Liebe auf Zehenspitzen

von Lady0409
KurzgeschichteFamilie / P12
Dr. Lea Peters OC (Own Character) Tim Peters
05.12.2019
31.12.2019
9
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Liebe auf Zehenspitzen


Lea lernt während ihrem Dienst in der Klinik einen Mann kennen, der ihr nicht aus dem Kopf gehen will. Wird sie der Liebe freien Lauf lassen?



Kapitel 1
Ein neuer Morgen

Inzwischen war nach dem Tod von Leas geliebtem Mann Jenne bereits fast ein ganzes Jahr vergangen und nachdem die erfahrene Neurochirurgin ihren gemeinsamen Sohn in den ersten Monaten nach diesem einen schrecklichen Tag immer wieder von sich weghielt, um nicht an den Tod ihres Liebsten erinnert zu werden, konnte sie seit einigen Wochen wieder etwas unbeschwerter mit Tim umgehen.

„Tim… Tim… Aufstehen. Der Kindergarten ruft“, weckte die Neurochirurgin ihren kleinen Sohn an diesem Morgen und hob den Dreijährigen liebevoll auf ihren Arm. „Guten Morgen, Tim. Hast du gut geschlafen?“
„Mama… Mama…“ Tim kuschelte sich sofort, als er merkte, wer ihn auf den Arm genommen hatte, an seine Mutter und spielte, wie in alten Tagen, mit den Haaren der Ärztin. „Mama…“
„Ja, Tim. Ich bin ja bei dir. … Freust du dich schon auf den Kindergarten? … Ihr macht heute das erste Türchen vom Adventskalender auf…“, erinnerte die Neurochirurgin ihren kleinen Sohn an den besonderen Tag und sie stellte den Dreijährigen auf den Boden. „Mama hat für dich auch eine ganz ganz tolle Überraschung. … Wir haben ein großes Paket aus Amerika von Oma bekommen. Sie hat den Adventsmann getroffen.“

Aus einem großen Paket holte die Neurochirurgin einen Adventskalender von Tims Oma Christiane und deren Adoptivtochter.
„Da sind bestimmt ganz viele Überraschungen für dich drin. … Und Mama hat auch etwas für dich. Schau mal, Tim. Hier ist auch noch ein Adventskalender von Mama…“, erklärte die Neurochirurgin und hing den zweiten Kalender, den sie selbst befüllt hatte und der aus 24 kleinen Säckchen an einem langen Band bestand, an die Wand. „Da sind an vielen Tagen ganz besondere Überraschungen für dich drin.“

Tim war begeistert von den Überraschungen und schnappte sich das erste Säckchen vom Kalender seiner Mutter, welches sie ihm reichte.
Gierig versuchte er, das Säckchen zu öffnen, doch dann merkte er, dass er wohl doch noch Hilfe von Lea brauchte und so gab er Lea das Säckchen und bat um Unterstützung: „Mama… Mama…“

„Soll ich dir helfen? … Na, komm. Ich helfe dir.“ Ziemlich schnell hatte Lea den Weihnachtskalender geöffnet und zum Vorschein kam außer einem Weihnachtsmannlolli ein kleiner Modelltraktor, mit dem Tim sogleich durch die Wohnung rannte.

Lächelnd beobachtete die Neurochirurgin ihren Sohn und erkannte, dass sich Tim im Moment wohl mehr mit seinen neuen Traktor beschäftigen würde, als sie zu beachten.
„Tim! Tim, kommst du mal bitte kurz zu Mama?", rief sie den Jungen, doch wie sie es bereits wusste – ihr kleiner Wirbelwind Tim blieb stur und spielte weiter.
Dass er noch seine Windel trug, die er seit dem Tod von Jenne durch den vielen Stress und der Umstellung Zuhause wieder brauchte, war dem Jungen völlig egal.

Also fing Lea ihnen kleinen Sohn einfach ein und hob ihn auf den Arm. „Komm mal her, du kleiner Rabauke. … Jetzt mache ich dich für den Kindergarten fertig. Pauline freut sich auch schon auf dich."
„Mama… Mama…" Lautstark schreiend protestierte Tim sofort gegen das beruhigende Streicheln von Lea und er begann, aufgeregt zu zappeln. „Mama… Mama…"
„Ist doch gut, Tim. Mami ist da. … Komm, mein großer Kleiner. Leg dich hin. Mama muss deine Windel abmachen…", ermahnte die Chirurgin ihren Sohn, doch Tim, der inzwischen auf dem Wickeltisch lag, schüttelte den Kopf und warf die Packung mit den Feuchttüchern auf den Boden.

„Tim!" Lea erhob ihre Stimme ermahnend und wurde sogleich lauter. „Was soll denn das? Du weißt genau, dass ich deine… dass ich deine Windel ausziehen muss. Jetzt geht es aber los! Sonst gibt es einen Klaps, mein Freundchen."

Natürlich gab Lea ihrem Sohn keinen echten Klaps, dennoch konnte sie mit der Androhung des Öfteren schon Wunder bewirken.
Heute jedoch nicht. Tim spielte, auf dem Wickeltisch liegend, weiterhin verrückt und die Chirurgin sah nur noch einen Ausweg.
Sie legte den kleinen Jungen, der sich nun gegen alles wehrte, auf den Bauch und zog die Hose herunter.
Mit einem sanften Druck strich die Ärztin über Tims Rücken und merkte, dass sich der kleine Mann endlich wieder etwas zu beruhigen schien.

„Na, siehst du, Tim. Es ist doch alles gut. … Gib mir jetzt dein Auto, das packe ich in den Rucksack… und dann gibt es eine neue Windel. … Ja, Tim. Das muss leider sein. Ich kann dich sonst nicht richtig wickeln… Wenn du immer noch in die Hose machst, dann brauchst du, wie ein kleines Baby, eine Windel um den Popo."
Mit einer energischen Bewegung zog Lea ihrem Kind den Traktor aus der Hand und befreite den Jungen anschließend noch von seiner Windel.

Ihr aufgeregter, kleiner Tim jedoch schien nicht viel davon zu halten, ausgerechnet jetzt gewickelt werden zu müssen und die Neurochirurgin bekam einen kräftigen Tritt ihres schreienden Kindes in den Unterleib.
„TIM PETERS! WAS SOLL DAS?! WAS SOLLTE DAS JETZT?", erhob Lea ermahnend ihre Stimme und versuchte, den Po ihres Kindes hoch zu halten, um die neue Windel anzulegen.
Doch Tim machte beim Wickeln solch ein großes Theater, dass die Chirurgin ihren Sohn noch einmal ermahnte: „Tim! Mein kleiner Meckerfrosch… Wenn du hier jetzt noch weiter dein Theater machst, dann messe ich bei dir sofort das Fieber! Und zwar da drin! Deine Hose ist ja auch schon unten, da ist das für Mama kein Problem mehr, bei dir das Fieber zu messen. … Sei jetzt still! Sonst muss ich wirklich messen."

Die Chirurgin deutete auf den After ihres kleinen Sohnes und Tim, der über die Warnung seiner Mutter zu erschrecken schien, schüttelte schreiend und protestierend den Kopf.
„Gut… Aber dann benimm dich auch. Ich lege dir jetzt noch schnell die Windel an und dann geht es endlich in den Kindergarten… Ich muss jetzt auch in die Klinik. Die Patienten warten doch auch schon auf mich…"
Sanft legte die Chirurgin ihrem Kind die neue Windel an und brachte ihn, als sie Tim und sich fertig angezogen hatte, im Buggy zur Kita.


Schon wenig später, nachdem sie den zickenden Tim am Kindergarten abgesetzt hatte und auch dort wieder ein schreiendes Kind zurücklassen musste, erreichte sie die Klinik und traf am Eingang auf Arzu, die ihren mittleren Sohn Max mitgebracht hatte.

„Guten Morgen…", begrüßte Lea die dreifache Mutter und deutete auf Max. „Ist mit Max etwas nicht in Ordnung?" „Durchfall, Fieber, Bauchschmerzen und im Auto auch noch erbrochen. Vermutlich beginnender Blinddarm…", wusste Arzu und sah echt fertig aus.

„Heute Nacht nicht geschlafen?", fiel der Neurochirurgin auf, doch Arzu schüttelte den Kopf und erwiderte: „Doch… Aber… Aber das kam heute Morgen aus Amerika…" Sie gab Lea einen Brief. „Niklas will plötzlich das Sorgerecht für Max. Er hätte beim letzten Besuch gesagt, dass er zu Papi wolle."
„Und jetzt auch noch der Appendix, ich verstehe. … Soll ich mir Max vielleicht kurz anschauen? Jetzt, wo Philipp in Erfurt ist…"
„Das wäre wunderbar, Frau Doktor Peters. Ich müsste sonst mit… mit Max vielleicht doch noch zu Doktor Hoffmann und ich glaube, die beiden… die beiden werden keine Freunde mehr… Max kann den Chefarzt auf den Tod nicht leiden…"

Gemeinsam betraten Lea und Arzu, die ihren Sohn Max auf dem Arm trug, die Klinik und gingen gleich in den nächsten freien Behandlungsraum, wo der kranke Junge von seiner Mutter behutsam auf der großen Untersuchungsliege abgelegt wurde, während sich Lea ihren weißen Arztkittel anzog und sich ihrem kleinen Patienten zuwandte.
„So, Max. Ich will mir jetzt bitte einmal deinen Bauch kurz ansehen, warum es dir nicht gut geht. Hast du denn hier vielleicht Schmerzen? Tut das weh, wenn ich hier auf deinen Bauch drücke?" Lea zog vorsichtig den Pullover des etwas ängstlichen Jungen, der vor ihr auf der Untersuchungsliege lag und von seiner Mutter sanft gestreichelt wurde, hoch und drückte anschließend sehr vorsichtig auf den rechten Unterbauch, wobei der kleine Patient sofort zusammenzuckte.

„Das tut dir wohl sehr weh, wenn ich hier auf dem Bauch ein bisschen drücke? … Und wie ist es hier? Auf der linken Bauchseite…" Lea legte prüfend ihre Hand auf die linke Seite von Max' Bauch und drückte auch dort ein wenig, doch der Patient schüttelte den Kopf.
„Da tut es nicht weh, Tante Lea“, erklärte er tapfer und versuchte zu verhindern, dass Lea noch einmal auf der rechten Seite prüfte, ob der Schmerz immer noch vorhanden war.

Doch die Ärztin ließ den Jungen lieber in Ruhe und wandte sich an die Oberschwester, die zugleich die Mutter von Max war, mit der Bitte, alles für die stationäre Aufnahme von Max vorzubereiten.
„In Ordnung, Max. Wenn es dir beim Drücken auf der linken Seite nicht weh tut, dann glaube ich schon zu wissen, was du hast. … Aber wir machen trotzdem noch einmal kurz eine Sonographie… und dann geht es auf die Station. Heute Nachmittag müssen wir den kleinen Wurm dann wohl rausholen, wenn es wirklich der Appendix ist…", wusste Lea und sah ihren kleinen Patienten an, bevor sie zum Ultraschallgerät griff und ein wenig Gel auf dem Bauch von Max verteilte. „Das tut nicht weh, Max. Bist du denn eigentlich schon einmal operiert worden?"
Max schüttelte den Kopf, da er sich natürlich in seinem Alter nicht mehr an seine Operation in Erfurt erinnern konnte. Arzu jedoch wusste es noch ganz genau, was sie damals für Ängste um ihren kleinen Sohn ausgestanden hatte; nervös nickte sie und erklärte der Ärztin: „Doch… Doch, Max ist schon einmal operiert wurden. … Als Niklas noch in Erfurt war und Max für ein Wochenende bei sich hatte, hatte der Kleine plötzlich einen Leistenbruch. Niklas wollte ihn noch an diesem Tag selbst operieren, dann gab es aber Probleme mit der Narkose und… Und die Operation ist verschoben wurden. … Sie können wegen den Problemen mit der Narkose gern selbst noch einmal mit der damaligen Anästhesistin Doktor Sherbaz sprechen."

Lea nickte und schaltete anschließend auch schon das Ultraschallgerät ein, bevor sie den Ultraschallkopf auf den Bauch von Max auflegte und mit der Untersuchung begann.
„Na, Max. … Da bist du ja auch schon ein Profi, was Operationen angeht. Da brauche ich dir ja gar nicht mehr erklären, was mit dir passiert. … Du weißt ja schon, was bei einer Operation mit dir passieren wird…“, wandte sich die Neurochirurgin an den kleinen Jungen und Max fragte ängstlich die Ärztin, die ihn untersuchte: „Tut… Tut das weh?“
„Nein… Nein, absolut nicht. Du bekommst vor der Operation einen kleinen Pieks von einem Doktor und dann wirst du ganz schnell einschlafen. Das tut absolut nicht weh. Versprochen. … Vielleicht tut dir anschließend der Bauch ein bisschen weh. Aber dagegen gibt es dann nach der Operation ein Schmerzmittel…“, versprach die Chirurgin ihrem kleinen Patienten und wandte sich dann an die Oberschwester, der sie anmeldete: „Gut, ich brauche vor der Operation auf jeden Fall noch eine Blutprobe von Max und… Und dann schauen wir mal, wie es in deinem Bauch… in deinem Bauch aussieht… Schau mal, hier ist die Leber… Das ist die Milz.“

Mit vorsichtigen Bewegungen fuhr Lea über den Bauch ihres kleinen Patienten, bevor sie schon zum entzündeten Blinddarm von Max kam und dem Jungen erklärte: „Oh, ja… Ja, da ist ja auch schon der entzündete Wurm. … Das hier, Max, ist dein Blinddarm. Der ist wirklich sehr entzündet. Kein Wunder, dass dir der Bauch so sehr weh tut. … Da werden wir leider um eine Operation mit Sicherheit nicht vorbeikommen. Sie wissen ja selbst am besten, was ohne Operation passieren könnte. … Tja, Max. Das wird dann wohl also schon die zweite Operation in deinem Leben werden; es tut mir sehr leid für dich… Aber hier… Der Blinddarm ist völlig entzündet und schon ziemlich verdickt. Er muss wohl auch schon eine ziemliche Weile extreme Schmerzen haben; so, wie der Appendix aussieht…"

Lea stockte kurz in ihren Ausführungen und sie erinnerte sich an den letzten Babysittingtag bei Arzus und Philipps drei Kindern vor ein paar Tagen. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte Max über leichte Bauchschmerzen geklagt und ihm war auch schon etwas schlecht gewesen; zum Mittag hatte er sich bereits übergeben und anschließend lag der Sechsjährige nur noch auf dem Sofa und hatte sich ausgeruht – mit einer Wärmflasche auf dem Bauch.

Eindeutig das Falscheste, was sie beim Verdacht auf Appendizitis ihrem kleinen Patienten antun konnte. Aber sie hatte doch damals auch noch keinen Verdacht auf eine Blinddarmentzündung. Sie hatte vermutet, dass Max sich den Magen verdorben hatte.
Sollte sie bei der Untersuchung damals vielleicht doch schon irgendetwas übersehen haben? Hätte sie den kleinen Jungen vielleicht doch in die Klinik bringen müssen?
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