Have Yourself A Merry Little Christmas

von Caidh
GeschichteRomanze / P12 Slash
Ignis Scientia Prompto Argentum
09.12.2019
09.12.2019
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Seine Wangen glühten wie die gestrickte Wollmütze, die etwas schief auf seinem Kopf saß. Zumindest bildete er sich ein, dass er im Gesicht so rot wie die Mütze aussehen musste, die nur ein paar seiner blonden Strähnen der Kälte dieser Winternacht aussetzte und ihn ansonsten schön warmhielt. Oder wie einer der kandierten Äpfel, die an den unzähligen Ständen des Weihnachtsmarkts gegen kleines Geld offeriert wurden. Oder gleich wie ein ganzes Dutzend dieser süßen, klebrigen Früchte. Er fühlte sich wie ein rosiges, glückliches Schweinchen. "Jetzt brauche ich einen Apfel", murmelte er in seinen Schal und die Gläser seiner Brille beschlugen sanft.

"Hmm", machte der große Mann an seiner Seite. "Hast du etwas gesagt?"

Er schaute hoch in das Gesicht des Menschen, dessen Anblick sein Herz immer noch kleine Freudenhüpfer machen ließ, selbst noch nach all den Jahren, die sie einander kannten. Einander schätzten. Und einander liebten. "Alles in Ordnung!" erwiderte er mit einem Grinsen, das in seiner Vorstellung über beide seine Ohren reichte. Dabei machte er seine Augen kleiner, fast so schmal,  als ob er einer seiner Lieblingsmangahelden wäre, der gerade grenzdebil dämlich grinste. Denn dann wurden seine Augen wie Striche gezeichnet. Prompto wusste sehr genau, dass dieser Anblick dafür sorgte, dass das Herz seines Freundes vor lauter Haaaaaaaw überquoll. Ein leises "Haaaawww" ertönte und seine behandschuhe Hand wurde zärtlich gedrückt.

Yaaaasss! Gedanklich machte Prompto einen Haken auf seiner täglichen Bucket List. Iggy zum Haaaaaaawen bringen war ein Punkt, den er am liebsten jeden Tag abhaken wollte. Meistens klappte das. Manchmal nicht, wenn Ignis sich etwa den Tag über während seines Bürojobs zu sehr über Dinge ärgern musste. Ignis schimpfte dann laut und viel über die Kollegen, über die Chefs, über die Untergebenen und hatte am Abend dann einfach keine Energie mehr. Er zog sich auf die Couch zurück und ließ ein wenig gehaltvolles Fernsehprogramm über sich spülen, bis er schon nach wenigen Minuten einnickte. Prompto musste bei dem Gedanken schmunzeln, dass Ignis erst vor ein paar Tagen wieder eingepennt war, sogar schon bevor das Abendessen überhaupt fertig war. Der Jüngere der beiden Männer könnte seine ganzen Reichtümer darauf verwetten, dass die Gleichung Ignis plus Couch gleich Schlaf ergab. Sobald sich der Ältere sowie Größere in eine waagerechte Körperhaltung begab, waren seine wachen Minuten gezählt. Prompto fand das amüsant. Und manchmal auch ganz schön nervig.

Verstohlen schaute er hoch zu seinem Freund und ein warmes Lächeln schlich sich auf seine Lippen. Ja, es konnte nervig sein. Aber es war kein Grund für Prompto, diese Beziehung jemals aufzugeben. Manchmal war er sogar unheimlich neidisch auf diese Superpower.

Er schloss die Augen und lauschte auf die weihnachtliche Musik, die aus versteckten Lautsprechern gesandt durch seine Ohren flutete. Dann hob er seine Nase ein klein wenig und schnupperte. Der Duft von Zimt und Zucker und Karamell beherrschte die kalte Luft, die nur in der Nähe der Buden des Weihnachtsmarktes ein bisschen von Laternen, Öfen und Kerzenlicht gewärmt wurde. Prompto krauste die Stirn und schnupperte eine Spur lauter.

Ignis, der gerade an einem Becher Glühwein nippte, den er für sie beide am Eingang des Marktes geholt hatte, hielt inne und pustete dann behutsam in den Becher. Er schaute Prompto nach einem weiteren Schluck an. "Lass' mich raten, entweder Knoblauchmesmerize oder... gebrannte Kokosmandeln." Er lachte leise als Prompto erwischt die Augen verdrehte. "Ich würde sagen, dass es die Mandeln sind. Magst du welche haben?"

Prompto trat von einem Fuß auf den anderen. Er dachte an die Mandeln. Danach dachte er an den Inhalt seines Geldbeutels. Anschließend wurde die aktuelle gähnende Leere in seinem von einem Chocobo verzierten Portemonnaie wieder von dem Geruch nach dem frischen, warmen, in Kokosraspeln aus Lestallum gewendeten Knusperkrams verdrängt. Er seufzte. "Iggy, die Auftragslage deines freischaffenden Lieblingsfotografen ist dürftig und-"

Ignis schaute ihn an, ließ Promptos Hand los und legte einen Zeigefinger auf die Lippen des Jüngeren. "Mach' dir darum keine Gedanken, mein Herz. Es sind nur Mandeln."

"Ich weiß aber-"

"Kein Aber", entgegnete Ignis mit einem Lächeln und nahm dann wieder die Hand seines Freundes. "Komm."

Es war bereits spät und der Markt würde bald schließen. Aber solange die Holzhütten noch ihren winterlichen Glanz verbreiteten, würden sie bleiben. Es war nicht voll und das kam ihnen entgegen. Weder Prompto noch Ignis war ein großer Fan von Menschenansammlungen, und sie beide hätten auf dem Heimweg vom Kino einen Bogen um den Weihnachtsmarkt gemacht, wenn er völlig überlaufen gewesen wäre. Doch es war ein Tag unter der Woche und es herrschte eine eklige, klirrende Kälte. Deswegen waren nur wenige Bewohner der Stadt unterwegs und wahrscheinlich war es nur noch eine Frage von Minuten, bis die Kälte auch in die Knochen der beiden Männer kriechen würde. Dann wurde es Zeit aufzubrechen, nach Hause, und unter die warmen Decken ihres Bettes zu schlüpfen.

Aber noch war ihnen warm genug. Ein nahezu drei Stunden andauernder Actionfilm hatte seinen Teil dazu beigetragen. Prompto hatte schon fast wieder vergessen, was auf der Leinwand zu sehen gewesen war, abgesehen natürlich von dem monströs riesigen Kaiju mit Nuklearpuste in seinen Lungen. Zu sehr hatte er es genossen, dass Ignis den Arm um seine Schultern gelegt, ihn an sich gezogen und seine Lippen auf Promptos Haar gelegt hatte. Prompto hatte sich gefühlt für die nächste halbe Stunde in einen Berg warmflauschigen Wackelpuddings verwandelt, und die meiste Zeit des Films damit verbracht, seinen Iggy im flackernden Licht zu bewundern.

Sie hielten an einem Stand mit einer großen Auswahl von gebrannten Köstlichkeiten. Ignis reichte Prompto den Becher und suchte in der Tasche seines grauen Wollmantels nach seinem Portemonnaie. "Einmal die Kokosmandeln", meinte er zum Verkäufer, während Prompto einen Schluck vom gewürzten Wein nahm und die Wärme genoss, die langsam durch seinen Körper strömte. "Und einmal die Maronen." Geld wechselte den Besitzer, ebenso zwei kleine Tüten voll warmer Naschereien.

Ignis drehte sich mit einem Lächeln auf den Lippen um und hielt eine der beiden Papierbeutel hoch. "Kokosmandeln?" fragte er verschmitzt grinsend.

Prompto streckte die Hand danach aus, doch Ignis zog sie weg und hielt die Tüte so hoch, dass sein Freund sie nicht erreichen konnte, ohne sich vollkommen lächerlich zu machen, weil er dann nämlich wie ein kleines Kind hochspringen und versuchen würde, an seine Knuspermandeln zu gelangen. "Unfair", maulte er.

Ignis lachte. "Was bekomme ich denn dafür?"

"Ich zahle..." Prompto überlegte. "In Naturalien?" Bei seinem anschließenden Grinsen zeigte er seine Zähne. "Rawrrrrr", machte er wie ein Coeurl. "Bsummsummbritzel."

Die Überraschung stand seinem Gegenüber ins Gesicht geschrieben. "Bitte was?"

"Na, Coeurls sind doch elektrisch geladen."

Ignis gluckste. Dann trat er einen Schritt näher an seinen Freund heran, nahm beide Tüten in die Linke und zog den Handschuh von seiner Rechten. Er legte seine warmen und weichen Finger auf Promptos Wange und strich eine Schneeflocke fort, die darauf gelandet war. "Ein Kuss reicht für den Moment", erwiderte Ignis, neigte seinen Kopf und legte seine Lippen auf Promptos.

Als er blinzelnd seine Augen wieder öffnete und sein Herz aufgehört hatte, fünfunddreißig Purzelbäume pro Sekunde zu schlagen, lächelte Prompto. "Nomnomnom", machte er sehr plakativ und schnappte sich anschließend die Mandeltüte. "Noch mehr Nomnomnom!" Er reichte Ignis den Becher zurück und nur kurz darauf raschelte das Papier. Er steckte sich eine Mandel in den Mund und schloss seufzend die Augen. "Ommommmommmnochwarmheif!" Er tänzelte einen Moment und kämpfte gegen den Drang an, die heiße, süße Nascherei in den Schnee unter seinen Schuhen zu spucken. Ignis besah das Schauspiel einige Atemzüge lang und schlürfte einen weiteren Schluck Glühwein. "Ich muss dir nicht sagen, dass..."

Prompto rollte mit den Augen. "Nahaaain!" gab er zurück und fingerte bereits nach der nächsten Mandel.

Lächelnd schüttelte der größere von beiden den Kopf. "Du lernst es auch nie... warte einen Moment." Er machte ein paar Schritte zu einer anderen Bude, um sich den Pfand für den Becher zu holen.

Prompto schaute ihm hinterher. Ihm gefiel die große Gestalt mit dem kurzen Haar, mit der schmalen, randlosen Brille, mit all den Westen und Hemden, die Ignis wirklich ausgezeichnet standen. Und ihm gefiel noch mehr der Gedanke, dass dieser Mensch sein Freund war. Die Aussicht darauf, dass sie in weniger als zwanzig Minuten zu Hause sein und sich gegenseitig wärmen konnten. Kuscheln. In den Armen des anderen einschlafen und so ein bisschen mehr die Hoffnung auf einen ruhigen Schlaf und einen schönen Traum zu haben. Ein verträumter Blick schlich sich in seine Augen und von einem Moment auf den andern waren die Mandeln vergessen. Er war gefangen von dem Wesen, das sich in dieser Sekunde wieder umdrehte und die Brille auf seiner Nase ein Stück höher schob, bevor es die Hände in seinen Manteltaschen versenkte. Götter, durchfuhr es Prompto. Eigentlich zu schön, um wahr zu sein.

Es machte ein leises Geräusch als eine Papiertüte in den frischen Schnee fiel.

"Oh", sagte Ignis als er bei Prompto ankam und sich bückte. "Du hast da was verloren." Er schaute auf. "Vielleicht sind deine Handschuhe aus Teflon. Einen solltest du ausziehen, wenn dir dein Naschwerk schon entgleitet." Er lächelte ein warmes Lächeln und zog am Stoff, der Promptos Hand bedeckte. Ohne Probleme glitt der Handschuh von den Fingern des Blonden, der den immer noch vor ihm hockenden Ignis wortlos anstarrte. Er fühlte sich auf einen Schlag ganz merkwürdig.

"Sweetling", sagte Ignis schließlich nach ein paar Atemzügen und sah plötzlich ganz feierlich aus. Er legte seine Finger zärtlich um Promptos und strich mit dem Daumen über den Handrücken. "Weißt du, dass du mich jeden Tag aufs Neue rettest? Vor der Banalität des Lebens und vor der Kälte der Gesellschaft. Deswegen..." Bei diesen Worten griff er in die Tasche seines Mantels und zog ein Stückchen Papier hervor, das er zu einem ringförmigen, weißen Etwas verdreht und verknotet hatte. "Möchtest du für immer an meiner Seite sein? Durch Senkrechte und Waagerechte?"

Prompto glaubte, dass sein Herz absolut stillstand und in der nächsten Sekunde explodieren würde, als Ignis den Papierring vorsichtig auf seinen Finger schob.
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