Rise from the Ashes

von eiswolf23
GeschichteMystery, Sci-Fi / P16 Slash
02.12.2019
14.02.2020
6
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Phönixflug




Andockmanöver in dreißig Sekunden abgeschlossen!“ Dröhnte die laute mechanische Stimme in ihren Ohren wieder, selbst durch den dicken Helm den sie auf dem Kopf trug war diese Stimme nerventötend laut zuhören, schon den ganzen Flug über sagte ihr diese seelenlose Computerstimme was sie zu tun hatte, wenn sie leicht vom Kurs abkam, die Geschwindigkeit zu stark erhöhte oder zu sehr drosselte. Das war schlimmer als bei ihrem alten Fluglehrer der auch ständig etwas an ihrem Flugstill anzumerken hatte, aber der hatte keine Medal of Honor, nur ein paar Silver Stars und Tapferkeitsmedaillen also was wusste der denn schon “Danke Hymi.“ Ihrem neuen Kopiloten schien es da ganz ähnlich zu gehen, Zoe erwischte ihn des Öfteren dabei wie er mit der linken Hand nach dem Griff zu seiner Seite des Cockpits griff wenn sie die Geschwindigkeit nur so zum Spaß erhöhte und um ihre Besatzung fester in die Sitze zu drücken. Diese Woge von kleinlauten Angstschreien die dann durch die Reihen der Crew wehte war einfach köstlich fand sie, Zoe war kein tyrannischer Offizier der seine Männer wie Hunde behandelte aber sie genoss es dennoch sie ein bisschen zu quälen in dem sie ihre schier uneingeschränkte Macht in Gebrauch nahm, das machen alle Offiziere ab und zu. Ist der einzige Weg nicht durchzudrehen “Hymi?“ Sie schaltete die Regler der Haupt- und Schubdüsen geregelt herunter um ihre Maschinen auskühlen zu lassen ohne das sie explodierten, was passieren würde wenn sie die Reaktoren einfach so abschalten und den Reglern den Saft abdrehen würde. Die Fanghaken der Greifarme in der Landebucht waren schon dabei nach den Kuppeln ihres Shuttles zu packen um ihr Schiff mit der Alpha Station zu verbinden. Die Ladebrücke zur Luke auf der rechten Bordseite fuhr raus und die Transportbrücke auf der linken Seite schloss sich an die Klappen des unteren Frachtraumes an in der sie die Ersatzteile und die neue technische Ausrüstung für die geplanten Umbauarbeiten der Station aufbewahrten. Hauptsächlich Laservisiersysteme und Abschusssysteme mit Raketen und Nullpunktprojektilen “Hyrim Metallical Instinkt, eine künstliche Intelligenz die alle Schiffe der zweiten Generation der Eligius Corporation haben. Die großen Frachter der Langzeitmissionen haben diese noch nicht, das Upgrade ist ganz neu.“

Bei Mikel klang es fast so als wäre das tatsächlich etwas Gutes, diese ständig nervende, plappernde Stimme die immer alles besser wusste aber nicht selbst fliegen konnte da der Autopilot sich noch in der Testphase befand so dass es schlussendlich doch allein an Zoe lag den Vogel sicher zum Gipfel zu fliegen. Dazu brauchte sie keinen Nachhilfelehrer, sie konnte genauso gut blind Fliegen und würde noch eine perfekte Landung im Gebirge hinkriegen. Hier in der endlosen Leere des Alls wo sollte sie da bitte schön groß anstoßen? “Welche Ehre.“ Höhnte sie bissig durch die Funksprechanlage ihres Helmes durch und begann die Maschinen systematische eine nach der anderen abzuschalten “Schon mal in der Gegend gewesen?“ Fragte er während sie auf das Go des Terminals in der Alpha Station warteten “So in der Art.“ Gab sie leicht schmunzelnd zurück. Er kannte ihren Spitznamen, jeder kannte den, weshalb er oft genug Ziel von leichtem Spott wurde aber das störte sie nicht im Geringsten. Ihr war dass Geblöcke von anderen schon immer vollkommen egal gewesen, doch Mikel meinte es gar nicht als Beleidigung. Noch vor dem Start hatte er Zoe erklärt was für eine Ehre es sei einmal mit ihr hoch zu fliegen. Er war schon lange bei der Eligius Corporation angestellt gewesen ehe er zur Space Force, einer Sonderabteilung der Air Force und der NASA gewechselt war und hatte als Pilot der Staffel den Flug zur großen Alpha und zur neueren GoSci Station schon mehrere Male unternommen. Er hätte den Flug sicherlich problemlos auch ohne sie bewerkstelligen können aber es war gegen Zoes Prinzipien sich von anderen fliegen zu lassen “Andockmanöver in zehn Sekunden abgeschlossen!“ Dröhnte ihnen Hymis Stimme im Ohr. Das Shuttle fuhr runter und die Außenbeleuchtung schaltete sich automatisch aus. Ihre Sitze fuhren wieder herunter und die künstliche Schwerkraftließ sie alle zurück fallen. Ein Zischen verriet ihnen das die Landebrücke jetzt fertig mit dem Schiff angekoppelt war “Sauerstoffzufuhr geöffnet. Schwerkraft normal. Sie dürfen sich jetzt an Bord frei bewegen.“ Verkündete ihnen Hymi wie immer freundlich und zuvorkommend.

Zoe und der ganze Rest ihrer Besatzungen nahmen die bulligen Helme ab und atmeten auf, die Designer der NASA hatten in den letzten Jahrzehnten einige Fortschritte in Sachen Arbeitskleidung für die Schwerelosigkeit gemacht, ihre Anzüge waren verglichen mit denen der Apollo Missionen hauchdünn und so flexibel das man darin auf der Erde rennen und sogar klettern konnte wenn denn nötig. Sie waren viel atmungsaktiver und leichter geworden was sie weniger hinderlich für die Arbeit in engen Maschinenräumen werden ließ, doch die Helme vermittelten ihr immer noch das Gefühl als hätte sie ein Goldfischglas auf den Kopf geschnallt darum war sie froh das unhandliche Ding endlich mit dem Klipp an ihren Gürtel hängen zu können. Sie reckte und streckte sich etwas und ließ dabei ihre Gelenke eines nach dem anderen laut Knacken “Du weißt das ruiniert dir nur die Fingerknorpel?“ Viele Menschen trieb dieses knirschende Geräusch in den Wahnsinn, unter anderen Ihren Onkel Cody, genau darum tat sie es nur umso gerner “Wenn stört´s?“ Sie lächelte feix und stand aus ihrem Sessel auf, seit nunmehr acht Stunden hatte sie die Beine nicht mehr ganz durchdrücken können darum wankte sie noch ein wenig bei ihren ersten Schritten in Richtung Passagierraum aber dieses Flugtaumeln ließ wieder nach ehe sie die Hälfte der Sitzreihen beidseits des Gehweges zum Ausgang hinter sich gelassen hatte. Das Shuttle hatte in der oberen Etage genug Platz und Sitzreihen für vierzig Passagiere und in den Laderäumen darunter Stauraum für mehrere Tonnen Bauteile, zumindest genug um ein kleines Haus ins All zu transportieren “Gute Arbeit Jungs.“ Lobte sie ihren Copiloten und die Deckoffiziere in der hinteren Schaltanlage. Als Kapitän gebührte ihr die Ehre die Luke zu öffnen und als erster auszusteigen. Den traditionellen Applaus den sie von ihren Gästen zu hören bekam nach erfolgreicher Landung wischte sie mit loser Hand beiseite. Draußen hinter der Tür aus massivem Stahl wartete ihr neues Zuhause für die nächsten fünf Jahre, bis die Arbeiten an dem zu verbessernden Verteidigungsanlagen abgeschlossen waren um Diyozas Crew der Verdammten einen schönen Willkommens Empfang zu bereiten.

“Kommt schon Jungs, guter Flug also gehen die Drinks heute Abend auf mich.“ Mikel war direkt hinter ihr, der Rest der Mannschaft folgte danach. Zoe sollte eigentlich Kapitän Robert Stone ablösen welcher seit drei Jahren das Kommando über die Alpha Station inne hatte, eigentlich hatte sie erwartet ihn in allen Ehren auf der Brücke zu begegnen doch als sie die Luke aufstieß und mit geducktem Kopf hindurch schlüpfte stand er bereits vor ihr auf der Landungsbrücke. Ungeduldig hielt er ihr die rechte Hand hin “Kapitän Phönix, schön sie zu sehen, Ihr Kommen wurde bereits sehnlichst erwartet.“ Er war ein kleiner, drahtiger Kerl mit buschigen Augenbrauen und dafür völlig kahlrasierter Platte auf dem Schädel mit ein paar Muttermahlen über dem linken Ohr. Er war gut doppelt so alt wie Zoe und über seiner Uniform, welche aus einem Raumanzug mit Sternen auf den Schultern und der Aufschrift ´Kapitän´ darauf, hing ein schweres Kruzifix aus Holz. Scheinbar selbstgeschnitzt, die Kanten waren etwas ungleich geschliffen und das eingeritzte ´J´ war leicht krumm “Kapitän Stone.“ Erwiderte sie seinen Handschlag freundlich aber bestimmt. Er hatte einen überraschend festen Händedruck wie Zoe überraschend feststellte, normalerweise drückte Zoe gerne etwas kräftiger zu und schätzte es auch wenn ihr gegenüber keine Pusy beim Händeschütteln war. Dennoch war sie aufgrund seiner äußeren Erscheinung angenehm überrascht “Bitte verzeihen sie vielmals dass ich sie schon in der Landebucht so rüde überfalle aber ich habe das Ende meines Dienstes bereits sehnlichst herbeigesehnt. Außerdem würde ich sie gerne persönlich zur Brücke begleiten.“ Hinter ihm wartete bereits eine Gruppe von Mindestens zwei Dutzend anderen Crewmitgliedern an die er sich nachdem er ihre Hand wieder losgelassen hatte, wandte “Fangt schon einmal an euer Handgepäck an Bord zu bringen während die Hangarcrew die Baumaterialien heraus lädt.“

Kapitän Stone war klein hatte aber einen äußerst zügigen Gang bei dem sogar Zoe darauf achten musste nicht immer weiter zurückzufallen und mit ihm Schritt zu halten während er ihr eine erste kurze Führung durch ihr neues Arbeitsumfeld gab “Sie wurden sicher schon über die Entstehungsgeschichte der Station aufgeklärt, ein Präventivschlag von oben auf die ganze Welt.“ Lautete der erste Satz mit dem er eine der größten technischen Errungenschaften der Menschheit im abfälligen Ton beschrieb “Die Brücken sind oben, die Schlafsäle darunter, die Generatoren in der Mitte und die Abschussdocks sind ganz unten.“ Erklärte er ihr in äußerst kurzen und groben Sätzen den Aufbau der Station, aber Zoe hatte schon die Pläne der Station zu genüge auf der Erde studiert und sich die Baupläne der Umbauarbeiten der neuen Module angesehen. Zumal würde sie selbst keinen Schraubenschlüssel in die Hand nehmen, sie hatte nur alles zu überwachen und sich eine nette Willkommensstrategie für Diyoza auszudenken. Die Techniker würden schon ihre Wunder vollbringen “Alles darauf ausgelegt die Welt zu zerstören, als würde das Harmagedon nicht schon früh genug kommen.“ Fügte er bissig hinzu und hetzte weiter, Zoe entschied sich nicht weiter zu fragen. Sie ging hinter ihm her und warf einige flüchtige erste Blicke auf ihre neue Basis, die Wände waren mit sauberen, weißverfärbten Glasplatten abgedeckt darunter befand sich das weitläufige Flechtwerk aus Kabeln, Drähten, Rohren und Glasfaserleitungen die dieses Schiff hier am Leben erhielten. Das Personal und die Crew wichen respektvoll zur Seite und salutierten respektvoll vor Kapitän Stone. Ein Gravitationsgenerator sorgte für künstliche Schwerkraft die sie alle am Boden hielt “Wie viele Leute sind hier eigentlich auf dem Schiff?“

Zoe wusste das es etwa Einhundert Mitarbeiter sein müssten, vor ihrem Flug hatte sie aufmerksam die Protokolle der Alpha Station studiert, aber mit dem Schichtwechsel würden sowohl Stone als auch eine Handvoll anderer Offiziere ausgetauscht werden daher war sie sich nicht ganz sicher “Siebenundsechzig. achtzehn Deckoffiziere für die Steuerung die uns auf Kurs halten, dreiundzwanzig Ingenieure, sieben Ärzte, zwölf Soldaten und sieben übrige Wissenschaftsoffiziere wie etwa Astronomen und Physiker.“ Zählte Stone der Reihe nach die Kategorien der Crew auf ohne das Tempo zu drosseln. Er führte sie zu einem hydraulischen Lift der sie zur dritten Etage hoch brachte wo der Eilmarsch dann weiter ging “Die Generatoren sind unten ebenso wie die Triebwerke und die großen Raketensilos der Demolition-Rain.“ Die Alpha Station hatte Verteidigungsanlagen vor allem an der Unterseite da bisher ja nur davon ausgegangen wurde von hier aus den Planeten zu bombardieren, auf die Idee einer Schlacht im All war bisher noch niemand gekommen, das würde jetzt ihre Aufgabe sein. In den nächsten Monaten und Jahren würde Zoe den Ausbau des Abwehrsystems der Station überwachen um von allen Seiten her Geschosse austeilen zu können. Nullpunkt-Geschosse, Schallkanonen, Sprengdiskusse…Das ganze Arsenal, wobei sie hier großes Neuland betraten. Ein Kampf im All war mit keinem Schlachtfeld auf der Erde zu vergleichen, es gab kein oben und kein unten, keine feste Front und keinen Sammelpunkt an dem sie sich orientieren konnten. Zoe hatte für diese Mission extra ein Bataillon Kampftaucher bereitgestellt bekommen die den Kampf mit schweren Geschützen zuvor jahrelang unter Wasser geprobt hatten “Auf der Mittleren Ebene befinden sich die Versammlungsräume und die Quartiere der Besatzung. Hier oben sind Brücke und die Wasseraufbereiter.“

Die Baupläne auf der Erde hatten ihr einen völlig falschen Eindruck dieser Anlage vermittelt, Alpha Station war gewaltig, fast so groß wie die Titanic nur wurde der meiste Platz nicht genutzt oder für große maschinelle Anlagen verwendet. Sie war eine starke Lady aus Titan und Panzerglas die den Himmel dominierte, sowie alles was unter oder über ihr lag. Die Königin des Kosmos, so lautete ihr Rufname am Raumhafen Riat. Jetzt da sie hier oben war und das Kommandodeck der Station betrat konnte sie diesem Spitznamen nur zustimmen. Unter ihr führten drei Stufen nach unten wie in einem Klassenzimmer, nur das auf den Tribünen hier keine Stunden irgendwelches Gekritzel in ihre Notizbücher malten sondern Astronauten und Bordarbeiter sich aufmerksam über ihre Schaltsysteme beugten und die Funktionen des Schiffs am Laufen hielten. Sie alle blickten in Richtung des gerundeten Panoramafensters das in einem Halbkreis von Hundertachtzig Grad sich an der Außenseite der Alpha Station herauswölbte wie eine geschwollene Beule. Doch diese Beule war das Gehirn der Station, von hier aus wurde einfach alles gesteuert, die Lebenserhaltenden Systeme, die Triebwerke, die Generatoren, die Waffen einfach alles. Von hier aus hatte man auch einen schlicht unvergleichlichen Blick auf die Erde welche unter ihnen still da in der Schwerelosigkeit ruhte. So groß. So weit. So Wunderschön, trotz allem. Zoe kannte Einsteins Theorien der Relativitätstheorie mit den Zwillingen von denen einer im All herumflog und der andere auf der Erde blieb, wobei der Zwilling im All keine zehn Jahre gealtert war während der andere auf der Erde über dreißig Jahre gewartet hatte. Zoe würde nur sechs Monate hier oben bleiben, aber auf was für eine Erde genau würde sie dann zurückkehren?  

“Ihre rechte und ihre linke Hand, Carol Midnight und Viktor Frankenstein.“ Riss Stone sie wieder aus den Gedanken heraus. Für einen Moment glaubte Zoe sich verhört zu haben, doch der feste Blick von Stone ließ alle Zweifel verschwinden das er sich ausversehen versprochen haben könnte. Die Frau unten an der Treppe war wohl sieben oder sechs Jahre älter als Zoe, mit starken Schultern, sturmgrauen Augen, weich anmutender Schokohaut und einem kecken Lächeln auf den Lippen weswegen Zoe sie sofort auf den ersten Anblick hin sympathisch fand. Sie war in ein Gespräch mit dem Mann ihr gegenüber vertieft der nicht weniger als das komplette äußerliche Gegenteil von ihr war.  Er glich einer wandelnden Leiche, mit der bleichen fast kreideweißen Haut und den schwarz umrahmten Augen mit den blau verfärbten Weiß um die Iris herum, er hinkte leicht und war ziemlich dürr. Er stützte sich zwar auf einen Stock ab aber noch konnte er selbst laufen dank des von ihm selbstgestalteten Ektoskeletts das seine Hüfte, die Beine runter und den linken Arm schützte sowie einen Teil der Brust und des Halses. Er war groß und dürr, fast so groß wie sie nur mit tief schwarzen Haaren dem es an Kraft fehlte, genauso wie ihm selbst. Sein Alter konnte irgendwo zwischen Zwanzig und Fünfzig liegen. Oder bei Hundert, dachte sich Zoe sagte aber nichts “Ihr neuer Kapitän, Zoe Phönix.“ Stellte er Zoe den beiden Offizieren vor “Die Chefin der Schiffsgarde und der Leiter des Ingenieurskorbs.“ Fügte er hinzu nachdem die beiden Zoe der Reihe nach die Hand reichten, Carol war wie zu erwarten kräftig und muskulös, Viktors Hände waren kalt und mit kleinen Narben übersät “Der Gefallene Engel.“ Meinte dieser freundlich lächelnd wobei er nur noch kranker aussah als sonst. Stone rümpfte leicht angewidert die Nase und brummte leise “Sodomit.“ Zischte er kaum hörbar durch seine aufeinander gebissenen Zähne heraus, Zoe schien die einzige zu sein die es mitbekommen hatte “Auf den da müssen sie ganz genau achten, Ich bin mir fast sicher das dass der Reiter des Todes ist.“ Meinte Stone und sah mit scharf verurteilendem Blick seinen Ingenieursmeister an.

“Ich werde sie auch ganz schrecklich vermissen, Kapitän Stone.“ Erwiderte Viktor knapp mit unüberhörbaren Hohn in der hohen Stimme, er lehnte sich etwas zur Seite hin und verschränkte die Hände auf dem Kopf seines Gehstockes aufeinander, wartete auf eine Erwiderung. Scheinbar führten der Ingenieure und der Kapitän derlei Schlagabtausche schon in der Vergangenheit des Öfteren, Carol konnte darüber nur noch gelangweilt die Augen verdrehen. Aber es war Stones letzter Tag und er wollte so schnell wie möglich verschwinden daher schluckte er seinen deutlich sichtbaren Hass auf Viktor herunter und wandte sich wieder zu Zoe hin “Ihre Station, ihr Problem. Möge Gott sie schützen, er weiß sie können jede Hilfe brauchen.“ Mit diesen Worten verschwand er wieder die Treppe nach oben und überreichte ihr somit inoffiziell die Schlüssel zum Himmel. Wenn sie wollte könnte Zoe jetzt direkt befehlen die Erde zu bombardieren und mit diesem Druckmittel hohe Forderungen an die Führer der Welt stellen. Wer die Alpha Station kontrollierte, kontrollierte auch alles über und unter ihr, daher waren ihre Kapitäne immer Männer und Frauen gewesen deren Loyalität und Vaterlandsliebe unantastbar waren. Zoe fühlte sich geehrt jetzt hier oben zu stehen, als Wächterin von oben, der stille und unsichtbare Schutzengel der gesamten Menschheit. Sie verschränkte die Hände hinter dem Rücken und trat näher an die dicke Glasscheibe heran, diesen Anblick kannte sie schon. Sie konnte die langsam fallenden Tropen und die schmelzenden Pole alle gleichzeitig bewundern, die Wüsten und die Meere, die Steppen und die Wälder, die Städte und die kahlen Stellen der letzten Kriege welche als Narben im Fleisch des Planeten zurückgeblieben waren. Zwar nicht neu aber dennoch mit nichts im Leben zu vergleichen, daran konnte man sich gar nicht sattsehen “Wie hat er das mit dem Reiter des Todes gemeint?“ Fragte sie ihre beiden Stellvertreter ohne sich nach ihnen umzudrehen.

“Ich wurde mit der Gabe des Todes geboren.“ Gab er leichthin zurück so als sei es das Selbstverständlichste überhaupt auf der Welt, das heitere Grinsen in seinem Gesicht enthüllte die überraschend gutaussehenden, perlweißen Zähne dahinter “Er kann nichts dafür, als Kind war bei ihm OI Typ 1 diagnostiziert worden, die Glasknochenkrankheit.“ Klärte Carol sie auf und sogleich fühlte Zoe sich furchtbar schuldig für ihren scharfen Gedanken eben noch, sie drehte sich zu ihm um “Tut mir leid.“ Bestimmt hatte er diese drei Worte in seinem Leben schon mehr als oft genug gehört, genug das ihm dabei fast schon die Galle im Rachen hochsteigen musste, aber was sollte man denn sonst dazu sagen? Diese uralten, immer gleichen Phrasen waren inzwischen so etwas wie echte Klassiker geworden “Schon okay, ich hab mich damit abgefunden. Darum bin ich auch zur Air Force gegangen, in der Schwerelosigkeit behindert mich die Krankheit kaum. Ich habe übrigens seit fast sechs Jahren ein zehnjähriges Experiment am Laufen ob sich die galaktische Strahlung positiv auf das genetische Erbgut des Menschen auswirken kann. Falls sie noch mit machen wollen, Freiwillige Spender für die nächste Generation suche ich immer.“ Baggerte er sie da gerade eben an? Zoe war sich nicht sicher aber Viktor schien eine ziemlich vorlaute, ziemlich direkte, ziemlich spitzfindige Art zu haben. Er war todkrank und wusste das auch selbst daher schien er das ganz nach Belieben auszunutzen. Zoe entschied das sie ihn mochte “Mit derlei Sprüchen hat er schon die letzten drei Kapitäne in die Flucht geschlagen. Stone hat am längsten durchgehalten, aber dafür dürfte er jetzt innerlich ein gebrochener Mann sein.“ Meinte Carol leichthin mit einem vorsichtigen Grinsen.

“Ich hab noch keinen Menschen gesehen der mich wirklich herausgefordert hat.“ Meinte Viktor nicht weniger bescheiden wie er vorlaut und rechthaberisch war, Zoe war sich sicher dass sie ihn sehr mögen würde “Du hast noch nie mich gesehen.“ Gab Zoe bissig zurück und drehte sich zum Rest der Kommandobesatzung hin. Ein schriller Pfiff aus ihren zusammengepressten Lippen ließ die gut zwanzig Offiziere und Bordmitglieder synchron mit ihrer Arbeit inne halten und zu ihr herunter blicken. Zoe wusste dass eine kurze Ansprache zwar weder strategisch noch physiologisch irgendetwas mit dem Ausgang einer Schlacht zu tun hatte, war aber doch wichtig für die Moral und die Arbeitseinstellung der Männer und somit dann doch wieder ein entscheidender Faktor für das Gelingen der ganzen Operation. Anführer mussten ihre Leute für jede noch so kleine und schwere Sache begeistern müssen, das hatte Tradition und seinen Sinn “Ihr wisst nicht wer ich bin und ihr wisst nicht wer ich bin, nehme ich an?“ Fragte sie wild in den Raum hinein, keiner widersprach ihr das nahm sie als Zustimmung ihrer Theorie hin und sprach weiter, den Blick über die Reihen der Männer schweifend, aufmerksam ihre Reaktionen beobachtend “Ich bin, Zoe Phönix.“ Auf das leise ächzen in der Menge bei der Erwähnung ihres Namens beachtete sie nicht weiter “Ich bin hier um einige Umbauarbeiten an der Alpha Station zu überwachen. Die Grund dafür sind simpel und prägend zugleich: Charmaine Diyoza hat die Eligius IV gekapert und ist gerade in diesem Moment auf dem Weg zurück nach Hause.“ Wie zu erwarten löste der Klang dieses Namen ebenfalls eine absehbare Reaktion aus, eine Mischung aus Bestürztheit und purer Angst gemischt mit Wut. Diyoza zählte wohl zu den meistgehassten Menschen der Geschichte, wirklich jede Person jeder Nation war froh gewesen sie endlich los zu sein “Der Antrieb des Schiffes ist beschädigt, sie werden einige Jahrzehnte zurück brauchen, das ändert aber nichts an der Tatsache das Dreihundert der schlimmsten und brutalsten Verbrecher unserer Zeit mit Massenvernichtungswaffen ausgestattet hier her unterwegs sind. Bereiten wir ihnen einen schönen Empfang.“