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"Geschichten, die das Leben schreibt" oder auch "Ideen, die nicht zu gebrauchen sind"

von Creatiri
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAllgemein / P18 / Gen
03.12.2019
09.05.2022
16
16.421
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03.12.2019 522
 
Es ist nun endlich soweit. Still sitze ich vor ihrem Grab. Leise spreche ich zu ihr: „Mama, ich werde dich nie vergessen.“ Es war geschehen, meine Mutter war ihrer schweren Krankheit erlegen. Ihr Grab ist hoch auf einer Klippe. Von ihr aus konnte ich mein Dorf sehen. Es gibt nun nichts mehr, was mich hier hält. Still trete ich an den Rand der Klippe. Noch einmal tief durchatmend blicke noch einmal zurück zu ihr. Niemand wollte ihr helfen, sie war vollkommen auf sich allein gestellt. Menschen können so grausam sein. Und das alles ist meine Schuld. Ich bin anders als alle anderen. Ich bin generell nicht sehr gebildet und weiß eigentlich nichts über die Welt außerhalb meiner Insel. Ich kann auch nicht sehr gut kämpfen. Ein leichter Windzug streift mich und weht mein Kleid ein wenig durcheinander. Es ist lila mit einem blauen Farbverlauf nach unten. Um meine Hüfte trage ich noch ein hellblaues Tuch, an dem ich eine klobige, goldene Gliederkette befestigt habe. Sie passt eigentlich nicht zu meinem Erscheinungsbild, aber das ist das einzige Andenken, welches ich an meinen Vater habe. Ich habe ihn nie kennengelernt und meine Mutter hat nie über ihn gesprochen. Sie hat nur immer diese Kette bei sich getragen und gesagt, sie gehöre ihm und er habe die andere Hälfte. Es ist eigentlich ein Gürtel.

Ich weiß, dass es eigentlich ziemlich töricht und dumm ist, aber ich will meinen Vater finden und kennenlernen. Und es ist noch etwas. Eigentlich so gut wie unmöglich, ich weiß schließlich nicht, wo ich anfangen soll. Ich weiß nur, dass es für mich nichts anderes mehr zu tun gibt auf dieser Welt. Meine Mutter, meine Stütze, ist tot und die Dorfbewohner töten mich, wenn sie mich sehen. Tot bin ich also so oder so. Ich gehe noch näher an die Klippe. Meine Krallen krallen sich in die Kante der Klippe und stoßen mich dann ab. Nahezu majestätisch breite ich meine Flügel aus und hole Schwung, damit ich in der Luft bleibe. Ein bisschen wackelig in der Luft schlage ich mit meinen Flügeln, bis ich relativ stabil fliege. Ich weite die Träger meines großen Rucksacks, die Flügel werden durch ihn eingeengt. Jetzt ist es besser. Langsam mache ich ein paar stärkere Flügelschläge. Sie tragen mich weiter nach oben in die Lüfte. Langsam bewege ich mich vorwärts, ich habe den Bogen raus. Mit stärkeren Flügelschlägen bewege ich mich vorwärts. Ich merke langsam, wie meine Haut sich in Federn verwandelt. Meine Hände werden zu krallen. Das alles geht ziemlich schnell, in einem Bruchteil einer Sekunde, aber ich spüre genau, wie sich jede meiner Zellen verändert. Ich weiß nicht, was ich bin, die Dorfbewohner haben nur mal gesagt, ich sähe aus wie eine dieser Fabelwesen, ein Greif. Aber ich glaube nicht, dass ich ein Greif bin. Ich habe keinen spitzen Schnabel, geschweige denn die Körperform eines diesen. Und ich bin nicht grau. Meine Flügel und nun auch meine Haut haben eine schöne, blaue Farbe. Außerdem haben meine Flügel gelbe Streifen. Meine Haare verändern sich ebenfalls nicht, sie bleiben gelbblond und bodenlang, zu zwei kleineren Zöpfen nach vorne gebunden. Der Rest meiner Haare ist kurz.
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