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you look cute when you're cold

von rumwolf
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Nightmare SuG
11.12.2019
29.12.2019
2
2.714
4
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7 Reviews
Dieses Kapitel
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11.12.2019 1.392
 
Winter war schlichtweg deprimierend, fand Hitsugi. Einfach nur grau und arschkalt und eklig. Ein paar Mal hatte es zwar schon geschneit, aber natürlich war nichts davon liegen geblieben. Die dünne Schicht hatte sich gefühlt in Sekunden in grauen Schneematsch verwandelt, der nur die Schuhe durchweichen ließ und für feuchte Socken und kalte Füße sorgte. Genau aus diesem Grund hasste er den Winter. In der Theorie war die kalte Jahreszeit vielleicht schön und magisch, doch in der Praxis halt nicht. Dafür war er auch einfach eine viel zu große Frostbeule.
Beim Load-In hatte er es ihn bereits genervt, doch jetzt bei den Raucherpausen war es noch schlimmer.

Eigentlich ja eine Frechheit, dass sein sündhaft teurer Wintermantel ihn auch nicht warmhielt. Was sollte er denn noch machen? Er trug doch schon dicke Socken in seinen Timberlands, hatte eine Mütze auf und sich den Schal so hoch gezogen, dass er mit der Zigarette gerade noch so an seine Lippen kam.
Chiyu hingegen schien gar keine Probleme mit der Kälte zu haben. Der Bassist stand in Kapuzenpulli und Lederjacke neben ihm und zündete sich in Seelenruhe und ohne zu zittern seine Zigarette an. Wie machte er das bloß? Hitsugi stellte sich die Frage jedes Mal, wenn sie im Winter zusammen zum Rauchen draußen standen. Er selbst hatte es vor Zittern gerade so eben geschafft seine Zigarette anzuzünden, ohne dabei seinen flauschigen Wollschal gleich mit in Brand zu stecken.
Verdrossen klemmte er sich die Zigarette zwischen die Zähne und stopfte seine Hände wieder in die Jackentaschen. Warum musste es nur gerade jetzt so kalt sein? Wenn es wenigstens richtig schneien würde, dann wäre das Ganze noch irgendwie erträglich. Aber so konnte er dem Wetter einfach nichts abgewinnen.
Vor allem, wenn er sich am 25. Dezember, also an Weihnachten, in einer sowieso schon zu kalten Konzerthalle den Hintern abfrieren musste, in der man nicht einmal drinnen rauchen durfte und noch öfter in die Kälte hinaus musste.

„Du siehst schon richtig süß aus, wenn du frierst“, riss ihn Chiyu auf einmal aus seiner kleinen innerlichen Schimpftirade über das Wetter. Erstaunt blinzelte Hitsugi seinen Session-Bassisten an. Irgendwie hatte er mit diesem Kompliment nicht gerechnet, nicht von Chiyu. Nicht vom schönen, unnahbaren, immer unfassbar coolen Chiyu.
„Du zitterst ja sogar. Ist dir echt so kalt?“
Noch immer sprachlos nickte der kleine Sänger.
„Hätte dich gar nicht für so eine krasse Frostbeule gehalten. Aber irgendwie goldig.“
Ein weiterer Schauer durchfuhr Hitsugi und irgendetwas musste Chiyus verschmitztes Lächeln in ihm ausgelöst haben, denn im nächsten Moment hatte er den Rest seiner Zigarette auf den Boden geworfen, ausgetreten und seine Arme unter der Jacke des Bassisten vergraben. Dass er ihn dabei umarmte, war ein Nebeneffekt, mit dem er leben konnte.
Er merkte wie der Andere kurz innehielt, aber dann nichts weiter sagte und einfach unbeirrt, jetzt eben über seine Schulter hinweg, weiter rauchte. Den freien Arm hatte er um Hitsugis Schulter gelegt und seine Hand in den voluminösen Schal gesteckt. Als Hitsugi die kalten Finger an seinem Nacken spürte, zuckte er kurz zusammen, entspannte sich dann aber wieder, auch wenn das Gefühl unangenehm war. Er suchte ja immerhin Wärme bei Chiyu, da konnte er es dem anderen nicht verwehren den Spieß einfach umzudrehen. Fairplay unter Bandkollegen, sozusagen.
Und trotzdem konnte er nicht leugnen, dass seine Wangen ganz von alleine heiß wurden und sein Herz schneller zu schlagen begann.

Da es anscheinend in Ordnung war, beschloss Hitsugi sich auch nicht dafür zu schämen, sondern den Moment einfach zu genießen. Zufrieden – ihm wurde dank Chiyus Körperwärme tatsächlich wärmer – lehnte er sich in die Umarmung und legte seinen Kopf an der Brust des Bassisten ab. Durch den dünnen Stoff des Kapuzenpullis konnte er dessen Herzschlag spüren und er musste sich zusammenreißen nicht einfach die Augen zu schließen und Gefahr zu laufen einzuschlafen. Das wäre dann doch höchst peinlich. Aber ein bisschen die Zeit vergessen und ausblenden, dass er im tiefsten und ekelhaftesten Winter im dreckigen Hinterhof einer Konzertvenue stand war definitiv drin.
Er merkte an Chiyus Bewegungen, dass dieser anscheinend auch fertig geraucht hatte, seine Zigarette ebenfalls auf den Boden schnippte und die jetzt freie Hand in die Tasche seiner Lederjacke steckte. Diese kleine Geste ließ Hitsugi warm ums Herz werden und eine unerwartete Freude darüber, dass der Bassist nicht direkt aus der Situation floh, machte sich in ihm breit.
„Unter deinem Schal ist es schön warm“, murmelte Chiyu leise.
Konnte es vielleicht sogar sein, dass Chiyu es auch ein bisschen genoss, zumindest ein ganz kleines bisschen?

Wenn er ehrlich mit sich selbst war, hatte er ja schon lange einen Crush auf den Session-Bassisten. Seit der ersten gemeinsamen Probe, als Mizuki Chiyu mitgebracht hatte. Klar, er hatte den ehemaligen SuG-Bassisten schon öfter gesehen, aber nie so bewusst wahrgenommen. Doch als sie auf einmal nur zu viert in dem kleinen Proberaum gewesen waren, konnte er gar nicht anders als den großen, durchaus sehr attraktiven Mann ins Visier zu nehmen. Und was als harmlose Anziehung angefangen hatte, war mit der Zeit irgendwie zu einer hoffnungslosen Schwärmerei ausgeartet, ohne dass sein Herz ihn da hatte mitreden lassen.
Er wusste, dass daraus vermutlich nie etwas werden würde und Chiyu diesen Moment einfach nur aus einer Laune heraus über sich ergehen ließ, aber für den Moment würde er nehmen, was er kriegen konnte. Und wenn das eine platonische Umarmung war, weil er nun eben eine gottverdammte Frostbeule war, würde er sich damit zufriedengeben.
Solange er es schaffte, dass sein kleines Herz sich nicht mehr Hoffnung machte. Aber das würde er hinkriegen.

„Jungs? Wir warten schon seit 10 Minuten mit dem … Soundcheck auf euch.“
Kenzos leicht genervte Stimme ließ Hitsugi aus seiner Trance aufschrecken und er riss sich beinahe von Chiyu los. Er war sich sicher, dass sein Gesicht rot war, also nuschelte er nur ein hastiges „Sorry, kommen ja schon“ und verschwand dann im Inneren der Halle, ohne den Bassisten noch einmal anzuschauen. Er wollte nicht, dass Chiyu ihm seine Gefühlslage vom Gesicht ablesen konnte. In ein paar Minuten würde er sich wieder beruhigt haben, dann würde er ihm wieder entgegentreten könnten.

Der Soundcheck war schnell abgewickelt, was aber auch kein Wunder war. Schließlich waren sie alle bereits seit Jahren professionelle Musiker und hatten so viele davon schon über die Bühnen Japans gebracht, dass es selten länger als eine halbe Stunde dauerte.
In der Pause bis zum Live hielt sich Hitsugi vor allem an Mizuki und Kenzo. Als Chiyu fragte, ob er mit zum Rauchen nach draußen kommen wolle, lehnte er versucht lässig, innerlich schüchtern ab. Chiyu zuckte nur mit den Schultern und verschwand alleine in den Innenhof. Ob er es Hitsugi krumm nahm oder sich über das schüchterne Verhalten wunderte, war nicht erkennbar. Cooler, unnahbarer Chiyu eben.
Erst nach dem Konzert standen sie wieder zusammen im Innenhof, die Glut der Zigaretten orange leuchtend in der Nacht.
„Hey, Hitsu? Wollen wir Silvester was zusammen machen?“
Verwundert hielt der Sänger in seiner Bewegung das Feuerzeug zu seiner Zigarette zu heben inne. „Was denn?“
„Takeru schmeißt eine Party in seinem Showroom. Er meinte, ich könnte gerne wen mitbringen. Hättest du Bock mitzukommen?“
„Äh, ja klar. Wenn du das möchtest und das für Takeru in Ordnung ist, gerne. Habe eh noch keine Pläne gemacht.“
„Nice, ich schreib dir dann die Tage noch die Uhrzeit und so. Wahrscheinlich gibt es auch noch einen Dresscode, kennst ja Takeru.“ Der Bassist schenkte Hitsugi ein aufrichtiges Grinsen, dass die Schmetterlinge in dessen Magengegend noch einmal aufflattern ließ. War er heute so anfällig, weil Weihnachten war und Weihnachten ein romantischer Feiertag war oder wurde er auf seine alten Tage schon weich?
Aber egal, Chiyu hatte ihn zu einer Silvesterparty eingeladen und wenn man großzügig war, zählte es vielleicht sogar als Date.

Den Rest ihrer Zigaretten rauchten sie in Stille, ehe sie wieder reingingen und der Crew beim Zusammenräumen des Backlines halfen. Danach verabschiedeten sie sich schließlich, wünschten einander noch frohe Weihnachten und machten sich auf den jeweiligen Heimweg.
Als Hitsugi sich nach einer Dusche zu Hause in sein Bett kuschelte, konnte er noch immer das Phantom der Umarmung von vorhin spüren, Chiyus Hand in seinem Nacken und den Geruch des anderen, der ihn irgendwie an salzige Meeresluft erinnerte, riechen. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht und dem Fazit, dass er seinen Weihnachtstag eigentlich doch ganz gut verbracht hatte, schlief er ein.

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Wie immer ein riesiges Danke an meine liebe -En- für's Betalesen <3
 
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