Winter Hochzeit

KurzgeschichteRomanze / P12
Benedikt Doll Johannes Thingnes Bø Miriam Gössner Tarjei Bø
08.12.2019
08.12.2019
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Schönen zweiten Advent.
Tarjei und Line heiraten! Endlich!

Ich hoffe, euch gefällt die kleine Geschichte :)

LG Pusteblume

***

Es war endlich so weit. Ich würde heiraten.
Da man vor der Hochzeit nicht zusammen schlafen sollte, hatte Tarjei bei seinem Bruder geschlafen. Die beiden wollten sich heute zusammen vorbereiten.

Miri hatte den Wecker gestellt und weckte mich ganz gemütlich. Es ist ja nicht so als dass ich meinen eigenen Wecker hatte, aber geweckt werden war doch immer noch am schönsten. Vor allem um diese Uhrzeit. Außer der eigene Sohn meinte einen mit seinem lautesten Geschrei wecken zu müssen. Ich liebte ihn unglaublich, aber so langsam war er mehr wach als alles andere und ich dementsprechend auch. Meist mit Tarjei gemeinsam, weil dann keiner mehr schlafen konnte.

„Line!“ Rief Miri fröhlich ins Zimmer mit Mathilda auf dem Arm. „Aufstehen.“
Ich drehte mich nochmal um und schloss kurz die Augen. Dann schlug ich die Decke zurück und schwang meine Beine über die Bettkante.
„Komme!“ Rief ich zurück. Ich sah schnell auf mein Handy und schlurfte dann Richtung Bad.

Aus dem Fenster konnte ich die wunderschöne Winterlandschaft betrachten. Oslo im Winter war einfach ein Traum! Tarjei und Johannes waren ganz gut in die Saison gekommen. Beide mit dem ein- oder anderen Ausrutscher, aber sonst lief es wirklich gut.

Nachdem ich duschen war, lief ich in einem Bademantel und mit einem Handtuch auf dem Kopf rum.
Franzi traf ich in der Küche mit einem Kaffee.
„Guten Morgen.“ Lächelte sie.
„Guten Morgen.“ Lächelte ich zurück. „Jannis schläft noch und Miri möchte mir gleich die Haare machen. Kannst du ihn vielleicht wecken und füttern?“
„Gerne.“ Nickte sie.

Sie liebte es etwas mit Jannis zu machen und sich mit ihm zu beschäftigen.
Und er mochte sie auch. Immer wenn sie da war, strahlte er.

Franzi setzte sich mit Jannis ins Wohnzimmer, um Miri und mich beobachten zu können.
Sie versuchte ihn zu füttern, aber mein Kleiner hatte ein wahnsinniges Talent dafür das Essen im ganzen Wohnzimmer zu verteilen. Ich sah ihn an und dachte an das Jahr zurück, in dem er nun fast da war. Ich war dieses Jahr Mama geworden und würde nun Heiraten. Vor ein paar Tagen hatten wir das erste Weihnachten mit Jannis feiern können und dann war das Jahr auch schon wieder vorbei.

„Jetzt wird die Mama hübsch gemacht.“ Grinste Miri und riss mich aus meinen Gedanken. Sie war so süß und gerade heute steckte sie mich mit ihrem Lächeln an. Ihr kleines Mädchen hatte sie von Kissen eingerahmt auf die Couch gelegt.

Wir hatten für die gute Stimmung Weihnachtsmusik angemacht. Ich liebte es, es entspannte mich total Musik zu hören, in meinem kuschelig warmen Haus zu sitzen und die Winterlandschaft bewundern zu können.

Miri fuchtelte eine ganze Weile mit irgendwelchen Kämmen und Sprays rum, zog an der ein- oder anderen Stelle und zückte den Lockenstab. Dann ging sie einmal um mich rum und betrachtete ihr Werk von Vorne, zupfte noch ein paar Strähnen aus der Flechtfrisur und machte sich mit einem Lockenstab wieder ans Werk.
Zuletzt steckte sie mir meinen Schleier in die Haare.
Ich hatte mich für einen sehr langen, aber schlichten Schleier entschieden.

Jannis war schon längst satt und Franzi setzte ihn in sein Laufgitter, um das Frühstück fertig zu machen.
Miri wollte auch Franzi noch die Haare hochstecken, aber zuerst wollten wir frühstücken. Noch hatte nämlich keiner von uns was gegessen.

Laura konnte leider nicht kommen. Sie war krank geworden und blieb lieber im Bett zu Hause. Ich konnte sie total verstehen, auch wenn ich es schade fand.
Vielleicht war es aber auch besser so. Sie und Johannes hatten sich im Sommer getrennt. Die Beziehung hatte unter dem Beruf der beiden gelitten und sie hatten sich viel zu selten gesehen. Und Johannes mit seiner neuen Freundin zu sehen würde ihr nur wehtun.

Wir ließen uns Zeit beim Essen, immerhin hatten wir noch genügend Zeit.
„Okay, du schminkst dich jetzt ganz in Ruhe, während ich Franzi die Haare mache. Und Biene geht erstmal duschen.“ Sagte Miri in die Runde und sah mich an. „Dann muss ich noch duschen gehen und du kannst die Beine nochmal hochlegen. Meine Frisur macht Franzi und Biene kümmert sich um die Kinder.“

Miri war heute die, die den Plan hatte. Sie hatte sich das alles perfekt ausgedacht.

Nachdem Jannis fertig angezogen war, Miri und Biene geduscht hatten und nun auch ihre Frisur saß, kam mein großer Moment.
Ich zog mein Brautkleid an. Nebenbei schoss Miri ein paar Bilder. Die sahen echt toll aus. Drei Mädels mit Bademantel und eine Braut.

„Bereit?“ Fragte Miri und lächelte.
Ich lächelte auch und nickte.

Ich schlüpfte zuerst in eine dünne weiße Strumpfhose mit Stickmustern.
Mein Brautkleid war wunderschön. Ich trug ein von Vorne sehr schlichtes Kleid. Hochgeschlossen und mit ellbogenlangen Ärmeln. Hinten war es tief ausgeschnitten und hatte noch eine kurze Knopfleiste mit fünf Knöpfen, bevor es in einen fließenden Rock überging. Es hatte in den Rockfalten versteckte Taschen und um die Taille band Miri mir noch einen Blumengürtel aus echten leicht rosafarbenen Rosen. An diesem Kleid war weder Tüll, noch Spitze. Der Stoff war zwar nicht unbedingt leicht, aber ich fühlte mich auch nicht erdrückt. Die Nähte waren so gemacht, dass ich keinen Unterrock brauchte. Die Schleppe war lang und lang gerade um mich herum drapiert. Ich fühlte mich wunderschön und alles saß perfekt.
Zuletzt machte ich mich meine Ohrringe rein. Ich hatte mich für Schneeflocken entschieden. Sie passten zu uns. Mein Verlobter war Biathlet und wir hatten eine gemeinsame Geschichte im Weltcup. Außerdem kam ich auch aus einem Winterparadies. Es war einfach unsere Jahreszeit.

„Du siehst wunderhübsch aus.“ Nickte Miri.
„Eine superhübsche Braut hat sich Tarjei da ausgesucht.“ Lächelte Biene und hatte Tränen in den Augen.
„Du bist die Zweite von uns, die heiratet.“ Grinste Franzi und wir sahen zu Miri.

Wir machten noch ein Bild von uns mit mir in der Mitte. Dann zogen auch die anderen ihre Kleider an.

„Wow! Miri, Franzi, Biene!“ Ich sah alle der Reihe nach an. „Ihr seht unglaublich aus!“

Meine Mädels trugen jeweils ein Dirndl. Das war die Tradition, die ich mit in die Hochzeit brachte.

Miri hatte ein dunkelblaues Kleid an und sowohl das Korsett als auch der Saum der Schürze waren bestickt. Die Stickerei stellte kleine Rehe dar, die in einem Herz aus Ornamenten waren. Der Rock war einfarbig grau, wurde ja aber sowieso von der ebenfalls blauen Schürze mit kleinen weißen Punkten überdeckt.

Franzi hatte ein Dirndl mit rosa Korsett und dunkelblauem Rock. Die Schürze hatte das gleiche dunkelblau wie der Rock und war somit nur schwer von diesem zu unterscheiden. Sowohl das Korsett als auch der Rock waren mit einem feinen, kaum sichtbaren Muster bestickt. Es passt perfekt zu Franzi.

Und Biene hatte ein magentafarbenes Dirndl an, mit einer gestreiften Schürze. Der Rock hatte dieselbe Farbe wie das Oberteil und die Bluse war weißgemustert. Ihre Tochter trug ihr Kleid in einer kleineren Version und war unser Blumenmädchen.

„So, jetzt fehlt nur noch etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes und etwas Blaues.“ Miri lächelte und holte eine Dose aus ihrer Tasche. „Das ist etwas Blaues.“ Als sie die Dose öffnete, kam ein blaues Strumpfband zum Vorschein.
„Das habe ich ja total vergessen!“ Sagte ich erschrocken.
„Deswegen haben ich das für dich organisiert.“ Miri lachte. „Ich hatte das gleiche Strumpfband.“
„Danke.“ Ich fiel ihr um den Hals.
„Vorsichtig!“ Warnte sie mich und strich mir eine Haarsträhne wieder an die richtige Stelle.
„Ich habe hier etwas Altes und gleichzeitig etwas Geliehenes.“ Sagte Biene und gab mir einen kleinen Taschenspiegel. „Der ist von Oma.“
„Danke.“ Ich wusste gar nicht wie ich allen danken sollte. „Das ist so süß von euch.“
„Und ich habe hier etwas Neues.“ Damit gab Franzi mir meinen Brautstrauß.
„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll!“ Ich schüttelte vorsichtig den Kopf, um Miris Werk nicht zu zerstören.

Eine halbe Stunde und viele Bilder später fuhren Franzi und Biene mit den Kindern schonmal vor, um den anderen zu sagen, dass die Braut gleich ankommt.

Ich nahm meine Schuhe, unter die Tarjei eine kleine Botschaft geschrieben hatte. Miri hatte sie am Abend noch geholt.

„Ich hoffe, du fühlst dich heute so wunderschön wie du bist. Ich freue mich auf ganz viele gemeinsame Jahre mit dir und unseren Kindern. Jeg elsker deg kjærsten min.“ Murmelte ich beim Lesen und mir standen die Tränen in den Augen.
„Sogar deutsch.“ Meinte Miri anerkennend. Ich konnte gar nichts mehr sagen, mir fehlten dafür einfach die Worte.
Also schlüpfte ich einfach in die Schuhe und grinste weiter. Miri reichte mir meinen Mantel und nahm dann ihren. Sie machte den Sitz ihrer kleinen Tochter fest und so fuhren auch wir los.

Tarjei hatte die Planung der Location übernommen und wollte mich damit überraschen. Ich wusste also noch gar nicht, was sie erwartete. Und wurde auch immer nervöser und aufgeregter.

So stand ich eine halbe Stunde später vor der Kirche und begrüßte meinen Papa.
„Du siehst gut aus.“ Flüsterte ich ihm bei unserer Umarmung ins Ohr.
„Du bist wunderschön meine Kleine.“ Lachte mein Papa und wischte sich eine Träne aus dem Gesicht.
„Nicht weinen Papa!“ Sagte ich und fiel ihm nochmal in die Arme.

Ich kam jetzt erst dazu die Location zu betrachten. Mein Verlobter hatte sich wirklich Mühe gegeben. Er hatte sich für den Holmenkollen entschieden. Die Trauung sollte in einer traditionellen Kirche stattfinden. Anschließend würden wir mit Benni in Oslo zu verschiedenen Locations fahren und ein kleines Fotoshooting machen.
Danach würden wir uns alle in einem Haus am Hafen wieder treffen. Im obersten Stock hatte man eine tolle Sicht auf Oslo und über den Fjord. Die Partylocation hatten wir uns zusammen ausgesucht, aber Tarjei hatte die meisten Ideen und schlussendlich auch die Entscheidung getroffen.

Es ging los.
Miri sang ´Perfect` von Ed Sheeran als ich mit meinem Papa in die Kirche kam. Tarjei hatte Miri darum gebeten zu singen.
Sie hatte gar nicht so viel Zeit gehabt das Lied zu üben, aber es klang auch so unglaublich.
Lucy warf ein paar Rosenblätter vor mir auf den Boden und sah dabei so unglaublich süß aus.

Ich strahlte über das ganze Gesicht. Auch Tarjei sah unglaublich glücklich aus und ich freute mich auf alles, was uns noch erwartete. Er sah perfekt aus, in seinem schwarzen Anzug und der Rose in der Brusttasche. Wir sahen uns schon von weitem in die Augen und ich wusste, dass ich dort angekommen war, wo ich immer hinwollte. Ich erlebte das, was ich mir immer erträumt hatte.

Als ich bei Tarjei angekommen war, war auch Miri fertig. Mein Papa übergab mich feierlich an Tarjei und warnte ihn mit einem Augenzwinkern nochmal. Dann begann die Standesbeamtin mit ihrer Rede. Zuerst erzählte sie wie Tarjei und ich uns kennen- und lieben gelernt hatten. Dass aus Freundschaft Liebe geworden war.

„Du bist wunderschön kjære!“ Flüsterte Tarjei mir ins Ohr und wir küssten uns kurz. Ich konnte es gar nicht erwarten seine Frau zu werden.

„Ich bitte Sie nun, sich alle zu erheben.“ Sagte sie und sah uns lächelnd an.
Wir standen auf.

„Wollen Sie, Line Wünsche, den hier anwesenden Tarjei Bø zu ihrem Mann nehmen? Ihn lieben und ehren, in guten wie in schlechten Zeiten? So antworten Sie bitte mit ja.“ Fuhr die Standesbeamtin fort.

Das klang so altmodisch und ausgeleiert, aber es war die Tradition, die wir uns gewünscht hatten.

„Ja.“ Mehr bekam ich nicht heraus, mir lief schon die erste Glücksträne übers Gesicht und Tarjei wischte sie mit seinem Daumen weg.

„Wollen Sie, Tarjei Bø, die hier anwesende Line Wünsche zu ihrer Frau nehmen? Sie lieben und ehren, in guten wie in schlechten Zeiten? So antworten Sie bitte mit ja.“ Sagte die Standesbeamtin wieder.

„Aber sowas von!“ Meinte Tarjei lachend. Das war klar, dass von ihm so etwas kommt.

Dann kam Miri mit Jannis auf dem Arm, der die Ringe in der Hand hatte.
Als ich endlich den Ring am Finger hatte, wartete Tarjei gar nicht auf die Erlaubnis, sondern küsste mich einfach.
Ich war jetzt seine Frau, da konnte er mich immer küssen wann er wollte. Ohne Erlaubnis!
Ich lehnte mich zurück, Tarjei hielt mich und küsste mich und es fühlte sich unglaublich an. Wie ich diesen Mann liebte!

Unsere Familie stellte sich vor der Kirche mit Rosenblättern in der Hand hin und schmissen sie hoch sobald Tarjei mit mir im Arm aus der Kirche kam.

Beim Sektempfang nahmen wir alle Glückwünsche entgegen und strahlten um die Wette.

Nach dem Sektempfang machten wir uns mit Benni auf den Weg zum Fotoshooting. Miri würde auch mitfahren, um auf Jannis aufzupassen und die Gäste hatten jetzt drei Stunden Zeit, bis die Party am Hafen losgehen würde.

Wir fingen natürlich an der Schanze an. Ich hätte gerne ein Bild mit Brautkleid und Ski gemacht, aber das war durch meine lange Schleppe sehr ungünstig.
Wir arbeiteten uns bis zur Oper, meinem persönlichen Highlight. Die Oper hatte ich schon immer geliebt. Hier war ich immer hiergekommen, wenn ich nachdenken wollte und mal meine Ruhe brauchte.

Eine Stunde später hatten wir die Location erreicht und Johannes und Franzi hatten schon einiges vorbereitet. Die Platzkärtchen standen, die Deko passte und wir waren soweit zufrieden. Es fehlte anscheinend nur noch irgendein kleiner Baum, an den Bilder von uns beiden dranhingen. Miri hatte noch so einige alte Bilder gefunden.

Als erstes kamen Tarjeis und meine Eltern. Sie verstanden sich super und hatten immer was zu quatschen.

Der Raum füllte sich und eine halbe Stunde später waren alle da.

Es war 17 Uhr und bis zum Essen noch eine Stunde Zeit.
Wie wurden also in die Mitte vom Raum besetzt und bekamen jeweils einen Schuh in die Hand gedrückt. Die Fragen wurden heute von allen aufgeschrieben.

„Okay. Bereit?“ Fragte Miri und lächelte. Sie würde die Fragen vorlesen, weil die sowohl deutsch als auch norwegisch beherrschte.
Tarjei und ich nickten.
„Wer ist unordentlicher?“ Das war ja mal eine 0815 Frage, wir beide sagten sogar dasselbe: Tarjei.
„Wer kann besser kochen?“ Das ging schonmal in eine bessere Richtung. Hier waren wir beide anderer Meinung. Tarjei hat mal gesagt, dass er besser kochen kann und mein Essen lieber mochte.

Die nächste Frage musste von Johannes oder Emil kommen. Wer anders hätte sowas nie aufgeschrieben.
„Wer kann länger?“ Miri musste schon beim Vorlesen der Frage lachen. Der Gesichtsausdruck von Tarjei und mir musste auch super gewesen sein. Eine Mischung aus Verwirrtheit und Belustigung.
Wir waren uns hier uneinig. Jeder hielt seinen eigenen Schuh hoch. Das war wirklich viel zu gut. Für sowas liebte ich unsere Freunde.

„Wer hat die schönere Technik?“ Las Miri als nächstes vor. Meine Antwort war sofort klar! Tarjei!
Er allerdings war der Meinung, dass ich schöner fuhr. Ich drehte mich um.
„Was? Hast du dich und deinen Bruder mal laufen gesehen?“ Fragte ich und sah ihn ungläubig an.
„Ja und du fährst technisch am saubersten.“
„Ja, vielleicht langsam.“ Lachte ich. „Aber sobald ich versuche mit dir und Johannes mitzuhalten, lauft ihr immer noch schön, während ich unsauber werde.“
„Wo sie Recht hat.“ Merkte Johannes von der Seite an.
„Deine Technik ist trotzdem schön.“ Grinste Tarjei und küsste mich.

„Wer redet mehr?“
„Das ist leicht.“ Lachte Tarjei und hielt meinen Schuh hoch. Das stimmte leider.

„Wer verführt mehr?“ Miri grinste. Das war schwer. Wir wechselten uns in der Hinsicht unabsichtlich ab. Ich hielt also beide Schuhe hoch.

„Wer hat die Initiative beim ersten Kuss ergriffen?“ Uh, diese Frage war wirklich schön. Das war ganz klar Tarjei.

„Wer ist wehleidiger?“
„Tarjei!“ Rief ich fast und schnellte mit seinem Schuh in die Luft.
„Ihr seid echt fast langweilig!“ Lachte Johannes. „Ihr könnt euch doch nicht immer einig sein.“
Anscheinend hatte Tarjei also auch seinen Schuh gezückt.

„Wer macht mehr Sport?“ Das war auch ganz klar Tarjei.
„Sicher?“ Rief Emil. „Du schwänzt in letzter Zeit ganz schön oft das Training! Deine Frau nicht.“
„Einer muss halt auf den Nachwuchs aufpassen. Da kannst du noch nicht mitreden Emil!“ Erwiderte Tarjei. „Und du auch nicht Johannes!“ Setzte mein Mann noch hinten dran, denn Johannes hatte den Mund schon geöffnet und war im Begriff etwas zu sagen. Es war ungewohnt und wunderschön zugleich Tarjei so nennen zu können.

„Okay, noch zwei Fragen.“ Meinte Miri. „Wer ist der bessere Beifahrer?“
Sobald wir unsere Entscheidung getroffen hatten, lachten alle. Jeder war der Meinung, dass er selbst der bessere Beifahrer war.

„Und wer braucht länger im Bad?“
„Ich nicht!“ Riefen wir beide sofort und wieder lachten alle.
„Okay, fragen wir den Rest.“ Entschied Miri und sah zu unseren Freunden. Zum Glück war die Mehrzahl für Tarjei, selbst Johannes.
„Sorry, aber du brachst genauso lange wie ich und wir sind nicht schnell.“ Sagte dieser.

Der ganze Abend war viel zu gut. Nach dem Essen kam die Torte, da konnte ich mich durchsetzen und wir hatten eine schöne fruchtige Torte mich Schokoladenüberzug genommen. Natürlich hatte ich meine Hand oben.
„Ah!“ Lachte Johannes. „Das war klar, das Line die Hosen anhat bei euch.“
„Ich habe sie ihr gegeben.“ Erwiderte Tarjei nur und grinste mich an. „Sie kann das alles viel besser als ich!“

Und nach der Torte kam der Hochzeitstanz.
Tarjei und ich hatten uns für Marit Larsen entschieden. Das war das Lied, nachdem wir uns das erste Mal geküsst hatten. Und es verband uns mit Miri, ohne die wir uns nie kennengelernt hätten.

Ich war immer noch der Meinung, dass ich gar nicht tanzen kann, aber der Walzer, den wir tanzten, sah fast gut aus. Tarjei hatte mir das Tanzen beigebracht und wir hatten im Wohnzimmer geübt.

„Wow.“ Grinste Tarjei am Ende. „Meine Frau kann tanzen.“
„Du bist ja auch nicht schlecht.“ Zwinkerte ich ihm zu und nahm ihn dann nochmal in den Arm.
„Ich darf?“ Fragte Johannes und nahm meine Hand.
„Mh.“ Grinste Tarjei und tat so als müsste er überlegen. „Sehr gerne.“
„Werde eigentlich auch noch gefragt?“ Ich sah die beiden Brüder herausfordernd an.
„Nö.“ Kam es einstimmig.

„Du willst tanzen?“ Ich sah Johannes skeptisch an.
„Ja.“ Grinste dieser stolz. „Tarjei hat mir ein paar Schritte gezeigt.“
„Na dann.“ Ich grinste auch. „Bleiben wir beim Walzer?“
„Bitte!“ Nickte er erleichtert.

Tatsächlich klappte es erstaunlich gut.
„Wow. Nicht schlecht.“

„Ich würde jetzt meinen Strauß werfen.“ Meinte ich zu Miri, die in ihrem Kopf den Zeitplan hatte.
„Oh ja, sehr gerne.“ Sie sagte allen Bescheid und ein paar Minuten später standen alle unverheirateten Mädels hinter mir.
„1…2…3…“ Zählte ich runter und warf.
Als ich mich umdrehte, konnte ich nicht anders als lachen. Auch wenn Johannes nicht mal in der Näher der anderen gestanden hatte, musste ich ihn damit am Kopf getroffen haben.
„Na das geht ja schonmal gut los Line!“ Rief er lachend und hob den Strauß auf.
„Sorry!“ Rief ich zurück.
„Jetzt weiß ich auf jeden Fall, warum du keinen Ballsport spielst.“ Alle lachten.
„Ich glaube, er gehört jetzt dir.“ Grinste ich ihn an.
„Ohje. Ich finde doch nie einen Termin mich selbst zu heiraten.“ Lachte er, kam auf mich zu und umarmte mich.
„Na ein Glück, dass du eine Freundin hast.“ Flüsterte ich.
„Da hast du Recht.“ Damit drehte er sich um, überreichte seiner neuen Freundin den Strauß und küsste sie. Die beiden waren noch nicht so lange zusammen, dass sie über eine Hochzeit sprachen, aber sie freute sich sichtlich über diese Geste.

„Du siehst so glücklich aus.“ Flüsterte Miri mir irgendwann ins Ohr.
„Das bin ich auch.“ Grinste ich sie an und umarmte sie. „Danke für alles.“
„Gerne.“ Sie lächelte ihr typisches Lächeln und legte einen Arm um mich.
„Du bist einfach die Beste!“
„Ich weiß.“ Kam nur zurück. „Aber sieh uns an. Wir haben doch jetzt alles erreicht. Oder ist bei dir noch etwas offen?“
„Nein.“ Ich schüttelte den Kopf. „Ein zweites Kind vielleicht, aber nicht sofort. Ich möchte die Zeit mit Jannis noch genießen können.“

Die Feier wurde noch lustiger. Nachdem unsere Eltern mit Jannis gegangen waren, wurde die Musik noch etwas lauter aufgedreht und wir feierten alle.
Felix, Benni und Simon hatten sich überreden lassen den Schuhplattler zu tanzen. Auch wenn Benni und Simon aus dem Schwarzwald kamen.
Ich hatte mich lange nicht mehr so ausgelassen gefühlt. Diese Hochzeit war einfach wunderschön und perfekt und ich wollte, dass dieser Tag niemals endete.

Gegen 5 Uhr waren Tarjei und ich nach Hause gefahren.
„Willkommen zu Hause meine Braut.“ Grinste Tarjei und hob mich hoch, um mich über die Schwelle zu tragen.
Miri hatte unser Haus geschmückt und mit Rosen verziert und sich die größte Mühe gegeben. Es war wundervoll! Überall waren Lichterketten und Kerzen.
„Sie hat sich wirklich mühe gegeben.“ Hauchte ich und bewunderte unser Haus.
„Ja, aber das ist mir gerade ein wenig egal.“ Flüsterte Tarjei mir ins Ohr und nahm meine Hand, um mich in unser Schlafzimmer zu ziehen.

Dann fing er an mich zu küssen und öffnete dann vorsichtig mein Kleid. Besonders schwer war es nicht, er musste nur die paar Knöpfe öffnen und einen kurzen Reißverschluss runterziehen. Wir unterbrachen den Kuss kurz, um mein Kleid vorsichtig auf einen Stuhl zu legen.
„Ich liebe dich.“ Hauchte Tarjei, bevor wir beide unglaublich glücklich auf unser Bett fielen.
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