One important rule to follow

von MelinaHae
GeschichteDrama, Freundschaft / P12
Furlan Church Isabel Magnolia Levi Ackermann / Rivaille
02.12.2019
02.12.2019
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Kapitel 1: Immer Verlass

Levi spürte die kalten Ziegelsteine des Schornsteins an seinem Rücken, während er unauffällig im Schutze seines Schattens das Dach herunter spähte.
Vier. Vier Wachen zählte der Schwarzhaarige auf dem Boden. Sie bewachten den Eingang eines Hauses, dessen herunterkommender Zustand dem der Nachbarhäuser glich. Levis Augen folgten der Gestalt einer Frau, die eingeschüchtert den Weg passieren wollte und sogleich von den Wachen gezwungen wurde, in einem großen Bogen ihren Weg fort zu führen. Wachsam waren sie ja, dachte sich der Dieb mit dem Anflug eines schelmischen Grinsens. Doch nicht wachsam genug.
Für das Auge eines Unwissenden war es nicht nachvollziehbar, weshalb diese stark bewaffneten Männer gerade solch ein Haus bewachten. Doch Levi und seine Freunde waren nicht unwissend. Der Eigentümer des Hauses war ein Spitzel der Regierung und einer der hohen Tiere befand sich in diesem Augenblick zu einem Informationsaustausch vor Ort. Der Auftrag war simpel, die Ausführung weniger, wenn es sich nicht um die drei berüchtigtsten Diebe der Unterwelt handeln würde, die ihn angenommen hatten. Sie sollten die wertvolle Taschenuhr aus seinem Mantel stehlen, welche der Regierungsbeauftragte immer bei sich trug. Die Hälfte des Gewinnes hatte Levi für sie ausgehandelt, damit wären sie einen deutlichen Schritt näher an ihrem Ziel, sich aus der Unterwelt frei zu kaufen.
Sein Blick wanderte von den am Boden stehenden Wachen über die umliegenden Dächer, auf denen er Farlans und Isabels Umrisse erkennen konnte, die sich ebenso wie er versteckt hielten. Ihre Blicke trafen sich und sie nickten sich zu. Alle drei waren bereit, zu zuschlagen. Der Schwarzhaarige konnte ein Grinsen auf Isabels Lippen erkennen und wusste sofort, dass ihr ein Spruch auf der Zunge lag, den sie in diesem Moment zu gerne los werden würde, es aber aufgrund der Distanz nicht konnte. Levi warf ihr einen mahnenden Blick zu. Sie sollte sich konzentrieren.
Die erfahrenen Diebe hatten die Männer bereits seit ihrem Eintritt in die Unterwelt am frühen Tag beschattet. Aus dem Grund wussten sie, dass sich noch drei weitere Wachen in dem Haus befinden mussten. Der Plan war es, dass Isabel und Farlan sich um die Wachen außerhalb kümmern würden, während Levi in das Haus eindrang und den Job erledigte. Sie würden gegebenenfalls nachkommen, auch wenn Levi bezweifelte, dass sie das bräuchten. Der junge Mann war nicht arrogant oder leichtsinnig, doch Wachen dieser Art waren ihm bekannt und sie hatten ihnen noch nie sonderliche Probleme bereitet. Wieso sollten sie es also an dem heutigen Tage tun?
Dennoch spannte er seinen Körper angriffsbereit an, als er sich ein letztes Mal nach Passanten umsah und dann Isabel und Farlan das Zeichen zum Angriff gab. Ziel sollte es sein, die Wachen so schnell auszuknocken, dass sie möglichst wenig Zeit hatten zu reagieren. Dafür war ihr 3D Manöver-Ausrüstung ideal.
Levi beobachtete seine Kameraden, wie sie leise bis zur Dachkante kletterten, sich noch ein letztes Mal zu nickten und dann synchron ihre Haken in die jeweils gegenüber liegenden Hauswände schnellen ließen. Die Wachen zückten aufgeschreckt ihre Waffen, doch da schwangen sich die Beiden schon zu ihnen nieder und warfen zwei von ihnen zu Boden. Den Schwung ausnutzend trat Farlan noch in der Luft dem dritten die Waffe aus der Hand, bevor er leichtfüßig auf dem Boden aufsetzte. Einer der am Boden liegenden Wachen schien bewusstlos zu sein, der andere jedoch rappelte sich etwas schwankend direkt wieder auf. Levi musste dem Drang widerstehen, ihnen sofort zur Hilfe zu eilen und kurzen Prozess zu machen, doch ermahnte er sich innerlich, seinen Freunden zu vertrauen und sich auf seinen Teil der Mission zu konzentrieren.
So nutzte er die Ablenkung, um sich an seinem Haken das Dach runter gleiten zu lassen und leise wie eine Katze zur Haustür zu gelangen. Dort presste er sich neben die Haustür an die Wand und wartete ab. Die Kampfgeräusche mussten auch die Aufmerksamkeit der anderen Wachen erweckt haben, nahm Levi an und wenige Sekunden später hörte er auch schon, wie laute Fußstapfen zur Tür gerannt kamen und ein Wachmann diese aufschwang. Noch eher er den Dieb wahrnehmen konnte, hatte dieser ihm schon einen Kinnhaken verpasst und ihn mit einem gezielten Schlag in den Nacken bewusstlos geschlagen. Ohne weiter zu zögern, huschte er an dem Mann vorbei ins Haus.
Mit seinen geübten Augen scannte er die Umgebung. Drei Räume, die von dem dunklen Flur abgingen, auf dem er sich befand. In dem hintersten Raum waren laute Stimmen zu vernehmen, die angeregt darüber zu reden schienen, was wohl draußen vor sich ging. Ehe er sich auf den Weg dorthin machen konnte, wurde bereits die Tür aufgeschwungen und zwei weitere Wachen kamen in eiligen Tempo heraus gestürzt. Sie erblickten ihn sofort und zückten ihre Pistolen. Keine Sekunde zu spät brachte er sich hinter einer Kommode in Sicherheit, bevor die Schüsse auch schon losgingen. Schützend hielt Levi sich einen Arm über den Kopf, als eine Vase auf der Kommode zerdeppert wurde. Er spürte das leichte Gewicht seines Messers an der Seite, welches er immer bei sich trug, jedoch nur in äußersten Notfällen zum Einsatz kam. Er war ein Dieb, kein Killer. Die Schüsse hörten auf und er vernahm, wie sie mit bedachten Schritt auf ihn zu kamen.
„Komm schon raus, Kleiner. Du hast keine Chance gegen uns beide. Wenn du dich ergibst, tun wir dir auch nichts.“ Levi konnte das diabolische Grinsen aus seinen Worten heraus hören und seine Augen verengten sich, bei der Anspielung auf seine Größe. Wenn sie sich mit ihm Anlegen wollten, konnten sie das kriegen. Sobald er die zwei erledigt hatte, wäre der Job quasi getan. Die Schritte kamen immer näher. Die grauen Augen des Diebes wanderten an die Decke und er zückte sein 3D-Manöver-Gear. Hoffentlich würde sie halten, dachte er sich beim Anblick der morschen Decke und drückte ab. Der Haken schnellte in die Höhe und hakte sich in das splitternde Holz fest. Blitzschnell zischte er hinterher in die Luft, nutzte den Schockmoment der Wachen aus, um dem Größeren von ihnen einen gezielten Tritt vor die Schläfe zu verpassen und sich im selben Zuge auf den anderen zuschmeißen. Die Wache wusste nicht, wie ihm geschah, als er plötzlich auf dem Boden lag, Levi über ihm kniete und ihn mit den Griff seines Messers einen Schlag verpasste. Sofort dämmerte er weg.
Wie, als wäre nichts geschehen, stand Levi auch schon wieder und wischte sich den Staub von der Hose. „Tch. Von Putzen noch nie was gehört, was?“, murrte er missmutig, zwang sich dann jedoch wieder dazu, sich auf den Plan zu konzentrieren. Mit gezielten Schritten hielt er auf den Raum zu, aus dem die Stimmen gekommen waren. In diesem Augenblick herrschte absolute Stille. Levi befürchtete schon fast, dass sie einen Weg zur Flucht entdeckt hatten, als er sich um die Ecke schwang und den Spitzel, sowie den Regierungsbeauftragten dort stehen sah, beide mit vor Schreck und Furcht geweiteten Augen. Die Arme verschränkend, lehnte er sich in den Türrahmen und musterte die beiden. Hier schien kein Kampf mehr nötig zu sein. Seine scharfen Augen konnten keine Waffen an ihnen erkennen und im Nahkampf wären sie ihm bei ihren Staturen weit unterlegen. Denn Levi war zwar klein, aber durch das jahrelange Training auch ziemlich muskulös.
„Machen wir es uns allen einfach“, sprach er trocken und warf dem Regierungsbeauftragten dabei einen bedrohlichen Blick zu. „Sie geben mir Ihre Taschenuhr und wir verschwinden wieder. Das ist alles.“
Die beiden eingeschüchterten Männer sahen sich kurz an und der Spitzel nickte ihm nur zu. Mit zittriger Hand kramte er in der Innentasche seines Mantels und holte wenig später eine goldglänzende Taschenuhr hervor.
„Na geht doch“, lobte Levi ihn mit einem nicht mehr euphorischen Ton als zuvor und schritt auf ihn zu, um diese zu ergreifen. Seine Augen waren dabei starr auf die Beiden gerichtet und seine übrigen Sinne nicht so aktiviert, wie sie es vielleicht hätten sein sollen. In dem Moment, in dem der Blick des Spitzels für den Bruchteil einer Sekunde an ihm vorbei huschte, wusste er, dass eine Pistole auf ihn gerichtet wurde. Mit einem Seitensprung versuchte er sich aus der Schusslinie zu retten, als auch schon der Schuss ertönte und ein stechender Schmerz seinen rechten Oberarm hoch zog.
Diesen nicht beachtend, machte er einen weiteren Hechtsprung auf den Regierungsbeauftragten zu, packte diesen blitzschnell in einen Würgegriff und drückte seine Messerklinge gegen seine Kehle. Die grauen Augen von Levi trafen auf die dunklen des Mannes, der auf ihn geschossen hatte. Eine weitere Wache. Wie konnte das sein? Er war definitiv nicht dabei gewesen, als Levi sie gemeinsam mit seinen Freunden bespitzelt hatte. Doch es tat auch nicht zur Sache, er hatte seine Deckung fallen lassen. Innerlich verfluchte er sich für diesen Fehler, nach außen hin bewahrte er wie immer die Fassung.
„Waffe fallen lassen oder ich schlitze diesem Dreckskerl hier die Kehle auf und dir deine nutzlose Zunge raus.“
Die Wache zögerte und schien zu versuchen, an seinem Gesicht abzulesen, ob er bluffte. Doch Levi konnte man nicht durchschauen. Sein Blick forderte nur eins und dass war bedingungsloser Gehorsam. Wütend knirschte der Mann mit den Zähnen.
„Müssen wir noch deutlicher werden?“, erklang da die Stimme von Farlan, der hinter dem Mann in der Tür aufgetaucht war und ihm seinerseits eine Waffe an den Hinterkopf hielt. Scheinbar hatte er geahnt, dass nicht alles ganz rund gelaufen war, da Levi immer noch nicht wieder raus gekommen war und hatte sich vorsichtshalber auf dem Weg eine der herumliegenden Waffen geschnappt. Nun musste sich auch die Wache geknickt geschlagen geben. Farlans und Levis Blicke trafen sich und sie nickten sich einverständlich zu.

Auf dich ist Verlass.

Immer.

Wenig später trafen sie sich auch schon mit ihrem Auftraggeber, ein älterer Herr, der eindeutig nicht aus der Unterwelt stammte. Vermutlich hatte er ihnen den Auftrag gegeben, da er dieselbe Einstellung wie die meisten Menschen von dort oben hatte: Die Bewohner der Unterwelt waren Dreck und deshalb wird ihnen auch die Drecksarbeit überlassen. Levi war es gleichgültig, wie der Mann über sie dachte. Ihm war nur wichtig, was aus dem Deal für sie heraus sprang und das war, wie bereits vorab gewusst, eine enorme Summe an Geld, die ihnen direkt ausgezahlt wurde. Zwar noch lange nicht genug, um sie alle drei aus der Unterwelt frei zu kaufen, aber sie hatten ja auch schon einiges gespart. Noch ein paar wenige Jobs in dieselbe Richtung und sie würden freie Menschen sein.
Erst als sie auf dem Weg nach Hause waren, schenkte Levi seiner Wunde das erste Mal Aufmerksamkeit. Es war nur ein Streifschuss gewesen, dennoch hatte es stark geblutet und sein Ärmel war rot getränkt. Genervt verzog er das Gesicht. Widerlich.
„Aniki, das muss genäht werden.“ Isabel warf ihm einen sorgenvollen Blick zu, welchen er mit einem Wink mit der Hand quittierte. „Nein, sie hat recht“, ermahnte ihn Farlan streng. Niemand sprach sonst so mit ihm. „Ich kümmere mich gleich darum.“
Da Levi keine Lust hatte, zu diskutieren, zuckte er nur gleichgültig mit den Schultern. Selten hatte er gute Laune, die wollte er sich nicht selbst verderben.
An dem heutigen Abend ließen die drei es sich selten gut gehen. Isabel besorgte Lebensmittel vom Markt und sie aßen so viel, wie vermutlich noch nie. Auch mit ihren Komplizen, die sie sonst bei ihren Aufträgen häufig dabei hatten, teilten sie Speis und Trank. Es waren überwiegend Kinder oder junge Erwachsene in ihrem Alter, denen sie kleine und nahezu ungefährliche Aufgaben erteilten. So gaben sie ihnen eine Sinnhaftigkeit in ihrem sonst sehr trostlosen Leben und Geld, um dieses zu überleben. Die dreier Truppe war für ihre Taten bekannt und respektiert, weshalb keiner aus der Gegend auf die Idee kam, sie bei der Militärpolizei, denen sie hin und wieder gerne entwischten, zu verpfeifen.
Als es immer später wurde, löste sich die Gemeinschaft nach und nach auf. Wie viel Uhr es genau war, konnte keiner sagen, denn am Sonnenlicht konnten sie sich nicht orientieren. Die einzige Uhr, die in der Unterwelt zählte, war ihre innere, die ihnen allen ihre Müdigkeit nach dem anstrengenden Tag ansagte.
Mit weit aufgerissenen Mund gähnte und streckte Isabel sich. Ihre sonst so lebendigen Augen schauten träge ihre ausgewählten Brüder an. Farlan grinste und wuschelte ihr im Vorbeigehen durch die Haare, bevor er sich an den Abwasch machte. Levi musste heute ja nicht noch unnötig aufgeregt werden.
„Geh schlafen, Isabel“, riet er ihr. „Morgen ist auch wieder ein langer Tag und den restlichen Abwasch schaffen Levi und ich auch alleine.“ Bestätigend nickte Levi, während er an seiner Tasse Tee nippte.
Das ließ sich Isabel nicht zweimal sagen. Wenn sie schon einmal die Chance hatte, Levis Putzwahnsinn zu entkommen, dann musste sie diese auch nutzen.
„Naaa gut“, rief sie theatralisch und sprang so gleich auf ihre Füße. „Dann lass ich euch mal euren Spaß haben.“ Mit einem Wink mit der Hand verabschiedete sie sich und verschwand im Hand um drehen in ihr Zimmer.

Nun waren Farlan und Levi alleine im Raum und es kehrte Ruhe ein. Nachdenklich drehte Levi seine Tasse in der Hand und beobachtete dabei, wie der heiße Tee hin und her und fasst über den Rand schwappte. „Du ärgerst dich über heute, nicht wahr?“
Ja, es stimmte. Levi hatte eine undurchschaubare Art an sich, die die meisten Menschen in seiner Umgebung nervös machte – nicht so Farlan. Der junge Mann war nun schon so lange sein Freund und Partner in Crime, dass er mehr Familie für ihn war, als jemals zuvor eine Person in seinem Leben. Nicht einmal seine Mutter und erst recht nicht dieser Dreckskerl namens Kenny. Deswegen machte sich Levi erst gar nicht die Mühe, ihn anzulügen und ließ stattdessen seinen Frust raus.
„Ich war nicht wachsam. Immer bin ich voll konzentriert, habe alles im Blick, aber heute ist es mir einfach entgangen..“, er zog verärgert die Stirn kraus. Solche Fehler durfte er sich in seinem Job einfach nicht leisten, nicht als Leader. Er trug schließlich nicht nur Verantwortung für sein eigenes Leben, sondern auch für das seiner Freunde.
Farlan wollte ihm schon Widerworte geben, wollte ihm deutlich machen, dass sie ohne seine Fähigkeiten und seinen scharfen Blick grundsätzlich nie soweit kommen würden, doch da wurde er durch ein Klopfen an der Tür unterbrochen. Verwunderte und skeptische Blicke wurden ausgetauscht. Wer um diese Zeit noch etwas von ihnen wollte, konnte nichts gutes im Schilde führen. Während Farlan sogleich auf leisen Sohlen zur Tür schlich, zückte Levi sein Messer. Der Blonde stellte sich neben die Tür und ergriff den Türknauf. Mit der anderen Hand deutete er ihm an, still zu sein. Levi verdrehte die Augen. Als ob er ihm das deutlichen machen müsste.
In dem Moment, als Farlan die Tür aufreißen wollte, war von draußen ein leises Wimmern zu vernehmen. Verwundert weiteten sich die Augen des Blonden. Das war ein Kind. Sachter, als ursprünglich geplant, öffnete er die Tür und da war er. Ein Junge, höchstens im Alter von sieben Jahren, stand zusammengekauert vor ihrem Eingang und sah ihn aus tränennassen und angsterfüllten Augen an. Über seine Stirn lief ein Blutrinnsal sein Gesicht hinab und beschmutze den Boden vor seinen Füßen.

„S-Seit ihr die Diebe, von d-denen alle sprechen?“, fragte er mit zittriger Stimme vom Weinen. Zu perplex, um etwas antworten zu können, nickte Farlan nur.
„Ich habe einen Auftrag für euch.“





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Ich habe Attack on Titan gestern zum ersten Mal seit langem Mal wieder gesehen, also bitte verzeiht mir, wenn ich irgendwelche Fehler drin habe und weist mich gerne darauf hin.
Schönen Abend bzw. Tag noch, wann auch immer ihr das hier lest.
LG Melina
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