Die letzte Calore

GeschichteDrama / P12
OC (Own Character)
06.12.2019
05.02.2020
3
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DER JUNGE KÖNIG schaute liebevoll zu seiner Tochter hinab, auf Maeva Calore, das dritte Kind seiner Ehefrau und ihm. Er wusste nicht, was er ohne seine Frau Darnessa oder seine Söhne Melvin und Damian machen sollte. Er liebte seine kleine Familie sehr, auch wenn momentan die Lage für ihre Familie schwer aussah. Die Scharlachrote Garde erhob sich und schien nicht mehr aufhaltbar. Jederzeit könnten sie attackiert werden. Und dann würden ihnen möglicherweise auch ihre Fähigkeiten nicht mehr helfen. Vielleicht würde ihre Linie untergehen - auch, wenn der junge König hoffte, dass dies nicht der Fall war. Doch er konnte es zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Er hoffte einfach darauf, dass seine Tochter noch länger überleben würde. Dass Maeva ihren ersten Geburtstag feiern konnte. Dass sie aufwachsen konnte, in Frieden. Dass sie irgendwann mit einem Jungen ihren ersten Kuss teilen konnte, und dass sie leben konnte. Und tief in seinem Inneren wünschte sich der König, all dies miterleben zu können. Dass sich die Verhältnisse noch in dieser Nacht ändern sollten, ahnte er nicht. Vielleicht spürte er, tief in seinem Inneren, dass sich etwas in dieser Nacht ändern würde. Doch ob es gut oder schlecht sein würde, wusste er nicht.

Jace Calore schlief tief und fest in seinem Bett, eingehüllt in sein weißes Seidennachthemd. Seine Frau, Darnessa Calore, hatte ihren Kopf auf seiner Brust gebettet, die sich in leichten Atemzügen hob und senkte, hob und senkte. Jace hatte seinen Arm um die Taille der blondhaarigen Frau gelegt, in deren Adern das Blut der Samos' floss. In dem kleinen Bett neben dem großen Himmelbett der beiden Liebenden lag ein kleines Baby, höchstens einen Monat alt. Tatsächlich wurde Maeva Calore erst vor wenigen Tagen geboren. Ihr kleiner Brustkorb hob und senkte sich in gleichmäßigen Atemzügen, die kleinen Hände waren zu Fäusten geballt. Das seidene Nachthemd umspielte den kleinen Körper, ein Lächeln lag auf den Lippen des Mädchens. Durch die geöffneten Augen des Kindes erkannte man, dass es blaue Augen hatte, genau, wie jedes andere Kind kurz nach der Geburt. Doch Maeva Calore schrie nicht. Sie lag ruhig da, das erste Mal seit Stunden, und schaute einfach auf die Decke hinauf, auf das kleine Mobile, das über dem Bett hing. Die Sonne, der Mond und die Sterne leuchteten auf das kleine Mädchen hinab und drehten sich. Stunden zuvor hatte Maeva mit ihren kleinen Armen nach den kleinen Planeten greifen wollen, doch sie war nicht groß genug dafür. Der Raum lag in vollkommener Stille da und nichts und niemand zerstörte die Stille.

Doch dann wurden Jace und Darnessa von einem lauten Knallen geweckt. Sofort saß der König aufrecht im Bett, schaute sich aufmerksam um. Auch Darnessa war aufgewacht und zu ihrer Tochter geeilt. Sie hob das kleine Mädchen hoch, das noch keinen Ton von sich gegeben hatte.

»Nessa, geh los, und hol Melvin und Damian!«, rief Jace, doch Darnessa wollte ihren Mann nicht alleine lassen. »Nicht ohne dich, Jace!«, sagte sie bestimmt. »Ich—du musst dich retten, Darnessa...«, wisperte der König, der bereits sein Schwert gezogen und seine Kräfte mobilisiert hatte. »Ich gehe nicht ohne dich!«, wiederholte Darnessa. Plötzlich wurde die Tür aufgestoßen und zwei Jungen liefen in den Saal. Beide trugen Nachthemden, der kleinere der beiden, welcher blondes Haar hatte, rieb sich über die verschlafen wirkenden Augen. »Mama? Papa? Was ist los?«, über der kleinen Familie begannen die Sirenen zu heulen. Darnessa gab ihrem älteren Sohn, Melvin, das Baby in die Arme. »Melvin, Damian, bitte, passt auf Maeva auf«, wisperte sie und holte zwei Mäntel aus dem Schrank, die sie um ihre Söhne wickelte. Dann öffnete sie das Fenster und hängte eine Leiter herunter. »Rettet euch!«, wisperte sie und zuerst kletterte Melvin heraus, dann folgte Damian mit Maeva im Arm. »Mama, was ist mit euch?«, fragte Damian leise. Der neunjährige kannte die Situation nicht. Noch nie waren sie angegriffen worden, im unantastbaren Whitefire-Palast.

»Wir kommen nach«, wisperte Darnessa, in dem Wissen, dass sie ihre Kinder möglicherweise nie wieder sehen würde. Melvin, der mit seinen vierzehn Jahren der Älteste der Geschwister war, schaute seine Mutter zweifelnd an. Er sah den Sinn hinter ihren Worten. Nein, Darnessa Calore log sie an. Und das wusste er, tief in seinem Inneren. Doch war er wirklich bereit für ein Leben auf der Flucht? Darnessa warf ihren Kindern zwei Rucksäcke zu, gepackt mit Utensilien zum Überleben. Sie hatten lange den Angriff erwartet, und waren dementsprechend auch vorbereitet.

»Tschüss, wir sehen uns später«, wisperte Darnessa leise, und dann liefen die Jungen los, auf dem Arm ihre Schwester.

Seufzend wendete sich Darnessa von dem Anblick ihrer Kinder los, zog sich ein einfaches Kleid an, in das Metall eingearbeitet war. Sie war eine Megnatorin, sie konnte das Metall zu ihrem Nutzen nutzen. Ihr Mann legte sich nur sein Flammenzünder-Armband um. Sie schenkten einander einen letzten Kuss, letzte liebevolle Worte. Dann wurde die Tür zu ihrem Schlafzimmer erneut aufgeworfen und die beiden wussten, dass ihre letzte Stunde angebrochen war.
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