Mein Grund zu leben!

von Depudet
GeschichteAllgemein / P12
Preussen
08.12.2019
08.12.2019
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Ich bin hier.
Obwohl mein eigenes Land schon seit Jahrzehnten nicht mehr ist und es keinen Nutzen mehr für mich gibt, halte ich dagegen an.
Gegen mein Verschwinden.
Jede Sekunde, Minute, Stunde. Immerzu zerrt es an mir…
Ich stehe dennoch hier, eisernen Schrittes, und geh nicht fort.
Lasse mich nicht bezwingen.
Auch wenn es Preußen nicht mehr gibt…
So gibt es noch Gilbert.

Unter uns Ländern gab es seit jeher immer nur eine Frage die mit unserem Tod in Verbindung stand.
„Wohin gehen wir, wenn wir nicht mehr sind?“
So, wie einst Rom und Germanien. Hören wir einfach auf, zu existieren?
Die Antwort ist die, dass wir niemals verschwinden. Jedenfalls nie ganz. Wir würden im Himmel weiter leben, im Meer, in der Natur und den Herzen derer, die uns kannten. Die, welche gehen, werden zu einem Teil dieser Welt. Form- und schwerelos.
Vollkommen frei….
Alles Leid hinter sich lassend.
Rom sagte mir einmal, dass er gehen musste, weil er für sich erkannt hatte, dass seine Zeit gekommen war, die Welt für junges Blut zu öffnen.
Als mein Land unterging…nein…Als ICH unterging waren sie da. Rom und Germanien. Sie beide hatten mir ihre Hände gereicht, um mich mit sich zu nehmen in ihre neue Welt.
Ja…zu diesem Zeitpunkt war ich kurz davor.
An jenem Tag, als ich zum Teil starb. Vor so vielen Jahren, hat mein Kampf begonnen. Seit damals tobt in mir ein unfassbarer Sturm. Es fühlt sich an, als würde ich brennen. Niemals zuvor hatte ich einen solchen Schmerz verspürt und nun begleitet er mich jeden Tag.
Ich bin gebrochen, mein Körper in Flammen.
Ich fühle mich zerrissen und alleine die Kraft alleine nur zu existieren raubt mir fast den Atem.
Frei…das würde ich in dieser Form wohl nie wieder sein…
Gefangener meiner Selbst…
Und ich wollte gehen.
Wollte diesem Schmerz endlich entrinnen!
Doch anders als Rom, habe ich noch einen Grund, zu bleiben. Ich muss einfach weiter kämpfen!
Weil du noch hier bist, weil du lebst!
Solange du atmest, werde ich das auch.
Um bei dir zu sein!
Dir Halt zu geben!
Dir dort Sicherheit zu schenken, wo deine Unsicherheit beginnt.
Auch wenn du immer so kalt tust…
Nein… Das ist nur eine Fassade.
Du bist eigentlich so unsicher, so klein und so zerbrechlich.
Wie könnte ich dich jemals alleine zurücklassen?
Selbst wenn ich jeden Tag mich selbst betrügen muss.
Ich werde lächeln, ich werde stark sein!
Weil es für dich ist.
Denn dein Herz ist oft genug zerbrochen.
Darum breche ich mich lieber selbst, Sekunde um Sekunde mehr, damit du ganz bleiben kannst.
All deine Kriege haben dich genug niedergetrampelt und in Einsamkeit gestürzt.
Von der Welt verachtet, gemieden…
Wer wäre ich, dich alleine lassen zu können?
Aus diesem Grund lebe ich weiter.
Ob nun als ehemaliges Preußen
oder als die frühere DDR
oder eben nur als Gilbert.
Aber ich bleibe da.
Für dich.
Auch wenn ich nie Freiheit erlangen kann, der Frieden mir ewig verwehrt bleiben wird, werde ich mich selbst belügen, um dich schützen zu können.

Bruder.
Mein Schmerz wird dich niemals treffen, ich verlasse dich nicht.
Weil ich nicht kann, weil ich nicht will.

West…
Denn ich liebe dich.
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