Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

[BlazBlue] Demons

von Gori-san
Kurzbeschreibung
OneshotFamilie, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Jin Kisaragi Ragna the Bloodedge
03.12.2019
03.12.2019
1
5.635
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
03.12.2019 5.635
 
A/N: Dies ist eine mordern!AU, zwischen Ragna und Jin. Wie im Spiel auch werden sie Brüder sein. Ragna ist in dieser Fanfiktion 23, also ist Jin hier 21.
---------------------------------------------------------------------------------------------

Demons



Der Morgen war deutlich kälter als er es erwartet hatte. Ragna hatte das Fenster komplett geöffnet, um sein stickiges Zimmer mit dem eigentlich lauen Herbstwind zu fluten, welcher die Bäume sanft wog und ihnen die Blätter zu nehmen versuchte. Stören sollte es den jungen Mann jedoch nicht, im Allgemeinen gab es nur noch sehr wenig was ihn in seinem Leben noch störte, wenn er ehrlich sein sollte.
Nach seiner traumatischen und schmerzhaften Vergangenheit war dies jedoch auch wahrscheinlich kein Wunder mehr, auch wenn man mit dreiundzwanzig wahrscheinlich gern etwas anderes behauten wollte. Hatte man ihm doch damals, als er selbst noch ein Kind war, seinen Bruder und seine kleine Schwester genommen, als ihre Pflegemutter ermordet wurde. Er selbst wurde in ein abgelegenes Waisenhaus gebracht, musste sich dort unweigerlich mit den anderen Kindern arrangieren, was ihm viel schwerer fiel als erwartet. Er war schon damals keine Person, welche sich gern mit anderen umgab, geschweige denn mit anderen sprach. Er war ein Einzelgänger und das war er noch immer, daran hatte sich in all den Jahren nichts geändert.

Seufzend wendete er sich von dem geöffneten Fenster ab, griff nach seine weiß-blauen Zigarettenschachtel und öffnete diese, nur um sie im nächsten Moment aus dem Fenster zu schmeißen. Sie war leer. Schnaufend und genervt von dem Fakt, dass seine Zigaretten erneut leer waren, rieb er sich den Nasenrücken und schüttelte dann den Kopf, öffnete die Tür seines Schlafzimmers und schlug eben jene geräuschvoll wieder hinter sich zu, damit das Zimmer lüften konnte. Dieser Morgen begann wirklich nicht, wie er es sich gewünscht hatte, doch wie er selbst wusste, waren Wünsche und Träume nur Gedanken, die einem genommen werden konnten.
„Ich bin kurz mal beim Kiosk, ich bin in fünf Minuten wieder da!“, rief er durch die kleine Wohnung, welche ihm gehörte.
Immer wenn er die Wohnung verließ, rief er dem einzigen Überbleibsel seiner Vergangenheit zu. Es war ein leicht angebranntes Bild seiner Geschwister, welches er damals vor den Flammen retten konnte, bevor sein Leben den Bach runterging. Warum er diesem Bild jedoch immer wieder zurief was er vorhatte, war ihm selbst ein Rätsel, doch in all den zwölf Jahren, die er seine Geschwister schon nicht mehr gesehen hatte, hatte es sich einfach eingebürgert.

Die Tür der kleinen Wohnung hinter sich schließend und die Treppe des Mehrfamilienhauses heruntergehend, dachte der junge Mann nach, was er an jenem Tag noch machen könnte. Es war einer seiner wenigen freien Tage, was ihn, um ehrlich zu sein doch ein wenig störte, denn wenn er arbeitete, hatte er wenigstens keine Zeit zum Nachdenken.
Seine Arbeit nahm ihn zwar nicht gänzlich ein und wenn Ragna ehrlich sein sollte, machte sie ihm auch nicht wirklich Spaß, aber er verdiente damit wenigstens sein Geld und dies war die Hauptsache. Zumal ihn diese Arbeit auch noch ablenkte und dies war zudem auch noch ein großer Punkt, nicht unbedingt wichtig, aber es war wenigstens ein kleiner Lichtblick in seinem Leben.
Als Kindergärtner war sein Leben voller Stress und irgendwie hasste er diesen Job, aber es war der einzige Job, den er damals nach seinem doch recht schlechten Schulabschluss auf die schnelle gefunden hatte.

Unten angekommen zog er die Glastür des Mehrfamilienhauses auf und fröstelte für einen Moment, denn außerhalb seiner Wohnung war der Wind doch ein wenig unangenehmer als er es erwartet hatte. Seufzend schüttelte er den Kopf und schloss seine rote Kapuzenjacke komplett, welche er sich nur schnell übergezogen hatte. Wirklich lange dauerte der Weg zu dem kleinen Straßenkiosk immerhin nicht und wirklich viel wollte der junge Mann auch nicht kaufen. Lediglich Zigaretten und einen Kaffee, so also wie jeden Morgen.
Schnaufend wollte der Weißhaarige schließlich die Straße überqueren, achtete dabei jedoch nicht auf den Straßenverkehr und wurde nur Augenblicke später an der Hand gepackt und mit einem heftigen Ruck zurückgezogen. Erstaunt riss er die Augen auf und landete auf seinem Hinterteil, starrte für einen Moment vor sich auf die Straße und packte dann auch schon nach seinem Arm, welcher berührt wurde.

Sein Herz schlug unglaublich schnell und er starrte schließlich auf den Lastkraftwagen, welcher in jenem Moment seinen Weg mit einem lauten mehrfachen Hupen fortsetzte. Er musste unweigerlich schlucken und festigte den Griff um seinem linken Arm, seinem Prothesenarm. Es schien nichts passiert zu sein und dennoch schlug sein Herz so schnell wie in jener Nacht vor zwölf Jahren, ließ ihn schließlich sogar unmerklich frösteln. Augenblicklich stiegen die Hilflosigkeit und die Wut in ihm hoch, Gefühle, die sich ausschließlich gegen ihn selbst richteten und dennoch wurde sein Ton schließlich härter und schärfer als gewollt.  
„Spinnst du, du Bastard?“, rutschte ihm schließlich raus, als er aufstand und seine Jacke wieder richtete.
Einen Ausfall, wegen Krankheit konnte er sich bei der Arbeit nicht leisten, wusste immerhin wie das Endete und wollte es nicht noch einmal so weit kommen lassen.
Nii-san, du solltest vorsichtiger sein.“, erklang schließlich eine sanfte, männliche Stimme hinter ihm.
Augenblicklich drehte sich der Weißhaarige um, betrachtete die Person vor sich und biss sich auf die Lippe. Die enganliegende, weiß-blau-rote Motorraduniform und das blauweiße Motorrad neben ihm, ließen Ragna für einen kurzen Moment stocken.
„Das kann nicht… Jin?“
Diese Frage war mehr rhetorisch, er verlangte keine Antwort und dennoch konnte er es fast nicht glauben. Sein Herz schlug noch ein wenig schneller, als sein Gegenüber leicht nickte, auch wenn er eben jene Bestätigung nicht gebraucht hätte, denn sein Gefühl betrog ihn nicht, die Person, die dort vor ihm stand, war wirklich sein kleiner Bruder.

Leicht lächelnd nickte der Blonde noch einmal zur Bestätigung und ging einen Schritt auf den Weißhaarigen zu, was diesen zurückweichen ließ. Seit Jahren berührte ihn niemand mehr und wenn Ragna ehrlich war, dann empfand er jenen Umstand als wirklich sehr angenehm.  Augenblicklich griff Jin wieder nach seinem Bruder und hielt eben jenen dadurch ab, von einem Auto erwischt zu werden. An jenem Tag schien er noch weniger Glück zu haben als an all den anderen Tagen im Jahr.
„Pass auf, Nii-san. Ich will dich nicht ins Krankenhaus bringen müssen.“, lächelte der Blonde lieblich, während seine Worte fast schon kühler klangen, als der Wind in jenem Augenblick war.
„Lass den Scheiß!“, versuchte der Ältere der Brüder den Abstand zwischen ihnen aufrecht zu erhalten, „Was machst du überhaupt hier, wie… Ich habe dich so lange nicht gesehen.“
„Lass uns bei einem Kaffee darüber reden, ich lade dich ein.“, nickte der Jüngere leicht und legte seine Hände an das Lenkrad des Motorrads, „Ich bringe es nur kurz in die Garage, dann können wir zu dem Café da drüben gehen.“

Als Ragna auf das Café sah, welches sein kleiner Bruder meinte, musste er innerlich schnaufen. In all den Jahren, in denen er bereits in dieser Stadt lebte, hatte er dieses Café aus guten Gründen gemieden. Dort arbeitete immerhin die große Schwester einiger seiner kleinen Jobs, was ihn dazu brachte den Kopf zu schütteln. An jenem Morgen wollte er bei weitem nicht noch mehr Stress haben, als er es ohnehin schon hatte.
„Warte einfach nur kurz hier, ich hole mir schnell Zigaretten und dann kannst du einen Kaffee bei mir haben.“, seufzte Ragna leise.
„In Ordnung, Nii-san.“
Nach jenen Worten strich sich Ragna noch einmal durch sein Haar und schüttelte den Kopf, rannte schnell über die Straße als kein Auto zu sehen war und ging zu dem kleinen Straßenkiosk dessen Mitarbeiterin er bereits mit Vornamen ansprechen konnte.
„Guten Morgen.“, begrüßte ihn die junge Frau, „Das übliche?“
„Zwei Schachteln und Zwei Kaffee bitte.“, schnaufte Ragna genervt.
„Zwei? Bekommst du etwa Besuch?“, fragte die junge Frau mit den weißen Haaren lächelnd.
„Könnte man so sagen.“, murrte der Kindergärtner.
„Du klingst nicht begeistert, ist es Tao?“, fragte die Frau, die sich nur als Nu bei ihm vorgestellt hatte.
„Nie im Leben, das Weib kann bleiben wo der Pfeffer wächst.“, schnaufte der junge Mann, „Ich… Es ist… Mein kleiner Bruder.“
„Echt? Wie lang ist es denn her, seit du ihn gesehen hast?“, fragte sie und bereitete schon einmal den Kaffee vor.
„Zwölf Jahre.“

Die nüchterne Antwort des Weißhaarigen ließ die junge Frau stocken, Ragna griff in jenem Augenblick nach einer der bereitgelegten Schachtel und öffnete diese. Bezahlen würde er sie doch ohnehin, also machte es keinen Unterschied ob er in jenem Moment eine rauchte oder erst in einigen Minuten.
„Das… Ist eine ziemlich lange Zeit.“, gab die junge Frau ihm stockend wieder.
„Wem sagst du das.“, schnaufte Ragna genervt und befühlte seine Taschen nach einem Feuerzeug, „Hast du vielleicht ein Feuerzeug für mich? Ich habe meins in der Wohnung gelassen. Mit so einem Umstand habe ich aber bei weitem auch nicht gerechnet.“
„Klar.“, lachte Nu leise und hielt ihm eines der Feuerzeuge entgegen, „Geht aufs Haus.“
„Danke Nu.“, seufzte er und zündete sich den Krebserreger an, „Du hast keine Ahnung wie mich das alles stresst.“
„Natürlich weiß ich das nicht, ich kann es mir aber vorstellen.“, seufzte sie und sah ihn an, „Was willst du jetzt machen?“
„Keine Ahnung. Ich werde erst einmal sehen ob er sich an das, was damals passiert ist, noch erinnern kann. Wenn nicht, dann kann ich über eine Wiedervereinigung nachdenken. Wenn nicht… Tja, dann bin ich geliefert.“, schnaufte er und zog an seiner Zigarette.
„Aber du kannst nichts für das, was damals passiert ist.“, seufzte die Verkäuferin leise.
„Du warst nicht dabei!“, knurrte der junge Mann mit dem Prothesenarm, „Ich… Hätte etwas unternehmen müssen. Ich war der Älteste von uns und dieser Mistkerl war allein. Wäre ich damals nicht so feige gewesen, nachdem dieser Mistkerl mir den Arm abgetrennt hatte, dann…“
„Du warst ein Kind, Ragna-san!“, appellierte die junge Frau an den Verstand des Weißhaarigen, „Du hättest sterben können, und dann hätten deine Geschwister niemanden mehr.“

Die Worte der jungen Frau ließen den Weißhaarigen lediglich den Kopf schütteln, dann zog er seine Geldbörse aus seiner Hosentasche und bezahlte sowohl den Kaffee als auch die Zigaretten.
„Manchmal glaube ich, dass es damals besser so geendet wäre. Dann hätte die Welt einen schlechten Menschen weniger auf der Liste zu verzeichnen.“, seufzte er noch und verabschiedete sich schließlich.
Schnell wechselte er wieder die Straßenseite und sah den Blonden bereits an dieser warten und auf sein Handy sehend. Für einen Moment schnaufte der Weißhaarige innerlich, doch dann ging er an dem Blonden vorbei, versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie unangenehm ihm all dies eigentlich war.
„Komm mit, sonst musst du deinen Kaffee woanders trinken.“
„Lieber nicht Nii-san.“, entgegnete der Jüngere der Brüder und folgte dem Weißhaarigen in das Mehrfamilienhaus, in welchem er lebte.
Zusammen gingen sie schließlich in die dritte Etage, wo der Kindergärtner Jin für einen Moment die beiden Kaffeebecher in die Hand drückte und dann die Tür aufschloss, allerdings augenblicklich zu dem Bild ging und jenes mit der Sichtbaren Seite auf den Tisch legte.
„Komm rein und mach es dir gemütlich.“, seufzte der Weißhaarige.

Jin folgte den Worten seines Bruders und sah sich in der spartanisch eingerichteten Wohnung um. Ein kleiner Ess-Wohnbereich war es schließlich, auf den er erst einmal zielstrebig zuging. Dort stellte er die zwei Kaffeebecher ab und betrachtete den Bereich noch einmal genauer. In diesem war wirklich nur das nötigste zu finden, was den Blonden doch ein wenig wunderte, war er es doch deutlich anders gewöhnt. Leicht zog er einen der bereits geflickten Stühle zurück und setzte sich vorsichtig, bevor er zu Ragna sah, welcher in jenem Augenblick zu ihm ging und seine Jacke über den Stuhl hing.
„Also…“
Wie sollte er jetzt anfangen?
Alles was die Vergangenheit anging, wollte er vor seinem Bruder nicht ansprechen, wollte ihn vor den Tatsachen schützen und würde ihm, wenn nötig auch einfach eine sanftere Version der ganzen Gesichte erzählen.
„Hast du die ganze Zeit in der Stadt gelebt?“, fragte Jin schließlich nach und griff nach einem der Kaffeebecher.
„Nein… Ich lebte bis ich achtzehn wurde in einem Waisenhaus, außerhalb der Stadt. Erst vor fünf Jahren bin ich hierhergezogen, wegen der Arbeit.“, erklärte er und griff nach dem anderen Kaffeebecher, legte eine der Zigarettenschachteln auf den Tisch und zog den Aschenbecher so wie auch sein Feuerzeug näher an sich heran.
„Warum hast du dich dann nicht bei mir gemeldet?“
Die Frage seines Bruders klang vorwurfsvoll und zog schmerzhaft in seiner Brust.
„Ich wusste nicht, wo du warst. Ich weiß auch noch immer nicht, was mit Saya ist.“

Jin verzog das Gesicht, schnalzte schließlich auch einfach nur mit der Zunge.
„Du hättest einfach einmal nachfragen müssen. Niemand hätte dir die Informationen verweigert, wo ich mich aufhalte.“, entgegnete der Blonde.
„Ich…“
Ragna schloss für einen Moment die Augen und griff nach seiner Zigarettenschachtel, zog eine von den Zigaretten heraus und zündete sie sich an, bevor er weitersprach.
„Ich hatte Angst.“, seufzte er, „Ich wusste nicht, ob es dir vielleicht ohne mich besser geht.“
„Schwachsinn!“, konterte der Student und verkrampfte seine Hände leicht um den Pappbecher, „Ich habe dich gesucht Nii-san, genau deswegen lebe ich in dieser Stadt.“
„Du hast mich gefunden?“, fragte Ragna verwirrt nach, „Wie hast du… Mich gefunden?“
„Es war nicht leicht, aber durch einen Bekannten habe ich herausgefunden, dass du in der Stadt hier lebst und arbeitest. Ich habe meine Adoptiveltern gefragt, ob ich hier studieren kann und sie haben zugestimmt.“, erklang die nüchterne Erklärung.
„Und was… Studierst du?“, versuchte Ragna das Thema zu wechseln.
„Hasst du mich, Nii-san?“, lenkte der Blonde auf das Thema zurück, ignorierte die Frage seines Bruders einfach.
Was sollte Ragna antworten?
Um ihn zu schützen wäre die Lüge mit einem
Ja
zu bestätigen klüger, doch es war noch immer sein kleiner Bruder und ihm gegenüber wollte er einfach keine Unwahrheiten sprechen.
„Nein… Jin. Ich hasse dich nicht, ich hasse lediglich mich selbst.“, seufzte der Weißhaarige.

Das laute Geräusch des Stuhls auf dem Boden ließ den Bruder des Blonden ein wenig verwirrt dreinblicken, denn eben jener stand direkt vor ihm. Langsam hob Jin die Hand und legte sie seinem Bruder auf die Wange, strich mit dem Daumen über jene und bemerkte eine der vielen feinen Narben.
„Woher hast du diese Narben?“, fragte Jin leise, „Es steht dir.“
„Ein Unfall.“, verwirrt sah er zu seinem kleinen Bruder auf und erhob sich schließlich ebenfalls, drückte die Zigarette aus und schluckte.
Nii-san.“
Allein diese Anrede ließ Ragna leicht schaudern, hatte er eben jene Worte doch seit zwölf Jahren nicht mehr gehört.
„Jin.“, räusperte sich der Kindergärtner, „Bleib nur kurz hier, ich muss das Fenster in meinem Zimmer schließen, bevor es anfängt zu regnen.“
Unter allen Umständen musste Ragna es verhindern, dass Jin ihm näherkam. Seine Berührungen brannten auf seiner Haut, waren die Finger des Blonden doch unglaublich kühl.
„Zeig mir doch auch einmal den Rest deiner Wohnung.“, säuselte Jin leise.
„Es ist nur mein Schlafzimmer, ich denke nicht, dass mein Bett von großem Interesse für dich ist.“, entgegnete der Weißhaarige.
„Nii-san, ich will alles hier sehen und kennenlernen. Ich habe ein Recht darauf, als dein kleiner Bruder.“
Wie Recht Jin doch hatte.

Vielleicht stellte der Blonde sich dies alles ein wenig einfacher vor, als es wirklich war. Doch schließlich nahm Ragna die Hand seines Bruders von seiner Wange und nickte. Er konnte ihm nicht verweigern, seine Wohnung zu sehen, wenn er die ganze Zeit nach ihm gesucht hatte, dann war dies das mindeste was er tun konnte. Langsam machte er sich auf den Weg zu der braunen Holztür, welche bereits ziemlich demoliert aussah. Dies jedoch war kein Wunder, denn immer, wenn Ragna einen Alptraum oder einen viel zu stressigen Tag hatte, ließ er seine Laune an dieser Tür aus. Er wusste, dass es falsch war, dennoch tat er es. Sonst hatte er immerhin keinen Besuch und somit gab es auch niemanden den es störte musste. Seufzend öffnete er schließlich die demolierte Tür und bat seinen kleinen Bruder hinein, welcher doch recht enttäuscht wirkte.
„Das ist dein Schlafzimmer?“
„Sieht so aus. Es ist, wie ich schon sagte, nicht wirklich von Interesse. Immerhin ist es wirklich nur ein Ort, an dem ich schlafen kann. Mehr brauche ich hier auch nicht.“, gab Ragna wieder und schloss das Fenster wieder, zog auch gleich die vergilbte Gardine vor.
„Es sieht… Spärlich, aber gemütlich aus.“, gab Jin wieder und ging auf das Bett zu, setzte sich auf dieses und sah seinen Bruder an.
Der Ältere seufzte für einen Augenblick und strich sich über seinen Nacken, bevor er noch einmal das Schlafzimmer verließ und seine Zigaretten in eben jenes verfrachtete. Diese Aktion ließ den Blonden genervt schnaufen.
„Ist dir das Rauchen wichtiger, als dich zu deinem Bruder zu setzen?“, fragte er ein wenig angefressen.
„Nein, aber es beruhigt mich.“, seufzte der Weißhaarige, „Ich rauche seit ich Sechzehn bin. Ich kann einfach nicht mehr ohne, vor allem nicht bei…“
Nein, er durfte es Jin nicht sagen.
„Bei?“

„Ist nicht so wichtig.“, seufzte der Mann mit den weißen Haaren und lehnte sich an die kleine Kommode, in welcher seine Kleidungsstücke verstaut waren.
„Hattest du wenigstens eine angenehme Kindheit?“
Nach jenen Worten biss sich Ragna auf die Lippe, Jin nickte einfach nur und klopfte neben sich auf das Bett.
„Ich habe dich zwar unheimlich vermisst, aber ich kann mich auch nicht beschweren.“, entgegnete er leise, „Und du?“
War fliehen in jenem Augenblick vielleicht doch die bessere Option?
„Weißt du, ich erinnere mich kaum mehr an das, was damals passiert ist.“, log der Weißhaarige schließlich.
„Wirklich?“, fragte der Student und legte den Kopf schief, „Auch nicht, an das, was vor unserer Trennung geschehen ist?“
„Nein.“
Lügen.
Ragna drehte sich der Magen um, denn er wusste das dies das erste Mal in seinem Leben war, dass er seinen kleinen Bruder anlog.
„Hm.“

Die Reaktion des Jüngeren war so nüchtern und schmerzte Ragna in jenem Augenblick nur noch mehr, denn er wusste, dass egal was für eine familiäre Bindung zu dem Blonden aufbauen würde, es wäre kein Platz mehr zum Verstecken für ihn. In jenem Augenblick musste er sich eingestehen, dass diese Lüge ihn selbst mehr in die Ecke drängte, als er es vielleicht wollte, doch etwas sagen wollte er auch nicht, war sich zu stolz.
„Schade, mich hätte es interessiert. Aber sag Nii-san, hattest du einen Unfall? Dein rechter Arm ist eine Prothese, deswegen frage ich.“, stellte Jin schließlich die nächste unangenehme Frage und ließ sich auf das Bett seines Bruders fallen.
„Nicht besonders. Ich bin damals einfach unglücklich gefallen oder so, ich erinnere mich nicht mehr.“, seufzte der Weißhaarige genervt, „Lass uns wieder ins Esszimmer gehen, der Kaffee wird kalt.“
„Ich will den Kaffee nicht. Ich will lieber mit dir reden und hier bist du ein wenig lockerer, aber wenn du willst Nii-san, dann helfe ich dir ein bisschen, dich zu entspannen.“, entgegnete ihm Jin leise und fast schon schnurrend.
„Wie willst du mir helfen mich zu entspannen?“, fragte der Weißhaarige verwirrt und strich sich über den Nacken.
„Wenn du dich zu mir setzt, zeige ich es dir.“

Nach jenen Worten zog der Kindergärtner eine Augenbraue hoch, doch interessierte es ihn doch, wie sein Bruder ihm helfen wollte. Langsam stieß er sich von der Kommode ab, ging auf das Bett zu und setzte sich neben dem darauf liegenden Blonden. Eben jener setzte sich augenblicklich wieder auf, rutschte ein wenig mehr auf das Bett und platzierte sich hinter seinem Bruder, legte seine Hände auf dessen Schultern und strich mit seinen kühlen Daumen über seinen Nacken. Ragna schauderte ein wenig, durch das Gefühl der kühlen Finger auf seiner Haut.
„Sind deine Finger schon immer so kalt?“, fragte er, schloss aber die Augen.
„Ich denke schon, darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht, Nii-san.“, lächelte Jin leicht, begann seinen Bruder leicht zu massieren.
Ragna genoss jenen Umstand wirklich, denn auch wenn er Berührungen weitestgehend mied, so waren die seines Bruders doch recht angenehm. Leicht ließ der Weißhaarige seinen Kopf nach vorne sinken, wollte dem Blonden die Arbeit somit erleichtern. Der Jüngere der beiden Brüder beugte sich schließlich vor und ließ seine Hände währenddessen über den Rücken des Größeren gleiten, gab ihm schließlich einen Kuss in den Nacken. Der Kindergärtner zuckte zusammen und wollte aufstehen, wollte diese Zärtlichkeiten um jeden Preis beenden, doch war sein kleiner Bruder schneller.

Mit einer geschickten und schnellen Bewegung hatte er es geschafft den Schwung auszunutzen und seinen Bruder auf das Bett gedrückt, hockte über ihm und beugte sich vor.
„Was hast du Nii-san?“, fragte der Blonde schnurrend.
„Hör auf damit. Ich mag das nicht.“, konterte der Weißhaarige augenblicklich.
Die Lippen den Blonden verzogen sich zu einem diabolischen Lächeln, welches Ragna schaudern ließ. Er wusste nicht wie er dieses Lächeln deuten sollte und wenn er ehrlich war, dann wollte er dies auch nicht wirklich.
„Wurdest du schon einmal geküsst?“
Diese Frage verwirrte den Älteren der beiden und er nickte leicht, denn auch wenn er noch nie eine Beziehung hatte, so hatte er sich doch schon einmal mit jemandem eingelassen, wenn dies auch nicht in sexuellen Handlungen endete.
„Natürlich. Aber… Was ist das für eine Frage?“, fragte Ragna verwirrt.
Das Gesicht von Jin verzog sich leicht, schien er doch ein wenig enttäuscht von jenem Umstand zu sein, schnell jedoch wich jene Emotion aus seinem Gesicht. Denn er beugte sich vor, legte seine Hände an das Gesicht seines Bruders und ließ stoppte direkt vor seinen Lippen. Ragna konnte ihm nur in die grünen Augen sehen, welche einen gewissen Glanz angenommen hatten.
Kurz schluckte der Kindergärtner, doch bevor er auch noch einmal zu Worten ansetzen konnte, legte der Student seine Lippen auf die seines Bruders, ließ ihn damit verstummen.

Ragnas Herz begann zu rasen, denn auch wenn er es nicht verstand, schien sein Körper sich über jene Zärtlichkeiten zu freuen, ihnen regelrecht entgegenzufiebern. Aus Reflex erwiderte er schließlich diesen federleichten Kuss, schloss die Augen und legte seine Hände an den Rücken des Blonden. Ein leichtes Grinsen schlich sich auf die Lippen des Blonden, welcher begann den Kuss zu vertiefen. Langsam ließ er seine Hände von den Wangen seines Bruders hinuntergleiten, stoppte an Ragnas Brust und spürte wie schnell und stark dessen Herz schlug. Jins Herz schlug ebenfalls schnell, doch mehr wegen der Freude, die er in jenem Augenblick empfand. Langsam löste er diesen Kuss und schluckte, Ragnas Atem ging schnell, was Jin leicht lächeln ließ. Sie sahen sich tief in die Augen, der Weißhaarige schluckte, wollte etwas sagen, doch versagte ihm die Stimme. Die Augen seines Bruders waren so intensiv, so lustvoll und hatten noch immer diesen gewissen Glanz in sich, welchen er einfach nicht beschreiben konnte. Sein Blick wirkte so rein und unschuldig. Vorsichtig hob der Kindergärtner seine linke Hand an und legte sie seinem kleinen Bruder an die Wange, welcher sich augenblicklich an diese schmiegte. Seine zwei verschiedenfarbeigen Augen wirkten jedoch nicht anders auf Jin, sah er in jenen doch diese gewisse Verletzlichkeit, welche sein Bruder die ganze Zeit zu verbergen versuchte. Er war nicht der, für den er sich ausgab, das merkte Jin in jenem Augenblick deutlich.
„Hier sollten wir aufhören Jin. Das ist nicht richtig, lass uns wieder in die Küche gehen.“, flüsterte Ragna fast schon heiser.
„Nur weil du Angst hast?“, fragte Jin leise, „Du hast Angst mich wieder zu verlieren, nicht wahr?“

Der Weißhaarige schloss die Augen und seufzte schließlich.
„Wahrscheinlich.“, gab er ehrlich wieder, „Es ist nicht gut, wenn du mir zu nah kommst.“
„Es ist mir egal. Ich werde dich nie wieder verlassen Nii-san, ich bleibe jetzt hier.“, entgegnete Jin ihm fast schon ein wenig wahnsinnig klingend.
Hatte sein kleiner Bruder wohlmöglich in den zwölf Jahren seinen Verstand eingebüßt?
„Das geht nicht Jin. Die Wohnung hier ist zu klein für zwei Personen und ich verdiene nicht genug, um mir eine größere Wohnung zu leisten. Ich… Lass uns einfach hier aufhören, es ist wirklich besser so.“, versuchte Ragna es ein zweites mal.
„Nein!“, schüttelte Jin den Kopf, „Ich bleibe hier, egal was du sagst und ich werde nicht stoppen. Egal was du sagst.“
Der Kindergärtner lehnte sich mit seinem Oberkörper auf, wurde jedoch augenblicklich wieder von seinem Bruder in die Matratze gedrückt und noch einmal geküsst. In Jins Augen wollte Ragna fliehen und dies würde er nicht zulassen, nicht wo er seinen großen Bruder doch erst wiedergetroffen hatte. Er würde ihn nicht ziehen lassen, nicht einmal, wenn er auf Knien darum betteln würde.

Ragna seufzte, legte seine Arme um seinen kleinen Bruder und schloss seine Augen ein weiteres Mal. Ihm wurde in jenem Augenblick bewusst, dass selbst wenn er versuchen würde all dem aus dem Weg zu gehen, es dennoch nichts bringen würde. Jin hatte ihn all die Jahre gesucht, er hatte den Mut aufgebracht, den Ragna nicht einmal mehr in seinem Herzen trug. Langsam entspannte er sich. All seine Sorgen schienen unberechtigt zu sein, denn die Sorge, dass sein kleiner Bruder ihn hasste, ihn vielleicht nie wiedersehen wollte, waren nichtig.
Als Jin den Kuss ein weiteres Mal löste blickte er Ragna noch einmal in die Augen und ließ seine Finger zu seinem Hosenbund gleiten. Den Gürtel, den der Weißhaarige trug, hatte er schnell geöffnet und schließlich erhob er sich sogar für einen Moment, um seinem Bruder den störenden Stoff zu nehmen. So wie er auch seine Hose, welche aus wirklich sehr dünnem Stoff zu bestehen schien, einfach auf den Boden fallen ließ. Danach spreizte er die Beine seines weißhaarigen Bruders und schob ihm das Shirt hoch. Ein leichtes, fast schon wahnsinniges Grinsen hatte sich auf seine Lippen gelegt.
„Nii-san, ich will dich.“, flüsterte Jin leise, „Ich will dich nur für mich allein.“
„Ich bin nicht begeistert von der Art, wie du mich willst. Aber… Wenn es dich glücklich macht.“, seufzte Ragna genüsslich, als er die kühle Hand seines Bruders an seiner Erektion spürte.
Für einen Moment huschte ein weiteres leichtes Grinsen über die Lippen des Studenten, bevor er sich vorbeugte und den Bauch so wie die Brust seines Bruders mit küssen zu versehen begann. Ein leises Knurren entglitt der Kehle des Älteren.

Langsam ließ Ragna seine Hand in das Haar seines kleinen Bruders gleiten, welcher sich leicht an ihm schmiegte. Irgendwie empfand der Weißhaarige diese ganze Situation als falsch, doch war es gleichzeitig auch viel zu intensiv und erregend, um zu stoppen. Nur als Jin sich plötzlich löste und den Weißhaarigen ansah, blickte Ragna ein wenig verwirrt zu dem Blonden.
„Hast du Kondome oder Gleitgel hier?“, fragte Jin unverblümt nach.
„Ähm… Nein.“, entgegnete Ragna ein wenig zögerlich.
„Dann muss es ohne gehen.“, gab der Blonde wieder und befeuchtete seinen Ring- und Zeigefinger mit Speichel.
Für einen Moment stockte dem Weißhaarigen der Atmen, war jener Anblick doch noch etwas vollkommen anderes, als das was er zuvor bereits gesehen hatte. Seine Männlichkeit zuckte leicht und eine unglaubliche Hitze machte sich in dem Körper des Älteren breit, dies bemerkte schließlich auch Jin. Eben jener lächelte leicht und ließ seine Finger zum Eingang seines Bruders gleiten.

Langsam beugte sich der Blonde vor, fixierte Ragna mit seinen Augen und küsste ihn inniger als zuvor. Der Weißhaarige stöhnte in den Kuss, denn dass der Student in jenem Augenblick seine Finger in ihn einführte, war etwas mit dem er nicht gerechnet hatte. Der Weißhaarige verkrampfte sich mit seinen Händen in der Bettdecke, drehte den Kopf zur Seite und knurrte leise. Dieses fremde Gefühl war unangenehm, doch lenkte Jin ihn recht schnell wieder ab indem er sanfte Küsse und leichte Bisse auf seinem Hals verteilte. Ragna knurrte während er sich nur langsam entspannte.
Erst als der Weißhaarige begann zu entspannen, begann der Blonde seine Finger in seinem Bruder zu bewegen. Ragna stöhnte, genoss dieses fremdartige Gefühl doch auf eine gewisse Weise, selbst wenn es sein Bruder war, der ihm dieses Gefühl bescherte. Je mehr der Blonde seine Finger in ihm bewegte, desto mehr entspannte sich der Weißhaarige und genoss es.

Als der Blonde schließlich seine Finger aus ihm herauszog seufzte der Weißhaarige fast schon ein wenig enttäuscht, hatte gerade gefallen an dem ungewohnten Gefühl gefunden. Leicht grinste der Blonde und platzierte sich zwischen den Beinen seines Bruders, beugte sich vor und stoppte vor seinen Lippen.
„Nii-san, was empfindest du gerade?“, fragte Jin leise nach.
„Ich bin verwirrt.“, murrte Ragna und schloss die Augen, konnte und wollte seinem kleinen Bruder einfach nicht in die Augen sehen.
„Weißt du was ich gerade empfinde?“, stellte der etwas Kleinere lächelnd die Frage und knabberte an der Unterlippe seines Bruders herum.
„Logischerweise nicht.“, entgegnete der Weißhaarige.
„Ich bin glücklich, Nii-san. Ich bin glücklich, weil ich der erste bin, mit dem du schläfst.“, entgegnete Jin ihm.
Bevor der Kindergärtner noch etwas sagen konnte, drang der Kisaragi in ihn ein und begann sich auch sogleich zu bewegen. Für einen Augenblick krampfte Ragna, war er die Größe seines kleinen Bruders doch nicht gewohnt, zumal es das erste Mal war, dass er jemanden auf diese Weise spürte.

Schnell und gezielt bewegte sich Jin in dem Weißhaarigen, welcher seine Hände mittlerweile durch das Haar den Blonden gleiten ließ, während er stöhnte. Das tiefe kehlige Stöhnen des Kindergärtners erfüllte den kleinen Raum, wurde begleitet von dem weichen Keuchen seines Bruders, welcher immer und immer wieder die Worte; Lass mich nicht noch einmal allein, Nii-san, murmelte.
Auf eine gewisse Weise verstand Ragna die Angst seines Bruders, wollte in einem solchen Moment jedoch nicht darüber nachdenken. Lieber gab er sich der Erregung hin, welche immer mehr seinen Verstand einnahm und seine Körper zu überhitzen schien. Sein Körper und seine Wahrnehmen waren viel zu reizbar, ließen sich von dem Blonden immer wieder bis zum äußersten Punkt treiben. Auf eine gewisse Weise war es Ragna zu viel und dennoch konnte er einfach nicht genug von diesem erfüllenden Gefühl bekommen, welches ihn auf eine gewisse Weise erdrückte.
Die Erregung in dem Kindergärtner wurde immer größer, jeder weitere Stoß seines kleinen Bruders trieb ihn geradewegs auf die Erlösung zu, bis er sich an den Schultern des Blonden festkrallte und laut knurrte. Seinen Rücken drückte er durch, drückte seinen Bruder damit nur ein Stück tiefer in sich und keuchte den Namen des Blonden. Jin verbiss sich in jenem Moment in der Schulter seines Bruders, kam tief in dem Älteren und schloss die Augen.

Nach einigen Minuten lösten sich die beiden voneinander, sahen sich tief in die Augen und küssten einander noch einmal. Sanfter und zärtlicher als zuvor. Jin wollte diesen Moment genießen, wollte ihn in Erinnerung behalten und nie wieder vergessen.
„Nii-san.“
„Halt einfach mal für einen Moment den Mund und genieß es.“, seufzte Ragna und schloss die Augen, legte seine Arme um seinen Bruder und genoss die Wärme.

*



Noch fast zwei Stunden lagen die beiden Arm in Arm in dem Bett des Weißhaarigen, bevor jener aufstand, um ins Badezimmer zu gehen. So sehr er den Sex mit seinem Bruder auch genossen hatte, aber er wollte wenigstens duschen gehen. Dies lag einzig und allein daran, dass er das Gefühl seiner eigenen Körpersäfte auf seinem Körper nicht mochte. Vielleicht war dies auch eine Art Tick von ihm, genau sagen konnte der Weißhaarige es nicht und dies war für ihn auch nicht so wichtig. Sein kleiner Bruder folgte ihm ins Badezimmer, setzte sich in der Zeit, in der sein Bruder duschte auf die Waschmaschine.
„Wieso ziehen wir nicht zusammen, Nii-san?“, fragte Jin schließlich.
„Wieso das denn? Ich bin eigentlich ganz zufrieden mit meiner kleinen Wohnung. Ich will mich nicht schon wieder umgewöhnen müssen.“, entgegnete Ragna über das laufende Wasser.
„Dann ziehe ich eben zu dir.“, nickte der Blonde und lehnte seinen Kopf in seinen Nacken, „Meine Wohnung ist ohnehin viel zu groß für mich.“
„Wäre es dann nicht sinnvoller du würdest dir einen Mitbewohner suchen?“, fragte der Weißhaarige, als er für einen Moment das Wasser abstellte, um sich mit dem Duschgel einzureiben.
„Du willst doch nicht.“, gab der Kisaragi augenblicklich wieder, „Und ich will keinen anderen Mitbewohner.“
„Wo wohnst du denn?“, schnaufte Ragna leise.
„Eigentlich direkt nebenan, in einer der Drei-Zimmer-Eigentumswohnungen. Mein Adoptivvater hat sie mir zum Geburtstag geschenkt, damit ich mich schon einmal darauf einstellen kann meinen eigenen Haushalt zu führen.“, entgegnete der Student.

Der Weißhaarige schaltete das Wasser wieder an und wusch das Duschgel von seinem Körper, stellte das Wasser schließlich wieder aus und zog den Duschvorhang zur Seite.
„Deswegen sagtest du auch, dass du dein Motorrad nur schnell in die Garage stellen willst.“, seufzte der Kindergärtner.
„Genau.“, nickte Jin augenblicklich, „Also?“
„Ich habe wohl keine andere Wahl, nicht wahr?“, fragte Ragna und griff nach einem Handtuch.
„Ich denke nicht.“, lächelte Jin leicht und stand auf, „Wir ziehen zusammen und werden eine Familie. Ich kann für dich Sorgen Nii-san, für dich und mich. Wir werden einfach für immer zusammenbleiben und niemals wieder werden wir uns trennen.“
„Du hast Vorstellungen…“, seufzte Ragna und nickte schließlich, „Gut. Ich ziehe zu dir, aber unter einer Bedingung.“
Der Blonde sah zu seinem Bruder auf, betrachtete wie einige einzelne Wassertropfen von seinen Haarspitzen über seinen Hals rannen.
„Welche?“
„Ich gehe weiterhin arbeiten. Ich will nicht von irgendjemandem Abhängig sein, außerdem will ich deine Adoptiveltern kennenlernen und deine Freunde.“, nickte der Ältere.
„Das sollte das kleinere Übel sein. Deine Bedingungen sind also akzeptier, Nii-san.“, entgegnete der Kisaragi und stahl Ragna noch einen Kuss.

In jenem Augenblick, das wusste Ragna begab er sich in die Höhle des Löwen, doch etwas zu verlieren hatte er nicht. Er hatte weder viele Freunde, noch hatte er irgendwelche sozialen Kontakte, die es interessieren musste, was er mit seinem Bruder tat. Ein leichtes Lächeln legte sich auf die Lippen des Weißhaarigen, als er das Handtuch in den Wäschekorb schmiss und sich aus dem Badezimmerschrank eine neue Short heraussuchte.
„Wir werden wieder eine Familie, hm?“
Dieser Satz hatte ihn vielleicht doch ein wenig mehr gelockt, als er es sollte.
„Stört dich der Gedanke?“, fragte Jin schließlich.
„Nein, nicht wirklich. Wir sind ja eigentlich eine Familie, aber ich schätze… Du meinst das wohl anders, hm?“, entgegnete der Weißhaarige seinem kleinen Bruder.
„Exakt.“, nickte dieser und stellte sich unter die Dusche, „Und mit deinem Einzug bei mir, hast du es bestätigt. Gewöhn dich besser schon einmal an den Nachnamen Kisaragi.“
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast