Lessons of Life

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
04.12.2019
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Müde rieb sie sich die Augen und begutachtete den Stapel Papier, der sich auf ihrem teuren Schreibtisch türmte – mit einem tiefen Seufzen griff sie nach der nächsten Akte und überflog den Inhalt.
Elsa war mit ihren 24 Jahren eine der jüngsten Anwältinnen New Yorks und genoss einen großartigen Ruf – sie hatte schon viele Unschuldige vor dem Gefängnis bewahrt, da sie eine besondere Gabe für Kleinigkeiten hatte.
Doch ihr Beruf hatte nicht nur Sonnenseiten - da sie so scharfsinnig und genau arbeitete, gab es jede Menge Neider und Hasser. Sie hielt ihr Privatleben konsequent geheim und sorgte auch dafür, dass man im Internet abgesehen von ihrer Anwaltskanzlei nichts über sie fand.
Ein Klopfen ließ sie aufhorchen, sie hob nur kurz den Kopf, als ihre Sekretärin mit weiteren Akten auf sie zukam, ein erneutes Seufzen verließ ihre Kehle.
„Dieser Fall scheint besonders dringend zu sein Miss Arendelle… Der Manager hat mich angerufen, ob er gleich morgen den frühesten Termin bei Ihnen haben könnte.“, sprach die junge Frau und legte ihrer Chefin die Akte auf den Tisch, Elsa öffnete sie und las sich nur kurz die Fakten durch. „Ein Rockstar, der immer wieder durch Sachbeschädigung, Rauschmittelkonsum und Körperverletzung auffällt? Sollte man diesen...“- sie blätterte weiter nach dem Namen - „Jackson Overland kennen?“
Ihre Sekretärin nickte eifrig und verwies sie auf das beigelegte Gruppenfoto, das den jungen Mann mit seiner Band auf einem Konzert zeigte. „Er ist mit seiner Band, den Rise of the Guardians derzeit auf Amerikatour, obwohl sein Heimatland Norwegen ist. Leider fällt er auch der Presse immer wieder mit seinen Wutausbrüchen auf, die ihn dann in den Schlagzeilen förmlich auseinander nehmen.“, antwortete sie, Elsa fuhr sich nur durchs Haar, bevor sie die Akte wieder zuklappte.
„Nun, ich muss ehrlich zugeben, dass ich noch nie etwas von ihm oder dieser Gruppe gehört habe. Für wann ist der Termin mit dieser Band morgen angesetzt?“, fragte sie nun und die junge Frau zeigte auf den Online Terminkalender am PC. „Gleich 8 Uhr morgens, der Manager hat übrigens darauf bestanden, dass wir eine Verschwiegenheitserklärung für diesen Fall unterschreiben – bei Vertragsbruch fordert er eine hohe Geldstrafe...“, murmelte sie, Elsa zog belustigt eine Augenbraue nach oben. „Von einer amtlichen Schweigepflicht hat er wohl noch nie gehört oder wie?“, fragte sie und stand auf, ehe sie den Stuhl zurück schob – sie packte die Akte des rüpelhaften Rockstars in ihre Tasche, sie wollte nach dem Abendessen noch einen genauen Blick darauf werfen.

Es war bereits dunkel, als sie ihre Kanzlei zu sperrte und den Heimweg antrat – da sie nur 15 Minuten entfernt wohnte, ließ sie das Auto in der Garage stehen.
Sie konnte schon von weitem die prächtige Villa sehen, in der sie mit ihrer jüngeren Schwester wohnte – obwohl sie immer ein bescheidenes Apartment in der Stadt beziehen wollte, konnte Anna sie dazu überreden dieses riesige, moderne Haus zu kaufen. Die junge Frau kramte in der Tasche nach dem Schlüssel und sperrte schließlich die riesige blaue Haustüre auf, die Haushälterin kam ihr lächelnd entgegen um den Blazer und die Tasche fein säuberlich aufzuhängen. „Wo ist Anna?“, richtete Elsa nun das Wort an die ältere Dame, die Richtung Küche zeigte. „Sie steht schon den ganzen Nachmittag drinnen, um ein leckeres Abendessen zu kochen...“, murmelte die Angesprochene und lächelte entschuldigend – beide Frauen wussten um die Kochkunst des rothaarigen Mädchens und das Chaos, das die arme Haushälterin danach beseitigen musste.
Nach einer gefühlten Ewigkeit hatte es die Jüngere tatsächlich geschafft für sie und ihre Schwester einen Topf mit dampfenden Nudeln und einer Fleischsoße zu zaubern – die beiden Frauen setzten sich an den großen Esstisch genau gegenüber.
Anna hatte die schlechte Angewohnheit während des Abendessens den Fernseher einzuschalten, Elsa hatte sich bisher nie wirklich dafür interessiert, als die Nachrichtensprecherin den Namen „Jack Frost“ aussprach.
„Der beliebte Frontmann der Band Rise of the Guardians ist heute Nachmittag bei einer Verkehrskontrolle wieder in die Fänge der Polizei geraten. Frost soll laut Aussagen der NYPD alkoholisiert mit dem Auto unterwegs gewesen sein und beinahe einen Verkehrsunfall verursacht haben. Der Manager der Band möchte sich zu dem Vorfall erstmal nicht äußern, was also ist mit dem Jungstar in letzter Zeit los? Rauschmittelkonsum, Körperverletzung und Sachbeschädigung scheinen derzeit den jungen Mann ordentlich in Griff zu haben – es kam auch immer wieder zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.“, sprach die junge Frau, als Elsa nach der Fernbedienung griff und den Fernseher ausschaltete.
Sie schüttelte beherzt den Kopf, während sie den letzten Löffel der Nudeln herunterwürgte und mit einem großen Schluck Wasser hinunter spülte.
Großartig – ausgerechnet mit diesem Jungen musste sie sich ab morgen herumschlagen, sie atmete hörbar aus und schob ihren Teller auf die Seite. „Was hast du denn?“, fragte Anna überrascht. „Hab noch jede Menge Papierkram bis morgen zu erledigen. Mein Schreibtisch ist so voll, dass ich kaum noch aus dem Fenster sehen kann.“, antwortete die Ältere und griff nach ihrer Tasche, bevor sie die Stiegen hinauf in ihr Zimmer ging.

Fein säuberlich ordnete sie die Akten nach Dringlichkeit, dabei fiel ihr unweigerlich die des auffälligen Sängers in die Hände, die sie sogleich erneut öffnete. Sie musterte das Foto von Jacks Band: auf den ersten Blick wirkte der Frontmann nicht wie ein Verkehrssünder mit Alkoholproblem, denn er trug weder ausgefallene Kleidung noch markante Schminke – einzig seine silberglänzenden Haare, die er verwuschelt nach oben gestylt hatte, waren ungewöhnlich.
Über seine Vergangenheit, wie auch die der anderen war nichts vermerkt, somit hatte Elsa wenig Anhaltspunkte was für Beweggründe der junge Mann hatte. Ihr Blick fiel auf die Uhr, die kurz nach 20 Uhr anzeigte, somit schnappte sie ihren Laptop und durchforstete das Internet nach weiteren Infos über ihren neuen Mandanten.
Kurz nach 23 Uhr beendete sie die Recherche, da ihr seit geschlagenen 15 Minuten regelmäßig die Augen zufielen. Die junge Frau war neugierig und gleichzeitig besorgt, da sie mittlerweile Jacks 7.Anwältin war, die ihn vor weiteren Strafen bzw. Gefängnis bewahren sollte. Von 2 Kollegen, die in Zeitungsartikeln namentlich genannt waren, hatte sie erfahren, dass sich der Frontmann ihren Ratschlägen permanent widersetzt, sowie vereinbarte Termine nicht eingehalten hatte und bei einigen Verhandlungen sogar gewalttätig gewesen war . Die Zusammenarbeit hatte sich innerhalb kürzester Zeit von selbst beendet und man hatte ihn nur noch als „unbelehrbar“ abgestempelt.
Schon bei dem Gedanken an das morgendliche Zusammentreffen brummte ihr der Kopf, doch damit wollte sie sich um diese Uhrzeit nicht mehr beschäftigen.
Sie stand auf und streckte sich genüsslich, ehe sie sich rücklings in das kuschelige Doppelbett fallen ließ. Auf Schlaf brauchte sie nicht lange zu warten, denn schon bald gab sie sich der Erschöpfung hin.

Am nächsten Morgen stand Elsa pünktlich um 7.55 Uhr vor der Suite des Plaza Hotels, für sie war es unüblich direkt zu ihren Mandanten zu fahren, der erste Termin fand gewöhnlich in ihrer Kanzlei statt.
Sie atmete noch einmal tief durch, bevor sie an die Tür klopfte. Eine junge Frau mit bunt gefärbten, kurzen Haaren öffnete und blickte sie überrascht an, Elsa hielt ihr den Ausweis entgegen. „Elsa von Arendelle, ich hab heute einen Termin mit Jackson Overland.“, sagte sie kurz, als auch die anderen im großen Wohnzimmer auftauchten – die Gitarristin ging einen Schritt zur Seite und bat den Besuch herein.
North hatte bereits eine dampfende Tasse heißen Kaffee und ein Körbchen mit Semmeln, sowie Konfitüre und Butter hergerichtet – er verwies die Anwältin auf den freien Platz, als diese bemerkte, dass alle außer Jack selbst im Raum waren. „Wo ist Mister Overland?“, fragte sie höflich, als sich alle in der Runde gegenseitig ansahen.
„Der schläft noch und wird wahrscheinlich nicht im Stande sein mit Ihnen den Ernst der Lage zu besprechen, mal abgesehen davon, dass er mit weiblicher Begleitung zugange ist.. “, Bunny wippte genervt mit dem Fuß, denn er war der erste, der den betrunkenen Jack vor ein paar Stunden in die Suite kommen gehört hatte – auf die Geräusche danach im Nebenzimmer hätte er ebenfalls gut und gerne verzichtet. Elsa hob eine Augenbraue und legte ihre Tasche ab, aus der sie die betreffende Akte heraus kramte. „Nun denn, vielleicht kann mir einer von Ihnen die aktuelle Lage schildern?“, bemerkte sie räuspernd und griff nach einem Stift, die Angesprochenen sahen einander unsicher an. „Ich muss ehrlich zugeben, dass ich gar nicht mehr im Bilde bin, was ihm nun alles vorgeworfen wird. Etliche Strafen konnten wir mit Geldstrafen mildern, doch die Trunkenheit und der Drogenkonsum am Steuer gefährden den weiteren Besitz seines Führerscheins...“, murmelte der bärtige Schlagzeuger und fuhr sich nachdenklich durch den Bart.
„Soweit ich mich erinnern kann, ist er dem Polizisten, der mit ihm zur zuständigen Behörde fahren wollte, sogar abgehauen...“, erinnerte sich Tooth und senkte betrübt den Kopf. Elsa notierte eifrig die Aussagen, als die Türe des Nebenzimmers mit einem Knall aufflog und ein torkelnder, halbnackter Jack in die Runde blickte – seine Begleitung im Arm wirkte nicht nüchterner.

„Kann man nicht mal in Ruhe schlafen? Was soll denn dieser Krach hier?“, lallte er und nahm einen Schluck aus der Wodkaflasche, die er in der anderen Hand hielt. North ging einen Schritt auf ihn zu um ihm diese abzunehmen, doch der Frontmann schlug auf ihn hin wie ein 3 jähriges Kind, dem man sein Spielzeug wegnehmen wollte.
„Deine Anwältin ist da und ich würde dich bitten dir jetzt etwas Sauberes anzuziehen, die Zähne zu putzen und dich dann an diesen Tisch zu setzen.“, wies der großrahmige Mann an und deutete auf den Platz neben dem Gast, Jack musterte Elsa eindringlich.
„Anwältin? Wozu? Ich habe meine Situation bestens im Griff! Ich brauche nicht erneut einen Besserwisser, der mir erklärt welche Termine ich einzuhalten habe oder wem ich nicht mal eine ordentliche verpassen darf! Außerdem sieht die kleine Prinzessin nicht mal aus wie eine Anwältin! Wie alt bist du überhaupt? So Anfang 20?“, die Aggressivität in seiner Stimme stieg, als die Angesprochene ihren Ausweis heraus kramte und dem Frontmann direkt vor die Nase hielt. „Bitteschön! Falls Sie nicht zu betrunken sind um überhaupt einen einzigen Buchstaben lesen zu können!“, der Silberhaarige kniff die Augen zusammen, bevor er die Frau vor sich noch einmal betrachtete.
Elsas strahlend blaue Augen strahlten im Gegensatz zu den Frauen sonst in seiner Gegenwart weder Bewunderung aus, noch die Bereitschaft mit ihm intimere Stunden zu verbringen. Dennoch musste er sich eingestehen, dass sie eine sehr attraktive Frau war, deren platinblonden Haare, – die sie zu einem Kranz nach hinten gebunden hatte – perfekt zu der blassen Haut und den hellen Augen passte. Ihre Statur war zierlich, dennoch hatte sie weibliche Kurven, die ihrem Körper wunderbar schmeichelten. Mit einem Kopf Größenunterschied war sie für seinen Geschmack auch weder zu klein, noch zu groß.
Mit einer schnellen Handbewegung entledigte er sich seiner Spielgefährtin und griff nach dem besagtem Ausweis. „Elsa von Arendelle – schick, schick – so einen Adelstitel muss man schon tragen können.“, bemerkte er abfällig und ein freches Grinsen zierte sein Gesicht.
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