Adventskalender-Tür 3: Weihnachts...einhorn wider Willen (Teil 1)

von Fhaiye
GeschichteFantasy / P12
Chris "The Lord" Harms Gared Dirge
03.12.2019
03.12.2019
1
1712
3
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
 
 
Einen fröhlichen 3. Dezember!


Heute präsentiere ich euch das dritte Türchen des LotL-Adventskalenders 2019 und hoffe, dass euch der erste Teil meiner Geschichte den Tag ein wenig versüßt :)


Ja, richtig gelesen. Auch meine Geschichte ist in mehrere Kapitel unterteilt, die an verschiedenen Tagen hochgeladen werden. Lasst euch überraschen.


Und nun viel Spaß!


Weihnachtliche Grüße

Fhaiye



*~**~**~**~*



Es war einmal ein kleines, zierliches und ziemlich unbuntes Einhorn mit dem Namen Gared.

Gared liebte es zu musizieren, mit Noten herumzuexperimentieren und allerlei Unfug mit bereits bestehenden Songs zu fabrizieren - seine Zauberkräfte, die ihm als Einhorn innewohnten, halfen ihm dabei.

All das erquickte ihn sehr!
Er hätte in seinem Leben nichts lieber getan als das.

Doch eines Tages, es war ein nebliger und kalter Morgen Anfang Dezember, kam sein Vater auf ihn zu und Gared wusste, dass sein Müßiggang nun ein Ende fand.

Seine Prüfungen standen bevor, denn sein Vater würde sich alsbald zur Ruhe setzen.

Wer sein Vater war, fragt ihr euch?

Gareds Vater war niemand geringeres als der Weihnachtsmann persönlich.
Und wenn eben dieser in den hart erarbeiteten Ruhestand zu gehen vermochte, dann musste Gared in seine Fußstampfen treten, damit der traditionsreiche Familienbetrieb nicht zu Grunde gehen würde.

Ihr alle wollt doch schließlich Geschenke erhalten, oder etwa nicht?

Gared saß an jenem Morgen an seinem magischen Keyboard aus Lebkuchen und Spritzgebäck, komponierte gerade ein weiteres zuckersüßes Stück, als er schwere Schritte vernahm.

Es war soweit!

Und augenblicklich überkamen Gared fürchterliche Bauchschmerzen.
Das, was kommen möge, bereitete ihm Unbehagen und ganz besonders seine mögliche Zukunft, die er sich nicht selbst ausgesucht hatte.

Die Musik lag ihm doch so gut!
Sie war das, was ihm am Herzen lag und ihm Spaß bereitete.
Das, was er wirklich wollte.

Doch das Leben bestand nicht nur aus Zuckerschlecken…
Diese schmerzhafte Erfahrung musste Gared nun am eigenen Leib erfahren.

„Gared, mein Sohn, bist du soweit?“

Wie Espenlaub zitternd drehte Gared sich von seinem geliebten Musikinstrument weg und schaute seinen Vater an, der im mit Mistelzweigen geschmückten Türrahmen Stellung bezogen hatte.

Normalerweise fürchtete er sich nicht vor seinem alten Herrn, doch heute…
Heute wirkte sein Äußeres nicht besonders vertrauenerweckend auf das erschaudernde Einhorn.

Gareds Vater hatte lange weiße Haare und einen dazu passenden Rauschebart, doch anders als man vermuten würde, eine sehr athletische Figur. Auffallend waren zudem die Tattoos, die seinen Körper zierten, besonders die an den Fingern.
‚GIVE‘ und ‚TAKE‘.
Ja, Gareds alter Herr gab gerne - besonders tolle Geschenke, aber wenn jemand frech war, dann nahm er sich die Freiheit und verschenkte an besagtes Kind nur Kohlen.

Ganz einfach.

Nicht nur die Tattoos waren markant, sondern auch das gepiercte Septum und die Ohren, die Gareds Vater zur Schau stellte.
Ein ganz besonderer Anblick – vor allem in Verbindung mit seinem eher dunklen Kleidungsstil.

Gared schluckte, ihm war ganz anders.
Doch die Frage seines Vaters, der Chris genannt wurde, erwiderte er mit einem zögerlichen Nicken.

Chris kam auf ihn zu, die schweren Schritte gellten gar durchdringend in dem kleinen Raum wider.

In Gareds Ohren begann das Blut zu rauschen. Sein Herzschlag beschleunigte sich auf eine schier unerträgliche Art und Weise.

Als er die Hand seines Vaters auf seiner Flanke spürte, dachte Gared, er erleide gleich einen Herzanfall. Alles in ihm zog sich zusammen.
Doch es brachte nichts, er musste nun da durch.

Mit verkniffener Miene blickte er Chris ins Gesicht und stellte fest, dass sein Vater ihn sanft anlächelte.

Wärme, Zuversicht und nicht zuletzt auch Hoffnung prasselten auf Gared ein und nahmen ihm die letzte Luft zum Atmen.

Der Druck in ihm wuchs.
Ganz gleich, ob er mit seinem Schicksal haderte, er wusste, dass es seinem alten Herrn unendlich viel bedeutete - dass es der Menschheit sehr viel bedeutete.

Einer musste diesen Job übernehmen - und demnächst war es eben seine Aufgabe.

„Du schaffst das schon, Gared. Ich glaube an dich.“

Die Zuversicht in Chris‘ Stimme beruhigte ihn ein wenig.

So ließ sich Gared von seinem Vater hinaus geleiten, hinaus auf den verschneiten und vereisten Innenhof.

Unter normalen Umständen hätte Gared es hier sehr genossen.
Das weitläufige Atrium, welches nicht nur vom Gebäude, sondern auch von vielen großen Tannen und Fichten umzäunt wurde, lag in einem herrlich schummrigen Licht vor ihm.
Licht, das die vielen Kerzen der Laternen spendeten.

Doch leider war ihm hier keine Ruhe vergönnt, die der erste Blick ihm versprach.

Etwas weiter entfernt, sah Gared schon den Grund seines Erscheinens liegen.

Doch das konnte nicht sein?
Oder doch?
Sollte das wirklich zu seiner Prüfung gehören?

Mit einem zweifelnden Blick schaute er seinen Vater an, doch dieser nickte nur in die Richtung, in die Gared sich weigerte zu blicken.

„Gared, wirklich. Du schaffst das. Denk doch nur an all die Kinder, die du mit deiner neuen Aufgabe glücklich machen könntest.“

Die Stimme seines Vaters war warm, doch beruhigen konnte sie ihn diesmal nicht.

Zögernd ging er einige Schritte auf den ersten Prüfungsort zu, sah sich verzweifelt um, in der Hoffnung, doch noch einen Ausweg zu finden.
Doch die Werkstattwichtel, die er an den Fenstern stehen sah, schüttelten nur aufmunternd lächelnd den Kopf.
Von ihnen brauchte er wohl keine Hilfe zu erwarten.

„Du weißt, was du zu tun hast?“

Wusste er das?

Gared blickte starr geradeaus, sah sich die Gegenstände an, die so unschuldig vor ihm lagen.

Geschenke.
Unmengen davon.

Was nun?

„Nein, keinen blassen Schimmer.“

Chris lachte auf herzliche Weise los, legte seine Hand auf Gareds Rücken. Dieser zuckte zusammen und lauschte gebannt der Erläuterung.

„Vor langer, langer Zeit habe ich dir mal erzählt, was passiert, wenn ich mich zur Ruhe setzen will. Drei Prüfungen musst du bestehen, damit du dich Weihnachtsmann nennen darfst.“

Chris drehte den Kopf in Gareds Richtung.
Und dieser warf seinem Vater einen skeptischen Blick zu.

„Weihnachts...mann?“

Chris verdrehte die Augen.

„Leg‘ doch nicht jedes Wort auf die verdammte Goldwaage. Dann eben Weihnachtseinhorn –“

Unterbrochen wurde Chris durch das Gelächter von Gared. Als sich dieser einen zurechtweisenden Blick seines Vaters einheimste, verstummte er jedoch sofort und hörte wieder aufmerksam zu.
Böses Blut sollte es nicht geben.

„Da du jetzt wieder still bist, kann ich dir weiter erklären, was zu tun ist. Deine erste Prüfung ist der Geschenkeweitwurf. Ein ganz essentieller Teil der Arbeit als Weihnachtsmann.“

Chris‘ steinerne Miene würde Gared für einige Zeit nicht vergessen - es war ihm mehr als ernst.
Doch bereits wenige Augenblicke später lockerte sein Vater sich wieder, warf ihm ein herzliches Lächeln zu.

„Für die Vorbereitung auf diese Prüfung hast du zwei Tage Zeit. Für jede deiner Prüfungen hast du ein wenig Vorlauf.“

Gared wurde in eine holprige Umarmung gezogen, noch immer fehlten ihm die Worte.

Geschenkeweitwurf?

Er?

„Du packst das, ich glaube ganz fest an dich, mein Sohn.“

Mit einem letzten Augenzwinkern verschwand sein Vater vom Hof und ließ ihn alleine in der klirrenden Kälte zurück.

Fassungslos stand Gared nun da, starrte die verschiedenen Präsente an.
Manche davon waren winzig, andere davon schienen ganze Häuser zu beinhalten. Und wenn er sich nicht ganz täuschte, dann waren sie allesamt noch unterschiedlich schwer.

Fantastisch.

Gared konnte sich tausend andere Dinge vorstellen, die er momentan lieber getan hätte, als zu üben, auf welche Weise man Geschenke am besten und weitesten warf…

Er schüttelte den Kopf und ließ sich zerknirscht in den Schnee plumpsen. Dass der Boden sowohl kalt als auch nass war, spielte keine Rolle. Sein dichtes Fell sorgte dafür, dass er sich keine Blasenentzündung einfangen konnte.

Das hätte ihm nun auch noch gefehlt...

Die Zeit verging, unsagbar viel Zeit.
Gared konnte nicht einmal abschätzen, wie viele Minuten und Stunden verstrichen. Der Mond war bereits aufgegangen und stand hell am Horizont, als er sich zu fragen begann, was all das für einen Zweck hatte.

Er war ein verdammtes Einhorn!

Wie sollte er denn überhaupt Geschenke werfen?

Er sah an sich herab und erblickte seine silbernen Hufe, die im Mondenlicht zustimmend schimmerten.

Sein Vater hatte wohl nicht weit genug gedacht. Als Einhorn war er dieser Aufgabe nicht gewachsen, üben brachte somit nichts.

Eine Sache hatte Gared jedoch mit Absicht außer Acht gelassen, wollte gar nicht daran denken, als er bereits triumphierend den Rückweg in seine Gemächer antrat.

Er würde seinem Vater zeigen, dass er besser musizieren als Weihnachtsmann spielen konnte.

Gareds Grinsen wurde breiter, immer breiter.


Fortsetzung folgt…
Review schreiben