Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Gewissensonflikte

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Hoshi Sato Malcolm Reed
02.12.2019
23.12.2019
5
6.185
4
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
16.12.2019 777
 
„Was willst du?“ Hoshi sah Travis verständnislos an.

„Bitte.“ Er blickte den Korridor auf und, aber um diese Stunde war es unwahrscheinlich, dass jemand da war. „Hast du eine Minute Zeit für mich?“

„Das ist besser wichtig.“ Sie trat zurück und ließ ihn in ihr Quartier.

Es war nicht das erste Mal, dass er dort war, aber sie hatte heute Abend keine Besucher erwartet. Sie kam gerade aus der Dusche, war aber vollkommen anständig; sie trug einen Bademantel und einen Turban auf den Kopf. In der Hand hielt sie eine Tasse Ingwertee, den sie gerade erst gemacht hatte.

Sie zeigte auf den Stuhl und er setzte sich, während sie sich auf der Kante ihres Bettes setzte, an ihren Tee nippte und ihn neugierig anstarrte.

„Pack schon aus, Travis,“ sagte sie. „Oder ist das nur ein Gefälligkeitsbesuch?“

„Nun, es ist… wie geht es dir?“ fragte er besorgt. Sie hatten sich zur Mittagszeit noch einmal unterhalten, als er ihr in der Krankenstation einen Besuch abgestattet hatte, um zu sehen, wie es ging, aber Phlox hatte ihr gesagt, dass es eine Weile dauern würde, bis sie die Erfahrung, die sie gemacht hatte, vergessen würde; und nach den Kopfschmerzen nach zu urteilen, die sie selbst nach einer Dosis des normalerweise äußerst wirksamen Hypospray, noch plagten, hatte der Arzt recht gehabt.

Sie stellte die Tasse Tee ab, zog das Handtuch von ihrem Kopf und begann, sich die Haare damit zu trocknen, sehr vorsichtig um die Schläfen, wo die Spuren der Folter der Xindi noch sichtbar waren. „Es geht mir gut, aber das habe ich dir schon heute Mittag gesagt,“ sie warf ihm ein schiefes Grinsen zu. „Du siehst beschissen aus. Was ist los?“

Travis blickte verlegen drein. „Es geht um Malcolm,“ gestand er.

Hoshi hörte abrupt mit dem Trocknen auf. „Was stimmt nicht mit ihm?“

„Er… ich mache mir Sorgen um ihn. Wegen des Captains.“

„Travis. Ich habe es dir schon gesagt. Er hat versucht, sich freiwillig zu melden. Er sagte, es sei seine Aufgabe als taktischer Offizier, aber Captain Archer hat ihn mit mir und Morgan weggeschickt. Das habe ich auch Trip und T'Pol gesagt. Es war nicht seine Schuld.“

„Ich weiß das. Aber ich mache mir trotzdem Sorgen.“

Nach ein paar weiteren, halbherzigen Bewegungen ließ sie das Handtuch sinken. „Ja. Er wird glauben, dass es seine Schuld ist,“ sagte sie langsam. Er wird sich davon überzeugen, dass es so ist.“

Der junge Steuermann nickte heftig. „Das glaube ich auch.“

„Hör zu. Das hat… das hat uns allen schwer getroffen. Er ist stark, er ist ein Profi. Er wird darüber hinwegkommen.“

Travis Gesicht war normalerweise fröhlich, obwohl ein Lächeln seit dem Verlust des Captains Mangelware war, aber jetzt war keine Spur eines Lächelns auf dem Gesicht zu sehen. „Das denkst du?“

Sie suchte Zuflucht in einem weiteren Schluck Tee. Was zum Teufel könnten sie tun, wenn er es nicht war? Es war nicht so, als wäre er leicht zu erreichen oder ein eingefleischter Redner. Sie hatte mittelalterliche Festungen auf der Erde gesehen, die weniger mächtige Verteidigungen hatten als Malcolm Reed, wenn er sich entschloss, sich in seiner Hülle zurückzuziehen.

„Nun, vielleicht nicht, aber…“

„Hoshi. Es gibt kein Vielleicht. Ich schwöre, der Kerl braucht Hilfe.“

„Hilfe! Was zum Teufel? Willst du, dass dein Kopf abgeschossen wird?“

„Es muss nicht sein.“ Er beugte sich eifrig vor. Wenn du einfach mitspielst…“


Wenn Phlox mich jetzt sehen würde, würde er mich einen Monat lang ruhigstellen.

Hoshi schlüpfte aus der Shuttle-Bay und ging zum Turbolift. Sie hatte Glück, nicht gesehen worden zu sein, aber sie hatte den Besuch sorgfältig geplant; es waren wahrscheinlich nicht viele Leute unterwegs.

Trotzdem war das, was sie tat, ziemlich ernst. Sie fragte sich, was sie sich eigentlich dabei gedacht hatte, als sie sich von Travis dazu überreden ließ. Am meisten fragte sie sich, ob sie ohne einen Verweis in ihrer Akte davonkommen würde. Was blieb, war hartnäckige Entschlossenheit, dass man manchmal eben ein Risiko eingehen musste, besonders wenn es um den Menschen ging, der seine eigene Sicherheit, ohne einen Moment zu zögern, für dich riskieren würde.

Sie fragte sich einen Moment lang düster, ob Travis so hinterhältig war, wie er zu sein schien. Weil Malcolm nicht der Einzige war, der mit… na ja… Problemen in den letzten Tagen fertig werden musste.

Trotzdem – er war keiner, der sich etwas vormachen lässt. Wenn er Wind bekommen würde, dass er geleimt worden war, würde er wahrscheinlich keinem von beiden je vergeben.

Sie trat wieder in ihr Zimmer ein und holte tief Luft. Dann zog sie ihren Schlafanzug an und legte sich ins Bett.

Und dann nahm sie die Phasenpistole, die sie sich von der Raumfähre geliehen hatte, und feuerte.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast