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Zwischen Leben und Tod

GeschichteDrama, Angst / P12
Dr. Markus Bauer Franco Fabiano OC (Own Character) Oliver Dreier Phil Funke
10.12.2019
14.01.2020
10
9.306
5
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14.01.2020 1.669
 
Mit Hilfe von Physiotherapie, war er soweit mobil, dass er schon mit Unterarmgehstützen einigermaßen laufen konnte. Allerdings mit viel Mühe und Anstrengung.
Doch auch wenn der Heilungsverlauf voran schritt und er bald zur Reha konnte, gab es etwas dass ihm trotz allem eine große Angst bereitete. Phil zeigte plötzlich Wesensveränderungen, die nicht neurologisch bedingt waren. Er bekam immer wiederkehrende Albträume. Schreckliche Bilder liefen seinem geistigen Augen ab. Oft wachte er nachts schreiend auf und hatte Panik. Aufgrund dessen schlief Phil sehr schlecht, was auch Auswirkungen auf seine Psyche hatte. Die bisherige Genesung rückte damit mehr und mehr in den Hintergrund. Er war wie ausgewechselt. Dieser Zustand bereitete allen großen Sorgen. Sie waren so glücklich gewesen, als doch noch erwachte und alles wieder gut würde. Noch vor kurzem sah es noch so aus, als würde es Bergauf gehen, aber dieses traumatische Erlebnis schien ihn nicht mehr los zu lassen. Phil in diesem Zustand zu sehen, brach ihnen das Herz. Alle Versuche mit ihm zu darüber sprechen schlugen fehl. In diesen Momenten wollte einfach nur in Ruhe gelassen werden. Ein Psychologe wurde zu Rate gezogen. Anfangs sträubte er sich massiv dagegen, aber half  nichts er musste sich seinem Trauma stellen um es besser verarbeiten zu können. Mit viel Geduld und Hingabe konnte dieser  ihn davon überzeugen darüber zu sprechen. Es tat gut. Nach und Nach wurde es wieder besser und er konnte wieder einigermaßen durchschlafen. Auch die Panikattacken ließen allmählich nach. Natürlich brauchte es auch seine Zeit und er würde noch weiterhin psychologische Betreuung benötigen. Mittlerweile konnte er mehr oder weniger offen darüber reden, was ihn belastete.  Die Motivation und Zuversicht kehrten zurück. Phil war fester denn je entschlossen sich nicht mehr unterkriegen zu lassen. Er wollte es unbedingt schaffen. Am Morgen darauf klopfte es an seiner Zimmertür und nach einem herein, betrat Franco den Raum gefolgt von den beiden Polizisten Stephan und Paul. Freudig begrüßten sie sich und setzte sich zu ihm. Phil schien schon fast wieder der alte zu sein, was sie sehr freute. Von seitens der Ärzte und dem Psychologen bekamen sie grünes Licht, ihn nochmal zum Sachverhalt zu befragen bzw. nochmal alles aus seiner Sicht zu schildern, aber am Prozess selbst würde er aufgrund seiner momentanen psychischen Verfassung nicht teilnehmen können. Paul nahm ein Diktiergerät aus seiner Tasche um das Gespräch aufzuzeichnen. Nach einem kleinen Testlauf, startete er das Band und Phil fing an zu erzählen. Als er damit fertig war, herrschte kurz Stille im Raum, keiner sagte der Anwesenden wagte etwas zu sagen. Franco legte ihm eine Hand auf die Schulter worauf er ihn mit einem traurigen sowie ernsten Gesichtsausdruck anschaute. Wieder kamen die Erinnerungen hoch. Mittlerweile konnte er damit umgehen, auch wenn es nicht gerade leicht war. Wie geht es jetzt weiter?  fragte dieser nun schließlich an Stephan gewandt. Nun, wir leiten alles weiter, damit der Schuldige seine gerechte Strafe erhält, erklärte er. Da wird einiges zusammen kommen, ergänzte Paul. Hoffen wir es meinte ihr Freund daraufhin noch leicht betrübt. Du wirst sehen Kumpel, alles wird gut werden, lachte Franco. Worauf Phil lächelte. Die Polizisten verabschiedeten sich, wünschten ihm weiterhin gute Besserung und fuhren zurück zur Wache. Sein  Kollege blieb aber noch bei ihm und sie unterhielten sich noch eine Weile. Die Zeit verstrich. Dann musste auch Franco los. Nun war Phil wieder allein, allein mit sich und seinen Gedanken. Vieles ging ihm in diesem Moment durch den Kopf. Vor allem fragte er sich, ob er je wieder als Notarzt arbeiten konnte. Verwarf diese  Gedanken jedoch schnell wieder. Ein steiniger Weg lag noch vor ihm, aber er hatte schon einiges geschafft und dass wollte er auch weiterhin. Er glaubte ganz fest daran. Der Rest des Tages zog sich zäh wie Kaugummi dahin. Phil war es langweilig und so versuchte er sich irgendwie sinnvoll zu beschäftigen. Seiner Meinung nach lag er schon zu lange hier. Manchmal war es schon frustrierend. Daher freute er sich sehr, als er noch Besuch bekam, die ihm Ablenkung brachte. Stimmung war heiter und ausgelassen. Ab morgen ging es endlich in die Reha. Deshalb hatten sie für ihren Freund und Kollegen noch ein kleines Abschiedsgeschenk, worüber er sich sehr freute. Es war ein kleines Buch, wo jeder etwas hinein geschrieben hatte. Dieses sollte ihn aufheitern, wenn er traurig wurde oder Sehnsucht nach daheim hatte. Phil bedankte sich freudestrahlend. Ein Motivationsschub, den er sicher sehr gut  brauchen konnte. Am nächsten Tag war es soweit. Geduldig wartete er auf seine Entlassung und darauf abgeholt zu werden. Allmählich wurde er doch aufgeregter und nervöser. Was ihn dort wohl erwarten würde? Aber es konnte nur besser werden.  Kurz darauf klopfte es an der Tür und nach einem herein betrat Pfleger Tobias mit einem Rollstuhl das Zimmer. Phil setzte sich mit etwas Hilfe hinein, nahm seine Tasche auf den Schoß und dann ging es Richtung Ausgang. Eigentlich konnte er schon einigermaßen mit den Unterarmgehstützen laufen, aber die Strecke wäre dann doch zu anstrengend gewesen. Draußen schien die Sonne. Neben dem üblichen Straßenlärm war Vogelgezwitscher zu hören. Phil bat für einen Augenblick inne zu halten. Er sog die frische Luft ein, genoss die warme Luft. Wie sehr hatte er es vermisst. Seine Sachen wurden verstaut. Danach wurde er ins Auto gesetzt, verabschiedete sich noch von Tobi, dieser wünschte ihm noch alles Gute und los ging die mehrstündige Fahrt. So gut es ging machte er es sich auf seinem Sitz bequem und versuchte ein wenig die Augen zu schließen. Phil fiel in einen traumlosen Schlaf. Erst als sie ihr Ziel erreicht hatten, erwachte er allmählich aus seinem Schlummer. Die Seitentür wurde geöffnet. Wir sind da, ertönte die Stimme des Fahrers. Na gut geschlafen? Fragte er grinsend. Sein Passagier nickte leicht. Die Reha-Klinik lag ziemlich ländlich fern ab der Zivilisation. Nach dem er ausgestiegen war, wurde er zur Anmeldung begleitet. Nachdem sie alle Formalitäten erledigt hatten, bekam sein Zimmer zugewiesen und einen Wochenplan. Dann stand noch eine Eingangsuntersuchung an. Danach wurde er aufs Zimmer gebracht und man half ihm noch auspacken. Alles wurde in einem Kleiderschrank gegenüber seine Bettes verstaut, nur das kleine Buch legte er in das Nachtschränkchen.  Das ist also
mein Zuhause für die nächsten Wochen, na dass kann ja was werden dachte Phil so vor sich hin. Er beschloss erstmal eine kleine Erkundungstour durch das Haus zu machen. Gegen Abend nahm er das Buch aus der Schublade und fing an darin zu blättern bzw. zu lesen. Alle Kollegen/innen der Wache hatten sich darin verewigt mit aufmunternden Worten, Gedichten und Versen, die ihm Kraft geben sollte. Ihm kullerte dabei die ein oder andere Träne über die Wangen. Er war sichtlich gerührt von soviel Zuspruch. Sein Kampfgeist war geweckt. In den nächsten Wochen kämpfte er sich durch die ganzen Therapien und  versuchte er mit sich geduldig zu sein, was nicht immer klappte. Letztendlich erzielte er immer mehr kleine Erfolge, was auch seine Therapeuten waren sehr freute. Die Gespräche mit dem Psychologischen Dienst verliefen ebenfalls zur vollsten Zufriedenheit. Das Traumatische Ereignis hatte Phil mittlerweile sehr gut verarbeitet.  Falls er mal traurig war, oder sich gerade einsam fühlte, nahm er sich das kleine Büchlein zu Hand las darin und schon war es wieder besser.  Auf der Rettungswache kehrte indessen wieder der Alltag ein. Zwar hielten sie Kontakt zueinander, aber trotzdem fehlte er ihnen und sie hofften ihn bald wieder bei sich haben.
Die Wochen vergingen, dann kam die Zeit zur Abreise. Draußen fuhr gerade ein Auto auf dem Parkplatz, welches Phil nach Hause bringen sollte. Darin saßen Franco und Dustin, die ihn abholen wollten. Nach dem sie sich nach ihrem Kumpel erkundigt hatten, liefen sie schnurstracks zu dem Zimmer und klopften an. Herein ertönte es und öffneten die Tür. Überraschung riefen beide lauthauthals und grinsten. Phil war im ersten Moment perplex und wusste erst gar nicht was er sagen sollte, aber dann konnte er sich ein grinsen nicht verkneifen. Er freute sich total. Sie nahmen seine Sachen, verabschiedeten sich noch und machten sich auf dem Weg zum Auto. Einige Stunden später waren sie endlich wieder daheim in Köln angekommen. In seiner Wohnung sah alles noch genauso aus, wie er sie zuletzt verlassen hatte, dafür hatte seine Mutter gesorgt. Sie hatte ja einen Ersatzschlüssel für den Notfall gehabt. Dafür war er ihr sehr Dankbar. Irgendwie war es komisch nach all der Zeit nach Hause zu kommen. Phil behielt trotz alle dem keine bleibenden Schäden zurück, lediglich ein paar Narben erinnerten ihn daran. Kurz darauf konnte er sogar wieder arbeiten. Pünktlich zur Frühschicht betrat er die Wache mit eher gemischten Gefühlen. Einerseits freute er sich andererseits haderte er kurz mit sich. Verwarf die Gedanken wieder und lief zur Umkleide. Als Phil fertig war ging er zum Aufenthaltsraum. Vor der Tür hielt er nochmal inne, holte tief Luft und betrat dann den Raum. Die anderen saßen am Tisch und schlürften bereits ihren morgentlichen Kaffee. Freudestrahlend und mit großen Applaus empfingen sie ihn. Damit hatte Phil nicht  gerechnet und war sichtlich gerührt. Er war vollständig gewesen, obwohl es noch vor Monaten so schlecht um ihn stand. Ihr Kollege war dem Tod näher als dem Leben gewesen und ist ihm doch noch von der Schippe gesprungen. Sie freuten sich, ihn wieder unter den Lebenden zu wissen.
Herr Berger wurde in der Zwischenzeit vom Strafgericht wegen wiederholter Trunkenheit am Steuer, Fahrerflucht mit unterlassener Hilfeleistung und schwerer Körperverletzung zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt. Außerdem muss er ein Schmerzensgeld bezahlen. Seine Frau ließ sich von ihm scheiden. Sie zog weg und fing in einer anderen Stadt ein neues Leben an.
                                                       
                                                                                                            - ENDE –
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