Schicksalhafte Weihnachten [Türchen Nummer 3]

KurzgeschichteFreundschaft / P6
Alea der Bescheidene El Silbador Luzi das L OC (Own Character)
03.12.2019
03.12.2019
1
1991
 
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Ich fuhr mit meinem kleinen blauen Mazda die dunkle Straße entlang. Ich hatte es eilig nach Hause zu kommen. Es war eine recht milde Dezembernacht, kurz vor Weihnachten. Die Straße war nicht glatt und es lag auch kein Schnee. So konnte ich Gas geben. Mein Tacho zeigte mehr als 120 km/h.

Nach einer Weile kam ich in meine Heimatstadt. In jedem Fenster sah man Lichterbögen, rot und gelb leuchtende Sterne. Vor einigen Häusern waren kleine Pappeln mit bunten Lichterketten geschmückt. „Ja, es ist Weihnachten.“ murmelte ich glücklich vor mir her während ich in die kleine Parkbucht einfuhr und anhielt. Ich beeilte mich, endlich in meine Wohnung zu kommen, wo mein Freund bereits auf mich wartete. „Hallo mein Hase. Endlich bist du da.“ Ich freute mich sehr und schmiegte mich an ihn. „Steht der Baum schon?“ fragte ich lächelnd. „Ja, nur die Spitze fehlt noch.“ Mit diesen Worten reichte mein Freund mir einen silbernen Stern. Ich ging in die Stube, streckte mich nach oben und setzte den Stern auf die Spitze. „Perfekt.“ sagte ich stolz und nahm die Tasse mit dem Glühwein, die mein Freund mir reichte.

„Du Schatz, ich muss gleich nochmal zur Mutter. Sie hat vorhin angerufen.“ Ich blickte meinen Freund fragend an. „Du hast doch schon was getrunken. Warum fahren wir nicht morgen zusammen hin?“ „Nein, meine Mutter will, dass ich heute noch zu ihr komme. Es dauert auch nicht lange.“ Widerwillig stimmte ich zu und bat meinen Freund, vorsichtig zu fahren. Er nickte und machte sich fertig. Kurze Zeit später verabschiedeten wir uns und ich sah aus dem Fenster wie er weg fuhr. Das war das letzte Mal, dass ich ihn sah und dass ich lächelte.

Die Stunden vergingen, doch mein Freund kam nicht zurück. Ich beschloss, meine Schwiegermutter anzurufen. „…. wie jetzt? Dominic war gar nicht da?…. Warte mal kurz, es hat geklingelt.“ Ich ging zur Wohnungstür und saß durch den Spion. Draußen stand die Polizei. „Ich ruf dich gleich zurück.“ sagte ich in den Hörer bevor ich auflegte und die Tür öffnete.

„Ja, bitte?“ „Sind Sie Devil?“ Ich nickte und merkte wie sich meine Augen mit Tränen füllten. Ich bat die beiden Polizeibeamte herein und sie begannen zu erzählen. „Ihr Freund, Dominic, hatte einen Autounfall. Er ist in der Rehkurve von der Straße abgekommen und gegen einen Baum gefahren. Es tut uns sehr leid.“ Ich sah die beiden Polizisten nur an und wusste genau dass mein Freund diesen Unfall nicht überlebt hatte.

Kurze Zeit später verabschiedete ich die Polizisten, nahm mir noch eine Tasse Glühwein und brach weinend auf meinem Sofa zusammen. Ich schwor mir, nie wieder zu lachen und nie wieder Weihnachten zu feiern.

Ich änderte mein Leben radikal. Meine sonst so bunte Kleidung wurde schwarz, meine Haare kurz und weiss. Ich färbte sie regelmäßig. Ich suchte mir in einer anderen Stadt eine neue  Wohnung und einen neuen Job. Ein dreiviertel Jahr später zog ich aus meiner alten Heimatstadt weg. Ich wollte einfach neu anfangen. Neue Freunde finden, ein neues Leben beginnen. Egal was passieren würde, ich wollte meinen Schwur, nie wieder zu lachen treu bleiben.

Die Jahre zogen ins Land und ich lebte immer mehr zurück gezogen. Freunde hatte ich keine. Ich suchte auch nicht. Ich liebte das Alleinsein. So konnte ich tun und Lassen was ich wollte. Doch das änderte sich im siebten Jahr.

Es war ein sonniger Sonntagmorgen im Herbst. Ich wurde durch lauten Lärm im Treppenhaus geweckt. Noch recht benommen schaute ich auf meine Uhr. „Erst halb eins, wer macht denn jetzt schon so viel krach?“ knurrend, taumelnd verließ ich mein Bett und ging zur Tür. Ich machte diese vorsichtig auf und schaute ins Treppenhaus. Ich erblickte einige Männer, die schwere Umzugskisten herauf und in die Wohnung nebenan brachten. „Das sind die letzten Kisten Luzi.“ lachte ein Blondhaariger und saß in meine Richtung. „Guten Morgen, wir haben dich doch hoffentlich nicht geweckt.“ Sein Lächeln ließ meine Wut über den Lärm im gleichen Augenblick verschwinden. Ich schüttelte den Kopf und öffnete meine Tür nun etwas weiter um mehr sehen zu können. „Hallo!!!“ ertönte nun eine Mischung aus sieben weiteren Männerstimmen und eine Welle von Lachen überrollte mich. „Hallo...“ stotterte ich und sah in die freundlichen Gesichter. „Du bist meine Nachbarin? Ich bin Luzi und du bist?“ Ein junger Mann, fast so groß wie ich und etwa in meinem Alter, stand nun vor mir und reichte mir seine Hand . Zögerlich streckte ich ihm meine entgegen und stammelte: „Devil… ich bin Devil.“ antwortete ich leise. Irritiert und verwundert über soviel Herzlichkeit, ließ ich Luzis Umarmung zu. „Ich geh dann mal wieder rein.“ „Ok… vielleicht sehen wir uns ja später nochmal.“ Ich bewegte mich rückwärts. Als ich die Tür schloss, schaute ich noch einmal durch meinen Spion. Die Jungs standen immer noch draußen und unterhielten sich. Ich sah, dass sie über mich sprachen.

Während ich mich umzog, verlor ich mich in Gedanken. Dieser Luzi war komisch. Woher nahm er sich das Recht, mich in seine Arme zu nehem? Woher kam sein Humor? Ich wusste es nicht. Doch diese Begegnung sollte nicht die einzige bleiben. Auch mein Lachen sollte ich zurück bekommen, noch bevor dieses Jahr zu Ende ging.


„Ich komme!“ Luzis Stimme war immer noch lebhaft wie vorher. „Ja… ups. Waren wir zu laut?“ Ich schüttelte meinen Kopf und hielt Luzi eine große Schüssel Nudelsalat vors Gesicht. „Ich hoffe, du magst Nudelsa….“ Weiter kam ich nicht, denn Luzi nahm mir die Schüssel ab und zog mich mit sich in seine Küche. „He Alea, Elsi...wir haben Besuch.“ Luzis Augen strahlten als er das sagte. Noch mehr strahlten seine Augen, als er mich ansah. „Setz dich Devil.“ Er schubste mich leicht sodass ich auf sein Sofa plumste. Genau zwischen diesem Alea und diesem Elsi. „Warum lebt eine so schöne Frau wie du eigentlich allein?“ „Elsi, nicht!“ Alea funkte sofort dazwischen. „Ich bin Alea und das ist Elsi.“ Aleas warme Stimme ließ mich traurig werden. Ich sah zwischen den drei Jungs hin und her, verließ dann fluchtartig, weinend Luzis Wohnung. „Hab ich was Falsches gesagt?“ hörte ich Alea noch sagen.

Die nächsten Tage versuchte ich keinem der Jungs über den Weg zu laufen, doch klappte es nicht immer. Es war Luzi, dem ich ständig in die Arme lief. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass er mich abpasste. Es war der 30. November als ich am späten Nachmittag von Arbeit kam und einen kleinen, weiss-schwarzen Plüschbären vor meiner Tür fand. „Der ist ja süß… oh ein Zettel.“ Ich hob den Teddybär auf und laß den Zettel. „Mein kleines, süßes Teufelchen, oft hab ich dich weinen gehört. Du bist so süß und ich möchte nicht, dass du traurig bist. Deswegen dieser kleine Teddy. Er soll dich zum Lächeln bringen. In ewiger Freundschaft und inniger Liebe, dein Luzi.“ Mir schossen sofort Tränen in meine Augen. Warum hatte „und inniger Liebe“ durchgestrichen? Um seine Gefühle zu mir wusste ich schon längst Bescheid. Während ich in meine Wohnung ging, schaute ich zu der Tür gegenüber und formte das Wort „Danke“. Dabei hielt ich den Plüschbären fest in meinem Arm, meinen Tränen freien Lauf lassend.

Ich hatte es mir mit dem kleinen Bären im Arm auf meinem Sofa bequem gemacht und schaute Star Wars, als es an der Tür klingelte. Ich machte auf uns sah direkt in Luzis funkelnde Augen. „Darf ich rein kommen?“ fragte er mit sanfter Stimme. Ich nickte. Er folgte mir in meine Stube und erblickte sofort den kleinen Teddy. Luzi lächelte. Wir setzten uns. Luzi kam gleich zum Thema. „Die Jungs und ich fragen uns die ganze Zeit, warum du immer so traurig schaust.“ „Ich will nicht darüber reden, Luzi.“ Luzi legte eine Hand an mein Kinn und drehte meinen Kopf zu sich. Was er dann tat, konnte ich nicht glauben. Sein Gesicht kam meinem sehr nahe. Ich schloss meine Augen und spürte seine Lippen auf meinen. „Wir würden uns alle sehr freuen, wenn du zu unserer Weihnachtsfeier kommst. …. Mein süßes Teufelchen.“ Mit diesen Worten stand Luzi auf und verließ meine Wohnung. Ich schaute ihm traurig nach, den kleinen Teddy im Arm.

Die Tage vergingen und ich dachte immer noch an den Kuss. Es war der 15. Dezember, mein letzter Arbeitstag. Ich freute mich schon innerlich, wieder ein kleines Geschenk vor meiner Tür zu finden. So war es auch. „Ach Luzi, du willst wirklich, dass ich nachher zu eurer Feier komme.“ Ich nahm die große Plüschkatze in meinen Arm und betrat meine Wohnung. Und wie jeden Tag, sah ich auch diesmal wieder zu Luzis Wohnungstür und murmelte das Wort „Danke“. Ich wollte gerade meine Tür schließen, als ich Luzi hörte. „Devil, warte .“ Ich wartete. Luzi kam leichten Schrittes zu mir und sah mich liebevoll an. Ich bat ihn herein. Kaum in meiner Wohnung, nahm Luzi mich in seine Arme und fragte mich: „Ich habe lange überlegt wie ich dich fragen könnte. Ich genieße es, in deiner Nähe zu sein und wollte dich fragen, ob… du … ich….“ Luzi war aufgeregt, das merkte ich sofort. Ich ergriff das Wort. „Ob ich mit dir zusammen sein möchte...“ Luzi nickte. Auch ich hatte schon darüber nachgedacht. Es könnte ja nicht schaden und so willigte ich ein. Luzi war außer sich vor Freude. Er wirbelte herum und rief beim Raus hüpfen noch: „Ich freue mich so, mein süßes Teufelchen.“

Ok, das war jetzt doch schon etwas creepy. Ich hatte also wieder, nach sieben Jahren, einen festen Freund. Ja, es waren auf den Tag genau sieben Jahre. Traurig senkte ich meinen Blick und schwelgte in Erinnerungen an den schrecklichen Unfall, bei dem mein damaliger Freund ums Leben kam. Mein Handy riss mich aus meinen Gedanken. Eine Nachricht von Luzi. „Mein süßes Teufelchen, ich freue mich schon total, dich nachher bei unserer Feier zu sehen. Ich bin schon dort und helfe bei den letzten Vorbereitungen, ich liebe dich mein Hasiputzi.“ Achja, die Feier. Die hatte ich ganz vergessen. Ich beeilte mich um fertig zu werden. Es war kurz vor 19 Uhr als ich fertig war und los machte. Die Adresse hatte ich schnell gefunden, doch traute ich mich nicht in den weihnachtlich geschmückten Saal. Ich stand draußen und schaute durch das große Fenster ins Innere. Die Jungs waren schon allesamt da. Alle hatten ihre Partnerinnen mit, nur Luzi saß alleine, traurig blickend, an der Seite. Ich sah wie Elsi zu ihm ging und eine Schachtel Zigaretten vor seinem Gesicht hin und her schwenkte. Luzi stand auf und folgte Elsi. Ich ging einen Schritt weiter ins Dunkle. „Luzi, schau mal da. Dort steht jemand.“ Dabei klopfte Elsi ihm auf die Schulter. Luzi drehte sich in meine Richtung, sein Blick erhellte sich. „Devil!!!“ stieß Luzi erfreut aus während er zu mir kam. Er nahm meine Hand und zog mich ins Licht. „Wie lange stehst du denn schon hier mein süßes Teufelchen? Du bist ja schon durchgefroren.“ Luzi legte mir seine dicke Jacke über die Schultern. Dabei lächelte er mich so liebevoll an, dass ich ungewollt, schüchtern, zurück lächelte. Luzi streichelte mir sanft übers Gesicht, küsste mich vorsichtig. „Lass uns rein gehen, ja!! Ich willigte ein, Luzis Hand in der meine haltend.

Als wir den Saal betraten, traute ich meinen Augen nicht. Alle standen in Reih und Glied. Auf der einen Seiten die Jungs und ihnen gegenüber die jeweilige Partnerin. Alea kam auf mich zu, hielt mir  einen großen, goldenen Stern entgegen und meinte: „Devil, erweißt du uns die Ehre?“ Ich verstand sofort, schaute aber unsicher zu Luzi. Dieser nickte und ging mit mir an der Hand in die Mitte des Saals. Dort stand ein prächtig geschmückter Weihnachtsbaum. Luzi und ich stiegen auf eine kleine Hebebühne. Oben angekommen, steckte ich den Stern auf die Spitze des Baumes. Lautes Jubeln, Lachen und wildes Applaudieren durchbrach die Stille. „Nun gehörst du zu uns, mein Herz.“ Mit diesen Worten küsste Luzi mich leidenschaftlich.

Es war eine wunderschöne Feier. Wir tranken, aßen, spielten und tanzten. Um Punkt Mitternacht hörte ich in der Nähe Glocken läuten. „Die sieben Jahre sind nun rum.“ murmelte ich. „Welche sieben Jahre?“ Ich zuckte zusammen. „Erzähl mir endlich was los ist mein Schatz.“ Luzi sah mich erwartungsvoll an. Ich seufzte und begann zu erzählen was auf den Tag genau vor sieben Jahren geschehen war. „Wir sind alle für dich da Devil. Wir sind doch Freunde.“ Ich blickte zu einer jungen Frau, die in Aleas Armen lag. „Ja genau. Wir sind Freunde“ stimmten die anderen zu. Ich konnte es kaum glauben. Ich hatte nun endlich Freunde. Von diesem Augenblick an ging mein Leben wieder bergauf. Doch meiner schwarzen Kleidung und meinen schneeweißen, kurzen Haaren blieb ich treu.