Nur ein Traum

GeschichteKrimi, Romanze / P16
08.12.2019
08.12.2019
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08.12.2019 8.140
 
Kriminalkommissar Nikolas Held saß im Auto auf der Autobahn A43 kurz hinter Münster. Er war ungeduldig, denn die Fahrt von der Schulung in Hamburg zurück nach Bochum zog sich in die Länge. Normalerweise kam ihm die Rückfahrt nach Hause immer kürzer vor als die Hinfahrt. Heute war es umgekehrt. Das lag bestimmt daran, dass er sich so auf Ellen freute. Am Morgen hatte er in den letzten Schulungsstunden bis zum Mittag im Seminarraum gesessen und abwesend angestrengt überlegt, wie er es anfangen sollte Ellen am Wochenende zu sehen, ohne dass Emily Verdacht schöpft. Als er nach dem Abschlussseminar sein Handy wieder einschaltete, war er erfreut und erstaunt. Er hatte eine SMS von Emily, in der sie ihm bat, wenn er zurück ist, gleich vorbeizukommen. Sie hätte mit ihm etwas Wichtiges zu besprechen. Seither rätselte er, was es wohl sein könnte. Es freute ihm aber, dass sie sich wieder mit einem eventuellen Problem an ihn wandte. Seitdem Gott sei Dank abgewandten Wechsel der Bannenbergs nach Passau und seiner kurzen Affäre mit Julia, hatte sie dies selten getan. Da er ihr damals nicht genau zugehört und sogar gelacht hatte, als sie bei ihm einziehen wollte, um ihr nicht eine abschlägige Antwort geben zu müssen. Die Fahrbahn weiter im Auge behaltend griff er in die Chipstüte auf dem Beifahrersitz. Als er keinen mehr fand, fluchte er innerlich. Zum Glück wurde der nächste Rastplatz angezeigt. Um seinen verbrauchten Vorrat wieder aufzufüllen, fuhr er diesen an. Als er mit einer Chipstüte, kandierten Nüssen und Gummibären wieder ins Auto stieg, summte sein Handy. Es war eine SMS von Ellen.  
Schatz wir können uns heute nicht sehen. Ich muss unbedingt noch eine Akte wegen eines Gerichtstermines am Montag überprüfen und dann hat Emy eine Überraschung für mich. Ich hoffe ich kann mich Morgen mit dir treffen.
Ich liebe Dich!
Ellen
Von einem Ohr zum anderen lächelnd überlegte er, was er ihr antwortet. Dann kurz entschlossen schrieb er nur.
Hallo mein blonder Engel, wir telefonieren heute Nacht vor dem Schlafengehen.
Küsschen Nikolas
Erwartungsvoll startete er seinen Wagen und fuhr weiter.
Kurz nach achtzehn Uhr parkte er den Wagen vor dem Haus der Bannenbergs. Er hatte die Stufen zur Haustür halb erklommen, da wurde diese von innen schon geöffnet und Emily kam ihm entgegen.
Mit den Worten … „Hallo Nicolas, schön dass du da bist.“ … drückte sie ihm zu seiner Überraschung rechts und links ein Küsschen auf die Wangen mit dem drei Tage Bart.  
„Hallo Prinzessin, oh Pardon junge Dame! Du wirst mit jedem Tag hübscher und deiner Mutter ähnlicher. Du wolltest mit mir etwas besprechen, wie kann ich dir helfen?“ Lächelnd schaute er ihr erwartungsvoll ins Gesicht.
„Erst einmal kannst du mir helfen, den Grillabend vorzubereiten. Würste, Fleischspieße und Brätel sowie Grillgemüse habe ich schon besorgt. Nur den obligatorischen Salat für Mum müssen wir noch anrichten. Dann wären die Gartenmöbel und der Grill auch noch aufzubauen, die stehen noch im Keller. Du siehst es ist noch einiges zu tun, geh doch gleich nach hinten in den Garten. Ich bringe dir gleich ein kühles Bier oder willst du lieber ein Wasser?“
Überrascht fragte Nikolas noch mal nach. „Ich soll heute Abend mit euch grillen, wer kommt denn noch?“
Jetzt lachte Emy, es klang für Nikolas wie das Lachen ihrer Mutter, dann antwortete sie. „Klar doch! Das letzte Mal haben wir mit Papa zusammen gegrillt. Ich hatte wieder Lust darauf. Zum Grillen braucht man einen Mann und da du unser Freund bist, habe ich an dich gedacht.“
„Ok, das ist eine prima Idee von dir. Danke, dass du an mich gedacht hast. Zeigst du mir, wo die Gartenmöbel und der Grill stehen?“ Gemeinsam gingen sie in den kleinen Garten hinterm Haus.

Um kurz vor halb acht Uhr abends fuhr Ellen Bannenberg an ihrem Haus vor. Beim Einparken ihres Mercedes erkannte sie drei Fahrzeuge weiter den Wagen von Nikolas. Ihr Herz machte einen Freudensprung, aber ihre Gedanken überschlugen sich. Was wollte er hier? Hatte seine Anwesenheit mit der Überraschung von Emily zu tun? So schnell als möglich schloss sie den Wagen ab. Schnellen Schrittes eilte sie die Stufen hinauf. Sie musste zwei Mal versuchen den Schlüssel ins Schloss zu stecken, so aufgeregt war sie. Als sie endlich eingetreten war, zog sie ihre Jacke aus, stellte ihre Tasche auf den Schuhschrank und ging in Richtung Wohnstube. Nachdem sie diese betreten hatte, sah sie, dass die Tür zum Garten offenstand. Das dunkle Lachen von Nickolas, welches ihr unter die Haut ging klang herein. Sie ging durch die Stube und blieb erstaunt in der Tür stehen. Emily und Nikolas saßen auf den Gartenstühlen am zum Essen gedeckten Tisch. Über ihnen leuchtete die Lampionlichterkette, welche auch bei den Gartenmöbeln im Keller gelagert hatte. Die auf dem Grill liegende Holzkohle war fast durchgeglüht.
„Jetzt könnte Mum aber langsam kommen, ich habe Hunger!“ Sagte Emily zu Nikolas, der gerade einen Schluck Bier nahm.
„Ich bin schon da Schatz. Guten Abend Herr Heldt!“ Begrüßte Ellen in den Garten tretend die Beiden.
„Emily, wenn deine Mutter jetzt da ist, können wir anfangen. Holst du bitte das Grillgut.“ Mit diesen Worten war Nikolas aufgestanden und zu Ellen getreten. Ihr seine Hand reichend begrüßte er sie lächelnd. „Guten Abend Frau Staatsanwältin, schön sie zu sehen. Emily hatte Appetit auf Gegrilltes, da hat sie mich gebeten ihr behilflich zu sein und mit euch zu grillen. Sie wollte ihre Mum überraschen.“
Emily war auch aufgestanden und an ihnen vorbei ins Haus gegangen. Nikolas sah ihr hinterher. Als sie nicht mehr zu sehen war zog er Ellen in seine Arme und küsste sie leidenschaftlich. Nach dem Kuss flüsterte er ihr ins Ohr. „Ich liebe dich, das waren drei unendlich lange Tage ohne dich Schatz.“ Als er Emily aus der Küche kommen sah, trat er schnell einen Schritt zurück. Dann ging er ihr entgegen und nahm die Schüssel mit den Würsten. Eine halbe Stunde später saßen sie alle Drei am Tisch und aßen. Nikolas hatte sich sogar von dem Salat, welchen Emily angerichtet hatte, auf seinen Teller zum Steak aufgetan. Er musste sich eingestehen, es schmeckte ihm sehr gut. Daher sagte er jetzt. „So einen Start ins Wochenende lasse ich mir gefallen, vielen Dank für die Einladung Emily.“  Dann nahm er die Bierflasche um zu trinken.          
„Das kannst du öfters haben. Die einzige Bedingung, ich muss dich nicht Paps nennen. Mum muss dann auch keine Überstunden und Besprechungen erfinden, um dich zu treffen. Ihr seid doch zusammen oder liege ich da falsch?“
Nikolas hatte sich nach den ersten Worten von Emily am Bier verschluckt, hustete und prustete. Ellens Hand mit der Gabel, auf welcher ein Stück Gurke steckte, blieb auf halben Weg zum Mund stehen. Erschrocken und erstaunt sah sie ihre Tochter an.
Nachdem Nikolas ausgehustet hatte erwiderte er. „Ja Emy, wir sind zusammen. Aber so kurz nach dem Tod deines Vaters wollten wir es langsam angehen. Dann ist da noch die Frage, ob es für dich in Ordnung ist. Ich liebe euch beide, seit ich jede von euch das erste Mal gesehen habe. Wenn du es nicht möchtest, ziehe ich mich zurück. Ich möchte aber dann trotzdem dein Freund weiter bleiben. Ich habe wegen der Sache mit Passau und Julia sowieso ein schlechtes Gewissen dir gegenüber.“
Hier hakte sich Ellen, die Gabel ablegend, in das Gespräch ein. „Schatz, zu Passau muss ich dir noch sagen, der Hauptgrund für den Wunsch nach Wechsel war nicht der Karrieresprung. Sondern, ich konnte Nikolas einfach nicht mehr jeden Tag sehen. Es hat mich bald zerrissen. Ich liebte ihn, hätte ihn aber auch bei jedem Treffen schlagen können.“
„Na ja, da trage ich die Hauptschuld. Jedes Mal, wenn wir fast zusammengekommen sind, habe ich es versemmelt. Genau genommen habe ich auch heute noch Angst, dass es nur ein Traum ist oder ich es wieder verdaddele.“ Wurde sie von Nikolas ergänzt.
„Was sollte ich dagegen haben, seit dem Teambildungsseminar hat Mum sich verändert. Sie ist nicht mehr immer so ernst. Wenn ich mal wieder rum zicke, steht sie gelassen über den Dingen. Sie wirkt einfach glücklich. Ich habe es nicht gleich gemerkt, aber meine Freundin hat mich gefragt, ob Mum einen neuen Freund hat. Das hat mich darauf gebracht und dein Bild mit der Rose im Mund. Sorry Mum, als du das Eis geholt hast konnte ich der Versuchung nicht wiederstehen, bei der Eingangsmeldung deines Handys, es mir anzusehen.“
Als Emily hier eine Pause machte, sagte Nikolas schnell, um eine Strafpredigt von Ellen abzuwenden. „Ok, da du damit einverstanden bist, dass ich deine Mutter liebe. Wäre es dafür dich auch ok, wenn ich ab und an bei euch über Nacht bliebe? Um zu probieren, ob wir im privaten Alltag zusammenpassen. Was meinst du?“
„Ich habe euch doch schon gesagt, dass es für mich ok ist. Wenn du da bist, kann ich doch mit meinen Freundinnen losziehen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, Mum wieder alleine zu Hause zu lassen.“ Antwortete Emily jetzt etwas ungehaltener.
„Wow!“ Kam es von Nikolas. „Du bist ja schon richtig erwachsen, vor dieser Aussprache habe ich mich etwas gefürchtet. Ich dachte du wärst eifersüchtig und willst deine Mutter nicht mit mir teilen. Aber Emy, auf dem Revier sollen sie es noch nicht wissen. Obwohl ich fürchte, Frau Dr. Holle hat Verdacht geschöpft und weiß es schon. Sie wird es aber nicht, wenn wir das nicht wollen, den Anderen weitersagen.“
„Ja, das glaube ich auch. Ich würde jetzt gerne etwas Musik hören, machst du bitte welche an.“ Sagte Ellen, Emily dabei anschauend.
„Klar Mum, ich habe da nach dem Besuch der neuen Diskothek ein paar Lieder gestreamt. Die gefallen euch bestimmt auch.“ Dann stand sie auf und ging ins Haus, gleich darauf erklang ein Lied der Stones. Nikolas rückte seinen Stuhl eng neben den von Ellen und setzte sich wieder. Ellen legte ihren Kopf an seine Schulter und genoss den Moment. Emily kam wieder heraus und setzte sich zu ihnen. Nach Beendigung des ersten Musikstückes erklangen die ersten Takte von Alphavilles Version von Forever Young. Ellen bemerkte sofort das etwas nicht stimmte, Nikolas versteifte sich, ein leichtes Zittern durchlief seinen Körper. Sie richtete sich erschrocken auf und sah Nikolas verstört an. Sein Blick war starr geradeaus gerichtet, Tränen standen in seinen Augen und er hauchte leise. „Nicht dieses Lied, nein nicht dieses Lied.“ Aufgeregt sagte Ellen etwas lauter zu Emily. „Schnell die Musik aus, mach, mach!“ Emily war erschrocken aufgesprungen und eilte ins Haus. Die Musik verstummte und Ellen nahm Nikolas Hände in die ihren. Emily, die heraus gekommen war setzte sich wieder zu ihnen. „Mum, Nikolas, was war denn das gerade?“
Ellen zuckte mit den Schultern und sah Nikolas an. „Ich weiß nicht! Sie schaute Nikolas an, dessen Gesicht und Haltung sich langsam entspannten. „Schatz?“
Nikolas atmete tief durch, um dann zu einer Erklärung anzusetzen. „Da ich mein Leben in Zukunft mit euch teilen möchte, muss ich es euch erklären. Bitte spielt dieses Lied nie wieder in meiner Gegenwart. Der einzige der das bisher wusste ist mein Freund Carlo. Ihr wisst ja, meine Eltern hatten auch eine Diskothek. Der Tag, an dem sie ermordet wurden, war ihr Hochzeitstag. Nach dem sie die Abrechnung des Tages fertig hatten, haben sie zu diesem Lied getanzt und ich habe ihnen von hinter der Theke aus zugesehen. Das sah so schön aus und meine Mutter war so glücklich. Dann kam der Killer, die Schüsse, das Blut und alles war auf einmal anders. Mum und Dad tot, ich im Heim und verschiedenen Pflegefamilien. Jedes Mal, wenn ich das Lied höre, sehe ich meine toten Eltern und den Killer.“ Als er fertig war, nahm ihn Ellen in den Arm. Emily trat zu ihnen und legte gleichfalls ihre Arme um sie. „Sorry, das konnte ich ja nicht wissen, es kommt nicht wieder vor. “

Es wurde für Nikolas das schönste Wochenende seines bisherigen Lebens. Nachts Ellen lieben und mit ihr kuschelnd einschlafen. Gemeinsam aufwachen um dann morgens zu Dritt zu frühstücken. Am Samstag gemeinsam einkaufen, auch den Frauen beim Kochen helfen und das gemeinsame Essen mit kleinen Blödeleien. Am Sonntag waren sie nach Duisburg-Beek zur Kirmes gefahren. Montag früh fuhren alle Drei getrennt ab. Emily mit dem Fahrrad, sie hatte für nach der Schule eine Verabredung mit ihrer Freundin. Ellen musste gleich zum Gericht und fuhr als Letzte los. Nikolas fuhr direkt ins Präsidium.
Zwei Straßen weiter kam ihm ein schwarzer Van von Kia entgegen. An der Seite trug er die Aufschrift -Diskothek Forever Young-. Erstaunt schaut er ihm kurz hinterher um sich dann wieder auf die Fahrbahn vor sich zu konzentrieren. Am Präsidium angekommen parkte er ein. Beim Aussteigen sah er sich um. Das Auto von KHK Grün stand noch nicht auf seinen Platz. Das Fahrrad von Mario Korthals war gleichfalls noch nicht angekettet. Er war der Erste, schmunzelnd ging er in Richtung Eingang.
„Guten Morgen, was ist denn heute los? Sind sie aus dem Bett gefallen, dass sie schon da sind.“ Frau Dr. Holle kam von der anderen Seite des Parkplatzes zu ihm heran.
„Nein, nicht rausgefallen, rausgeschubst. Guten Morgen Frau Dr. Holle.“ Diese zog bei der Antwort das rechte Augenlied leicht nach oben und murmelte nur. „So, so!“ Gemeinsam betraten sie das Präsidium. Als Polizeihauptmeister Mario Korthals kurze Zeit später in ihr gemeinsames Büro kam, saß Nikolas Heldt gut gelaunt vor sich hin summend an seinem Schreibtisch und las den Tätigkeitsbericht vom Wochenende. Nach einem Morgengruß fragte er erstaunt. „Was ist denn mit dir los Nikolas, bist du krank? Montags kommst du doch eigentlich immer später als sonst, brummst und grummelst vor dich hin. Den Tätigkeitsbericht liest doch sonst immer Herr Grün.“
Nikolas sah auf und antwortete ihm. „Herr Grün ist noch nicht da, da dachte ich, ich arbeite für die Dienstbesprechung schon mal vor.“ Dann wandte er sich dem Bericht wieder zu. Mario Korthals trat an seinen Schreibtisch, startete den Computer und legte Fahrradhelm und Aktentasche ab. Dann setzte er sich und wandte sich dem Bildschirm zu. Sein Ausruf … „Das gibt es doch nicht, Nikolas schnell!“ … ließ Nikolas auffahren, zu ihm eilen und auf seinen Bildschirm schauen. Auf dem Bildschirm war eine E-Mail aufgeblendet.
Wir haben Richter Heiko Müller, Staatsanwältin Ellen Bannenberg und Kriminalhauptkommissar Detlev Grün. Sitzt Ex-Innenminister Uwe Herbst nicht im nächsten Flugzeug (Direktflug) von Düsseldorf nach Rio de Janeiro wird die erste Geisel erschossen, eine Woche später die Nächste und so weiter.
„Schnell Corti, druck das aus! Dann versuchst du eine Nachverfolgung der Mail. Ich glaube aber, dass es zwecklos ist! Trotzdem versuch es.“ Sein Gesicht war hart geworden. „Schick vorher einen Streifenwagen mit Kollegen, die sie kennen, zu Emily Bannenbergs Schule. Sie sollen auf sie aufpassen. Sie hat heute sieben Stunden, danach sollen sie Emily hierherbringen. Ich gehe jetzt zum Oberstaatsanwalt!“ Er nahm die ausgedruckte Mail und verließ das Büro. Stürmte die Treppe zur Staatsanwaltschaft hinauf. Während des Laufens versuchte er Ellen und Herrn Grün auf ihren Handys anzurufen. Beide Geräte waren abgeschaltet. Oben angekommen, riss er die Tür zum Vorzimmer des Oberstaatsanwaltes auf und eilte wortlos, ohne auf die protestierende Sekretärin zu beachten hindurch. Klopfte kurz und trat sofort, ohne auf eine Aufforderung zum Eintritt zu warten, ein. Der Oberstaatsanwalt telefonierte gerade. Sah entgeistert zu Nikolas und sagte in den Hörer. „Einen Moment bitte.“ Nikolas war zum Schreibtisch getreten, hatte den überraschten Staatsanwalt den Hörer aus der Hand gewunden und aufgelegt. Dann hielt er ihm die E-Mail hin. „Bitte lesen sie, dann wissen sie warum. Ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Ich habe versucht die Staatsanwältin und KHK Grün auf ihren Handys zu kontaktieren. Beide Geräte sind tot. Ich habe schon eine Streife zum Schutz der Tochter der Staatsanwältin abgestellt. Die Drei in der Mail genannten haben maßgeblich zur Verurteilung von Herbst dem ehemaligen Innenminister beigetragen. Polizeihauptmeister Korthals versucht gerade die Mail nachzuverfolgen. Wir glauben zwar nicht an einen Erfolg. Ich fahre gleich die Fahrstrecke der Staatsanwältin ab, vielleicht finde ich den Ort der Entführung. PHM Korthals beauftrage ich vorher sämtliche Kontakte von Herbst in der JVA zu erfassen und zu überprüfen.“
„OK, wir bilden eine SOKO. Die Leitung übernehme ich persönlich. Sie berichten mir sofort über neue Erkenntnisse.“ Kamen die Anweisungen des Oberstaatsanwaltes. Nikolas nickte nur und verließ eilig das Büro. Eine viertel Stunde später hatte er Mario Korthals instruiert und saß im Auto um die Fahrstrecke von Ellen abzufahren. Gleichzeitig machte sich ein Streifenwagen auf den Weg um Herrn Grüns Fahrstrecke zu überprüfen. Nach zwei Stunden stand fest, nicht nur Ellen, Herr Grün und der Richter waren verschwunden, sondern auch ihre Autos. Der Oberstaatsanwalt ließ sofort eine landesweite Großfahndung auslösen. Wieder im Revier reichte ihm Mario Korthals einen Ausdruck, auf der Besucherliste des ehemaligen Innenministers standen nur zwei Personen. Sein Verteidiger mit einem Besuch und dreimal hatte ihn eine Spanierin Consuela Valdez besucht. Bei der Überprüfung ihrer Person stutzte Nikolas. „Das gibt es doch nicht, ihre Adresse ist unsere alte Adresse, Korthi. Da habe ich mit meinen Eltern gewohnt. Kannst du überprüfen wem die Wohnung oder das Haus jetzt gehört. Ich habe da so eine Ahnung, ich muss schnell mit Emily sprechen ich fahre zur Schule.“ Er wollte gerade zur Tür hinaus, als es hinter Korthals Bildschirm hervorklang. „Bingo, Nikolas das Haus gehört der Bochum Gastro Entertain GmbH.“
Nikolas drehte sich überrascht um. „Kannst du mir einen Gefallen tun und mal recherchieren, was aus der Diskothek Black Ligth geworden ist. Es ist nur so eine Ahnung, ich glaube aber, es könnte sich daraus eine Spur ergeben.“ Dann stürmte er zur Tür hinaus und zum Parkplatz. Als er in der Schule ankam, hatte gerade die große Pause begonnen.
Er trat zu dem Streifenwagen. „Alles ok Leute?“
„Ja Kommissar, nur der Van dort ist, bevor er einparkte dreimal vorbeigekommen.“ Als Nikolas in die Richtung blickte, stiegen gerade zwei Männer in dunklen Anzug und mit Sonnenbrillen aus.
„Los Leute macht euch um die Ecke und kommt unbemerkt zurück. Ich passe hier auf, vielleicht gilt das der Tochter der Staatsanwältin.“ Während er sprach hatte er mit Blicken den Schulhof abgesucht und Emily gefunden. Sie stand unweit des Haupteinganges mit ein paar Mädchen und schaute auf ihr Handy. Der Streifenwagen fuhr ab und Nikolas betrat den Schulhof. Hier stellte er sich im Rücken von Emily hinter eine Gruppe von Jungs. Die Männer betraten den Schulhof und blieben kurz stehen. Einer von Ihnen hatte ein Smartphone in der Hand. Er blickte abwechselnd darauf und in die Runde. Dann sagte er zu dem zweiten Mann etwas und setzte sich in Richtung von Emily in Bewegung. Als sie die Gruppe der Mädchen fast erreicht hatten, trat er hinter den Jungs vor und stellte sich vor die Mädchen. Dann sprach er die Männer an. „Hey, Jungs! Wo wollt ihr denn hin, ihr gehört doch nicht zur Schule. Unbefugten ist das Betreten verboten.“ Der Mann mit dem Smartphone trat zu ihm und antwortete mit einem Akzent. „Wir sollen Emily Bannenberg abholen und sie zu ihrer Mutter der Staatsanwältin bringen Señor.“
„Das glaube ich nicht mein Freund, Emily bleibt hier und ihr Beiden seid verhaftet. Dabei hatte er mit der linken Hand seine Handschellen gezogen und hielt sie hoch.“ Erschrocken waren die Beiden stehengeblieben. Der Hinterer wollte sich umdrehen, als sich eine Hand auf seine Schulter legte.
Die beiden Beamten aus dem Streifenwagen waren unbemerkt zurückgekommen und verhafteten nun die Männer. Nikolas hatte einen Asservatenbeutel aus der Jacke gezogen, hielt diesen dem Mann mit dem Smartphone entgegen und sagte. „Das Telefon hier hinein bitte.“ Dann legte er ihm die Handschellen an.
„Ab mit ihnen aufs Revier und das Telefon sofort zu Frau Dr. Holle. Ich komme dann mit Emily Bannenberg nach.“
In seinem Rücken erklang es jetzt „Was war denn das! Hallo Nikolas!“ Er drehte sich langsam um und trat zu Emily. „Hallo, komm wir müssen uns drinnen unter vier Augen unterhalten.“ Erstaunt folgte Emily ihm. Im Schulgebäude angekommen schaute Nikolas kurz auf den neben der Tür hängenden Gebäudeplan und ging weiterhin wortlos in Richtung Direktorat. Emily die ihn so nicht kannte schaute immer wieder in sein Gesicht, dann platzte es aus ihr heraus. „Was ist los Nikolas? Ist was mit Mama?“ Abrupt blieb Nikolas stehen und sah sie ernst und mit traurigem Blick an. „Man Emily, dir kann ich nichts vormachen, du kennst mich zu genau. So wie es aussieht, ist sie entführt worden und das da draußen, war der Versuch dich auch zu holen.“ Entsetzt hatte ihn Emily zugehört. Mit Tränen in den Augen fragte sie nur. „Und nun!“
„Nun, finde ich sie! Keiner nimmt mir die Frau, und dir die Mutter weg, wenn sie es nicht will. Komm wir müssen ins Direktorat. Du kannst, bis die Sache abgeschlossen ist, nicht in die Schule.“ Nach einer viertel Stunde hatten sie das mit der Direktorin geklärt. Nikolas hatte sogar mit ihr vereinbart, dass Arbeitsblätter zum aktuellen Stoff und die Hausaufgaben als E-Mail ins Präsidium geschickt werden. Sie holten Emilys Schulsachen, stellten das Fahrrad beim Hausmeister ein und fuhren zu den Bannenbergs nach Hause. Hier packte Emily eine Sporttasche mit Wechselwäsche und Kosmetikutensilien, dann machten sie sich auf den Weg ins Präsidium. Irgendwie fühlte Nikolas sich unwohl. Immer wieder checkte er die Rückspiegel, konnte aber kein Fahrzeug identifizieren, welches ihnen folgte. Trotzdem fühlte er sich beobachtet und nicht wohl in seiner Haut. Während der Fahrt fragte er Emily. „Du sag mal, du hast doch am Freitagabend von einer neuen Diskothek gesprochen. Wie hieß die noch mal und wo ist die?“
Emily schaute ihn von der Seite an. „Einen Namen habe ich dir nicht gesagt, aber sie heißt genauso wie das Lied, du weißt schon welches.“ Dann nannte ihn Emily die Adresse der Diskothek seiner Eltern als Standort der Neuen. Jetzt war sich Nikolas sicher, dass Herbst hinter der ganzen Sache steckt. Im Präsidium angekommen wurde er sofort von Korthi zum Oberstaatsanwalt geschickt. Als er das Vorzimmer von diesem betrat wies die Sekretärin auf dessen Bürotür und sagte. „Bitte, sie sollen sofort reinkommen.“
Mit einem … „Danke!“ … in ihre Richtung klopfte er. Diesmal wartete er bis er ein … „Herein!“ … hörte und trat dann ein. „Ah, Herr Held, etwas Neues, außer der zwei Herren vom Sicherheits- und Personenschutz Malle, die wir wieder laufenlassen mussten.“ Entgeistert sah ihn Nikolas an. „Wie laufen lassen, die wollten Emily entführen und sie lassen sie laufen?“
„Sie haben mir einen schriftlichen Auftrag vorgelegt, dass sie die Tochter der Staatsanwältin abholen und in eine sichere Wohnung verbringen und dort dann bewachen sollten. Im Übrigen, wir sind raus, das LKA übernimmt. Die Sache ist zu groß für uns. Richter Müllers Frau ist auch verschwunden, Nachbarn haben sie heute Früh gemeinsam wegfahren sehen.“ Entgeistert hatte ihn Nikolas angesehen. „Was ist mit Herrn Grüns Frau?“  
„Die ist zu Hause, ich habe schon einen Streifenwagen als Wache postiert.“ Antwortete ihm der Oberstaatsanwalt.
„Ok, wenn sie mich nicht mehr brauchen, dann bin ich erst einmal in meinem Büro, Herr Oberstaatsanwalt.“ Mit diesen Worten drehte sich Nikolas um und wollte den Raum verlassen. „Keine Alleingänge Herr Held! Haben wir uns verstanden?“ Sagte verabschiedend der Oberstaatsanwalt.
„Ich weiß Herr Oberstaatsanwalt. In so einer Sache kommt man alleine nicht weit.“ Erwiderte Nikolas und ging.
In seinem Büro angekommen sah er, dass Emily seinen Computer gestartet hatte und im Internet surfte.
Er ging zu Korthi rüber und fragte. „Was hast du für mich? Wem gehört das Forever Young?“
„Du weißt es also schon, das Black Ligth ist jetzt das Forever Young. Besitzer ist eine Forever Young GmbH. Die ist wiederum eine Tochterfirma der Bochum Gastro Entertain GmbH. Der neue Betreiber und Besitzer von Beiden Firmen ist ein Pablo Valdez. Er ist an der gleichen Adresse wie Consuela Valdez gemeldet. Die Beiden sind Geschwister und seit dem Prozess gegen Herbst in der Stadt. Consuela Valdez ist Geschäftsführerin des Sicherheits- und Personenschutzes Malle. Und sie haben noch eine vierte Firma, eine Grundstücksgesellschaft. Die haben riesige Industriebrachen im Ruhrgebiet aufgekauft.“
„Also fassen wir mal zusammen. Herbst hat auf Malle das Geldwäschesystem aufgebaut. Wie es aussieht hat er auch Teile davon bei uns etabliert, ohne dass wir das so richtig bemerkt haben. Ich habe mit der spanischen Polizei und dem LKA auf Malle den Großteil davon zerschlagen. Der Teil bei uns hat sich gefestigt und wird von Spaniern, die wir auf Malle nicht gekriegt haben, geführt und nun versuchen sie Herbst zu befreien. Der Oberstaatsanwalt hat uns einen Maulkorb verpasst. Korthi, wir brauchen viel Hilfe, sprich du mit den Streifenbeamten so halb privat. Sie sollen auf Fahrzeuge achten, die den drei Firmen gehören. Die bevorzugen, wenn ich das mir so richtig zusammenreime Vans von Kia. Heute Früh als ich zum Revier gefahren bin, ist mir einer mit der Aufschrift der Diskothek begegnet und vor der Schule das Fahrzeug trug die Aufschrift des Sicherheitsdienstes. Wenn irgendetwas außergewöhnliches passiert, sollen sie mich, wenn möglich als ersten informieren. Ach, und check doch mal, ob die irgendwo sich Knöllchen eingefangen haben. Falsches Parken, überhöhte Geschwindigkeit, das volle Programm. … Komm Emily, wir Zwei organisieren uns jetzt die außerplanmäßige Hilfe.“
Gemeinsam mit Emily fuhr er in sein Stammlokal, die Brenn.Bar. Als sie ankamen checkte er die abgestellten Fahrzeuge. Das Taxi von Achmed stand noch nicht da. Nikolas nahm das Telefon und rief ihn an, um ihm mitzuteilen, dass er hier auf ihn wartet. Dann gingen sie gemeinsam in das Lokal. Nikolas bestellte für Emily Pommes und Saft und für sich eine Frikadelle und ein alkoholfreies Bier. Kurz darauf kam Achmed und begrüßte ihn. „Hey, was ist mit dir los? Erst hört und sieht man von dir ne Woche lang nichts. Dann bestellst du mich dringend hier her. Zu allem Überfluss sitzt du hier alkoholfrei. Bist du krank oder geht die Welt unter?
„Tag Achmed, danke, dass du so schnell da bist. Emily kennst du?“ Dabei reichte er Achmed seine Hand.
Emily sagte nur kurz. „Hey“
„Also Achmed!“ Fuhr Nikolas mit etwas abgedämpfter Stimme fort. „Die Welt geht nicht unter, aber die Frau Staatsanwältin und Herr Grün sind entführt worden. Ich brauche deine Hilfe, das LKA hat den Fall an sich gezogen. Nur, bis die so weit sind, ist es vielleicht zu spät. Hilfst du uns?“  
„Klar, wie kann ich helfen?“ Kam es sofort von Achmed.
„Hör dich mal um, wo die Fahrzeuge von der Diskothek Forever Young und dem Sicherheits- und Personenschutz Malle so rumfahren. Meistens sind das Kia Vans mit getönten Scheiben. Da hängt noch so eine Grundstücksgesellschaft drin. Die hat hier eine Menge Gebäude und Industriebrachen gekauft. Wenn wir wissen, wo die Wagen häufig waren oder sind, können wir das Suchgebiet eventuell schon eingrenzen. Infos aber nur an mich, klar. Danke dir, wir müssen auch gleich weiter, die haben heut auch versucht sich Emily zu holen. Zum Glück war ich aber rechtzeitig vor Ort. Bis dann!“ Mit diesen Worten klopfte er Achmed auf die Schulter und Emily verabschiedete sich mit einem kurzen „tschüss!“
Sie waren gerade aus der Parklücke herausgefahren, da kam über Funk die Meldung. Im Norden von Bochum wurde ein abgestellter Mercedes gefunden. Auf dem Beifahrersitz saß eine erschossene blonde Frau. Nikolas kurbelte das Fenster runter stellte das Blaulicht aufs Dach und gab Gas. Emily saß auf dem Beifahrersitz, sagte kein Wort und Tränen kullerten ihr über die Wangen. Zehn Minuten später schoss der Wagen um die Kurve in die Straße, in der der Fund gemeldet worden war. Sofort musste er in die Bremsen treten um nicht in die Polizeiabsperrung zu fahren.
„Emily, bleib im Auto und verriegele die Tür. Mach nur mir oder dir bekannten Beamten auf!“ Dann verließ er das Fahrzeug, zog seinen Dienstausweis und eilte zu dem abgestellten Mercedes. Da er seinen Dienstausweis hochhielt, ließen ihn die uniformierten Beamten ungehindert passieren. Als er heran war krabbelte gerade Frau Dr. Holle in ihrem weißen Tatort-Schutzanzug aus der Fahrertür. An ihr vorbei sah er den Kopf des Opfers und ihm viel ein riesiger Stein vom Herzen. Das Opfer hatte einen Kurzhaarschnitt, Ellen konnte es nicht sein. Frau Dr. Holle drehte sich um, lächelte und sagte. „Herr Heldt, so schnell waren sie noch nie an einem Tatort!“
„Ja, ich muss doch schnell sein, bevor das LKA kommt! Die werden dann übernehmen und uns dumm sterben lassen. Wenn die denken, wir legen die Hände in den Schoß und warten bis wir ihre Leichen finden, haben die sich geschnitten. Sie wissen doch doppelt genäht hält besser.“ Nach diesen Worten von Nikolas zog Dr. Holle ihre rechte Augenbraue etwas in die Höhe und krabbelte wortlos wieder zurück in das Auto. Nikolas begab sich zu den Polizisten, welche als Erste am auffinde Ort waren. Hier erfuhr er, dass es die Frau des Richters ist. Welche mit einem Schuss in die Schläfe getötet worden war. Als er dann mit dem Auffinder sprach, erschienen die Kollegen des LKA.
„Bitte verlassen sie den Tatort, wir übernehmen. Nur die uniformierten Kollegen bleiben und übernehmen die Sicherung des Tatortes.“
Nikolas wollte nicht auffallen, alles was er wissen musste, hatte er erfahren. Frau Dr. Holle hatte ihn verstanden. Im Vorbeigehen bekam er mit, dass das LKA seine eigenen Forensiker mitgebrach hatte. Diese baten gerade Frau Dr. Holle, ihnen das von ihr gesicherte forensische Material und Protokoll zu übergeben. Zurück am Auto krachte ihm die Tür förmlich entgegen so schnell hatte Emily diese aufgestoßen. „Und?“ Nur dieses eine Wort brachte sie heraus.
„Alles gut, es ist uns eine fremde Frau!“ Antwortete Nikolas beim ins Fahrzeug steigen.
„Wieso ist dann das LKA da?“ Hakte Emily ungläubig nach.
„Erwischt, du bist wie deine Mutter. Es ist die Frau des Richters, welche mit den Dreien verschwunden ist. Ich muss unbedingt mit dem Oberstaatsanwalt reden. Komm wir fahren zurück ins Präsidium. Als erstes brachte er Emily zurück ins Büro. Korthi hatte eine durchsichtige Bordwand hereingerollt. Eine Karte von Bochum dahinter geheftet. Jetzt markierte er mit drei verschiedenen Farben Gebäude und Grundstücke. „Emily hilfst du Korthi bitte, zu zweit seid ihr schneller.“ Sagte Nikolas, drehte sich um und verließ das Büro. Vor dem Büro des Oberstaatsanwaltes klopfte er an die Tür des Vorzimmers. Als ihn Niemand zum Eintreten aufforderte, drückte er die Klinke runter. Da die Tür offen war, trat er ein und klopfte gleich darauf beim Oberstaatsanwalt an. Nach dem ein unwilliges … „Herein!“ … erklang, trat er ein. „Guten Abend Herr Oberstaatsanwalt, ich habe ein paar Fragen.“
„Guten Abend Herr Heldt. Wenn ich kann, werde ich ihnen diese beantworten. Also, was wollen sie wissen?“
„Erstens. Wird Herbst frei gelassen? Eine halbe Stunde, nachdem der Direktflug nach Rio de Janeiro ohne Herbst in der Luft ist, finden wir die Leiche eines der Entführungsopfers.“
„Der Staat lässt sich nicht erpressen, Herbst wird nicht freigelassen“ Antwortete ihm der Oberstaatsanwalt.
„Gut, dann geben sie bitte an das LKA weiter, sie möchten das Bodenpersonal überprüfen, ob seit der Verurteilung von Herbst jemand aus Spanien, besser noch aus Mallorca eingestellt wurde oder auffällig viele Kontakte dorthin hat. Ich glaube seine alte Organisation von dort Unten hat sich erholt und will ihn befreien.“
„Ich rufe gleich nach unserem Gespräch an, noch was?“
„Ja, ich möchte Herbst sprechen. Genehmigen sie mir das?“ Erwartungsvoll sah Nikolas den Oberstaatsanwalt an.
„Sie sind doch außen vor und sollen nicht ermitteln. Das kann ihnen den Job kosten, wenn das LKA dahinterkommt. Nein die Genehmigung kann ich ihnen nicht geben!“ Kam die Antwort des Oberstaatsanwaltes.
„Dann machen wir es so rum. Ich stelle hiermit als leiblicher Sohn des Herrn Uwe Herbst einen Eilantrag auf Besuchsgenehmigung.“ Überrascht von dieser Eröffnung fragte der Oberstaatsanwalt. „Ist das ihr Ernst, sie haben ihren eigenen Vater ins Gefängnis gebracht? Dann stellen sie den Antrag schnellstens schriftlich!“
„OK, ich wünsche eine gute Nacht!“ Nikolas drehte sich um und schritt zur Tür. Hier erreichte ihn der Gutenachtgruß des Oberstaatsanwaltes.
Zurück im Büro setzte er sich wortlos an seinen Schreibtisch und begann auf dem Computer etwas zu tippen. Fünf Minuten später drückte er die Enter Taste und sagte laut. „Geschafft!“ Emily, die neben Korthi an dessen Schreibtisch saß schaute herüber und dieser sagte. „Wieder ein Urlaubsantrag wie damals, nur gedruckt hast du ihn noch nicht.“
„Nein, kein Urlausantrag. Es ist ein Besuchsantrag für meinen Vater und den habe ich gleich per Mail an den Oberstaatsanwalt geschickt.“ Nikolas zog seinen Schiebekasten mit Süßigkeiten auf. Entnahm ihm einen Schokoriegel und fragte. „Hat noch jemand Bedarf?“ Dabei blickte er zu den Beiden rüber. Als diese mit dem Kopf schüttelten, schob er den Schiebekasten wieder zu, riss die Verpackung auf und biss das erste Mal an diesem Tag in etwas Süßes.
„Welcher Vater, dein Vater ist doch tot!“ Kam auf einmal die Frage von Korthi, der bisher erstaunt herübergeschaut hatte.
„Erik Held hat meine Mutter geheiratet als sie schon schwanger war. Mein biologischer Vater ist der Ex-Innenminister Herbst. Da ich ihn nicht als ermittelnder Polizist besuchen darf, besuche ich ihn eben als Sohn. Ist doch clever oder?“
„Seit wann weißt du das? Du hast nie was gesagt!“ Fragte neugierig Korthi nach.
„Seit meiner Entführung. Wenn ich es nicht wäre, hätte er mich schon im Stadtpark beim Eichhörnchen Nest erschossen und wäre niemals gefasst worden. „So, was habt ihr nun hier heraus-gefunden?“ Mit diesen Worten erhob sich Nikolas und trat an die Bordwand. Korthi und Emily kamen zu ihm und Korthi erklärte. Der blaue Punkt ist die Diskothek, die zwei Grünen sind Gebäude des Sicherheitsdienstes und die gelben Flächen gehören der Grundstücks-gesellschaft. Die farbigen Kreuze sind Bußgeldbescheide für falsches Parken, Geschwindigkeitsübertretungen und für den Sicherheits-dienst noch ein aufgenommener Unfall.“ Er war gerade hier ange-kommen, als es an der Tür klopfte und Frau Dr. Holle eintrat. „Wusste ich es doch, dass sie noch hier sind. Guten Abend Emily. Ich habe hier etwas für euch. Frau Müller kann nicht länger als eine viertel Stunde vor ihrem Auffinden gestorben sein. Sie wurde aus nächster Nähe erschossen. An ihren Schuhen und der Kleidung habe ich Staub sichergestellt, den untersuche ich noch. Aber ich glaube, es ist nicht der Übliche. Genaueres teile ich ihnen sofort nach der Analyse mit.“
„Korthi, hast du mal einen schwarzen Stift. Also die Tote wurde hier abgestellt.“ Mit diesen Worten kennzeichnete er die Stelle auf der Karte. „Rechnen wir mal. Die Frau erschießen und ins Auto verfrachten. Wie weit können sie dann gefahren sein? Rundherum sind lauter dreißiger Zonen. Fünf bis zehn Minuten Autofahrt höchstens. Also meiner Meinung nach kommen nur die fünf Objekte hier in Frage. Der nächste Direktflug geht in einer Woche am Montag. Also haben wir Zeit, sie unter die Lupe zu nehmen. Kommt lasst uns Feierabend machen, ausgeschlafen helfen wir den Beiden besser.“ Gemeinsam verließen sie das Büro, im Foyer verließ sie Dr. Holle und ging in die Pathologie runter. Korthi bestieg draußen sein Fahrrad und fuhr ab. Nikolas und Emily stiegen in das Auto. Ein paar Straßen weiter sagte Emily. „Wo fahren wir hin, dass ist doch nicht der Weg zu deiner Wohnung?“
„Nein wir fahren zu Achmeds Onkel, ich dachte wir essen da noch einen Döner bevor wir schlafen gehen. Er hat zwar nur noch zehn Minuten offen, aber wir bekommen bestimmt noch etwas zu Essen und Trinken bei ihm.“

Am Morgen, gerade als sie losgefahren war, kam Ellen ein Van entgegen. Auf einmal begann er zu schlingern. Vorausschauend trat sie die Bremsen durch und blieb stehen. Fünf Meter vor ihr hielt das schlingernde Fahrzeug gleichfalls plötzlich. Ellen stieg aus, um nach dem Fahrer zu sehen. Weit und breit war kein Mensch Sie war an die Fahrerseite getreten und klopfte an die Scheibe. Da klickte es leise an ihrer rechten Seite. Als sie dahin schaute, sah sie einen Revolver auf sich gerichtet. Der Mann öffnete die hintere Tür und winkte mit der Waffe auffordernd einzusteigen. Im Wagen wurde ihr sofort ein Leinensack über den Kopf gestülpt. Die einzigen Worte, die sie hörte, war die Aufforderung ihre Wagenschlüssel und das Handy zu übergeben. Dann fuhren sie ab. Es dauerte eine ganze Weile bis das Auto hielt. Sie wurde aus dem Fahrzeug gezogen und zwei Mann führten sie rechts und links. Als ihr der Sack vom Kopf genommen wurde, stand sie in einer großen Werkshalle mit Schmelzöfen, vor einer Tiefen Grube. Eine Aluminiumleiter führte in diese hinunter. Mit dem Revolver zeigte der Mann ihr wieder an, hinab zu steigen. Unten angekommen wurde die Leiter wieder hochgezogen. Als sie sich umsah gewahrte sie in der einen Ecke ein Dixi-Klo in der Anderen einen Tisch und sechs Stühle sowie drei Klappliegen. Sie ging zum Tisch und hatte sich gerade auf einen der Stühle gesetzt, als die Leiter wieder heruntergelassen wurde. Oben am Rand standen zwei Männer in dunklen Anzügen und Sonnenbrillen. In ihrer Mitte ein weiterer Mann. Als sie ihm den Leinensack vom Kopf zogen, erkannte sie Herrn Grün. Dieser war gerade die halbe Leiter heruntergestiegen, da wurden oben noch ein Mann und eine Frau herbeigeführt. Ein weiterer Mann brachte noch ein Stativ mit Kamera und Richtmikrofon, welche er nach unten gerichtet aufbaute. Als alle herabgestiegen waren, erkannte sie auch Richter Müller. Ellen setzte zur Begrüßung an. „Guten“ … Da wurde sie von oben unterbrochen. „Ruhe, keine Unterhaltung, sonst erschießen wir euch gleich.“ Herr Grün legte den Finger auf den Mund und drückte ihr dann die Hand. Am frühen Nachmittag, Ellen konnte nicht mehr sitzen, daher ging sie ein paar Runden. In der Ecke, in welcher die Leiter heruntergelassen wurde, hörte sie auf einmal Stimmen. „Boss es ist schief gegangen. Wir hatten die Kleine fast, aber auf dem Schulhof war auf einmal ein Bulle da und hat uns verhaftet. Zum Glück hatten wir ja den Auftrag von der Chefin in der Tasche, darum musste uns der Oberstaats-anwalt wieder laufen lassen.“ Auf die Frage wie der Bulle aussah, beschrieben sie Nicolas. „Scheiße, ich dachte wir hätten es nur mit den Pfeifen vom LKA zu tun. Wenn mein großer Bruder sich einmischt wird es eng. Dem haben wir schon Mallorca zu verdanken. Wir müssen unser Vorgehen beschleunigen. Wisst ihr was, Versager kann ich nicht gebrauchen und da er euch nun kennt, wird’s gefährlich.“ Plötzlich peitschten zwei Schüsse auf. Die Anderen am Tisch waren auch aufgesprungen als von oben das Kommando kam. „Alles wieder setzen und Ruhe.“ Es dauerte dann nicht mehr lange und einer der Männer trat an den Rand und lies die Leiter herunter. „Frau Müller kommen sie herauf!“ Als sie sich weigerte, drohte man ihr, ihren Mann zu erschießen. Zögernd und langsam stieg sie die Leiter hinauf. Ein zweiter Mann kam hinzu und zog die Leiter wieder ein. Dann musste sich Frau Müller hinknien und der hinter ihr stehende erschoss sie sofort. Als Herr Müller aufschrie, kam von oben sofort wieder die Aufforderung zur Ruhe sonst würden sie gleich weitermachen. Es wäre ihnen egal den Bullen frische oder ältere Leichen zu servieren. Dann wurde Frau Müller an den Armen gefasst und rausgeschleift. Abends erhielten sie drei Flaschen Wasser und drei heiße Tassen mit Nudeln durch herunterlassen in einem Korb. Am anderen Morgen bekamen sie jeder eine Baguette mit Butter bestrichen und gesalzen sowie eine 1,5 l Flasche Mineralwasser, das müsse für den Tag reichen. Bei jedem Versuch zu reden erschall es von oben, Ruhe sonst knallts. Ungefähr zu der Zeit, wie gestern Abend, wurde Ellen aufgefordert nach oben zu steigen. Zögernd und mit klopfenden Herzen folgte sie der Aufforderung. Was würde mit Emily passieren? Schaffte es Nikolas sich um sie zu kümmern oder musste sie auch ins Heim, wenn sie nicht mehr da war. Nachdem sie sich, wie gestern Frau Müller, auch hingekniet hatte, war es etwas anders. Mit den Worten … „Mach du es, innerhalb der Familie soll man nicht töten. Sie wäre ja fast meine Schwägerin geworden. Ich hole inzwischen das Auto.“ Reichte er den Revolver weiter und ging. Ellen drehte den Kopf, dem bei ihr bleibenden Mann zu und fragte ihn. „Darf ich noch ein stilles Gebet sprechen, danke.“ Dann schaute sie wieder vor sich auf den Boden und schloss die Augen. Als es hinter ihr knackte überschlugen sich ihre Gedanken Emily, Nikolas. Dann knallte es. Was war das, sie verspürte keinen Schmerz. Neben ihr polterte es und ein schwerer Körper viel mit einem Plumps zu Boden. Erstaunt öffnete sie die Augen und schaute auf. Der Mann, der sie erschießen sollte, lag mit dem Gesicht zur Erde und Blut sickerte unter seiner Brust hervor.
Sie vernahm Schritte und wurde plötzlich emporgerissen. „Ellen!“ Das war er, ihr Mann Nikolas. Plötzlich klangen im Gang nach draußen Schritte auf. Nikolas zog sie hinter sich an die Wand und spähte hinein. „Stehenbleiben, Hände hoch und Waffe weg. Hierspricht die Polizei!“ Rief Nikolas dem Mann entgegen. Dieser sprang nach dieser Aufforderung in eine seitliche Nische, ein Schuss klang auf und kurz über Nikolas Gesicht schlug die Kugel in das Mauerwerk. Kalkmörtel rieselte herunter und Staub hing in der Luft. Nikolas spähte kurz um die Ecke. Als er ein Stück des Oberschenkels seines Gegners sah, zögerte er nicht. Hob seine Dienstwaffe, zielte kurz und zog durch. Ein Schmerzenslaut war die Antwort. Von der anderen Seite des Ganges erklangen auf einmal die gleichen Worte, wie Nikolas sie gebraucht hatte. Dieser atmete jetzt auf, seine Verstärkung war eingetroffen, auf Korthi konnte man sich verlassen. Ellen lehnte noch mit geschlossenen Augen an der Wand, als sie das Klappern der Aluminiumleiter hörte. „Herr Grün, Herr Müller sie können jetzt raufkommen es ist vorbei.“
Als Herr Grün oben angekommen war, schüttelte er Nikolas die Hand. „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie ich mich freue sie zu sehen. Aber ich muss sie tadeln. Sie haben sich der Frau Staatsanwältin gegenüber im Ton vergriffen. Sie haben sie geduzt.“
Nikolas kratzte seinen drei Tage Bart. „Sorry Herr Grün, das war die Freude rechtzeitig da zu sein. So muss ich mich nicht an eine neue Chefin oder Chef gewöhnen. In diesem Moment kam von Ellen ein Ächzen und sie rutschte an der Wand abwärts. Durch die Aufregung und Angst der letzten Minuten hatten ihr ihre Beine den Dienst versagt. Sofort war Nikolas bei ihr, er wollte sie aufheben und hinaustragen. Aber von ihr kam. „Es geht schon wieder, es war nur ein kurzer Moment der Schwäche, Danke.“

Zweiter Tag morgens aus Nikolas Heldts Sicht

Nikolas schlief die Nacht auf der Couch in seinen Sachen um bei einem Anruf sofort starten zu können. Emily hatte er in sein Bett verfrachtet. Um sechs, für ihn ungewöhnlich, war er ausgeschlafen. Ging ins Bad und duschte sich. Dann wechselte er seine Sachen und war für den Tag gerüstet. Als er das Bad verließ, stand Emily davor. Um sieben verließen sie die Wohnung. Unterwegs zum Revier hielten sie bei einem Bäcker, kauften sich einen Kaffee to go und belegte Brötchen. Beim weiterfahren meinte Emily. „Kein Wunder, dass du immer knapp bei Kasse bist. So wie du dich versorgst. Einkaufen und selbst zubereiten ist billiger, als fertig kaufen.“ Nikolas lächelte und antwortete nicht. Im Büro angekommen waren sie nicht die Ersten. Herr Korthals war schon da, er hatte gerade den Drucker gestartet. Mit den Worten … „Guten Morgen Korthi, gibt’s was Neues?“ …
begrüßte ihn Nikolas.
„Nein, nur die Schularbeiten für Emily sind gekommen.“ Er nahm die Blätter aus dem Drucker und reichte sie Emily. Stöhnend sah sie diese durch. „Das kann dauern!“ Meinte sie verzweifelt.
„Wenn das so ist, würde ich vorschlagen du erledigst das im Büro von deiner Mutter, vielleicht kann dir ihre Sekretärin helfen. Verlass aber auf keinen Fall das Präsidium. Komm, ich bringe dich rauf.“ Meinte Nikolas und verließ mit ihr das Büro. Eine viertel Stunde später erschien er wieder. Er hatte sich gerade an seinen Schreibtisch gesetzt, da klingelte sein Handy. Es war Achmed, er teilte ihm mit, die Taxifahrer hätten regelmäßig Fahrzeuge des Sicherheitsdienstes bei einer alten Gießerei gesehen. Gestern wurde gleichfalls ein Fahrzeug der Diskothek dort gesehen. Freudig bedankte sich Nikolas, als es klopfte und Frau Dr. Holle eintrat. „Guten Morgen, ich habe das Ergebnis der Staubanalyse. Er ist aus einer Gießerei.“
„Danke Frau Dr. Holle“ Nach diesen Worten drückte er ihr einen Kuss auf, nahm seine Jacke … „Korthi halt die Stellung, ich melde mich! Ach, ruf den Oberstaatsanwalt an. Ich ziehe den Besuchsantrag zurück. Ich muss nichtmehr mit Herbst reden.“ … und verschwand. Er ging in die Tiefgarage und hielt den ersten rausfahrenden Streifenwagen an. Der Beamte am Steuer fragte ihn, was er wolle. „Ihr könnt mich verrückt nennen, aber seit gestern fühle ich mich beobachtet. Ihr müsst mich auf der Rückbank rausschmuggeln.“ Grinsend wies der Beamte auf diese. Nikolas stieg ein und der Beamte vom Beifahrersitz warf eine Decke über ihn. Dann fuhren sie los. Zwei Straßen weiter stieg er aus und fuhr mit der U-Bahn vor Ort. Es dauerte zwei Stunden, das Gießereigelände zu Fuß zu umrunden. Dabei identifizierte er vier Fahrzeuge des Sicherheitsdienstes. Er suchte auch einen Zugang zum Gelände. Dieses war durch eine mindestens zweimeterzwanzig hohe Ziegelmauer umgeben. Zufahrten gab es zwei, die durch einen Doppelposten des Sicherheitsdienstes bewacht wurden. Auf dem Gelände befanden sich ein riesiges Verwaltungsgebäude, drei große Produktionshallen sowie diverse Schuppen. Endlich fand Nikolas einen Baum, der einige starke Äste über die Mauer ragen ließ. Als er den Baum erklomm, bemerkte er, dass er nicht mehr im Lausbubenalter war. Trotzdem schaffte er es über die Mauer. Es dauerte bis zum Nachmittag vorsichtig das Verwaltungsgebäude vom Dach bis zum Keller zu durchsuchen. In der ersten großen Produktionshalle fand er dann die Autos von Herrn Grün und Ellen. Die Zweite Halle war leer. Er postierte sich an einem Fenster der dritten Halle gegenüber. Als ein junger Mann und eine junge Frau über den Hof kamen und die dritte Halle betraten, verließ er seinen Posten und die Halle. Spurtete über den Hof und suchte an der Halle entlangschleichend einen anderen Zugang. An der Seite entgegen des Haupteinganges fand er eine kleine Tür. Es dauerte eine ganze Weile, bis er das Schloss der Tür geknackt hatte. Hinter der Tür führte eine Treppe zu einer Galerie. Die um die ganze Halle ging. Unter dieser waren Räume, wie Büros und Lager eingebaut. An jeder Seite führte eine Treppe hinunter. Leise schlich er auf diese hinauf. Von oben konnte er die Grube mit den Gefangenen sehen. Sein Herz machte einen Freudensprung als er Ellen wohlauf sah. Er zog sein Telefon und rief Herrn Korthals an. Dieser versprach ihn, alle verfügbaren Kräfte zu schicken. Dann begann er leise um die Galerie herum zu schleichen. Nicht weit vom Haupteingang entfernt führte eine der Treppen wieder hinunter. Hier postierte er sich und wartete. Aus einem der kleinen Räume kamen auf einmal die Frau und zwei Männer. Einer der Männer fragte. „Wieso sie heute schon?“
Die Frau antwortete … „Weil unser Brüderchen das nicht aushält. Alle beide an einem Tag. Da ihr das Mädchen nicht gekriegt habt, hole ich es mir mit meinem kleinen Freund. Sie sitzen Beide auf dem Revier. Wenn sie es nachher verlassen, ist sie dran.“
Der Mann erwiderte aber ungehalten. „Vater hat aber gesagt, wir sollen ihn in Ruhe lassen und dürfen ihm nichts tun.“
„Wir tun unserem Bruder doch nichts. Trotzdem soll er leiden. Ihr macht das so, wie ich es gesagt habe, klar! Wer ist hier der Boss, he?“ … dann verließ sie die Halle. Als Ellen dann aufgefordert wurde hoch zu kommen, zog er seine Dienstwaffe.
Der Verletzte war schon hinausgebracht worden. Vor ihnen gingen beim Verlassen der Halle die Herren Grün und Müller. Nikolas ging neben Ellen um ihr evtl. bei zu stehen, wenn sie nochmals Schwäche zeigen sollte, was aber nicht nötig war. Hinter ihnen folgten zwei uniformierte Beamte. Kurz nach dem sie die Halle verlassen hatten, bemerkte Nikolas auf Ellens Brust einen roten Punkt. Sofort stieß er sie um und rief laut. „Scharfschütze!“ Dann verspürte er einen Schlag gegen die rechte Schulter, wurde herumgeworfen und fiel. Im Fallen hörte er noch einen der Beamten rufen. „Da drüben im Schuppen!“ Dann wurde es schwarz um ihn.
Ellen schaute erstarrt zu Nikolas, als um sie herum lauter Schüsse aufpeitschten. Dann warf sie sich über ihn und rief ... „Sanitäter, so helft ihm doch!“ … während sie in Tränen ausbrach. Als keine Schüsse mehr fielen, wurde sie sachte zu Seite gezogen und zwei Sanitäter kümmerten sich um Nikolas.
Ein Beamter rief aus dem Schuppen. „Das war eine Frau, sie ist tot!“
Als Nikolas in den Rotkreuzwagen geschoben wurde, wollte Ellen auch mitfahren. Die Sanitäter ließen sie aber nicht einsteigen. Aufgebracht wandte sie sich an einen der ihr bekannten Uniformierten. „Fahren sie mich bitte dem Krankenwagen hinterher zum Krankenhaus.“ Als sie Herr Korthals am Unterarm zurückhielt. „Einen Moment bitte Frau Bannenberg, ich komme mit. Wir fahren mit dem Streifenwagen, mit dem ich gekommen bin.“
„Warum sind sie denn so aufgebracht Frau Staatsanwalt. Die ganze Zeit waren sie gefasst und ruhig.“ Fragte, zu ihnen tretend, Herr Grün. „Das kann ich ihnen genau sagen Herr Grün. Erstens hat mir Nikolas heute zwei Mal das Leben gerettet und zweitens ist er mein Mann. Ja wir sind seit dem Teambildungsseminar ein Paar.  
Als Nikolas wieder wach wurde, fand er sich in einem Krankenhausbett wieder, seine rechte Schulter schmerzte und war dick verbunden. Um seinen Kopf befand sich ein weiterer Verband. Er hatte sich beim Fallen den Kopf angeschlagen. Es dauerte eine kleine Weile, bis sein durch die Narkose getrübter Blick klar wurde. Neben dem Bett saßen Ellen und Emily. Jetzt erst bemerkte er, dass Ellen seine linke Hand in den ihren hielt. Sie waren bei ihm, seine Liebsten. Mit einem Lächeln fielen ihm die Augen wieder zu und er schlief ein.
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