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Liebe auf Zehenspitzen [Weihnachts-Spezial 2019]

von Lady0409
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFamilie / P12 / Gen
Dr. Lea Peters OC (Own Character) Tim Peters
05.12.2019
31.12.2019
9
18.495
1
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
10.12.2019 2.419
 
Kapitel 2
Alles kommt auf einmal

Was, wenn sie eines Tages bei ihrem eigenen Kind eine Appendizitis übersehen würde und Tim mit einem Blinddarmdurchbruch in die Klinik eingeliefert werden würde? Könnte sie sich dann vielleicht ruhig in eine Ecke setzen und die Kollegen ihren kleinen Sohn operieren lassen? Oder würde sie, wie bei Jennes Tod, auch vor dem Operationssaal an der Scheibe stehen und zuschauen?

Auf jeden Fall war es ein Fehler, ihrem kleinen Patienten damals die Wärmflasche auf den Bauch gelegt zu haben; schließlich konnte sich durch diese Behandlung die Entzündung um ein Vielfaches verschlimmern. Zum Glück war der Blinddarm bis heute allerdings noch nicht durchgebrochen und Lea könnte ihn in einer kleinen Operation in wenigen Stunden einfach entfernen.
Trotzdem machte sich die erfahrene Neurochirurgin, die in ihrer Medizinerkarriere schon mehrere Kinder mit einer akuten Appendizitis behandelt hatte, die allergrößten Vorwürfe; sie hatte bei Max die Symptome einfach übersehen.

‚Mist, ich habe mit der Behandlung einen großen Fehler gemacht. Die Wärmflasche war eindeutig falsch. Max hätte eine Appendixperforation erleiden können, wenn die Entzündung schon damals so schlimm war…‘, gab sich Lea die Schuld an dem Zustand des kranken Jungen und sie strich kurz über den Kopf des Kindes, das in den letzten Minuten noch mehr Angst bekam.

„Duu? Tante Lea? Machst du den Bauch gesund?“, wollte Max wissen und Lea nickte. „Ich denke, für deine Mama wäre das angenehmer, wenn ich dich operieren würde. … Oder möchtest du lieber, dass ich Doktor Hoffmann anrufe?“
„Nein, du sollst den Bauch aufschneiden; bei dir macht es nicht Aua Aua… Machst du dann auch… Machst du dann nach dem Aufschneiden den Bauch auch wieder zu?“, bat der kleine Patient seine behandelnde Ärztin und Lea erklärte: „Ja, natürlich. Wenn ich die böse Stelle aus deinem Bauch geholt habe, dann nähe ich dich auch wieder zu. … Aber jetzt möchte ich erst einmal noch ein kleines bisschen Blut von dir haben. Darf ich?“
„Ja… Ja, das tut nicht weh… Hat Oskar gesagt. … Aber wo die Pauline beim Doktor gewesen ist, da hat sie ganz schlimm geweint.“ „Deine Schwester musste Blut abgenommen bekommen?“, wollte Lea von dem Jungen zur Ablenkung wissen und sie holte bereits die Dinge aus dem Schrank, die sie für die Blutabnahme brauchte.
„Ja… Ja, wo sie beim Doktor war… Und da hat sie schlimm geweint.“, erzählte Max seiner behandelnden Ärztin und Lea nickte.

Als sie sich jedoch wieder ihrem kleinen Patienten zuwandte, kam ihr erneut die Szene in den Kopf, als Max auf dem Sofa lag. Mit einer Wärmflasche auf dem Bauch.
Vermutlich hatte der Sechsjährige schon zu diesem Zeitpunkt eine beginnende Blinddarmreizung und sie hatte es nicht bemerkt und wahrscheinlich sogar noch verschlimmert.
Aber jetzt würde sie erst einmal bei dem zitternden, kleinen Patienten noch ein wenig Blut aus dem linken, ihr zugewandten Arm abnehmen, wusste die Ärztin, und sie schockte den Sechsjährigen damit, sogleich mit einem Stauschlauch den Arm etwas abzubinden und sich auf die Suche nach einer geeigneten Vene zu machen.

„Ich muss nur noch kurz eine Vene für die Blutabnahme suchen, Max. Und dann gibt es einen kleinen Pieks… Aber das tut dir bestimmt nicht weh. Ich bin ja bei dir.", versprach die Chirurgin ihrem kleinen Patienten und klopfte sogleich auf die gefundene Vene, bis diese gut durchblutet und durch die Haut für die Abnahme optimal zu sehen war. „Du hast doch bestimmt jetzt gar keine Angst vor dem Blutabnehmen, hm? Indianer kennen doch auch gar keinen Schmerz."
„Pirat… Ich bin ein Pirat… MAMA… MAMA… Ich will nicht…", seufzte Max und fing beim Anblick der Spritze zu weinen an, als Lea die Nadel auspackte. „ICH WILL NICHT! MAMA!“

„Das tut dir doch jetzt wirklich gar nicht weh. … Mama ist ja bei dir. Und ich mache auch nur kurz einmal ganz ganz kurz Pieks in den Arm. Das tut gar nicht weh.", sagte Lea beruhigend, als sie noch ein wenig Desinfektionsmittel auf Max´ Arm sprühte, die Reste mit einem Tuch wegwischte und anschließend ihren kleinen Patienten ablenkend fragte: „Wie ist es denn eigentlich in der Schule für dich? Kommst du mit deinen Mitschülern gut klar? Oder habt ihr Streit?“
„Ich hab Freunde… Schule ist klasse.“, freute sich Max über die Frage und merkte dabei kaum etwas davon, dass Lea ihm sanft die Kanüle für die Blutabnahme in den Arm stach und ein paar erste Tropfen der roten Flüssigkeit bereits in das Röhrchen liefen.
„Ich will nicht pieksen… Nicht pieksen… MAMA! MAMA!“, wimmerte Max nach der kurzen Unterhaltung mit Lea und die Neurochirurgin erklärte: „Es ist doch auch schon passiert. … Siehst du, Max. Alles schon vorbei. Du hast es hinter dir.", beruhigte Max´ behandelnde Ärztin den sechsjährigen, völlig verängstigten Jungen und sah, wie Max doch etwas gegen das Blutabnehmen rebellierte, als es ihm weh tat.

Mit energischen Ziehen und Zerren versuchte Max seinen rechten Unterarm aus Arzus Hand zu bekommen, damit er die Nadel aus dem linken Arm entfernen konnte. Doch seine Mutter hielt ihn so kräftig fest, dass Max nur noch schreien konnte.

„MAMAAAA! MAMA! NEIN! NICHT ABNEHMEN!“ „Max. Du hast es doch schon hinter dir… Es ist doch schon passiert. … Die Nadel ist in deinem Arm und die bleibt jetzt auch für die nächsten paar Sekunden dort.“, beruhigte Arzu ihren Sohn mit sanfter Stimme, während auch Lea auf ihren rebellierenden Patienten blickte und erklärte: „Du machst das mit der Blutabnahme hier auch schon ganz wunderbar, Max… Ich nehme dir auch nur drei kleine Röhrchen Blut aus dem Arm weg. Dann darfst du auch schon in dein Krankenzimmer und dich von der Untersuchung ein bisschen ausruhen, bis wir dich auf die Operation vorbereiten. Heute Nachmittag wird der kranke, kleine Wurm dann aus dem Bauch heraus geholt…", meinte Lea und zog die drei Röhrchen mit Blut voll, während die Mutter des kleinen Patienten sanft über den Kopf ihres Sohnes streichelte und erklärte: „Lea tut dir jetzt auch gar nicht weh, Max. Du brauchst keine Angst haben… Für deine kleine Schwester ist Fiebermessen doch schon viel schlimmer, als die Blutabnahme… Versprochen, Max. Es ist alles gleich vorbei; du hast doch das Schlimmste auch schon längst hinter dir.“

Mit beunruhigtem Blick beobachtete Max seine behandelnde Ärztin, die noch immer die Röhrchen mit Blut füllte, bevor die erfahrene Neurochirurgin die Mutter ihres Patienten fragte: „Ach, Apropos Fiebermessen: Wann hast du denn eigentlich das letzte Mal die Temperatur hier bei deinem kleinen Kranken gemessen?" „Kurz, bevor wir hierher in die Klinik losgefahren sind… Ich dachte, ich würde auf Doktor Hoffmann treffen und er würde gleich die Untersuchung von Max übernehmen. Und da hab ich, weil ich den Verdacht auf Appendizitis bei meinem Sohn hatte, lieber die Temperatur bei Max selbst gemessen. … Ich wollte meinen Sohn nicht auch noch dem Chefarzt ausliefern. Die Untersuchung bei Doktor Hoffmann hätte ihm vielleicht einfach nur äußerst weh getan… Und ich wollte es meinem Sohn einfach ersparen, von Doktor Hoffmann dann auch noch die Temperatur gemessen bekommen zu müssen. … Er hatte bei der Untersuchung Zuhause 37,1 Grad unter dem Arm und 38,6 Grad rektal gemessen. Ich hatte wie gesagt schon zu Hause den Verdacht, Max könnte vielleicht auch eine Blinddarmentzündung haben. Und da habe ich gleich rektal noch kontrolliert… Dieser typische eine Grad Unterschied zwischen der axillaren und der rektalen Messung hat bei mir sofort den Ausschlag gegeben, Max in die Klinik zu bringen."
„Mach dir keine Sorgen, Arzu. Wir kriegen das schon hin. … Hast du Max denn zu Hause einmal zum Testen hüpfen lassen?“, wollte Lea wissen und Arzu nickte: „Ja… Er wollte nicht. Und dann… Er wollte auch plötzlich lieber von mir getragen werden, als zu laufen. Du hast es ja selbst gesehen; in den Behandlungsraum habe ich ihn getragen… Obwohl er das Tragen als Kleinkind schon gehasst hat, wie die Pest. Aber plötzlich… Plötzlich war ihm das Laufen viel zu viel.“

„In Ordnung. … Wie ist es denn jetzt mit dem Durchfall bei Max?" „Der ist zum Glück wieder abgeklungen.", antwortete Arzu und Lea legte noch einmal kurz ihre Hand auf Max' Stirn, bevor sie sagte: „Dann würde ich dem tapferen Max jetzt noch einmal gerne ein Zäpfchen gegen die Schmerzen geben; dann ist die Zeit bis zur Operation nicht so anstrengend für unseren tapferen Piraten.“

Lea ging zum Schrank mit den Medikamenten und holte ein Schmerzzäpfchen für Max heraus, bevor sie sich ein paar Handschuhe anzog und erklärte: „Ich werde dir jetzt nur einmal kurz weh tun. Aber ich hab bei Tim… und bei anderen Kindern in meiner AiPler-Zeit schon öfter Zäpfchen in den Popo geben müssen. Da weiß ich, wie das am wenigsten weh tut… Arzu, hältst du deinen Sohn bitte noch einmal kurz fest? Dann gebe ich ihm schnell das Medikament.“

Vorsichtig zog Arzu, nachdem sie Max kurz erklärt hatte, was los war und ihn fragte, ob der Plan der beiden Frauen in Ordnung war, die Hose ihres Sohnes herunter, drehte den Jungen auf die Seite und hielt den Kleinen ordentlich fest, während Lea ihrem Patienten gut zuredete.
„Du brauchst keine Angst haben, Max. Es ist alles gleich auch schon wieder vorbei… Und dann lege ich dir zur Vorbereitung auf die Operation gleich noch den Zugang in die Hand. … Na komm, jetzt gibt es schnell noch eine tolle Medizin gegen die schlimmen Schmerzen im Bauch…“

Max fing sofort zu weinen und zu jammern an, als er merkte, dass er trotz einiger Wehrversuche nicht mehr wegkam und Lea setzte sich neben den Rücken ihres Patienten, um die Zäpfchengabe zu verschleiern, bevor sie sanft und ganz vorsichtig ihrem kleinen Patientin das Zäpfchen verabreichte.

„Sooo… Schon passiert… Es ist alles schon passiert… Gut gemacht“, beruhigte die Ärztin den Jungen und ließ ihren Finger noch ein wenig im Po von Max stecken, um das Zäpfchen am Herausgleiten zu hindern. „Ja, das tut weh. Ich weiß… Aber es ist vorbei. Du hast es geschafft. Das Zäpfchen steckt. … Sooo, jetzt bleibst du bitte noch ein paar Augenblicke liegen und dann bringt dich deine Mama in dein Krankenzimmer. … Wir messen am besten vor der Operation noch einmal kurz die Temperatur von Max und dann wird alles wieder gut…", wusste die Neurochirurgin und sie beruhigte den Sechsjährigen.

„Das hast du wunderbar gemacht, Max. Ich bin richtig stolz auf dich.“, lobte sie ihren Patienten und griff zu einer weiteren Kanüle, die sie dem erst sechsjährigen Jungen in die Hand stechen wollte.
„Ich lege jetzt noch gleich einen Zugang zur Vorbereitung auf die Operation heute Nachmittag. Am besten gleich… hier in den linken Arm. Die Hand liegt so ruhig da. … Max, es tut mir wirklich sehr sehr leid. Aber das wird… Aber das piekst dich leider gleich noch einmal. Danach ist aber auch alles schon wieder vorbei. Versprochen. … Die Narkose gibt es dann auch gleich noch über die Vene…"

„Macht dann die Schwester von Papa das Schlafen?“, wollte Max etwas ängstlich wissen und Lea zuckte kurz mit den Schultern, als sie antwortete: „Ich weiß nicht, wer bei dir die Narkose einleiten und überwachen wird. Aber ich denke nicht, dass Doktor Globisch das machen wird. Sie ist schließlich deine Tante und… und viel zu sehr besorgt um dich. … Wir werden sehen, welcher Anästhesist gerade für die Operation von dir Zeit hat. Aber was ich dir versprechen könnte wäre, dass ich versuche, deinen Stiefpapa herzuholen. Vielleicht kommt er ja dann auch gleich sofort hierher, wenn ich ihn anrufe und ihm sage, dass du aufgenommen wurden bist und heute Nachmittag operiert werden musst.“
„Aber Papa soll kommen.“, erklärte Max und vergrub seine Nase in den Armen von Arzu, um seiner Tante Lea nicht zu zeigen, dass er noch kräftiger weinte.

Niklas fehlte seinem Sohn sehr und auch, wenn in den Sommerferien eine Reise nach Amerika fest eingeplant war, so war die Nähe von Arzus Ex-Affäre zu ihrem gemeinsamen Sohn besonders jetzt in dieser Situation am Wichtigsten.

Arzu fiel allerdings sofort ein wunderbares Geschenk zum Trösten ein, als sie ihrem kränkelnden Sohn mit beruhigender Stimme sagte: „Ich habe schon gestern Nacht um Halb Drei, als du so sehr geschwitzt und wegen den Schmerzen geweint hast, in dem Krankenhaus in San Francisco angerufen, wo dein Papa jetzt arbeitet. Zum Glück gibt es ja die Zeitverschiebung zwischen Deutschland und Amerika. … Niklas weiß von deinem Problem schon längst Bescheid und er ist auch bereits auf dem Weg hierher. Hoffe ich jedenfalls. … Eigentlich wollte er sich ja noch einmal bei mir melden, wenn er auf dem Flughafen ist. Aber seit meinem Anruf in der Klinik hat sich Niklas nicht mehr gemeldet.“

„Arzu… Das muss doch noch gar nichts heißen. Vielleicht hat er es einfach in der Sorge um Max schlichtweg vergessen, noch einmal bei dir anzurufen. Oder der Flug war sehr knapp und er konnte nur mit sehr viel Hetzerei den Flieger erwischen. … Max, geht es dir schon besser?“, erkundigte sich Lea, als sich ihr kleiner Patient schon aufsetzte und kurz verwirrt um sich schaute.
„Kommt… Kommt mein Papi Niklas wirklich her?“, wollte der kränkelnde Junge von seiner Mutter wissen und Arzu zuckte noch einmal mit den Schultern, bevor sie antwortete: „Ich weiß es leider… Ich weiß es leider im Moment noch nicht, ob dein Papa wirklich hierher kommt. Aber ich werde deinen Papa, wenn er heute Mittag… oder kurz vor deiner Operation immer noch nicht da ist, auf jeden Fall noch einmal anrufen und mich erkundigen, wo er sich aufhält.“

„Ich will aber… Ich will von meinem Papa aufgeschnitten werden. Und von Tante Lea… Papa macht das mit Tante Lea zusammen…“, stellte der Junge fest und fiel seiner behandelnden Ärztin, die er durch die regelmäßigen Besuche von Lea schon sehr gern hatte, um den Hals. „Du bist eine tolle Ärztin, Tante Lea. Aber Papa… Papa ist noch ein besserer Arzt… Der macht meinen Bauch dann… dann ganz schnell auf und holt das Ding raus.“

„Max… Ich glaube nicht, dass dein richtiger Papa dich operieren wird. Weißt du, bei uns in der Klinik gibt es eine Regel. Und die besagt, dass… Dass ein Papa oder eine Mama das eigene Kind niemals selbst operieren darf.“, erklärte Lea, die Dank der Ablenkung spielend leicht dem kleinen Jungen den Zugang legen konnte, ihrem kleinen Patienten und Max sah die Neurochirurgin erschrocken an, bevor er erklärte: „Ich will aber von Papa aufgemacht werden. Du bist doch dann auch dabei. Da tut mich doch Papa nicht alleine operieren… Ist das dann auch nicht erlaubt?“ „Wir müssen sehen, ob dein Papa überhaupt da ist, wenn du operiert wirst, Max. … Ich muss jetzt auf die Station. Deine Mama kümmert sich um die restlichen Dinge. Und ich komme später noch einmal zu dir und schaue, wie es meinem kleinen Patienten geht.“
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