob und seine Wangen zusammen drückte und Eren ansah.
„Du denkst, er war verunsichert?“ fragte sie und er nickte, befreite sich dann aus ihrem Griff und beobachtete wie die Brünette auf ihren Platz zurück ging.

„Ich glaube, das hat mich wiederum verunsichert und ich konnte es nicht einordnen, denn er wirkte so… ich kann es gar nicht in Worte fassen. Ich habe das noch nie an ihm gesehen“, sagte Eren, leckte sich erneut über die Lippen um sich etwas Zeit zu nehmen die nächsten Worte genau zu formulieren.

„Weißt du, ich hab ihn wirklich in den verschiedensten Lebenslagen kennen gelernt. Ich habe ihn gesehen wie er glücklich schien, wie er traurig war, wie er wütend, oh ja und wie wütend er sein konnte, aber jetzt wo ich länger drüber nachdenke, hab ich ihn noch nie so erlebt, wie er in dem Café  gewesen ist“,  grübelte Eren.
„Er war einfach nur verunsichert und so…. ich weiß nicht - es war komisch“



Eren schüttelte sein Kopf und griff nach dem Kuchen. Er hatte zwar keinen Hunger. Doch er hatte gelernt, gewisse Sachen einfach hinter sich zu lassen. Und die jetzige Situation war so eine Sache. Es war etwas, was er nicht ändern konnte, was geschehen war und was er nicht mehr in irgendeiner Weise beeinflussen würde. Er sollte aufhören darüber nachzudenken, warum sein Exfreund gerade in diesem Café war. Warum er ihn so komisch angesehen hatte und sofort gegangen war. Wieso ein richtiges Gespräch nicht möglich gewesen war. Und er sollte nicht mehr darüber nachdenken wie er sich dabei gefühlt hatte.

Eren musste nach vorne schauen. Er musste Stück für Stück jeden Tag bewältigen - sich Ziele stecken und diese erreichen. Der Vergangenheit hinterher zu trauern war keine Option. Es war etwas, was er einfach nicht tun sollte und was ihm auch nicht gut tat. Auch wenn die grauen Augen ihn seit geraumer Zeit immer wieder verfolgten und er ab und zu sich dabei erwischte, wie er ins Nichts starrte und über vergangene Sachen nachdachte, die nur noch in seinen Gedanken leben würden. Das mit ihnen beiden war vorbei. Die Realität sah anders aus und Eren wusste, dass er sich darauf konzentrieren musste.

Er würde sicherlich auch jemanden finden den er lieben konnte. Er würde jemanden finden, dem er sein Vertrauen schenkte und bei dem er glücklich sein könnte - das wusste er. Die Frage war nur, wie lange er darauf warten musste und ob er es schaffen würde Levi jemals zu vergessen?  Dabei wollte er ihn eigentlich nicht völlig vergessen. Nicht das diese Gefühle schlecht waren.  Nicht, weil diese Gefühle nicht gut für ihn waren. Und erst recht nicht,  weil diese Gefühle etwas waren auf dass er nicht stolz sein sollte oder den er sich nicht stellen wollte. Nein, dem war nicht so.

Mit jedem Tag wurde ihm bewusst, dass  Levi zu einer schwachen Erinnerung werden würde und Eren würde genau wie Levi sein eigenes Leben aufbauen und sein ganz persönliches Glück finden.



Eren räusperte sich und sah zu Sascha die ihn mitfühlend ansah.
„Okay, lassen wir das Gerede von mir und ihm“, sagte der Brünette und nannte mit Absicht nicht den Namen. Es war fast wie bei Voldemort, Levi war da der, dessen Name nicht genannt werden durfte. Eren grinste und schmunzelte, sah die schöne Brünette an.
„Also erzähl mir von dem Sexunfall, den du mit Jean hattest! Ich schwöre heilig -  ich werde nichts erzählen!“, lachte er und Sascha kicherte. Es musste dringend Ablenkung her!
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